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oocneinfen QBafefeten
natürlichen
Religion
in zehn Abhandlungen
aufeine begreiflihe Art
erklaͤret u gerettet
Hermann Samuel Reimarus
Profeſſor in Hamburg.
Dritte verbefferte und ſtark vermehrte Aufage.
Daulurg, dep Jobann € Earl Bohn. "1766. _
—
T
PUBLIC LIBRARY
un
Vorberiht.
De gegenwärtigen Abhandlungen
enthalten wefentlich nichts an⸗
derd, als diejenigen Gründe,
darinn ich meine eigene Beruhi⸗
g gung jederzeit gefunden, fo oft ich die erften
Wahrheiten aller Religion , nach gefunder
Vernunft, bey mir überdacht habe. Ich
Bin auch nimmer Willens geweſen, weiteren
Gebrauch davon zu machen, als den mir et⸗
wa bie Unterredung mit.andern , oder der
muͤndliche Unterricht im der Meltweisheit
darbiethen würde. Wer aber.unfere jegigen:
Zeiten nur ein wenig fennet, der wird wohl
begreifen, daß mir diefe haben Gelegenheit
und Trieb geben können, meine Gedanken
zum allgemeineren Nugen. in — zu
2 brim ·
, *
bringen, und auf eine faßliche Weiſe vorzu
N tzu⸗
Ich will der heutigen Lebensart, und
der freyen Reden, die in manchen Gefell-
ſſchaften geführet: werden , nicht erwähnen:
\
davon mögen andere leichtlich eine mehrere
Erfahrung haben. Aber -viefes habe ich
"nicht ohne Befremdung bewterfet, daß feit
weni ee fin en bi Den B
je kleiner ten, mehrentheils in frangd-
—*— Sprache; Wer die Welt geftreer iſt,
worinn nicht ſowoͤhl das Chriſtenthum/ ais
vielmehr alle natuͤrliche Religion und Sitt,
Fichkeit, verlacht und angefochten wird. Und
> michdünfet, dieſes ausgeſaͤete Unkraut findet
a jegt, mehr ald jemals, leere Aecker, wo es |
einwurzein und fih ausbreiten kann. Der
gemeine Mangel eined vernünftigen Erkennt»
niffes von den Grundmahrheiten aller. Re⸗
ligion und Ehrbarkeit ftellet die Gemürher,
Bey der jetzigen Freydenkerey/ nicht einmal
fuͤr ihren eigenen, gefchmweige denn für fremz.
u geſchmuůckten Einwendungen in Si-
erheit.
"Das Cheiſtenthum feget die Wahtheiten
der natuͤrlichen Reiigion / von Gottes Da⸗
ſeyn,
Vorbericht |
, Eigenfihaften., Schöpfung, Vorſe⸗
0 7 -Abfiche and, Geſeẽe von der Seele
Weſen, Natur und Unſterblich⸗
u. ſ. w. nicht alfein voraus, fondern ed.
t diefelben auch zum Grunde, und flicht
mit in das Echraeödune feiner Geheim⸗
⸗ ein. Was waͤre alſo an ſich menſchli⸗
„was wäre dem Chriſtenthume ſeibſt
—*88 Aals daß alle Menſchen zu:
derſt Die edle Babe der gefunden Ders:
iſt auch zum Erkenntniſſe ihres Schdpfers ‘
endeten, und diefe Einficht, fo weit fie
bet, mit den Glaubenslehren verfnüpf-
? Dem wie kann einer mit. Örunde glau⸗
daß die Offenbarung von Gott komme,
m er nicht vorher uͤberfuͤhrt iſt, daß ein
tt fen? Wie kann er ihn lieben, ehren,
‚ feinen Gebothen willig gehorchen, wenn
ine Bollfommenpheiten, Borfehung und
ichten nicht erfennet? Wie kann er eine
ligkeit gemärtigen, und eine Belohnung
en, wenn er fich hat überreden laſſen,
er feine Seele habe, oder daß der ganze
nſch eine bloße verwesliche Maschine
’.Menn wir nun Das, was wir] zuvor
ſen koͤnnen und follen , in einen bloßen
wmben verwandeln, und der Glaube fich
y auf.dad Wiſen Seien und Kine X
+. Borbericht.
kann, bey dem Mangel ber Vormauer und
Grundlage des Glaubens, durch einen ges
ringen Stoß, der Glaube und das Ehriften-
thum feldft, ja alle Religion, leicht wankend
gemachet werben und Binfallen,
Diefed Auffert fi) zwar feltener bey
bem gemeinen Manne , aber dfterer , als
manche denken, ben Vornehmern. Wenn
die , bey heutiger galanten Erziehung , ſo
wenig andere gründliche Wiffenfchaft, als
vernünftigen Unterricht in den Grundwahr⸗
heiten aller Religion, ja kaum Gedächtniß-
formeln einer Kinderlehre, mit in die
große Welt bringen: fo find fie taufender:
ley Gefahr bloß geftellet. Was befommen
fie, zumeilen fchon als Knaben , für freye
Reden, Einmwürfe und WBernünfteleyen ge⸗
gen die Religion zu hören? was Iefen fie
nachmald für fchlüpfrige und ungezähmte
Bucher? was denken fie oft felbft, bey einer
flatterhaften Unwiſſenheit, ind Wilde?
Wenn dann etiwa zugleich die Neigung zu
£aftern eine offenere Thüre findet, fo ift Fein -
- Wunder, wenn fie das Joch, welches ihre
Ausſchweifungen hemmen will, ganz ab-
ſchuͤtteln. |
Ser
Er befömmt eine Berachtung und. einen
umern Haß gegen feine Religion; und weil
er feine andere hat, als die abergläubifche,
und von feiner andern weis, fü. verwirft er
alle Religion ohne Unterfehie,
Andere find vielfeicht nicht fd ſehr zum
Tande und Aderglauben angewieſen; aber
‚fie haben doch einen fuͤrchterlichen Degeif
von Gott, und deſſen Rathſchluͤſſen tiber
die Menſchen, gefaflet. Die Wirkung das
von iſt in ähnlichen Umſtaͤnden einerley: fie
koͤnnen ein ſolches Weſen, das ihnen als ein
Schreckenbild abgemahlet worden, nicht lie⸗
ben, nicht verehren: fie ſuchen fi ch deſſen,
als einer leeren Einbildung von einen Ge -
*4 ſpenſte,
| Vorbericht.
ſpenſte, zu entſchuͤtten. Beyde koͤnnen da⸗
her in eine gruͤbelhafte Atheiſterey gerathen:
beyde wuͤrden nicht ſo weit verfallen ſeyn,
wenn ihnen zugleich eine natuͤrliche Religion
vernuͤnftig beygebracht waͤre.
Es giebt eine andere Art Leute, die, bey
ſo ungegruͤndeter Unterweiſung in den erſten
und vornehmſten Wahrheiten der geſunden
Vernunft, ihr Lebtage in ſich ſelbſt un-
ſchluͤſſig bleiben, was ſie aus ſich machen
wollen. Sie beſtimmen nimmer, wer fie
“find, wo fie find, mie fie in die Welt kom⸗
men, toorauf fie ihren Zweck und Hoffnung
zu richten haben. Sie hören und leſen als
lerley; aber aus Neubegierde und zum Zeit:
vertreibe.e Sie merken fih die Einwürfe
wider die Religion, und bringen fie wohl in
Sefekfchaften an deu Mann: aber fie thun
ed nur, damit fie fich ein Anfehen des Witzes
geben mögen, oder etwa einen Geiftlicyen in
die Schule zu führen, In der That glau⸗
ben oder verwerfen fie weder eins noch an.
ders, feßen nirgend feften Fuß, und ſchwe⸗
ben beftändig zwifchen Himmel und Erde,
Eine Gemüthsverfaffung, die ihnen nothr
wendig zum öftern ernftliche Beunruhigung
machen muß! | oo.
| Tau⸗
it yar. undeutliche. Boeftellung in dem
natürlichen Erfenntniffe in den Sinn heinget:
Da wäre ed gar ungeitig, den Teufel anzu⸗
Hagen, als ob der ihnen folche Gebanken
eingegeben Hätte; man ſollte vielmehr Ihrer
ſchwachen Vernunft, die Feine Anlenung
gehabt, zu Hulfe tommen.
Wenn wir auch ten , daß und die
Waprpeiten dernatürlihen Religion ſo klar
vor Augen waͤren, daß fie fein vernuͤnfti⸗
ger Renſch verleugnen oder daran zweifeln
Fönute, und daß uns. alſo die. Vernunft am
Blauben nicht hinderte ;. fo find mir uns
doch das allegeit ſelbſt fehufdig, daß mir une -
liches Auge deswegen: nicht vers
ſchließen, weil wir ein Mikroſkopium oder
ein Fernglas haben, . Was wärde denn aus
der höheren Einficht „werden? Niemand
Tann die entferneten oder ſehr Meinen Kr
per durch ein Fernglas oder durch ein Mir
kroſtopum eefennin, und fi von PN
*5 inte
j “ I. 1 ,
s
Vorbericht.
Wirklichkeit uͤberzeugen, als der ſich des na⸗
tuͤrlichen Geſichtes dabey bedienet, und nach
deſſen Grundregeln alles beurtheilet. Nie⸗
mand kann von der Offenbarung und deren
Geheimniſſen überführt ſeyn, als der fein
natürlich Vermögen zu urtheilen, und def
fen Erkenntniß mit fich bringe: und
Brauchet. |
Die Beweiſe aus der Schrift koͤnnen in
dem Falle, wo ein Zweifel an Grundwahr⸗
beiten aus einer geblendeten Vernunft ent⸗
fieht, nichts ausrichten. Die Gründe von
der Wahrheit der chriftfichen Religion kom:
men auch zu frühe ben denen, die feine na-
türliche Haben, oder darinn nech nicht ges
wiß find. Die metaphyſiſchen Demonftra-
tionen aus der höheren Weltweisheit find
Den meiften zu trocken, zu weitlaͤuftig, zu
gefünftelt, zu unbegreiflich. Ich will nicht
fagen , daß einige folder Demonftrationen
den Grüblern Blößen geben, daß fie Das
Durch nur defto eher Zweifler werden, und
fih in das dünne Gewebe ihrer Gedanken
noch mehr verwickeln.
Wo etwas iſt, das bey allen Eingang
ſinden kann und muß, ſo werden es die
rüns
Grund·
gen vor Augen ee * derinn, dur
n Paar leichte Schtüffe, begreiſſich umn
werfig kann gezeiget werden? .
Ich Bin diefer natürlichen und einfaͤlti⸗
m Art im Denken jederzeit nachgegangen;
mal in metapfufifchen Wahrheiten , wo
deinen fürzern und fiherern Weg zur un«
weglishen Beruhigung des Gemüthes zu
vimfchen Lirfache hatte, Vielleicht Habe
h auf diefem unbetretenen Wege offenbare
zeweiſe der. wichtigften Wahrheiten gefun⸗
en, welche andere, nach dem Eompaß ver
Schulmethode, in ihrer Weltweisheit vors
ey gegangen find; vielleicht koͤnnten fie fuͤr
lle und jede uͤberzeuglicher ſeyn, und die
ʒemuͤther weder Durch allzutrocdene Scharfe
migkeit, abſchrecken, noch felb bey zip
enkenden ohne Eindruck ſeyn.
Möchte
‘
a
%
r
)
Borbericht.
NMoͤchte ich doch dem gemeinen Mangel
vernuͤnftiger Einſichten auf eine leichte und
angenehme Art abhelfen! Möchte ich fo viele
wuͤſte Menſchen beiehren fönnen, daß fie oh:
ne Gost in der Welt, und ohne Hoffnung
des ufünftigen Eebens, auch hier ungluͤck⸗
ſelig ſind, und ihrer eigenen Natur entgegen
handeln! Moͤchte ich ſo manche Gruͤbler
und Zweifler von ihrer Verwirrung und
Unruhe befreyen, und ihnen die muntere
Gemuͤthsruhe mittheilen, deren ich feit vie
len jahren genieße! An der Religion iſt
Dem menfchlichen Gefcjlechte, iſt jedem zu
feiner Gluͤckſeligkeit gar zu viel gelegen, als
daß fie derabſaͤumet, verachtet und uͤbertre⸗
ten werden koͤnne.
» Unvernünftige Thiere fönnen wohl das
nahe Ziel ihrer Gtückfeligfeit durch blinde
Triebe finden: aber der Menfch Fann ohne
Gebrauch der Vernunft nicht einmal feine
leibliche Nothdurft flillen, oder feine finnli-
hen Begierden dabey in gebührenden
Schranfen halten; vielweniger kann er aber
feinen höheren Raturkräften des Weritan:
Des und Willens Genüge thun, wo er nicht
in Erforfchung der Urſachen bis zu dem er⸗
Ren vollfommenften Weſen fteigt, fen
eis⸗
. -
. A . f}
-
. :
Weigheit, Güte und Mache in den Wer⸗
fen der. Schöpfung feine Vorſe
bung fich zur gelafienen Zuverſicht dienen
läßt ,. und die rechte Erfüllung feiner Ab⸗
fichten in einem befleren und bauerhafteren
Leben hoffet.- |
® .
‚ Miles übrige Willen ift HH,
und bringet auch feinen vielfältigen Nutzen;
„aber ohne Religion.itt ed nur ein taͤndelnder
Zeitvertreib, der unfer Gemuͤth nicht erfät-
tiget, nicht beruhiget. Dieſe allein‘ zeiget
uns das Urbild aller Vollkommenheit, die
Duelle alles Segens und Gluͤckes, und den
Zuſammenhang aller Dinge mit einer Aufler
ften großen. Abficht , welche auch unfer
Wohl enthält, und und mit ungezweifeltem
Vertrauen auf eine gnädige und weiſe Fuͤh—
rung, und mit Hoffnung auf unfere ewige
glückfelige Dauer erfüllet. Dieſe bringet
unfere Begierden zur Ordnung und Einige
feit: fie lehret ung den nüßlichen Gebrauch
alles inneren Vermoͤgens, und alles Auffer:
lichen Guten: fie machet ung zufrieden mit
uns felbit, liedreich gegen’ andere, beliebt
bey Menfchen, und dem hoͤchſten Werfen
angenehm.
m
u i | | Ss
[2 -
‘ \
⸗
Vorbericht.
So ſehe ich die Religion an, und ſo
habe ich mich bemuͤhet, ſie, wie ſie iſt, und
wie ich ſie empfinde, klaͤrlich vorzuſtellen.
Uedrigens iſt meine Sorge nicht geweſen,
ihr durch glaͤnzenden Witz, oder durch ein
Feuer der Beredſamkeit, eine geborgte
Schoͤnheit zu geben. Sie iſt fuͤr ſich, in
ihrer naturlichen Geſtalt, reizend genug,
wenn dieſe nur recht aufgedecket wird: ſie iſt
zu nahe mit unſerm eigenen Gluͤcke ver⸗
wandt, als daß fie einer fremden Empfeh⸗
lung brauchte. Vielleicht möchte fie auch
nur durch äuflerlichen Putz verftellet und ver-
daͤchtig gemachet werden. Witz und Wahr:
heit, Beredſamkeit und Einſicht, begleiten
ſich nicht allemal. Meine einzige Bemuͤ⸗
hung iſt dahin gerichtet geweſen, alles, ſo
weit es ſich durch geſunde Vernuuft thun
laͤßt, verſtaͤndlich und deutlich zu machen,
daß die Wahrheit und Wichtigkeit der Sa-
chen einem jeden , der nur etwas denfen
‚ Tann, einkeuchten möchte,
—
Inhalt
SE Ze
EEEEECVECEVEEEE
Inhalt
der Aohendimgs ·
1
Vom prunge be Menſchen und
Thiere. n. | ©. 1
Daß Menſchen und Thiere ihren Ur⸗
ſprung nicht von der Weltader der Na⸗
tur haben, 82
Daß die körperlihe Welt an fich leb⸗
108, und daher keiner innerlichen Voll⸗
kommenheit fähig fen; folglich auch
nicht felbftändig , ewig, nothwendig,
fondern von einem andern, um ei
nes. andern willen, hervorgebracht
ſeyn muͤſſe. 133
Bon Gott und görslichen Abſichten in
vor el 06
| V.
[
au". 1
\
Inhatt ve ber aiharnngem
V. eu
Von d den beſondern Abſichten Gottes im
Thierrecche. 5 2.300
Von dem Menſchen an ſich, inſonderheit
Nach der Seele betrachtet. 40
EEE -
Vergleichung der Menſchen mit den Thie-
‚ ren, nach ihrer Lebensart, wozu fie bes -
ftimmt find. . 492
5 VL 00.
Bon der göttlichen Worfehung. 574
| |)
Nichtigkeit der Zweifel gegen die göttliche
Vorſehung. 609
Von der Seelen Unſterblichkeit, und den
Vortheilen der Religion. 691
—
Die
“ L
Die 0
vornehmſten Wahrheiten
der
natürlichen Religion,
Die erfte Abhandlung.
Dom: Urfprunge der Menfchen
und Thiere.
$ I.
er ein lebendiges Erfenntniß von Gore
bat, dem eignet man billig eine —*
ligion zu: und foferne dieſes Er⸗
kenntniß durch die natuͤrliche Kraft
der Vernunft zu erhalten iſt, nennet man
es eine natürliche Religion. Man gedenket
ſich aber Gott, nach dieſer natuͤrlichen Religion,
als das erſte, ſelbſtaͤndige, nothwendige und ewi⸗
ge Weſen, welches die Welt, nebſt allem, was
darinn iſt, durch ſeine Weisheit, Guͤte und Macht
geſchaffen hat, und beſtaͤndig erhaͤlt und regieret;
uns Menſchen aber beſonders, in gewiſſer Ord⸗
nung, nicht nur in dieſem Leben, ſondern auch
vornehmlich in einem darauf folgenden, zu ‚einer
höheren und unaufhoͤrlich wachfenden Vollkom⸗
ae Ehe und Gluͤckſeligkeit beftimme hat. Kin
ſelches Erkenntniß von T wird an fich lebens
dig,
2 1%65. Vom Urfprunge
dig, das iſt, wirkſam ſeyn, und eine vergnuͤ⸗
gende Einſicht in den Zuſammenhang der Dinge,
einen willigen Trieb zur Tugend und Pflicht, und
eine ungeflhrre Zufriedenheit des Gemuͤths zu
-Mege bringen.’
Hergegen ift der Hauptfaß aller derjenigen,
die Feine Religion haben, und feinen Gott ans
nehmen: die Pörperliche Welt und deren Matur
fey das erſte, felbftändige, norhwendige, Wefen,
und auffer derfelben fen weiter nichts; wodurch
denn zugleih Verſtand, Abficht, Weisheit, Vor⸗
fehung, von der Einrichtung und den DBegeben«
beiten ber Welt gänzlich ausgefchloffen , alles eis
nem wuͤſten Ungefähr, oder einer blinden Noth⸗
wendigkeit überlaffen, und die ganze Dauer und
Gluͤckſeligkeit der Menfchen in diefes kurze und
ſinnliche Leben eingeſchraͤnket wird.
$ 2.
Denn, menn man die Wirflichfeit der könn
‚perlichen Welt leugnen wollte: fo müßte man
auch feinen eigenen Körper und feine fi nnliche
‚Empfindung verleugnen. Ohne biefelbe wäre es
auch nicht möglidy, daß in unferer Seele, nach
ben natürlichen Regeln ihres Denfens, eine Vor⸗
ftellung und ein Begriff von einem Körper und
von deſſen Eigenfchaften entftanden wäre. So,
ſchwer es auch fonft fcheinen möchte, einen Idea.
liſten, der alle ſinnliche Vorſtellungen fuͤr leere
Einbildungen der Seele ausgiebt, eines andern
zu uͤberfuͤhren: ſo wird er doch alſobald durch ſeine
eigenen Vorſtellungen von koͤrperlichen Dingen wie⸗
X der⸗
, 4
Ber Meuſchen und Tiere, 48 ä
nlegt: Denn es kann unmägfich einen zueigen
8
J
5
Mr
3
efg
>
1
N
che bat; ober er müßse.alie Kegeln, woran fein eis
m denkend Weſen gebunden ift, verleugnen.
Wenn man aber niches Ewiges, Nothwendi.
Sud Gelbftänbiges ſetzen wollte: fo müßte man
iner inneren Empfinbung bes Gemuͤths entfagen,
ah weicher es uns unmöglich fälle klar, wider
wechende Dinge zu gedenken. Denn wenn‘ niche
was Ewiges märe: fo würde eine Zeit zu fegen
ya, da noch nichts wirklich geweſen; folglid)
uͤrde alles, was ift, entftanden, und doch burch
liches entftanden feyn. . Wenn nicht etwas in fich
d fchlechterdings . Nothwendiges waͤre ſo
uͤrde alles, was iſt, ſeinem innern Weſen nach,
yn und nicht ſeyn, fo und anders ſeyn koͤnnen;
dglich würde Nichts, weder in noch auffer ihm,
ine Wirklichkeit beftimmer haben. Wenn nicht
was Selbftändiges wäre: fo hätte alles, was
k, den Grund feiner Wirflichfeie auſſer fich in
dern; folglich wäre alles abhängig, und dach
x erfie Grund aller abhängigen wirflichen Dinge
rgenb zu finden. Diefes find lauter Ungereimt,
iten "welche fich mit Verftande nicht gedenken laffen.
. $ 3
So meit find wir demnach mit einan⸗
x eins , daß ein felbftändiges , N ae
piges Kefen ſey, und ee möffe, ud) leug⸗ |
nen
4. 1%. Vom Urſprunge
nen fie nicht, daß nur ein einziges folches Wefen
ſeyn koͤnne, weil es fehlechterbings nochwendig iſt.
Allein daraus folget umwidertreiblich:
Wenn etwas wirklich iſt, das einen Anfang
gehabt hat und entſtanden iſt, ſo muß es ur⸗
ſpruͤnglich von dem felbfländigen, nothwendi⸗
gen, ewigen Weſen entſtanden fepn.
Denn, feste man. fonft Urfachen der entftandenen
Dinge, die felbft gleichfalls entſtanden wären, und
einen Anfang gehabt hättens fo müßte man wies
‚bee nad) dem Grunde des. Entftehens aller dieſer
abhängigen Urfachen fragen; und der würde auf
Nichts hinauslaufen, wo er nicht endlich in einem
felbftändigen, nothwendigen, ewigen Wefen ruhete.
Hieraus koͤnnen wir alfo ein 'unfehlbares
Merktmaalnehnien, ob die Welt ein folches felbftän«
diges, nothwendiges, ewiges Weſen ſey. Denn
Dasjenige kann das erſte, ſelbſtaͤndige, noth⸗
wendige, ewige Weſen nicht ſeyn, welches
den urſprungiichen Grund entſtandener
Dinge nicht in ſich halt.
Wenn alfo etwas wirklich iſt, bas einen Anfang
gehabt hat, und doch nicht urfprünglich von der,
Welt und deren Natur. entftanden ift: fo ift Die
Melt und deren Natur nicht das erfte, felbftändige, _
nothmendige, ewige Wefen, fondern fie muß ſelbſt
ein abhaͤngiges, entſtandenes Ding ſeyn, das einen
Anfang gehabt fat. |
| Nun läßt fich bendes von den menfchlichen
und thierifchen. Sefchlechtern offenbar" ermeifen:
einmal, daß fie alle- einen erften Anfang gehabe
haben; und zweytens, . daß fie ihren erften. er
mia iger. 5
——
Seen Eu
Rz u}
mi, ihis —— —
— —* — zu ſehen. Ich werde
me von ung Menfihen reden;
derſelbe Verweis‘, den ich von uns führe,
auch von allen Tieren gelten müffen.
offenbare
— 5 cl Himtanı, de dr
— ‚jemals wirklich gelebt
—12* einzigen ausgenommen,
Dieſes iſt F Ir unleugbar. Unfere
fahren 'Tiegen alle im Etaube , 235 vn
m ven verſchonet, n
BER —8— der ſe
Gegen dieſe klar⸗ ilft kei
vffche — — eo Bon je
einzelnen Dinge einer Art, ohne ein singges
* dei ,
man fie , alle zuſammen genont
ter einenley
» ofne eine eihige Ana, ut u
6 15. Vom Üfprunge
fenheit vor. Nun muß von jeben einzelnen "Mens
fchen, die. vor ung gelebt haben, . ohne. eine einzige
Ausnahme, gefagt werben, daß fie geftorben ober
tode find. Demnach fage: ich auch recht, und ohne
bie’ geringfte Zweydeutigkeit, daß fie alle todt
find, und ſtelle fie mir alle zufammen, ohne eine
einzige Ausnahme, unter diefer Befchaffenheit vor.
Man benfe alfo nicht, daß durch das Wort
- alle etwas heimlich erfchlichen werben folle, naͤm⸗
lich; daß die Zahl unferer Vorfahren endlich ſey
Nein; wenn fonft an ſich eine wirklich unendliche
Zahl möglich wäre: fo wuͤrde fie durch biefes
Wort und deffen gegebenen Begriff nicht aufgeho⸗
ben. Es müßte aber dennody allen, obgleich un«
endlichen, Vorfahren bengelegt werden, was jedem
einzelnen ohne Ausnahme zufömmt. ‘Denn fo fagen
aud) die Meßkünftler recht, daß alle Radii eines
Zirfels (oder alle Strahlen aus dem Mittelpunete
zum Umfreife) gleich lang find, ob fie wohl unend⸗
liche Radios vom Mittelpuncte zum Unifreife, fo
wie unendliche Winfel und Puncte im Umfreife,;
annehmen: genug, daß jedem Radio im Zirkel,
ohne einen einzigen auszunehmen, einerley be
ftimmre $änge zukoͤmmt. Spinoza felbft heißer
Das, was er für unendlich angiebt, zufammen ges
nommen, fehr oft alles.“ Wenn ich alſo von
unfern
® Spinoza in Opp. poftumis, Ethices P. I. Prop. XVI,
pag.ı6. Ex neceſſitate divine nature, infinita inf-
nitis modis, (hos efl, OMNIA, que fub intellectum
infinitum cadere poſſunt) fequi debent. Prop. XXI.
Ä pp
.
der Menſchen um Tpiere, 7*
unſern Werfahren u daß fie alle vobe find: f
De hi — ich durch Wort alle nicht, ob ihre
enblich ober re B weit fie :
nfirefe, das weis ich nicht, das brauche 7 “4 ,
—* ‚nicht zu unterfuchen. Genug, das weis
: wir, Die wir jeßt leben, ‚find nege
Iamme von geftern und na unfere Väter find
se eneflefen und in dem Reiche Der Todten.
J s85.
‚Men ſchlleſſe ich aber weiter. Wenn alle,
Menfdgen, bie jemals vor uns, gelebt haben, Feis,
son. cajigen ausgeriommen, ein Ende ipres Sehens
mreicht n, und m an geflrhen find: fo müffen fie,
auch alle mit einander, feinen einigen ausgenoms .
men, einen —— — Sehens gehabt haben und
in jeder ſieht ¶ daß id) den
allen unverändert laſſe, und daraus
uchts Tandem dem Ende de ebene (don
rang fchlieffe. Sch halte aber nicht dafür, daß irgend -
emand, ber gefunbe Vernunft hat, gegen den.
Schluß etwas einwenden werde. Denn wer wird.
nen einzigen ewigen Menfchen fegen? ober be⸗
jaupten, daß etwas, weiches ein Ende hat, opne An-
ang feyn fönne? Man haben alle Menfcyen, bie,
emals vor uns gelebt haben, feinen eingigen au aus
jenommen, ein Ende ihiet. * erreichet. Dem.
31. OMNIA, abfolets waters alicuj
Berilnti Dei —* * &infinita *
deburrant, & ‚per idem anribm arerna F
‚eis Sam.
8 1 Bom Urſprunge
nach müffen eben biefelben alle Menſchen, die vor
ums ‚gelebt Haben, feinen einzigen ausgenemmen,
einen Anfang ihres Lebens gehabt haben , oder
entfianden fenn. =
Wenn aber alle und jede Menfchen, die wirk⸗
lich vor uns gelebte haben, feinen einzigen ausge⸗
nommen, einen Anfang ihres Lebens gehabt haben
und entftanben find: fo muß außer allen und jeben-
Menfchen, die jemals vor ung gelebt haben, eine
wirkende Urſache gewefen feyn, die von allen Men⸗
ſchen unterfchieden war, und wovon fie alle ent⸗
ſtanden find. Denn ohne wirfende Urfache laͤße
ſich Fein Entftehen eines Dinges gedenken: und die
wirkende Urfache iſt von dem gewirkten Dinge un⸗
terfchieden, und eher als das gemwirfte. Wollte
jemand vor allen und jeden Menfchen, die jemals .
gelebt haben, dennoch wieder andere Menfchen ſe⸗
gen, von welchen alle und jebe entfproffen wären:
fo würde ein: offenbarer Widerfpruch begangen,
Wie hätte man alle und jede Menfchen, bie jemals.
vor uns gelebt und einen Anfang gehabt haben,
ohne Ausnahme verftanden, wenn noch vor benfel«
ben andere lebendige Menſchen gemwefen waͤren?
Wie könnte man das Entſtehen allen zueignen,
wenn man fie doch nicht alle Darunter befaffete ?
Der Schluß iſt demnach fehr begreiflich: wenn
vor allen Menſchen, die jemals gelebt haben, eine
wirfende Urfache gewefen ift, wodurch fie alle mit
einander entftanden find; fo müffen wir eine Zeit
eifennen, da noch fein. Menfch war, und müffen
folglich wenigftens ein Paar Menfchen als das erfte _
annehmen, von welchem bie wirkliche Reihe der
Menfchen
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Anfang
durch natürliche Zeugung fortgepflanget ift. A
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; fe mögen auf. unferm Erdboden oder
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832
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von einer vickenden Ulſeche auffer
feines Yet gehabt Hätte,
851
D
x
INH. Vom Urfprunge
lich voraus, die Welt fey ewig: dann behaupten
fie, das menfchliche Gefchlecht fen gleiches Alters.
mit der Welt. Demnach mären von Ewigkeit
unendliche Reihen von Meufchen auf dem Erdbo⸗
ben gemwefen, ohne daß fie eines Anfangs bebürfe .
ten: und.es fen eben fo leicht zu begreifen, daß:
ſchon vor uns unendliche Reihen von Geburten ges .
lebe hätten,. als daß fich die Menfchen nach ung .
ins Unendliche und ohne Aufbören fortpflanzen
‚ würden. .
Die vorausgefeßte ewige Welt will ich Fürs
erfte unberührt laffen. Daß aber die Vorftellung .
unendlicher Reiben betrüglich und falfch fey, er⸗
hellet daraus, weil fie feinen zureichenden Grund
der entftandenen Dinge enthält. _ Denn fie ſchiebt
die Erflärung der Urfachen nur immer von einer .
zur andern auf, und giebt dod) nimmer eine zureis
chende. Vormals bedienten fich die Zmweifler des.
Kunftgriffes, daß fie den Gegner durch ihre Flucht .
ins weite Seld lockten, davon er die Graͤnzen nicht
abfehen oder beſtimmen Eonnte: denn fie fuchten
eine jede Frage nur auf eine unendliche Reihe von
Gründen zu leiten, Damit nimmer ein fefter ges
funden werben möchte. Aber daß aud) diejenigen,
welche Wahrheit und Gewißheit, Grund und Urs
ſache verfprechen, foldhe durch Verſchiebung ing
Unenblicye geben wollen, das ift unglüdlich
ausgedad)f. |
Mir jegigen Menfchen haben einen Anfang ges
habe. Woher find wir? Ganz natürlich, fprechen
fie, von unfern Aeltern. Aber haben denn die auch
einen Anfang gehabt? Allerdings , von on
. roß.
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Der Minen iad Tier m
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n find? Mein, wire -
5. die Frage bleibe immer: bie
—— ſie bleiben die Aur.
chuld
achen ſie es doch mit uns, wie die boͤſen Ber
zehler, die ihre. Släubiger von, einem zum andern
weifen. Sempronius fpricht, er will mich ehrlich
und völlig bezahlen: er giebt mir eine Anmweifung
an Titius,. Wenn ich da fomme, fo erfeinet der
‚, daB Gempronius Recht gehabt, mich an
zu verweifen: aber weiler es jegt nicht in. baa⸗
rem FBermögen habe, fo folle mich Cajus, auf
Aßignation, befriedigen. Cajus iſt jedoch in
berſelben Verlegenbeit: eräfchicker mich weiter mit
einer Anweifung an Mevius, Mevius ferner zum
Ulpianus, und fo einer zum andern Ins Unendliche.
Saget mir, befomme ic) auf folche Weife baares
Geld? bezaflet man mir, was man mir fehuldig
iſt? Gar nichts, niche einen Heller. Das hiefle
vlelmehr, Ai ch der Bezahlung entziehen und ewig
ſchuldig bleiben. ar nun Weltweife ben
Grund der Dinge zu geben verfpreihen, aber
durch beftänbige 2 —* auf ee hen
H
Hain
er
18 INH. Vom Urſprunge
ſachen denſelben nur ins Unendliche verfchiebeng
können fie ſich wohl ruͤhmen, bag fie ung beſſer mit
Gründen, als jene mit baarer Münge, bezahlen? -
&s iſt alfo mit den unendlichen Reihen der Ur⸗
fachen ein bloßes Blendwerf : fie gelten alle zuſam⸗
men fo viel, als feine, wenn man nicht auf eine
erfte sureichende ſteigt. Man fann dergleichen:
Einbildungen auch wohl mit einer vom Himmel.
—— unendlichen Kette vergleichen.
ie? wenn fein Glied der Kette ſich in der Luft
erhalten kann, wo es nicht von dem nächften oberen.
gehalten wird: hilft es da mas, Daß ich mir ben
Fortgang der Glieder in bie Höhe bis ins Unend⸗
liche vorftele? Die ganze Kette hängt bad) am
nichts, und fälle ſelbſt in meiner eigenen Veeſus
lung zu ‘Boden. *
. 7»
Hieraus iſt denn begreifli genug, daß unend⸗
liche Reihen abhängiger Urfachen feinen zureichen⸗
den Grund der Dinge in fich halten, und nichts er⸗
Flären, vielmeniger beweiſen; fondern unter die
leeren und befrüglichen Einbildbungen zu rechnen
find. Allein, ich muß auch entdecken, woher einige
Menfchen noch jegt aus folcher Verwirrung niche
herausfinden Fönnen.
Man gedenfer fi) nämlich , inſonderheit in
der höheren Rechen⸗ und Meßkunſt, einen Forte
gang von Zahlen, Unien, eigen, ins re
3
a Siehe Wollafton in der Religion of Nature delinen.
ted, Sec, V. Prop. I
de
denmn mathematiſchen Beg
von
Se. Baron von elf dat am d Lchfieh don |
deffen. Gebrauche und Nisbrauche, in- feiner
Omtelogia ‚796. ing. gebanbel Daraus erhellt -
‚daß e ber Muspemasiter A
aber viches wahres ober. mögli *5*
Pen
R
*
|
\
Bi
14 1Abh. Vom Urſprunge
Es haben zwar bie Urheber und Befoͤrderer ſol⸗
cher Art der Berechnungen ſelbſt vielfältig erinnere,
daß biefe Begriffe des unendlich. Großen und unend»
lich Kleinen bloß zu leichterer Erfindung der wah⸗
“ ven
0 .n .
Wenn unendlich, nach $ 706. beißt, dem Feine.
Graͤnzen zu ferzen find, über welche es nicht koͤnnte
vergroͤßert werden: fo ift nicht fo wohl dad Ding
ſelbſt, ald der Mangel einer mehreren Wirklichkeie,
unendlich. Ich mag eine Zahl, Linie, oder Größe,
fo groß annehmen, als ich will, fo bat doch die Moͤg⸗
lichkeit ihrer Vermehrung fein Ende; und fie bleiben
in der That obne Ende endlih. Aber der Mathe⸗
maticus macht einen bejahenden Begriff daraus, ala
96 die Unendlichkeit in der Wirklichkeit der Dinge
liege, als ob eine Zahl, Linie, Größe fey, welche alle
mögliche Zahl, Lange oder Groͤße in fich befaffer,
und weiter nicht vermehret werden fann. Es er:
bellet 2, daß diefer Begriff etwas Unbeftimmtes
vorftelle, welches in feinem Verhaͤltniſſe mit andern
ſteht. Ein Staubchen, 3.3. dad von der Spike
des Berges wehet, iſt gegen den Berg und deſſen
Höhe ein unendlich Fleiner Zeil, deffen Verhaͤltniß
gegen ben Berg nicht zu beſtimmen ift, und ber
Berg oder deflen Höhe dagegen unendlich groß. So
erklaret und vertheidiget auch der Hr. Weidler dag
Unendlihe der Matbematifer in den Mifcellaneis
Lipfienfibus T. I. p. 209. und in feinen Inſtitutioni-
bus Mathematicis pag. 755. ſqq. Eserhellet 3, daß
unendlich groß oder Flein Vergleichungsweife gefagt
werde, fo ferne eined Größe und Vielheit Durch das
andere nicht kann gemeffen oder berechnet werden.
: Daher wird der Berg, welcher gegen das Staͤub⸗
chen unendlich groß war, in Berechnung der Mond⸗
finfterniffen , oder des runden Erdſchattens auf bem
: Monde, unendlich Fein und für Nichts gerechnet;
a
"der Werfben und Kb. .
nn“ het weren, und ja
— angenommen, aber. auf Se Den
mt. ‚Dan ee geoägnen fe ulde , mern
als ob bie Eide wilonmen rund waͤre 355*
wird die ganze Erde in Der Deus:
Nichts — de .
inet wäre, oder Al
x
von den Hi eer —X 5*
Man hart fi daher nicht wimbern, va
ten und unbeſti—
eine Unendliche, Vergleichun göeif, 1 immer
oder kleiner fen kann, ald-dad andere, und
fich unendliche De ihen oder Drdnumgen uns
Großen Kleinen fegen laſſen, als nz.
n3z, n3z, n‘x, " f. w. imgleichen n-ı2. n-2x,
3x. RX. u, f. iv. da allemal eins geaen bad an:
Dere.verfihroindet,, und für Nichts zu rechnen iſt.
eben dieſes ift ein offenbarer Beweis, daß die
Biete das Unendliche nicht im eigentlichen
nehmen: denn fonft würde ein und daffelbe
use: der Dep, Bie Erde) an ſich, zugleich
uch mania —9 en 8 —
ereimt
gen feiner
. zus Age FH ſcreibt in
’ Dife, prelim, — Toms cela (nombre
me u —— tit fünt que des filtions.
16 IM Vom Hefprunge
fie fi mehr mit dee Mathematif, als mit
Vernunftlehre, bekannt madjen, dermaßen
ſolche Begriffe, daß fie fich darunter eben fo ı
wahre Dinge vorzuftellen vermennen, als be
meine Haufe den Kaum und bie Zeit für fi
wirflihe Dinge hält, die von denen Dir
welhe Kaum und Zeit gleichfam erfüllen, uı
ſchieden, und deren Behältniffe wären. Es
daher mohl einige Mathemarifer felbft der 9
nung, daß die alte Deutlichfeie und Gemwißheii
mathematifchen $ehrart, durch folche bunfele
folfche Begriffe vom Unendlichen, vieles litte,
ec à dire, qu'il n’y a aucune erreur: ou hie
entend par l’infiniment petit Petat de l’evaneniffe
on du commencement d’une grandeur, cangus & |
sation des grandenrs dejs formces. Man kann
hiebey halten, was eben derielbe in den Actis Eı
torum 1712. p. 167. fq. von dem Begriffe faget.
des Hrn. B. v. Wolfs Ontologia gehoͤren folg
Lehrſaͤtze hieber. $ 97 Eine unendliche Zahl
unendliche Groͤße ift unmöglich. $ 799. Alle:
and Bröße, die wirklich iff und gedacht we
kann, tff endlich. $ 801. Es iſt nicht möglich,
ein Unendliches größer oder kleiner fey, als
andere. $ 804. Die unendlichen Brößen der 1
sbematiler find Eeine wabre Groͤßen, fondeen
in dee Einbildung. $ 805. Das Unendlichen
Mathematiker iff nur eine Redensart, dad
‚man mebrere Dinge andeutet, als fichin einer:
faffen laften. Bey welchem leuteren Gage auch
eiget wird, dag die Weltweisheit mit den gröl
rrthuͤmern beflectet wird, wenn man dag erdid
enbliche der Mathematiter für wahre und wirt
: Dinge in der Natur halt.
N
—— du großen. Fehlerliten ver.
ie haben demnach verfucher,
du zilgen, daß.man Ihere in ber Mefkunft (bit
e ud alles. mad) alter zuverlaͤſſi 7
*55* re
aba Berne ic Kane, Km Sud,
. in a Bänden in 4, unter
das Eoipunp y74a, Ina Binden In. 4 inter
Fa
32
se
Fluxions
a
davon n v Hr. Wolf verthe war
die an
5
athematit als un ſchadlich, weil fie keinen erro-
Menabilem gäben; und als nügfich, weil ſich
hhrheiten auf jolche Weiſe viel Fürzer erfinden
ie liegen. Siebe Ontologiam $ 814.
3 TA Dom Urſprunge
dieſe Begriffe auſſer der Mathematik von keinem
Nutzen ſind; und hergegen zu vielen und groben
Irrthuͤmern Anlaß geben, welche deſto gefaͤhrlicher
werden, je mehr ſie ein falſches Anſehen der Ge—
wißheit von dem Gebrauche der Mathematiker
erborgen.
Ich will nur, nach meinem Zwecke, zwo
ſchaͤdliche Verwirrungen bemerken, welche aus
ſolcher Vorſtellung des Unendlichen entſtehen.
Eines Theils meynet man, ins Unendliche fort⸗
gehen, und unendlich ſeyn oder werden, ſey ei⸗
nerley; welches grundfalſch iſt. Andern Theils
zieht man den Schluß: was aufs Kuͤnftige, oder
in ſeinem Fortgange, ins Unendliche fortlaufen
r ann,
Miffenfchaften, als marbematifch gemiß, einführe,
- Hr. Aulofs tritt in der Anmerfung zu dieſer Stelle“
der hollandifchen Ueberiegung meined Büchleind, ins
Mittel, und urtbeilet fo: wenn man mit
und Wolf (Anal. Infinitor. $ 3.) einmal zugäbe, da
ein unendlich Kleiner Theil in der Berechnung übers
gangen und verfehen wuͤrde, fo gienge man allers
dings von der ſtrengen Lehrart ab. Sonderlich habe
Eontenelle in feiner Geometrie de I’ Infini, mit -feis
ner Vertheidigung der Safereneial her ng die
anze Sache verborben. Aber wenn man fie fo bes .
ndele, wie Mac-Laurin |, c. Simpfon, i
and application of Fluxions p. ı.fl. Euler, præf. ad In-
‘ Stitutiones calculi differentialis p. XI. ſqq. angewie⸗-
fen hatten: fo ſey nichtd darinn, basvon der geome⸗
triſchen Strenge abwiche; aber man erfpare binges
gen gar viele Zeit Durch die Differential: Rech«
nung, und es fey völlig unmahr, da man dadurch
bie Gar weitläuftiger mache, als durch die
alte Art.
- ber Menfchen und Thiere, 19
kann, das fann auch in vergangener Zeit ins Un⸗
endliche gedehnet werden, und alfo ohne Anfang
geweſen fenn; welches eine ganz verfchrte Folges
rung iſt. Ich will beydes deutlich machen.
$ 8
Menn man nicht mit Worten fpielen will, fo
kann nichts eigentlich unendlich, fern und heißen,
als dasjenige, dem nichts in feiner Art weiter kann
hinzugefüget werben. Folglich ift alles dasjenige
in der Thar endlich, oder eingefchränfet, dem ſich
noch ferner mas hinzufegen, oder das ſich vermeh⸗
ren läßt. Denn in dem Puncte, fo zu reden, no
das Wirfliche aufhöret, und dag fernere Mögliche
derfelben Art angeht, da ift das Ende, ober ba
find die Schranfen des Dinges. Man mag dieſe
Erfiärung auf Zahlen, Sinien, Größen, Raum,
Zeit, Kräfte, oder worauf man fonft will, ziehen:
fo wird fie allemal richtig gefunden werden. Sie:
Des derfelben iſt alsdann und darum endlich und
eingefihränfet, ſo ferne fid) der Zahl, Linie, Gröfie,
Krait, Zeit, und dem Raume, noch mas hinzufe.
£en, ober ein mehres jeder Art gedenfen läßt.
sch behaupte aber auch eben daher, daß feine
Zahl, und nichts, mas zählbar ift, in der That
unenbiich fen, oder jemals unendlich feon und mer«
den Einne: meil Feine Zahl fo groß ift oder gedacht
werden fann, daß fie nicht vergrößert, ja mit fich
feibft füllte vermehret werden koͤnnen. Indem
aber ihre Vermehrung ins Unendliche fortlaufen
DB 2 und
20 | 1 A655. Vom Urfprunge
und nimmer aufhören kann: fo-folget eben baraus, |
daß eine Zahl und alles zählbare, was ins Unend»
fihe vermehret werden kann, nimmer aufhdret,
endlich zu fenn; folglich, daß ins Linendlichz
fortlaufen und unendlich feyn, ganz nicht einer
ley, fondern gerabe entgegengefeßte Dinge find.
Dasjenige, was ins Unenbliche vermehret werden
kann, erreichet eben daher das Ziel der wahren
Unendlichfeie nimmer; fondern es ift und bleibe .
immer einer Vermehrung fähig, und alfo endlich,
es mag fo viel vermehrer feyn, als es will. Es
kann alfo aud) dem Unenblichen nimmer gleich
fommen, noch ein Maafftab davon werden , fon»
dern ift durchaus anderer Art. Laſſet nun Zahlen,
tinien, Größen, Kaum, Zeit u. d. gl. ins Unend⸗
liche wachfen und zunehmen fönnen: das ſtehe ich
. Aber eben darum ift Beine wirklich unend»
liche Zahl, Sinie, Größe, Zeit, oder unenblicher
Raum, möglich. Ä |
Wenn wir benn gleich einem die Freyheit lief
fen, die Reihe und Anzahl der verftorbenen Men⸗
fhen, nad) Gefallen, ing Unendliche zu vermehren:
fo erweiſt fi doch dieſe gewefene Anzahl unb
Reihe jegt und allezeit von felbft als endlich; weil
auffer denen, die bereits wirflich gelebet Haben und
im Reiche der Todten find, noch immer mehrere
‚geboren und wieber zu ihren Vätern verſammlet
werden. Da fich alfo die Zahl und Reihe der ges
wefenen Menfchen wirklich vermebrer: fo ift fie
nicht fo groß, daß ihr nichts in ihrer Art follte hin⸗
zugefüger werben Fönnen; folglich ift fie nice 74
endlich,
der Nerſchen une Ele. a
endlich, fondern endfidh. “Und fo verhält es ſich
> hehe Th
3 nad)
T
Allein, dieſer Einwurf erkfäret die Unendlichkeit
der un Dich die Unendlichkeit det Linie die
eine falfche und erdichtete Unendlichkeit durch_die
andere. Dan mag die Anjabl, man mag die
fo viel in Gedanten vergrößern, als man mil; fo
wird fich auffer ihr, ſo gut rüchwäres,, als vorwarts
% re Unzahf und Länge — Ber
', ber wide fich bach ſelbſt bi wen!
weg er nicht —— —
abfehen Tann, in ſich für unbeſtimmt, oder
‚mwendiich baten wollte: Med Birklie muß in.
üb eine gewiffe Beil , ein
Ding und feon. eine
in mate ober Linie Tarın auch nice
I .
22 1Abh. Vom Urfprunge
nach uns fommen Finnen. Wenn fie gleich ine
Unenbliche, oder in Emigfeit, fortläuft; fo börei
| m
und Zahl gegen b vermehret werben können: ſo ſetz
ich mich etliche 1000 Jahre, oder, fo es gefällig, et:
liche Millionen “fahre, weiter in Die Welt, und ftellı
‚mir die Linie und die darauf geftelleten Dienfchen
wie fie alddann feyn werben, vor. Wenn ich nur
alddenn 1000 Beburten oder Glieder mehr rechne,
als jeßo geweſen find, und die Linie folglich in b bie
zu e verlangern muß: fo ſtelle jch die beyden Linien
mit ihren darauf geitelleten Menſchen fo gegen einen:
der uber, daß ber leute Mann von den I1000 kunfti:
gen, gerade gegen mich uber, deſſen Dater gegen mei:
nen Vater, der Großvater gegen meinen Großvater,
und fo weiter aufwaͤrts Mann für Mann gegen ein:
ander zu ſtehen kommen. Fraget fich, men werden
bie 1000 Glieder, die hernach mehr feyn werden,
bey a gegen fich uber haben? Gewiß feinen, weil fie
über die angenommene unendliche Zahl Menſchen auf
der Linie a b find. Iſt denn aber nicht offenbar,
daß die angenommene Linie und Zahl nicht unendlich
fey, fondern in a einen Anfang gehabt babe, vor wel
chem ſich andere mehrere Deenfchen gedenken laſſen?
Hierauf wußte man mir nichtd zu antworten, als
nur dieſes, Daß Die Mathematiker, wenn dem Unend:
lichen etwas zuwuͤchſe, folches für Nichts achteten.
Allein, ich erwiederte, es ware nur der Unterfchied
daß mein Etwas wirklich, jenes Nichts aber erdich:
tet fey, und die Wahrheit von meinem Etwas nicht
aufhebe. Wenn nach vielen Jahren 1000 Blicker vor
Menfchen wirklich mehr in der Welt werden geweſen
feyn, und manmollte fie neben der jegigen Reihe auf
waͤrts einzeln gegen einander über ftellen: fo woller
Doch die überfchieffenden 1000 Glieder bey a aud
Platz haben, und laſſen fich durch Feine Erdichtunger
aus der Welt hinaus denken. Auf bie Weife koͤnnt
mar
y
der Menſchen und Thiere. 23
fie doch nimmer auf, vermehrbar zu ſeyn, und bleibe
eben darum immer endlich) und zählbar. Die
zu jeder Fünftigen Zeit $ebenden geben der twirflichen
Reihe fo weit ihr Ende oder ihre Schranken, von
welchen die Nachwelt angeht.
$ 9 .
Der andere Irrthum bauet auf den vorigen
eine neue, aber eben fo unrichfige, Folgerung:
Was aufs Künftige ins Unendliche fortlaufen
kann, das fünne auch aufs Vergangene ing Un-
enbliche vermehret, und alfo unendlid) und ohne
Anfang gefeget werden. Nun willid) hierbey nicht
wieberholen , was id) eben erft ermiefen babe, daß
ins Unendliche vermehrbar fern, und unendlid)
feyn, nicht einerley, fondern gerade entgegengefegte
Dinge find: und daß mithin die Reihe unferer
Borfahren dadurch nicht unendlich und ohne An:
fang würde, wenn man fie gleich in Gedanfen ing
Unendliche vermehren wollte. Aber ich behaupte
auch, Daß man diefes nicht fo-von unfern Vorfah⸗
ven, nie von unfern Machfommen, heifdyen Fönne,
daß ſich ihre Reihe ins Unendliche vermeh⸗
ren laſſe.
Der Unterſchied iſt ganz offenbar. Das Zu⸗
kuͤnftige iſt nur moͤglich, aber nicht wirklich: und
in moͤglichen Theilen ſteht es mir frey, noch im⸗
34 mer
man fonft auch den wirklichen Raum vom Sirius
bis zum gegen über ftehenden Fixſterne zu Nichts in
der Welt machen, und felbft das Unendliche Durch
ein groͤßeres Unendliches vernichten.
24 TG. Vom Urfprunge
mer mehrere zu gebenfen, und bie Reihe nad) Ge⸗
fallen ins Unendliche zu verlängern. Aber wirk⸗
liche Theile Haben ihre beftimmte Zahl, feines mehr,
feines weniger: alle, die ich darüber gebenfe, find
nicht wirklich gewefen , find erbichtet und haben
feine Wahrheit. Wie ich alfo irren wuͤrde, wenn
ich unfere möglichen Nachkommen bis ins taufende
Glied mit in der Reihe unferer wirflichen Vorfah⸗
ren befaffetö: fo ehe es mir auch nicht fen, die
Reihe derfelben mit taufend, mit hundertfaufend
Öliebern u. f. w. ins Unenbliche, nach Belieben,
zu vergrößern. So viel ihrer wirklich geweſen
find, fo viel find geweſen, und nicht nod) taufend
Glieder mehr, die annoch nur möglich find. Iſt
mir ihre Zahl unbekannt, fo laß fie x heißen; es
iſt darum doch nicht x } 1000, es iſt eine in ſich
beftimmte Zahl wirklicher Einheiten, bie fich von
einer erften Einheit anfängt, und bis auf uns
fortgebt.
Wenn einer einen Föniglichen Schaß betrach⸗
tet, fo kann er wohl annehmen, daß fid) derſelbe
ins Unendliche vermehren laffe: Das ift eine mög»
liche Sache. Aber die Thaler, bie fchon wirklich
in voriger Zeit gefammlet find, kann er nicht, in
der Berechnung nach Belieben ins Unendliche ver⸗
mehren: das hieße, den König nur in Gedanken
und auf dem Papiere ins Unendliche reich machen.
Ss ifteine wirkliche beftimmte, obgleich unbefannte,
Zahl bes. Geldes da, fein Heller mehr oder weni⸗
ger. Und wenn der Schaß nicht einen Anfang
der Sammlung gehabt hätte, fo würbe er auch
nicht ins Unendliche koͤnnen degrdhert werden
et
der Menfchen und Thiere. 25
Laſſet num bie alten wirklich geſammleten Tha⸗
ler die wirklichen Menſchen bedeuten, weiche be.
reits zu ihren Vaͤtern verſammlet worden; und
die kuͤnftig ins Unendliche einzunehmenden Thaler
die kuͤnftigen Menſchen vorſtellen: fo werdet ir
ſehen, der Begriff und die Sache ſey weſentlich
einerley. Wir duͤrfen mit den wirklichen Ahnen
niche nach Gefallen ins Unendliche fpielen, und im.
mer mehr gewefene Menfchen in unfern Gedanken
machen. Das heißt dichten ,„ und des Dichtens
kein Ende machen wollen. Es find lauter einzelne
Menfchen, die vor ung gelebet haben, und ein je-
der machet einen wirflichen Theil der Zahl und Reihe
aus, und hat gegen uns ein beftimmtes Verhaͤltniß
eines Grofivaters, Urältervaters, eines Ahnen im
99, im 687 Öliebe, und fo weiter. Es ift dem-
nach die ganze Anzahl und Reihe, als eine wirk⸗
lihe betrachtet, auf alle Weife beitimmt.
S 10.
Bey diefem offenbaren Vernunftfchluffe aus ei.
nee Plaren Erfahrung wollte ich meinen Beweis
anfangs bewenden laffen, und bie hiftorifchen
Gründe, wegen der Weitläuftigfeit, ganz vorbey⸗
gehen. Allein, weil ein neuer franzöfifcher Schrift
fteller der Ewigkeit des menfchlichen Gefchlechtes
aus ber Geſchichte einen Schein zu geben gefucher:”
B5 ſo
7 Le Monde, fon Origine & fon Antiquité. à Londres
(wie der Titel lautet) 175 1.8. darinn der ungenannte
Berfaffer, nachdem er andere ausgeſchrieben, auch
Vergnügen finder, fich felbft auszuſchreiben, indem
-
“
26 1Abh. Dom Urfprunge
fo will ich doch, fo kurz als mir möglich ſeyn wire,
jeigen, daß die wahre Gefchichte dem Anfange des
menfchlichen Gefchlechtes nicht wiberfpreche, ſon⸗
dern vielmehr benfelben durch mancherley Um⸗
ftände beftätige, \ j
6 ır.
Die Gefchichte, fage ich, miderleget es nicht,
daß die Menichen einft entftanden find. Denn
alle und jede Wölfer, von denen man Nachricht
bat, fommen darinn überein, daß ihr Geſchlecht
einen Urfprung gehabt habe; ob fie gleich in der
Zeit, Art und Urfache des Entftehens weit von
- einander abgehen. Die meiften gaben ſich für
indigenas, terrigenas, aborigines, &yysveis, oder
aiurox9oræc aus," welches alles nichts anders
fagen
er im andern Theile ganze Seiten aus dem erften,
wörtlich, gugleich mit den Noten, wiederholt. Go
iſt ſchon daß erſte Capitel des zweyten Theiled ganz
aus dem ı Th. p. 155-162. Wiederum, wasp.i5.
bid 19. ficht, findet man ı Tb. p. 164-167. ers
ner p. 21. fa. ift aus ı Th. p. 162. fg. p. 48-52.
aus ı Th. p. 168-171. Dennoch man und
ſchon mit einer deutfiben Ueberiegung dieſes Buches
gedrohet; und vielleicht würbe auch der Hr. Ueber:
feger Feine Zeile davon umſonſt zweymal gefchrieben
eyn laflen. Ä
e Diodorus Siculug lib. 1. cap. 9. p. 12. fin. ou ware
YEAms, ade wehe Tav Bupbusur davseus du-
wixdeus Atyarrıs. Vicht allein Die Griechen, fon;
dern auch viele dee Barbaren fagen, fie wären
eus der Erde entſproſſen Giebe befonders von
den Aegyptern, eben bafelbft, cap. 10. ſqq. Br den
ndts
der Menfchen und Thiere. 27
gen will, als daß ihre erfien Morältern in
mfelben Sande , wo fie jegt wohneten, aus unfer
ler Mutter, der Erden, Schooße gebohren waͤ⸗
n. Diefes Vorgeben ſchließt zwar einen göttlis
en Werkmeifter, der fie aus Seimen gebildet,
ht aus; jeboch möchte wohl eines Theile die
nwiſſenheit, von ihrem undenflichen Herfom.
en aus einem andern Sande und Geſchlechte, Urs
che daran ſeyn, daß ein jebes Volk fich da ge
haffen und erzeuget zu ſeyn glaubefe, wo es wohnete.
zey ben meiſten aber iſt wohl ein Hochmuth Ur:
iche ſolcher Erdichtung geweſen, daß fie ihre Her:
unft keinem {fremden wollten zu danken haben,
der deſſen Colonie und Abkoͤmmlinge heißen.
Dieſer Hochmuth war auch der Bewegungs»
rund, daß ſich die Völker um die Werte alt zu
machen
"Indianern, denfelberlib. II. cap. 38. pag. 151. lin, 4.
Paufanias lib. VIII, cap. 29. p. 66. von den Ne:
ebiopiern, den Diodorus lib. III. cap. 2. von den
Scythen, denfelden lib. II. c. 43. p. 155. lin. 79. von
den Athenienſern, ben Ifocrates in Panegyrico p.45.
ed. H. Steph. und im Panathenaico p. 258. C. und
den Euripides beym Plutarchus de Exilio p. 604. E.
Juftinus II. 6 &c. von den Aecadiern und Achivern,
den Paufanias Eliac. lib. V. cap. 1. init. von den Si;
esnieen, ‚den Diodorus Sic. lib. V. c. 6. p. 335. lin. 95.
von den Eretern, denfelben lib. V. cap. 64. p. 381.
von den Deutichen, Tacitus de Mor. Germ. cap. 2,
& 4. von ben Britanniern, Cæſar de Bello G. lib.
V. cap, 12. Die Balliee wollten vom Dite Patre
erzeuget ſeyn. Cxf.ibid. VI. cap. 18.
9 Siehe ded Tob. Pfannerus Syſtema T’heologix Gen-
tilis purioris cap. VIL $ 2.
a8 1Abh. Vom Urſprunge
machen ſuchten, und ſich eines goͤttlichen Urſprunges,
und einer urkundlichen Nachricht von vielen tau⸗
ſend, oder hunderttauſend Jahren ruͤhmeten; her⸗
en anderer Voͤlker Abſtammung, und aller
nuͤtzlichen Kuͤnſte Erſindung, von ſich ableiteten. *°
Die Babylonier waren wohl, nach Mofis Berichte,
ſeit der allgemeinen Waſſerfluth, die alleraͤlteſten;
und von da aus war Aegypten bepflanzet worden. ""
Dennoch machtens ihnen die Aegypter ſtreitig, und
behaupteten, daß nicht allein die erſten Menſchen,
ſondern auch die Goͤtter, bey ihnen erzeuget waͤ⸗
ren: ſie hätten, wie nach Griechenland, Pow
. tus, Arabia, Judaͤa, Syria, fo auch nad) Baby
Ion, Eolonien gefchidet, und die Babylonier in der
Sternkunde unterrichtet: "? fie hätten alle Künfte
erfunden, unb bie Griechen hätten alle Theologie
und
20 Diodorus Sic. lib. I. cap. A fin, fihreibt: weg! & vis
von vivovs Eexmiurures. ov meer amPırkureusw "EA
Ama, ana ıg TA rur BugBapır, duvrens ayre-
xonmt Niyerrıs, 6) mpurıu var awaırer ardoamur
Ivgırds yriday rar iv v5 Pip xgueimen, ag) Tas Yi-
—RX saß adureis weiter ix vierer xeira⸗ ara.
Y ngupär wind, Es ſtreiten fich nicht allein die
Griechen, fondern auch die Barbarn, welches
Volk das aͤlteſte ſey: ein jedes fager, fie find aus
dee (Erden entfproffen ae —— allen
Menſchen die erſten i Dinge,
and ihre Thaten wären von gar langen Seiten des
Aufzeichnens wertb geachtet worden.
ı: Jacobus Perizonius in Originibus Babyloniciscap. ı.
(qq. und in FEgyptiacis cap. ı,
z2 Diodorus Sic, lib. I. cap, 10. & 18. Mela I. 9.
23 Idem, lib. L, cap. 28.
"Au Bnfhen nt Ze ur
deicheit - von: ihäen
ſo niche bee ——*
mieien, als ob der —— ae
5 feibft den Phrygiern den Vorn
guerkannt habe, nadıdem er’ zween
5 fie eine menfchliche Sprache gehöret,, er⸗
laſſen, und diefe von ſelbſt be Beh
ı Kur iſt ‚ auf Pheygiſch,
auch bie Seuchen ihe. Ös
—— aͤlter hielten, als der Aegypter,
ein höheres Land bewohneten, das nach der
sam Fluch zuerft trocken geworden, da Aeay⸗
ch unserm Waſſer gelegen. Und’ Juſtinus
Ihnen darum benzuftimmen. '* Auch rühmes
die Aethiopier, daß fie die erfien Menfchen,
Aegypter ihre Eofonie wären. ’” Kurz! ein
zolk wollte ſich Durch Alter und Ahnen, durch
en Urfprung, und durch feine tfindungen
ısbreitung, vor andern, abeln, und fein
mling anderer heißen. Ä
an ſieht alfo ſchon aus diefem Beweqgungs·
daß man ihr Vorgeben für Nichts wei⸗
is fuͤr eine Erdichtung, zu achten habe, die
er hochmuͤthigen Rangſucht erzeuget worden.
a8 erhellet auch aus ber Unverſchaͤmtheit bes
yens felbft, da die Aegypter eine Gedichte
000, bie Babylonier von 470000, die Si⸗
I ir. faq. item 22. & 69.
——ú— —B *
Rinus,. lib. IE. cap. ı.
»lorue Sic. lib, III, eap.2. 3.7175.
30 IM. Dom Urfprunge
nefer gar von mehrentheils neun Millionen Jah⸗
ren vorgegeben haben. Denn die eine fügen Foftet
nicht mehr Zeit, als die andere. Cicero, Diodos.
rus Siculus, und andere Alte, haben diefer hand»
greiflichen Aufſchneiderey ſchon a n
19
28 Cicero lib. I. de Divinat. cap. 19. Condemuentus bos
(Babylonios ) aut fInltisie, aut vanitatis, aut im-
prudentie, qui CCCCLAA. millia annorum , ut ipfi
dicunt, monumentis comprehenfa continent, & men-
tiri judicemus, nec feculorum reliquorum judicium,
quad de ipfis futurum fit, pertimefiere. vide Eun-
„ lib. II. cap. 46. Diodorus Sie, lib. II. cap. ar.
p. 145. lin. 57. zıpi dd soo windous var irar, br
Oası var Jıapiar rar xala To zo mer FIR TO
evsuun ir Kurdaier, sun av vis Ögliag wire.
irar ag EnTe ng) Firduganer)a musiddus, X) Tpas
imi Taurus XKiAımdas, as av "Arıkardeev dieburm
yızırny nalapıluoücı, ad orov To wuruır Heinrlo
Tor Asa Tas Auparnncas woadu. Die Menge
der Fahre, feit welcher die Geſellſchaft der Ebals
Oser rorniebt, den Himmel betrachter zu haben,
Fann nicht leicht jemand glauben. Denn fie
zaͤhlen von dem erften Anfange ibrer Beobach⸗
sung Der Sterne bis auf Aleranders Einfall in
Ajien 473000 Jahre. Go faget er auch von dem
Aegpptern, lib. I. cap. 26. p. 30. lin. 92. ol ispas
war Aıyurliaor Tor xgarev «rd rys Hiiov Bacıdaas
vuoyslomsres r pixpı 127 "Arskardgev dıalassas as
Tr ala, Paciv vunpgn ira marısa wur dirpü-
ęiu⸗ 2 Teseıdlay, —.. air | — Tv TA
Yes rar ira &c. Die Agyptiichen Priefter geben
vor, daß von der Zeit der Regierung der Sonne,
bis zu Aleranders Zuge nach Afien, bey 23000
„Sabre verſtrichen find. Dieſe Menge von Jabren
. A
'
‚ wnb sum Theile laͤcher⸗
reichet feines Volkes
en Glauben verdienet, weiter,
Miofes nad) der allgemeinen.
2 der Griechen Nachricht die
n ber —— und dis Ninus nice über
ae md die Schreibefunft, ober vielmehr das
— vielleicht kaum ſo alt u we
6
Per) lanbi, —8 in Chronica p. 17.
Eu ır. des Shaw Voyüge dans
la Barbarie er loLevant 5 II, fyb fin. und p. 1834)
32. Perisöaiusin Origin. Babyl. cap. 1: p. 6
aQ Marti Martini Decade I Sinicz hifdoriz „ init
Ante Fobyam gaidem Imperaterem, conflituta —
lu [worum ati Sina ipf pro fu ‚Jpedis babent , m
Jalfa& rinicnla gaamplurima
te dafür, daß es vergeblich fey, bie —— Beitreib-
nung, fo wie Die chalbäife und aͤgpptiſche, zu har⸗
sıoniren; was fich auch M. Fourmont der altere,
“ fie Porigine des anciens peuples P. M. p. 39%. faq.
nach vielen andern, für Muͤbe giebt.
a Mocrobinn in Somalımm Scipienis üb. I. er
32 a Abh. Vom LUrfprunge
Es mag aber darum ſeyn wie es will; fo er
helle doch aus allen das einmüthige Geftändni
aller Völker, daß fie ſich nicht für ewig gehalter
fondern einen Anfang ihres Gefchlechtes erkann
haben. ** Denn die, welche ihre erfien Voraͤlter
urfprünglich aus der Erde herleiteten, mußten j
eine Zeit annehmen, da noch niemand von ihre
Vorfahren gemefen. Die, welcheihren Urfprung ve
den Göttern herholeten, oder vielmehr nur ihre erſte
Degen
Quis facile mundum ſemper fuilfe confentiat ? cum al
binc ultra duo retro enunormm millia, de excellemi
yerun geflarum memoria, me Graca guide exflı
bifloria? Nam fapra Ninum, a quo Semiramis fi
cundum quosdum creditur procreata, wibil preclarun
in libros relatum efl. Diodorus Sie, lib. I. e. q. p. 12
lin. 47. adıwarer, iv Tugasr Tu Ypaumarer Aura
Era, wur, are vol wur Aura ZAmumrıdı
sid. G da v6 ng) veure wuyxeugley, Ti yı va
isogypapenr viros wurlirus Base lar vunsı To nem
Alp ewırdutw. Es ift nicht möglich, daß di
- Erfindung dee Schreibekunſt fo als fey, daß fi
denen erfien Kegenten gleich kommen follte. Un
wenn man das auch zuftünde, fo erbellet Dock
daß die Geſchichtſchreiber erſt ganz neulich zum
Noautzen dee Menſchen enıftanden find. Siehe aud
Platonem de Rep. lib. III init.
22 Es find bloß einige Weltweiſe geweſen, die, in ih
sem erbichteten Lehrgebaude, Welt und Menſche!
- ewig gemachet haben, welche Cenforins, de die na
tali cap. 4. erzählet, dabey Kindenbrogs Anmerkun
gen zu feben find. Wiewohl Buddeus, in Hiſtori
Ecclef. V. Teft. Tom. I. p. 75. fqq. bie meiften voı
biefer Zahl ausnimmt, und allein den Ocellus Eu
canus und Ariſtoteles laͤßt.
der Menfchen und Thiere. 33
Regenten und Wohlthäter vergörtert und unſterb⸗
lich erfläret harten, wie die Aegnpter, Babylonier,
Ereter, Pelasger, und viele andere thaten, dachten
an feine andere , als erfchaffene oder erzeugete Goͤt⸗
te, das it, an Menfchen, die felbft entftanden
wären. Die alten Perfer, und mehr andere, fages
fm ausdrücklich, Daß die Welt und die Menfchen
den Gott erfchaffen wären. ” Die Einefer fegen,
mgeachtet ihrer langen Zeitrechnung, einen erfien
Renſchen, den fie Puoncuum nennen. ** Es
at demnach Fein Volk, nicht einmal mit allen $üs
m, jemals Anfpruch an bie Emigfeit gemachet;
md bie wahre Gefchichte reicher nicht über ben
ſtimrod, oder über Mofes Nachrichten. Wenn
ıan daher Mofes aud) nur bloß als den älteften
sefchichefchreiber anfehen will: fo hat man afle Ur.
ıhe, feiner “Befchreibung von der Abftammung
nd Verbreitung der Völker völlig Glauben benzu«
effen Man fiehe offenbar, daß er darinn durch
ine ſolche Ehrfucht, wie andere, getrieben wor⸗
m: weil er alle andere Voͤlker damaliger Zeit älter
sache, als das feinige. Es ift aus unterfchiedlis
yen Stellen feiner Buͤcher zu erfennen, daß er
och ältere Urfunden vor fich gehabt, woraus er
ine Machriche genommen. Die Mamen ber
Stamm⸗
13 Thom. Hyde de Religiorie vet. Perſar. p. 164. ſqq.
14 Martinıs Martini in Sinice Hiftoriz Decade I. init,
Miewohl andere den Noah daraus machen, und den
Namen durch lancien ou l’aind de I’ Arche, erklaͤ⸗
ren. Fourmone P. II, p. 437. die mehrefien machen
den Fohi zum Noah. u; 398. fq.
34° I Ab5 Dom Urſprunge
Stammpäter, die er angiebt, ſtimmen mit den
Namen ter Bölfer und $änder überein: und bie
beidnifchen Gefchichtbücher beftätigen felbft Die
Wahrheit der Bücher Mofis in diefem Stüce; wie
der vortreffliche Bochart in feiner Geographia facıa
genugfam gemiefen,
S 12.
Man darf fich nicht wundern, daß die neuern
griechifchen und roͤmiſchen Gefchichtfchreiber von
ben allererfien Bewohnern wüfter Sandfchaften
nichts erwähnen. Sie find zu neu und unmiffend,
Man fann aber ſolches nicht zu einen Beweiſe
drehen, daß feine Hiflorie davon Machricht gebe;
daß, was man davon faget, lauter Fabel fey, und
daß in jedem Lande allezeit Leute gewohnet haben,
So ſchließt aber der ungenannte Franzoſe. *° Er
leugnet namlich, Daß uns die Geſchichte, durch
die Erwaͤhnung der alten Colonien, lebre,
die Welt fey nach und nach allmslig bevöls
Fert worden. Man glaubet 3. E. faget er, **
Voß
25 Le Monde, fon Origine & fon Antiquite, à L.ondres
1751. 8. Part. I. p. 218. wo der Verfaſſer leugnet,
que l Hiſtoive nous apprend, touchant les anciennes
colanies, que le Monde ſe ſoit peuple ſucceſſivement
CT pen a peu.
26 Oncroit, par exemple, que les Egyptiens & les Phe-
niciens ont peuple la Grece; que les Grecs & les Ly-
diens ont peuple P Isalie; que les Phenicieus les "
Celtes ont peuple TEfpagne, & ainfs des autres
pays. Examinons donc ce qui nous reſte de P Anti.
uite fur les colonies: faifens voir que, felon les
ifloriens anciens, tous les pays, om elles ont #te
envoyöes,
"der Meifchen und Thhirei 35:
Aegyptır und Phoͤnicier Griechen⸗
die
nd, die Griechen und Lydier Ttalien, die
hönicier und Eelten Tberien, und (6 weiter,
fener haben. Laſſet unsdenn Untecfüchen,
as wir aus dem Alterthume von diefen Los
inien voiffen: ich will'sus den alten Bes
bichtfehreibern zeigen, Daß alle die Lähder,
1 fiebingefbicket find, ſehon vor ihrer Ans
inft bewohnet gewefen: ich will zeigen,
aß die alten Colonien in nichts, von denen,
Ache die Europäer jetzt nach der neuen Weit
hicken, unterſchieden geweſen ſind; und
ill daraus auf eine augenſcheinliche Arc
arthun, daß, wenn wir nichts, als die Bes
bichte, zu Rathe sieben, es ſchlechterdinge
nmöglidy fey,.bis auf dic eriten Zeiten zu
smmen, wo die (Erde zum erftenmal bes
dikert worden; und daß folglich alles, was
avon über einen gewiſſen Seitpunct gefager
ard, nichts, als ein Gedichte und leere,
Nuthmaßung, fey. € €
u \ {3
ewvoyies, Holen babitös wvant leur arrivie: mon.
" grons, que les colonies anciennes ne differoient eu
aucune maniere de celles, queles Europbens emvoyens
aujeurd'bui dans le nonveaun Monde; & preu.
vons par la d'une waniere tvidente, qn’ö ne confl.
. ser que PHiflsive, il eß abfolunient impofhble de
veiwonter à ces premiers tems, on la terre acom.
menei d’ötre penplie, & que confequens tout
ce qwon dit für ce [jet au deläd’un certain point,
weß que fable & eonjeälure frivele.
36 I bh, Vom Urſprunge |
Er beruft ſich desfalls auf Zeugniffe bes Pau⸗
fanias, Strabo, Dionyſius Halicarnaffeus, Varro,
Plinius, Nepos, und Juſtinus; uͤbergeht aber den
Moſes ganz und gar mit Stillſchweigen. Allein,
wer aufrichtig nach den erſten Einwohnern unbe⸗
wohneter Laͤnder forſchet, wuͤrde der ſie bloß in ſol⸗
chen neueren Geſchichtſchreibern ſuchen? Die konn⸗
ten ja nichts davon wiſſen, weil ſchon ſo viele Jahr⸗
hunderte verfloſſen, und ſo viele Zuͤge und Veraͤn⸗
derungen geſchehen waren, daß ſie nur von weniger
damaligen Einwohner Abkunft aus muͤndlicher
Sage Nachricht haben, aber von den erſten Beſi⸗
tzern der Laͤnder nichts erfahren konnten. Warum
uͤbergeht aber dieſer Verfaſſer den Moſes, als den
erſten Geſchichtſchreiber, der den aͤlteſten Zeiten und
Urkunden viel naͤher geweſen, und in dem Lande
wohnete, welches die Pflanzſchule vieler ans
dern war ?
Kann man nun das Billigkeit und Unparten
lichfeit heißen, dafi der Mann bey diefer Frage des
Mofes ganz nicht ermähner, als ob er nicht in der
Melt geweſen wäre, oder als wenn er feine Ge
fehichte der älteften Zeiten gefchrieben hätte, ober,
als wenn es ſchon ausgemachet märe, daß beffen
Zeugniß in diefem Stuͤcke falfch und nicht ein
mal einer Erwähnung würdig fen ? Iſt es dem⸗
nad) vernünftig, aus der Unmiffenheit und dem
Stillſchweigen neuerer Schriftfteller , gegen den
Bericht des älteften Geſchichtſchreibers, einen
Beweis zu ziehen, daß dasjenige gar niche
geſche⸗
a
a0 Menſchen u Biere. . 37
ira was dieſe nicht erwaͤhnen, und ges
wir alfo ben, ‚dal "
—— —
= En fhenein bevoßnetes Sand vor
cefehen: baß er Erna,
hanaus den Öelanor aus en vertrieben , wel
er vom Inachus abftammere, daß vor Cadmus
Boetien ſchon die Aonet, — Po od
venther geweſen⸗ amd fo weite:
—— ae weiter
ihlg waren; es beweiſt ihre 7
d ihr Stillſchweigen im geringfien nicht, daß bie
inber niemals unbemoßnet:gewefen.. Das ift eben
unrichtig serien. y mern man im @egen-
63: Geil
7 Bodhaet faget ia va te eg
——
Den ———
Nam Pi —2 mo⸗
— ———
Pen Timer, € Graces ——— Jemper effe
38 I1 Abh. Vom Urfprunge
theil aus der Unwiſſenheit und dem Stillſchweige
der Griechen, wer vor den Aonern, Temnicer
u. f. w. in Bdotlen gemohnet, fehließen wollte
alfo hat niemand das !and vorher bemohnet.
Der Verfaſſer ſchließt auch wider die A
fiht und Mennung feiner Gefchichtfchreiber felbfi
Denn, wenn fie vor denen Eolonien fehon Einwoh
ner des Landes fegen, fo fagen fie ja dadurch nicht
daß diefelben die erften und ewig gewefen: oder
wenn fie auch fprechen, die und die Voͤlker hätte:
das Sand ‘anfangs ober zuerft bewohnet; (initic
- primi tenuerunt) fo ift das allemal mit der Ein
ſchraͤnkung zu verftehen , die Erften, davon wi
Machricht haben. Denn daß fie vielmehr allenı
halben zuerft ein unbemohnetes fand vorausfegen
erbellet daraus, weil fie Die erften Einwohner jede
$andes, die feine Anfömmlinge oder Colonien wa
ren, als terrigenas, aus der Erden erjeugete Men
ſchen, anfahen; folglich eine Zeit annahmen, d.
jedes fand noch gar feine Einwohner gehabt, Ta
citus faget hergegen von den Britanniern zweiſel
haft: *® Was für Menſchen zuerft Briten
nien bewohnet haben, ob es Eingeborn
oder Stemdlinge gewefen, das ift unbe
Fannt , weil es Barbarn find. Er muth
maßet aber aus ihrer Geſtalt und ihren Gewohn
beiten, daß es Ankoͤmmlinge find, und baf einig
aus Germanien, andere aus Iberien, andere ayı
Galllen entfproffen. Er feget alfo zweyerley Fälle
wi
2° Tacitus in Vita Agricolx, cap, I,
Der Berufen and —*
uweder durch Eing
nge. In beyden Fallen je ** ee unbe,
—— — Land vorausgeſehhet. So ruͤhmeten
ch auch die Athenienſer, daß ſie allein in ganz
iechenland feine: Ankoͤmmlichhe, ſonhern
zene wären: ben algbadurd; verhchen,
26 alle ͤbrige finder — — — ftica,
ve der Ankunft diefer Bremblinge feine ‚einheimb -
be Einwohner gehabt hätten. -
Wenn auch gleich die fpäteren Colonien, de
m die neueren’ ürischifchen und roͤmiſchen Befdricht:
hreiber erwähnen, nicht alle vorhergehende Ein-
ohner ausfchließen : fo beweiſen fie doch, daß die
Inder durch den Zuwachs diefer neuen Einwohner
venn nur die alten nicht gaͤnzlich vertrieben oder
etoͤdtet find) weit flärfer bevdlfert worden. Eo
k fein Zweifel, daß Britannien durch den Leber
ang. ber Celten, Gallier, Iberier, und hernach,
er Mömer, Dänen und Angelfachfen von Zeit zu
eit immer volfreicher geworden ift, als verhin;
elches ich bald drumten umftändlicher aus den häu«
gen Waldungen bes alten Britanniens , und aus
chen Urkunden darthun werde. Und fo
erhält es fich ebenfalls mit ben Colonien anderer
Inder ; wie wit noch an America fehen, welches
ie Europäer, durch. re Eofonien, In feinen haͤu⸗
€ 4 gen
:9 Siehe die Stellen bed Iſokrates, Euripides und
a me, die ich. oben pag. 26. not. 8. angeführet
| 99
de Die Sänber zur Finn heiter werhen,
—X
D
a 1 ra om fen .
— Diägen , ſchen weit mehr berett
in viele Jahrhunderte nach ‚uns bevoͤll
"werben. Demnach beweiſen doch auch bie nem
Colonien allerdings, was ber Verfaſſer nicht
fang wollte, —— Welt nad)‘ gerade im
(fertiworben : unbdasift HR
ſcher aſten wüften Zuftand
Erdbodens md det. erſten Anfang des menſchlu
Gefchlechter daraus zu — ——
ſelbſt von der allererſten Welt
neuen Schreibern, als die rien uob —*
wo, nicht erwarten, noch verlangen, =.
$ 13.
komme al ben Umfriaden
Pr Deihe vn Krfang des. merfhli
Geſchlechtes beftärfen; und il nu einge oe w
Berfelben auskefen, bie jebem in bie Augen leuchtet
ii
38
3
ä
i
* dern Times: in which the fuperior Populm
« Amir wien Appendiz-
einer ganzen Provinz Sandleute
Aderbaues und ber Wiehzuche
faſſet denn nicht. die Menge der
und Flecken, womit : Europa jetzt an ben
wiften Orten beſaͤet iſt, für eine unermeßliche
bl Menſchen? Wenn alfo die Geſchichte dem
rößten Theile des alten Europa die vielen Städte
md Flecken nimmt: fo nimmt fie ihm auch diefe
rohe Anzahl der Einwohner. Aber felbft auf
um Sande koͤnnen vormals wegen ber Wälder lange
4 viel Menfchen nicht goohne haben, oe es: jeßo; -
fome Remarks on Mr. Hume’s Political Difcourfe
of the Populoufnefs of ancient Nations. Edin-
burg 1753. 8. Dieſes Buch iſt —— —
t viel gute politiſche
Der Berfaffer leugnet aber gar nicht, daß Fr die
auf dem Erdboden vermehret haben,
ſondern er fuchet nur darzuthun, daß eine Zeit ges
weien, ba die Erbe volfreicher war, * ſie jetzt
u und u he die Scouts befen auf manche natuͤr⸗
liche be Dinberni —— 5 Sun
—— "Deren 4 mE ar ie Belt zu ee
ern bennüßer ift, naͤhere der Bahr: |
—* —— * ſehe ich — 3 einer von
beyben , bie von mir gebraucheten allgemeinen
Gründe gebrauchet ober wiberleget habe,
. u
-
.
.
U
.
42 1 Abh. Vom Urfprunge
ſondern eg muß an ben meiſten Orten ſehr oͤde und‘
wüfte gewefen ſeyn. Denn ſolche dicke und weit
auslaufende Walder., als Die Hiftorie angieh
müffen viele hundert, ja taufend Jahre vor Men
fhen Friede gehabt haben, aufzuwachſen und nd
zu verbreiten; und in denfelben, koͤnnen nur wenig.
feute ihre Nahrung finden. Je mehr aber du
Menfchen zunehmen, defto mehr muͤſſen Baͤumt
und wilde Thiere weichen, und das Sand zum
Kornbaue angewandt werden. Wären alfo Men
ſchen ewig: fo müßte aud) der Erdboden von ung
benflicher Zeit eben fo ſtark, ja noch weit ſtaͤrke
beſetzet geweſen feyn, als er jeßo iſt; und koͤnnte
vor 2000 Jahren nicht fo wild, wüfte und einfang
‚ ausgefeben haben, als ibn die Sefchichte barftelletg
eber fo wenig Menfchen "befaffer haben, als wir vom
manchen $ändern lefen.
Saffet uns denn bas alte Europa ein wenig
durchwandern. Spanien oder Iberien ift wohl in
Europa zuerft am flärfeften, und zwar, nach bes
Varro Berichte, durch die afiatifchen Syberier,
Derfer, Phönicier, Eelten und nachmals durd) Die
Carthaginenfer oder Punier befeßet geweſen: ?" weil
es wegen ber gemäßigten $uft und bes guten Bodens
gleichſam für ein Paradies gehalten ward, mo bie
elyſiſchen Felder wären , wie Strabo aus dem
Homerus zeiget. 22 Das ift aber hauptſaͤchlich
nur
2 Das berichtet aus bem Varro ber Plinius Hiſt.
Nat. lib, III, cap. 1.
32 Strabo Geogr, lib. III. Tom. I. p. 223. aus des
HGomerus Odyfl, di 568.
wo Bienfgen ud Xhiee. 4
don ben Küfte an dem mittellänbifchen Meere
erſtehen; fonft hat es noch im Sande ziemlich .
pausgefeben. Die Safran Heben ke
megen, und: macheten ein Handwerk daraus,
dmanber und biejenfeits des Tagus wohnenden
Krieg und Raͤubereyen zu überziehen: ® u
d, und wuͤſte lag. Auch ivaren die übrigen
mier inmerhalb Landes, und gegen bie pyrenaͤi⸗
Bebirge, afle fehr Priegerifch, hart, und rau» .
in Lebensart; wie die Römer oft erfahren ha⸗
. @erabo berichtet von dem Pofidonius, daß
#Dolnbius Gefvortet Dabe, wenn er gefchrie-
„baß Grachus in Geltiberieh drey hundert
Ifte erobert; und ſaget, daß er, nur den Tri»
hdes Grachus zu erheben, aus einzelnen Thür-
oder Schlöffern,, welche man nämlidy wider
Räuberenen erbauet hatte, Städte gemachet ;
fo Hätten auch andere Gefchichtfchreiber, wenn
auſend Städte in Spanien gezählet, die Doͤr⸗
für Städte gerechnet. ”* Denn, fährt er fort,
Natur des Landesleider nicht viel Städte,
gen des magern, dürren und rauben Bo⸗
3. (welches Strabo auch kurz vorher als
bergicht
Strabo lib. III. pag. 231. el Aue ur, vv
une rũe Yüs ADirrıs Bler,. iv Ayeneloıg Buridoyr ug)
wAlnp ewıxd, zıös TI ame ng) veis dmögous
srreh, Yabalvorlıs vir Ta. ng) awikuns
Sir xupar dpuaunirur, aäge day Tin Infirer aya-
Jar, oizadıy 3 uwd Ausar,
Strabo lib. III. p. 247.
x.
\
4 165. Vom Usfprunge
bergicht und waldicht befchrieben.) Auch foͤrd
die Lebensart und Gewohnheit der E
wohner (wenn man die an der Seekuͤſte n⸗
unten ausnimmt) dergleichen gar ni
Denndie, welche in Dörfern wohnen, find
meiniglich woilder Art; und fo find die m
ften Iberier. Die Städte aber felbft Ei
nen die Liienfchen nicht leicht sabmer n
chen, wo noch die meiften in ®äldern wohn
und ihre Nachbarn überfallen. 7 Von den
len Wäldern Spaniens in den oberen Gegenden rı
Strabofurzvorher, und Bochart beftätiget es
andern Scıhriftftelleen. ?° Wie aber Spanien nach
Zeit an Einwohnern ftarf zugenommen, und wie
‚abgenommen habe, das ift eine fehr befannte Sa
Was Gallien betrifft; fo war es gleichf
fhon, zu Eäfars Zeiten, ziemlich bevölkert; o⸗
dennoch viel waldichter und folglich oͤder, ale
jetzo iſt. Caͤſar gebenfet des arbuennifchen B
des, als des groͤßten in ganz Gallien, welcher
dem Ufer des Rheines, bey den Trevirern (zwifi
dem Rheine und der Maas) bis an die Nerı
39 Strabo lib, IIT, p. 347. er var ri x
Qurss wor Iwılınlıny wear iss da Tyr Avaysı
x) did wir inwelenir, ug) FÜ arguıger. ev.
Bi ae) «) enter urur (ifo var nala sy rn
Aus wur uud dus) uwuyopiveues Toren d
aygs Yag cl nura nupmug olusurris Teure
were vor langen, af Di wider Huıgeven dvd a
ealios, Orar wAsmugn ve was Diss im nun
wANrier BIxourew.
36 Strabo, p. 245. Pochart Geogr. S. p. 694.
Der Menſchen und Thiere, 45
s ift, bis an die Schelde, mehr als Sooooo
chrirte gereichet.“ Wiederum von den Mena»
am und Morinern ſpricht er, daß fie lauter zu⸗
mmenhängende Wälder und Moräfte gehabt,
hin fie geflüchtet; und daß er einige Tage her
irch, mit unglaublicher Gefchmindigfeie, durch
n Wald gebauen; aber daß fich dieſe Voͤlker
nmer tiefer in ben Wald gezogen, und er wegen
ngefaflener üblen Witterung von dem Beginnen
abe abfiehen müffen. ?? Dieſer Wald hat folg.
lich
Cæſar de B. G. lib. VI. cap, 29. Arduenna filva efl
tosins Gallie maxiıma, atque ab ripis Rbeni fini-
busque Trevirorum ad Nerzios pertinet, millibus-
que amplius D in longitudinem patet, vide &lib. V.
eap. $.
18 — lib. III. cap. 28. quod continentes filvas ec
paludes babebant, eo je ſaque ommia contulerunt.
& cap. 29. Cafar flzascadere inflituit in-
eredibili celeritate miagno [patio paucis diebus con-
fecio, cum ipſi denſiores ſilvas peterent ;
cjusmodi tempeflates ſunt confecute, ut opus neceſ-
Jario intermitteretur, vide & IV. 38.
Mr. Bouguer, Figure de laterre determinde par
les obfervations de Meflicurs Bouguer & de la Con-
damine, Paris 1749. 4. p. XIV. füget von der
abendlichen Kuͤſte in Peru, wegen der vielen Waͤl⸗
ber: öl efl peu vraiſemblable, que cette cöte, mal«
gre ce que rapportent les premiers zoyageurs qui
Pont parcourue, ait jamaıs etz tres penplee. Und
er wendet eben diefen Grund auf das alte Gallien
an: Des forets immenſes ne font paspropres à faire
fubfifler un grandnombre d’habitans. C'eſt une con-
gradiction, que n’ont pas ſtenti quelques Ecrivains
d’ailleur tres habiles, qui ons cr, par exemple,
que
46 16h. Vom Urfprunge
lich von dem Rheine und ber Maas bey dem jegis
gen Flecken Nümagen (Noviomegus Trevirorum)
bis an Calais gereihet. Damit ſtimmet überein,
mas Strabo von den Galliern überhaupt fager, '
fie legeten fich mehr auf den Krieg, als auf den
Aderbau. ?
Bey der Schweiz , ober vielmehr Helverien,
dürfen wir nicht einmal auf die Beſchaffenheit
des Landes fehen; wir wiffen die Anzahl der alten
Einwohner zu Caͤſars Zeiten ganz genau. Dem
als fie (ihrer jeßigen Neigung ganz entgegen) fich
entfchlofjen harten, fämmtlid, mit Weibern und
Kindern, ihr Sand zu verlaffen, und in Gallien ei⸗
nen beffern Si6 zu fuchen, fand Cäfar, nachdem
er fie gefchlagen hatte, in ihrem eigenen Verzeich⸗
niffe, daß ihrer in allen 263000 Köpfe ausgejogen
wären. Die hatten vorhin in ı2 Städten und
etiwa 400 Dörfern gemohnet. Nun famen ihrer
nur etwa 110000 wieder zuruͤck, nachdem die übris
gen aufgerieben waren. Helvetien aber hatte da⸗
mals beynahe eben die Graͤnzen, mie die jegige
Schweiz. ** Welche eine geringe Anzahl Men
ſchen
que les Gaules du tems Romains etoient beoucoup
plus peuplees que ne Pest maintenant la France;
quoique prefque sont le pays fut alers rempli de
bois
39 Strabo lib, IV. p. 269. maxıly made y yıneyal,
“0 Man febe den Eifar de B. G. I. 29, 2. 26,5. Die
Anzahl der Helvetier, melche im bamburgifchen
Magazin X. B. p. 616. aus dem Sume 36000
angegeben wird, fol, nach dem Caͤſar, 368000
Yeigen. Allein, in diefer Zahl waren die Tulin⸗
ger,
| ww Menfhen und Tiere. 47
fo 26 die jetige ? und
ai Die —— —* Zei
e fer bas erfte mal nach Britannien über:
fo landete er ‚ungefähr gegen Calais über,
5 fogleich, wie er ins fand einruͤcken wollte,
we in Wäldern verſtecket, woraus fie ihn an⸗
= Hernach zum andern Male, wie er erwas
indringen wolle ‚ mußte er fich ebenfalls
e aus den Wäldern herausfegende Feinde
lagen, bis er an die Temfe Fam, ivo er
fiseflaunus, ale Heerfuͤhrer der Britannier,
im in unwegfamen Waldungen antraf, das
Menfchen und Vieh verſammlet, und fid)
n verbauen harte. ** Das hieß bey ben
Britan⸗
„Latobriger, Rauracer, Bojer, die mit ben
Ivetieen ausgezogen waren, auch begriffen;
Helvetier allein werden nicht mehr, als 263000
echnet.
ar lib. IV. cap. 32. bofles mocu in fl»
delituerant : tum di[perfos fubito adorti,
wis interfeälis, reliquos incertis ordinibus pertur-
verauß.
ar lb. V. cap. 15. ut noſtri omnibus partibus ſu-
iores fuerint, atque eos in flvas collesque compem
Im. at ıllı ſubito fe ex ſilvis ejecerums
».19. Cafkvellaunus itinera noflra ſerva-
1, locisque impeditis atque flveftribus fefe occul-
ws, ærque iis vegionibus, quibus nos iter facturos
meverat — atque bowmines ex agris in fılvas
— * quum itatus noſter libe-
fe in agros e Funderes, omuibus viis
is Temisisgae efedarios ex filvis emittcbat.
48 1Abh. Vom Urfprunge
Britanniern eine Stadt, wenn ſie ſich mit umge⸗
pauenen Bäumen, und mit einem Walleund Gras
n verſchanzet hatten; font mußten fie damals von
Beinen Städten. ““ So befihreibt Die die Bri-
tannier gleichfalls, daß fie fich in Wäldern, Bergen
und Sümpfen aufgehalten, Beine Städte, Mauren
ober Aderbau gehabt, fondern von der Viehzucht,
Jagd, DBaumfrüchten und Wurzeln gelebet haͤt⸗
ten. ** Wie dbe muß alfo Britannien damals
noch geivefen feyn, da jeßo dergleichen Wälder, zus
mal in dem unteren Theile vergeblich gefuchet were"
den? Ob nun glei Britannien nach der Zeit
durch die Römer, Angelfachfen und Dänen, noch
mehr bevölkert worden: fo hat doch Matthaͤus
Hale in feinem Buche vom erften Anfange des
menfchlichen Befchlechtes, aus dem Originalverzeich⸗
niſſe des Könige Wilhelm I, über alle Staͤdte, Fi
Een und Dörfer Englandes , gezeiget, daß ſich
die
43 Cæſar lib. V. cap. 21. Cognoſcit, nom lounge ex loco
oppidum Caffsvellauni abeſſe, filvis paludibusgue mu-
nitum Oppidum autem RBritanni vocass,
quum filoas impeditas vallo atque foſſa manieruns,
quo incurfionis boſtium vitandæ cau/a cowvenire co»
ueverunt. |
44 Dio Caflius p. 222. lin, 236. & 957. lin. 87. 55 vı red
Mu ng) is Tas Bus zuriduyer. p. 1280. lin. 69.
vimerluy opy Ayeım ag) arulgn, ag) wıdin seanu aa)
Du CR pri ax, nyri veng, pri Jıngyias xer⸗
vs, aM in wärs von 0) Tüems, ainpedevun sa rorew,
Särsıs, p. 1281. lin. 89. ir suis Was TB 18 Muß
a va dia dargderg. Siehe auch den Hero-
dianus lib, III. cap. 14, 10. fqq,
* ke ein Merkmaal ber Tapferkeit, ae
dachbarn fich vertreiben ließen, unb wichen; nie»
sanb aber Das Herz hätte, fich neben ihnen zu fee
en; Auf Aderbau hielten fie nichts, und nies
sand befaß einen gemwiffen Strich eigenen Landes;
mdern Die Obrigkeit, ober ber Fuͤrſt, theilete jes
er Familie mit ihren Verwandten, die fic) zufam«
sen. gethan, jährlich, fo viel Land aus, als ihm
ut bünfete; und wo es ihm beliebete: im folgenden
Jahre aber nöthigee er fie, wo anders hinzugeben,
amit fie fich nicht an einen Ort gewöhnen, und
den
-$ Matth. Hale lib. citat. Se&. II. 10, 1. fe
edit. gern. ab Henrico Smettay suratz 2 Chin 35
der Fol.
‚6 Cefar de 8.6 ‚lb. VI. cap. 23. Croisdtibur muaxime
lauıs ef, quam letijfimas circum Je, veflstis .
bebere: boe proprium virtatis exiflimant,
expulfos agris finitimos cedere, neque duenquamı fre-
pe fü andere confiſtere. 2
Ed
x
50 16f. Vom Urfpeunge
den Aderbau der Kriegesluft vorziehen ſollt
Wenn daher Caͤſar über den Rhein geht, fü
es gleich von den Sigambrern: fie hätten
Wälder und Eindben verſtecket. * Tacitı
Eräftiget diefes: Es ift befannt genug, faı
daß bie deutſchen Völker in feinen Städten
nen; ja, daß fie nicht einmal leiden, wenn m
fich bey einander fegen wollten. in jeder h
allein und abgefondert auf, wo ihm eine $
ein Feld oder Wald gefällt. 7 Er bef
mithin das fand als ganz ſcheußlich. Mer
fich nach Germanien begeben, wenn es nich
fein Vaterland wäre? da der Boden fo fi
die Luft ſo rauh, und alles unbebaut und f
ausfieht. Das Land ift allerwärts voll für
der Wälder, oder voll haͤßlicher Morafte; |
tragende Bäume aber Fönnen nicht darinn foı
47 Id. ibid, c. 29. Minime ommes Germani agric
fludent. c. 22. agriculture non fluden —
quisquam agrı modam certum aut fines propr.
. bet; fed magiflratus ac principes, in annos fi
. gentibus cognationibusque homiuum, qui una co
Quantum Bis, & qno loco vifuntefl, attribuu
arque anno pofl alio tranfıre cogunt — ne.
eonfuetudine capti, ſtudium belli gerendi agris
oommutent. Siehe auch ben Strabo lib, VII.
. 446.
48 Ta. lib. IV. e. 18. fe in folitudinem ac filsas ı
vant. vid. & cap. 19.
49 Tacitus de Mor. Germ, cap. 16. Nullas Germa
populis urbes halitari, fatis notum el: ne pı
dem inter [e jundlas ſedis. Colımf difcreti
verf, us fons, us campus, us nemus placuit.
der Menſchen and Third 5;
men. Die Einwohner nefimen; nach dem Ders
haltniſſe ihrer Anzapl, bald dieſe bald jene Felder
in. Befig , nnd" wechfeln damit afle are ab;
es bleibt aber Sand über. Denn fie find a ß .
arbeirfam nicht, als der Boden noch fruchtbar und
geräumig. it. *° Cäfar fager von den Deutfchen,
befonders denen Suevern, daß fie beftändig aufder
lägen; und er befehreibt die Elendthiere und
| fen weitläufrig, welche in dem Hercyniſchen
Walde durch ganz Germanien gejager find; °* ba
vertrieben wor ·
ET —2
——S— mit nn —
48 1 Abh. Vomtiefprunge
ſondern es muß an den meiſten Orten ſehr oͤde
wuͤſte gemefen ſeyn. BEN Oi dicke und ı
Anden viele ele Hundert, ja taufend Jahꝛ Kr
‚ja te vor
ſchen Friede — haben, aufzumachfen und,
zu verbreiteri; und in denſelben koͤmnen nur. wi
Seute ihre Nahrung finden. Je mehr aber
Menfchen zunehmen, deſto mehr muͤſſen Baͤ
und wilde, Thiere weichen, und das Sand ;
Kornbaue angewandt werden. Wären alfo Di
ſchen ewig: fo müßte auch der Erdboden von
benklicher Zeit eben fo ſtark, ja noch weit ſtaͤr
befeget geweſen feyn, als er jego iſt; und Pin
vor 2000 Jahren nicht fo wild, wüfte und einf
. ausgefehen haben, als in die Gefichte darſtel
oder ſo — —8 befaſſet haben, als wir
ee Am denn das alte Europa ein we
durchwandern. Spanien oder Iberien iſt wohl
Europa juerſt am flärfeften, und zwar, nach I
Varro Berichte , durch die afiatifchen Iber
Dexter, Pfönicier, Celten und nachmals durch
Tarthaginenſer oder Punier befeget gemefen: ?" n
es wegen ber gemäßigten $uft und bes guten Bob
gleichſam für ein Paradies gehalten ward, mo
elyfifchen Felder wären, wie Strabo aus d
Homerus zeiget. ” Das iſt aber boaupiſach
32 Das berichtet aus dem Varro der Plinius H
Nat. lib, IIL cap, i
32 Strabo’ Geogr. lib. in. Tomi. p. 223. aus
Gomerus Odyfl.d. 568.
Ber Menfchen und Thiere. 43
nur von der Küfte an dem mittelländifchen Meere
jr verftehen; fonft hat es noch im Sande ziemlich
| Döße ausgefehen. Die fufitanier ließen den Acker⸗
. ball liegen, und: macheten ein Handwerk daraus,
ſich einander und die jenfeits des Tagus wohnenden,
mit Krieg und Räuberenen zu überziehen: ?? daher
; des Sandes innere Fruchtbarkeit nicht gebrauchet
ward, und müfte lag. Auch waren bie übrigen
Spanier innerhalb Landes, und gegen die pyrenaͤi⸗
ſchen Gebirge, alle fehr Eriegerifch, hart, und raus
| von Lebensart; mie bie Römer oft erfahren ha⸗
ben. Strabo berichtet non dem Pofidonius, daß
: er des Polnbius gefpottet habe, wenn er gefchrier
ben, daß Grachus in Eeltiberieh drey hundert
Städte erobert; und ſaget, daß er, nur den Tri»
umph des Grachus zu erheben, aus einzelnen Thuͤr⸗
men oder Schloͤſſern, weldye man nämlidy wider
Die Raͤubereyen erbauet hatte, Städte gemacher;
und fo hätten audy andere Gefchichtfchreiber, wenn
fie taufend Städte in Spanien gezählet, die Doͤr⸗
fer für Städte gerechnet. ”* Denn, fährt er fort,
Dre Natur des Landes leidet nicht viel Städte,
Wegen des magern, duͤrren und rauben Bo⸗
Denss (meldyes Strabo auch kurz vorber als
bergicht
f
1
3 3 Strabo lib. IIL pag. 231. ol mAmeıs aurar, vv
une rũs vũs APirrıg Bley, iv Anenpleig dsridev x)
zoilup owıxd, weös Ti aRmeus 14) Vous Ömöpous
aureis, Unbaivorlıs vor Tayo. 9) awibane
Tr Xupar dpsroyuirur, aangy ray Tür imPürar aya
Jar, oixadıy 3° umd Ansar.
?* Strabo lib. ILL. p. 247.
\
44 16h. Vom Urfprunge
bergicht und waldicht befchrieben.) Auch förder
die Lebensart und Gewohnheit der in
wohner (wenn man diean der Seeküfte nad
unten ausnimme) Öergleichen gar nf
Denndie, welche in Dörfern wohnen, find ge
meiniglich wilder Art; und fo find die mei
fien Iberier. Die Städte aber felbft Ein
nen die Menſchen nicht leicht zahmer ma
chen, wo noch die meiſten in Waͤldern wohnen
und ihre Nachbarn überfallen. Von den vi
len Waͤldern Spaniens in den oberen Gegenden rede
Strabo kurz vorher, und Bochart beftätiget es au
andern Schriftftellern. ?° Wie aber Spanien nach be
Zeit an Einwohnern ftarf zugenommen, und wiede
‚abgenommen habe, das ift eine fehr befannte Sad
Was Gallien betrifft; fo war es gleichfall
fhon, zu Eäfars Zeiten, ziemlich bevölkert; abı
dennoch viel waldichter und folglid) öder, als «
jetzo iſt. Caͤſar gedenket des arbuennifchen Wa
des, als des groͤßten in ganz Gallien, welcher vo
dem Ufer des Rheines, bey den Trevirern (zwiſche
dem Rheine und der Maas) bis an die Nervie
de
35 Strabo lib. III. p. 2347. eur Yag 7; xue
Qurıs voran baden lin) wohhär is dm var —XRX
ag) did wir inwelepir, ug) FÜ arupgor, eu’
Bio ae) dj — aysar (dw var uuld wär wu
Mur vv nu Aus) uruyepivsves Taeurer dulı
wygs Ya ol nur xupug ensure resüre V
As Ta langen, u wo Npıgovaıy evt dur
dagdios, rar wArmuge To was Dias imi une 7
—X
236 Strabo, p. 245. Pochart Geogr. S. p. 694.
Ber Menfchen und Thiere.
a iſt, bis an Die Schelde, mehr als s
cheitte gereicher. ” dern —
en ind Morinern ſpricht er, daß fie lauter Ä
ut abe Bier un Moräfte gehabt,
geflüchtet ; daß er einige
7 —— unglaublicher —
Wald gehauen ʒ aber daß ſich 'diefe Volker
—— In den Bald gezogen, under wegen
sgefallener üblen Witterung von dem Beginnen
Degen mie De ab het fa
ii. .
, Gafer de G. kb, VI cap. 20. Arduenma oa i
setins Gallie maximn, atque ab ripis Rheni fini-
. busque Trevirorum ad Nervios pertinet, weillibas-
que amplius D in longisudiuen patet, vide &lib. V.
Ü 5 Car lib. III. cap. 28. quod Contimentes Klon ec
jelndes babebant, eo je ſuaque omuis centalerunt.
& cap. 29. Cefar flvascadere inflitsit —— in-
credibili eeleritate magno fhatid paueis diebus con-
‘. Je, cum ıpf denfores filvas peteremt ;
ejusmodi tempeflates ſunt eonfecnie, ws opus nese"
Jario intermitteretur. vide & IV. 38,
_Mr. Bouguer, Figure de laterre determinde par
tions de Meſſieurs Bouguer & de 1 Con
damine. Paris 1749, 4. p. "XIV. faget von ber
Ä abendlichen Küfte in Peru, wegen dee vielen Waͤl⸗
: il efl peu vraifemblable, que cette ebee, mal.
* ce que rapportent les prewiers voyageurs qui
Pont parcsurue;; ait jamäis etc tres er. Und
er wendet eben diefen Grund auf das alte Gallen
an: Des forets immenſes ne font paspropres 8 faire
fubhfler un grand: sombre d’habitans. C’efl une con-
sradiction, que w’ont pas ſtenti quelgues Ecrivainr
‚ d’silesr ser babiles, qui u crd, par exemple,
U
46 165. Vom Urfprunge
lich von dem Rheine und der Maas bey dem jetzi⸗
gen Flecken Nuͤmagen (Noviomagus Trevirorum)
bis an Calais gereichet. Damit flimmer überein,
was Strabo von den Balliern überhaupt faget,
fie legeten fidh mehr auf den Krieg, als auf den
Aderbau. ??
Ben der Schweiz , ober vielmehr Helvetien,
‘ Dürfen wir nicht einmal auf die Befchaffenheit
des Landes fehen; wir wiffen die Anzahl der alten
Einwohner zu Caͤſars Zeiten ganz genau. Denn
als fie (ihrer jegigen Neigung ganz entgegen) fich
entfchlofjen harten, ſaͤmmtlich, mit Weibern und
Kindern, ihr Sand zu verlaffen, und in Gallien eis
nen beffern Siß zu fuchen, fand Caͤſar, nachdem
er fie gefchlagen hatte, in ihrem’ eigenen Verzeich⸗
niffe, daß ihrer in allen 263000 Köpfe ausgejogen
wären. Die batten vorhin in ı2 Städten und
etwa 400 Dörfern gevohne. Nun kamen ihrer
tur etwa 110000 wieder zurüd, nachdem die uͤbri⸗
gen aufgerieben waren. Helvetien aber hatte da»
mals beynahe eben die Öränzen, wie die jegige
Schweiz. *° Welche eine geringe Anzahl Men.
ſchen
que les Gaules du tems Romains itoiene beaucoup
plus peuplies que ne Pest maintenant la France;
quoique prefque tout le pays fut alers rempli de
bois j
IS,
39 Strabo lib, IV, p. 269. vuxıly made 7 yıneyıl.
40. Man febe ben Caſar de B. G. I. 29, 2. 26, 5. Die
Anzahl der Helvetier, welche im bamburgifchen
Magazin X. B. p. 616. aus dem Sume 36000
angegeben wird, fol, nach dem Cäfar, 368000
Yeißen. Allein, in diefer Zahl waren die Zulins
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en warm ale 267800 —ã— — e? und
7 de wenig überblicbenen ee bei‘ Zeit
"bie Gap das eflemal nach Britannien übe
mgı fo landete er ungefäße gegen Calais über,
D fand fogleich, wie er ins Sand einzüchen wollte,
ah die aus den iin. herausſetzende Feinde
wihfihlagen, bis; er an die Temfe kam, ivo ee
wCaiiivellaumus,:als. Beerführer det Btitannier,
iederum in unwegſamen Waldungen anttaf, das
in er Menfchen und Vieh verſammlet, und ſich
seinen verhauen hatte. ** Das bieß a7 ben ben
ger, ger, Latobriger Kautacer, Bojer, die mit den
Helvetiern ausgejogen waren, auch begriffen;
ber Deibeier allein werben nicht mehr, ald 203000
de —8 lib, IV. cap. 32. bofles voctu in file
vis delituerant : tum difperfos —— ſubito adorti,
| paneis im interfectit, reliquos incertis ordimibus pertur-
n3 — rt V. cap. 15. ut noſtri ommibus partibus ſu-
—— fucrint, atque eos in floas colleique compu-
at illi ſubito fe ex filvis ejecerums
* 19. ‚Cafive —*— itinera noſtra ſerva-
bei, locique iwpeditis —* Alveſiribus fefe occul-
tbæt, atqne iis regiomibus, quibus nos iter facturos
eognoverst- pecora arque bone ex ogris in filvas
s U quum s snoßer libe-
ing fe iR agras e Fünderet, emsibus vis
wetis [omitisgue ejldarios ex fılcis emittchet.
4
y
48 1Abh. Dom Uriprunge
‚Britanniern eine Stadt, menn fie ſich mit umge.
Dauenen Bäumen, und mit einem Walleund Gra⸗
en verfchanzet hatten; fonft mußten fie Damals von
feinen Städten. * So befihreibt Die die Bri⸗
tannier gleichfalls, daß fie fich in Wäldern, Bergen:
und Sümpfen aufgehalten, feine Städte, Mauren
oder Aderbau gehabt, fondern von ber Viehzucht,
Jagd, DBaumfrüchten und Wurzeln gelebet häte
ten. » Wie oͤde muß alfo Britannien damals
noch gewefen ſeyn, ba jeßo dergleichen Wälder, zus
- mal in dem unteren Theile vergeblich geſuchet were:
den? Ob nun glei Britannien nach der Ze
durch die Römer, Angelfachfen und Dänen, noch
mehr bevoͤlkert worden: fo hat doch Matthaͤus
Hale in feinem Bude vom erſten Anfange des
menfchlichen Befchlechtes, ausdem Driginalverzeiche
niffe des Königs Wilhelm I, über alle Städte, Fle⸗
Een und Dörfer Englandes , gezeiget, daß fich
bie
43 Cxfar lib. V. cap. 21. Cognofcis, non lounge ex loce
appidum Caffvellammi abeſſe, flvis palndibusque mu-
nitum Oppidum autem Britanni vocaut,
quum filoas impeditas vallo atque foſſa munierunt,
quo incur fionis boſtium vitandæ cau[a cewvenire con-
ĩeverunt. |
44 Dio Caflius p. 222. lin, 36, & 957. lin. 87. ds vs vd
An ge) ds Tus Vans xurtdrye. p. 1280. lin. 69
ylmerluy Op iygım ag) rule, 19) widin senmu 20)
Heln, aarı Taxı, myrı weiag, yyrı Yineylas Sxger
vs, ix Ts vos x Iyens, —R va vıvon,
Corris, p. 1281. lin. 89. iv suis Wis 7E TI Muß
a zass Ella dargiderg. Siehe auch den Hero-
dianus lib, III. cap. 14, 10. ſqq.
ien_gethan, jährlich, fo viel Land aus, als ihm
dünfete; und wo es ihm beliebete: im folgenden
aber ie e fe mo anders hinzugeben,
mit fie fi nicht an einen Ort geroöhnen, pn
so 165. Vom Urſprunge
den Ackerbau der Kriegesluſt vorziehen follten. *7
Henn daher Cäfar über den Rhein geht, fo heißt
es gleich van den Sigamhrern: fie hätten fich in
Wälder und Einoͤden verſtecket. Tacitus bes
kraͤftiget dieſes: Es iſt bekannt genug, ſaget er,
daß die deutſchen Voͤlker in keinen Staͤdten woh⸗
nen; ja, daß ſie nicht einmal leiden, wenn mehrere
ſich bey einander ſetzen wollten. Ein jeder haͤlt ſich
allein und abgeſondert auf, wo ihm eine Quelle,
ein Feld oder Wald gefällt. ? Er befchreibt
mithin das Land als ganz fcheußlih. Wer wollte,
fich nach Germanien begeben, wenn es nicht ſchon
fein Vaterland wäre? da der Boden fo fchlecht,
die Luft fo rauh, und alles unbebaut und traurig.
ausfieht. Das Land ift allerwärts voll fuͤrchterli⸗
her Wälder, oder voll haßlicher Morafte; fruchts
tragende Bäume aber können nicht darinn fortkom⸗
men,
47 Id. ibid, c. 29. Minime omnet Germani agricalture
fludent. c. 22. agriculture non fludent — neque
Juisquam agri modam certum aut fines proprios bar
. bet; fed magiflratus ac principes, in annos jingulos,
gentibus cognationibusque hominum, qei una Coierunt,
Quantum Bis, & quo loco viſum eſt, attribuunt agri,
arque anno poſt alio tranfıre cogunt — ne alhıdua
eonfuetudine capti, findium belli gerendi agricultura
. eommiutent, Siehe auch den Strabo lib. VII. T.L.
. 446. .
48 Ta. lib. IV. e. 18, fe in folitudinen ac filsas abdide-
. rant. vid. & cap. IQ. |
49 Tacitus de Mor. Germ. cap. 16. Nullas Germanorum
populis urbes habitari, fatis nosum efl: ne pati qui.
dem inter ſe junctas fedes. Colunt difereti ac di-
verfi, us fons, us campus, us nemus placuit.
5.
al.
zu mn; ©
=
cum abertte (7
!3 Oufar de B.G. lib. VI.
. Vita emmis in vona-
Òᷣ-AI [ans in vone-
Sionibus, \ros ds ilce delsribit lb; VI. cap. 56.
Hienibes. Kb. IV. X:
ap. 1.
52 165. Vom Uefprumge
hätte, wenn er ſchon fechszig Tage fortgewandert
war, ober der jemals gehöret.hätte, wo ber Wald
feinen Anfang nimmt. i2 Er redet von einem an⸗
dern Walde, Bacenis genannt, ber unendlich groß
fen, tief ins Sand gehe, und eine natürliche Schei⸗
demand zwiſchen ben Cherufcern-und Sueviern ab»
gebe, daß fie fich fo leicht einander fein $eid zufügen,
ober überfallen fönnten. *? Viele andere Wälder,
als dee Ceſiſche, Gabretifche, Semanifche, Matı
cianiſche, Luniſche, hingegen alle mit dem großen
Herennifchen zufammen, wie Cellarius recht ur ⸗
theilet; ** fo daß ganz Germanien Damals beynahe
noch ein einziger großer Wald war, und die Men
ſchen nur in den Zwifchenräumen der Hölzungen
einig Sand befäeten, und noch Kaum überlieffen;
nirgend angefeffen waren, fondern ihren Sig jaͤhr
lich verlegetenz nirgend in Flecken und Städten,
fondern einzeln und zerftreuet in Horden und Huͤt⸗
ten wohneten, und dazu alles um ſich herum meit
und
s2 Plinius H, N. lib. XVI. e. 2. Hercynie file roboram
vaflitas, imiads evis & congenitamundo. Cæſ. VI. 25.
(Hercynie five) latitudo IX. dierum expedito pa.
Bet — meque quisguam ef hujus Germania, qui fü
adiffe ad initium ejus filu« dicat, quum dierum iter
. procejjerit, aus quo ex loco oriatur acceperit,
22 Id. lib, VL cap. 10, Alvam effe ibi infinite magni.
audinis, qua appelletur Bacenis : banc longe intror.
. Süs pertinere, & pro wativo muro_objeflam, Chera.
feos a Suevis, Suevasque a Cherufis, injurüs incur fie.
wu
44 Canon Cellrrss Noceia Ogbis aniqui Tomi I
Kb. IL «ap, 5. p. 461. ſq.
BE e
UHHE
ee
"
:
5
£
4:3;
1
F
hr,
3444]
bo.die ungeheuren Wälder ?. wo ihre
machen? Statt der Bäume und bes Wildes
ader man allerwaͤrts Menſchen mic zahmen Wiehe.
Borift ium eine moͤßige Gegend, Die irgend fruche⸗
iw heißen kann, weiche. unbebauet wäre? Alles
zaronen, Grafen, en, Churfürften, enden
ne beträchtliche Hofſtatt, und zum Theil anfehn«
unterhalten,
Wenn wir demnach die Einwohner des alten
jermaniens gegen bie jetzigen in ein wahres Ver⸗
ältniß bringen wollen: fo müflen wir erftlih alle
‚ bie fich nicht mit Ackerhaue md Vieh⸗
che währen, das ift, alle die, welche jet in allen und
Flecken und Städten durch ganz Deutfchland
vhnen, abrechnen, Wir müffen die zahlreichen
er ‚betrachten; weit —— jetzt nach
5:
An
Fe
Ser
Ef
5*
+
5
Wälder abgehauen, und zum Ackerbaue und
ur Viehzucht angewandt find, dem vorigen Ger-
danien kaum ben re bebautes kan,
a D 3 I un
34 1 Abh. Vom Hefprunge
und alſo auch kaum den zehenten Theil ſo viel
Bauleute einräumen. Wie viel Millionen ſind
benn nicht weniger gemefen! Wir müffen endlich
bedenfen, ba man jeßt alles weit beffer zu büngen
und zu nußen weis, Moräfte ausfüllee, Graben
zieht, Weiden, Koppeln, Frucht-und Krautgaͤr⸗
ten anleget, Bienen zieht, Fiſchteiche hält, in
den Strömen fifchet, Wein bauet, ja das Innere
ber Berge mit Graben nach Vitriole, Farbenerde,
Steinbruͤche, Queckſilber, Metalle und andere
Mineralien nicht verfchonet} daß nun von einem
und demfelben Striche Landes zehenmal mehr Men ⸗
ſchen leben koͤnnen, als in den dorigen Zeiten. Wie
viel bleibe il denn wohl übrig? +
So haben ſich denn die Menfchen in Deutſch⸗
land, in Helvetien, in Britannien, in ben Nies
derlanden, in Frankreich, und allermärts in Eus
ropa, ohne neuen Zuwachs aus Afien, gewaltig
vermehret; derer nicht zu gedenken, welche in an«
dere Länder ausgefande find; müffen ſich aud) nach
dem Verhältniffe der Natur, das der Herr Probft
Süßmildy aus unftreitigen Nachrichten gezogen
bat, nothwendig immer mehren. * Und wenn
einige
iehe, was wider die gegenfeitige mung, dee
! ie, 1 ou Menoir ke nieige es Mau-
rice Comte de Saxe, in ben göttingifcben Anzeigen
1757 p. 347. mit Recht erinnert wird.
? 5 &8 lieife ich befonder® von Stalien zeigen, wie fich
deſſen Einwohner, feit Erbauung der Stabt Rom,
vermehret: da boch die Römer beftändige Kriege ges
führet, fo viele Heerein fremden Ländern gehalten,
fo viese Colonien, nicht allein in Europa, fonbenn
der Menfchen und Thiere. 55
inige volkreiche Laͤnder an Einwohnern abgenom«
ıen haben, als Griechenland, Aegypten, und bie
tüfte von Africa am ‚mittellänbifchen Meere: fo
+} nicht die Fruchtbarkeit der Menfchen,, fondern
loß eine harte Regierungsart, Schuld daran, daß
ich die Eingeborenen lieber wo anders bin bege-
en, und ein Fremder nicht Luſt bekoͤmmt, fich da
u fegen, °°
D 4 Es
auch in Africa und Afia, angeleget haben: allein, die
Geſchichte ift bekannt genug, daR fie einem jeden bey
diefer Erinnerung von felbit ind Gedaͤchtniß fonımen
kann. Ueberhaupt ift von ber natürlichen Bermeb-
zung der Menfchen ded Hrn. Probſt Job. Peter Süß»
milchs göttliche Ordnung in denen Beranderungen
des menichlichen Befchlechted, Berlin 1742. 8. p. 19.
in ber Kurze nachzufeben, daraus erbellet, Daß
die Vermehrung in 12 Jahren (nur die Peft ausge:
nommen) wie 10 zu 13 fich verhalte.
36 Der Herr von Montesquiou fiheint dieſe Entvoͤlke⸗
gung einiger wenigen vormals blühenden Zander
alleine in feiner Vorftellung gehabt zu haben, wenn
er in den Lettrcs Perfanes num. 108. und dem
Efprit des Loix liv. XXIII. cap. 18. fq. überhaupt ur-
theilet, daß jetzt lange nicht I viel Menfchen auf
dem Erdboden feyn, als zur Zeit des Caͤſars dars
auf geweſen. Eben diefes ſcheint auch dag Ber:
feben des Wallace zu ſeyn, deffen ich oben not. 30.
gedacht habe, wenn er auf bie Vielheit der Men:
ſchen in dem alten Aegypten, Griechenland, Sici⸗
lien, Archipelagus und Palaͤſtina dringt. Die
Leute hatten fich nach biefen blühenden Dertern
häufig bingezogen, und daſelbſt im Wohlftande
ſehr vermebret ; fo wie fie fich nachmals von da in
Menge nach Rom und dem oberen Italien, wie
auch nach ben fruchtbareften Provinzen der Ds
. I
56 1 Abh. Vom Urjprunge
Es verhaͤlt ſich in dem Stuͤcke mit den Men
ſchen ganz anders, als mit den uͤbrigen Thieren
Dieſe find durch ihre Nahrung und zutraͤglich
Wärme in eine gewiffe Gegend eingefchloffen , unt
die Vermehrung jeder Art wird Durch ihre Natur
durch den Vorrath der Nahrung, u
mer, begaben. Zu gefchtweigen, daß jedes ſiegend
und reiche Volk, zu jeder Zeit, feine Anzahl durd
viele, theils erfaufte, ebeild bezwungene, Sklave
aus andern Ländern vermebret. Wuͤßten wir aber
von allen Völkern fo gut, als von den Juden, wo
hin fie, durch veränderte Umftände, in der Mel
flveuet worden, fo würde man durch die Vermü,
ng einzelner Laͤnder nicht auf die Gedanken ge
rathen, als ob die Vielpeit in dem ganzen menich
lichen Geſchlechte dabey gelitten habe. Go mwenis
aus einer oder der andern Stadt im Rönigreiche, Du
aus befondern Urfachen veroͤdet, auf das ganze Ko
nigreich zu ſchließen ift, daß es jeßt weit wenige
Einwohner als vorhin haben muffe: eben fo we
nig kann man auch aus einem und dem andern Landı
den Schluß auf den ganzen Erbboden und dai
ganze menfbliche Geſchlecht machen. Die Ver:
mehrung deffelben iſt in feiner Natur gegründet, unt
gebt über das Ganze; die Verminderung an einen
und dem andern Drteift yefäligumd wird an mehreri
andern doppelt erſetzet. Es iſt nichts unwahrſchein
licher und mehr wider alle Geſchichte, als Luſita
nien, Gallien, Helvetien, Germanien, Britan
nien, unter die Länder zu zählen, welche ſeit Eafarı
—— Bay Sue
jet aus obigen Zeugniſſen, daß fie jet
eins ind andere gerechnet, wenig zwanjig bit
drevig mal mehr Ei , 8 zu denen
beperbergen. .
5
4
3
2 u IEFRIEAETTEN
üünetee
J hl i 4 38; a5 Verst 2
——
J HT
J—
— Hl fi
Ti u Huahllaı alt,
fu Fl Hr Pasle
58 I Abh. Vom Urſprunge
ewig ſey, weil ſonſt ſchon von undenklichen Zeiten,
wenigſtens eben fo viel Menſchen hätten ſeyn muͤſ⸗
fen, als jetzo ſind, und der Erbboden eben ſo be⸗
feget ſeyn, als wir ihn jetzo finden. |
G 14.
Der andere Umftand, womit die. Geſchichte
ben Urfprung bes menfchlichen Gefchlechtes von
wenigen Voraͤltern beftätiget , liegt in der Wer,
woandtſchaft ber Sprachen, ober in berfelben Abe
flammung aus einer gemeinfchaftlichen Mutter· |
fprache.
Wenn viele Menfchen, die noch von Feiner Ä
Sprache wüßten,, in verfchiedenen $ändern zer.
ftreuet lebeten, unb jeder für ſich eine Sprache er⸗
!
|
|
fände: fo würden die Sprachen, meil fie aus lau
ter willführlichen Zeichen beſtehen, nichts mit eins
ander gemein haben. . Hergegen, wenn Menfchen
aus einem efchlechte find: fo werden fie auch ei»
nerley Sprache und Mundart: führen, fo lange
fie nahe hey einander bleiben. So bald fie fich
aber von einander trennen, fo artet die Sprache
Durch Sänge der Zeit und fremden Umgang allmaͤ⸗
lig aus, und theilet ſich in verfchiedene Munbdar«
ten, und endlich in verfchiebene Sprachen, darinn
einer den andern nicht mehr verfteht. Dennoch
bleiben eine gute Zeit die vornehmften Stamm.
woͤrter einerley, undin der Eigenfchaft der getheileten
Sorachen herrfchet noch eine ſolche Aehnlichkeit,
daß man ihre Abſtammung von einer Mutter
darinn genugſam erkennen kan.
Wie
er Wenſchen ind Thiere »
— 6 di a Fi Ge⸗
ne gegen
—— —
n um
(biamımung der Menſchen von von einem gemeit ·
——— und Wale, cn en
iche Zrenpe
ke Stammvaͤter und Aelteften der Familie harten |
loß ein willk chrlich Anſehen: oder wenn ſich die
Reufchen weiter ausbreiteten, fo folgeten fie des
Mügften , Erfahrenfien und Muthigſten Rarhe
mehr freywillig, als durch Zwang
we Erd. Mit der Zeit entftunden daraus Peine
ürften, Könige ober Staaten: und man wirb durch-
— von allen nachmals zuſammen geſchmol⸗
finden , daß fie anfaͤnglich in
ne ve nice kleine und abgeſenderr⸗ Herrſchaften ver⸗
eilet find. Wenn alſo in ben erſten Zei⸗
n'nirgend ein großer Beherrſcher vieler Laͤnder
ar, fo bat auch der Sieg weder die alfen Mutter⸗
wachen bervorbringen, noch die Berwandefchaft
ster bie abflammenden Sprachen eluführen koͤn⸗
fonbern bendes ift febiglich aus der natürlichen
Sams, m Vermehrung aus einem Ge⸗
"ik ri ßen 5 mu jest ı ungäßlg oe ver⸗
Nebene Serachen:
—*
‘ i " '
** u ⸗
‘
6 IM „Bon rforung " |
fpeodhen ſiud feße wenige. · ¶ Wir willen bey ben
‚bleiben, von welchen glaubwuͤrhi
. vorhanden iſt. Das Hebräifche |
_ "it dem Eamanäifchen, Mpänlcifchen,, Punifche
— ————
ga
offenbere KBerunbeffaft Daher niemand »
fen ——æã daß alle dieſe Sprachen eine
——— ‚haben, und daß ra
Möller ſelbſt aus einem Stamme .entfprofien fir
ö umd ji) nadhgerabe auf Dem ‚Erbboben ausgebe
tet haben, Wuͤßten wir von andern jetzt umtı
—— Sprechen Aſiens mehrere Nachrid
.fo wirden wir vermuthlich gleiche Verwandtſche
darinnen finden. bürfte das alte Aegyp
ſche, Perſiſche und Babpyloniſche, ——
fprachen nahe
Alien üblichen Sprachen fcheinen neu und vermifi
zu fenn, dadurch die alte Abflammung faft u
kenntlich gemorben.. Das „Stufe mag .
eine gemachte darinen,
wgftene nicht mehr bie alte Fon: fo wie vor 8
‚ten auch bie ägpptifihen SPriefter eine eigene ei
Eoradr unser ſich gehabt haben. 7 “
c
nr
B. Ill, — faq F Überhaupt, ve mi
von
linguis facris * —— — , Fabri
—— — cap. XXL 4
ſq. der neuen Ausgabe, mei
head fi — — Pe
Fans dem Anfange der Bucolicorum bes Bire’
gewieſen, welches werth iſt, Daß es bie, fo
ee Sprachen nicht ganz unfundig find, anfehen;
werben eine genauere und allgemeinere Beta
befchaft barinn finden, als fie vielleicht vermu-
hatten, ** Manche lateiniſche Wörter ſtim⸗
men
— Hamdb. 1760. 4. seht verniche
Gataker de Stilo N. T. Cap. ı. Tityre, su a Dori-
con, pro es , ſpotulæ, a vıraa, pando, recubans, a
ee, incutvo me, ſub, ab ws, ut fupgr ab umdg,
Begenine , a cıyn vel siye, tego, fapi,
ice, Payar. Syloefbrem, ab vAg, ſylv va, Ten, ardee
tende, unde tenuis, Mæſom, a müra, meditaris, a
meisrsu, meditor, ut a (edeo, fella, avena, ab Em,
: Hy No ‚öl, petria a waren, feil.
a rohe, funis menferius, agri
rd Anh, 3 dulcia, a YAyası, Buiues. FI gr
Tue, tenebrz, linguimus, a‘dee, unde
In: linquo, arva, ab dgö are de,
n
62 1 Abh. Vom Urſprunge
men auch mit dem Deutſchen, fo wie viele deutſche
Woͤrter mit dem‘®riedyifchen, überein; daß es
ſchwer fällt, auszumachen, welches Volk die gemein
fchaftlihen Wörter. von dem andern geborget. habe;
oder ob fie von einer gemeinfchaftlichen Mutter“
geerbet find. .
Das Deutfche, Niederländifehe , Dänifche,
Engliſche, Schwedifche, Norwegiſche und Iflaͤn⸗
diſche hat eine allgemeine Verwandtſchaft; gleiche
wie Böhmifh, Ungariſch, Siebenbürgifh, Pol⸗
niſch, Litthauiſch, Ruſſiſch, Wendiſch, aus dem
Slavoniſchen entſproſſen iſt. Und vielleicht ſind
alle dieſe Sprachen Toͤchter, oder, ſo man 'will,
Enkelinnen des alten-Eeltifchen und Scythiſchen,
welches faſt in ganz Europa geherrſchet hat, ehe
das roͤmiſche Joch vielen die lateiniſche Sprache
angedrungen; ohne daß vormals die europaͤiſche
Kuͤſte am mittellaͤndiſchen Meere viel Phoͤniciſches
gehabt zu haben ſcheint. Es ſtimmet alſo mit der
Geſchichte uͤberein, daß ganz Europa zuerſt, theils
zu Waſſer, von den handelnden Phoͤniciern, theils
zu Lande, von den ſtreifenden Scythen beſetzet
worden. |
Ich wuͤnſche dem Herrn Prof. Popowitſch, *?
der bey Gelegenheit feiner Unterfuchung vom ,
| Meere
s» Herr Job. Siegmund Pal. Popomitfeh bat, phne
fich zu nennen, die befannte Unterfuchung vom Deere
zu Frankfurt und Leipzig 1750. 4. drucken laffen,.
darinn ſchoͤne Sprachanmerkungen vortommen.
erhellet unter andern aus p. 336. daß, aufler dem
Griechiſchen und Latein, in Europa alled auf das
Deutſche, Wendiſche und Siavoniiche anfomme.
ber Menſchen und Thiere. 63
Neere eine beſondere Einſicht in die Verwandt⸗
haft und Abſtammung der abendlaͤndiſchen Spra⸗
ven gewieſen hat, daß er einen Auguſt oder Mäs
m finden möchte, ber fein Bemühen reizete, ein
armonifch sdeutfches, oder vielmehr abendlaͤndi⸗
bes Wörterbuch zu verfertigen. Ich bin verfi«
jert, Daß foldes der Hiftorie der Sprachen und
es menfchlichen Gefchlechtes ein großes Licht geben
würde. Noch mehr mürben mir des menfchlichen
Befchlechtes Verwandtſchaft und Abftammung fe-
en fönnen, wenn bes gelehrten Olaus Rudbeck
es jüngern, fein Thefaurus linguarum Afız er
uropz harmonicus völlig zu Stande gefommen
are. Jedoch erfennet man ſchon aus dem Flei«
en Specimine diefes Thefauri, welches der Here
Dolf hinter dem zweyten Theile feiner Bibliochecz
lebrææ wieder aufs neue druden laffen, daß biefe
Berwandtfchaft der Sprachen und Menfchen volle
ommen Grund habe.
6 15
Der dritte Umftand in der Gefchichte, welcher
ut dem Anfange das menſchlichen Geſchlechtes über-
inftimmee , betrifft die allmälige Erfindung und
as Wahsthiim der Künfte und Wiffenfchaften.
Der Menfch hat nicht allein von Natur, durd)
eine Bernunft, zu Künften und Wiſſenſchaften eine
fähigkeit; fondern er wird auch durch leibliche
ſtothdurft, durch Verlangen nach Bequemlichkeit,
Bohlftend, Ueberfluß und allerley Luſt, imglei-
hen Durch Bewunderung der Dinge, und daher
neftebende Neubegierde , und endlich durch das
Vergnuͤ⸗
64 1Abh. Vom Urfprunge
Vergnügen am Erkenntniſſe und an Wahrheiten
dringlich dazu getrieben. Die Gelchichte giebt
auch, daß diefer. Trieb in allen Zeiten bey ben
Menfchen wirffam gemefen; baß ein jeber für ſich,
nach : feinem Vermögen und Umftänden, was nüße
liches zu erfinden und Wahrheiten zu entdecken ges
teachtet; und daß Diejenigen, welche barinn zus
erft glücklich gemefen waren, (als Ceres und
Bacchus) von ganzen Voͤlkern 'geehret und ver
göttere find. | | |
Wir Fönnen alfo noch in der Gefchichte auf die
Zeiten zurück fehen, da faum bas allernöthigfte er⸗
funden, da wenig Künfte, und dazu fehr unvolle
fommen, erfonnen, und von den Wiffenfchaften
faum bie erften Anfangsgründe entbecfet wa⸗
ren. Denn vor vier faufend Jahren waren bie
Menfchen noch in allen Stüden roh und unerfaße
ven, Mas ift in der folgenden Zeit nicht nachges
rade erfunden? Was haben nicht bloß in den letz⸗
ten drey hundert Jahren die Künfte' und Wiſſen⸗
fchaften für ein ausnehmendes Wachsthum bekom⸗
men? Was werden unfere Nachfommen nicht fer«
ner entdecken? Geht man alfo von den neueren
Zeiten in die erften zuruͤck, fo müffen wir geſtehen,
Daß das menſchliche Gefchlecht vor vier taufend
Jahren noch feiner Kindheit und erften Geburt
siemlich nahe gewefen fey; und daß man aus dem
Verhaͤltniſſe bes zunehmenden Erfenntniffes in fol
chen vier faufend Jahren beynahe die Zeit rück
wärts beftimmen fönne, ba die Menfchen noch
nichts gewußt, das ift, da fie erft auf die Wele
gefommen waren. Wenn fie aber den —
n
— ff, za
7) ju wi
v Alten zu fol t Zeiten gelebet, da
© Vorfahren, und fie nennen uns zum Theil
erften Erfinder, ı Man fieht esauch, zweytens,
den Meberbleibfeln des grauen Altertfumes,
Bin. der aͤghptiſchen und phönteifchen Baus
+ — Malerey , a en
aus
en, befonderd der.
% Krems
Mechemaut Schiffahrt, Krieges⸗
6 LA. Vom Urfprunge
Ich werde biefem allgemeinen DBewei
unbillig Hinzufügen, was, befonders von
ten Verpflanzung fruchttragender Bäume ı
ropa, aus der Geſchichte bemerfer ift. €
zwar ju meitläuftig, wenn ich alle Arten fı
gender Bäume einzeln durchgehen wollte;
mich aber nur auf den Deren de la Ware:
fen vortreffliches Buch de la Police, wie ı
die Anmerkungen, welche nachher ein Gele!
Genf über diefe Materie gemachet hat, ber
als.woraus ein jeder umftänblich und beglaı
kennen wird, daß beynahe feine gute Bau
in Europa zu Haufe geheret ; fondern, baf
ber; Menfchen Denfen aus Afien erftlich na
chenland und Africa, von ba nach Italien,
und Spanien, am fpäteften aber zu und
fchen gebracht find. Dieſes wird man in |
geregten Büchern, von dem Weinftocke, von:
ven, Feigen, Eitronn, Pomeranzen, K
Pfirfchen, Apricofen, Pflaumen, Aepfeln, :
Quitten, Kaftanien, Mandeln, Nüffen x.
60 De la Mare Traite de la Police, 2729. fol, 1
libro V. tit, XLIL. Tome IV, p. 530. fqq.
kungen darüber find aus dem Journal He
1738. Sept. p. ıgı. uͤberſetzet gu finden im H
giſchen Magazin V Band, p. 483- faq. s
639. ſqq. und VE Band p. Sco. ſqq. Daß u
Buchwaigen vor d ober 400 "fahren erft,
die Türken, aus Africa nach Europa gebra
wird in den ſchwediſchen Abhandlungen der
mie der Wiſſenſchaften, im VI Ip
erwieſen.
Zeit“
ſchmatt haſtere Frucht der
gekoſtet, noch auf die Gedanken ges
atfen fen, Diefelbe in feiner Heimat zu fden oder
wpflangen? Kann man fich überhaupt einbilden,
—— ade hl ——
Einigkeit ni⸗ cr, ein Paar tauf a
Me: ‚erfunden Er a *
—
var bu
— ae
Fr
1 Abh. Dom Urfprunge
Die aber mit bem Vorurtheile der Ewigkeit zu fehr
eingenommen waren, haben ſich gegen diefe unleug⸗
baren
Bunc eis, nunc atimur, ville fuiſſe, [ed glande
prius & — altos, ſero ſperaſſe le m.
niam — Sienim ab imitio, imo ante initinm, fuit
mandus, ut pbilofopbi volunt s cur per innumerabi-
lium feriem ſæculorum non fuerat cultas, quo munc
wtimur, inventus? non literarum wfüs, quo folo me.
moriæ fulcitur eternitas? car denique multarum ve-
rum experientia ad aliquas gentes recenti ætate per-
venit? ut, ecce, Galli vitem, vel cultum oleæ, Roms
jam adoleftente, didiceruns, alie vero gentes adbæc
multa nelciust, que nobis inventa placuerunt. Has
omnia videntur eternitatl verum repugnare,, dam
opinari nos facisnt, certo mundi principio paulajie
ngula quaque capijfe. |
Lucretius lib, V. v. 326.
Præteres, fi nulla fuit genitalis erigo.
Terrai et cal, ſemperque eterna fuere:
Cur füpern bellum Tbebanum, et funera Troje
Non altas alii quoque res cecinere porte ?
Verum, ut opinor, babet novitatem ſumma, Yecensque
Natura’ fl mundi, neque pridem exerdia cepit,
Drare etiam quadam nunc artes expoliuntur,
une etiam augefcunt : nunc addita navigiis ſunt
Multa &C.
Plato lib, III. de Rep. init. p. 529. ws yag dr;
ayı im valı Guru Tor Tusla xgivor, as vor dans
xdaunluy, xunde evavgiezıra wel ng) Orıcm Tu; ⁊
vi mir ag pmupmins mine den dualen ap
weis rirı, Xu FT ap dv yiyaa, 3 dis veonvın
Ira, u pr Daıluiy zuraperi yiyaı, va dd 'Oebe,
va 3 TlAuunde, va dd wıp) moueixye, ,
Orvurp, wi) Augur Bi "Audlın, va d are ai-
ins Kanwelen, ds Im Amar, Ads ng wein Yıyo-
vera el, .
L verbrannt päi
;e auch don neuem wieder erjeugere. Die
daß. das — des — nie·
ſondern einen — rt
einige weni &
, don welchen” eine neue Selten bs —
den — genommen. Sie en
daß die überbliebenen lauter armfelige
— waͤren, die ſich mit dem Viehe auf
hohe Berge gerettet; aber von den Kuͤnſten und
Biffenfchaften der vorigen Welt nichts gewußt hät»
So fönne denn, ungeachtet der Ewigkeit der
‚ bie Erbe wieder zur
ui
70 16 Dom Urſprunge
Wer fiehe nicht, Daß biefes lauter äffäßttihe
Bedingungen find, die weder Gefchichte, noch Er⸗
fahrung,, noch Wernunft vor fich Haben , und doch
zum Zwede nicht einmal hi n? Gefegt, die”
ganze Welt, ober-ber Erdboden, wäre dergleichen
großen Veraͤnderungen unterworfen: fo wuͤrde da⸗
Durch! weder die Welt, noch das menfchliche Ge—
| oo. lecht,
ommnes terras aut omme bominum 'genus, vel emmind
operit, vel penitus exurit. Aegypeo cerie, ut Plate
in Timae futetur, nunquamı nimietes bumoris no-
ewis vol caloris; unde et infinita annorum ımillia im
folis Aegyptiorum mönnmentis librisque veleg .
: Cotera igitur terrarum partes, interneeioni
ses, [eminarium inflaurando generi humano fiuue-
esque ita comsingit, ut won rudi mundo rudıs borsi»
mes es cultus inſcii, cujus memoriem intercepst In
geritus, is terris oberrent etc. Siehe auch Lueret.
V. 340. fq. Beym Plato in Timzo p. 475. init,
edit. Gr. Bafil, 1556. fol. faget der ägvptifche Prie⸗
fler: van a) zul wenn Od yıylıman ar
Yeumar u) Drerluy mug wir ag) Vdarı iv. Und
lib. III. de leg. init. & eur gm el warnıo) Ada
arydaur Ixar sun dexsien — Ti was arleumen
Odegas yıyariımy xuluniveueit vi ng) vircn, u) Ar
a0 wos, iv obs Beau vs Tür aIgamer Anrıday
vives — dei Tore weder Te PIegar, aber
Synel Tas ar der voumr, WW neeu@ass wen Ojunge
Eau vov vor ardpuwer ylrovs dissicnruira —
u) Ih reis Tetvireus yı avayny wov Tür ddr dam-
ges dry Tızsan, u) Tan iv Tel Arıcı war eve
naxaım etc. Don der Stoiker Exuftione mundi
bat Jac. Thomafius, Lipfiz 1676. 4. befonder® ges
Pandelt. Ariftoteles aber Meteorologieorum lib. L.
cap. 14. T. I. p. 770, ſqq. du Vallii, redet viel von
Ueberſtroͤmungen.
: Bi re Ich
——— FERN
ö Bee an Damien ea m ⸗
72 1 Abh. Vom Urfprunge
Ich würde dieſe alten Erfindungen feiner Er
wähnung gewürbiget haben, wenn fie nicht von
neuern Weltweifen auf eine andere Art gefchmüde
worden wären, Diefe haben die Cometen völlig
zu ihren Dienften; damit fönnen fie Welten ex
bauen, Welten zerſtoͤen. Da ruft man nur eb
ner folchen Himmelsbombe, und läßt fie an bie
Sonne prellen, daß die brennenden Stüde dader
fliegen; unb aus biefen ausgebrannten Brocken
werben hernach die Planeten, und unter andern
auch unfere Erde zuſammen gefchmoßen. Dan
richtet ein anderer wieber eine folche Bombe auf
die Erdfugel, und zerbricht thre äußere Schal
damit; fiehe! dann iſt eine allgemeine Ueberſchwem
mung ba; bie Are und der $auf der Erbfugel wer
ben geändert; es entfteht durch den Bruch eine um
ebene Fläche, und fo find Berge und Thäler ge
worden. Andere ziehen wohl nicht mit fo gefaͤhr
lichen Werkzeugen tiber die Welt und das gany
menfchliche Gefchlecht zu Felde; unterbeffen ver
beeren fie doch einen großen Theil des Erdbodens
und feiner Einwohner, fo oft es ihnen beliebet
durch Fluthen, Pet, Dürre und andere Landpla
gen; wenigſtens befriegen fie die Künfte unl
Wiffenfchaften mie Tyranney und Barbaren, unl
laſſen die Menfchen wechſelsweiſe wieder in Skla
verey, Unwiſſenheit und Wildheit der Gitter
verfallen,
Tun möchte man ung vielleicht aufs Künftig,
mit den Cometen, oder ihrem Schwanze, in aber
gläubifche Furcht fegen fönnen, wenn die himmli
[hen Bewegungen durch Feine weife Vorſicht zu
Drdrrung
zn, ulsih ungen
Her ii FH ji Hr Hl H in
! Ile Hipp
IB PÜHRIHE sleiiist.
je Hl, I |
INENBIDHIEN,
74 ° Ih. Vom Urſprunge
Kraͤfte; und es ift vielmehr daraus zu fü
daß der gänzliche Zuſammenſtoß zweener f
fchen Körper nimmer gefchehen kann. + J—
t Der vortrefflihe Mathematicus unferer Zeit
Euler, batte in feiner Theoria motuum Plar
et Cometarum, p. 135. muthmaßlich geu
der Comet von 1744 koͤnne leicht den X
- Mercurd merklich geitöret haben. Ab boc (Mi
faget er) cam parum fuit vemotus, ut fi vima
wars pro ratione molis babuerit, motabilis pe
sio in mots Mercurii oriri debuiffer —
obrem oper« pretium erit-twuefligare, utrum
rius adbuc im motu [no cumtabulis affronomi
fentist, en vero perturbationem a Cumeta fit
Und fiebe! Herr John Bevis, M.D. bat
Philofophical T'ranfactions n, 473. Obferv
übergeben, welche zeigen, daß des Mercurs
ung von dem gedachten Cometen nicht im
den geändert fev. Die Obfl. fleben auch im
Magazin ı B. VI: Et. p. 192. fg. Ich fi
aftronomifchen Beobachtungen der Cometen
zuverläfliger angezjeiget , ald bey dem ber
ollänDifeben Mathematico, Vitolaas Str
iner Inleiding tot de algemeene Geographii
vens ecnige Sterrekundige en andere Verhand
Amſt. 1740. 4. dabey iſt nach der Geograph
algemieene Kennis der Comeeten of Staart
p. 1-29. undkorte Beichryving vanalle de '
ten in de Gefchiedeniffen, p. 163— 320. €:
felbe hat auch hernach 1753. 4. zu Amſterde
ausgegeben Vervolg van de Befchryving der
fterren, en nader Ontdekkingen omtrent de
varı't menfchlyk Geflagt, benevens eenige
kındige Aardrykskundige en andere Aanmer
Darinn iſt unter andern, bey p. 113. ein C
xium in Kupfer vorgeftellet , welche Mafchı
gauf von 24. Cometen jeiget. (Er verwi
u ometen,
5 und bem Mercurio, 16 zwifcben dem
Mercurio und ber ‚Venere, & }ı der. Ver
© nere mb ‚ber Erbe, 4 zwiſchen ber Erde und
e Marte , again, Dem Meee and: dose
imferer Erde , gleichfam als mi
ı BWürfen, den — au Braben Rlalk
£
onen: doch nach Bervach
EEE TIER BREI
N Bi 3 FAR aufs ——— J
emeſſen
wodurch ihnen in den leeren Zwiſthentaumen der
Weltmaſchine ein dlicher
ein
* len und
i
f
a8:
—
He:
A
H
788
16 1965. Vom Urfprunge:
Wollte fih jemand auf die Mofaifche al
meine Fluth berufen: fo würde ich ihn fra
warum er denn nicht auch die göttliche Schoͤpf
der Welt und eines erften Paares Menfchen, n
einem Urfprunge und Anfange ihrer Künfte aus t
Mofe glaube? ich würde fragen, ob Mofes
Fluth fo befchreibe, daß fie aus natürlichen U
chen entftanden ſeyn koͤnne, daß fie matürliı
Weiſe öfterer wiederfommen, abermal alle fe
Bige auf dem Trodenen, abermal alle menft
che Künfte verfchlingen werde, und folglich :
mer neue Welten auf den Truͤmmern ber vori
erbauet werben müffen? Allein, da Mofis Mi
richt diefer Meynung vielmehr entgegen ift: fo fa
ung Mofen lieber eine Weile bey Seite fegen, ı
bloß beydem bleiben, was das anfchauende Erfer
niß der Oberfläche des Erdbodens lehret.
geſtehe es, biefe zeuget von großen vormali
Veränderungen : indem fie uns mancherley Sch
ten von verfchiedener Erde über einander, ga
Aufterbänfe, weit von der See, mitten im jetzi
feften Sande, Berge und ganze Ketten von Gel
gen, mit verfteinerten Seethieren und Gewaͤch
die an. den Orten nicht erzeuget fenn Pönnen,
Augen leget. Wir haben noch in dieſem Jahrh
derte Inſeln mit einem feuerfpeyenden “Berge ı
der See heronrfteigen gefehen, und eben das
richten uns glaubwürdige Gefchichtfchreiber von ı
fen andern Inſeln. Andere Berge und Std
find durch Erbbeben verfunfen: Pläge, die
Meere lagen, find durch Anwachs von ber Ki
ins Sand hineingeruͤcket: Stroͤme haben ihren $
ver
ehe und he, 57
ändert, Mit einem Worte, Feuer und
doch
vor dem Urfprunge des menfchlichen Ges
Medytes, bendem erften Chaos und deffen waͤſſerich·
a Maffa anzunehmen, zu der Zeit, da dem
inoch von Sandrhieren eneblöften Erbballe der erſte
Schtoung um feine Are — 2 und dadurch aus
her Kugel eine Sphäreide geworben, Pt
Baffer und Sarıd von einander gefchieden,
ich diefeswohnbar gemachet iſt. Die, fage 3
ird allemal weit vernünftiger ſeyn, als unendliche
bige Meißen ’von ſolchen eines völe
9 bervohnten Erdballes zu dichten, dabey Fein
Renfeh oder Thier auf irgend einem Berge, und
bR Moah in feinem Schiffe, unmöglich Tebendig
feiben Könnte: — — er
#2 — wol dem verödes
neue Menfchen und Thiere
——
Die übeigen Unfälle und Landplagen, als
PAR, eis
„ —S ———— Das
gang
78 LAG Mom Ueſprunge
ganze menſchliche Geſchlecht niche wieder in
völlige Unroiffenheit verfenfen, noch ben ge
Erdboden in eine Wüfte verwandeln. Was
die einreiffende Barbaren betrifft: fo will ich
richtig geitehen, wenn Laͤnder, ba einmal R
umd Wiflenfchaften blüheten, dergleichen Pei
Chaldaͤa, Griechenland und Italien vor Zeiteı
mwefen find, unter ein hartes geifts ober weltl
Joch verfallen, ober mit Heerzügen barbari
Voͤlker uͤberſchwemmet werben , baß foldhes
Künfte und Wiffenfchaften ſehr zurück fegen koͤ
zumal, wenn es bey dem Anfange geſchaͤhe, eh
fi weit ausgebreitet hätten. „ Allein, eben
Ball, wenn ſich Künfte und Biffenfepaften nur
bey wenigen aufhalten, wäre ein Zeichen, baj
ſowohl, als das menfchliche Geſchlecht, bamalı
rem Anfange noch fehr nabe gemwefen ſeyn müß
Denn wenn das menſchliche Gefchlecht ewig mı
fo würden auch die Künfte und Wiffenfchafte
hoch geftiegen feyn, und fich fo weit ausgebr:
baben, daß fie weder gänzlich auszurotten ftün!
noch aierwaͤrts verſcheuchet werden fönnten
64 Der befannte Sorb Bolingbroke, welcher font
+ feinen Werken (die zu Landen 1754 4 iR |
abe den heraus a find) im —
ade Men
ber Algemei an — oder Trı
tion, zu ——— ſuchet, verwirft dieſen
grand aus der allmaligen Erfindung ber Kun
eben ba left p. 266. unter einem fonderba
Sche Er ſpricht, es gebe —X jeßo X
ker, de enden nothwendiꝗ , a
bie vorii tern "betrifft: fo mihfen '
ven, —— und PA die,
| 2 Wiſſen ·
N N ]
iben, fondern auch Kleider und Ges
as nichtd wüßten, ————
peyfache Art. Setzete mar, daf j5
a ‚aflegeit ee gewefen: fo folge,
u
=
=
—
— ’
vom Befondern auf
8 Ole peadi Da eurchren Hmm:
im | Ubi; 'e entbehren ’
Inne hie Green am Bat: ür Dies
80 1Abh. Dom Urfprunge
Wiſſenſchaften, damals noch , gegen jetzige
fhaffenheit,, gering getwefen find, und daß für
einer und derfelben Zeitnicht mehr, als etwa 5
Sänder und Voͤlker, menfchlic) gemachet har
Wie nun diefes für ſich einen Beweis giebt,
[
gend einer Kunſt welche ber Rothdurt und
quemlichteit behuͤlflich iſt, bleiben?! Woher u
denn biefer Trieb in der menfchlichen Natur, ı
einer unendlichen Zeit, neuerlich entflanden? €
aber diefe und jene Künfte den Menſchen, we
ſtens an den meiften Drten, Höchft nöthig oder
quem: fo wird auch ein jeber entweder ſelbſt
deren Erfindung gedacht, oder fie wenigſtens
feinen Nachbarn gern angenommen haben.
wenn die Menſchen ed barinn noch nicht weit
bracht, ſo iſt es allemal ein Zeichen, daß ein
ches rohes Volk noch nicht alt feun könne T
es folget eind aus dem andern: Daß fich ein
wenn ed alt wird, febr mehret, und burch bie
mehrung aus ber Wildheit zur bürgerlichen Ge
fihaft und zum bequemeren Leben in Flecken, S
ten, Reichen, zum Umgange, Handel und Wa
mit andern Völkern, und zu Künften und Wi
haften getrieben findet. Daraus fällt denn
andere Einwurf von felbft meg, als ob die hoͤ
nörbigen ober zum großen Vortheile gereiche
—2 — und Wiſſenſchaften, wenn fle einmal er
den und ausgebreitet find, wieberum in dem
gen menfehfichen Gefblechte gänzlich und ‘
verloren gehen könnten. Eben der natürliche
und Bewegungsgrund, welcher Kuͤnſte und Wi
en unter den Menfchen zuerſt mit fü vl
emühen hervorgebracht, wird fie auch beſtaͤ
unter ihnen erhalten; und Fein zufällig Hinbe
kann fo groß oder fo allgemein feyn, daß es die
sur bed menſchlichen Geſchlechtes andere und erfi
etloren Er
und Mergenländern
Be ar
sogen... Ya, nie der un
Fre
e en he
d es ausjetarten droheter
Do h noch in allen Jahrhundert —
an at alten, Nun
w —— e gekommen,
den ehr ‚Völkern von Europa feſt ger
——— ſo iſt ng u, Sau: daß de
ſo roh und unwiſ ·
———— u, Pre vor vier tatıfend Jah⸗
dal
= —F * BEER
> I Abh. Daß Menſchen und Thiere
Die zweyte Abhandlung.
Daß Menſchen und Thiere ihren Ur
ſprung nicht von der Welt, oder der
Natur haben.
S IL
JNie Folgerungen , welche wir in der vorigen
Abhandlung aus bem Tode aller unfere
Morältern, und aus der Gefchichte des Erbbobeng,
ber Sprachen und der Künfte gezogen haben, fin
fo natürlich und überzeugend, daß es.faft eben fo
ungereimt ſeyn wuͤrde, wenn die Menfchen ihr
ganzes Geſchlecht fuͤr ewig hielten, als wenn ein⸗
zelne Menſchen ſich traͤumen ließen, daß ſie allezeit
auf der Welt geweſen waͤren; da ſie ſich doch ihrer
verſtorbenen Aeltern, und ihrer eigenen Kindheit
und ihres Wachsthumes erinnern koͤnnten. de
der That find auch fehr wenige unter denen, w
Melt und Natur ewig machen, die ſich dabey ges
frauten, eine gleiche Ewigkeit von dem menfchli«
chen Gefchlechte zu bejaben. Die allermeiften ftes
ben zu, die Menfchen hatten einen Anfang gehabt,
und batten ſich nachmals erft Durch Die ordentliche
Zeugung fortgepflanzet. Allein, ba fie dennoch ih⸗
ren Abgort, die Welt und Natur, gern auf den
oberften Thron feßen wollen: wie werden fie doch
den erften Urfprung des menfchlichen Gefchlechtes
aus den Kräften der Welt ableiten und verftänd.
lid) erflären? Die Kraft der Zeugung, wiſſen wir,
ift bey uns und allen übrigen Xhieren natürlich.
Allein,
nicht don der Welt rg ».
ke natürliche Kraft bringet die erſten
ni bärten beſte ·
noch Ach fortpflangen konnen; bis: endlich,
vielen ungeftalten Fehlgeburten, aus ſolcheni
Zuſammenfluſſe einer renden
eine ordentliche Bildung, bald di —
bleres, don beyderlen Gefchlechtern,
einmal der Menſch, entſtanden wäre, DE
eym geben erhalten und vermehren können, 1
Man muß von dieſen Weltweiſen nicht erwar«
"daß fie ſich In das Weſen und bie Eigen.
n iũdiſthen Materi
ig
m:
4:
wi
nr
Pi Te ———
[3
, ae
w
keſes 22 a jude —e—
84 II Abh. Daß Menfchen und Thiere
les zu vermandeln und zu ſchaffen. Ihre Wel
ein Schlaraffenland, darinn fich alles ohne Gr
und Mühe, als'in einem Traume, erzeuget: 5
Erde, unfer aller fruchtbare Mutter, burfte
von der Sonne gefchmängert werden; fo gab
aus ihrem Schooße eine Geburt nach der ant
hervor. Die verborgene Natur ift dabey baldı
verftändige, milde, gütige, fräftige Schoͤpferi
die aller Dinge ürſtof und Samen bildet, ent
ckelt, naͤhret und erhaͤlt: bald muß ſie fich wie
als blind, unverſtaͤndig, neidiſch, ohnmaͤchtig
veraltet meiſtern laſſen. Eine eigentlichere ı
genauere Erflärung diefer Meng | bin ich mi
im &tande zu geben.
SS 2
Wenn mir noch in den Zeiten der Finfter
lebeten, fo möchten wir vielleicht hierinn Echt zu
ben glauben. Allein, das weis ich nicht, wie h
tiges Tages Menfchen fich getrauen fönnen, r
folchen willführlichen Erdichtungen, die aus g
ber Uinwiffenheit der Natur, und aus mancher
Widerfpruche und Irrthuͤmern zufammen gefel
find, vor dem Richterftuble ihrer eigenen Vernur
zu beftehen, Selbft die Alten find faum zu a
fhuldigen, daß fie aus falfchen Erfahrungen
unrichtig gefchloffen, und ihre Vorfahren für rer
genas, auroxIevas, das ift, von der Erbe ı
zeuget, gehalten. * Sie hatten etwa gefehen, da
nach ber Ueberſchwemmung des Niles, ſich in. be
nashı
2 Siehe die 1 Abhandlung, 8 Anm. p. 26.
E „ a
üitet wären; und-giengen denn mit, Fol
ngen: auch zu. den größeren — —
‚dem Menfchen, daß auch dieſelben einft hie und
Bee Betr ie Opa nid. 5
wiſſen wenigftens in neueren Zeiten, daß
‚‚ worauf jene ſich gründeten, gänze
je und durch übereilte Schlüffe erfchlichen .
ben, durch die genaueſten und ſicher⸗
a — igen und Verſuche der beſten Mar
tündiger,. bon allen Thieren und Inſecten, on
B.iegenb fo goß find, daß (e.08 Beuth be e⸗
1 prender
bil. De 2 — 5 — Beute
—
chmeißfliegen, —— Echmee.
Hinge, Slöße, Kafer, und wie fie weiser, heißen,
ten fich fowohl, als * ° a ie j
wihre Eyer da hinein, wo dje
Ag bereit findet, . Reim Käfe, - Grucht,
Int, EA one Aitbere Moterie, wenn jedes
83. , vos
x
‘
‘
86 TI Mh. Daß Menſchen und Thiere
nur fuͤr das Geſchmeiß bewahret werben kar
wird das geringſte lebendige Thier aus ſich h
vorbringen.
Wenn auch die Natur'gleich von dem Va
kommenern ſtufenweiſe zu den Pflanzen herun
ſteigt; daß es Thierchen giebt, die Hermaphro
ten ober beyderley Geſchlechtes find, ober die f
felbft befruchten, wie man mennet, oder da, ı
aus einer Mutterpflanze, andere Thiere ihres gl
chen hervorwachfen, wie bey den Polypen und @
vallen, d. i. Zoophytis und Lithophytis, geſchieht:
*) Es ift eine befondere und ganz wunderbare Fo
ung * den Biareläufen — worden, d
ie ohne Paarung lebendige Jungen erzeugen, u
dieſe wiederum andere lebendige Aungen, big zu v
len folgenden Geſchlechtern. S. Mr. Charles Bc
net Inſectologie. Paris 1745. 8. P. I. Und denne
Tommt zuletzt ein geflügelted Männchen, welch
ſich mit der Blattlaus begattet, und fie mit einm
auf viele folgende Generationen befruchtet. He
Kyonnee bat die Paarung genau beobachtet, u
befchreibe fie in einer Anmerkung zu Leſſers The
logie des Infectes P, I. p. 30. fqq. wo er auch v
der Fortpflanzung der Muſcheln in Steinen, u
des Bandwurms, le Solitaire, handelt, und übe
Haupt beſchließt, es ſey noch nicht ausgemachet, bi
fich einige Inſecten ohne männliche Befruchtu
fortpflangen. Die Baarung der Blattlaufe h
auch Hr. de Beer beobachtet und befchrieben ın be
II. 39. der Memoires de Mathematique et de Ph
ſique prefentes à 1’ Acad. Roy. des Sciences par <
vers Savana. Paris 1755. worinn biefed neu If, Di
er Weibchen fo mohl ald Männchen geflügelt, in
ungeflügelt, und beyder Paarung wahrgenomme
S. Götting. Aug. 1756. p. 1423. Herr pi
ei
nahe Beige 87
fo weis "doc, daß auch indem flaryenteie
er zen!
Wenn we ie fehon eine ra
et Polypus, ein Thier, als wirklich ‚gefeßet wird,
welches. das le 1 fen, und welches diefe Knoſpen
biefen Samen hervorbringet und nähret: ſo
natı Weife, an keine Erzeugung vonir
einer Pflanze ober einem Thiere, ober deren
19, zu gedenken, .
8 + sy
Ber EEE
gie ee j
Enns
flangen' welcher ben teiblichen Blumen
oder Don fliegenden
von den
sg I1 Abh. Daß Menfchen und TH
$ 3 |
Ich follte nicht meynen , daß. jemand
biefe ganz ausgemachte Wahrheit einen E
von Denjenigm unglaublich Fleinen Thierdi
men fönnte , welhe Hamm, Hartſoek
Leeuwenhoek in dem Samen vieler Thier
dere im Effige und Pfeffermaffer, u, f. w. 2
und Needham auch in vielen andern galle
gen Säften von gekochtem und gebratenem |
und von Pflanzen, infonderheit vom br.
Korne, durch ftarfe Vergrößerungsgläfer ,
haben; mwiewehl Herr Buͤffon biefelbe u
wohl für Thiere, als für lebendige Theil
Tieres, hält, welche durch ein inneres Mo!
ganifiret worden, -
Wenn man gleich allediefe Erfahrungen,
fie angegeben werben, als ungezweifelt zuſt
beben fie doch Die Gewißheit der beftändige
nung der Natur in allen übrigen Thieren,
diefen Namen eigentlich verdienen, nicht auf.
hier kann man nicht betrogen werden, Die
find fo groß, daß man den Fünftlihen Ba
Körpers, die Werkzeuge bes Lebens, der
Bewegung, Zeugung, und die Art ihrer Fo
zung mit bloßen Augen Flar und deutlich!
ten kann. Und fo verhält es fich auch :
Pilanzen, deren Erzeugung aus Samen,
bein, Wurzeln, oder Knoſpen anderer ‘
pflanzen, ganz offenbar dargethan iſt. 9
ben dabey Wernunft und Erfahrung vor u
die Natur fich felbft zu allen Zeiten ähnlich)
— Pre
af
t, ba die unendlich weile Sufammienfügung fo
we taufend organifchen Körper, aus einem ganz
Mehikten Klumpen, jemals durch ihre blinden
betwirfet werden koͤnnen; zumal, ba
doß deren Bildung, nach der Orbnung
rganifirte Körper bet Aeltern
möfetet.... Natur kann wohl die einfachen
ke, Kinftalle, Steine, Dial opneirhiid
Samen. fügen; aber wenn wir in "den. Steinen
4
90 U Abh. Das Menfchen und Thiere
Der Herr von Haller bat demnach, in ba
Vorrede zum zmenten Theile der beutfchen Leber
feßung von Buͤffons Hiftorie der Natur, ganzrich
tig geurtheilet, und erwiefen, daß die Religion füı
biefe Erfahrungen auf alle Weife in guter Sicher
heit ſey. Und man muß dem Herrn Needhan
jelbit die Gerechtigkeit wieberfahren laffen, daß e
biefes eingefehen und erinnert hat. Er erfenner
daß feine Thierchen nur eine ganz einfache Zuſam
menfeßung haben; daß fie leicht, ohne vorberge
hende DBereitung eines Samens in einem orgami
fchen Körper, durch das bloße Ausbehnen und Zu
fanimenziehen der fleineften Theile, entftehen, ver
gehen, und wieder erneuert werben Fönnten; unl
dag fie nur im weitläuftigen Verſtande Lebendig
und Thiere zu nennen wären; weil fie den Pflan
zen und Mafchinen näher fämen. Man har alfe
vernünftiger Weife nicht zu fürchten, fage
er p. 248. faq. daß men Lehrgebäude zu eine
Erzeugung der Tbiere aus roher !Mareri
führe. Die Bildung des Samens ſetzet noth
wendig einen organifchen Leib, oder, ir
manchen Arten eine gewiſſe Därmutter, vor
aus; und diefes in einer Reihe dev Vorältern
die bis zum Urſprunge der ganzen fichtbarer
Welt, und derer Befchöpfe, die unmittelba
aus Gottes Hand gefommen find, hinauf
feige. Ich fage unmittelbar: denn eine un.
endliche Reihe folcher erzeugten Dinge würd
nichts anders ſeyn, als eine unendliche Zah
von Wirkungen, obne eine erfte Urſache
eine Kette, deren Schwere mit der un
x
nicht von der Welt entſprungen. 91
ven Zahl ihrer Glieder nur unendlich zuneh
ven würde, obne, daß eine Kraft de
selche fie halten koͤnnte; welches in der That
ichts als ımendliche Ungereimtheit giebt.
2 wäre eben ſo acht, als wenn einer
ne unermeßliche Reihe blinder Menſchen
erades Weges, und ohne fich zu verirren,
inter einander gehen fähe ; und wenn er ih⸗
m febenden Sührer mit Augen nicht erreis
ben koͤnnte, fich die Reihe unenblidy vor,
tellere; gleich als ob ihnen der Mangel des
Sefichres Dadurch erferset würde, daß man
ie Blindbeit ins Unendliche vermebrer,
$ 4
Allein, wenn gleich von den Feineften mifroffor
Ifchen Thierlein und deren Erzeugung Feine Folge
uf Die größeren Thiere zu machen wäre: fo iſt doch
ſtlich, zur Benehmung aller Einwendung, zumer-
m, daß die Beobachtungen, welche Herr Buͤffon
nb Needham in diefer Pleinen Welt gemachet ha«
m wollen, an fich felbft und in facto verdächtig
yer vielmehr falfch find. ?
ern man nämlich ihre Befchreibung davon
mau unterſuchet: fo wird man nicht einmal übers
zeuget,
©. Herrn Buͤffons allgemeine Hiſtorie der Natur,
des 1 Th. IL Band, das 7 und 8 Capitel nach der
deutſchen leberfegung p. 131. und Herrn Needbams
Nouvelles Obfervations micrefcopiques, avec des
deconyertes interesfantes fur la Compofition et la
Decompofition des Corps erganifcs, Paris 1750. 2.
9: 1165. Daß Menfchen und Thiere
geuget, daß es wirklich lebendige Thiere ober organ
animalium gewefen find was fie gefehen haben
Alte übrige Beobachter bitden ung bie. Samen
thierchen in Geftale dee: Froͤſchlein, : mit breice
nach und nach ſpitzig zulaufenden Schwänzen, ab
in andern Saͤften und Fluͤſſigkeiten auch, wohl. al
Schlaͤnglein und Aelchen; zuweilen auch als Inſe
efen. mit mancherley organifchen Theilen ;.“fa,. baf
man beren bey acht fichtbarlich zu unterfcheidend
Arten zähle. Diefe Herren geben ifmm.aber ein
fugelrunde ober enfdrmige Figur; und wenn jaeh
hervorſtehender Theil daran zu fehen iſt, fo iſt e
ein ganz duͤnner Faden, ber nichE.natürlich zu dem
Körper gehöret, fondern ihm nur zufälliger, MWeif
von der Elebrichten Materie anhängt, und bahe
auch abgeriffen wird. Alle übrige Beobachter fe
hen die Körperchen, melche fie für Thierlein gehal
ten, vom Anfange in ihrer vollkommenen Geſtal
ſchwimmen. Ben dieſen Herren aber enttehen ir
den aufgelöfeten Säften erft knotichte Aeſte, alı
Derlenfchnüre oder Paternofter , welche nachmalı
zerriffen und ſich in Kügelchen oder Eyerchen thei
len, die entweder reihenweiſe einträchtig hinte
einander herziehen, ober einzeln abgefondert werben
und .fih nur von einem noch anhängenden kle
beichten Faden, durch Schmanfen, los zu macheı
fuhen, aud) endlich davon los fommen. All
übrige Beobachter benierken das Leben ihrer Thierche
an allen Arten ber-willführlichen Bewegung, daf
fie bald ihre Schwaͤnzchen frey bewegen, bald burd
einander ſchwaͤrmen, bald ihre Richtung rechts un!
links veränbern, bald fich einander ausweichen ode
umkeh
ER Ben vr
— Ber dieſen Bew üb fießt man
ingeltten Rütgelchen, bloß durch einen klebrichten *
bin und her ſchwanken, oder ſich
ea Sn en und als Heer ·
—— nach
en.
Ba a, Car, nie — im
— — 2. 3. bis 4
eng hernach iſt mi diges im
ſondern alles todt und ru 5
—““ feben im on. nichts;
oder Tagen, wenn die
— Häfreend faule, fo erblicken fie erft Thier⸗
er Theile derfelben. Kann man
1, bafı fie eben das, was andere, daß fiedas
md Daher, daßfiees flat und — geſe ·
Er it zweytens fühe waßefeheinh was der
Herr Leder muller ſoget, daß fienicht das befte
Mitroftopium gehäbt päben müffen, und daß die
Vergrößerung des buffoniſchen fich gegen das iedet ·
mütterfäje, nur wie ı gegen g6 verhalten. + Es
läge ſich nämlich) dus den büffonifchen Abblldun
gen erfennen, daß w nichts hi und ed .
* — Frobenius Bedermülle) fa den
* iſchen Beobachtungen der Samenthierchen
die harten m ‚Sßerungsgläfer und ber
- wachtet, mit einer, un⸗
— und Gegenemanderhab⸗
a iſchen Und .ecunvenpekifeben Em
. „Nee Würmb. 1750: 4: P- 16. 12. 25. 27.
kh_
/
94 U Abh. Daoß Menſchen und Thiere
‚gen. Denn er llefert uns bloße Umſtriche do
Kügelchen oder Eyerchen , daran nicht Kopf ode
Schwanz, nicht Glieder oder Süße, geſchweig
Mund oder Augen, wahrzunehmen find. Und d
Herr Needham mit Herrn Buͤffon zugleich, burd
einerley Mifroffopium, einerley Gegenſtand betrach
tet, fo find fie doch nicht eins, mas Dasjenige gewe
fen, welches beyde gefehen haben ; indem es Need
bam für völlige lebendige Thiere, Buͤffon mu
für organifche Theile eines Thieres angefehen. Ei
Zeichen, baß Eeiner von beyden das vorgeftellte kla
und deutlich gefehen, und ein jeber bloß feine eigen
Einbildung und willführliche Hypotheſe in Bi
Stelle der Erfahrung gefeget babe. Eben fo we
nig enchält ihre beobachtete Bewegung flare obe
deutliche Merfmaale einer willführlichen thierifche
Bewegung. Denn das Schwanken eines kugel
förmigen Körpers, ber in einem flüfligen Weſen burd
einen dünnen Faden an anderer Materie hängt, wa
ja wohl mechanifch,und von dem Schwanken der Zlüf
ſigkeit, worinner ſchwebete, entftanden. Daß in den
flüffigen Weſen viele Rügelchen in ordentlichen Rei
ben, einträchtig nad) einer Richtung, einherzogen,
war vielmehr einer willführlichen Bewegung entge
gen, und fam bloß von dem Auffchwellen der zaͤhen
Materie, welche die vorberften aufgelöften und zer
srennten Theilchen von ſich ſchob. Wenn auch bief
Herren ihre Kügelchen zumeilen unordentlich durd
einander ſchwaͤrmend gefehen: fo meis man bod
auch, daß in ben Fluͤſſigkeiten eine ſtete wim
melnde Bewegung fen, Die von mancherley innerer
und äußeren Urſachen leiche entfleben und verän
bee
ert werden, und den fefteren Theilen allerley Dra⸗
ungen geben kann. Man ſehe nur, was die Sons
enſtãubchen in einem Sonnenftrale, die kleineren
—— auf einer warmen Fleiſchbruhe, die Blaͤs ·
eines feinen Schaumes, die Theilchen eines
Bene, tem Eure iſt, u. ſ. w.
bey ſolchen überaus kleinen Koͤrperchen erfordert
werde, als was dieſe Herren angeben, Wie denn
ah Herr Needham felbft geſteht, daß die Be;
egung überhaupt nur ein zweydeutiges Kennzei ·
ben ſeh, wenn man daraus das Daſeyn eines les
benbigen Dinges fchließen will , deſſen rege Kraft.
— eines natürlichen Mechaniſmi übers
Wer. *) wir haben in ben Philofophical
een en Beyſpiel von.dem Herrn Henry
Mn, wie Kite man ſich in fokhen nn
. > e esilı .n,
96 U Abh. Daß Menfchen und Thie
mungen von Kleinigkeiten betriegen koͤnne,
ihnen die erforderliche Klarheit und Deutli
feblet. 7
Manhalte die Beobacdhtungeneines Leeu
hoeks, eines Ledermüllers, und anderer,
gen: fomird man vollends überführer, daß Hr. ;
fon und Needham, und mit ihnen vielleich:
‘andere, nicht diejenigen find, deren mikroſkop
Wahrnehmungen man ficher trauen koͤnne. A
wenhoek hatte nichts als einfache Mikroſt
aber ich erinnere mich felbft einige Kleinig!
bey ihm dadurch in folder Klarheit und Deu
keit gefeben zu haben, daß das bloße Auge in
Ben und nahen Körpern nichts Flärers und d
chers mwünfchen fann. Und in ber That fir
fich Die einfachen Mifroffopia weit beffer, b
iner und reiner, als alle zufammengefeßte ; wenig
thut die Stärke der Vergrößerung nichts zur
+ say Miles batte in ben Phil. Trans. Vol. !
n. 469. p. 118. fq. feiner Meynung nach, cin b
deres unbekanntes Waflerinfect gefeben und
gebildet; aber Vol. XLIII. num, 476. fin. p.
mwieberruft er es, auf die Erinnerung des H
Yill. He thinks proper t0 rectify a Miflake be
made, in fuppofing certain Bodies tu bave been
mal ſubſtances, from their feeming to bave a j
taneous Mosion in Water: it having fince appı
so bim, that they were only tbe Seeds of the Bi
foliis sripartito divifis Cefalp. 488. Tournef. p.
Tab. 262. that bad fullen into tbe Water, and
poſſibly poffefs’d by fome Infects, which might
shem that Motion. Vid.Hill’s Review of the W
of the Roy. Society of London, p. 79. faq.
näher don ber FREE Onifpriihgen, Ri
Bw fie der ·Sarhelt und Diuelichfeie
mimmt. = Die Seeumenpöfifchen —
—— en 6 unterd en Dh in
ls zuaı u 6, daß fie dem n,
ent Abbildungen als ——
niet auch wegen der — verdächtig geſchie ·
: und Herr Ledermuͤller/ ols ein eifriger Were
—* bes Leeuwenhoͤck weis ihin nicht ans
ders: zu helſen, als daß er muchmafiet; berfelbe
miffe fchon eitn Gotttiehmiftofop gehabt, unb die ”
Öröße ber Thierchen darnach gebildet haben. *)
Aber in dein Gtüche wiberfpricht ipm Herr Cuiofẽ
ſo wohl in ſeinen — an ich, ale it den Ans
weehuingäii,. womit berfelbe diefes Werkehei in bed
andiſchen Uehetfekung beehret hät; Ri —
Bat mon in ganz Holland, uhd ii Englan
bei et feine Mikroſtobia vermacht, nichts 8
1086, theils weil —— bet Sonnenmikro⸗
ffipe ſpaͤter sit. Er erklaͤret die Größe der mikros
eh währfcheinl
Kan ebene ve Aue, ch
‚Miägöeigenbeni eher, em
Le Die ae.
TH Dear latere 8
—— Groöte vorwerpen
—* Behr er wg, ei van *
| Searin de voorvöerpen gezion 2
—— maalım —— —
dich atoce ander hei nien dcr vergrooiglafen, ihaar
te dir bag 2 Dar begrenn J
98 U Abh. Daß Menſchen und Thiere
welchem Abſtande er die Dinge zu ſehen glaube, U
den $edermüllerfhen Wahrnehmungen ift fo m
nig, mas die Vergrößerung, als was die Klarhe
und Deutlichkeit betrifft, etwas auszufegen. €
bediente fich des beiten Euffifchen Mifroffopii, we
ches einen Durchmefier auf 180 Mal vergrößer
und hat eine befondere Stellung deffelben erfunden
welche den Gegenftänden eine folhe Klarheit ur
Deutlichkeit giebt, daß er in den Schlänglein de
Kleifters und Eſſigs lebendige Jungen mit ihr:
Bewegung, und viele Eyer und Embryonesmaß
nahm, und da erein foldhes Schlänglein zerfchnit
fo ſah er 3 junge lebendige Schlänglein und 12 En
bryones aus dem $eibe fommen. *) ‘Durd) fold
vortheilhafte Stellung des allerbeften heutigen M
froffopü bat Herr Ledermuͤller dennoch die knot
‚gen Aefte und Perlenfchnüre in dem thierifche
Samen nimmer wahrnehmen fönnen. Und da
hat es alle Wahrfcheinlichfeit, daß ſolche Erſche
nung des Herrn Buͤffon und Needham trü,
lich gemefen. Ferner bat derfelbe den Schwar
der Samentpierchen, nahe am $eibe, nach Propo
tion, fo breit wie bey den Laichfröfchen, und he
ihn ben allen und jeden Samenthierchen, und i
einer fehlängelnden Bewegung gefehen. Folglic
iſt dieſer Schwanz ein natürlicher Theil des Thier
chens, undes iſt unrichtig, was Hr. Buͤffon fage
daß es nur ein allerwärts gleich dünner Faden fer
der ihnen von einer fremden Plebrichten Materi
anhänge, und endlich abfalle. Herr L. faget, da
bi
*) S. benfelben p. 10. IT. 14. 15. 26. fq.
nicht von der Welt entfprunget. 99
bie Ihierchen ja wohl zumeilen mit ihrem Schwanze
irgent wo befleben bleiben; allein das entſtehe bloß,
wenn bie Samenmaterie ausgebunftet und zaͤhe
geworden war; fobald er aber etwas Waller dazu
gemifher, hätten fie ihren Schwanz bald los gen
mache; und wären damit fren herumgefchwommen,
Was aber das vornehmite ift, fo bat Herr 2. die
Gamenthierchen in frifhem Samen alfobald,
aber nicht länger, als etwa 2 Stunden, fehen fünnen;
hernach wurden es tobte Globuli fo wie im Gebluͤte
find, und wie fie Herr Buͤffon nad) vielen Etun«
den ja Tagen gefehen hätte. + Es hat alfo Herr
G 2 Buͤffon
+ Wollte man dem Herrn Ledermuͤller allein darinn
nicht trauen, fo kann icb mich auf Die völlig eins
flimmige Erfahrung des jungeren Herrn Alerander
Monro berufen, die in deilen Disf. inaugurali de
teftibus et femine in variis animalibus, Edimb. 1755.
8. p. 60. not. mit diefen Worten befchrieben mird.
Corpuscula hac, (qua cx motu vario, nunc tardiore,
nunc citatiore, nunc antrorjum, nunc adlatera, nunc
retror fun, ex concurfus vitatione, ex caudz actionez
quam inflar gyrinorum vibrant, animalcula non dubie
dixerim,) intra paucifjina falten minuta fecunda,
non illico, vifunsur, et corporis fieura gyri-
wos non parum referunt - Sub vite aut motus
exitum, dum multum languent, caudis liquori lenio
vel exficcaso fere offixis, motu quidem ofcillatorio,
ob virium defedum, corpora agitantur. Poſt 4 ho-
yas emortua neflris experimentis veperiuntur, Et
bominis 24 boris emortui veficulis feminalibus fernen
extractum nulla animalcula exbibuit: nee adhuc cor-
pufcula variis formis et figuris, majora et minora,
bipartita, alia minora e primis mortais refufcitate,
unquam mibi ebfervabantur , et femen putredine ß-
Iutuss nulla animalcula exhibet.
100 Ul Abh. Daß Menfchen und Thiere
Buͤffon die wahren lebendigen Eamtenthiere gar _
nicht gefehen noch fehen Pönnen. Und daher fällt
auch die Hauptſache weg, als ob er nebft Herrn
Needham ihre Erzeugung aus einer rohen Ma⸗
terie beobachtet habe.
$ 5.
Allein, dieß fen genug von der Herren Buffon
und Needham ihren wnrichtigen Wahrnehmun«
gen und darauf gebauten Hypotheſen. Die Sade
felbft ift jeboch dadurch noch nicht entfchieden. Es
fraget ſich: find denn wirflid) lebendige Thierlein in
dem Samen der Thiere, in dem Echabels an un»
fern Zähnen, in dem faulenden Blute, und in an
dern Säften von Fleiſche oder Pflanzen? und wen -
dergleichen find, woher entftehen fie?
Es ift fein Wunder, da dergleichen mikroſte⸗
piſche Thierchen zuerft durh Leeuwenhoeks
Briefe befannt gemadyet wurden, daß manche fonft
vortreffliche Naturfündiger feinen Wahrnehmungen
nicht trauen wollten, und ihnen fo gar aus ihren
eigenen mifroffopifchen Wahrnehmungen wider⸗
‚fprachen. Denn es hatte faft niemand fo gute
Mikroſtopien, als Leeuwenhoeck, und manfeug-
nete Daher, was man durch die vorräthigen Wer»
größerungsgläfer nicht fehen fonnte; zumal, da
die Sache an ſich parador fchien, und eine ganz neue
unfichtbare Welt einfuͤhrete. Wenn auch gleich feit-
dem die mifroffopifchen Werkzeuge fehr verbeflert,
und zum gemeinen ®ebrauche gefommen waren; fo
‚erforderte es doch Kunft, Anweiſung, und viele
Hebung , fich derfelben vortheilhaft zu bedienen.
Und
nicht von der Welt entfprungen. 101
Und ich kann daher noch jegrlebende berühmte Män«
ner anführen, welche dergleichen Thierchen mit ci»
nem lieberfühnifchen und Fampiichen Mifroffopio
vergeblich gefuchet, und alfo für ein Blendwerk er.
fläret haben *). Ich will auch wohl geftehen, daß
G 3 |
6)
im
Es hat noch im J. 1756. Herr Petrus Ern. Aſch
aus Petersburg eine Diff. zu Goͤttingen edirt, de
natura fpermaris obfervationibus microfcopicis in-
dagata, worinn er feine Wahrnehmungen vermit:
telit eines kampiſchen Mitroffopd an dem Samen
der Menichen, Hunde, Rasen, Kaninichen, Hahne,
Fiſche, und an den GSaften ber thierifchen Theile
und Pflanzen beſchreibt, und dadurch allerwartg
nichts beobachtet hat, als einerley Kuͤgelchen ohne
Schwanz, welche feine andere Bewegung geauffert,
ald die vom beygemifchten Waſſer und beffen Er:
ſchuͤtterung, oder von der Yuft, Sonne, Faͤulniß
und Schärfe entftanden ſeyn konnte. S. Bötting:
fie Anzeigen 1756. p. 417. fg. Es hat auch Herr
Jo. Guſtav Wablbom, oder vielmehr fein Praͤſes,
der Herr Archiater von Linné, ein wahrhaftig
großer Dann in der Naturgefchichte, in der Difp-
de Sponfalibus plantarum $ 13. (Amoenitt. Academ.
T. 1. p. 79- fq. nach der Leidenfchen Ausgabe) diefe
Thierchen mit einem Lieberkuͤhniſchen Mikroſkopio
nicht entdecken koͤnnen, und halt daher das, mas
Leeuwenhoek für Thiere angefeben, für nicht? ans
ders als für älichte Theilchen, welche auf dem war:
men Samen einher geſchwommen. Ja er jaget ganz
dreift in dem Ii Vol. Amoenitatum p. 434. (collato
Vol. VI. p. 4. fq.) Verbo dicam: Vermiculi did
im genitura à Leeuwenboekio detecli et pro animalcn-
Is motu proprio gaudentibus falutati, mera com-
menta funt. Corpufeula enim hæc motu proprio de-
fituuntur, carentque attributis vitæ proprüs. Man
ſehe aber, was in dem allgemeinen Magazin a
| p.
102 II Abh. Daß Menſchen und Thiere
im Gegentheil einige von denjenigen, die ſehr g
mie Mikroſkopiis umzugehen gewußt, zumeil:
ſolche Wahrnehmungen mit einſtreuen, welche d
Verdacht erwecken, daß ſie durch ihre ſchoͤpferiſc
Einbildungskraft manches, mas fie nicht klar uı
deutlich genug fahen, auggebilbet haben möchte
Dergleichen fcheinen aud) in des Herrn Jobl
und Hill ihren fonft vortrefflihen mifroffog
fhen Wahrnehmungen mit unterzulaufen; die mo
in den befondern Fällen ein Mistrauen erweck
koͤnnen f. Allein, diefe geſchickten mikroſkopiſch
Beoba
p- 195. ſq. in der Anmerkung, dagegen erinn
wird: unter andern, daß Lieberkuͤhn ſelbſt, na
dem Briefe, welchen Zamberger feiner Phyſiolo—
eingerudet bat, die Leeuwenboekiſchen Thierch
allezeit für wahre Thiere gehalten babe. Das
ein lehrreiches Beyſpiel, wie behutſam nr fe
müfle, aus dem Mangel feiner einenen Erfahru
einen folchen Schluß zu ziehen, Daß des andern fei
Erfahrung falfch ſey.
rt Herr Joblot bat ein ſchoͤnes Werk herausgegebe
Obfervations d’Hiftoire naturelle faites avec le A
erofcope fur un grand nombre d’ Infedtes, et für
Animafeles qui fe trouvent dans les liqueurs pr&j
rces, et dans celles qui ne le font pas. Paris 17:
4. 11 Tomes, Go viel guted und wahres aber ai
in den Buche enthalten ift, fo bat er doch hin u
wieder feiner mahleriſchen Ausbildung zu vielna
gegeben. Davon ift Dasjenige Thierchen (T. IP.
. 57. fg. Tab. VI. n. 12.) ein ausnehmender 2
is, auf beffen Ruͤckenſchilde ein fürchterfid
Schnurbartsgeficht fo deutlich abgebilder ift, als
ed nach dem Leben eines Menfchen gefcbildert wa
ch geſtehe auch gern, daß es meinen Begriff uͤb
ist, was Herr Jo. Bill in feinem ae wei
opi
nicht von der Welt entfprungen. 103
Beobachter ber kleinen Welt ftimmen, nebft vielen
andern, doch überhaupt anallen Orten, darinn
vollfommen überein, daß fie in den Saͤften der
Thiere, befonders des männlichen Samens, in den
Säften des thierifchen Fleifches und der Pflanzen,
in dem Kleiſter, dem Heuwaſſer, Pfeffermaffer,
u. ſ. m. eine Menge verfchiedener wirklich lebendiger
und fich millführlich bemegender Thierchen aufhal⸗
tn. Und fo viele einftimmige Zeugniſſe geübter
Männer, an verfchiebenen Orten, von einer und
derfelben Sache, müffen auch fire diejenigen, wel⸗
he felbft bisher Feine Augenzcugen Davon werben
© 4 fin.
— —
= ig EEE -
topifchen Verſuche (Hamb. Maq. XII B. p. 377. ſq)
unter andern mifroffopifchen S;hierchen, (deren er
8 verſchiedene Arten beobachtet,) an einem. Thiers
ben einer Infuſion gefeben haben will. Er hat
daran alle Theilchen baarklein entdecket, und wahr:
genommen, wie es mit feiner fagenförmigen Krebs:
ſcheere etwas von einem Gantentheilchen der Pflanze
ordentlich abgefaget , ſolches abfallende Stuͤck mit
der Scheere ergriffen und es auf die flache Eeite
des andern Gelenkes der gegenfeitigen Klaue geleget,
und da mit Neberfchlagung dev crften Klaue, al
eines Feile zerrieben und gemahlen, endlich aber
mit den zufammengefaltenen Gelenken in den Mund
efchoben habe. Daß heiße ich genau fehen Fönnen !
Der Kımfltrieb an fich ift mir nicht gu wunderbar:
wir haben dergleichen an der Siebbiene. Aber ich
fage noch, ed fey mir zu hoch, daß einer dergleichen
eBerkjeuge und verichiedene Handlungen an cinem
fo kleinem Infuſionsthierchen follte fo genau unter⸗
ſcheiden können, und ich weis mich nicht zu entſin⸗
nen, daß Leeuwenhoek irgendwo dergleichen ſubtile
Wahrnehmungen von ſich geruͤhmt haͤtte.
"104 11966, Daß Menſchen und Thiere
koͤnnen, hoͤchſt glaubwuͤrdig ſeyn. Und uͤberhaup
‚giebt Das argumentum negans, ceteris paribus, i
der Erfahrung, beſonders der Kunſterfahrung, mı
nig wider ein argumentum affirmans. Wer fage
ichihabe es gefehen, erfahren, und mit Fleiß qu
dieſe Weife beobachtet, verdienet mehr Glauben
als wer bloß faget, ich hab es nicht gefehen, erfahre
oder beob achtet,
Wenn wir. denn die Wahrheit der. mikroſkop
ſchen Thierchen billig vorausfegen: woher. follte
doch Diefelben wohl entftanben fern? Wir möge
die Augen noch fo ſehr fchärfen und. ftärfen: |
wird. die Frage Doch durch eine bloße Erfahrum
nicht zu beantworten feyn , fondern es wird ai
Schlüffe aus den gefehenen Umftänden anfomme
Denn felbft die gefchidteften Beobachter mikröfki
pifcher Thierchen, welche in ihren Wahrnehmui
gen vollfommen übereinftimmen , geben ung gat
verfchiebene und. wieder. einander. laufende Erfl
rungen ihres, Entftehens. Herr Buͤffon ſah ebe
das nur fir organiſche Theile. eines Thieres aı
was. Lrecöhbam für völlige Thierchen anfal
Beyde, nebit Sonanni, Hill und Wrisberg dei
ten das gefehene als eine generationen fpontaneaı
aus , was Poblot, Bonner und andere für eir
Entwickelung der Eyerchen halten. Ein Zeiche
daß ihre Erklärung Feine reine Erfahrung, fonder
eine Schlußfolgerung fey. Und mwie wollte auch i
gend ein Menfch die Kräfte der Dinge, welche a
fih) was Geiftiges find, und zumal Kräfte, meld
in den Eleineften Urftoffen, Atomen oder Monabde
ſtecken, und deren unmittelbare Art zu wirken, ob:
d
alba der Melt enffprungen, 105
xſte Zufammenftgung der allerfleinften Koͤr⸗
yen, mit Mikroftopüs feben Fönnen? Das ift
alles viel zu grob, was wir durch Mitroffopia
I: Safler ung aufrichtig handeln; mir fchließen
"aus den gefehenen Umftänden, Welche find
Haber die Umftände? Ich will fie aus den
meueften Wahrnehmungen des Göttingifchen
en Profeffors Gent, Aug. Weiſberg entich-
+.*). ungeachtet berfiben bey folchen Fleinen
inch, der Erzeugung aus einer faulenden Ma-
#geneigt zu ſeyn fcheint. Cr geftehe Sect, III,
Hiner- Epicrifi, daß zur Erzeilgung biefer hir
% Luft; zine mäßige Waͤrme und Waſſer, oben
mehe vegerabilifche und animglifhe Theile in
ı Waffer, ſchlechterdings nöthig find: und üßret
on.. A an, welcher fehreibt, daß ohne &uft
‚ürfprängliche Erzeugung von Tplerchen fegen,
öglich fen, und, Daß er einen Verſuch mit Kalb⸗
——— ſigiulirten Gefäße gemache,
es zwar nach Monaten in eine weiche Päppe
angen, aber feine Spur von einem lebendigen
erchen Dariım, anzutreffen geweſen: ja daß nieht
nal eine jebe Suft, fonbern ein aer .debitus ap-
m ad nafcendum, vegetandum et confervan-.
dazu erfordert werde; welches ich nicht an«
[ Fe oa ann, als daß die Luft mit fremden,
an if gfömingen (un: P wie Sem
5
derſelbe
Ang. Welsberg D, Med, Ans, arıue Art,
*22 Pref. regii Obfervationum de Animalcu-
is infuforiis, Sacura, (eine Preisiihrift), öl
"1765. 8.
Fı
106 IlAbh. Daß Menſchen und Thiere
derfelbe mit dem reinen Quellmaffer gar fei
Thierchen, aber mit den Kegenwaffer die Men,
Thierchen hervorbringen Fonnte.e Und Joblı
(T. I. P. II. p. 3) ſchreibt gleichfalls, daß er aı
einem wehlverwahrten Gefäße mit dem reinftı
MWeineflige fein einziges Schlänglein befommı
habe. Und f5 iſt mir aud) von dem vortrefflich:
Muſchenbroek berichtet worden, daß er feiı
Verſuche wegen der Ynfufionsthierchen gar behr
fam fo angeftellet, daß er die Materie zuvor m
fiedendem Waſſer präparirt, das Glas wohl m
Stöpfel und Kütte verfchloffen, dann nach gera
mer Zeit ben der Eröffnung in der faulen Mater
alles Leblos gefunden habe; aber cben darum ha
er die übrige faule Materie in dem eröffnetem Gla
nachdem er einen Theil davon befichtiget, foglel
weggefchüttet, Damit nichts fremdes unvernterf
bineingetragen werben Fönnte. Faſt eben diefel
Erfcheinung hat auch Herr Wrisberg felbft
habt, da er über dag Regenwaſſer, welches für
fo leicht Thierchen erzeuget, eine Linie hoch Oliven
gegoffen, und es Damit achtzehn Tage im Sommer fi
ben laffen, und dennoch nad) der Zeit weder Fd
lung noch Thierchen darinn wahrgenommen; ha
gegen babe er, mit einem fparfamer zugegoffen
Mandelöle, das nur einige abgefonderte Augen 4
ber Oberfläche feßete, die gewohnte Fäulung u
Thierchen in dem Waffer gefunden. Unterdeſſe
da diefer erfahrne Mann dennoch in andern Ma
rien eine Faͤulung bey abgefchloffener $uft zuftef
worinn jedoch hernach gar Feine Thierchen befin
lich find: follten wir denn nicht vielmehr ur
t
.s
inet Wen entfprungen. 07
A —— Biufung an ſich keine Mrfache ber Er⸗
geng ber Thierchen ſeyn koͤnne, woferne niche
or vorher bie organiſchen Entwürfe eines Thier-
as in der Feuchtigkeit ſind, oder nachmals mie
F.fuft Hineingetragen werden, daß fie ſich in der
* Materie ferie entwideln im? Er beruft
"deiffig auf —e— und VNeedbams
gezo⸗
mas der von biefen Herren ihren mikro⸗
chen- Beobachtungen urtheilet: ober Daß er -
wen Zulofg Urcheil zu der Ueberfegung diefer
lehrheiten p/ 86. (b) gelefen Hätte, ba er. ſaget, er
burch die einfachen Mifroffopia überzeuget wor⸗
2 daß en habe, err Den er A ganz
gefehen Habe, on aber fü *
Herrn Wrisbergs eigene Ab
ſtellen uns nur Entwickelungen von Dolypen
‚ welche doch befannter maßen von andern
elypen ober deren belebten Theilen entfiehen. Ich
wifefe aber, daß fich alle Arten der Jufuſions-
erh zu den Polypen redueiren laffen, und daß
rhaupt ber erfte organiſche Bau eines
—— bloßes Principium asſimilationis
Aoſophiſch erffären laſſe. Daher wird auch wohl
MAuſchießung der Salze in einerkey determiniv⸗
R. Figuren Bier feine —— thun. Daß
flarigen verſchiedener jede ihren dienlichen
lahrungsſaft an ſich It — — ſo wie bey
hleren, vermittelſt des organiſchen Baues Pin
n
Say:
5
⸗
108 I Abh. Daß Nenſchen und T
ſchon da iſt; und folglich erlaͤutert es unſe
gar nicht. Wenn der Schimmel, ohne
und Mutter, zu einer Pflanze gediehe: ſo w
ſelbe näher zur Sache kommen; aber ich) mwı
ob Herr Linnsus, Gleditſch und ande
nici Damit einig fenn möchten, welche deffi
ganifche Pflanzenftruftue und wirkliche B
darlegen. Und eben dieſes Beyſpiel a
Dflanzenreiche ift wider die generarionem
neam im Thierreiche, Können unfichtbare
von Schimmelpflanzen durch die Luft alle
ausgeftreuet werden, und fich in einer d
Materie geſchwind entwickeln: warum Fin
auch eben fo Fleine unfichtbare Thierchen |
ren Ener die $uft, wie einen Samenjtaul
waͤrts binträge? Es wäre im Pflanzenreic
ber die allgemeine Kegel und Ordnung ber
daß alles aus dem Samen entfprießt,) ı
gefchloffen: ich ſehe niche, ich begreife ni
bier ein Schimmelfamen hätte herfommen
alfo gieb: es doch auch zumeilen Pflanzen,
- Mutter und Samen entftehen. Eben fo wü
auch zu voreilig gefthloffen : ich fehe, ich begre
wie ein Thierey in der Luft hat herumflieg
in diefe Materie kommen Eönnen; alfo
doch auch einige Thierchen, welche wider
gemeine Ordnung , ohne Mutter und
durch bloße Faͤulung aus roher Materie
werden. Herr [Wrisberg fieht diefes gar ı
aber dieß feger ihn in die Nothwendigkeit,
allgemeine Kegel und Ordnung der Natur
efle ex ovo, Zweifel zu maden. Er ni
war von der Welt ehtfprungen: 109
pie ebenbiefen infuloriis corptifculis het, davn
„enge iſt, 2) von den-vegetabilibus, ale mu-
ie, mulcis, funyis, davon ich ſchon geſaget babe,
2) gar von größeren vwierfüßigen und ändern
wumd Fiſchen. Ich bin aber völlig ver-
bdaß Herr W. nach feiner; ſcharfen Einficht,
Welle Ge⸗
J
y
er eine. Welle auf Die Antworten Tines
es benfeh-moßte, fich felbft leicht eine zuttichende .
| auf dieſe weiſel geben koͤnnte. Summa,
Niemanden bisher weder gewiß noch
Ifipeihtic, weder aus der Erfahrung, noch aus
heipis phyfico-metäphyficis erwieſen, daß es in
aganzen Natur, im Pflanzen. oder Thierreiche,
‚Großeh oder Kleinen, eine urſpruͤngliche Erzeu⸗
ng neuer einzelnen Pflanzen oder Thiere ober wie⸗
Arten davon, Aus einer rohen Materie, durch
we Zaͤnlung und Gaͤhrung, geſchehe ober geſche⸗
a konne; ſondern Erfahrung, Analvgie und Vet⸗
fe find dagegen, und aller Schein des Gegen⸗
nis brzieht ſich auf unfichebare Kleinigkeiten, bie
er entweder an ſich unrichtig beobachtet find, über
raus unrichfig ex argumento ignorantiz gefchlofs
ı wird; fo wie man vor Zeiten auch von größe
s Thieren , bie den bloßen Augen fichebär find,
5 Mangel richtiger Erfahrungen und Schlüffe,
e getierationemaequivocam glaubete, Warum
gt die Natur, wenn fie Millionen neue Thiere
twerbringen fann, ihre ungeheure Fruchtbarkeit
de ſichebarlich in der Schöpfung eines ein⸗
—ã groͤßeren Inſekts, oder vierfuͤßigen
By
m
ns
a
66.
%
110 1165, Daß Menſchen und Thi
6.
Es iſt alſo wenigſtens von allen organ
bildeten Thieren in der That und Erfahrung
falſch, daß jemals aus faulender roher 9
durch Gaͤhrung, ein organifcher Körper ı
lebendiges Thier entftanden wäre; ober t
Vermögen und eine Kraft zu ſolcher Erzeu,
ber ganzen Welt und deren Natur zu fint
Wenn die Matur folches jemals fähig und
het geweſen waͤre, zu thun, und wirflich gethaı
fo würden wir auch noch jeßt, hie und da,
ten Schlamme, an der Sonnenhige, halb ot
gebildete, geftaltete oder ungeftaltete, neue ı
befannte oder alte und befannte Thiere an
Denn die Natur iſt fich felbft allezeit ähnlid
von gleichen Kräften, Laufe und Ordnung.
diefelbe Erde, davon fich nicht das geringfte |
chen entfernet bat; und fie wird von eb
Sonne, mit gleicher Wärme, in einerley ?
felung befchienen, wie vorhin. Wenn al
Natur eine folhe Zeugung der Thiere n
bräd)te : fo müßte fie auch noch geſchehen.
gen Finnen wir ficher fchließen: wenn ihre
dergleichen Zeugung jetzt nirgend wirfet oder
fo bat fie es auch zu Feiner Zeit gethan.
aber das Sand, der Moraft, der Schlam
auch nur Misgeburten von Menfchen, Elep
Kameelen, oder von Pegafen, Sphungen uı
pocentauren, ja wo fleinere Thiere und \}
aus dem Kothegebrütet würden? Keiner wi
tiges Tages fo unverſchaͤmt, oder fo dumı
daß er dergleichen, zumal von größeren J
oo:
-
- nicht von der Welt entfprungen. nı
wirflich gefehen zu haben, vorgeben follte. Dem⸗
nach kann es auch nimmer in der Welt durch die
Natur geſchehen feyn.
Was bleibt denn noch) weiter für eine Ausflucht
übrig? Keine, als biefe, welche, zu aller vernünfe
tigen Leute Erſtaunen, ein neuer Demetrius aus
dem rohen Alterthume wieder entlehnet, und aus
| feiner Feder fließen laffen: Die Natur fey nunmehr
"dt, fie habe an Kräften abgenommen, fie habe
I einmal aufgehöret, zugebähren, * Wie? ift denn
dee darinn liegende, Widerfpruch niche offenbar ?-
Die Welt, die Natur, foll das erfte felbftändige,
nothmenbige, ewige Wefen feyn: und doc) foll fie
veränderfich.feyn, abnehmen, ihre Kraft verlieren
unvolllommen werden? Dieſes leßtere hebt das
erſtere auf. Ein Ding, dag fich verändert, kann
nicht nothivendig , das abnimmt und aufbörer,
nicht ewig, und, vermöge bendes, nicht felbftändig
fm. And wie fann man ſich in dem Ewigen eine
Jugend
4 De la Mettrie Syfteme d’ Epicure 6 10. Mais Is
| Terre nel plus le berceau de P Husmanite! on ne la
ı voit poins produire d’ Hommes! Ne lui reprocbens
point fa flerilise adluelle; elle a fait fa portie de ce
core la. Une vieile Poule ne pond plus : une vieille
femme ne fait plus d’ enfans.
Lueretius LI, 1130.
Famıque adeu affeda efl atas, effoetaque tellus.
Vix animalia parva creat, qua cunda cresvis
Secla, deditque ferarsın ingentia corpora parts,
V. 924. |
Sed quin finem aliguam pariendi debet babere,
Deflitit, as mulier [pasio defeße voruflo ae,
12 1165. Daß Menfchen und Tpiere
Jugend und ein Alter gedenken? Es koͤmmt nı
dazu , daß diefe Ausflucht felbft wider alle Erfe
rung ift: indem feine Eörperliche Kraft in der ge
jen Natur, fo weit menfchlidye Nachricht in |
vorigen Zeiten reichet, im geringften abgenomme
alles ſich jego in derfelben Art und Stärke re
und fortpflanzet, wie fonft gefchehen if: We
auch diefes möglich wäre: fo würde Die Welt, u
ewigen Syahrhuriderten her, längft in ein mäfi
Chaos, oder in einen träge Klumpen verf
len ſeyn. |
Sn
Es iſt aber noch eine andere Ungereimtheit
diefer Meynung, welche ich nicht mit Stillſchw
den übergehen Fann. Man hat nicht genug, |
Natur voriger Welt, wider alle Erfahrung u
Vernunft, eine jegt veraltete Zeugungskraft an
dichten ; fondern eben diefelbe Zeugurigsfraft: |
auch ohne Regeln der Ordnung, blindlings, u
auf ein Ungefähr gerwirfer haben. ine bloße?
wegungskraft, die ohne Leben, ohne Werftänd u
Abficht handelt ‚ die in ihrer wefentlicheri Beſch
fenbeit feinen Grund der Ordnung und Uebere
fimmung eines thieriſchen Körpers enthält, '
erft, durch eine wuͤſte Gaͤhrung, milliönen mal ı
geftalte Misgeburten erzeuget haben, bis es einn
durch einen ungefähreri Zufammenflug der. U
ftände gelungen, daß ein gefundes, wohlgebilde
Thier herausgefommen: welcher Fall, wie fiem
nen, unter fo vielen unnuͤtzen Verbindungen,
der ungefähre Zufall enthält, doch auch. e
| Mögli
h)
- nicht von der Welt entfprungen. 113
Möglichkeit habe, und in fo vielen taufend Jahren
auch einmal zur Wirklichkeit habe kommen
fünnen. °
Die Leute müffen ja wohl durchaus allem dem,
was Berftand ift und heißt, gram ſeyn, meil fie
Hieber alles wüfte und wilde in der Welt, als eine
veftändige Kraft, leiden fönnen, und auch das or«
dentlichſte lieber aus der Unordnung , als aus Abs
ſichten, erflären. *° Die mehreften der Alten was
ten boch in dem Stücke kluͤger, daß fie noch einen
Verſtand, der fich durch die ganze Natur erſtrecket,
(Mentem per rerum naruram intentam) zuließen.
Auch die, melche eine Seele der Welt gefeger, bie
ihren Körper in vielerlen Geſtalten verändere unb
ilde
$ Lucretius V. 835. ſqq.
6 De la Mettrie Syfteme d’Epicure $ 4. Comment
prendre la Nature für le fait? Elle nr 3’y efl jamais
‚fe elle. mẽme. Denuce de connoijlance et de Jenti-
ment, elle fait de la foye, comme le Bourgeois- Gen-
silbomme fait de la Profe, fans le favoir: auli
svengle, lorsqu’elle donne la vie; qu'innocente lors-
quelle la detruit. 5 18. La Natuve n'a pas plus
- fonge a faire l’oeil pour voir, que leau pour fervir
de miroir & la fimple Bergere. $ ı9. N’ya.s-H
pas eu un Peintre, qui ne pouvans repréſenter a [on
gre un cheval ecumant, scuffit admirablement, fıt la
us belle ecums en jettans de depit fon pinceau für
soile? le bazard va fouvent plus loin que la pru-
dence. 6 24. Us arrangement fortuit donnant les
mörmes privileges q’un arrangement fait expres aves
sonte l'imduflrie pofhble, a valm a cette commune mere
un bonnenr que meritent les ſeules leix du mouw-
mens. cxc.
9
114 11965. Daß Menfchen und Thiere
bilde, ſcheinen doch alle Wege ertraͤglicher zu ſer
Warum ſoll aber die erſte Kraft fuͤhl⸗ und lebli
unverſtaͤndig, blind, und ohne Regeln der O
nung fenn? da doch lebendige, empfindende u
verftändige Geſchoͤpfe, die mit einem kuͤnſtl
gebauten $eibe begaber find, ja, da alle Ordnu
und Webereinftimmung in der ganzen Welt, v
ihr erzeuget, auch bis jego noch erhalten worden
$ 8
Es haben fich vernünftige Männer Müpe ı
geben , die Ungereimtheit folcher ungefähren €
zeugung der thierifchen oder auch größeren WW
förper aus dem wilden Zufammenlaufe der Urſt
fen auf marhematifche Weiſe zu berechnen; bay
der Schluß etwa diefer ift, daß der eine Fall ei
ordentlichen Zufammenfügung, der durch dag}
gefähr möglich feyn foll, gegen die Vielheit deri
ordentlichen Zufammenfügungen, fi) wie ein ı
endlich Fleiner Theil (pars infinitefima) gegen e
unendlich große Zahl verhalte, und daher als <
nichts zufichten fey. ” And diefes ift fo ferne;
reichend, den Unverſtand zu zeigen, wenn eü
dennoch lieber einen blinden Zufall, als Weish
und Abficht, zur Urfache der Ordnung annimn
da jenes unendlich weniger möglich ift, als dief
Es bemeift vollfommen, daß wir, die wir We
heit und Abfichten zur Urſache der Dranung,
7 Eiche Heren Samuel Sollmanns überzeugen!
Vortrag von Gott undder Schrift, C. 1. Sect.
$ 4. p. 100. fq.
nicht von der Welt entfprungen. 115
ben, nur um ein einziges unenblid) Fleines Theil»
em, (partem infinitelimam) von der allergrößten
eroißheit, daß diefes wahr, und das Gegentheil
Ifch fen, entfernee find. oo.
Wir fegen nämlich als befanne voraus, ba
einem thierifchen Körper Millionen- Theile, ver-
ebener Urt, zu folcher Lebereinftimmung ges
acht find, welche aller Menfchen Erfindung,
is, Verftand und Weisheit unendlich weit über«
ige, wenn fie: die Abjicht gehabt haͤtten,
ien thierifchen Körper zu entwerfen und zu bilden,
aß es nun höchft ungereimt fen, diefe Ueberein-
mmung in einer folhen Menge von Theilen
8 einem ungefähren Zufalle abzuleiten, dag
ag uns ein befanntes Gedichte des Virgils,
sneis genannt, erklaͤren. Es ift zwar viel zu we⸗
g, wenn wir die Buchſtaben in Virgils Aeneis,
ie der Menge der förperlichen Theile eines Thies
5, undden Verftand, den ein virgilifches Gedicht
verfertigen erfordert, mit dei Weisheit, melche
e Bildung eines thierifchen Körpers gehöref, in
ergleichung ftellen, Unterdeſſen mag” fürs erfte
es in die Stelle des andern freten, und wir
len eine Weile zuftehen, daß durch ein Unge⸗
hr, in benden Fällen, unter unendlich vielen ver⸗
beten Verbindungen der Buchftaben und Theile,
ch auch eine übereinftimmende möglich waͤre.
zuͤrde es nicht dennoch höchft ungereimt ſeyn,
mn einer gefraget würde, wie das virgilifche
ebicht entftanden wäre, daß er lieber einen un«
fähren Wurf der Buchftaben, als einen Ver—⸗
md, zur Urſache annahme? Ich daͤchte, man
53 würde
316 11965. Daß Menfchen und Thiere
“würde denjenigen , ber bag ſagete, für unfinn
halten, weil der einzige mögliche Fall in dem Ling
fähr, gegen fo unendlich viele unmögliche, von fi
nem vernünftigen Menfchen in Betrachtung.
ztehen, vielmeniger der anderen offenbaren und be
nahe einzig nothwendigen Urſache vorzugi
hen märe.
Man rechnet, daß 24 Buchſtaben über ta
ſend Auinquillionen mal verfeget werden koͤnne
Da nun die Aeneis ungefähr 363780 Buchſtab
enthält, jo find darinn die möglichen Verſetzunge
gegen die Verfegungen von 24 Buchitaben, ſe
für unenblic) wenig, und die einzige unter denfi
ben, melche ſich wirflich in der virgilifchen Aene
befindet, alseine pars infinitefima, oder ein unendfi
Pleiner Theil der unendlid) vielen möglichen We
bindungen zu halten. Wenn man nun ein
Schriftkaſten nahme, darinn eben diefelben, u
eben fo viel Buchflaben, als in ber Aeneis ve
fommen, enthalten wären ; man fchüttete aber bi
Buchftaben in einen Sad durch einander, u
griffe fie blindlings nach einander heraus: fo waͤ
der einzige Fall, da die virgilifche Ordnung vi
ungefähr durchaus getroffen werden follte, gegt
die unenblich vielen, da es unmöglich wäre, gi
nicht in Betrachtung zu ziehen. Was ift aber d
Zahl von 363780 Buchſtaben gegen bie Vielh«
der Theile im ehierifchen Körper, und noch vi
mehr gegen die Vielheit der Theile in der ga
Welt? Wie viel unendlicher ift demnad) isremb
liche Verfegimg ?. Wie viel unmoͤglicher, folglid
nicht von der Welt entfprungen. 117
daß ein Ungefähr Die einzig übereinftimmende Ord⸗
nung hervorbringen follte? *)
$ 9
Allein, ich halte dafür, dag man ſchon zu viel
einräumet, ob follte jemals eine Uebereinftimmung
in dem Mannichfaltigen durch ein Ungefähr moͤg⸗
ii feyn. Denn, wenn möglich fo vielheißen foll,
als mas wirklich werden fann: fo gehöret zwey⸗
erley Moͤglichkeit dazu, dafi etwas wirklich merde,
nicht allein eine iimere, ſondern quch eine äuffere.
Die innere Möglichkeit, daß nämlid) etwas dem
Mefen eines Dinges nicht wiberfpriche, ift allein
nicht genug, daß cs wirflicy werde ; fondern es
muß auch eine äuffere binzufommen, die den voͤlli⸗
gm Grund der Wirflichfeit in fich halte.
Ich will es durdy das Beyſpiel der virgili-
ſchen Aeneis erflären. Wenn in einem Schrift
kaften nicht allein 363780 Buchftaben wären, fon«
dern auch ein jeder Buchftab des Alphabets fo viel
mal, als er indes Virgils Aeneis vorfömmt: fo
hätte es, verindge der Buchſtaben, eine innere
Möglichkeit, baß biefes virgilifche Gedicht ganz
3 damit
®% Cic, de Nat. Deor. II. 37. Mundum effici ornatis-
Amuin es pulcerrimum ex corporum concurfione for-
suita: boc qui cxiflimat fieri porijle ‚ non intelligo,
car non idem pntet, fi innumerabiles unius et viginti
forma litterarum, vel aureæ, vel quales libet, aliqua
sonficiantur, poſſe cx bis in terram excusfis annales
Ennii , ut deinceps le poffint, effici: quud neſcio
anne in uno quidem verju pojis tantum valere
fortuna,.
F
18 - 1165. Daß Menfchen und Thiere
damit gefeßet werben, unb gefeget ftehen bleiben
Eönnte. Die äuffere Moͤglichkeit aber müßte auch
hinzu fommen , nämlich ein verftändiger Setzer,
ber das Vermögen und ben Willen hätte, folches zu
verrichten: wozu denn, uuffer vielen andern Um⸗
ftänden, auch gehärete , daß er feine Fehler im
Segen machete, oder, fo er welche gemachet, Dies
felben alfobald verbefferte,
Menn hergegen entweder bie innere ober bie
äuffere Moͤglichkeit, oder gar alle beyde zugleich
fehlen: fo kann ich die Sache nicht möglich ‚ ſon⸗
dern ih muß fie unmoͤglich nennen, in fo ferne fie
nicht zur Wirklichfeie kommen kann. Wenn alfe,
- nach dem gegebenen Benfpiele, in dem Schriftka⸗
ſten ganze Buchftaben febleten, oder von manchen
ju wenig, von andern zu viel wären, oder ſtatt
der Buchftaben viele Ziffern, Moten, Calenderzeis
chen, ober fonft etwas im Kaften läge: fo hätte ee.
feine innere Möglichfeit, die Aeneis damit auf.
ſolche Art zu fegen. Oder, mern zwar die Buch⸗
flaben ihre Richtigkeit hätten; es fehlete aber am
Seger, ober deffen Vermögen, oder beifen Willen,
oder an allen diefen: fo wird Feine äuffere Moͤglich⸗
‚Feit da ſeyn; die Buchftaben werden nicht von ſelbſt
aus dem Kaften fommen, und ſich in die Ordnung
dahin ftellen,
Deuten wir biefes auf ben gegebenen Fall: fo
fieht man wohl, daß fich derfelbe in zwo Fragen
entwickelt: Einmal, ob es in Betrachtung des
Schlammes eine innere Möglichfeit habe, daß
daraus ein Thier werben Fönne ? Zweytens, ob es,
in Betrachtung der Sonnenwaͤrme, und der dazu
* kommen⸗
| Eu
.
nicht von der Welt entfprungen. 119
fommenden ungefähren Gährung , eine äuffere
Möglichkeit habe, daß dadurch ein Thier aus dem
Schlamme entftche? Ich behaupte aber, daß Fei«
nes von benden, weder innere noch äuffere Mig«
lihfeif, Da fen, daß jemals aus einem Schlamme
oder ſauler Materie durh Wärme und Gährung
| ein Thier erwachfe,
zn
$ To.
Was bie innere Möglichkeit betrifft, fo müßte
alles, mas zum Thiere gehoͤret, nicht allein das
förperliche, fondern auch, was wir zu feiner Seele
technen, in Schlamme enthalten feyn. Sollen
alſo Fleifch, Knochen, Knorbel, Sehnen, Haute
| Klauen, Haare, Federn, Blut, Galle und andere
Eäfte, aus einer Materie entftehen: fo müffen die
verſchiedenen Beſtandtheile derfelben ſchon alle in
der Materie vorhanden feyn; fonft werden fie aud)
nimmer Fünnen heraus gebradht werden. Nun
enehäft ja ein Schlamm und eine Erde nicht alle
Beftandtheile eines thierifchen Körpers, fo wie er
aud) den Thieren, die Daraus erwachfen feyn follen,
zur Nahrung untauglich iſt.
Dası find die wenigen Theilchen, welche etwa für
thierifche Körper darinn ftefen, durch mehrere
undienliche von einander getrennet, und an ſich in
feinem geſchickten Verhältniffe; von dem einen zu
viel, von dem andern zu wenig, von manchem gar
nichts. Es ift ein Schriftfaften, worinn die mel«
ften Buchftaben gar fehlen, andere im Ueberfluffe,
andere! zu fparfam find, wiele fremde Zeichen mit
unterlaufen. Gleichwie daraus die virgilifche
j H 4 Aencıs
i20 u abh. Daß Menſchen und Thiere
- Aeneis zu ſetzen unmöglich ift: fo iſt auch aus dem
Schlamme, natürlicher Weife , einen thierifchen
Körper heraus zu bringen , unmoͤglich. Und we
ſtecken vollends in foldyem Breye die Seelen, das
$eben, die Empfindungs. und Vorſtellungskraͤſte
bie eingepflanzeten Künfte und Fertigkeiten dei
Thiere? das Gedächtniß, der Wig und Verftand,.
u. ld
die Einbildungseraft und die Vernunft und rege
beit der Menfchen? j
| x gs ım |
Die äuffere Möglichfeit einer ſolchen Erzeu⸗
gung ift eberr fo wenig in der Matur vorhanden,
Denn, wenn wir nach dem vorigen bedenken, daß
die Beſtandtheile eines thierifchen Körpers, bie
etwa im. Schlamme ober in fauler Materie ſtecken
koͤnnen, theils viel zu mangelhaft und zu wenig,
theils zu überflüffig und zu viel, theils mit gang
fremden vermifchet, theils in gänzlicher Unordnumg
find ; fo ift ja mohl offenbar, daß keine Wärme-
ober Gaͤhrung vermögen fen, Theile beschierifchen
Körpers, die in dem Schlamme fehlen, von hun⸗
dert entlegenen Orten in gemeſſenem Verhaͤltniſſe
binein zu tragen; ober bie überflülligen und frem⸗
den, telche die irdiſchen und ſchwereſten find, hin⸗
aus zu fihaffen; oder auch die dDienlichften Theile im
Ordnung und in die gehörige Stelle und Verbirk
dung zu bringen ; vielmeniger ihnen $eben, Empfine
dung, Vorſtellung, und andere höhere Kräfte, oder
gar Künfte und Fertigkeiten, einzuprägen,
Niemand wird fich ja fo gröblich irren, daß
er fi) auf die Ausbrütung der Eyer durch bloße
Sonnen
nicht von der Welt entfprungen. 121
nnen»ober Dfenmwärme beriefe. Denn dadurch
de voraus gefeßet, als ob das Ey nur einen
ten Rlumpen roher Materie in fich hielte, und
a würde fo fchließen: Wenn die bloße Wärme
Enern einen Vogel, oder eine Schlange oder
hildkroͤte bildete, fo Förne die Sonnenwaͤrme
h auseiner andern rohen Materie wohl die übri»
Thiere gebilder haben. Allein, das ift weit ge-
et. Ein jeder weis, daß das Weiße nebft den
tter, und infonderheit die Cicarricula in dem
gel des Eyes, fſchon alles in ſich begreife,
zu dem Thiere und deffen Nahrung geböret ;
nichts überflüffiges und unniges Darunter fen,
daß jedes fchon fold;e Ordnung und Sage habe,
der ganze Bau des nörpers, nad) allen ver-
edenen, auch ben Fleineften Theilän, und nad)
Ffünftlichen Stellung, welche es in einem folchen
ume haben muß, erfordert. Wenn denn eine
zaͤßigte Wärme den Funken des Lebens in dem
uptpunfte (pundo faliente‘) rege gemachet: fo
imt alles in Bewegung, das zarte Urbild ent»
kelt fi), und gedeyet nad) gerade zu einer {yes
keit, indem das Fluͤſſige zu deffen Nahrung ein»
gen wird, Gchüttelt man hingegen dag Ey
ber, und bringet dadurch die Theile in Unord«
19: fo kann feine Wärme mehr aus eben den
eilen etwas kebendig herausbringen. Aber
5 in
Siehe des Marcelli Malpighii Opera, die zu Lon-
don 1686. fal, herausgekommen; da er Tomo I. de
ove incubato, Tomo I]. de formatione pulliin eva
handelt.
112 IT Abh. Daß Menfchen und Thiere
Jugend und ein Alter gedenken? Es koͤmmt noch
dazu , daß diefe Ausflucht felbft wider alle Erfah |
tung iſt: indem Peine Eörperliche Kraft in dergame« -
jen Natur, fo weit menfchlidye Nachricht in die
vorigen Zeiten teichet, im geringften abgenommen ;
alles fich jego. in derfelben Art und Stärke reget
und fortpflanzet, wie fonft gefchehen if: Wenn
auch biefes moͤglich waͤre: fo würde die Welt, vom.
ervigen Jahrhunderten her, längft in ein wuͤſtes
Chaos, oder in einen traͤgen Klumpen verfal⸗
len ſeyn.
$ 7
Es iſt aber noch eine andere Ungereimtheit in
biefer Meynung, welche ic nicht mie Stillſchwei⸗
den übergehen Fann. lan hat nicht genug, der
Natur voriger Welt, wider alle Erfahrung und
Vernunft, eine jet veraltete Zeugungskraft anzu⸗
bichteni ; fondern eberi Diefelbe Zeugungskraft foll
auch ohne Regeln der Ordnung, blindlings, und
auf ein Ungefähr gemirfer haben. Eine bloße Bes
tegungsfraft , die ohne keben, ohne Verſtand und
Abſicht handele , die in ihrer wefentlichen Beſchaf⸗
fenheit keinen Grund der Ordnung und Webereins
fimmung eines thieriſchen Körpers enthält, fol
erft, Durch eine wüfte Gaͤhrung, milliöner mal uns
geftalte Misgeburten erzeuget haben, bis e8 einmal
burch einen ungefähren Zufammenfluß ber. Um
ftände gelungeri, daß ein gefundes, wohlgebildetes
Thier herausgefommen: welcher Fall, wie ſie mey⸗
- tien,, unter fo vielen unnüßeri Verbindungen , bie
- der ungefähre Zufall enthält, doch auch. eine
Möglich
1
habe, umd in fo vielen ta 2
“mal pe Wirthfet Sal fameka
em. 8.
Die $eute müffen ja wohl durchaus allem dem,
‚hlles woüfte und wilde in der Welt, als eine
Inbige Kraft, leiden firmen, und auch Das or⸗
n, erklaͤren.“ Die mehreften der Alten wa⸗
uch in dem Stuͤcke Plüger, daß fie noch einen
kan, der ſich Durch Die günge Natur erfktecet,
atem per rerum naturam intentem) zuließen,
die, welche eine Seele der Welt gefeßet, bie
: Körper in vielerley Geftalten verändere un
. de
metius V. 835. fgq.
la Mettrie Syſteme d’Epicure 6 4. Comment.
dire ia Nature für le fart? Elle we 3’y efl jamæis
alle. mime. Denuce de connoil]ance et de [enti-
ws, elle fait de la foye, comme le Bourgeois. Gen-
Ibomme fair de Ia Profe, fans le favoir: aujf
wagte: orsqn'elle denne la vie; qu’innocente lors»
x —* $ 18. Le Natuve —*
# a faire ' oeil pour voir, que l can pour fervir
—— la fimple Bergére. $ 19. Nya.s-H
u eu um Peintre, qui ne powvant repröfenter à ſon
rs un cheval icumant, rinfht adwirableisent, fit le
us deums en jettant de Atpit fon pinceanu
ı90ile ? le bazerd va fouvent plus loin que la pru-
mece. 6 24. Un errangemens fortuit les
Uses privileges g’un errangement fait expris avec
wis l’imdufirie pofible, a valn a cette commune mire
u bouneur gue meritent les fünles leix de meunb.
us. 6 '
—
4 II Abh. Daß Denfchen und Thiere
bilde, ſcheinen doch alle Wege ertraͤglicher zu ſey
Warum ſoll aber die erſte Kraft fuͤhl⸗ und leblt
unverſtaͤndig, blind, und ohne Regeln der O
nung ſeyn? da doch lebendige, empfindende u
verftändige Geſchoͤpfe, die mit einem Lünftli
gebauten $eibe begabet find, ja, da alle Ordnu
und Uebereinftimmung in der ganzen Welt, v
ihr erzeuget, auch bis jeßo noch erhalten worden‘
$ 8 "
Es haben ſich vernünftige Männer Mühe ı
geben , die Lingereimtheit folcher ungefähren €
zeugung der tbierifchen oder auch größeren Me
förper aus dem wilden Zufammenlaufe der Urſt
fen auf mathematifhe Weife zu beredinen; dav
der Schluß etwa diefer ift, daß der eine Fall eir
ordentlichen Zufammenfügung, der durch das U
gefaͤhr möglic) feyn fol, gegen die Vielheit dern
ordentlichen Zufammenfügungen, fid) wie ein u
endlich kleiner Theil (pars infinitefima) gegen ei
unendlich, große Zahl verhalte, und daher als g
nichts zuichten fen. ” Und diefes ift fo ferne;
reichend, ben Unverſtand zu zeigen, wenn eit
dennoch lieber einen blinden Zufall, als Weish
und Abficht, zur Urfache der Ordnung annimm
da jenes unendlich weniger möglich ift, als diefi
Es beweift vollfommen, daß wir, die wir We
heit und Abfichten zur Urſache der Ordnure
7 Eiche Herrn Samuel Sollmanns uͤberzeugend
Vortrag von Bott und der Schrift, C. I. Sect.
6 4. p. 106. fq.
nicht von der Welt entfprungen, 115
i, nur um ein einziges unendlich Fleines Theil»
(partem infinitelimam) von der allergrößten
ißheit, daß diefes wahr, und das Gegentheil
fen, entfernet find. BE
Bir feßen nämlidy als befanne voraus, daß
iem thierifchen Körper Millionen- Theile, ver-
ener Art, zu folcher Lebereinftimmung ge«
e find, welche aller Menſchen Erfindung,
. Verftand und Weisheit unendlich weit über-
, wenn fie aud) die Abficht gehabt hätten,
thierifchen Körper zu entwerfen und zu bilden.
es nun böchft ungereimt fen, dieſe Ueberein-
ung in einer folhen Menge von heilen
einem ungefähren Zufalle abzuleiten, das
uns ein befanntes Gedicht des Virgils,
is genannt, erfiaren. Es ijt zwar viel zu we⸗
wenn mir die Buchſtaben in Virgils Aeneis,
er Menge der förperlichen Theile eines Thies
und den Verftand, den ein virgiliiches Gedicht
fertigen erfordert, mit der Weisheit, welche
zildung eines thierifchen Körpers geböret, in
leityung ftellen. Alnterbeffen mag“ fürs erfte
in die Etelle des andern frefen, und wir
n eine Weile zuftehen, daß burch ein Unge⸗
in benden Fällen, unter unendlich vielen ver»
en Verbindungen der Buchftaben und Theile,
auch eine übereinftimmende möglich mare.
be: e8 nicht dennoch hoͤchſt ungereimt fenn,
. einer gefraget würde, wie das virgilifche
che entftanden wäre, daß er lieber einen un«
vn Wurf der Buchſtaben, als einen Ver⸗
, zur Urſache annahme? ch dachte, man
| H 2 wuͤrde
116 1965. Daß Menfchen und Thiere
“würde denjenigen , der das fagete, für unſinnig
halten, weil der einzige mögliche Fall in dem Unge⸗
fähr, gegen fo unendlid) viele unmögliche, von kei⸗
nem vernünftigen Menfchen in Betrachtung zu
ztehen, vielmeniger der anderen offenbaren und bey
nahe einzig nothwendigen Urſache vorzuzie
hen wäre.
Man rechnet, daß 24 Buchftaben über tau⸗
ſend Quinquilfionen mal verfeger werden fönnen,
Da nun die Aeneis ungefähr 363780 Buchftaben
enthält, fo find darinn die möglichen Verſetzungen,
gegen die Verfegungen von 24 Buchitaben, faft |
4
{
für unendlich wenig, und die einzige unter benfeß -
ben , welche fid) wirklich in der virgilifchen Aeneis
befindet, als eine pars infinitefima, oder ein unendlich
Fleiner Theil der unendlich vielen möglichen Wer
bindungen zu halten. Wenn man nun einen
Schriftfaften nahme, darinn eben diefelben, unb
eben fo viel Buchftaben, als in der Acneis vor
fommen, enthalten wären ; man fchüttete aber Diefe
Bucftaben in einen Sad durch einander, und
griffe fie blindlings nad) einander heraus: fo wäre
der einzige Fall, da die virgilifche Ordnung von
ungefähr durchaus getroffen werden follte, - gegen
die unendlich vielen, da es unmöglich wäre, gar
nicht in Betrachtung zu ziehen. Was ift aber die
Zahl von 363780 Buchſtaben gegen die Vielheit
der Theile im thierifchen Körper, und noch viels
mehr gegen die Vielheit der Theile in der gangen
Welt? Wie viel unendlicher ift Demnach ihre moͤg⸗
liche Verſetzung? Wie viel unmeglicher, Pe
— — — —
nn
nicht von der Welt entfprungen. 117
aß ein Ungefähr die einzig übereinftimmende Ord⸗
ung hervorbringen follce? *)
$ 9
Allein, ich halte Dafür, dag man fchon zu viel
inränmet, ob follte jemals eine Uebereinftimmung
a dem Mannichfaltigen durch ein Ungefähr moͤg⸗
ch feyn. Denn, wenn möglid) jo viel heißen foll,
ls was wirflich werden kann: fo geböret zwey⸗
lem Möglichkeit dazu, dafi etwas wirklich werde,
iche allein eine immere, fondern guch eine äuffere.
Ne innere Möglichkeit, daß namlid) etwas dem
Befen eines Dinges nicht widerfpriche, ift allein
icht genug, daß es wirflidy werde; fondern es
wß auch eine äuffere hinzufommen, die den völlis
en Grund der Wirflichfeit in fich halte.
Ich will es durch das Beyſpiel der virgili⸗
hen Aeneis erflären. Wenn in einem Schrift
aften nicht allein 363780 Buchftaben wären, ſon⸗
ern aud) ein jeder Buchſtab des Alphabets fo viel»
tal, als er in des Virgils Aeneis vorfömmt: fo
ätte es, vermöge der Buchſtaben, eine innere
Nöglichkeit, daß dieſes virgilifhe Gedicht ganz
H 3 damit
Cic. de Nat. Deor. II. 37. Mundum eſfici ornatis-
fimum es pulcerrimum ex corporum concurfione for-
suita: boc qui exiflimat fieri poruijf ‚ non intelligo,
car non iderm prtet, fi innumerabiles unius et vigintt
formæ litterarum, vel aureæ, vel quales lihet, aliqua
conficiantur, poſſe ex bis in terram excusfis annales
Ennii , ut deinceps le@ polfint, effici: quod nefcie
sonne in uno qudem verju poſſis santum valere
ortuna.
f
ng II Abh. Daß Menfchen und Thiere
damit gefeßet werben, und geſetzet ftehen bleiben
Fönnte. Die äuffere Möglichkeit aber müßte auch
hinzu fommen , nämlich ein verftändiger Setzer,
ber das Vermögen und den Willen hätte, folches zu
verrichten? wozu benn, vuſſer vielen andern Um⸗
ſtaͤnden, aud) gehörete, daß er feine Fehler im
Segen machete, oder, fo er welche gemachet, Dies
felben alfobald vwerbefferte.
Wenn hergegen entiweber bie innere ober bie
äuffere- Moͤglichkeit, oder gar alle beyde zugleich
fehlen: fo kann ich die Sache nicht möglich, ſon⸗
bern ich muß fie unmöglich nennen, in fo ferne fie
nicht zue Wirklichkeit kommen ann. Wenn alfe,
nach dem gegebenen Benfpiele, in dem Schriftka⸗
ſten ganze Buchftaben fehleten, oder von manchen
zu wenig, von andern zu viel waren, oder flaft
der Buchftaben viele Ziffern, Noten, Calenderzeis
chen, oder fonft etwas im Kaften läge: fo hättees-
feine innere Möglichfeit, die Aeneis damit auf
folche Art zu fesen. Oder, wenn zwar die Buche
ftaben ihre Richtigkeit hätten; es fehlete aber am
Setzer, oder deffen Vermögen, oder deſſen Willen,
oder an allen diefen: fo wird Feine auffere Möglich
‚Feit da feynz die Buchftaben werden nicht von felbft
aus dem Kaften fommen, und fich in die Ordnung
dahin ftellen.
Deuten wir biefes auf den gegebenen Tall: fo
fieht man wohl, daß ſich derfelbe in zmo Fragen
entwickelte: Einmal, ob es in Betrachtung des
Schlammes eine innere Möglichfeit babe, daß
daraus ein Thier werben Fönne ? Zweytens, ob eg,
in Betrachtung der Sonnenwaͤrme, und der dazu
fommens
nicht von der Welt entfprungen. 1rg
ommenden ungefähren Gaͤhrung, eine äuffere
Nöglichfeit habe, daß dadurch ein Thier aus dem
Schlamme entſtehe? Ich behaupte aber, daß kei—
es von beyden, weder innere noch aͤuſſere Moͤg—
chkeit, da ſey, daß jemals aus einem Schlamme
der ſauler Materie durch Waͤrme und Gaͤhrung
in Thier erwachſe.
$ 10.
Was die innere Möglichkeit betrifft, fo muͤßte
les, was zum Thiere gehöret, nicht allein das
seperliche, fendern auch, was mir zu feiner Seele
chnen, in Echlamme enthalten feyn. Sollen
lſo Fleiſch, Knochen, Knorbel, Sehnen, Haͤute
lauten, Haare, Federn, Blut, Galle und andere
zäfte, aus ciner Materie entftchen: fo müffen bie
erfchtedenen Beftandeheile derfelben ſchon alle in
er Materie vorhanden feyn; fonft werden fie aud)
immer Fönnen heraus gebracht werden. Nun
nehäft ja ein Schlamm und eine Erde nicht alle
Jeftandtheile eines ehierifchen Körpers, fo wie er
ud) den Thieren, bie daraus erwachfen ſeyn follen,
se Nahrung untauglich iſt.
Dazu find die wenigen Theilchen, welche etwa für
yierifhe Körper darinn ftecfen, durch mehrere
ndienliche von einander gefrennet, und an fid) in
einem geſchickten Verhältniffe; von dem einen zu
iel, von dem andern zu wenig, von manchem gar
ichts. Es ift ein Schriftfaften, morinn die mei⸗
en Buchſtaben gar fehlen, andere im Ueberflufle,
ndere, zu fparfam find, viele fremde Zeichen mit
nterlaufen. Gleichwie daraus die virgilifche
- H 4 Aeneis
i20 u Abh. Daß Menſchen und Thiere
- Aeneis zu ſetzen unmoͤglich ift: ſo iſt auch aus dem
Schlamme, natuͤrlicher Weiſe, einen thieriſchen
Körper heraus zu bringen, unmoͤglich. Und wo
ſtecken vollends in ſolchem Breye die Seelen, das
Leben, die Empfindungs⸗und Vorſtellungskraͤfte,
die eingepflanzeten Kuͤnſte und Fertigkeiten der
Thiere? das Gedaͤchtniß, der Witz und Verſtand,
die Einbildungskraft und die Vernunft und Frey⸗
heie der Menfchen?
\ s ım
Die äuffere Möglichfeie einer ſolchen Erzeu⸗
gung ift eben fo wenig in der Natur vorhanden,
Denn, wenn wir nach dem vorigen bebenfen, daß
die Beſtandtheile eines thierifchen Körpers, die
etwa im Schlamme ober in fauler Materie ſtecken
koͤnnen, theils viel zu mangelhaft und zu wenig,
theils zu überflüflig und zu viel, theilg mie gang
fremden vermifchet, theils in gänzlicher Unordnung
find : fo ift ja wohl offenbar, daß feine Wärme
oder Gaͤhrung vermögend fey, Theile des thieriſchen
Körpers, die in dem Schlamme fehlen, von hun⸗
dert entlegenen Orten in gemeffenem Verhaͤltniſſe
binein zu tragen; ober die überflüligen und frem«
den, welche die irdifchen und ſchwereſten find, hin
aus zu fihaffen; oder auch die dienlichiten Theilein
Ordnung und in die gehörige Stelle und Verbin
bung zu bringen ; vielmeniger ihnen $eben, Empfin⸗
dung, Vorſtellung, und andere höhere Kräfte, ober
gar Künfte und Sertigfeiten, einzuprägen,
Niemand wird fich ja fo gröblich irren, daß
er ſich auf die Ausbrütung der Ener durch bloße
Sonnen
nicht von der Welt entfprungen. 121
nen «ober Ofenwaͤrme beriefe. Denn dadurch
ye voraus gefeßet, als ob das Ey nur einen
en Klumpen roher Materie in fich hielte, und
würde fo fchließen: Wenn bie bloße Wärme
Enern einen Vogel, oder eine Schlange oder
ildkroͤte bildete, fo Fönne die Sonnenwaͤrme
aus einer andern rohen Materie wohl Die übri«
Thiere gebilder haben. Allein, das ift weit ge-
t. Ein jeder weis, daß das Weiße nebft dem
ter, und infonderbeit Die Cicatricula in dem
el des Eines, + fehen alles in ſich begreife,
zu dem Thiere und deffen Nahrung gebörer ;
nichts überflüffiges und unnuͤtzes Darunter fen,
daß jedes ſchon ſolche Ordnung und Sage habe,
der ganze Bau des „oͤrpers, nad) allen ver-
denen, auch den Fleineften Theilan, und nad)
"ünftlichen Stellung, welche es ineinem folchen
me haben muß, erfordert. Wenn denn eine
ABigte Wärme den Funken des Lebens in dem
ptpunfte (pundo faliente)) rege gemachet: fo
ne alles in Bewegung, Das zarte Urbild ent
fe fih, und gebenet nad) gerade zu einer Fe⸗
eit, indem das Fluͤſſige zu deffen Nahrung ein»
jen wird, Gchürtele man hingegen dag Ey
er, und bringet Dadurch die Theile in Unord⸗
3: fo Pann feine Wärme mehr aus eben ben
len etwas tebenbiges herausbringen, Aber
5 in
iehe des Marcelli Malpighii Opera, die gu Lon-
lon 1686. fal. herausgefommen ; da er Tomo I, de
ve incubato, Tomo I]. de formatione pulliin eva
andelt.
..s
ı22 IE Abh. Daß Menfchen und Thiere
in dem Schlamme verhältes fich ganz anders,
in einem fehon gebildeten Eye. Da find v
Theile nicht, welche da feyn follten; anderefind
welche nicht da feyn ſollten; alles aber ift in
größten Unordnung.
Es find alfo drey Verrichtungen, welche
Eonnenmwärme in einem Mifchmafche grober Th
zu leiften hätte. Cie müßte das Fehlende herb
das Leberflüffige wegfchaflen, und dann alles in
gesörige Ordnung fo vieler taufend ehierifchen 2
dungen bringen. Wie wollte aber dje Sonne I
Fehlende aus hundert entferneten Orken nad) ein
ziehen, da fie allenthalben gleich fcheine? Aber
fegt, wir wollten ihre Verrichtungen verminde
und annehmen, daß zumeilen alles, was zum t|
rifchen Körper gehoͤret, in einer Materie vorhan
ſeyn Eönnte, und Daß nur dag Unnüße meggefche
und Das übrige in Orbnung gebracht werden dir
Kann fie denn diefes beydes ausrichten? D
mas mweggefchafft werben müßte, wuͤrde hauptſe
lic) die irdifchen Theile betreffen; und bie find el
bie fihmereften , wuͤrden alfo bey einer Gährı
vielmehr die legten ſeyn, welche nachblieben. We
fich aber der Fall irgend gedenfen ließe: fo mü
es ben dem verfaulten Grafe, Heue, Frücht
Wurzeln, Holze und andern Dingen feyn, wor
gewiſſe Thiere ihre ganze Nahrung ziehen, und «
alle ihre Beftandtheile unterhalten und vermeht
So wird ja wohl einmal aug vermoderten Blaͤtt
eine Raupe, aus verfaultem Holze ein Holzwur
aus verdorbenen Müffen.ein Eichhorn, aus uͤl
ſchwemmten und verrottetem Graſe und Heue
San
nicht von ber Welt entfprungen 123
mm, ein Kalb, ein Reh, ober wenigftens Mitch,
utter und Käfe geworden fenn, oder werden koͤn⸗
n, wenn die Sonne fein warm darauf ſcheint?
ieſe Einbildungen find aber zu lächerlich , als
iß fie-einer ernfthaften Lnterfuchung oder Beant⸗
ortung werth wären.
G 12,
Ich will es endlich aufs Äufferfte nehmen, und
nen ganz einfachen Fall ſetzen, der zwar nicht ift,
ch fenn Fann, der aber doch wohl eben derjenige
,„ welchen man fidy gegenfeitig allein vorfteller,
me die obenangeregten Umſtaͤnde zu bedenken.
ch feße alfo, es foll nicht allein alles Möthige
m thierifchen Körper an einem Orte benfamnen,
ndern auch nichts überflüffig fenn; Die blofie Ord⸗
ang foll nur fehlen. Nun will ich einen alle
inde Bewegungsfräfte in der Welt, Waͤrme,
lährung, Schere, Ausdehnung, Anziehung,
schütteln, Ruͤtteln, was man will, einräumen,
iß man denen das Geſchaͤffte auftrage, daraus
nen ordentlichen Bau eines thierifchen Körpers
fammen zu fügen. Ich will einem fo viel Mil-
men vergeblicher Werfuche zu Gute halten, als er
erlanget. Dennoch, fage ich, fönnen diefe blinden
zewegungskraͤfte die Drdnung eines organifchen
zaues nicht ein einzigmal von ungefähr treffen.
Yer Beweis ftecfet Furz darinn, weil auch der Zufall
ch allemal nach Regeln richtet, und zwar nad) Res
ein, welche der Regel der Ordnung ſchnurſtracks
iderſprechen.
Ich
224 1 Abh. Daß Menſchen und Thiere
Ich will es deutlich machen. In dem Man
nichfaltigen haben beydes, die unordentlichen Ver⸗
bindungen, und die ordentlichen, eine innere Moͤg⸗
lichkeit; wie aus dem Schriftkaſten mit den Buch⸗
ftaben der Aeneis zu begreifen iſt. Aber gleiche
‚wie nur eine Linie zroifchen zweyen Puncten gerade,
bingegen unzählige krumme feyn fönnen : fo ift auch
die ordentliche und übereinftinnmende Verbindung
im Mannicyfaltigen nur einzig; bingegen find ber
unorbentlichen Verbindungen unzählige. Die um
ordentlichen ſind fich alle darinn ahnlich, daß fie
von der Uebereinftimmung abweichen; Die ordent⸗
liche Hingegen ift von allen übrigen darinn unters
fchieden, daß fie eine Uebereinftimmung in allen
und jeden Theilen beobachtet. Nun hat beydeg,
Ordnung und Unordnung, Mebereinflimmung unb
Abweichung von der Uebereinftimmung, feinen bes
fonbern Grund, feine Urfache und Kegel. Da aber
die Ordnung oder Webereinftimmung einzig if,
und fich von allen unzählbaren unordentlichen Wer
bindungen unterfcheiber : fo muß auch.die Regel,
wornach fich Die Orbnung richtet, und woraus fie
entſteht, einzig ſeyn, und fich von allen Regeln,
welche den Grund einer Unordnung in fich halten,
unterfcheiben. Jene muß von nichts als Ueberein⸗
flimmung Grund in fich halten: und daher kann
feine Uebereinſtimmung durch Regeln entfichen,
welche ben Grund einer Nichrübereinftimmung in
ſich halten ; fo wie nur dag einzige gerade Linial
die Kegel einer geraben Sinie ſeyn kann, aber fein
einziges von allen unzählbaren frummen Linialen,
von ungefähr, die Kegel einer geraden Linie zu wer⸗
den
nicht von der Welt entfprungen. 125
ben vermag. Der Zufall, oder das Ungefähr,
richtet fich nach Kegeln, welche alle darinn aͤhnlich
find, daß fie einen Grund der Unordnung oder Ab»
meichung von der Uebereinſtimmung in fich halten.
Die Abficht aber iftes allein, welche Die Kegel der
Drdnung und Uebereinftimmung in allen Stüden
giebt. Folglich kann der Zufall nimmer eine Ord⸗
nung oder Uebereinftimmung bes Mannichfaltigen
gebähren; ſondern dieſer einzige Fall aus allen
möglichen Verbindungen hat feine befondere von al⸗
lem Zufalle unterfchiedene Regel, melchen die Ab⸗
fiht giebt.
Wer das Benfpiel von dem Schriftfaften hier:
ben wiederholen will, der Fann ſich die Sache bald
lebhafter vorftellen. In ben 363780 Buchfiaben
der virgiliſchen Aeneis ſtecken unzählige mögliche
Berbindungen; aber eine einzige unter allen moͤg⸗
lichen ftimmet nur mit des Virgils Aeneis überein.
Die Regel, woraus diefe einzige einftimmige Vers
bindung entfpringt , kann feine von denen fenn,
weiche den Grund bes Unorönung und Abweichung
in ſich halten; fondern fie fließt allein aus der
Hegel und Abfihe, die Buchftaben in ver Ord⸗
nung und Abtheilung zu fegen, wie fie Die Woͤr⸗
ter und Verſe der virgilifchen Aeneis nad) einander
ausdrufen. Hingegen alle zufällige oder unge⸗
fähre Verbindungen richten ſich nady Segeln,
welche einen Grund der Unordnung und Nichtübers
einftimmung in fich halten. ine einzige Regel
des Zufalles kann uns ſtatt aller gelten: Alle
Buchftaben unter einander in einen Sad werfen,
und fleißig umfchürten, dann blindlings hinein
greifen,
126 11965. Daß Menfchen und Thiere
greifen, und bey jedem Griffe ben Buchftaben her⸗
aus nehmen, welcher zum erften unter die Finger
fömmt; er mag mit ben vorhergehenden koͤnnen
ausgefprodyen werden, oder nicht; er mag mit an⸗
bern ein übliches und bedeutendes Wort, oder einen
— —
leeren Ton geben; er mag ein lateiniſches, oder
ſremdes Wort, zuwege bringen; das Wort mag
mit andern einen Verſtand und Zuſammenhang
haben, oder ungereimt ſeyn; es mag der Proſodie
gemaͤß oder zuwider ſeyn; es mag mit dem Zwecke
uͤbereinſtimmen, oder dem entgegen laufen; Virgil
mag es gedacht haben, oder nicht. Da nun biefe
Megel der zufälligen Verbindung den Grund der
Unordnung und Nichtübereinftimmung in ſich hält;
und derjenigen, woraus die Uebereinftimmung ente
ftchen ann, gänzlich widerfpricht : fo kann ſie nim⸗
mer biejenige feyn, welche eine übereinftimmende
Ordnung erzeuget. Und wenn eine ganze Armee
viele Jahre mit blinden Griffen in den Schriftſack
zubrächte: fo bin ich daher feſt vetſichert, daß alle
ſolche Griffe in aller der Zeit fehl ſchlagen muͤſſen,
und keine einzige Reihe derſelben nur den erſten ver⸗
ſtaͤndlichen Satz der virgiliſchen Aeneis ununter⸗
brochen herausbringen wird.
So unmöglich nun, als dieſes ift: fo unmoͤg⸗
lich iſt es auch, daß durch eine blinde Bewegungs⸗
kraft in der Natur ein lebendig Thier, auch nur ein
Floh, ja nur ein Fuß vom Flohe, hervorgebracht
werde. Die kleinſten Thiere haben eben einen ſo
vollkommenen Koͤrper, als die großen, und beſte⸗
. ben aus eben fo mannichfaltigen Theilen,\ deren kei⸗
nes unfonft ift, fondern jedes fich zu jebem, un
nicht von der Welt entfprungen. 127
alle endlich zu einer gewiſſen Art des Lebens fchicken.
Wenn wir biefe Art des Lebens, dazu ein jedes
Thier in feinem Gefchlechte beftimmt ift, als die
Abſicht annehmen: fo giebt dieſelbe eine Kegel,
welche den Grund der Uebereinſtimmung in den
mannichfaltigen Theilen des Thieres in fich faſſet.
Hergegen mögen wir nad) Belieben eine oder meh⸗
rere blinde Kräfte der Bewegung in der Naturnche
men, Schwere, Ausdehnung, Anziehung, Wärme,
Gaͤhrung, und wie fie fonft Namen haben: ſo rich⸗
ten fie ſich alle nach Regeln, welche der Ueberein⸗
flimmung der mannichfaltigen Theile nothwendig fo
lange zumider laufen müffen, als fie dem Zufalle,
oder ungefähren Zufammenlaufe , überlaffen find,
und von feinem Verſtande nach. einer Abſicht
geleitet werden.
G 13.
Es erkennen auch wohl die meiften beutiges
Tages, daß fie mit dem ungejähren Zufammen.
fluſſe einer rohen Materie nicht fortfommen wer«
den, ba berfelbe fo offenbar gegen alle Erfahrung
und Vernunft ftreitet. Sie haben aber ftatt bef»
fen eine feinere und Fünftlichere Erfindung, welche
ich noch mit wenigem berühren muß. Sie feßen
Feine rohe Materie, woraus bie erften Thiere durch
ein Ungefähr entftanden wären; fondern Samen»
Ener aller Thiere, welche von Ewigkeit in der Welt
verſtreuet, und in welchen Die ganze Bildung der
Thiere fehon enthalten geweſen. Da hätte ſichs
einft fügen müffen, daß jedes jeßigen Thieres Sa-
meney von ungefähr an feine vechte Stelle gerathen
waͤre,
Bi
28 Th. Daß Menſchen und Thiere
wäre, wo es Wärme und Nahrungıgefunden, und
zu dem Wachsthume eines lebendigen Thieres gedie⸗
en ſey.
’ Allein auch diefe Künfteley will der Sache nicht
beſſer helfen. Wer hat fie befugt, Sameneyer,
worinn das gange Thier ſchon im Kleinen gebilder,
und fotrgfältig in dem Behältniffe einer Hilfe zum .
fammen geleget war, als ewig anzunehmen? Einb
mir dadurch von dem Urfprunge ber Thiere beffer
unterrichtet, daß wir fie ins Kleine bringen? Wo
find denn die Eyer her? Oder find fie an und ſu
fich felbft nothwendig, und feibftändig ? oder fonne
die Welt ohne diefe Ener nicht beftehen? Muß dieſe
Fünfifiche Zufammenfügung, dieſe Einwickelung im
Kleinen, nicht ja ſo wohl, als das Entſtehen der
Thiere ſelbſt im Großen, eine zureichende Urſache
haben? Und hätte man nicht noch mehreren Grund,
als bey großen Thieren, zu fragen, woher denn bie.
Urbilder der Thierchen fo weislich in eine ründliche
Figur zufammen gefaltet feyn, die fich doch hernach
in taufenderlen ganz andere Figuren mit hervorra⸗
genden Gliedmaßen entwickeln ? mer fie fo forgfäl-
tig mit einem in der Mitte enthaltenen Nahrungs
fafte verfehen, und alles in eine gruen. oder mehr
fache Huͤlſe eingepacket habe?
Allein, gefegt, wir wollen ſolche Sameneyer
ohne weitere Nachfrage annehmen: fo märe doch
nicht zu begreifen, was fie von Emigfeit, bis auf
die Zeit ihrer Geburt, vor dem Verderben und
der Fäulung geſchuͤtzet? Denn, da fie aus eben
der Art, und aus eben fo mandherlen Theilen, wie
Die Körper felbft im Großen, zuſammengeſetzet
waren:
—— — m
r Reit in ſich,
——
* A nen Has, imb’einerioch feinere
Konnte bie ——4— Lee durch ·
*
verfaulen? In welchem
— hat ſerner eine bequeme
hiere ſeyn konnen, da das geplatzte
iel ſchlagen, und durch feine Nabeikhnue
beung ziehen Eönnen? Wer hat die zarte Brut
ac) aus der Erde geholet ? Wer “ ihr die
beifehmu, abgebunden, oder. abgebiffen? wo war
Mutter, die dem ai —* Das vor Pr
ern X die Mil „oder dem erften
he nt ** aus dem Sropfe
ft zufchleppete ?
—* ae —E eiten könnten
Perle mehm: warum fommen, ſelt fo
eines mehr an einem Orte des
— —
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HEHE H
y338
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&
2
35
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28 1165. Daß-Menfchen und Thier:
wäre, wo es Wärme und Nahrungıgefunden,
zu en Wachsthume eines lebendigen Tpieres gı
en fey.
Allein auch diefe Kinfteley will ber Sacher
beffer Helfen. Wer hat fie befugt, Samene
worinn das ganze Thier ſchon im Kleinen gebil
und forgfältig in dem Behältniffe einer Huͤlſe
fammen geleget war, als ewig anzunehmen? €
wir dadurch von dem Urſprunge der Thiere be
unterrichtet, daß wir fie ins Kleine bringen? $
find denn die Eyer ber? Oder find fie an und
ſich ſelbſt nothwendig, und feibftändig ? oder for
die Welt ohne diefe Ener nicht beftehen? Mußd
kuͤnſiliche Jufammenfügung, diefe Einwickelung
Kleinen, nicht ja fo wohl, als das Entftehen
Thiere felbft im Großen, eine zureichende Urſe
haben ? Und hätte man nicht norh mehreren Gru
als bey großen Thieren, zu fragen, woher denn
Urbilder der Thierchen fo weislich in eine ruͤndli
Figur zufammen gefaltet feyn, die fich Doch hern
in tauſenderley ganz andere Figuren mit hervor
genden Gliedmaßen entwickeln ? wer fie fo forg|
tig mit einem in der Mitte enthaltenen Nahrun
fafte verfehen, und alles in eine ziwey- oder me
fache Hülfe eingepadet habe?
Allein, gefegt, wir wollen ſolche Samene
ohne weitere Nachfrage annehmen: fo wäre di
nicht zu begreifen, was fie von Ewigkeit, bis <
die Zeit ihrer Geburt, vor dem Verderben u
der Faͤulung geſchuͤtzet? Denn, da fie aus eb
der Art, und aus eben fo mandherlen Theilen, n
die Körper felbft im Großen, gufammengefe
wart
Zain Bi cn ng
Er hatten Sen ee weh.
u **
iner; die dem erſten Kinde, das vor allen
geweſen, die Milch gab; oder dem erften
die halb verdaute Spelfe aus dom Kropfe
Uben Schnabel ſchuttete, oder fonft zuſchleppete ?
ee wenn alle diefe Unmöglich Fönnten .
ichet werben: warum fommen, feit we
taufend And Jahren, feine herumflatternde Samen«
irgend eines Thieres mehr an einem Orte des
Köbesens zur Reife, noch ein folches auf bie Art
feugtes Thier zum Worfdheine? warum werben
Emm alle von eltern durch die ng in der
empfangen ri genähret ? Es iſt je
sehe jeben begreiflich und offenbar genug,
u diefe pe Eh oungdem Vorgeben nicht
‚Podest noch eümacur
B
IHN
.
130 n Abh Daß Menſchen und Thiere
Iı $S 14
Aus allem, mas je vorgeſtellet ift, Fann :
ein jeder beutlich fehen, daß der Urfprung der Mes
ſchen und üßrigen Thiere des Erdbodens auf Feine
Weife natürlich erfläret werben Pönne; und daß
alles, was zu foldhem Ende erbacht ift, aus grober
Unwiſſenheit der Alten gefloffen fen, wider ih
richtige Erfahrung und. Grundfäße ver Vermum
Taufe, und, zumal in neuerer Zeit, nicht mit da
geringften Waprfcheinlichfeit, fondern bloß au
eichtſinnigkeit, vertheidiget werden Bönne. Me -
ſich felbft auf diefe Srage, woher Menfchen mb
Thiere find, im Ernfte Genüge fhun will, der wirh
finden, daß er, nach vielen vergeblichen Ausfluͤch⸗
ten, bennoch genoͤthiget fen, feinen Abgore, die .
Welt, vom öberften Throne herunter zu feßen, md
den erſten Uefprung der entftandenen Lebendien -
hoͤher zu fügen. 2
Es erheflet denn befonbers aus obigen, daß ble
Erbe fälfhlih unfer aller. Mutter genannt werde; -
Eie ift nichts, als unfere Säugamme, und die
Senne unfere Pflegerinn, Nachdem wir erft von -
einer höheren Hand gebildet und auf die Erde geſej
get find: fo giebt diefe uns die nöthige Nahrung,
Mohnung und Kleidung, und die Sonne die es
forderliche Wärme; aber die Erde har die erften
Menfchen und Thiere nicht durch Beſchwaͤngerung
ber Sonye empfangen und geboren. 1
Es erhellet ferner, daß wir, in diefem erſun
Urfprunge der Menfchen und Thiere, auch das '
Ende, oder. vielmehr ben Anfang der Natuͤr uub
nicht von der Welt entſprungen. 131
natürlichen Urfachen abfehen. Denn die einzige
natürliche Urfache bes Entfichens ber Menfchen und
Thiere ift die Erzeugung von eltern; fonft iſt
feine in ber Welt. Wenn nun die Reihe der Vor⸗
ältern nicht ins Unendliche gehen kann: fo kann
auch die natürliche Erzeugung nicht ewig feyn. Wo
wir alfo das erite Paar Menfchen ober Thiere fegen,
da höret die Natur ober natürliche Kraft auf, eine
Urfache der Menfchen und Thiere zu ſeyn, und
aimmt felbft von einer höheren Urſache ihren
Anfang. Ä
Es erhellet weiter, daß eben baffelbe, was wie
von unferm Erdboden, und der Natur in dieſem
Theile der Welt, gefchloffen haben, von der ganzen
Natur und Welt, das ift, von allen großen Welt
fugeln, gelten müfle. Denn wenn in ben übrigen
Planeten um unfere Sonne, oder um andere Fir
fterne, gleichfalls lebendige, Einwohner find, wiezum
Theil die Alten ſchon gemuthmaßer, und alle Ber.
nünftige neuerer Zeit hoͤchſt wahrfcheinlich gehalten
haben: fo wird, nad) obigen Gründen, bort eben
fo, wie auf unfeem Erdboden, folgen, daß jebes
Gefchlecht einen Anfang gehabt haben müffe,, und
daß ihr erfter Urſprung bort eben fo wenig, wie
bier, von jedem Planeren, und deffen Sonne, ober
auch bender Natur, koͤnne abgeleitet werden. Das
ber wir denallgemeinen Schluß machen, dag nichts
$ebenbiges inder ganzen Welt und Natur urfprüng-
lich von der £örperlichen Welt und Natur entſtan⸗
ben fen. |
Weil denn dasjerrige nicht daserfte Weſen fenn
kann, von welchen nicht alle entftandene Dinge
20 ihren
2 u Abh. Daß Menfchen und Thiere J
ihren erſten Urſprung haben: ſo folget, daß die
ganze koͤrperlichz Welt und ganze Natur noch nicht
das erfte felbftändige, notwendige, ewige Weſen
ſeyn könne, fondern , fo wie die Jebendigen felbft,
yon einem andern wahrhaftig erften und felbftändis
gen Wefen enrftanden feyn miüffe. Und fo hat der
Menſch an fich felbft, und an andern $ebendigen,
ein untrüglich Merkmaal, wodurch er die Weltumb
Matur von dem Schöpfer aller Dinge unterfchels
den kann.
Ich will nur ben Zuſammenhang meiner Fol⸗
gerung mit furzem wiederholen. Ich ſchlieſſe fo:
Wenn Wenſchen und Thiere einen Anfan
ihrer Befchlechter gebabt haben ; md
doch nicht urfprünglich von der Welt und
ı deren Natur entftanden find: ſo iſt die
Welt und deren Natur nicht das erfle
ſelbſtaͤndige Weſen.
Denn dasjenige kann das erſte ſelbſtaͤndige Weſen
nicht ſeyn, welches den urſpruͤnglichen Grund ent⸗
ſtandener Dinge nicht in ſich haͤlt. (1Abh. C3.)
Nun baben alle Menſchen und Thiere eis
nen Anfang ihres Geſchlechtes gehabt;
weil alle die, welche vor uns gelebet, Feinen einzigen
ausgenommen , entftanden find, und alfo, vor al«
len eneftandenen, eine andere Urfache geweſen ſeyn
muß, die das erfte Paar jebes Gefchlechtes hervor⸗
gebracht hat: ($ 4- 5.) und, meil unendliche ges
wejene Reihen voriger Gebursen nicht vernünftig.
zu denken find, ($ 6—9.) auch alle Gefchichtevon
dem Anfange der Menfchen zeuget. ( Sto—16.)
nicht von der Welt entfprungen, 133
fie find aber doch urfprünglich niche von
der Welt oder deren Natur entſtanden.
Denn die Sonnenwärme brütet feine Thiere aus
dem Schlamme ober roher Materie durch Gaͤhrung;
Cl Abh. $ ı—6.) und ein blindes Ungefäßr kann
Peine fünftlich gebildete Körper erzeugen; ($ 7—ı2.)
aber ewige Samencyer aller Thiere finb eben fo
wenig zu feßen. (6 13.)
Demnach ift die Welt und deren Natur
nicht ‚das erſte felbftändige TDefen ; fons
dern ift, wie die Thiere felbft, von einem
wahrhaftig erſten jelbftändigen Weſen
hervorgebracht.
Die dritte Abhandlung.
Daß die koͤrperliche Welt an ſich leblos:
und daher Feiner innern Vollkommen:
eit fähig ſey: folglich auch nicht ſelbſtaͤn⸗
ig, ewig, nothwendig; fondern von eis
nem andern, um einesandern willen,
hervorgebracht ſeyn muͤſſe.
SL
We bisher von der Welt und deren Natur
aus dem erſten Urſprunge der Menſchen
und Thiere geſchloſſen iſt, das zeiget auch die Be⸗
trachtung der koͤrperlichen Welt und ihrer Natur
an und fuͤr ſich ſelbſt. Denn wenn wir die Leben⸗
digen von der koͤrperlichen Welt abſondern, wie
wir nach dem vorigen thun muͤſſen; und wenn die
J3. übrige
134 MAbh. Eine leblofe Welt
übrige Materie, unb deren Kraft nach ber Gegner
eigenen Meynung, ohne $eben, Empfindung und
Verſtand ift: fo bleibe nunmehre der leblofen koͤr⸗
perlichen Welt und ihrer Natur keine innere, eigene,
weſentliche Vollkommenheit mehr uͤbrig, "fondern
bloß eine äuffere: und ich ſchließe daraus, daß ihre
Wirklichkeit nicht durch ihr eigen Weſen, und noth⸗
wendig von Ewigkeit beſtimmet ſey; ſondern daß
ſie von einem andern, um eines andern, naͤmlich
um der Lebendigen willen, hervorgebracht fen.
Wenn man Diefen Schluß nur nach gemeiner
Pe}
Foren Vorſtellung der Begriffe betrachtet: fo fällt |
der Zuſammenhang fehon jedem in die Augen.
Denn, da ein jedes Ding feine weſentliche Vol.
kommenheit haben muß: fo iſt offenbar, daß bes
fonders dem felbftändigen,, nothmendigen, ewigen
Weſen die allergrößte Vollkommenheit eigenthüm-
lich gebühre Wenn diefes Feine eigene innere
Vollkommenheit hätte, fü koͤnnte es weder für ſich
ſelbſt beftehen, noch auch denen von ihm entſtande⸗
nen zufaͤlligen Dingen eine Vollkommenheit mit⸗
—5— Nun erkennet ein jeder, daß ohne Leben,
pfindung und Verſtand ſeyn, und handeln,
Beine innere Bollfommenpheit, fondern vielmehr eine
Unvollkommenheit zu nennen ſey. Kine todte,
fühllofe Materie, und blinde Natur, weis von fh
ſelbſt nicht, und fann Ihr eigen Dafeyn niche ges
nießen noch empfinden, fondern es ift für fie einer
ley, ob fie ift ober nicht ift, ob fie ſo oder anbers
if. Wie fann man fich denn bod) ein ewiges
Ding vorftellen, bas feiner Wirklichkeit von Ewig⸗
kei her nicht froh geworden, noch in alle erden
werden
- una Voßicht hervorgebe.· eyn. gs
verben wird ?. Wie kann man es als nothwendig
edenfen, ba esfein ſelbſt wegen auch nicht da feyn,
ber anders geartet fern möchte? Wie kann es
Ibftändig fern, da in ihm ſelbſt nichts ift, das
ime Wirklichkeit erfordert oder beftimmet? So
ann es ja denn auch nicht von ſich felbft, ober um
in-felöft willen da fepn;. ſondern wenn es iſt fo
iuß es von einem andern, um eines andern willen,
welche ?
daß ich. berechtiget fen, Die.duperliche Welt,
die lebendigen Thiere, an und für fich zu bes
Yachten; und daß ich. diefe Förperliche Welt nicht
je Sxumb. als ebles annehme. j .
Daß man bie Fürperliche Melt, an und für
5 ofme Die lebenbigen Thiere „zu beteochten ber
inbig ans dem vorigen Merseife,. Denn ob zwar
Is Sebenbigen in ber Melt find, fo find fie bach
he a an geweſen, noch urfprünglich vom
R- *
36 Ul Abh. Eine leblofe Welt
würden. Warum koͤnnte nit die Erde, nebſt
bem Saturnus, Jupiter, Mars, Venus, Mer
Purius, ohne alle lebendige Einwohner, da feym,
und eben fo gut um bie Sonne herum treilen;
Sommer und Winter, Tag und Nacht, Negen
und Dürre, Bluhmen und Früchtehaben, wie jet,
ba fie mit Lebendigen befeget find? Wir tragen je
alle nichts zu ſolchen großen Veränderungen bey;
Die Planeten erhalten Durch unfer Leben feine mehr
rere Bewegungskraft, ımb verlieren auch mit dem⸗
felben nichts von, ihrer Schwere: gleichwie herge⸗
gen auch die Kräfte und Veränderungen unfer ter
ben nicht nothwendig in fich faſſen. Wir find fe
wenig ein wefentlic Stück oder Theil der Förperks
chen Welt, als ber Einwohner von einem Hauſe iſt,
ob wir ung gleich in dem einen ſowohl, als dee. an⸗
dern, befinden. Was hinderts alfo, daß man
nicht die Welt fo gut, als etwa ein Haus, ohne
ihre Einwohner betrachtet? Oder verlanget man
ein DBenfpiel, das noch mehrere Aehnlichfeit hakı
fo mag man meinethalben den Erdboden mit einem
Käfe und die lebendigen Einwohner mit ben Maben
vergleichen. Sollte man nicht befugt feyn , den
Kaͤſe an und für fi) ohne Maden zu betrachten,
ja folches zu thun gemüßiget feyn, wenn man die
Natur und Beſchaffenheit des Käfes nach der
Mahrheit fennen will? Warum nicht auch bie
Erde, und die übrigen Weltförper, die uns
eben fo wenig, als der Käfe die Maben,
erzeuget haben, ob mir uns gleich darauf
nähren ?
$ 3
muß aus Abficht Hervorgebr. fenn. 137
$ 3
Daß ich aber, zweytens, bie großen Weltför.
er, und die ganze übrige Natur, an und für ſich,
ls leblos, unempfindlich, und ohne Verſtand an,
ehme; folches gefchiehe nach den eigenen Sehrfäßen
erer, mit welchen ich hier fpreche. Daher brauche
z in fo ferne feines Beweifes,
Zwar habe ich oben ſchon gefaget, daß viel:
er Alten in der Pörperlichen Welt, ftatt Gottes,
nen Verſtand oder vernünftige Seele angenom⸗
sen haben, welche mit der Welt, als ihrem Koͤr⸗
er, wefentlich verbunden wäre, und ihre Kraft
urch die ganze Natur 'erfiredfete, und alfo die
Belt belebete, und mit Einficht ordnete. Ich
abe audy ſchon angezeiger , daß unfere neucren
Jantheiften alle Beränderungen in der Welt , nach
Acher Mennung, weit erträglicher und vernünffis
er erflaren würden. Ich füge nur noch hinzu,
aß fie es, nach ihren eigenen Srundfägen, unges
indert hun koͤnnten. Denn ob fie wohl nichts,
[8 lauter Materie, in der Welt leiden wollen :
fieben fie doch) zu, dafı auch die Materie, zumal
ı einem organifchen Körper , leben, empfinden
nb denfen koͤnne; weil die Menſchen ſich naͤmlich
eſſen in ihrem Koͤrper bewußt find, Es firitte
lſo mit ihren eigenen Lehrſaͤtzen nicht, daß auch eine
urchdringende Kraft ben ganzen Körper der Wilt
elebete und mit Berftande regierete. Allein, es
heint, daß fie ohne alle Urjache, und wider allen
Iugenfchein, durchaus allen Verſtand, alle Vers
unft, alle Abfiche und Weisheit, es fey in ober
35 auſſer
138 "DI Abh. Eine lebloſe Welt
auſſer der Welt, wollen verbannet wiſſen, und ee
unvernünftige Freude barinn fudyen, alles. lieber.
fühllofen, dummen Kräften ciner todten Materie, "
und mithin ſich felbft einem blinden Schickfale, ober
ungefäbren Zufalle zu übergeben.
- Was aber bie Frage feibft betriffe: ob, auf
fee den lebendigen Thieren, alle übrige Marerieder
Weltkoͤrper —* fuͤhllos ſey: ſo weis ich wohl,
baß einige, ohne alle böfe Abſicht, Gott mit dee
Welt zu vermengen , auſſer Sort eine allgemeine |
Weltfeele angenommen , ober fich auch bie großen
Weltkoͤrper, als eben ſo viel beſeelte, und vielleicht
verſtaͤndige Thiere vorgeſtellet heben, darauf wis
Peine Thiere, wie die Läufe auf eines Menſchen
Kopfe, herum wanderten. Allein, ich ea | |
nicht den geringften Grund ober Wahrfchei
Die Weltfeele, welche, neben dem höchften Wein,
als eine natürliche Urfache der Begebenheiten in
ber Welt angenommen wird, erfläret boch nichts:
und ift, fo wie andere dergleichen Erfindungen,
(von einem Archzo, Narura plaftica, Princigio. .
hylarchico, Ideis formatricibus &c.) eine verhar-·
gene Beſchaffenheit, Cqualitas occulta) bag 3
ein leerer Ton, und eine bloße np
eit. Bon den großen Weltförpern aber
r, daß fie nichts mit benen, die wir Me | |
nen, gemein haben , ba fie nicht geboren werben,
noch) ihr Gefchlecht vermehren; nicht Nahrung ge
‚nießen, noch wachfen; n Werkzeuge ber Sinne,
noch Glieder zur Handlung befigen. Aber das iſ
ber Mennung hauptfächlich zuwider, daß hier Feine
willkuͤhrliche Vewegung erſcheint, welche man von
9
Pı Mobil, beweget
Ich will. * en daß wir Men
Eingeweide mil
ee
E dem tiefften Boden der See heraustreiben.
is bi (lem dem nicht das
—— * en willig
denegung.
| Andere haben fieber den Fleineren Theile ber
Materie, infonderheit allen und jeden Pflanzen,
ber wohl gar allen Fleineften Urſtoffen, ein beſon⸗
res Sehen zufchreiben rollen. Und anfangs
aöchte einem diefer Einfall groß und edel dinfen,
Heil Daducch das eben vervielfältiget, die ganze
Natur befebet, und defto vollfommener zu werben
heint. Alein, wie mir uns in unferm eigenen
örper nur eines einzigen Wefens bemufie find,
Achem Sehen, Empfindung, Denken und Wollen eis
emelich und alleine zufömmt; alle übrige Theile
— aber, für fh, feine innere den
write aufchreiben : fo jun pi fih_Tolhes
vo vinhoniger von ange nd ande Farm
140 IM Abh. Eine leblofe Welt‘
‘oder Uerftoffen fagen. Die Erfahrung entbe
uns nicht die geringfte Spur davon; fondern w
auch für Veränderungen in ſolcher Materie, fel
mit dem euer, erwecket werben , fo zeiget fie |
babey fühllos und gleichgültig. Wollte aber jema
eine jebe rege Kraft der Materie und ber Körp
wenn fie gleich unempfinblich ift, ein Leben heiße
fo würden wir nur vonder Bedeutung des Wort
nicht aber von ber Sache, verſchiedene Meynung
haben. Das eigentliche geben erfordert wenigſte
eine Empfindung. Wenn aber die Materie gie
unempfindlich und leblos ift, fo ift fie Dennoch ni
umfonft, noch ohne Mugen: und demnach iſt
Vollkommenheit, welche man ſich in dem $eben |
ganzen Natur und aller ihrer Fleinften Theile v
ftellet, eben fomohl eine ungegrünbete Einbildu
als wenn man bie vollfommenfte Weltvon lauten
Golde und von Edelgefteinen haben wollte.
.$ 4
Man bat alfo nicht die geringfte Urfache,
große Förperliche Welt, an und für ſich felbft, ol
die Thiere betrachtet, für was anders, als e
leblofe Materie anzufehen, bie bloß gewille Ber
gungsfräfte hat, welche in diefer Eintheilung u
Zufammenfügung, nach ihren wefentlichen Rege
alle in der Förperlichen Welt erfcheinende Veraͤn
rungen bervorbringen, Wer fiehe aber nicht, &
bierinn afles, und auch nichts meiter fliege, ı
was man in einer jeden Mafchine wahrnimm
Man darf nur eine Uhr zum “Benfpiele nehm
Denn die befteht auch aus einer leblofen Mateı
wel
m ae Ste fon. 141
welche in gewiſſe Theile — MR; de eine
Verknüpfung mit elnander haben, Die benegende
Kraft er — en bes Bleylorhs)- bringer
sen a and nen oe Ser vn
inderun er
—* * Die fördertiche
ed ne m, eine große Mo.
Melrkörper, Sormen und
find gi Sprit und Rãader dieſer Du
wer Stellung der Pläneten, gegen
r] ‚giebt die Art der Zufanım
änderung in Diefen zufammengefügeten
Teilen gefehieht durch gewiſſe emegumge keit,
nach —— der Bewegung, geht
alfo alles, was in der Förperlichen Welt geſchieht,
peter es kann und muß a den
He
Hi
und ihren Regen,
‚bei ber —S Ten, vide
ig eflästt werben.
diefer großen Mafchine der firperlichen
R
22
1
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3
Hr
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fe‘ —e—
nes andern, nämlich der tebendigen
AT
—*
—
—
a) Eins; 3) die
142 TI Abh. Eine lebloſe Welt
Mannichfaltigen mie dem Einen. Diefe Ueben
ftimmung befteht aber darinn, daß jedes von |
Dielen feinen zureichehben Grund in dem €
bat, warum es da iſt, und warum es von der
fchaffenheit ift. Folglich wird in aller Wolt
menheit Eins gefeßet, welches die Beſtimmung
Dofenns und ber Befchaffenheie von bem vi
enthält, und worauf ſich das Viele bezieht.
Man Bann fih aber dreyerley Art von V
kommenheit gedenken : eine Metaphyſiſche,
Phyſiſche, und eine Moralifhe, Nach dem ı
taphyfifchen Begriffe ift ein jedes Ding, was
nur gedenken läßt und eine innere tee
vollfommen. Denn da ift das Weſen, ober
erfte innere Möglichkeit, dasjenige Eins, mel
den zureichenden Grund der Möglichkeit alles in
gen enthält, und wodurch alles: Uebrige beftin
wird, daß es da feyn und nicht anders feyn ke
Die Eigenfchaften des Dinges und die Möglid
der zufälligen Abänberungen , find alfo das X
oder Mannichfaltige, welches mit dem einen W
übereinflimmen muß, mofern das gefeßte Ding
wahres Ding ſeyn, und nicht durch den im
Widerſoruch ein Unding oder Nichts werden
So nimmt der Mathematicus in den Figu
3. B. eines Dreyecks, einen erften ‘Begriff von I
fich fchließenden kinien an, und beftimmet dabı
alle nothwendige Eigenfchaften und zufällige n
liche Arten des Dreyecks. Aber von foldyer m
phyſiſchen Vollkommenheit ift hier nicht die R
in Abficht auf die Förperliche Welt, welche in 1
metaphyſiſchen Verſtande vollkommen feyn Fön
w
biefe
it haftet doch ur in ber Mafchine
ſelbſt an fich betrachtet, fondern in dem Werkmei ·
Ben denfenden und freyen Wefen aber, als
wir Menfchen ſind, hat eine. Uebereinftimmung
aller willführlichen Handlungen mit einem äufter«
Zwecke / welchen uns die Natur felbft zum Ziee
— Statt: und die Seele wird alsdenn innerlich
Denken, in den Neigungen und Fertig ·
Ki — kluͤger, weiſer, liebreicher, tu⸗
ter, zufriedener.
Br Frage.iit alfo bey einer an ſich lebloſen
Welt bloß von der pbof ifchen Vollkommenheit.
Durch phyſiſche Vollkommenheit verſteht man die
Uebereinjtimmung des wirklichen Daſeyns, gewiſ ⸗
fer Naturfräfte und natürlicher Beſchaff enheiten
mit einem äufferfien ober legten Ziele. : Dee Des
5
EFFR
alſo das Mannichſaltige 1) in den wirkli.
—— — ‚gleichen
Simon bey ben Körpern mancherley
äfte,;
144 11.965, Eine tebfofe Welt |
— nach, manchetley Degen fer |
¶n ben den Serlen moncherleyn Wotftelli
3
gu nehraen, welche ihren eigenthuͤmlichen
8 Werfteflung —— ER
auch Aufferliche Beſchaffenheiten in
— wenn bie Naturkraͤfte ohne dieſelbe
der itfemtek gelangen koͤnnen.
— fi man Indien Mannicfeihgen
" man nun an
he Wollfonmenfeit, ober eine ürbe
et man 1) aus mancherley möglichen Kraͤfrch
—— gewiſſe beſtimmte als wirküch
vebet. ja nicht von einer Meat
porn mit einem gewiſſen Etwas 52**
. muß aus Abficht hervorgebt. ſeyn. 15
bftradkeen Vollkommenheit, fondern von ber .
ben, die in wirklichen und wirkſamen Kr +4
„und nichts; kann eher wirkfam feyn, als es _
h ich da if, ordner —
Hiernaͤchſt ‚man 2) auf ein gewiſſes li
der Kräfte, welches den Grund der u
en Uebereinftimmung aller Natur«
ee ffenheiten in fich hält.
denn alle —— ſte beſtehen in einem Betz
Bemühen, etwas geriffes nach
— und Er ar zur Wirklich»
alles Bemühen hat ein gemife . ' -
5 Ziel der: De rate, ohne welches gar Feine
xaſte, nad) deren Uebereinftimmung mit Etwas,
i. gar Feine phyſiſche Volll ommenheit zu gedens
milt. Denn es wäre ein Widerfpruch: ein Bes
Üben zur Wirklichmachung von Etwas gewiſſem fer
m, und doch nichts ſetzen, wohin das Bemuͤhen
elete. Dieß Ziel muß alſo beftimmend fern, daß
ie Daraus die phofifche ech verftänd«
& , unb zureichenben Mrund geben koͤnnen,
arum fo wohl das ganze Dafeyn, als Bike gewiffen
iqturkraͤfte mic ihren geroiffen Regeln der Wirfe
spleit, und. — natürlichen Beſchaffenheiten,
RR aber feine, mit dem Ziele uͤbereinſtimmen.
—* —— ——
Zei der weil das ſich nicht allein
Id Sen br hal, Dem en
Finbung, Bewußtfeyn und nüpfet 1%
nern auch von blinden Kräften, bie ohne Em⸗
Fedung, Bewußtſeyn und Abficht handeln, fon
u Denn der Magen Fi die Gehärme bemũ· :
hen
"146. TI Abh. Eine lebloſe Welt
hen fih, ohne unfer Wiffen und Denken, Speifen
und Getränfe zu verdauen. Das Herz mie ſeinen
Arterien bemüher ſich, das Geblüt in einen Kreise
lauf zu bringen, ohne daß wir ung bey Tage ode;
bey Nacht darum befümmern: und bende 7
verrichten das Ihrige in geſunden Koͤrpern, ohne
ſich ſelbſt ein Gefühl von ihrer Verrichtung zu hat
ben. Dennoch eignet man ihnen billig eine ppof®,
ſche Vollkommenheit zu, fo fernefie ihr Ziel erreb.
chen: Die großen Weltfärper find im fteten abck
blinden und bloß mechanifchen Bemuͤhen, ſich uc
ihre Are und um die Sonne zu drehen, und dab
den Wechfel von Tag und Nacht und von „rel
Ssahreszeiten zu Wege zu bringen: und die UebeE
einjtimmung mit biefem Ziele erfläret die phyf
Bolltommenheit des Weltſyſtems. Ich fege „EMI
auch billig ein äufferftes ober le&tes Ziel zum allg
meinen Mittelpunkteder phnfifchen Volllommenh⸗⸗
des Ganzen. Denn aus mittleren Zielen der na WE
lichen Bemühungen, läßt fi) wohl die UebereE- —
ftimmung einiger Theile oder einiger Kräfte use
Beichaffenbeiten , nicht aber aller Theile, Kröp i
und Befchaffenheiten erflären. Der Bau dest
Magens und der Gebärme mit ihrer Verdauung
kraft, fönnten mit ihrem befondern Ziele der We M
bauung übereinftimmen‘, und ber ganze Men
Ffönnte doch in andern Theilen, Kräften und Bu
ſchaffenheiten eine Unvollfommenheit an ſich habere⸗
die ihm Gefundheit und Leben raubete, wenn 5.
das Herz mit einem Polypo, das Auge mit eines”
ſchwarzen Staare behafter wäre,
muß aus Abficht Serdongebr. Rn. um i
U al wird denn auch begreiflidh fern, was fir .
es Bosse und Kuffeen bey b arg
Tommenheit für ein Unterfahied fey. Wenn nam ·
das äufferfie oder letzte Ziel aller natürlichen
| feit und Befchaffenheit, woraus bie Wi
Volltommenheit des ganzen Dinges erki⸗
enden Fann, in dem Dinge felbft ift: fo nenne ich
Es eine innere Bollfommenheit der Natur. Iſi
Ziel aber, womit alle natürliche Kräfte mb‘ .
ffenheiten eines Dinges übereinflimmen,
Er u A fondern . Ermas ae
t ge zu x fo nenne ich es
oder relative Bollfommenheit., Die Beyſpieie
dee inneren phyſiſchen Vollkommenheit fehen wie
an ung felbft und an allen Thieren, in denen
Himmen alle Naturfräfte und natürliche Beſchaf⸗
heiten mit jedes eigener Art des Sehens und. der
Blückfeligkeit überein : fie haben das Aufferfte oder
eßte Ziel aller natürlichen Bemühungen, wodurch
die Uebereinftimmung ihres Dafeyns und Ihrer Bes
Saffenheiten, und alfo ihre phnfifche Vollkommen ·
deit verftändlich exfläret werden kann, in ſich felbft;
find ſich ſelbſt vollfommen, und haben einen Ge«
Auß ihres Dafeyns und ihrer Beſchaffenheit. Was
Dingegen eine. äuffere und relative Wollfommenpeit
Rp, das läßt ſich fürs erfte durch die Beyſpiele unfes
ve „Maſchinen und aller Werke ber
Banft erläutern. Denn alle diefe Dinge find zwar
eher Volllommenheit fähig; aber bloß einer aͤuſ⸗
fern und refatigen. Das legte Ziel, womit alle
He Wirk ſamkeit und Defhaffenheit übereinftime--
Wet, und weswegen man fie vollfommen nennet, iſt
. j #3 nicht
148 I Abh. Eine lebloſe Welt
“nicht in ihnen felbft, fondern in dem Nußen ı
Vergnügen der Menfchen. Das gilt von ein
Zirkel, Quadranten, Mifroffop und Tubo, ı
einer Uhr, Mühle, Orgel, von einem Hai
Spiegei, Bilde, und was man fich fonft zum Beyfp
voritellen will. Alle ihre .Bollfommenheit bezi
fi) auf den menſchlichen Gebrauch, zur Werl
ſerung ihres Erfenntnijfes, zur Nothwendigk
Bequemlid;feit uud Ergoͤtzung des menſchlic
tebens.. Ich bitte aber zu merken: Die Vollke
menheit aller diefer Werfzeuge und Mafchi
wird hier nicht darum äufferlid; genannt, weil
Urfache ihrer Vollkommenheit der Werfmeif
auffer ihnen iſt; fondern weil das legte Ziel, ı
mit alle ihre Wirffamfeit und Beſchaffenheit üf
einftimmet, auffer ihnen ift. Und fo ferne fie dx
nicht als Werfe der menfchlichen Kunft, fond
nad) der Uebereinftimmung mic einem feßren Zi
betrachtet werden: fo läßt ſich eben Daffelbe von I
Körpern oder Werfen der Natur fagen, daß
. bloß eine äuffere Vollkommenheit haben, we
das Ic&te Ziel der Ucbereinftimmung ihrer wir
chen Kräfte und Befchaffenheiten nicht in ihr
ſelbſt, fondern auffer ihnen ift, oder feyn kann
$ 5.
Laſſet ung denn die Förperliche Ichlofe Welt ,
und für jich felbit, nach ihrem inneren Wefen, nı
ihren Naturkraͤften und natürlichen Beſchaffenheit
ohne Beziehung auf die Lebendigen anfehen: ob
dann darinn eine innere Vollkommenheit mögl
fey. Es erhellet ſogleich aus dem gefeßten Der
muß aus Abficht Serbongebt, N. 149
Ein bloß Förperlich Teblofes Ding kann, mern es
wirklich iſt, fein eigen Dafeyn, feine natürlichen
— und natürlichen Defdjafenpeiten gar
,) nicht empfinden, Denn wenn wir ihm eine Em⸗
young —— wollten: fo wuͤr ·
—— ——— ein Ei —
mas ji feget wär,
daß es leblos ſey. Mun muß es einem Dinge, das
gar Feine Empfindung von feinem eigenen Dafenn,
md von feiner eigenen Natur und natürlichen Be: .
—— bat vder haben kann vermoͤge ſeines
Weſens und feiner Natur ſchlechter⸗
— einerfen feym, ob es wirklich iſt oder nicht if,
ob es von Geftern oder von Ewigkeit gewvefen, ob es
Morgen aufhören wird, zu ſeyn, oder in Ewigkeit
forebauren wird: es ift ihm an fich, vermöge feines
Weſens und feiner Natur einerley, ob es wirkſam
eder unwirkſam ift, ob es diefe oder jerie Bewer
gungsfraft hat, ob es ſich oft- oder weſtwaͤrts, in
geraden oder krummen $inien, geſchwind oder lange
fam beweget. Es ift ihm an fich, vermöge feines
Wefens und feiner Natur, einerlen, ob cs’ diefe ober
jene Figir an ſich trägt, ob feine Theile in einer
Debnung ſtehen, ober alle unorbentlich ift, ob fie
unter einander eine Proportion und ein Verhaͤltniß ha ·
ben, odet fe und monftrds find: es iſt ihm
is riey, ob aus feinen Kräften und
Beſcha einftimmige ober wider einander
flreitende Wirkungen erfolgen. Daraus folgetdenn
ffenbar , daß in eines leblofen Dinges eigenem
Weſen, Natur imd natürlichen Befchaffenpeit, an '
vond für ſich ſelbſt, a Velinmender 17 doch
ſeyo
so II AH. Eine lebloſe Welt.
feyn kann, welches den Grund in fich bielte, warum
es vielmehr iſt, als nicht iſt, warum es viel.nehe
Dieje als jene Kräfte und Beſchaffenheiten hat,
ı warum fich feine Wirffamfeit nach diefen oder jenen
Kegeln richtet, dieſe oder jene Veränderungen her⸗
vorbringet. Wo aber ineinem Dinge an ſich nichts
beftimmenbes ift, da kann auch das legte Ziel ſei⸗
ner Uebereinftimmung nicht in ihm felbft feyn, da |
bet feine innere phnfifche Vollkommenheit Statt.
ie £örperliche lebloſe Wele ift alfo an fich ſelbſt,
vermöge ihres eigenen Weſens, Natur und Bes
fchaffenheit, ohne Beziehung auf die Lebendigen,
feiner eigenthuͤmlichen inneren und phufifchen Voll⸗
kommenheit fähig. 2.
- 7 Um biefes völlig aus einander zu fegen, muß
ich noch einer Verwirrung abhelfen, welche Die ſtun⸗
liche Vorſtellung und Einbildungsfraft anzuricheen
pflegt. Man bemerfet in den leblofen Dingen ges
wiſſe Befchaffenheiten, die auf unfere Sinne einen
angenehmen Eindruck machen, und uns Luſt erwe⸗
den; nämlich, weil der Eindruck, nad) dem Urtheile
unferer Empfindung, mit dem Tone unferer Nerven
uͤbereinſtimmet. Mun find wir gewohnt , burch
unfere Vorftellung alles, was in ung gefchieht, auffer
ung zu feßen. Daher legen wir den Dingen auffer
uns dasjenige bey, mas Doch eigentlich nur unfere
Empfindung iſt. Wir fagen, die Luft iſt warm, ber
‚Zuder ſchmecket füR, die Blume riecht balfamifch,
die Violine Elinge lieblich, die Farbe fieht ſchoͤn aus,
Da doc die Empfindungen des Gefühle, Ges
ſchmacks, Geruchs, Gehörs und Gefichts in uns
allein find, und den leblofen Dingen auffer ung
B . nichts
* —
“. . »
na ahſuht pernorgeßesfepn. 150
«weiter. beygeleget ,
Veen in et ta, ET:
Iräfte mb —— Mir fer
np die füße ſtimmung mie unfern
g ’
ehnlichfeit in verfhledenen Dingen, die —
xd.ober auf einander folgen, welche wir Ordnung,
roportion und Sarmonie nennen. , Das find al
3 Befchaffenbeiten, die uns Menfchen nach ber
neren Empfindung gefallen: theils weil fie die
öftliche Vollkommenheit des Werkmeiſters, des
dahlers, des Bildhauers, des Baumeiſters, des
smponilten und Muſici, oder fo man will, bes
jerfmeifters der Natur, ausdrüden; theils, weil
‚auch unſern Geift, durch die confufe Vorſtellu F
fer Befchaffenheiten, zu einer Uebereinſtimm
ner Verrichtungen bilden und gewöhnen, und
8 folglich, der Seele nach, vollfommener ma-
m, Solche innere Empfindung der geiftigen
oßfommenheit , die uns. durch finnliche Dinge
ſegetheilet wird, beffert dann unfern Geſchmack
e. Seele. Wir würden aber fehr irren, wenn
» dieſe geiftige Vollkommenheit, durch unfere
orſtellung, den koeper ve lebloſen Dingen ee
N
s
152 | II A6h. Eine lebloſe Welt
fich zueigneten. Das wäre noch eine- größe
- wirrung,, als wenn wir die Annehmlichkeii
Widerlichkeit unferer finnlihen Empfindın
die förperlichen Dinge felbft Hinein ftellen,
Luft warm, das Feuer Heiß, den Käfe fal;
Wermuth bitter nennen, Wie die Leber
mung mit unfern Nerven nicht in ben Ding:
iſt, welche die Wirkung auf unfere Nerven ı
fo ift nor vielmeniger die Webereinftimmi
unferer inneren geiftigen Empfindung der S
den leblofen Eörperlichen Dingen an fich zu
Die Verfchiedenheit und Mifhung von
und Figuren, die Abmechfelung des Schall
Aehnlichfeit in der Ordnung und Propor
Theile, ift freplich in den Dingen felbft.
wird das leugnen? Aber dasjenige, womit d
ſchaffenheiten übereinftimmen, ift nicht in de
fen Eörperlihen Dingen felbft,, fondern in
geiftigen Empfindung; es ift alfo für fie l
nere, fonbern eine äuffere Vollkommenheit.
die Dinge felbft ift jede Farbe, Mifchun:
nung, Proportion und Wechfel von Töne
ley: alles beziehe fichauf ein verftänbiges A
Ohr, und auf den Verftand des Werkn
der es für lebendige eingerichtet hat. : Ar
alle diefe Beſchaffenheiten, in DBetrachtur
äufferen Vollkommenheit noch relativ. De
iſt für bie Schweine eine wohlriechende un!
fhmedende Nahrung ; für uns keineswegt
fo verhält es fi) mit den Farben, bem €
Geruche und Gefühle verfchiedener Thiere.
Krummpolzift fürden Schiffbau vollfomme:
= eier. han 13
ee geradefte ſchönſte Balken. in concentrifch
—— Genie aan, Ale Kl
1 regulären,
ae —* Proportionen Fra \
— —
wo ſie r
= wäre — einen Biber oder ds ein
—— Selbſt die ® lutem
und, ——— —— en,
en
Irper an ,
ar die See bmndet._ Dem wm
die ern und im berfelben Fra
tümen, und bloße liche Mafchinen daraus
nacheten: fo räumten wir das Ziel von allem Bes
üben folcher Mafchinen weg: Folglich waͤre auch
wider Natur des Körpers, als Körpers,-nichts,
oemit alles übereinftimmen koͤnnte. Die Körper
—— ſind bloß dadurch vollfommen, daß
Werkzeuge find, welche mir der Nar
5 ‚oder dem Bemühen jeder Seele , nad) ihrer
lrt des $ebens, übereinftinmen. Sobald man eine
emiffe Art Seelen und Art des tebens feget: fo
ird — ee ihr ar ihre Aus
en, ren, il jagen, u. ſ. w. müffe bes
haften ſeyn — rer und für ung
— Figuren und are find ihnen in
Eiemente-und- für die Art ihres Sebens, eben
* —— ae fr der Eine
Bewegung ſchicken ig e Art des
us. Beiandern aber, a antin ie. Eimat
- „r
154 NE Abh. Eine lebloſe We
und ihr Lebensart: foift berfelbe Körper m
nen Werkzeugen unvollkommen. Wie vi
Finnen mir Körpern und Maſchinen, I
ganz und gar leblos find, eine innere
und eigenthuͤmliche Vollkommenheit bey!
Setzet alfo Firfterne, Planeten,
Sicht, Luft, Erde, Pflanzen, Gold, Sil
gefteine; feget Sehroͤhren, Vergroͤßeru
N ıiadranten, Zirfel, Geigen‘, Flöten
Uhren, Mühlen, Sprügen,, Pumpen,
wouet: aller diefer leblofen Dinge Bol
heit beiteht Bloß in dem äußerlichen N
Vergnügen, melche fie ben $ebendig:
Wenn ich dieſen Mugen oder diefes Vera
$ebendigen aufhebe: fo bleibt in den gt
kleinen Weltförpern, in den Mafchinen ın
zeugen‘ der Menfchen felbft nichts übri
alles ibereinftimmete. Sonne und Firfl
zwar die Quellen des Lichtes und der Wär
fie find fich felbft nicht helle oder warm.
neten haben Tag und Nacht, Somner u
ter; aber ihnen felbft ift aller Zuſtand
Die Pflanzen, die Bluhmen zeigen ung eine
Bildung, Proportion und Ordnung dei
aber biefe ihnen felbft gleichgültige Befd
ten machen ihre eigene und innere |
menbeit noch nicht auß, indem fie berfelben,
als ihres fehönen Geruches, Geſchmackes
beren Nutzens, felbit genießen. So fpi
ber Baufanffonfche Mann nicht feinen eig
ren; die Sehröhre und Vergrößerungsg
hen ihrem eigenen Geſichte nichts fichtbar
miß aus Ubficht hervorgebt. ſeyn. 155
ım Uhren ſchlagen und weiſen ſich ſelbſt die Zeit
chez fie find alle nur ‚für Menſchenohren, Augen,
\b Berjtand voll£onmen, und mis diefem äufferen
rer met alles in — in Brig
‚gebenfen, woı
nme.
Mangel der inneren Vollkommenheit
&.bie Seblofigkeit einer jeden Materie und :
nötömendig in fich. Denn das Sebiofe
miehe feiner eigenen Wirklichkeit auf feine Weiſe,
eder Bewußt·
als ob fie nicht wäre: es. iſt (pm an und
kefich gleich und einerley, ob es da ift, oberniche
Hab. #8 fo. oder. anders befchaffen ift : folglich iſt in
ner eigenen Natur und in feinem Weſen nichts, wo⸗
ech feine Wirklichkeit vielmehr, als das Nicht»
ton, gefeget würde; auch nichts, wornach viel.
tehe Diefe Art der Wirklichkeit, als eine andere,
eflimmer werben möchte. Daraus iſi denn aud)
ſenbar, daß in einem leblofen Dinge ſelbſt nichts
Wgebenfen fen, momit alles, was in ihm iſt,
bereinftimmen Fönnte, das ilt, daß es feiner in,
ren. Vollkommenheit fähig fey. Es würde für
Ber unvollfoımmener werden, wen es gar aufs
zu fen, ober wenn es lauter übel zufam» °
—— Beſchaſſenheiten haͤtte. Ja, wenn
eu wäre, daß, ein lebloſes Ding, als ein
auf einen Augenblick fich bewußt wer
könnte; wuͤrde es nicht felbft fagen: Was Hilfe
—* 306.6 hli tan Jahre, je
156 TI Abh. Eine lebloſe Melt
von Ewigkeit, gewefen? Ich bin ja mir nicht
weſen; meinetbalben möchte ich auch in afle I
tige Ewigkeit nicht ſeyn, wenn ich nichts vor
wiſſen fol. Was ift mir auch daran gelegen,
ich fo, und nicht anders bin ? alle fchänen D
auffer mir find doch für ſich nichts beſſer de
wie ich.
Die ganze Förperlihe Welt ift, als leblos
ſich ſelbſt, nichts vollkommener, als ein S
korn, oder als ein müftes Chaos. Sie hat;
allerdings eine uͤberaus große Vollkommen
aber ber Punkt ihrer Uebereinſtimmung if ı
in der leblofen Materie felbft, und findet aid
nicht Start. Wir koͤnnen das nicht beffer er
nen, als wenn mir ihr die Lebendigen insgefas
wegnehmen, übrigens aber ihr alle innere. Ein
tung laffen: fo muß fich zeigen, was fie für 9
kommenheit behalte.
Es foll demnach alles in der Welt fo Biel
wie es jeßt if. Die Sonne, der Mond,
Sterne gehen ordentlich auf und unter; es
Tag und Nacht, Frühling, Sommer, Herbft
Winter ; es mechfeln Regen und Sonnenfü
Waͤrme und Kälte, Wind und Stille mit eb
der ab; alles Gras, Kraut, Bluhmen, Pflas
Bäume, Fruͤchte, wachſen noch reicher, wie
Aber in der ungeheuren Maſchine iſt fein &
welches das fieht, betrachtet, forſchet; fein M
der die Früchte genieße oder braucher; kein
gel, der zriefchern, Fein Ohr, dem gefungen ı
den fann. Dom Elephanten bis zum Mäuse
vom Wallfifche bis zum Gründlinge, von dem
maß &bfiht berdergehe. on. 157
h bis ur Miete, vom Contur bis yumı Colibeit,
= —— nn Me u
verbannet: alles, bis zu ben
* — Mile, tobt, ofne
md Beeftond, ‚opne Luſt,
————
korperlichen, fuͤhlloſen, und nunmehro
en Welt? wo dasjenige, womit
die Abtheilung in fo viele große —
Meltfärper, womit ber orbentliche Lauf
', ber Wechfel von Tagen, Fahren und
, die? Sruchtbarkeit der Erbe, alles gewaltige
gen und Bewegen der Natur übereinftimmer ?
oju alles diefes Bemuͤhen fo viele taufenb Fahre
Durch: ja von Ewigkeit zu Ewigkeit? Wer -ift
ee Natur? wen arbeitet fie? was
t ſie
Es ware ja für fie einerley, ob fü fü je wäre oder
Des ob fie. in große Kugeln vertpeiler, oder ob
s ein roher vermifchter Klumpen waͤre; oballes -
Be Sichte ſtrahlete, oder in eroiger Finfterniß
Wraben läge; ob fie eine Bewegungskraft hätte,
walles rubig und flille an einem Orte bliebe;
Die Dlaneren ihre Bahn und Zeit hielten, oder,
1; Dutch den offenen Himmel ins Wilde ge»
würden, und alles durch einander wuhlete
$ tobete; 0b. die Planeten mit Pflanzen, Baͤu⸗
Rund Kräutern bebeter wären, oder als nadete,
fie Felsbrocken um einen Mittelpunkt tolleten.
wate nichts in der Förperlichen Welt, fo ferne.
iſt, womit entweder das eine uͤbereinſtim ·
‚mete,
158. TI Abh. Eine lchlofe Welt -
mefe, unb dem es zu Gute fäme, ober be
andere zuwider wäre und ſchadete. Denn bie
Welt und Natur fühler, weis und genieße
Dafenns oder ihrer Befchaffenheie felbft nic
wenn es möglich wäre, daß fie fich auf eine:
genblick bewußt werden koͤnnte, fo würde fie
geftehen, daß es ihr ganz einerlen fey, ob ur
lange fie vorher gewefen, ober ins Künftig
würde, und was in ihr geſchehen ſey, ode
ferner geſchehen werde.
5 6.
Es iſt demnach offenbar, daß in der koͤ
chen lebloſen Welt an ſich ſelbſt, vermoͤge
Natur und ihres Weſens, nichts iſt, noch ſeyn
welches ihr Seyn vielmehr, als ihr Nichtſeyn, ur
Beſchaffenheit mehr, als die andere, beftim
mithin ift auch von ihr feine innere Volikon
heit oder Uebereinſtimmung alles deſſen, n
ihr iſt, mit einem gemeinſchaftlichen inneren
telpunkte zu gedenken. Wenn aber der Gru
rer Wirklichkeit, Eigenſchaften und Vollkon
heiten nicht in ihr ſelbſt iſt, ſo kann ſie aut
erſte ſelbſtaͤndige Weſen nicht ſeyn; fondern €
get im Gegentheil, daß der Grund ihrer Wi
keit, Eigenfchaften und Vollkommenheit auß
naͤmlich in dem erſten, ſelbſtaͤndigen Weſen
ſuchen ſey. Die Welt iſt alſo von einem ſell
digen Weſen, als einer wirkenden Urſache
ihr, zur Wirklichkeit gebracht, sera, ode
vorgebrache worden,
7 J
ape Auſcht beworgehe. fe 1:9
Dieſe Schoͤpfung, oder dieſen Anfang der
elt, beſtaͤtiget auch ihre Dauer und ſortwaͤhrende
id — in einer beſtaͤndigen Folge von
fa und Begebenheit beiteht.
rg von Veränderungen eine Zeit
rn ift folglich auch die Wirklicykeit der
‚Zeit nicht zu gedenken: und ihre ganze
er, ober das Alter = Welt, ift mit der ee
jolg Begebenheiten einerley: eins iſt
n gleich, eins mißt das andere aus.
Weil nun offenbar daß noch immer Begeben ·
heiten in der Welt "zue Wirklichkeit fommen, die
nicht wirklich waren, und. daß ein Zafeund
undert dem andern folget: ſo werden ja den
iten in der Welt, die ſchon wirklich
Waren, oc) immer mehrere hinzugeſetet. Nun
If. dasjenige, dem fich noch immer mas hinzuſehen
lößt, nicht unendlich, und Fann eben darum, weil
«ins Unendliche vermehret werden kann, nimmer
unendlich werden, fondern ift und bleibt immer
mblich. ‚Demnach; find die Begebenheiten in der
t, Und die Felge derfelben, mithin auch die
it ihrer Wirklichkeit, nicht unendlich, konnen auch
Fr unendlich werden, wenn fie gleich. ins Une
' enbliche fortwähren, fondern find und bleiben alle
wege endlich, Wir dürfen auch nur die Zeit der
Wirklichkeit der Welt als eine Zahl gedenken, die
aus einzelnen Jahren oder Jahrhunderten nach
einander befteht: fo wird klar ſeyn, daß fie end»,
Kid) feyn ober „Schranken haben müffe, meil eine
jede Zahl vermehret werden Fann, und die verflofe
fenen wirklichen Jahre nicht einmalins Unendlich
13
so TH Ah. Eine lebloſe Welt.
| ſeyn kann, welches ben Grund in fihhielte, warum
es vielmehr ift,.als nicht ift , warum es viel.nehe
Dieje als jene Kräfte und Befchaffenheiten ‚hat,
warum fich feine Wirkſamkeit nach) diefen oder jenen
Kegeln richtet, biefe oder jene Veränderungen her⸗
vorbringet. Wo aber ineinem Dinge an ſich nichts
beftimmendes ift, da kann auch das legte Ziel ſei⸗
ner Webereinftimmung nicht in ihm felbft ſeyn, da
bat feine innere phnfifhe Vollkommenheit Statt.
Die Eörperliche leblofe Welt ift alfo an fich feld,
vermöge ihres eigenen Welens, Natur und Bes
fchaffenheit, ohne Beziehung auf die Lebendigen,
feiner eigenthuͤmlichen inneren und phufifchen Wolke
kommenheit fähig.
- 7 Um diefes völlig aus einander zu fegen, muß
ich noch einer Verwirrung abhelfen, welche die fin,
liche Borftellung und Einbildungsfraft anzurichten
pflegt. Man bemerfet in den leblofen Dingen ges
wiſſe Beſchaffenheiten, die auf unfere Sinne einen
angenehmen Eindrud machen, und uns Luſt erwe⸗
den; nämlich, weil ber Eindrud‘, nad) dern Ürtheile
unferer Empfindung, mit dem Tone unferer Nerven
übereinftimme. Mun find wir gewohnt , durch
unfere Vorftellung alles, was in ung gefchiebe, auffer
ung zu feßen. ‘Daher legen wir den Dingen auffer
uns dasjenige bey, was Doch eigentlich nur unfere
Empfindung if. Wir fagen, die Luft ift warm, ber
Zuder ſchmecket füh, die Blume riecht balfamifch,
bie Violine klingt lieblich, die Farbe ſieht ſchoͤn aus.
Da doch die Empfindungen des Gefühle, Ges
ſchmacks, Geruchs, Gehoͤrs und Gefichts in uns
allein find, und den ‚leblofen Dingen auffer ung
nichts
Sbfühe heworhebe ſeyn. 252
hhes welter. werden kann, als daß fe
we W i dv
—— * — an u ie 6 Wir fer
a alſo bie füße Uebereinſtimmung mit unfern
en, und bie Vollkommenheit, welche in uns
ei den Eindruck finnlicher Dinge emößehe, ‚bie
R,.weldhe von uns erapfunben wird, in bie äuffe:
———— Pe. md legen har amashe,
B ühocn wiche zukoͤmmt noch Ir formen fan?
Wie en und — ei
** in —* Dingen, die gleich
b ober auf einander folgen, welche wir Ordnung,
oportion und Sarmonie nennen. . Das find als
Belchaffenheiten, die uns Menfchen nach der
eren Empfindung gefallen: theils weil fie bie
ſtliche Vollkommenheit des Werkmeifters, bes
ahlers, des Bildhauers, des Baumeifters, des
mponiften und Mufici, ober fo man will, bes
erfmeilters der Natur, ausdrüden; theils, weil
auch unfern Geift, durch die confufe nn
fee Beichaffenheiten, zu einer Webereinftimn
we Werrichtungen bilden und gemöhnen, und
3 ‚ Plalih; der Seele nach, vollfommener ma-
‚Solche innere Empfindung der geiftigen
Mommenheit „ bie ung. burch finnliche Dinge
— wird, beſſert dann unſern Geſchmack
Seele. Bir würden aber fehr irren, wenn
: diefe geiftige Vollkommenheit, durch unfere
efteilung ‚ben Pirna leblofen Dingen 4
\
152 II Abh. Cine lebloſe Weit
ſich zueigneten. Das wäre noch eine. größer
wirrung, als wenn wir die Annehmlichkeit
Widerlichkeit unferer finnlichen Empfinden
die förperlichen Dinge felbft hinein ftellen, ı
Luft warm, das Feuer heiß, den Käfe falz
Wermuth bitter nennen, Wie die Ueber:
mung mit unfern Nerven nicht: in den Ding:
iſt, welche Die Wirkung auf. unfere Nerven n
fo ift noch vielmeniger bie Webereinftimmu
unferer inneren geiftigen Empfindung der S
den leblofen förperlichen Dingen an ſich zu
Die Verfchiedenheit und Miſchung von
und Figuren, die Abmwechfelung des Schall
Aehnlichkeie in der Ordnung und Propor!
Theile, ift freylich in den Dingen felbft.
wird das leugnen? Aber dasjenige, womit di
fchaffenheiten übereinftinnmen, ift nicht in de
fen koͤrperlichen Dingen ſelbſt, fondern in
geiftigen Empfindung; es ift alfo für fie k
nere, fondern eine äuffere Vollkommenheit.
die Dinge felbft ift jede Farbe, Mifchuns
nung, Proportion und Wechfel von Töne
(ey : alles bezieht ſich auf ein verfländiges A
Ohr, und auf den Verftand des Werfn
der es für lebendige eingerichtee hat. : Au
alle diefe Beſchaffenheiten, in Betrachtun
äufferen Vollkommenheit noch relativ. De
iſt für die Schweine eine wohlriechende unl
fhmedende Nahrung ; für uns feineswege
fo verhält es ficdh mit den Farben, dem €
Geruche und Gefühle verfchiedener Thiere.
Krummpolzift fürden Schiffbau volllomme
ebadener
mw, als die ı ichen regulären. Alle Sirden,
4 und Proportionen koͤnnen
——— —— 7—
mo fie. ſich ſchicken.
Be Dale rn eo Zadar
Ihh will noch noch meh ſag & bftdie Ve —
| en: Se 0
henbeit, welche wir den Körpern der Lebendigen,
mb allen ihren Theilen und Befchaffenheiten beyle⸗
jen, iſt nicht im Körper an und für ſich,
Die Seele betrachtet. Denn mern wir Dem
"bie Seele und mit berfelben die Empfindung
‚und bloße Fünftliche Mafchinen daraus
» fordumten wir das Ziel von allem Ber
nüen folcher Mafchinen weg: Folglich wäre ah
Mder Natur des Körpers, als Körpers, nichts,
bomit alles übereinftimmen Fönnte, Die Körper
ee $ebendigen find bloß dadurch vollkommen, daß
ie bequeme Werkzeuge find, welche mit der Nas
ur ober — Bemühen jeder Seele, nach ihrer
Irtdes Bene übereinftimmen. Sobald maneine
Seelen und Art des tebens feger: fo
u dadurch beſtimmet, tie ihr Körper, ihre Aus
jen, 2 Ohren, ihr Magen, u. f. w. müffe bes
feyn. Die wunderbarften und für ung
Figuren und Proportionen find ihren in
em ran und für die Art ihres Sebens, eben
— ei —
ig e Art des
übene. Werinbent. 9 de Os en ihr Emm
{8 5 .
il
J
154 DIN. Eine Teblofe Welt
und ihr Sebensart : foift derfelbe Körper mit ai
nen Werfzeugen’'unvolllommen. Wie viel n
Finnen wir Körpern und Maſchinen, die
ganz und gar leblos find, eine innere, a
und eigenthämliche Vollkommenheit beylegen
Setzet alfo Firfterne, Planeten, Co
Licht, Luft, Erde, Pflanzen, Gold, Silber,
geſteine; feget Sehröhren, Vergroͤßerungs
N ıadranten, Zirfel, eigen, Flöten, $
Uhren, Mühlen, Sprüßen , Pumpen, mw
wouet: aller diefer lebloſen Dinge Vollko
heit beſteht Bloß in dem äußerlichen Nutze
Vergnügen, melche fie den Lebendigen
Wenn ich dieſen Nutzen oder diefes Vergnuͤ
$ebendigen aufbebe: fo bleibe in den große
Fieinen Weltförpern, in den Mafchinen und !
zeugen’ ber Menfchen felbft nichts übrig, ı
alles übereinftimmere. Sonne und Sirftern
zwar die Quellen des Lichtes und der Wärme
fie find fich felbft nicht helle oder warm, Di
neten haben Tag und Nacht, Somnier und
ter; aber ihnen felbft ift aller Zuſtand eir
Die Pflanzen, die Bluhmen zeigen ung eine gef
Bildung, Proportion und Ordnung der T
aber diefe ihnen felbft gleichgültige Beſchaff
ten machen ihre eigene und innere Vol
menheit noch nicht aus, indem fie derfelben, fo ı
als ihres fehönen Geruches, Geſchmackes un
beren Nutzens, felbit genießen. So fpielet
der Baufanffonfche Mann nicht feinen eigenen
ren; die Sehröhre und Vergrößerungsgläfe
chen ihrem eigenen Befichte nichts fichtbar; d
muß Sbficht Derdocgehe. "fg. 255
nur
nd Verſtand — —* mis Diem duffren
Nele ftimmet alles in denfelben überein; in ihnen
Ir ne zu gebenfen, womit alles übereine,
—— der inneren MBollfomniwenheie
„bie Seblofigkeit einer jeden Materie und :
‚mothmendig in fich. Denn bas tehisfe
ft feiner eigenen — auf keine Weiſe,
durch Empfindung, Vorſtelung, Bewußt.
—— —
eblofe Bine alfo ſelbſt ift feine
‚gut, als ob fie nicht wäre: ——
glech und einerley, ob es da iſt, oder nicht
De 23 fo oder anders beſchaffen iſt: folglich iſt in
—— nen Natur und in feinem Weſen nichts, wo⸗
e Wirklichkeit vielmehr, als das Nicht»
en, — würde; auch nichts, wornach viel.
mehr Diefe Art dev Wirklichkeit, als eine andere,
eſtimmet werden moͤchte. Daraus iſt denn auch
Mienbar, daß in einem lebloſen Dinge felbft nichts
gebenfen fe, womit alles, mas in ihm ift,
Ibereinftimmen. Eönnte, bas if, daß es feiner ins
ren. Vollkommenheit fähig ſey. Es würde fir
ich nicht unvollfommener werden, wenn esgar aufs
Iörete, ſeyn, ober wenn es lauter übel zufam» '
nenftimmende Befcyafenheiten Di Ja, wenn
S möglich wäre, daß, ein lebloſes Ding, als ein
Banbforn, auf einen Augenblick ſich bewußt were
en Eönnte; wuͤrde es mr ſelbſt fogen: Was Hilfe
we: das, doß ich ſo. viel taufend Jahre, 3
u
6%
16. m Ash. "Eine lo wu
von Erigfel, geweſen? Ich bin ja mir le
weſen ; meinethalben möchte ich auch-in ale?
tige Ewigkeit nicht ſeyn, wenn ich niches j
wiſſen fol. War ift mit aukh baran fen
ich fo, -und nicht anders bin 3 alle en
ee. find doch für ſich ‚ıiches be
ganze förperliche Welt if,’ alt
PERF a nichts volfoninterier, 42
korn, oder als ein wuͤſtes Chaos. Se R
- allerdings eine üseraus große Vollken
aber der. Punfe ihrer- if uno Mnöie
in der feblofen Materie felbft, und
niche Start. Wir Finnen das nicht |
nen, als wenn wir ihr die Sibendigen im 9
wegnehmen, uͤbrigens aber ihr alle innere =
tung laffen: fo muß fich zeigen, was pet X
kommenheit behalte. u 9
Es ſoll demnach alles in ber Welt v Su
wie es jezt iſt. Die Sonne, ber DR
Sterne geben orbentlich uf unb id mt |
Tag und Nacht, Frühling, Sommer,
Winter; es mechfeln Regen und Gonne
Waͤrme und Kälte, Wind und Stille **
der ab; alles Gras, Kraut, Bluhmen, %
Bäume, Früchte, wachſen noch reicher, w
Aber in ber ungeheuren Maſchine NA ten
welches das fieht, betrachtet, ferien ; fein ’ *
der die Früchte genießt ober brauchet; keia⸗
gel, der zwitſchern, kein Ohr, dem geſun
den kann. Vom Elephanten bis zum. —*
dom Woſitebe zum Gruͤndlinge, von dent
2.
2
1
7 J.
Lu)
— vom Contur bis zum Colbu
d der allerkleinſten Fliege, iR, aus ber.
elt verbanner+ alles, alles, bi6-u den dußierften
Ps; hg if öde, Mille, tobt, one
d erfand,
En und Glidfeligeit, a,
nd nme frdene
| , fen, und nunmehr
vom bi} basjenige, womit
die Abtheilung in fo viele große lichte
je, Weltfärper, momit der ordentliche sauf
ber Wechfel von Tagen, and und
die Fruchtbarkeit der Erde, alles gewaltige
und Bewegen der Natur Übereinftimmer ?
En dieſes Bemühen fo viele tanfenb m Sabre
ounchz ja von Ewigkeit zu Eroigkeit? Wem -ift
Welt, die Natur? wen arbeitet fie? was
affet fie?
Es wäre ja für fie einerley, ob fie märe oder
it; ob ſie in grofie Rugeln vertheilet, oder ob
8 ein royervermifchter Klumpen wäre ; ob alles
(hellen Sicht ſtrahlete, oder in ewiger Finfterniß
Idraben läge; ob fie. eine Bewegungekraft hätte,
er alles ruhig und flille an einem Orte bliebe;
(Die Dlaneren ihre Bahn und Zeit hielten, oder,
Bälle, dutch den offenen. himmel ins Wilde ger
leubert wurden, ind alles durch einander wuhlete
Ebete ob. die Planeten mit Pflanzen, Baͤu⸗
Mund Rränternbebecer wären, oder als nadete,
ifte Felsbrocken um einen Mittelpunkt rolleten.
Eimäre nichts in der Förperlichen Welt, fo ferne.
leblos if, womit entweder das eine übereinitim-
mete,
15%. TE Abh. Eine lebloſe Welt --
mete, und dem es zu Gute kaͤme, oder dem dat:
andere zumider wäre und fchadete. Denn Die gann
Welt und Natur fühle, weis und genieße ir!
Dafenng oder ihrer Befchaffenheit feibft nicht und
wenn es möglich wäre, daß fie fich auf einen dB.
genblid bewußt terben koͤnnte, fo wuͤrde fie
geftehen, daß es ihr ganz einerley fey, ob und
lange fie vorher gewefen, oder ins Künftige fen:
wärde, unb was in ihr geſchehen ſey, oder *
ferner gefchehen werde, :
| Ss 6. j .
Es ift demnach offenbar, daß in der Erpeil;
chen leblofen Welt an fich felbft , vermöge ihrer,
- Natur undihres Wefens, nichts ift, noch feyn fang, .
welches ihr Senn vielmehr, als ihr Nichtſeyn, und ein
Beſchaffenheit mehr, als die andere, beſtimmete;
mithin ift auch von ihr feine innere Vollfommen«
heit oder Webereinftimmung alles beffen, was in
ihr ift, mit einem gemeinfchaftlihen inneren Mie⸗
telpunfte zu gebenfen. Wenn aber der Grund ff
rer Wirklichkeit, Eigenſchaften und Vollkommen⸗
beiten nicht in ihr ſelbſt iſt, fo kann fie auch daB
erfte felbftändige Wefen nicht feyn; fondern es fol⸗
get im Gegentheil, daß der Grund ihrer Wirklich,
feit, Eigenfchaften und Vollkommenheit außer iße,
nämlic) in dem erften, feibftänbigen Welen, zu
fuchen fen. Die Welt ift alfo von einem felbftäns
bigen Wefen, als einer mirfenden Urfache außer
ihr, zur Wirklichkeit gebracht, sera, oder her⸗
vorgebrache worden.
Diefe
man aoſtht heworgete. fen. 129
—— Schoͤpfung oder dieſen Anfang der
get auch Üre Dauer und fortwährende
welche in un Degree Daft -
ande und ebenheit .
Pin von Veränderungen eine Zeig
ift folglich auch die Wirklichkeit dee
B een niche zu gedenfen; und ihre ganze
auer, er Welt, ift mit
m Solge Begebenheiten einerley: eins
im. andern gleich , —— das ‚andere ans.
Beil nun offenbar ik, daß noch immer Begeben ⸗
täten in der Welt zur Wirklichkeit fommen, die
veher nicht wirklich waren,. und. daß ein Jahrund
undert dem andern folget: fo werden ja den.
übeiten in der. Welt, die ſchon wirklich
katen, noch immer mehrere binzugefeget. Nun
Edasjenige, dem ſich noch immer mas hinzufegen
t, nicht unendlich, und Fann eben darum, weil
ins Unendliche vermehret werben fann, nimmer
henblich werden, fondern ift und bleibt immer
=
Wlich. -. Demnach find die Begebenheiten in der
Belt und die Folge derfelben, mithin auch die
ihrer Wirklichkeit, nicht unendlich, konnen auch -
mer unendlich werden, wenn fie gleich ins Un«
Wliche fortwähren, fondern find und bleiben alle
ge endlich. Wir dürfen auch nur die Zeit der
it der Welt als eine Zahl gedenken, bie
E einzelnen Jahren oder Jahrhunderten nad)
ander befteht: fo wird klar feyn, daß fie ende,
ih ſeyn ober ‚Schranken haben müffe, weil eine
de Zahl vermehret werden kann, und die verflofe
nen —— Jahre nicht einmal ins Unendliche
N
160 MI Abh. Eine lebloſe Welt
zu dehnen find, fonbern eine beftimmte Zahl «
machen. Es ift alfo vor der beftimmten Zapf
ver wirflichen jahre, und vor allen ihren wir
chen "Begebenheiten eine Zeit zu gebenfen, da
nicht wirklich war, das ift, fie ift niche ewig w
lich, fie har einen Anfang ihrer Wirklichkeit:
ift alfo von dem erften felbftändigen Wefen :
Wirklichkeit gebracht, ober gefchaffen worden.
9 7.
Die alten Weltweiſen haben ſich faſt alle
Melt, wo nicht in dieſer Einrichtung, jedoch mu
ihren Urſtoffen, als ewig vorgeftelle. Denn
Fonnten zwar begreifen, daß aus einer Matgı
die fchon da ift, etwas gebildet werben, berm
wachfen, zunehmen und fich vermehren koͤnne; a}
nie eine Materie ober Subftanz, die noch garml
war, aus Nichts follte hervorgebracht feyn, dd
fehlen ihnen ganz unbegreiflich und ungereimt.
| Allein, fo ferne der Zweifel auf bloße Unn
ſenheit und Mangel der Einficht gegründer |
fo muß er gegen flare und deutliche Einficht ol
MWiffenfchaft nicht gehoͤret werden. Was ift &
rer und deutlicher, als der Begriff von Zahlen
von dem Zählbaren, daß Feines derfelben unverg
ßerlich, und alfo unendlich fenn fänne? Was :
offenbarer, als daß eine leblofe Welt Feine inne
Vollkommenheit, und folglid) feinen Grund ihn
Wirklichkeit in fid) Habe? Wohin aber würdenw
gerathen,. wenn man die offenbareften Beweiſe d
mit umſtoßen koͤnnte: ich begreife nidyt, wie i
möglid) iſt, alfe iſt es auch nicht ?
muß aus Aſicht Kervorgebr. feyn. 161
Daß Pflanzen und Thiere im Eamen gebildet
rden, begreifen wir auch nicht anders, als weil
e vor Augen fehen, daß es wirklich gefchchen ſey.
pofteriori.) AHein, mie das zugehe, das hat
ch Bein Menſch aus mechanifchen Kräften und
ren Regeln erflären fönnen. Wenn man es alfo
he in der Erfahrung gegründet fände, fo würbe
uns eben fo unbegreiflih dünfen, als baß eine
‚aterie oder Subftanz, die nod) gar nicht war,
erſt hervorgebracht worden. Können wir des.
‚gen eins oder Dasandere leugnen ? Wir Menfchen
ben fein anberes Wermögen, als Weränberun«
aim Dingen, die fchon find, zur Wirklichfeie zu
ingen, indem wir fie Durch unfere £örperlichen
öfte und Werfzeuge zufammen fügen oder tren⸗
nz und wir wiflen auch das faum, wie es zugeht,
mlich , mie wir unfere Gliedmaßen bemegen,
e bie Bewegung von einer Materie indie andere
ergeht. Auch Finnen wir" von manchen erftaun«
yon Ueberbleibſeln des Alterthumes uns feinen
egriff machen, durch welche Kraft oder Kunft
he denen Vorfahren aufzuführen möglich gerves
fey. Dennoch werben wir nicht in Abrebe feyn,
3 fie durch Menfchenhände zu Stande gebracht
d. Sollen wir denn , wegen unfers Unvermö«
18, neue Dinge zu fchaffen, und deren Schd«
ıng zu begreifen, leugnen, baß eine Kraft fen,
(che die Dinge, die gar nicht waren, hervorzus
ngen fähig gewefen? Unſer Geift hat wenigftens
5 Vermögen, Dinge, die noch nicht find, als
glich zu gedenken, und gleichfam, dem Weſen
ch, in feinem Verſtande zu fchaffen. Bam
— ann
152 | II 96H. Eine Teblofe Welt
fich zueigneten. Das wäre noch eine-größere Wan
wirrung, als wenn wir bie Annehmlichleit, ober
Miderlichfeit unferer finnlichen Empfindungen in
die förperlichen Dinge felbft hinein ftellen, umb: bie
$uft warm, das Feuer heiß, den Käfe falzig, ben |
Wermuth bitter nennen. Wie
mung mit unfern Nerven nicht in den Dingen ſelbſt
iſt, welche die Wirkung auf unfere Nerven machen:
fo ift noch vielmeniger bie Uebereinftimmung mit
unferer inneren geiftigen Empfindung der Seeien in
den leblofen Förperlichen Dingen an ſich zu ſuchen
Die Verfchiedenheit und Mifchung von Farben
und Figuren, die Abwechfelung des Schalles, bie
Aehnlichkeit in der Ordnung und Proportion bee
Theile, ift freylich in den Dingen ſelbſt. Wer
wird das leugnen? Aber dasjenige, womit Diefe We
fchaffenheiten übereinftimmen, ift nicht in den leblo⸗
fen Eörperlichen Dingen felbft,, fondern in unferer
Seiftigen Empfindung ; es ift alfo für fie Feine in⸗
nere, fondern eine äuffere Vollkommenheit. Für
Die Dinge felbft ift jede Farbe, Mifchung, Orb
nung, Proportion und Wechfel von Tönen einer
ley: alles bezieht fichauf ein verftändiges Auge und
Ohr, und auf den Verftand des Werfmeifters,
der es für lebendige eingerichtet hat. : Auch ſind
alle diefe Vefchaffenheiten, in Betrachtung ihrer
äufferen Vollkommenheit noch relativ. Der Koth
iſt für Die Schweine eine wohlriechende und wohl⸗
ſchmeckende Nahrung ; für uns feinesweges; und
fo verhält es ſich mit den Farben, dem Schalle,
Geruche und Gefühle verſchiedener Thiere. Das
Krummpolzift fürden Schiffbau vollfommener, die
wich s Abfiche berdorgebr. ſeyn. 153
e geradefte ſchoͤnſte Balken. Ein concentriſch
—— Scein ſchicket ſich zu einem Gewölbe befs
die gewoͤhnlichen regulären. Alle Linien,
‚Drönungen und Proportionen können
en heißen, als bisman fie nach den
referiret, wo fie ae: Der prä
er de einen Biber oder Dachs ein
> Ich will — — Ran: Selbſt die Vollom⸗
welche wir den Körpern ber Lebendigen,
id allen ihren Then und Befchaffenheiten Selen
I ft eigentlich nicht im Körper an und für fich,
ne die Seele betrachtet. Denn wenn wir dem
Örper die Seele und mie derfelben die Empfindung
‚ und bfoße fünftlihe Maſchinen daraus
* foräumten wir das Ziel von allem Bes
folcher Mafchinen weg: folglich wäre auch
der Natur des Körpers, als Körpers, nichts,
mit alles übereinftimmen koͤnnte. Die Körper
© $ebendigen find bloß dadurch vollommen, daß
bequeme Werkzeuge find, welche mit der Nar
e ober dem ee jeder Seele , nad) ihrer
= übereinftimmen. Sobald man eine
it. Grein und Art des sebens feget: [o
Ka
ang
154 MI 68. Eine lebloſe Welt
und ihr Lebensart: foiftderfelbe Körper mie allen ſei⸗
nen Werkzeugen unvollkommen. Wie viel weniger
koͤnnen wir Koͤrpern und Maſchinen, die an Rd
ganz und gar leblos find, eine innere, abſolute
und eigenthuͤmliche Vollkommenheit beylegen.
Setzet alfo Firfterne, Planeten,. ECometen, .
Licht, Luft, Erde, Pflanzen, Gold, Silber, Edel-
gefteine; ſetzet Sehröhren, DVergröferungsgläfer,
Quadranten, Zirfel, eigen, Floͤten, Orgeln
Uhren, Muͤhlen, Spruͤtzen, Pumpen, was ihr
wollet: aller dieſer lebloſen Dinge Vollkommen⸗
heit beſteht bloß in dem aͤußerlichen Nutzen unb
Vergnuͤgen, welche ſie den Lebendigen geben.
Wenn ich dieſen Nutzen oder dieſes Vergnuͤgen der
Lebendigen aufhebe: ſo bleibt in den großen und
kleinen Weltkoͤrpern, in den Maſchinen und Werk.
zeugen der Menſchen ſelbſt nichts uͤbrig, womit
alles uͤbereinſtimmete. Sonne und Firſterne find
zwar die Quellen des Sichtes und der Wärme; aber
fie find fich felbft nicht helle oder warm. Die Pia
neten haben Tag und Nacht, Somnier und Win
ter; aber ihnen felbft ift aller Zuftand einerley.
Die Pflanzen, die Bluhmen zeigen ung eine geſchickte
Bildung, Proportion und Ordnung der Thelle;
aber dieſe ihnen felbft gleichgüftige Beſchaffenhei⸗
ten machen ihre eigene und innere Vollkom⸗
menheit noch nicht aus, indem fie berfelben, fo wenig
als ihres fehönen Geruches, Geſchmackes und an⸗
deren Nutzens, felbft genießen. So fpielet auch .
der Vaukanſſonſche Mann nicht feinen eigenen Oh⸗
ren; die Sehröhre und Vergrößerungsgläfer ma⸗
chen ihrem eigenen Befichte nichts fichtbar ; die be⸗
muß Abficht herdorgeöt. fepn. 155
m Übren ſclagen und. weifen fich felbft die Zeie
F fie find. alle nur für Menſchenohren, Augen,
d Berftand vollfommen, und mit diefem äufferen
de ftimmet alles in denfelben überein; in ihnen
—— zu aedenten, womit alles übereine,
—— Mangel der inneren Vollkommenheie
Niehie „Die. Seblofigfeit einer jeden Materie und .
tafchine mothwendig in fich. Denn bas Lebloſe
Mieße feiner eigenen Wirklichkeit auf feine Weife, -
der durch Empfindung, Berilung, Zeche.
Kar durch $uft und Glůckſeligkeit.
—*— Ding alfo ſelbſt iſt feine BWirfiicteit Fri
Be als ob fie nicht wäre:. es. ift ihm an und
fich gleich und einerlep, ob es da iſt, oder nicht
u. ſo ober. anders befchaffen iſt: folglich äft in
KR Natur und in feinem Wefen nichts, too«
wech feine Wirklichkeit vielmehr, als das Nichte
pm, gefeßet würde; auch nichts, wornach viel·
ehr diefe Art der Wirflichkeit, als eine andere,
immer werden möchte. Daraus ift denn auch
ienbar, daß in einem leblofen Dinge felbft nichts
Fgebenfen fey, womit alles, was in ihm ift,
kreinftimmen Eönnte, bas iſt, daß es feiner in⸗
ven. Bollfommenheit fähig ſey. Es würde für
bnicht unvolltommener werden, wenn es gar aufs
= ‚zu (om, ober wen es lauter übel zufam»
enftimmende Befihaffendeiten hätte. a, wenn
möglich wäre, daß ein lebloſes Ding, als ein
iinblorn, auf einen Augenblick ſich bewußt wer⸗
mEönntes. mirdees nicht felbft fogen: Was hilft
ed daß ich ſo. viel tauſend Setre, je
16. -m 5. "Eine lebloſe on ;N-
von Erigkeit, geweſen? Ich bin ja mir niche
weſen ; meinethalben möchte ich auch in afle fi
tige Ewigkeit nicht ſeyn, wenn ich nichts ven
wiſſen fol. Was iſt mir auch daran gelegen;
{ch fo, und nicht anders bin 3 alle ſchoͤnen Ay
.. Muffe mir find Do für nicht, Sfr
wie ich.
Die ganze koͤrperliche Welt if, ——
(korimener, |
ch ſelbſt, nichts vo 8
for, ober als ein wuͤſtes Chaos. Super
- allerdings eine überaus große Vollkom
ober det. Punkt ihrer- Lebereinftinmumg RW
feblofen Materie felbft, und findet au
8* ft. Wir koͤnnen das nicht beſſer il
nen, als wenn mir ihr die Lbendigen —
wegnehmen, uͤbrigens aber ihr alle innere
tung laſſen: fo muß ſich zeigen, was fie
Sterne gehen ordentlich auf und unter; en
* und Nacht, Fruͤhling, Sommer, Herbſ
Winter; es wechfeln Regen und Son
Waͤrme und Kälte, Wind und Stille mit ein
der ab; alles Gras, Kraut, Bluhmen,
Bäume, Früchte, machfen noch reicher, wis
. Aber in ber ungeheuren Mafchine tft fein?
welches das fieht, betrachtet, forfchet ; feinen
ber bie Zrüchte geniefit oder braucher; kein A
gel, der zwiefchern, Fein Ohr, dem geſungen v
den kann. Vom Efephanten bis zum Maͤnch
dom Wehfiebie zum Gründlinge, von *
muß ous sicht herbokgehe. fm. 157.
hen * jur Miete, vom Contur bis zum Colibrit,
d Tas ei Sliege, iR, = aus ber
apfindung und - ohne
—
denn die innere Vollkommenheit bie»
Km an fi (und munmeßen fürcheers
, bie un viele große lichte,
Welefärper, womit ber ordentliche Lauf
der Wechſel von Bam. chem und
die der Erde, alles gewaltige
B
J
——
die Natur? wem arbeitet fie? "mas
af et
Es wäre ja für fie einerley, ob fie wäre ober
nit; ob fie.in große Kugeln vertpeiler, ober ob
alles ein roher vermifchter Klumpen wäre; ob alles
ie hellen Sichte firablete, oder. in ewiger Finſterniß
vergraben läge; ‚ob fie eine Bewegungskraft hätte,
ober alles ruhig amd flille an einem Orte bliebe;
ab die Planeren ihre Bahn und Zeit hielten, ober,
als Bälle, durch den offenen Himmel ins Wilde ger
fbleubert würden, und allesdurd; einander wühlere
und tobete; ob die Planeten mit Pflanzen, Baͤu⸗
und Kräntern bededter wären, oder als nackete,
um einen Mittelpunkt rolleten.
nichts in der Förperlichen Welt, fo ferne
iſt, womit entweder das eine uͤbereinſtim ·
mete,
| Hrn
15%. TE Abh. Eine lebloſe Welt
mete, und bem es zu Gute fäme, ober dem das
andere zuwider wäre und ſchadete. Denn Die ganze .
Welt und Natur fühlee, weis und genießt ihres
Dafenns oder ihrer Befchaffenheit felbft nicht: und
wenn es möglich wäre, daß fie ſich auf einen Au.
genblick bewußt werden koͤnnte, fo wuͤrde fie ſelbſt
geſtehen, daß es ihr ganz einerley ſey, ob und wie
lange fie vorher geweſen, ober ins Kuͤnftige ſeyn
würde, und was in ihr geſchehen ſey, oder noch
ferner gefchehen werde.
| S 6. "
Es ift demnach offenbar, daß in ber koͤrperll⸗
chen lebloſen Welt an fich felbft , vermöge ihrer.
Natur und ihres Wefens, nichts ift, noch feyn Pann,,.
welches ihr Seyn vielmehr, als ihr Nichtfeyn, und eine
Beſchaffenheit mehr, als Die andere, beftimmetes
mithin ift auch von ihr feine innere Volltommene
heit oder Webereinftimmung alles beffen, was in
ihr ift, mit einem gemeinfchaftlichen inneren Mit
telpunfte zu gebenfen. Wenn aber der Grund Ih»
rer Wirklichkeit, Eigenfchaften und Vollkommen⸗
beiten nicht in ihr felbft iſt, fo kann fie auch das
erſte ſelbſtaͤndige Weſen nicht ſeyn; ſondern es fol⸗
get im Gegentheil, daß der Grund ihrer Wirkfich«
feit, Eigenfchaften und Vollkommenheit außer ihr,
nämlic) in dem erften, feibftändigen Weſen, zu
füchen ſey. Die Welt if alfo von einem felbftäne
bigen Wefen, als einer wirkenden Urfache außer
ihr, zur Wirklichkeit gebracht, sera, oder her⸗
vorgebracht worden.
Diefe
muß aus Abficht hervorgebr. fepn. 129
Diefe Schöpfung , oder diefen Anfang der
zelt, beitätiget auch ihre Dauer und fortwährente
zirklichkeit; welche in einer beftändigen Folge von
ancherley Zuftande und Begebenheit befteht.
denn nun eine Folge von Veränderungen eine Zeit
smachet : fo ift folglich auch die Wirklichkeit der
zelt ohne Zeit nicht zu gebenfen; und ihre ganze
auer, oder das Alter ber Welt, ift mit der gans
a Solge ihrer Begebenheiten einerley: eins ift
m anbern gleich, eins mißt bas anbere aus.
3eil nun offenbar ift, daß noch immer Begeben-
iten in ber Welt zur Wirflichfeie Eommen, bie
eher nicht wirklich waren,. und baß ein Jahr und
abrhundert dem andern folget: fo werden ja den
Vegebenheiten in der Welt, die ſchon wirklich
aren, noch immer mehrere hinzugeſetzet. Nun
‚dasjenige, dem ſich nody immer mas hinzuſetzen
Be, nicht unendlich, und kann eben darum, weil
ins Unendliche vermehret werden fann, nimmer
endlich werden, fondern ift und bleibt immer
dlich. Demnach find die Begebenheiten in der
zelt, und die Folge derfelben, mithin auch die
fie ihrer Wirklichkeit, nicht unendlich, koͤnnen auch
mmer unenblid) werden, wenn fie gleich ins Un-
dliche fortwähren, fondern find und bleiben alle
ege endlid. Wir dürfen auch nur die Zeit der
ZirflichPeit der Welt als eine Zahl gedenfen, Die
8 einzelnen Jahren oder Jahrhunderten nach
ander beftehe: fo wird Flar feyn, daß fie end»
h ſeyn oder Schranfen haben müffe, weil eine
»e Zahl vermehret werden fann, und die verfloſ⸗
zen wirklichen Jahre nicht einmalins Unendliche
zu
160 IIII Abh. Eine leblofe Welt
zu dehnen find, fonbern eine beftimmte Za
machen. Es ift alfo vor der beftimmten 3
ver wirflichen jahre, und vor allen ihren
chen. Begebenheiten eine Zeit zu gedenken,
nicht wirklich war, das ift, fie iſt niche ewi
lich, fie hat einen Anfang ihrer Wirklichk
iſt alfo von dem erften felbftändigen We
Mirklichfeit gebracht, oder gefchaffen morbeı
99 Ä
Die alten Weltweifen haben fich faft «
Melt, wo nicht in diefer Einrichtung, jedod
isren Uerftoffen, als ewig vorgeftellee. Di
Fonnten zwar begreifen, daß aus einer M
die ſchon da ift, etwas gebildet werden, h
wachfen, zunehmen und ſich vermehren koͤnne
wie eine Materie ober Subftanz, die noch go
war, aus Nichts follte hervorgebracht feyr
fehlen ihnen ganz unbegreiflich und ungereimt
Allein, fo ferne ber Zweifel auf bloße 1
fenheit und Mangel ber Einficht gegründ
fo muß er gegen Flare und deutliche Einjich
Wiffersfchaft nicht gehöret werden. Was t
rer und deutlicher, als der Begriff von Zahlı
von dem Zählbaren, daß feines derfelben unv
Berlich, und alfo unendlich ſeyn koͤnne? W
offenbarer, als daß eine leblofe Welt feine ı
Vollkommenheit, und folglid) feinen Grunt
MWirflichfeit in fid) Habe? Wohin aber würd:
gerathen,. wenn man die offenbareften *Bemeii
mit umitoßen koͤnnte: ich begreife nicht, w
möglid) iſt, alfe üft es auch nicht?
muß aus Abfıcht Kervorgebr. ſeyn. 161
Daß Pflanzen und Thiere im Eamen gebildet
rden, begreifen wir auch nicht anders, als weil
r vor Augen fehen, daß es wirflid) gefchchen fey.
pofteriori.) Hein, mie das zugehe, das hat
h fein Menſch aus mechanifchen Kräften und
en Regeln erklären fönnen. Wenn man esalfo
# in ber Erfahrung gegründet fände, fo würde
ung eben fo unbegreiflich dünfen, als daß eine
iterie oder Subſtanz, die noch gar nicht war,
eft hervorgebracht worden. Können wir des⸗
ten eins oder dasandere leugnen ? Wir Menfchen
en fein anderes Vermögen, als Weränberun«
in Dingen, die fchon find, zur Wirklichkeit zu
agen, indem wir fie Durch unfere Förperlichen
äfte und Werfzeuge zufammen fügen oder tren⸗
: und wir wiffen auch dag faum, wie eszugehr,
nlich , mie wir unfere Gliedmaßen bemegen,
die Bewegung von einer Materie indie andere
rgeht. Auch Finnen wir von manchen erftaun«
en Meberbleibfeln des Alterthumes uns feinen
griff machen, durch mweldye Kraft oder Kunft
he denen Vorfahren aufzuführen möglich gewe⸗
fen. Dennoch werben wir nicht in Abrebe feyn,
fie duch Menfchenhände zu Stande gebracht
. Soll wir denn , wegen unfers Unvermoͤ⸗
8, neue Dinge zu fchaffen, und deren Schoͤ⸗
ng zu begreifen, leugnen, daß eine Kraft fen,
che die Dinge, die gar nicht waren, hervorzu⸗
ıgen fähig gemefen ? Unfer Geift hat wenigſtens
Vermögen, Dinge, die noch nicht find, als
lich zu gebenfen, und gleichfam, dem Weſen
b, in feinem Berftande zu fchaffen. Bam
arın
162 IT Abh. Eine lebloſe Melt
kann nicht auch eine Kraft fenn, welche ben
gen, die möglich find, und gedacht worden, ı
fich auch die Wirklichkeit giebr?
Saget nicht, es fen Feine bloße Unmiffeı
wie die Schöpfung aus Michts möglich ſey;
dern man fünne auch die Unmoͤglichkeit un!
MWiderfpruch klar und deuslih einfehen. .
werdet euren Widerſpruch fehmerlich damit E
fen koͤnnen, daß ihr fprehet, aus Nichts ı
Nichts. Sa! wenn einer behaupten wollte, 9)
wäre Die Materie, woraus alles gefchaffen mo
oder Nichts wäre Die Urſache, melche alles ge
fen hätte: fe würde erdas Nichts zu Etwas anı
und einen Widerfprud) begehen , fo ferne er
lich glaubere, ein Nichts hätre die Welt aus
Materie, die ein Nichts war, erbauet. Abe
von ‚der Wirflichfeit der Dinge nichts Wirk
feget, und diefen Zuftand des Nichtfenns al
Graͤnze und den Punft gedenfet, von Welche
Wirklichkeit (als von einem termino a quo‘
Anfang genommen: der widerfpricht fich nicht
dern deffen Gedanken ſtimmen vielmehr gar
mit einander überein. Er gedenfet ſich nich
Nichts als ein Etwas, als eine materiam ex
oder als eine caufam efficientem, fondern viel
im Gegentheil, wie es ift, als Nichts, als
Mangel der Wirflichfeit, (einen terminumac
Und man ift eben fo gut Dazu berechtiget, algı
man fich vor einer Reihe Zahlen, und vor
Eins , womit die Reihe anfänge, eine Ziffer
Null gebenfer.
Di
"muß aus Abficht hervorgebr. feyn. 163
Wenn alfo ein Wefen ift, das den Grund aller
Birflichfeit in ſich hält, fo kann, durch deffen
jerftand, Willen und Macht, eben fo gut etwas
irklich werden, was vorhin nicht wirklich mar,
s ein Menſch, ber vorhin feine Zahl gedacht hat,
m Eins angefangen hat zu zählen. Es mufi aber
a felbftändiges Wefenfeyn, und daffelbe muß ben
rund ber Wirklichkeit alles entftandenen urfprüng-
ch in ſich Halten. Demnach muß auch baffelbe
n Vermögen haben, die Welt, mo fie anders ent⸗
anden ift, zur Wirflichfeie zu bringen, da fie vor
er niche war. Es iſt aber ganz klar, daß bie
Belt entftanden ift, weil ihre Wirklichkeit in einer
leihe und Zahl von Begebenheiten befteht, welche
icht unendlich feyn kann, und mithin einen An-
ing haben muß; und meil fie den Grund ihrer
Birklichkeit nicht felbft in fich enthaͤlt.
$ 8
Ich will hiebey nicht verheelen, daß ich mich
fbft lange gegen obigen Satz, vom Anfange der
Beit, gefperret habe. Denn es ift ung natürlich,
15 wir alles gern begreifen wollen; und bier fol
an etwas ımbegreifliches gelten laffen, meil es
ne andere Plare Einficht erfordert. Ich gab mir
fo viele Mühe, ob nicht eine ewige abhängige
Schöpfung der Welt zu gedenfen wäre. Denn
h fah, daß große Männer die Sache fo in ihrer
zorſtellung zufammengereimet hatten. Sie fpres
en nämlich, es fen Gott von Emwigfeit möglich
weſen, eine Welt zu jchaffen, weil er felbit ewig
y, und das Wermögen und den Willen zu ſchaffen
23 von
164, IM Abh. Eine lebloſe Welt .
von Ewigkeit gehabt habe, nicht aber erft in
Zeit habe befommen Finnen: es wäre alfo '
Gott faft nicht zu gedenfen, daß er die Schöpfi
in einer Zeit angefangen, da er vorher nichts
than: fie mennen, es / wuͤrde dennoch ein gre
Unteefchied bleiben zwifchen der Emigfeit Gor:
die oßne Zeit und Veränderung fey, und von nic
aͤuſſerlichem abhienge, und zwifchen der Ewig
der Welt, welche in einer unendlichen Zeit und
ten Abhängigkeit von dem felbitändigen Weſen
flünde. Und fo fehlen mir auch eine Zeitlang
begreiflicher zufammen zu hängen.
Allein, fo oft ich auch dieſe Begriffe unte
chete, fo fand ich, daß fie betrügerifch waren, ı
auf leere Töne hinaus liefen. Ich fragete nn
felbft: was heißt doch das, von Ewigkeit ſch
fen?! was denfeft du dabey ? Iſt fchaffen fo ı
als zur Wirklichkeit bringen, was vorher nicht w
lid) war: fo hebt ja das die Emigfeit des gefd
fenen auf, und feßet vielmehr einen Anfang fe
MWirflichfeie. Und was will dod) die Redens
von Ewigkeit, fagen? ftelleft du dir nicht
rinn die Ewigkeit als eine Folge der Zeit vor,
von einem Punfte ihren Anfang genommen? :
wie reimet ſich das mit der Ewigkeit? Wie fi
denn ein Weſen etwas von Emwigfeit wirflid) ı
hen? Daß ein Ding ewig fen, ift begreiflich, w
man ſichs ohne Folge und Wechſel gedenket; c
eine Zeit bes Wirflichen, die fich von Ewigkeit
gefangen, ift ja mas unverftändliches. Wie w
du dir auch eineunendliche Zeit vorftellen ? koͤm
du nicht abermal in den Widerſpruch hinein,
en
muß aus Abſicht hervorgebr. ſeyn. 165
sag unendlic) fen, mas dach immer größer mirb
’ werden fann? daß eine beſtimmte Zahl wirf-
‚ verfloffener Jahre unbeftimme fen, und ins Un,
liche gedehnet werden koͤnne?
Ich verwarf aljo dieſes Spielmerf leerer Worte,
mich unvermerft in einen Labyrinth von Wider»
üchen geführet hatten. Es war nur: übrig, daß
mir auf den foheinbaren Einwurf, von Gottes
gem Bermögen und Wien, eine Welt zu ſchaf⸗
„Genuͤge thaͤte. Ich verwandelte alfo denſel⸗
in einen deutlichen Schluß, damit ich von ber
hrigfeit oder Unrichtigfeit diefer Folgerung beſ⸗
? Einficht befäme. Ich Eonnte aber feinen ans
n Schluß hberausbringen , als diefen: “Wenn
ttes Vermögen und Willen, eine Welt zu fchaf-
, ewig ift, fo ift auch die Welt ewig (oder von
zigkeit) geſchaffen. Nun ift jenes; alſo aud)
ſes. Hier ſah ich nun ganz deutlich, daß, nach
n Oberſatze, die Unendlichkeit der Eigenſchaften
ttes, und beſonders ſeiner unwandelbaren Dauer,
ich die Schöpfung in das Geſchoͤpf hineinge⸗
che werde; gleich als ob dem auch die Eigen⸗
ıften des Schöpfers mit hätten anerfchaffen wer⸗
ı können und muͤſſen; welches grundfalfch tft,
y einen offenbaren Widerfpruch in fich ſchließt.
Iſt die Welt auffer Gore, und fein Werf:
muß fie dem Wefen und den Eigenfchaften nad)
ihm unterfchieden feyn. Sie kann alfo eben
wenig ewig, als unerfchaffen, oder ein Gott feyn.
ee ſelbſt kann feine Eigenfchaften einem Ge⸗
öpfe nicht mittheilen. Sein Berftand ift unend«
1: aber werden dadurch die auffer ihm möglichen
13 Dinge,
166 UIII Abh. Eine lebloſe Welt
Dinge, ‚welche fein Berftand fich vorſtellet, une:
ih? muß er fie fich nicht vielmehr , eben daru
weil fie von ihm unterfchieden find, als endlich x
ftellen? Sein Wille, oder feine Neigung zum Gut
zur $uft und Gluͤckſeligkeit, ift ohne Schranfi
aber können dadurd) auch die ihrem Wefen n
eingefchränften Dinge auffer ihm feiner unendlig
Vollkommenheit und Gluͤckſeligkeit theilhaftig n
den? Seine Kraft iſt unermeßlich; muͤſſen a
darum auch die Kräfte der Dinge auffer ihm
ermeßlich ſeyn? haben fie nicht alle ihr Maag ı
ihre Zahl? Eben dieſes laͤht fich von der Selbitänt
feit und Nothwendigkeit Gottes fagen;. die koͤn
unmöglich in ein Geſchoͤpf durch die Schöpfi
übergetragen werden. Gotte koͤmmt auch die Fi
beit, in Abfiche auf die zufälligen Dinge außer if
abfolut und nothwendig zu; darum aber bekoͤn
das Gewählte nicht eine abfolut nochwendige W
lichkeit. Wenn alfo auch gleich der ewige unm
delbare Gott ein ewiges Vermögen und einen ewi
Vorſatz bat, eine Welt zu ſchaffen: fo wird d
durch die Ausrichtung feines Willens die Ewig
und Unmandelbarfeit nicht in das Gefchepf il
tragen: et fchaffee dod) allemal Dinge, dien
ewig waren, und veränderlic, find. Die Zeit g
mit der Schoͤpfung an, und beſteht in einer Fe
von wirklichen Veraͤnderungen endlicher Dir
Vorher, und auffer dieſen, iſt feine Zeit: ı
wenn man in Gottes Dauer vor der Schöpfi
aud) eine Folge von Jahren und Jahrhunder
annehmen mollte, fo wuͤrde man auf folche ‘
nimmer eine wahre Ewigkeit des felbftändi
Ä Weſ
muß aus abſcht heworgebt. ſehn. 167
Weſens gedenken. Fraget alſo nicht: mas har
Gore vor der Schöpfung gerban? warum iſt die
Welt niche viele Haufen Jahre eher geſchaffen?
Die Fragen, haben feinen Berftan, und laffen ſich
Bun — ————
En — kann uns alſo nichts die Warheit verdun ·
w. daß eine lebloſe körperliche Welt, die Feine
— hat, den Grund ibter Wirfs
amd Befcaffenheit wicht in ſich ſelbſt ent ·
„das iſt, nicht ſelbſtandig noch enig fern
; fondern baß ſie von einem mahrkaftig felbs
je ewigen Weſen ihre Wirklichkeit, und.
mit derfelben ihre Beſchaffenheit und Vollkommen ⸗
beit, in der Zeit, empfangen haben miürffe; wie es
die Folge ihrer — weiſt, die ſich ohne
Anfang nicht gedenken laͤßt.
Da ſie aber dennoch iſt, und als leblos keine
innere Vollkommenheit hat; ſo ſolget auch ferner,
5 fie um eines andern willen, und nicht um ihr
t und auf dieſe Weiſe
Denn, fo ferne bie Welt: wirklich
immet; fie hat eine gewiſſe
Fiaur, Größe, Eintheiiung, Zuſammen ⸗
Troeft und Regel der Veranderungen.
—*— ‚eine Bert‘ mtndofung ba, und, alle
ie. en men ‚genommen,
Wet usmabel: pr auch Eins fern,
den Geund aller Deftimmungen in ſich
ober wein alle Befchaffenfeiten übereintims,
. "Sa fo ferne ober bas Zebiofe feine innere
—* 84 Vollkom ⸗
Ale
SERZ
eh
=?
J
Ef
Ri
- deswillen
vorgebracht, und alle ihre Beſchaffen heit aufge
Weiſe beſtimmet worden: wo konnen wir
anders ſuchen, als im Reiche der Lebendigen?
Lebloſen iſt ja nichts, als das Lebendige, entgeg
zu fegen. Die find es demnach, welche den!
aller Beitimmungen ober Beſchaffenheiten
in ſich halten möffen, Denn daß es der lebend
Gott felbft nicht fey, um deffen Willen die förperlii
Welt da ift, oder mit deffen Wefen fie eine nothw
dige wefentliche Verbindung hätte, erhellet ſchon a
dem Gegenſatze des nothwendigen Daſeyns Goti
und der zufälligen Wirklichkeit der Welt. Es wi
‚aber in der vierten Abhandlung, $ 4, ausführlid
dargethan werden,
Fr cn ef; he
jeit, geſchweige ihre Wirklichkeit, ber
und womit fo dann alles
warm jedes im ihr fo, und nicht anders
fliefjt ber Gebrauch, welchen Lebendige
machen follen in den Begriff ih»
— in die Erklaͤrung oder Deſinition der
— hinein. Wer den Gebrauch der
was es für eine Mafchine fep. Mau verfüche es,
eine ße, ine Mühle, air u. ſ. w. zu erklären; 74
Minh
? 383
*
&
5
170 A Abh. Eine lebloſe Welt :
fo wird man finden, daß es unmöglich iſt, o
einen gemwiffen Gebrauch für Jebendige zu nen
einen Begriff von jeder zu haben, oder denfelben
nem andern benzubringen.
Saffet einem Hottentotten den Gebrauch ı
Nutzen einer Uhr unbefannt ſeyn; weilt ihm a
dennoch alles übrige, die inmendige Triebfeder,
Kette, Räder, furz alle Theile und deren Zuft
menfügung ; ih will noch mehr fagen, thut ihn
einem Uhrmacher in die Lehre, daß er felbft mit
Seit Uhren verfertigen kann: dennod) behaupte
ſo lange ihr ihm nicht faget, wozu die Majd
nußet und gebrauchet wird, fo weis der Hottent
noch nicht, mas feine Uhr für ein Ding ſey;
Fennet das Wefentliche, den Grund ihrer Wirfl
feit und aller Beſchaffenheit noch nicht. D
wenn der Nutzen nicht vorher von dem er|
Werkmeiſter, als möglich, gedadyt wäre: fo w
die Uhr nimmer zur Wirflichfeit gefommen, .n
auf ſolche Art eingerichtet und beſtimmet worder
Mit den natürlicyen Mafchinen verhält es.
nicht anders, als mit den Kunftmafchinen. |
lange wir derfelben Gebrauch und Mugen in
Verknuͤpfung der Dinge nicht wiffen, müffen
geſtehen, daß mir nicht das Weientliche deſſell
jondern nur fein Aeußerliches, kennen. Die a
Zergliederer mußten daher nicht, mas fie aus
seber und Milz für Dinger machen follten, 1
ihnen die Verrichtung und der Nutzen derfelben
menfdylichen Körper unbefannt war. Und w
unfere neuen Zerglicderer in der Zerlegung von
leriey Thieren auf ſolche Gefäße nn ha
ebra
IBRiB NORA een nm
iſt wahr: menn wir andere Dinge in der
; deren Nutzen und erften Grund ihres
und ihrer Beſchaffenheit wir nicht erfins
nnen, daß wir uns, aus Noth, mit ihrer
anßerlichen Geſtalt begnügen, und fie dar-
bezeichnen; aber es wird ſich auch niemand -
in, daß er dadurch das Weſentliche derfelben
Bey andern Dingen, als Pflanzen, Rräus
mb Blumen, fehen wir den nächften Mugen
Gefäße ein; jedoch nur fo, daß er noch in
Ilofen Matur und dern Pflanzenreiche ſelbſt
hränfer bleibt. Unterdeffen wird auch nies
fagen , daß biefe Gewaͤchſe um ihr ſelbſt
finds ober daß er fie nun ſchon nad) ihrer
üpfung mit andern Dingen in der Matur
aß alſo Wurzeln, Saftröhren und Rinde
nnehmung und Umrreidung der Nahrung,
Auswicelung der Knofpen, Blätter md,
bieſe wiederum zur Anfesung und Wergrde
(ber Frucht, die Frucht abermals zur Erhal⸗
Gomens für eine neue Pflanze dienen:
Iben wir doch noch in einem Zirfel der leblo⸗
Wanze; das iſt, wir emen den Samen ur
' da
72 HT Abh. Eine leblofe Welt
daß er diefe Pflanze, und wiederum die J
daß fie diefen Samen, und diefer aberm
neue Pflanze berfelben Art, und fo ferner ei
andere in Emigfeit erzeugen. Was fin
heraus? war die Pflanze für fich nothu
genieße fie ihres eigenen Dafenns und ihr
fchaffenheit? oder kann fie ber übrigen feblofe
zu Statten fommen? Wenn wir alle Kräut
Pflanzen fenneten , wie der Bauer Gras,
Roggen, Weisen, Gerften, Erbfen, Bohn:
— mander Mohr und Wilde die dienfamen |
mictel für Fieber, Krebsfchaden, Duerfd
und Gift, wie die Thiere aller Art ihr Futt
nen: fo müßten wir mag mehrers und wic
von dem Pflanzenreiche, in feiner Berfnüpft
bem vornehmften Theile der Natur, als
Botanici uns durch Die radices, folia, «
corollas, ftamina, piftilla, pericarpia, femi
erfennen geben. &o wie die Narur im Tplı
von ung Menfchen durch alle mögliche Art
Stufen, bis zu dem geringften herunter ftei,
jeden: feine Mahrung und Morthdurft fiha
harmoniret aud) das Pflanzenreich durch all
fen damit, daß Fein Kraut, Feine Pflanze ift,
niche mit einer gewiſſen Art Thiere ihrem ©
Gelhmade, ihrer Nahrung und ihren Moth
mitteln tibereinftimmen. Und fo ferne find fi
haupt als Mafchinen anzufehen, die zum
der Sebeudigen hervorgebracht find.
Selbit das Ganze, die große Weltm«
muß fo betrachtet werben. So ferne fie ı
leblos ift, und feine innere Vollkommenheit,
wug au⸗ Abſicht hervorgebt. ſeyn. 173
rund ihrer Wirklichkeit und beftimmten B
in fich felbft hat: fo muß fie nicht ee
= en
a h }, und ai
—— ſeyn. Und mer bie Welt
ng und vu More ihrem ——
Aber Den Grund aller Befchaffenheit der Welt,
d ſelbſt aller Natur und mechaniſchen Bene
in ſich haͤlt; fonft weis er noch nicht
—— der Weit, als der Hottentotte von
f
— sr
55*6* —— —
Border! nämlich eine ungäßlbare Menge lichter
gum Theile Kugeln, weiche in einem
finfterer
Auber ihee orbentiche Vewe gung
„mi ee Eiigrung be
noßen Telebaues, in allen Gkiden ,
Ka en hr
=
’ ".
4 «
%
4 m Eiern wen
erkennen. Der danne flüffige und durch
ſelbſt finfter und unfichtbar, das Feuer un
Wärme fuͤhlet fich nicht.
Syn biefem weiten Aether liegt bie grof
* Materie nicht in einem ungeheuren ı
mpen zuſammen, fondern fie ift in umg
pi e Körner ober Kugeln vertheilet ; welcher
Oberfläche, und folglich mehreren Plaß zur:
nung giebt, auch zur Abfonderung verfchb
möglichen Gattungen von Thieren bequem ifi
in einerlen Luft, "Wärme und Nahrung nid
dep einander auf einer Kugel fern fonnten.
aber ‚.nach der Verfchiedenheit ihrer Natur,
nerfdhiedene MWohnpläge, und alfo alle Kon
ber Welt finden. Eben ber Aecher machet,
achtet feiner Dünnigfeit, die feftefte Zwiſchen
mifchen ben großen Weltförpern, daß fie nid
Ihrem Orte weichen, und in einander fallen fd
‚giebt aber bennoch ben bemeglichen Inſein, R
ver douft und Degen ‚cine ungepinderte 0
BR. ee fin. 975
———
ee en e6 Diefes ftim-
met Damit uͤberein, daß es — vr Wohnungen
der. $eberidigen fepn A Das
konnen.
an würde eine Bers
ar der lebloſen Welt einerlen
dige Geſchoͤpfe, wenn fie ſchon
er zerſtoͤrete und ausrottete.
nn Welttheile ift allenthal·
— wahrnehmen kann Fugelhaft,
, wie man’ efrva ‘von einem ungefoͤhren
nee der Urtoffen vermuthen möchte,
eines biefer, das andere jener, und dabev unordents
fen Figur. Wie wiſſen aber von unferm Erd»
ballehnummehro, daß eine Kugel, vermoͤge der
allgemeinen Schwere, auf allen Siten wohnbar
iſt und wir koͤnnen leicht nachdenken, daß eine.
de andere, auch fonft regelmäßige Figur, die feſten
— zum bewohnen, entweder ganz,
größten Theils, ungeſchickt machen wiirde;
5— ahnen in zum bemohnen die allerger
pda ind, und die ganze Welt fo ferne wohn
en Kugeln find: theils licht, theils finſter.
Eine von. den lichten ift unfere Sonne, und bie
Birfterne find ihr ähnlich , und für eben fo viel
Sonnen ziadiren. Gleichwie ſich aber um unfere
Sonne ſchs Hauptplaneten, welche finfier find,
um'den Saturnus Jupiter und die Erde
andere Mebenplaheren oder Monden herum
= fol glaubet heutiges Tages m .
Kette
ein 4
En
m6 IM Ash. Eine lebloſe Melt
Sternkundiger , daß alle Firfterne am Him
überhaupt, eben wie unfere Sonne, ihre Plan
um fich haben, welche fie herum drehen, erle
ten und märmen. &s läßt folches die übrige At
fichfeit in der ganzen Anlage und Einrichenng
Welt nidytanders denfen. Und warum folltec
unfere Sonne, unter allen Firſternen, der ein
ſeyn, zu dem fich alle lichtsbebürftige Körper in
ganzen Welt gefellet hätten ? Wenn bey uns
beftändiger Tag wäre, fo würden wir Die Welt
klein halten, und mennen, daß fie bloß aus Eoı
Mond und Erde beftünde Wir haben es alfo
Macht und Finfterniß, die mit dem Tage med;
zu danken, daß wir die Welt in ihrer Groͤße
Mannichfaltigfeie beffer kennen, und auch bie ü
gen Planeten um unfere Sonne und fo viele 1
fend Sterne fehen. SHergegen machet es die |
fterniß und Ferne der Planeten um die Firfte
daß jene uns mehrentheils unfichtbar find. Jet
zeigen ſich zuweilen ncben den Firxſternen fi
nicht gefehene Sterne, die nach Verlaufe eini
Zeit wieder verſchwinden, und alfo Feine and
als finftere Irrſterne, ſeyn koͤnnen; die mit
audy durch Erfahrung beftätigen , daß fich gie
falls um jene Sonnen finftere Planeten her
wälsen; zu gefchtweigen, daß die Cometen , me
nad) ihrer Erfcheinung in vielen Jahrenen
wieder zu Geſichte kommen, nichts anders fi
als finftere Weltförper aus entfernten Himm
gegenden, bie ihren befonderen Lauf haben.
Man muß ſich alfo alle Fixſterne in der A
als lauter Sonnen, und um jeden berfelben ‘
n
Ö peu vernünftiger
‚weis aber auch feinen Grund, warum
Sx Sonne und er Firfierne zu breu⸗
en Schwefelpfuhlen und — ode
| re er fehe fe dis
keetrifirende Mafchinen an, melde ur; "und
Bärme geben Können, ohne felbit zu brennen, Ober
Wfferordenelich heiß zu feyn; mozu ich aus ben.
tatürlichen Verfuchen und Beobachtungen 28
es zu baben —— Und ſo erblit
Wr.
War...
uch will nicht unterfuchen, ob- die alten Griechen
+ der Sounen eine elecer: Kraft 6
wem” fie ihr den — wu —— —
—— ‚aber iff zen, daß ſchon Ani joteles de Carlo
e u. wir * —— allen — —
—*8* daß fie weder felbft aus aut Feuer Ka, 20
"in einem euer —* 8 haben aber
auch neuere ſehr ve: e de Raintlane darge⸗
than , bie Sonne ſey kein feuriger ober brennender,
ſendern ein am ſich kalter und finfterer
iwie unfere Erde; * aber die Kraft habe, den
en eine Bewegung zu Feen,
Hit und giebt; als Nehemias Grew
Cofmologia — die zu London im Jahre
mc.
J ®
\
.
78 UII Abh. Eine lebloſe Welt
auch in diefer Hälfte ber Welt die allgemeine
einftimmung der Natur, daß fie ‚nicht wi
1701. fol. heraus kam, aus weicher Cleri
feiner Bibliotheque Choffie T. I. p. 247. eine
zug giebt; impleichen LTic. Hartſoeker in
Conjectures Phyfiques, Tavon lericus |
T. Xi. p. 364. & 366. zu feßen, Mehrere
ımd Zeugniffe fiehe in Mr. Colonne Hiſtoire
telle de l’Univers T.I.p. 13 m 28. Stepbai
bat zuerſt im Februario 173% (Philofoph,
actions Vol. XXXIX. n. 441. P. 220) in
Briefe an Branwill Weller, concerning che
Iutions, which fmall pendoulons Bodies will
Electricity make round larger ones from W
Eaft, as the Planets do round the Sun, zuerft
einen electriichen Berfuch an Kleinen bewe
Kugeln gezeiget, baß die Kraft, welche in ber
Welt die Planeten um die Sonne herum
eine electrifibe Kraft fey. Er bat eben Dich
Fag vor feinem Ende, feinem Freunde Evo
Mortimer weitlauftiger befchrieben , ie
durch neuere Experimenta beitätiget babe: ı
eine Theory lage, for accounting for the N
of the grand Planetarium of the Univerfe,
die Philoſ. Tranſact Vol. XXXIX, n. 444. |
fqq Ju dem London - Magazine 1753. March
werden die Wißbegierigen an Mr. Rackſtr
Fleet -Aircet verwieſen, melcher biefes Erpe
an einer electrifirten Fupfernen Kugel, um
eine Glaskugel in einer zirfelrunden Rinne m
mwalzung um ibre eigene Are berumlauft,
‚Der um die Electricität beſonders verdient
Profeſſor Winkler in Leipzig bat much febon
eine Maſchine dieſer Are erfinden, welche
Jahr 1750. in einem Programmate als eine]
nem motuum coeleftium viribus cle&tricitat
J
m Ah Bag hon
‚zum Aufenthalte gewiſſer =
n. könne: und daß den Sonneneinwoh-
die ‚Planeten. nicht meniger zu. Statten kom.
er — —— der Planeten ihre
Erz. i
amfane Eie wiſſen wir befonders, daß
rch bie Bewegung um In Meere ka ua
it, und durch die Wälzung um die
Jehres —*
ganze Kugel unwohnbar machen wuͤrde ; ſon ·
£* a Mo dern
J YA
| beſchreidt. Gleichwie aber Herrn Win!
anf dem Auffern Ende eines Ar —2
ir feft ftebt, welcher am innern Ende um
eine fenfechte fe beiveglich if: fo liegt Racns
" Erdtugel in einer kreis igen ausge⸗
inne. Bielleiht ‚möchte das Experiment
werden, wenn man ber bewẽe
ıgel keinen je anthaͤte, eg ſie na⸗
hangen ließe, ob fie dem von
fagte,
um ihre Are, von Welten nach
dazu mit einem Perigzo und Apo-
Ma von Beays Erfindung Ti
Abbandlungen der Naturforſchen⸗
in Damjig. ¶ Tp. p. 223 — 237.
IE
ygeagpent
a
In
H
PER
u
=
zes
®
E}
180 UII Abh. Eine leblofe Welt
dern daß Licht und Schatten wechſelsweiſe
ſolch Drehen, der ganzen Kugel und dere
wohnern zu Statten fommen. Die ande
wegung aber bringt der Erbe, durch ver:
Witterung, die Fruchtbarkeit, und machet fi
nur in ben heißen, fondern auch kaͤlteren €
chen wohnbar. Daß aber auch dieſe tägfic
jährliche Bewegung, welche unferer Natur fo;
tich ift, der Bahn und Gefchwindigkeit na
ftänbig einerley bleibt, und fo viele taufend
herdurch nicht einen Daumen breit, nicht eis
nute gewanfet hat, dag hat alle Gefchledhi
Thiere, die jemals auf dem Erdboden. gewefe
erhalten.
Die übrige Einrichtung bes Erdbodens I
gleichfalls den Thieren alle Wege zu &
Der Mond leuchtet ung auch des Nachts,
Ebbe und Fluch zumege, und giebt eine Nicht
der Zeit. Der didere Luftkreis bricht Die
ſtrahlen zum Mittelpunfte, und vermeßn
Wärme: auffer, daß folche &uft durch ihre Pr
und Bewegung zur Feſtigkeit der Körper,
Wachsthume der Pflanzen, und zum $ebe
Thiere, und taufenderley andern Guten viele
träge. Das Waſſer unfers Erbbodens führı
nähret an ſich Millionen Arten von Thicrer
duͤnſtet aber auch aus, ſchwebet in dem dicken
Ereife, wird durch die Winde vertheilet, unt
im Regen und Schnee, zur Befruchtung dee
des, und zum Getraͤnke der Thiere, hen
Die Berge dienen befonders, die Feuchtigfeite
ber Luft zu verwahren, einzufaugen, zu feigen
che, ne ſich auch ba, no
e diefes Kraut, das mit ihrer
m e und ifrem Magen übereinftimmet: Dem-
fiir taufend iltige Bungen und —— —
ai —— *
enehme ur
jedem angenehm
12.
—
Sue rim jivar von ber beſonderen Einrich
re nicht viel befanne ift;
— Bee, was bisher davon ent»
Mugen ber Sebenbigen gemäß.
Be: Fe iſt zwar nur
feine Oberfläche thurch
BE
182 DIE Abh. Eine lebloſe Weit
Serngläfer einer Landcharte ganz ähnlich, ba
das Weiße fürs land, das Dunkele fürs Waſſi
haften; zumal, da man fo gar "Berge, und d
beweglichen Schatten auf dem Lande, und in
Seen Inſeln bemerfet hat. Er hat feine Tage
Mächte, und feine Jahreszeiten; feinen Di
Preis, *) und folglich Thau und Degen: ur
Erde ift ihm ein großer Mond.
*, Mad von der Planeten, und befonderd von
Mondes Aehnlichfeit mit unferer Erde in der
wohnung gefaget iſt, babe ich bier als Wahrfil
lichkeiten angenommen, die ſchon von den me
Mathematicis und Phyficis, ja fogar Theologis
erfannt werden, und fo ſtarke Gruͤnde vor ſich
ben, daß ihnen ſchwerlich gleich ſtarke werden
gegen gefeßer werben fönnen. Wer in berglei
Dingen, die fo weit von ung entfernet find, ni
wollte gelten laſſen, ald was er Far mit feinen
gen ſehen könnte, und 3.9. die Einwohner
laneten bloß deswegen Icugnete, weil fie ihm
Sernrobr entdecket, der wurde dem menfchlichen
kenntniß viele andere offene Wege verfperren.
Vernunft heißt und dann basjenige fhließen,
das Auge nicht erreichen kann, und Schluffe,
che auf die Analogie der Erfahrung, im Zuſam
bange mit allgemeinen fichern Wahrheiten, geb
find, haben den größten Grab der Wahrſchein
Seit. Die völlige Uebereinftimmung mit al
was wir fonft von Bott, der Welt und befon
unferm Erdboden wiffen, defchifrivt dem Verſt
fo gut, al ein gefundener Schlüffel zur verborg
Schreibart, bie Heimlichkeiten der Natur.
dem Dunftkreife des Monden möchten num ı
wohl Schlüffe nicht ganzlich zu verwerfen |
Denn wenn doch, aufler, der übrigen Aehnli⸗
. Bar
muß aus Abficht hervorgebr. feom. 193
D iter und ©
= Ki, Bf füne, und
I dazu
— nach dem
der Materie, und
am wie ware ch moͤglich
Wärme bie lofeven und. -
— —* eine gewiſſe
Berge und Thaler
haben, als bey
18 oder Feuers?
rl in — Nahe,
Ebes Bonten De Bar
— wemaſtens ihr nicht wider:
Ind: da find bisher die, Beobachter ge⸗
& iſt befannt, dag Yugenias it feinem
Cofmotheoro pP ltg. 4. diefelbe ſowohl als das
‚dem Monde abgeſprochen. Die Herrn
" Grand Jean de Fouchy Philof, Trans, n, 435. p.261.
und Bofcovich de Atmofphara Iumari; Rom, 1753. 4.
find ibm gefolget. Der Herr Lulofs faget in den
Anmerkungembey diefer Stelle; daß er viele Bedes
—— der Fixſterne und Planeten durch den Mond
den beſten Feruroͤhren zu Leyden uud in Gel⸗
„Bean aba ak, babe, * — nenn den Sign
"U: Beute;
u —— Ban, Dita ı von on einen ——
* babe; und vermeift auf feine
—— br Bantın nöber Benns, die im1 Th.
der. Eye p- 382. faq. fleht.
‚Me haben ematjco,
Besen
—
1750.
Ber ——
kt an Ehen Ag] wii ich
de ee
N, - D
—
J
82
is
Et
I
Fi
184 n Abh,. Kine lebloſe Wel
dazu einen breiten Ring um ſich; wel
alles ben Lebendigen zu Gute Fommen f
koͤnnte, als vielmehr die Beobachtungen ?
chen Sonnenfinfterniften von 1706, u
welche Derham Aftrotheot VII. 3. 3. €
—8 17 n 306, um Beweiſe ne
f annulari eclipfis wiaris 1748.25. Sl
Here Eulesy in der Hift. de 1’ Acad. Roy.
im‘. 1748, p. 03. Die Atmofphzranı lun
imuleichen ber immerfienis und emerfio:
mit feinem annula, ad angulos rectos Iın
F Sam. Dunn in ben Philofoph.
"Vel. LIE P. U, n. 94. p. 578. fq. befe
im Kupfer vorſtellet. entgegen fegen. ‘Bei
fen Wahrnehmungen flreiten die Erfchein
Die Atmolpheram Junz ; fo ferne fie in
nenfinfterniß Die Strablenbrechung und e
licht am Rande, des Monden, ia die U
der Sonnenhörner uber net
Be ins und Austritte der Plangten I
Monde eine DVeranderung der Geftalt
Angehuͤhrlichen Verweilung, deutlich fel
Wielleicht haben dennoch die gegenieitiger
ger auch recht gefehen, und es brauche
efracbtung fig mit einander zu verglei
ehr geſchickter hollaͤndiſcher Mathematier
fervatgr carlj, Herr Nicolaas Sreugf 9
feiner Inleiding tot de algemeene Geograp
vens ernige flerrekundjge en andere Verhæ
Ami. 1740, 4. ı Deel, 2 Afdecling, pag.
een Onderzock over de Maans Atmc
Dampkring, und zugleich ein Licht zur
Yung beuderley Beobachtungen. Er 1
bey, welche aus dem Aufhalten der €
ande des Monden, wenn fie ſchon follt
Kan: die Atmoſphæram fibliegen; umd
nicht entgegen fen, wenn ſich Die S
86 UI Abh. Eine lebloſe Welt
at in ber Venus, dem Mars und Jupiter, v
änderliche Flecken wahrgenommen, und man 'm
daraus fhlieffen, Daß es Wolfen find, die in ihr:
Dunfifreife auffleigen, und in Regen wieder h
unter fallen, und daß folglich Sand und Waſſer
dieſen Planeten ſey; welches auch ihre beitänbig
Flecken beweifen. In der Venus find fo 4
Berge zu fehen. Won eben biefen Planeten w
man aus dem Umlaufe ihrer beftändigen led
die Zeit, in welcher fie fid) um ihre eigene Are d
hen, und folglich Tag und Macht haben. T
Saturnus ift nur zu weit von uns, und der M
eurlus der Sonne zu nahe, als daß man ihre F
cken ſehen, und daraus ihren Umlauf beftimm
koͤnnte. Jedoch ift gar nicht zu zweifeln, ba |
eben fo wie die andern Planeten, Tag und Na
haben; ba fie gewiß alle um die Sonne her
gehen, und alfo ihre Jahre und Jahreszeit
alten.
b Alte ſechs Planeten, und zehn Mebenplanet:
find demnach lauter mwohnbare Erden, und |
ganze Welt enthält an feſten Körpern nichts
ders, als lauter unzählbare Wohnhäuferfür $ebı
Dige, darinn es ihnen an Sicht, Luſt, Wären
Mahrung, Kleidung, an Wechfel von Tag u
Nac
in der Erfahrung ſeinen guten Grund; und die uͤbr
vielfache Aehnlichkeit mit unſerm Erdboden, da
Berge und Thaler, Laͤnder und Deere enthe
und ded Wechfeld von Tagen und Nachten, Waͤr
und Kalte genießt, laßt und kaum zweifeln, dag v
feiner Oberflache Dünfte in bie Höhe fteigen müfl
"mund WOfiht Bevor. fo. 387
Rachr, von een: : y Yale und
an mi
„ mdung , el
— deſſn if, ui
De Mann
„an
kei, mit eitem Borre,
„nach eines jeden Art,
g, als 2 Erdboden, eo
be of ai ug, — was
e Pörperlichen Welt it, die Materie, deren
‚ Bigur, Eigenfchaft, Zufammenfüs
hung, Kräfte, Bewegungsgefege und Werändes
fingen, alles mit bem Rutzen der Sebendigen
i Die Erfahrung und der Augens
# bemähret demnach, was. ich aus dem Bes
bee Kbloſigkeit gefchloffen hatte, daß bie
— leblos, und als Maſchine betrachtet,
nere Volltominenheit, feinen Mittelpunkt,
Beſchaffenheit übereinftimmer, in
rt haben könne, mithin von einem andern
1, und um eines andern‘, nämlich der Leben⸗
ligen willen, hervorgebracht ſeyn muͤſſe. Auch
find die Begriffe, welche ich zum Grunde gehakt,
nämlich von dem S$ebendigen und $eblofen, der
Mafchine, der innern und äuffern Volllommenheit
ülle von —5— Dingen abgeſondert, und ent⸗
—X nichts oder Erdichtetes,
Zub, © was ſich in den Dingen auffer ung
‚Spinop
183 HI Abh. Eine lebloſe Wert
Spinoza hingegen, der ganz anders ve
Welt gedacht, ſehet in feinen Gedanken wil
lhe Begriffe , nach mwilllührlichen Bebeut
‚ jufammen; darinn basjenige,
er eek ch zu beweiſen vorgenommen hatte, fchor
borgen liegt. Daburch wird niche allein das
wieſene felbft willkührlich und unbemiefen; fo
es ift auch fo befchaffen, daß es ber Erfahrun
der wirklichen Welt wiberftreiret.
Kine Subſtanz, ſpricht er, ” iſt d
nige, was in ſich ſelbſt iſt, und durch
feloft begriffen wird; das iſt, deſſen Be
Beinen Begriff eines "andern Dinges nl
bat, aus welchem er Wſſet werden m
Serner : ? Durch das Wort Bott, ver!
ich dasſenige, was ſchlechterdings unen
iſt, das ift, eine Subſtanz, die aus une
chen Eigenſchaften befteht, deren jede
ewiges unendliches Wefen au
Daraus ſchließt er: Alles, was iſt, ift ind
und nichts kann aufjer Gott ſeyn, oder
dacht werden. Das heißt fo viel: die W
die einzige Subſtanz, welche ich (zum Sch
Gott nenne, und auffer derfelben tft nichts. _
Beyde Erflärungen find nicht allein du
zweydeutig, willführlich, und wider allen Gebt
der Wörter, fondern auch in fich irrig, mwenn-
fie fo veritehf, wie fie verftanden werden mi
2 Ben de Spinoza in Opp. poft, Ethic. Defin. III,
3 Id. ibid. Defin, VL, —*.
Bee, ae ee
PEERER SIR: |
—— feyn,
che Higenfchaften haben, das ift, alle Eigen,
was iſt, in eins, und in fich
einerlep fey:.imgfeichen, Daß alle Ei.
alles deſſen, was ift, — Wirklich,
ie nach, ewig und nothwendig ſeyn. Was machet
xMann denn für ein Blendwerk mit feinen mas
Beweifen, wenn er das, was er bes
will, ſchon in feinen ‚erften Begriffen will«
Grunde leger?
— —
Li ul ei
‚Erflärung Ve — ſie durch
an
B
&
2
Ai
8
a
z
E
1900 II Ah. Eine lebldſe Welt
erbauet, als wirklich iſt; und daß er, aus fe
willkuͤhrlich zufammen gefeßten Begriffen,
Melt etwas andichtet, was fich in ihr ganz an
verhält.
Der Begriff einer Pörperlichen Welt, die
ſich leblos, aber doch fo befchaffen ift, daß
allen Kugeln $ebendige wohnen, und mohnen |
nen, ber ift es, welcher, der Erfahrung und |
Augenfcheine gemäß, Acht und wahr ift. Und
fer Begriff hat allerdings eines andern Begri
nöthig,, um zu verftehen, theils daß leben:
Tiere darinn entftanden find, theils Daß bie uͤb
lebloſe Welt mit der Lebendigen Aufenthalt
Wohl übereinftinmme. Denn wenn mir uns ni
anders, als die Wele felbft, vorftellen , fo I
ſich nicht begreifen, woher die Thiere in derfel
find, meil fie allerdings Haben entftehen müf
und doch Feine Kraft in ber ganzen Welt und $
eur gefunden wird, wodurch fie hätten entfte
koͤnnen. Desgleichen ift in der übrigen Weit,
ferne fie feblos ift, der Grund ihrer Wirflichk
und ihrer Beſchaffenheit, Einrichtung, Natur ı
Uebereinſtimmung nicht zu finden; vielmeniger
zu gebenfen, daß ſich die Thiere eine Welt, n
ihrem Sinne und ihrer Nothdurft, bereitet, und
Die Kräfte gegeben hätten. Wenn alfo der %
griff eines andern Wefens auffer der Welt nör
iſt, um mit Verftanb und Wahrheit zu begreif
daß bie fehlofe Welt lebendige Thiere habe, ı
Daß fie mit dern Mugen diefer Thiere übereinftimn
fo iſt die Welt nicht das felbftändige Wefen, ot
n
mil son. Pr
en die
a einzige
beftimmet , und alfo ihre
A und Beſchaffenheit nicht ſchlech ⸗
wendig. Sie iſt von einem andern
fefen zur Wirklichkeit —— und ihre Be
laffenbeit durch eben daffelbe beftimmer worden,
id weil beybes feinen Grund , auffer ihr und ih ·
m Werfmeifter, in den Sebendigen hat, um bes
villen ſie hervorgebracht, und mit folchen Eis"
afehaften
verſehen iſt, die mit, dem Wohl der
henbigen-übereinftimmen : ſo iſt fie auch von ih⸗
in Werfmeifter nicht,aus Notwendigkeit feines
ſeſens, fondern unter der äufferen Bedingung
[haften , daß fie den geberbigen zum bequemen
ige, als mit
einer jeben Dia dam De
nn Einidrung hei hr fü —
192 II Abh. Eine lebloſe Welt
ihrem Werfmeilter, nothwendigen Grund
fondern fich bloß auf die gefuchte Uebereir
mung mit bem Nußtzen ber tebendigen gründe
Ich weis nicht, was ſich einige Leute une
ner Nothwendigkeit vorftellen, ober vor Zeiten
geftellet haben. Denn fie ſcheinen faft ein ve
Im Dingen abgefondertes, und für ſich beſteh
Weſen daraus zu bilden, das bie Dinge durch
allerhächfte Macht, und durch ein ewiges, faı
unbedingtes Muß, feyn heißt, und nur auf
einzige Weife möglidy macher. Den ihnen ij
nicht die Möglichkeit, fondern bie Nothwendi
Das erfte, welches ſich von einem Dinge, oder viel
vor allen Dingen gebenfen läßt; und nichts
ten fie für möglich, als was fchlechterdingei:
wendig ift. Dergleichen , auffer und mid
Weſen der Dinge, angenommene Nothwendigf
eben fo wohl ein eiteles Hirngedicht , ein |
Schall und Abgort, als ber bloße Zufall, ober
abgefonderte Natur. Alle Nothwendigkeit,
nicht in den Dingen felbft oder deren Urſachen
die ohne und wider die Eigenfchaften und
Weſen ber Dinge gedacht wird, hat Beinen Gi
und ift ein Blendwerk.
Was ift aber offenbarer, als daß bie ı
Dingte Nothwendigkeit von der Förperlichen ‘
ohne und mwider ihr Wefen und ihre Eigenfch
angenommen werde? Der Förperlichen leb
Welt ift es, vermöge ihres Weſens und ihre
genfchaften, einerlen, ob fie ift oder niche ift, ı
fo, oder anders ift: folglich ift ihre Wirffic
und Defchaffenheit niche in ihr felbft gegruͤt
fel
muß aus Abſicht hervorgebr. feyn. 193
olglich iſt fie niche ſchlechterdings nothwendig, fon.
ern ſie haͤngt in ihrer Wirklichkeit und Beſchaffen⸗
eit von einer aͤuſſeren wirkenden Urſache ab, wel⸗
be fie noch dazu nicht um ihr ſelbſt willen, ſondern
ım der $Sebendigen willen, hervorgebracht. Diefes
ſt Die äuffere Bedingung, unter welcher allein ale
es, was an ihr iſt, nothwendig heißen fann. Wenn
iefe Bedingung nicht wäre, ober anders wäre, fo
önnte fie für fih, und ihrer felbft halber, entwe⸗
er gar nicht, oder auch anders ſeyn.
Wir find vermögend, aus einer jeden Mafchine
ne Befchaffenheit ber ganzen Welt zu beurtheilen.
Die Mafchine befteht aus einer gemiffen Mate⸗
ie: die Welt auch. Die Materie der Mafchine
jenieße ihres Daſeyns nicht: die Förperliche Wele
ben fo wenig. Es härte eine andere und mancher⸗
ey Materie zu ber Mafchine dienen koͤnnen; ein
edes Stuͤck des Metalles einer Art, und auch ver⸗
hiedene Art von Metall zu diefer Uhr: fo auch in
ee Welt. Der Regentropfen , melcher biefe
Pflanze wäffert und naͤhret, ift es nicht allein, der
je hätte nähren koͤnnen: ein jeber war dazu ges
hit, und eine jede Materie von gleicher Schwere
md Feſtigkeit harte das Innere der Erden ihrente
jalben ausfüllen Pönnen. Betrachten mir bie
Bröße und Bielheit. der Materie, daraus eine Mas
hine beſteht: fo liege in der Materie berfelben
elbft Fein Grund der beftimmten Größe. Denn
ein Theil weis von feinem Nachbarn etwas, und
ines Megenwart ſchließt die andere nicht nothwen⸗
ig in fi); es giebt Fleine, es giebt große Uhren.
Desgleichen laſſen fich in der Welt Lilliputter und
N Brobdin
. |
d
d
.
194 1 Abh. Eine lebloſe Welt I
Brobdinjaker, eine Erbe, eine Welt im Feines,
und auch größer gedenken, wenn nur alles diefelbe
Proportion hätte; ober es Fünnte alles übrige im
der Förperlichen Welt in feinem Gange bleiben
und doch Peine lebendige Seele, fein Ihier:barim
feyn.. Die Zinsheilung einer Mafchine Ger in
ihrer Materie und ihrem Wefen feinen zureichen
den Grund: eine jebe Materie kann auf taufenit
fältige Art getrennet und 'getheilet werben, - Go
demnach in der lichten und finfteren. Materie ne
Melt, an und für fich, nichts, das eben fo viele,
und nicht mehrere Sonnen und Planeten erfortund
Was beftimmer die Figur der Theile einer ME
fhine? Kann eine jede Materie nur: einerley Figr
haben? oder hat fie von felbft die Figur, meichebe
"Mafchine zukoͤmmt? Die Figur der Welscheile if
eben fo wenig durch die Materie ſelbſt, oder nee
wendig beſtimmet. Hat fich doch die Figuß ber
Erdfläche, nach aller Geſtaͤndniß, geändert Und
geben nicht unfere neuen Weltbaumeiſter mit ih
ren Comeien, als ber Zimmermann mit feiner
Art, um, ben großen Welteheilen eine befiebige
Figur zu geben? Der Ort eines jeden Theile der
Maſchine ift ihm an und für fich gleich, und die
Vrdnung und Zufammenfügtng ſtecket niche ii
ihrer Materie und ihren Kräften; ja, nachdem die
Theile fchon zufammen gefüger find, fo verändern
fie Doch ihre Sage gegen einander, Finnen aufge
halten ober fortgerüctet, konnen gar wieder auseiih
ander genommen werben. In ber Naturlehre
überhaupt ift es aud) ein ausgemachter Sag, daß
ein jedes Ding feinen Ort verändern koͤnne, un
.. nicht
muß aus Adficht hervorgebr. feyn. 195
he nothwendig an einem Orte fen. Ein jeder
genmärtiger Ort eines jeden Dinges hat nicht in
m felbft alleine, fondern hauptfächlich in feinen
achbarn Grund, das iſt, in dem Verhaͤltniſſe und
leichgewichte feiner Kräfte, zu den Kräften ber
nachbarten Theile; fonft wird es von einem zum
dern fortgeftoßen. Und fraget man, mas der Ort
r benachbarten wieder für Grund habe: fo hänge
abermals von ihren Nachbarn ab, und Diefes
ht in einem fort, durch bie ganze Förperliche
deit, und iſt folglich ein jedes nur wegen der aͤuſ⸗
wm Bedingung feiner Nachbarn an den: Orte,
des ift. Und mich verlanget zu wiffen, ob man
efe äuffere Bedingung , von einem Theile zum
dern, vom andern zum Dritten, vom dritten zum
erten, und fo weites ins Unendliche fchieben fann.
\as wäre meines Erachtens fo viel, als gar kei⸗
n Grund von dem Orte geben; und dazu eine
aendliche wirkliche Reihe und Zahl der Förperlic
en Welttheile feßen,
G 15.
Enblih muß die liebe Natur eine Nothhelfe-
am werden. Weil alles in der ganzen Förperlichen
Belt natürlich zugeht, und natürlicher Weiſe nichts
nders entftehen kann, als was wirklich gefchieht :
ſchließt man, fen alles fchlechterdings nothwen⸗
ig: Allein, es ift leicht zu feben, daß aus bem
mwausgefesten zu viel gefehloflen werde. Wenn
eich zugeſtanden würbe, daß alles in der Welt
atürlich zugeht, und was natürlich zugeht, nicht
aders fern koͤnne: fo folget doch Feine unbebingte
Na Moth«
196 I Abh. Eine lebloſe Welt
Nothwendigkeit, fondern nur eine bedingte mecha⸗
niſche Mothwendigfeit daraus. Denn wenn Ich
einmal eine gewiſſe Mafchine, mit beftimmter Zu⸗
fammenfiigung der Theile und Kräfte, feße, und
überlajfe fie denn ihr felbft, ohne von auffen was
darinn zu ändern: fo geht auch in der Mafchine
alles natürlich zu, und fann, vermöge ber Kräfte
und ihrer Negeln in der Werbindung der Theke,
unmöglich etwas anders darinn entftehen, als wirk⸗
lich entfteht. Dennoch aber ift diefes, was ent.
ſteht, nicht ſchlechterdings nothwendig; ſondern es
hängt von einem Werkmeiſter und dem Nuttzen der
Menſchen ab. Ich menne aber, daß ich eben dafe
felbe von der ganzen Ichlofen Welt und Natur ſo
offenbar erwieſen, als moͤglich iſt. Woher will
man denn das Gegentheil vonder Natur erhärten?
Wenn wir die Natur in diefer Abficht befon-
ders unterfuchen wollen: fo ift wohl zuvoͤrderſt noͤ⸗
thig, den Begriff deurlich zu beftunmen, welchen
man mit diefem Worte verfnüpfe. Denn es
fheint, als ob man noch nicht aufhöre,, unter
diefem Sc)leyer eine Iſis zu verheelen , das ift,
unter einem unbefiimmten und fchwebenden Worte
ein Unding für Etwas, eine verborgene Beſchaf⸗
fenheit (qualicatem occultam) für eine Urſache
auszugeben.
Mer Flare Begriffe fucher, kann burch das
Wort Natur nichts anders , als die wefentliche
Kraft einer jeden wirflihen Subſtanz, verſte⸗
ben. Diefe Bedeutung ift dem Sinne der Als
sen, und jedes gemeinen Mannes , geſchweig
vernünfe
mai a, 19%
— 86 — So
Eher ja ek Sr en
nie Belmeife, welche das B
ihre vornehmſte mei nie er
— Evi inertie, d. i. a on
Ben, und daraus folgern, daß bie les
nen Kräfte ‚nicht von der Materie
et fonbern unmitteloar won eines hoͤ⸗
Ar Ban at
u ‚ wenn sie beftehen fönnte, Als
beißt micht bie Natur ganzficd aufbeben,
|
md Gott alles in aflen alleine und unmittelbar
‚oirten laifen ? Wird ein Materialifte den Grund:
as einräumen? Eng fich bie Trägbeit der Mate:
i als betrachten, wm bfi
Siem — achten, ıwenn fie bloß von
©
finde, welche an au
u
rm
198 : HI MH. Eine Ichlofe Welt
Weil jedoch alle diefe wibrigen Kräfte in ber.
Welt durch eine weiſe Verknüpfung zur Ueberein⸗
ftimmung gebracht find, und fo ferne auch die ganye
Welt zum Eins machen, und als ein ſolches erhal⸗
ten: fo nimmt man aud) die ganze Sammlung al»
ler befondern Kräfte in der Welt, wegen biefer
Uebereinftimmung, für Eins, und nennet fie ent
weder ſchlechthin Natur, oder die ganze YTatur,
naturam rerum univerfam. Diefe Uebereinftims
mung fo vieler Kräfte hat aber weber in den einzel
nen Kräften, noch in allen zufammen genommeu
Grund: weil eine jede der andern Dafeyn nicht
in fich jchließe noch erkennet; alle zuſammen ge
nommen aber ganz mild und ſtreitend wirken wuͤr⸗
den, wenn fie eine andere Ordnung hätten.
Uebereinſtimmung hebt deninach den wirklichen Un»
terfchied fo vieler Millionen Kräfte eben fo wenig
auf, als man den Unterschied fo vieler Millionen
Menſchen oder Soldaten aufhebt, menn man fie
alle mit den Wirtern, der Menſch, der Soldat,
zuſammen faffer. in jeder einzelne Menſch inder
Welt behält doc) für fich feine eigene Natur, oder
fein Naturell, ob er gleich mit andern in einer Ber
bindung und Gefellfchaft ſteht; und ein jeder Kerl
in dem Kriegsheere hat feine Stärke für ſich, ob
er fie glei, nad) eines Winfe, mit allen andern
vereinet und einſtimmig anwendet.
Hieraus iſt leicht zu erfennen,, daß das Wort
Matur ſehr gemisbraucher, ja zum leeren Tone
wird, wenn man Darunter, id) weis nicht was für
eine einzige Kraft der Welt verftcht, die alles in
allem mirfen foll, von aflen Dingen unterfchicden
iſt,
muft aus dibſccht hervorgeht. feyn. 199
und Doch meber von einer Seele der Welt,
Fr Berfeben non Gier Gerfäuitt, os
x D B
werben
Vegriff der
2 von deit eins
worden, zu
weniger ein Hirngeſpenſt — ie
t irnge als wenn
menfchliche Natur. als. oirflich
——— ber Men
d ihren Einfluß in alle
m mierſchieden ſeyn,
imbere Menſchen te. laften follte. Auf dleſe
tife möchte bie allgemeine Natur pöchftens zut
Ahaſten Gortheit:gedenen, wie bey den Roͤmern
des, Virtus, Honor, Pavor, Pallor,) Treue, Tur
®, Ehre, Furcht, Schrecken ıc. unter dem Bilde
Sottheiten verehret wurden, ob es gleich nur
jemeine abgefonderte Begriffe von ber Gemuͤths⸗
haffenheit einzelner Menſchen waren. Aber man
hat wohl bey ſolchen Leuten, die mit dem Worte
fur fpielen, vergeblich auf eine deutliche Erkla-
1 ‚Sie wiffen ſelbſt nicht, was fie damit Dar -·
|nelten, als daß es ihnen dienen foll, dieſen lee»
"Ron flatt des erften zureichenden Grundes aller
au feßen,
DEE Per 16.
ober wie rum die Kräfte dee Dinge in der
en, es — En, oder vereinet und jufammen
: fo kann ihnen, und alfo
4 Natur, aus vielen Aha: feine andere, als
eine
200. IIM6h. Eine lebloſe Weit
eine bedingte Nothwendigkeit zukommen. Dem.
erftlich find dieſe Kräfte der Materie, als deren
weſentliche Kigenfchaft, wie die Materie fefbft,
feblos. Wenn nun die Teblofe Materie ſelbſt nicht
nothwendig wirklich iſt, ſondern von einem andern
um eines andern willen, hervorgebracht ſeyn muß r
fo find auch. derſelben Kräfte oder Natur, zugleich
in und mit bee. Materie, auf gleiche Weife, un'bee.
tebendizen willen hercorgebracht. Was kann eime:
lebloſe blinde Kraft, die fich ihres Bemühens niche
bewußt it, fondern der alle Wirkung ihres Ver
muͤhens ſchlechterdings einerley wäre, für ſich
ſchlechterdings nothwendig machen? Warum
müßte fie die erfte, ewige, felbftänbige und volle
fommenfte Kraft feyn, die ewiglich für ſich ſelbſt
verborgen, und ein Nichts bliebe, und nichts zu
ihrer eigenen Vollkommenheit wirfete, auch von
den Wirfungeh auffer ſich nichts empfände? ;
Zweytens, find die Kräfte jedes Dinges, *
den kleinen ſowohl als großen Welttheilen, von
dem Verhaͤltniſſe der Kräfte ihrer. Nachbarn Abe
hängig. Wenn nun diefe Abhängigkeit ohn Ende
in einem fortgehen follte, fo wäre eine äuffere Abe
Dingigtet der ganzen "Natur da , bie doch von -
ichts auffer der Natur abhienge, und fih auf
Nichts gründere. Es muß alfo eine höhere Kraft
auffer der Wele und Matur feyn, von welcher fie
abhängt: und fo ift fie nicht ſchlechterdings noth⸗
wendig.
Drittens, fteben bie Kräfte der ganzen Welt
in einer Verbindung und Einftimmung mit einan
Nele ift, von feinen benachbarten
MD feßer die ganze Natur eine gewiſſe
md Ordnung der Theile vordas, welche
JE werben, umb wirklich ſeyn mußte, ehe
mbete, und fo wie jegt, wirfen fonnte,
He Natur von etwas abhängt, welches
fe felbft, zu feßen ift, und meiches in fich
‚einmal nothwendig ift; fo kann die Na
ii ”
—— ale Wegen dr Sad
e Natur, es fin Kirpern oder =
j 5 \ —
S
202 I 55. Eine leblofe Well
len, wirfet, eine Bedingung voraus; Feine iſt in
fih und ſchlechterdings nochwenbig; feine läße-
geometrifch beweiſen. Man⸗ nehme in den Rdn
pern die Regeln einer anziehenden oder. ansbehugm
den Kraft, oder alle bende, oder was man fenft für
Geſetze der Bewegung in ber Erfahrung geaeiuät
fieht, woraus alle Begebenheiten in der Natur. des
zuleiten find: es find Doch feine folche ewige pleie
ſich ſelbſt nothwendige Wahrheiten, als daß
mal zwey viere fen, oder daß ein Dreyeck drey
kel habe, welche zwey rechten gleich find. Man
muß auſſer den Regeln der Naturkraͤfte, ja:ufes
der Materie felbft, immer etwas annehmen, ‚wer
aus man verfteht, warum die Regeln fo, umb wicht
anders find +. Sie leiden daher. auch nur eine
äuffere Uebereinſtimmung und äuffere Bollfommem .
beit, und können bloß um ber !ebendigen willen,
4 Leibniz Effais de Theodiece, §. 345. Pe ie
vert en möme temps, que les loix da mo Lager —
Je trouvent eſfeclivement dans la nature, et font vri-
‚fiees par les exprriences, ne font pas a la verite ab»
: folument demonflsables, conme jeroit une 75
Cicumetrique, mais il ne faut pas aufh, qu' eier ie
‚ füiene. Elles ne.naijlent pas entierement da Principe
de la neceſſito, mais elles naiſſent da principe de Is
perfedion et de Vordres; elles font un effer du cheiz
: es de la ſageſſe de Dieu. Fe puis demomrer cas leix
. de pluficurs manieres, mais il faut tunjours —
queigue chofe, qui u' efl pas d' une neceſſitẽ abfalimenn
wornesrique. De forte que ces belles loix font um
preuve merveilleufe d’ um Etre intelligent es lihre, con.
ktre le fyfleme de fa neceffite abfalue es brute de Sıra-
bon um de Spinoue,
⸗
:wußteiit Dißfscht hervorgebe fee. a203
glich unter einer Bedingung, nothwendig fern.
Abſt die Regeln, wornach ſich fo mandıe Seelen
verſchiedener Art richten, find nicht anders
sgel ein Meft bauer, warum die Schildkroͤte
den Winter vergräbt, u.fm. Unter der
‚einer. gewiſſen sebensart waren jedem
Regeln und Fertigkeiten feiner Natur, ſo und
hr anders zu ie noͤthig; in ſich felbft und
fererdinge ind ie che norhmentig,
Sechſtens, die Misgeburten, melde zwar ſel ·
ur y zuweilen, in ber Welt wirklich ent»
—— ‚größeren Unfällen, von Webers
Eröbeben, Drcanen, Unfruchtbarkeit,
. — — ey uns, daß alles
8 natürlicher Weife mög in nun
allerdings nach ben ze er Kräfte in der
ufammenfügung der Welt gefchieht: fo folger,
auch eine Ordnung und Regel in der Natur
fen, wodurch mehrmals, ja allezeit, dergleie
Unfälle zur Wirklichkeit gebracht würden; folge
find die ‚gegenwärtigen Regeln und Ordnung
e Natur nicht ſchlechterdings nothwendig.
Km
204 IM Abh. Eine lebloſe Welt
$ 17.
Inʒwiſchen zeiget die Erfahrung, daß siegt
angeregten Unfälle nur fehr felten.entftehen, und )
alfo bloße unumgängliche Apfälle von Regeln ep
müffen, welche fonft durchgehends zu der
gen Beften übereintreffen. Alte Kräfte ver
verlichen Welt, und alle Regeln der Bewe
vermöge unleugbarer Erfahrung, wirffame
hen von dem Wohl der $« ndigen. Dieg
koͤrperliche Natur iſt, ohne ihr eigen Wiffen, |
Äpre Empfindung oder ihr Vergnügen, zu }
Mugen ftets gefchäfftig und arbeitfam ; und, os
te ſich, wenn fie den größten Verftand Härte,
beffere Maafregeln dazu nehmen koͤnnen.
Die Meffünftler und Naturkündiger neuerer !
Zeit haben ein großes getan, daß fie bie Seſehe
* der Bewegung / welche die Natur am Himmel
auf dep Erden beobachtet, theils ſchon ne .
teils weiter zu erforfchen auf der Spur find.
kein, man wird aus aller, mas entdecke Äft, lache
einfehen, daß ber Grund aller der Gefege in. dem
Woohlt ber Jebendigen enthalten fer. Die Bein
welche Repler, Newton, Zeibnin, in ben
wegungen ber Planeten beobachtet, fin ind eben diej⸗·
nigen, welche uns Tag und Nacht, Sommer: und
Winter, Eich, Wärme und Fruchtbarfeit gewäße
ven. Das Gefeg der Schwere giebt unferer Erd
Bugel bie Setigfeh, und —X ſie auf allen fe
wohnbar. ſerwagsregeln erg; .
ne Seine und em über den ganıen Erbe
boden, und machen ihn ſchiffbar. Die Spannung
des
muß aus Abſicht hervorgebr. ſeyn. 205
der Lufttheilchen ift das Mittel zur geſchwinden Fort⸗
pflanzung des Lichtes und Schalles, des Wachs:
thumes der Pflanzen und des Lebens der Thiere.
Der Bruch der Licheftralen und ihre Zuruͤckprel⸗
(ung, nebft allen optifchen Regeln, geben ung tau⸗
fend Vortheile im’ Sehen. Es märe aber der
Mühe wereh, daß ein verftändiger Mann alle die
Gefege der Natur, welkhe uns die Meßkunſt und
Naturlehre an die Hand giebt, auf die Weife deut.
lich und umftändlich erflärete, daß ein jeder den
vielfachen Nutzen, welcher dadurch den $ebendigen
gefchaffer wird, und den Schaden, welchen eben die
felbe haben würden, wenn die Regeln anders waͤ⸗
ren, begreifiich erfennen Eünnte.
Diefe Betrachtung fülfet Die große Luͤcke, wel⸗
che wir noch in der Meltmeisheit haben, und ver
fnüpfet nicht allein die Meßkunſt mit der Naturleh⸗
re, fondern auch die Naturlchre mit der Metaphy⸗
fif, die wirfenden Urſachen mit den Endurfachen ;
und zeiget Den ganzen Zuſammenhang der Dinge
ans einer Quelle der Vollkommenheit und Weis—
heit. Es ift allerdings vernünftig, daß man Lie
Wirkungen felbft aus ficheren Erfahrungen lerne;
und Daß man den nächlten Grund dee Wirkungen
in den wirfenden Urfachen und deren Kräften und
Regeln ſuche: allein, e8 ift auch nicht weniger ver-
nünftig, mern die wirkenden Lirfachen und deren
Kegeln nicht in ſich und ſchlechterdings nothwendig,
und nicht durch ſich ſelbſt verſtaͤndlich ſind, ſondern
eine Bedingung voraus ſetzen, warum ſie ſo wirken,
dag man darnach forſche; weil ſonſt unſerm Der:
ſtaude
206 IV Abh. Bon Gott und görtlichen
ftande fein Genüge gefchieht, fo lange er keinen zw
reichenden Grund findet.
Dasjenige, um beßmillen ein Ding ift ober g&
fchieht, nennet man eine Endurſache oder Abfiche,
Da nım die förperlihe Welt und ihre Natur feine
innere Nothwendiafeit ihres Seyns und ihrer Be
fehaffenheit hat, fondern von einem andern, un &
nes andern, nämlich der Lebendigen willen, hertades
gebracht fenn muß: fo müffen wir nicht allein ei
wirfende Urfache, von weicher bie Weit |
bracht ift, fonbern auch eine Endurfache ober Abſicht
dieſer Wirkung annehmen, und diefelbe in -bem'
Wohl der Sebendigen fuchen, mo wir anders unferue
Verſtande durch zureichenden Grund Genüge: thun
wollen. \
Die vierte Abhandlung.
Don Gott und göttlichen Abfichten.
in der Welt. .
Sn
ir fönnen alfo, vernünftiger Weife, mit um
ferm Sorfchen nad) der erften Urſache, bey
der Welt und deren Natur nicht fteßen bleiben;
ie kann weder die Lebendigen urſpruͤnglich erzem
get haben, noch an fich felbft begriffen werben, ohne
einen Werkmeifter zu ſehen, der diefe lebloſe Ma⸗
ſchine um der $ebendigen willen hervorgebracht hat,
Die Welt und Natur ift folglich nicht das erfte,
ſaulbſtaͤndige, ewige, nothwendige Weſen; len
ches
Abſichten in der Welt. 207
miß: auſſer ber Welt ſeyn, und bie Welt im
wf bie Lebendigen hervorgebracht baben. Ä
ſes ‚felbftänbige, ewige, nothwendige We
ches die ganze Welt, und darinn die leblo⸗
gg um der Lebendigen willen geſchaffen hat,
a6 wir mit dem orte, (Bott, anbeuten.
fo ein Bott, und wir Fönnen unferer geſun⸗
munft, ohne ben Begriff von einem folchen
‚nicht einmal in ben gemeinften Erfahrun⸗
‚ımferm Urfprunge, und ber Förpeelichen
Belt auffer uns, Genügen thun.
llen wir nun die Eigenſchaften biefes erden
Jefens, von dem bie ganze Welt, und wir
t allen Lebendigen abhängen, weiter erfor
Iftehen uns nur zween Wege offen. Wir
verfuchen, was aus dem erften Begriffe
t durch genaue Bernunftfchlüffe zu erfennen
' Finnen auch feine Bolltommenheiten in
Werke ‚ als einem finnlichen ‚Spiegel ber
n Kräfte und Eigenfchäften, wahrnehmen.
eydes feine zureichende Klarheit und Deut⸗
at, und mit einander uͤbereinſtimmet: ſo
vie deſto ſicherer ſeyn fönnen, daß wir ung
em: fo unermeßlichen Weſen, mit unferer
n Vernunft, wenigftens feine falfche Vor⸗
gemachet haben; wenn fie gleich ſeht un⸗
nen ſeyn wird.
Diibe zwar unferm Verſtande, zumal in in
bie fo eehaben und von dem Sinnlichen f6
‚find, vieles verborgen, wie und auf way
iefes. und jenes befchaffen oder möglich fen:
n Zweifel, der bloß’ auf Frage Der
M⸗
208 IV A6h. Von Gott und göttlichen
Einſicht und apf Linwiffenbeit gegründet if
hat gegen klare und Deutliche Einſicht bi
gEinftimmung oder des Widerſpruchs Bei
Start. Wenn wir fo folgern wollten, ich begrel
nicht, wie es zugeht, alfo iſt es nichts jo wuͤrd
wir bie .offenbarefien Dinge, felbft in der Natu
als ticht, Bewegung, Fortpflanzung, chieriſe
Sertigfeiten, ja unfere eigenen Handlungen verlen
nen müffen. Und gewiß, wer die Naturlehre uñ
ber Lehre von ort unparthenifch vergleiche, %
wird in jener eben fo viel unerforfchliches für feim
Verſtand, als in diefer, finden. Man muß d
ber ftets die Graͤnzen der menfchlichen Vermmf
welche ung die klare und deutliche Einficht des Jı
ſammenhanges der Dinge bezeichnet, wohl beme
fen; und das, mas man im hellen Lichte fieh
darum nicht verleugnen, meil noch eins und ander
übrig bleibt, das man niche fo klat und deutlich
kennen kann. |
6 2
Gott ift, vermöge des erften ‘Begriffes, fell
ftändig, ewig, und ſchlechterdings nothwendig
Daher aber fann man ihn auch nicht anders, al
unveränderlich, gedenfen. Denn wäre ee j
befchaffen, daß etwas in ihm entflünde, was va
mals in ihm noch nicht wirflich war: fo lieffe
nicht fagen, daß er in feiner wirklichen Be
beit ſchlechterdings nothwendig fen; fondern, ı
koͤnnte ſich auch anders verhalten, es würbe bald i
biefen
ı Siehe die J Abd. $. 1m
Abfichten in der Welt. 209
biefent, bald in jenem Zuftande fenn. Solcher ver,
fchiedene auf einander fülgende Zuſtand wuͤrde auch
fein Daſeyn der Zeit unterwerfen; welches feine
Emigfeit aufbebt. Eine Reihe von Jahren und
Jahrhunderten bringet nimmer eine Ewigkeit her⸗
aus, wenn man fie auch noch fo fehr verniehret 2.
Und wie koͤnnte er denn felbitändig fern? das ift,
wie fönnte alle feine Wirklichkeit in feinem eigenen
Weſen allein völligen Grund haben? Das Weſen
iſt unveränderlich: fo muß auch eine Wirflichfeit,
bie barinn völligen Grimd hat, zugleich mit Dem We⸗
fen ba, und unveränderlich fen. ort iſt dem»
nach unveränderlich, ohne Zeit und Wechſel, ftets
derfelbe, und ſich vollkommen ähnlich.
Aus diefer Eigenfchafe fließt weiter, daß er in
allem, was fein Weſen in ſich fehließt, unendlich,
oder ohne Schranken ſey. Denn was Schranfen
hat, indem ift ein mehreres, oder etwas anderes
moͤglich, als es ſchon wirklich an fich hat. Co hat
unfer Verſtand Echranfen, weil nod) ein mehreres
oder anderes gedacht werden kaun, als wir jegt wife
fen und verſtehen. Unſere Stärfe hat Schrans
fen, weil rioch ein mehreres oder. anderes ausgerich⸗
tet werden fann, als wir durch unfere Stärfe aus⸗
zurichten vermögend find. Wenn nun Das, mas
in einem eingefchränften Dinge über das Wirkliche
möglich ift, entfteht: fo gefchieht eine Verindes
rung in demfelben. Daher ift wechfelsweife wahr:
Alles, was Schranfen hat, ift veränderiih; und
alles, was veränderlich ift, hat Schranken. So
i
2 Siehe die J. Abh. F. 8. und gi III.Abh. $.6. fa.
. zere Götter von Spander unterfchieben:
wernn TNIEDTETE WIDILET waren, ſo mutzten RE
einander und von einander unterſchieden ſeyn.
nun nichts von dem andern unterſchieden ſeyn
wenn nicht etwas iſt, worinn ſie unterſchieden
fo muͤßte auch etwas ſeyn, worinn zween
eine muͤßte n ſich haben,
nicht an ſich haͤtte: der eine wuͤrde ——*—
ken, wollen, koͤnnen, was ber andere. nicheg
te, wollte oder koͤnnte. So waͤre auſſer dem
be eine gebächte, wollte oder Fönnte, wech ”
ves zu gedenken, ‚ zu beſchließen und ‘Ausgei
möglich). Wie würde man alfo fagen Fön
diefes letzteren Gottes. Verſtand,
. möge, unendlich fen? Das ift, er waͤre kein
Es iſt daher ein ficherer Echluß: .alles,.i
viele und verfchiedene einzelne Dinge, Arten;
ungen und Stufen moͤglich find, das ift
und —— weil auſſer dem, was einen
wirklich zukoͤmmt, noch ein anderes und me
ber Art möglich iſt. Hergegen ift das Une
nicht nur eins, fondern fchlechterdings einzig, |
unmöglich mehrere und andere unendliche. $
feyn koͤnnen. Eben diefe Eigenfchaft Gotter
auch aus feiner Nothwendigkeit hergeleitet w
Denn eins iſt nothwendig; ein retbftändig 3
2 =
Abbſichten in der Melt, zu
m &o bald ich aber von der Einheit ab»
Nat Grund, warum eben '
) , und nicht Hundert, nicht taufend,
immer mehr gefeget wirden; mie auch die
oͤtterey der weiſt, die ihre Zahl der
ter immer ve haben, und nimmer recht
N fönnen ober wollen, :
$ 3
Wenn nun alles, mas in Bott iſt und fern kann,
einem — Weſen er
fo ſtimmet alles, was in ihm iſt,
— eigenen Weſen uͤberein. Dieſe Ueber»
einftimmung alles görtlichen, mie feinem eigenen
Weſen, ift feine innere felbftändige Vollkom ⸗
wenheit, welche mithin auch ewig, nothwen ⸗
dig, imendlich und einzig if. Ein Förpers
lebfofes Ding kann weder felbftändig ſeyn noch
re Vollkommenheit Er Es ift nichts in
hm felbit, welches fein Daſeyn und feine Befchafs
heit beftimmet, ober womit alles in feinem We⸗
inflinmen Fönnte *. Gott kann alſo nicht
fich noch leblos ſeyn ; ſondern er muß eln uns
Förperlich $eben haben, das feinen übrigen Eigen«
fhaften gemäß, folglich felbftändig, notwendig,
eig, umveränderlich, unendlich, einzig, und ſchlech ·
terdings das allervollfommenite-ift.
Ein jedes Leben begreift eine wirffame Kraft,
Da num Gottes $eben felbftändig ift: fo muß in
demſelben der erfte Grund alles deſſen geſuchet wer»
den, was it und auffer ihm durch Kräfte zur Wirk,
a lichkeig
*
”
3 Giepe die Ut abb. $4. fg.
iſt, zeiget. Wenn mın ein Weſen Berftam
Willen hat, fo rechnen wir es zu der Zahl der
ſter. Gott ift alfo ein Beift; und weil er u
lic) iſt. fo ſtellet ſich ſein Verſtand “alles md
‚mf einmal in der größten Deutlichfeit
ehr Bile hac auf einmal gewollt nd
was er a finden fann, *
ens inneres Ziel und Mittelp
womit alle deffen Bemühungen
ſteht in der Luft und Glüchfeligkeit: Da
Die Luſt nichts, anders ift, als ein anfthaitennet
tennmiß der Volltommenheit; Gott Aber,
feinem unendlichen Verftande, ſich unter Al
lichen auch feine eigene Wollfommenbeite
ae vorftellet: fo genießt er, Durch
feyn, feines eigenen
— Kraft, Wirkung, und
Bgm , aufs volltommenfte, und Ichet
dich in eroiger, unendlicher, underänber!
imd Gtüdfeligkeit. *
8.4.
Es ſind auch
Kraſt, Bye und Pa Dinge, mit
4 Giche die 1U6h. 6 3.
Y n
* Albſichten in der Welt. 23
blichen Vollkommenheit möglich, und, tie die Er⸗
rung hr, in der ae mi made.
Ja num fanden ift, und in Gottes les
Inbigen Krafebep rund alles deſſen zu für
1.öfl, wird: fo muß
vas feyn, woraus ſich
haffenpeit der Welt ver«
ehr man alfobald: weil zur Hervorbrin .
eklichen ges auſſer fich eine Macht,
ein Vermögen, etroas wirflic zumachen, gehötet,
3 man Gott eine folche Nacht beylegen müffe,
Ielche wenigſtens ihrer Wirfung, oder der Größe
Er ‚gleich ift. - Allein, da auch fonft fein zur
Ding überhaupt möglich ift, welches nicht ur⸗
fich von Gott, als dem erſten Wefen, ente
+ fo muß in Gott eine Macht feyn, die alles
ein fich faffer. Und das nennen wir eine
Eben dieſes erhellet auch aus der
henblichfeit Gottes, Denn wäre feine Macht
ine Allmacht, fo wuͤrde ja auffer derfelben noch
möglich) feyn, das fie nicht ausrichten koͤnn ·
and fie würde folglich Schranfen haben. Da
£ die Welt, welche durch Gottes Allmacht wirk-
‚geworben, ‚nicht ewig ift, nod) feyn kann: fo
üget, daß fie von Gott aus Nichts hervorgebracht
D> ch habe fehon oben gezeiget, daß diefer Ber
ff nichts widerfprechendes in fich halte, und da»
fr nichts unmögliches vorftelle. Aber wir Men-
haben freylich fein Wermögen, bas diefem
bar an fönnen alfo auch die Art ——
ſolches möglich iſt, nicht begreifen, noch aus
- 93 fergem
214 IV Abh. Won Gott und göttlichen.
folchem Mangel ber Einfiche einen Zweifel wider :
die Zache felbfl ziehen °, .
Daß er aber feine Macht zur Hervorbringung
einer Welt, die er ſich gedacht hatte, anwenden
wollen; ſolches kann man keiner innern unbeding⸗
ten Nothwendigkeit feiner Natur und feines We⸗
fens beymeſſen. Sonft würde die Welt mit Got
tes Wefen eine unzertrennliche Verknüpfung haben,
und, fo zu reden, eine Perfon mit ihm ausmachen:
fo würde alles, was in der Welt ift und geſchieht,
in Gore felbft fenn und geſchehen: mit einem Wor⸗
te, die Welt wäre fein Körper, und er bie Seele
der Welt. Das fann aber nicht ſeyn. Die Belt
iſt veränderlich; Demnach würde auch Gott durdh:
die Welt veränderlich werden, weil fie ein weſent⸗
lich Theil von ihm wäre. Die Welt, und alles
was in der Welt ift, hat Schranken; demnach
würde auch Gottes Wefen fo ferne eingefchränfe
und endlich fin. Die Dauer der Welt beſteht
in einer Zeit, und fie Fann nicht ewig feyn; dem⸗
nach würde aud) Gott der Zeit unterworfen unb fü
ferne nicht ewig fenn. Die Welt iſt groͤßtentheils
förperlih; demnach würde fich auch Gore in dieſem
Körper bewußt feyn, das ift, finnfich fühlen, und
yon Körper abhängen; folglich nicht das allem
vollfommenfte $eben, und die allervollfommenftg
Gluͤckſeligkeit beſitzen. Die Welt enthält Lebendi⸗
ge, die, wegen ihrer Schranfen, bloß einer niedri
gern Luſt fähig find, welche dazu noch durch Schmerz
und Unfuft geftöret wird, und oft aus ber Unvolls
| fominens
5 Siehe die III Abh. $ 6. ug. Ä |
— ⸗
— nr
— — —— —
Abſichten in der Welt. 215
kommenheit eine betrügiiche Nahrung ſuchet; dem⸗
nach mürde Gott, wenn er in den $ebendigen Diefer
Welt lebete, fich durch ihre Schoͤpfinig unvollkom⸗
mener und unglücfeliger gemachet haben. Diefes
alles widerſpricht den göttlichen Eigenſchaften, und
folglich) feinem Weſen. Demnach widerjpricht es
feinem Weſen und feinen Kigenfchaften, daß er
die Welt aus innerer unbedingten Nothwendigkeit
feiner. eigenen Matur hervorgebracht bitte.
Es bleibe aljo nichts uͤbrig als daß die auffe
ren möglichen Dinge, welche er fich nach feinem un»
endlichen Verſtande vorgetlellet, feinem Willen eis
nen Bewegungsgrund zur Schöpfung gegeben, und
daß die Zufalligfeie und Mannichfaltigkeit möglie
cher Dinge ihm eine frene Wahl verſtattet habe,
welche jedoch mit feinen nothwendigen Eigenſchaf⸗
ten uͤbereinſiimmete. Gott hat nämlich, vermöge
feiner Natur, an feinen eigenen Vollkommenheiten
tut. Er ſtellet jich aber, nach dem Verſtande,
nicht aflein ſich felbit, fondern auch alle auffer ihm
mögliche Dinge, mit ihrer verfchiedenen Vollkom—
menheit ver, Nun wiffen wir Menfchen aus unfer
rer eigenen Empfindung, daß ein Geift niche allein
an feiner eigenen, fondern aud) an anderer Voll»
kommenheit und Glückfeligfeit $uft haben kann.
Demnach läfit ſich auch begreifen, daß diefes gleich.
falls dem gröfiten Geijte ein Bemegungsgrund des
Willens zur Schöpfung, Die in feiner Macht war,
"hat werden koͤnnen.
‚Wenn wir Menfchen an ver Vollkommenheit
eines andern Luſt haben: fo iſt doch aflezeit bey uns
eine Begierde nach unferer eigenen mehrern Voll:
24 Fommen
216 IV Abh. Bon Gott und göttlichen
kommenheit und Gluͤckſeligkeit, und alfo ein Man« |
gel mit zum Grunde zu legen. Das läßt fich aber
von Gott nidye fagen, als deſſen Vollkommenheit
und Gluͤckſeligkeit nichts Fan hinzugefegt werden,
weil fie unendlich ift. . Gott kann alfo bie Welt, .
in dem Verſtande, nicht um fein felbft willen ge
haften haben. Allein, auch die koͤrperliche Wele
und Gluͤckſeligkeit fähig, und kann ihres eigenen
Daſeyns nicht genicken; fondern kann nur ‚In. fo
weit vollkommen genannt werden, als ihr Daſeyn
und ihre "Befchaffenheit mit dem Wohl der ebene .
digen uͤbereinſtimmet. Demnach fann Bott auch
bie koͤrperliche Melt nicht um ihrer ſelbſt willen,‘
fordern um der $ebendigen willen, gefchaffen haben.
Die tebendigen aller Arten find es demnach nur ei⸗
gentlich, von welchen Gott ben ‘Bemegumgsgrund
zur Schöpfung genommen hat; weil fie einer ins
nern Vollfommenbeit, $uft und Glückfeligkeit füs |
big waren, und weil Bott fid) ein Vergnügen bars
aus machte, aus feiner unendlichen Fülle Denen
auffer ipm möglichen $ebendigen bie Wirklichkeit zul
geben, und fo viel Vollkommenheit und Gfücdfelige
feit mitzurheilen, als jedes Arc, in der Verknuͤ⸗
. Pfung der Dinge, litte.
Dasjenige,um def willen ein verftändiges We⸗
fen etwas zur Wirklichkeit bringer, wirb feine Abſicht
oder fein Zweck genannt. Gott handelt alfo in bee
Welt mit Abfiche, und dieſe ift auf das Wohl der
gebendigen gerichtet; ailes aber in der Welt, mag
Diefe Abfiche zur Wirflichkeie bringen kann, iſt une
ter die Mittel der göttlichen Abſicht zu zählen. Da
num
|
e
|
\
r
iſt, als leblos, feiner innern Vollkommenheit, Luſt
.
-
1
j
Abfichten in der Welt, 217
nun alles in ber Welt burch die Kräfte ber Dinge,
das ift, durch die Natur, ihrem Weſen gemäß, zur
Wirklichkeit fömmt, ſo ift das Weſen und die Na»
tur der Dinge das Mittel görtlicher Abfichten.
Ein unendlicher Verſtand, ber aller möglichen
Dinge Vollkommenheit aufs deutlichſte einficht,
weis feine Abfichten und deren Mittel zu der voͤl⸗
ligften Uebereinftimmung zu bringen: und das iſt
die groͤßte Weisheit. Kin Wille, der an aller
möglichen $uft und Gluͤckſeligkeit der Lebendigen
Gefallen hat, wird auch geneigt fern dieſelbe zu bes
wirfen: und das ift die größte Gute. Wir füns
nen alfo von Gottes Schoͤpfung und deren Abjich-
ten nicht anders denfen, als daß fie eine unendliche
| Weisheit und Güte zu Taae legen werden; gleich»
— „
wie fie Durch feine unendliche Macht wirklich ger
worden find.
8 5
Wie uns nun diefer Weg des Erfenntniffs
Gottes von den erſten Begriffen feiner Selbftän-
digkeit, Nothwendigkeit und Ewigkeit, zu feinen
meifen und gütigen Abfichten in der Schöpfung der
Melt geführer hat: fo werden mir ruͤckwaͤrts, durch
die Betrachtung der Welt, vermittelſt der darinn
liegenden Abfichten, zu eben dem Erfenntniffe des
Dafenns Gottes und feiner Eigenfchaften und Wirs
kungen gebradt.
Aus der Betrachtung der Welt fahen wir: da
das Sebendige in ber Welt einen Urſprung, und
Doch nicht von dem $eblofen gehabt, das Lebloſe aber
auch den Grund feines Daſeyns und feiner Beſchaf⸗
5 fenheit
208 IVA6h, Von Gott und göttlichen
$Einficht und apf Unwiſſenheit gegrümber iſt
nfi anf ſſe 5 iſt
hat gegen klare und deutliche ſicht der
Einſtimmung oder des Widerſpruchs keine
Start. Wenn wir fo folgern wollten, ich begreife
nicht, wie es zugeht, alfo ift es nichts jo würben
wir die offenbareftien Dinge, felbft in der Natur,
als Licht, Bewegung, Fortpflanzung, thierifche
Sertigfeiten, ja unfere eigenen Handlungen verfeunge -
nen müffen. Und gewiß, wer die Naturlehre mit
ber Sehre von ort unparthenifch vergleiche, der
wird in jener eben fo viel unerforfchliches für feinen
Verſtand, als in diefer, finden. Man muß da
ber ftets die Graͤnzen der menſchlichen Vernunſt,
welche ung die klare und deutliche Einficht des Zu⸗
fammenhanges ber Dinge bezeichnet, wohl bemer⸗
fen; und das, was man im hellen Lichte fieht,
darum nicht verleugnen, weil noch eins und anderes
übrig bleibt, das man nicht fo klar und deutlich er»
kennen kann. |
6 2
Gott iſt, vermöge des erften ‘Begriffes, felbe
fländig, ewig, und fchlechterdings nothwendig *.
Daher aber fann man ihn auch nicht andere, als
unveränderlich, gedenken. Denn wäre er ſo
befchaffen, Daß etwas in ihm entjtünde, was vor⸗
mals in ihm noch nicht wirflich war: fo lieſſe
nicht fagen, daß er in feiner wirklichen Beſchaffen⸗
beit fohlechterdings nothwendig ſey; ſondern er
koͤnnte ſich auch anders verhalten, es würbe bald in
biefem,
ı Siehe die J Abh. q. 1. m
&
Abfichten in der Welt. 209
dieſem, bald in jenem Zuftande ſeyn. Solcher ver⸗
fihiedene auf einander fülgende Zuftand würde aud)
fein Dafe,n der Zeit unterwerfen; welches feine
Ewigkeit aufhebt. Eine Reihe von jahren und
Jahrhunderten bringet nimmer eine Ewigleit ber»
aus, wenn man fie auch noch fo fehr vermehret *,
Und wie koͤnnte er denn felbitändig fern? das ift,
wie koͤnnte alle feine Wirklichkeit in feinen: eigenen
Weſen allein völligen Grund haben? Das Wefen
iſt unveraͤnderlich: fo muß auch eine Wirflichfeir,
die darinn völligen Grund hat, zugleich mit dem We⸗
fen da, und unveränderlic fen. Oott ift dem»
nach unveränderlich, ohne Zeit und Wechſel, fiets
derfelbe, und ſich vollkommen ähnlich,
Aus diefer Eigenfchafe fließt weiter, daß er in
allem, was fein Weſen in fid) ſchließt, unendlich,
oder ohne Schranken fen. Denn was Schranfen
hat, in dem ift ein mehreres, oder etmas anderes
möglıdı, als es ſchon wirflid) an fich hat. Co hat
unfer Verftand Schranfen, meil nod) ein mehreres
oder anderes gedacht werden kaun, als wir jeßt wife
fen und verſtehen. Unſere Stärfe hat Schran«
fen, weil noch ein mehreres oder: anderes ausgerich⸗
tet werben Fann, als wir durch unfere Stärfe aus⸗
zurichten vermögend find. Wenn nun das, mas
in einem eingefchränften Dinge über das Wirkliche
möglich iſt, entſteht: fo gefchieht eine Veroͤnde⸗
rung in demfelben. Daher ift mechfelsweife wahr:
Alles, was Schranfen hat, ift veränderiich; und
alles, was veränderlich ift, hat Schranken. Ev
i
2 Siehe die I. Abh. $. 8. und Pu III. Ash. 4. 6. ſq.
f
210 IV Abh. Bon Gott und göttlichen
ift denn auch im Gegentheile alles Unendliche ı
veränderlich, und alles Unveränderliche unenbli
Gott ift alfo unendlich, fo ferne alles, was in Üf
möglich ft, zugleich, und auf einmal ba iſt.
Ich folgere auch daraus, baf er einzig f
oder daß nicht mehrere Götter ſeyn Pönnen. De
wenn mehrere Goͤtter wären, fo müßten fie auf
einander und von einander unterfchieden fenn. W
nun nichts von dem andern unterichieden fenn Paı
wenn nicht etwas ift, worinn fü ie unterfchieden ſij
fo müßte auch etwas feyn, worinn zween oder m
rere Götter von einander unterfchieden wären; 1
eine müßte etwasan fich haben, mas ber and
nicht an ſich hätte: der eine würde etwa was d
Een, wollen, Fönnen, mas der andere nicht gedaͤ
te, wollte oder fönnte. So wäre auffer dem, m
der eine gedächte, wollte oder Fönnte, nod) ein m
res zu gedenken, zu befdjließen und auszurich
möglih. Wie würde man alſo fagen Finnen, d
diefes leßteren Gottes Verſtand, Willen und V
mögen unendlich fen ? Das ift, er wäre fein &%
Es ift daher ein ficherer Schluß: alles, wor
viele und verfchiedene einzelne Dinge, Arten, G
tungen und Stufen moͤglich find, das ift enbl
und eingefchränft; meil auffer dem, was einem jet
wirklich zutömmt, noch ein anderes und mehre
ber Art möglich if. Hergegen iſt das Unendli
nicht nur eins, fondern fchlechterdings einzig, fo d
unmöglich mehrere und andere unendliche Dü
feyn koͤnnen. Eben diefe Eigenfchaft Gottes fa
auch aus feiner Nothwendigkeit hergeleitet werd
Denn eins iſt nothwendig; ein felbftändig We
m
\
NEE | _ . J
' .
Ablbſichten in der We” " "an
So bold ich aber von der Einheit ab⸗
Be gureichender Grund, warm eben '
), drey, wier und nicht hundert, nicht —
— — geſhet würden; wie auch Die
ideiiwelt, Die Ahre Zafl der '
Ban, u sine ht
i aan
Wenn nun alles, was in Gott und —
i we he um 8
N net alles, 1
sit feinem eigenen Weſen übereitt, u,
einftimmung alles göttlichen, mit feinem eigenem
‚Befen, ift feine innere felbftändige Vollkom⸗
menbeit, welche mithin auch ewig, nothwen .
— imendlich und einzig if, Kin koͤrper ·
| feblofes Ding Fann weder felbftändig feyn, noch
hinere Bollfommenbeit haben. ' Es ift nichts, in
Abm felbt, weiches fein Daſeyn und feine Befchafe
end it beftimmer, ober womit alles in feinem We⸗
4 inftinmmen Fönnte ’. Gott kann alfo niche
jerlich noch leblos fen ; fehbern er. muß ein un⸗
förperlic) Sehen haben, das feinen: Übrigen Eigen
haften gemäß, folglich felbftändig, nothwendig,
eig, unveränderlich, unenblid), einzg, und fehlech-
terdings das allervollfommenfte it
Ein jedes Eben begreift eine wirffame Kraft, .
Da num Gottes geben felbftändig iR: fo muß in
demſelben der erfte Grund alles deffen geſuchet were
den, mas in und auffer 4 durch Kräfte vu Bl,
3 Giehe die Ul Abb. 94. Sag.
aı2 IV Abh. Von Gott und goͤttlichen |
lichkeit koͤmmt, und möglich ift . Well es aber
eine unförperliche Lebenskraft ift, fo Fönnen wir ſſe
innerlich nicht anders, als durch Verftand ud
. Willen, wirkſam gedenken; gleichwie auch die du
ferliche Schdpfung, Dadurch) die Welt um der $e
bendigen willen, das ift, nach Abſicht hervorgebracht
ift, zeige. Wenn nun ein Wefen Berftand np
Willen hat, fo rechnen wir es zu ber Zahl Ver Geh
fter. Gott ift alfo ein Beift; und weil er ımend:
lich ift, fo ftefler fich fein Verftand ‘alles moͤgliche
auf einmal in der größten Deutlichfeit vor; mb
fein Wille hat auf einmal gewollt und befi
was er für gut finden kann.
Alles $ebens inneres Ziel und Mittelpunke,
womit alle deffen Bemühungen uͤbereinſtimmen, ber
ſteht in der Luft und Glüchieligkeit. Da nun
Die Luſt nichts anders if, als ein anfchauendes Er.
fenneniß der Vollkommenheit; Gott aber, nad
feinem unendlichen Verſtande, fich unter allen Mög. :
lichen auch feine eigene Vollkommenheiten aufs z
deutlichfte vorftellet: fo genießt er, durch folch deut.
liches Bewußtſeyn, feines eigenen Daſeyns, feiner
Eigenfchaften, Kraft, Wirkung, und deren Leber: .
einftimmung , aufs vollfommenfte, und lebet alſo
für ſich in ewiger, unendlicher, unveränderlicher Luſt
und Gluͤckſeligkeit.
$S 4
Es find aber auch auffer Gott, durch feine
Kraft, endliche und veränderliche Dinge, mit einer
endli
4 Giche die I bh. $ 3.
[ = j
"0 Abfihten in der Wet 213
ı bald: weil zur Hervorbrin ·
hen s auffer fich eine Macht,
weinBermögen, etrmas wirklich zumachen, gehöret,
3 man Gott eine folche Moacht beylegen müffe,
slche wenigſtens ihrer Wirkung, oder der Groͤße
te Belt, ‚gleich iſt. Allein, da auch ſonſt Fein zur
Ding überhaupt möglich ift, welches nicht ur»
glich von Bott, als dem erſten Wefen, ents
+ fo muß in Gott eine Macht feyn, die alles
gliche in ſich faffet. Und das nennen wir eine |
macht. Eben diefes erhellet auch aus der
menblichfeit Gottes, Denn wäre feine Mache
ine Allmacht , fo würde ja auffer derfelben noch
möglid) feyn, das fie nicht ausrichten koͤnn ·
d fie würde folglich Schranken haben. Da
t, durch Gottes Allmacht wirk ·
geworden, nicht ewig ift, noch ſeyn kann: fo
Iget, daß fie. von Gott aus Nichts hervorgebracht
38 babe ſchon oben gezeiget, daß biefer Ber
HF nichts widerfprechendes in ſich halte, und da
nichts unmögliches vorftelle. Aber wir Men»
ben freplich Fein Wermögen, bas diefem
mäte; fönnen alfo auch die Art und: Weife,
ie ſolches möglich iſt, nicht begreifen, noch aus
-.893 folgen
aia IV 69, Bon. Gott und adalichen
folchem Mangel dei Einfihe einen Zweifel. m
die Sache ſelbſt
N
= Dafi er aber e Macht zur Hervorbring
einer Weir, die enfichugedache hatte, anwe
wollen; folches fan man feiner innern unbet
ten Nothwendigkeit feiner Mat und feines
fens beymeffen. Sonſt würde die Welt mit |
des Wefen eine unzerteennliche Verknüpfung’
und, fo zu reden, eine Perſon mie ihm m |
fo wärde alles, was in dee Weit it und-gefih
in Gott felbft ſeyn und gefchehen; mir ein
te, Die Welt wäre fein-Rörper , und er die
der Welt. Das kann aber nicht feyn, Died
iſt veränderlich; demnach wuͤrde auch Gott d
die Welt veränderlich werden, weil fie ein we
lich Theil von ihm waͤre. Die Welt, und
was in der Welt iſt, hat Schranken; dem
würde auch Gottes Weſen fo ferne eingeſche
amd emblich fun, Die Dauer der Welt bei
in einen Zeit, und fie kann nicht ewig feynz I
nach würde auch Gott ber Zeit unterworfen am
ferne nicht ewig ſeyn. Die Wele iſt gr:
korpetlich; demnach würde fich auch Bott ing
Korver hewußt ſeyn, das iſt, fi re
von Körper abhängen; folglich
velltommenfte $eben, und die —
Peg befigen, Die Welt enthaͤlt &
ge, Die, wegen ihrer Gchranfen, bloß einer.
gern tuft — find, weiche dazu nah Durch
und Unluſt geitörer Wird, und oft aus —
Emm she zu
Abſichten in der Welt. 215
fommenheit eine berrügiiche Nahrung ſuchet; dem⸗
nach) wuͤrde Gott, wenn er in den $ebendigen Diefer
Welt lebete, ſich durch ihre Schöpfung unvollfome
mener und unglückfeliger gemachet haben. Diefes
alles widerfpricht den göttlichen Eigenfchaften, und
folglid) ſeinem Weſen. Demnach widerſrricht es
feinem Weſen und feinen Eigeuſchaften, daß er
Die Welt aus innerer unbedingten Nothwendigkeit
feiner. eigenen Natur hervorgebracht bitte.
Es bleibe aljo nichts tibrig als daß die aͤuſſe⸗
ren möglichen Dinge, welche er ſich nach feinem uns
endlichen Verſtande vorgeſtellet, feinem Willen eis
nen Bewegungsgrund zur Schöpfung gegeben, und
daß Die Zufülligfeit und Mannichfaltigkeit möglie
her Dinge ihm eine frene Wahl verftattet habe,
welche jedody mit feinen nothwendigen Kigenfchafs
ten uͤbereinſtimmete. ort hat nämlich, vermöge
feiner Natur, an feinen eigenen Vollkommenheiten
tut. Er ſtellet fich aber, nach dem Verftande,
nicht allein ſich felbit, fondern auch alle auffer ihm
mögliche Dinge, mit ihrer verjchiedenen Bollfoms
menheit ver. Nun wiſſen wir Menſchen aus unfes
rer eigenen Empfindung, Daß ein Geift nicht allein
an feiner eigenen, fondern auch an anderer Doll»
fommenheit und Gluͤckſeligkeit Luſt haben Fann.
Demnad) läfit fich auch begreifen, Daß dieſes gleich.
falls dem größten Geiſte ein Bewegungsgrund des
Willens zur Schöpfung, die in feiner Macht war,
hat merden koͤnnen.
Wenn wir Menſchen an der Vollkommenheit
eines andern Luſt haben: ſo iſt doch allezeit bey uns
eine Begierde nad) unferer eigenen mehrern Voll:
4 fommen:
‚216 IV Abh. Von Gott und goͤttlichen
kommenheit und Gluͤckſeligkeit, und alfo ein Man-·
gel mit zum Grunde zu legen, Das laͤſit ſfich aber
von Bott nicht fagen, als deſſen Bollfommenpeit
und Gluͤckſeligkeit nichts kann hinzugefegt werben,
weil fie unendlich if. . Gott kann alfo bie Welt,
in dem Beritande, nicht um fein felbft willen ge.
fhaffen haben. Allein, auch die koͤrperliche Welt
iſt, als leblos, Feiner innern Vollkommenheit, Luſt
und Gluͤckſeligkeit fähig, und kann ihres eigenen
Daſeyns nicht genießen; fondern fann nur in fo.
weit vollfommen genannt werden, als ihr Daſeyn
und ihre Beſchaffenheit mit dem Wohl der Leben⸗
|
digen übereinftimmet. Demnach fann Bott auch |
die förperliche Welt nicht um ihrer ſelbſt willen,“
fordern um der $ebendigen willen, gefchaffen haben: .
Die tebendigen aller Arten find es demnach nur ei⸗
gentlich, von weldyen Gott den ‘Bemegungsgrund
zur Schöpfung genommen hat; weil fie einer ine |
nern Vollfommenheit, $uft und Glücfeligkeit für
big waren, und weil Gott fid) ein Vergnügen dar⸗
aus machte, aus feiner unendlichen Fülle denen
auffer ihm möglichen $ebendigen die Wirflichfeit 4
geben, und fo viel Vollkommenheit und Glücfelige
keit mitzurheilen, als jedes Art, in des Verknuͤ⸗
. Pfung der Dinge, litte.
Dasjenige,um def willen ein verftändiges We⸗
fen etwas zur Wirklichkeit bringet, wird feine Abſicht
ober fein Zweck genannt. Gott handelt alfo in ber
Welt mit Abfiche, und diefe ift auf das Wohl ber
gebenbigen gerichtet; aileg aber in der Welt, mas
Diefe Abſicht zur Wirflichfeie bringen kann, iſt une
ter die Mittel der goͤttlichen Abſicht zu zählen. Da
nun
Abfichten in der Welt, 217
nun alles in ber Welt durch die Kräfte der Dinge,
das ift, durch die Natur, ihrem Weſen gemäß, zur
Wirklichfeit Eömmt; fo ift das Weſen und die Na»
tur ber Dinge das Mittel görtlicher Abfıchten.
Ein unendlicher Verftand, der aller moͤglichen
Dinge Vollkommenheit aufs deutlichſte einſieht,
weis ſeine Abſichten und deren Mittel zu der voͤl⸗
ligſten Uebereinſtimmung zu bringen: und das iſt
die qroͤßte Weisheit. in Wille, der an aller
möglidyen $uft und Glückfelinfeit der $ebendigen
; Gefallen hat, wird auch geneigt fern diefelbe zu be
| wirfen: und das ift die größte Gute. Wir koͤn⸗
nen alfo von Gottes Echdpfung und deren Abjich.
| tem nicht anders denken, als daß fie cine unendliche
: MBeisheit und Güte zu Tane legen werden; gleich«
Ä wie fie durch feine unendliche Macht wirklich ger
worden find.
| S 5.
Wie ung nun diefer Weg des Erfenntniffts
| Gottes von den erften Begriffen feiner Selbftän-
digkeit, Nothwendigkeit und Ewigkeit, zu feinen
weiſen und gütigen Abfichten in der Schöpfung der
Melt geführer hat: fo werden wir rückwärts, durd)
die Betrachtung der Welt, vermitteiit der darinn
liegenden Abfichten, zu eben dem Erfenntniffe des
Dafenns Gottes und feiner Eigenfchaften und Wire
Eungen gebradıt.
Aus der Betrachtung der Welt fahen wir: da
das Sebendige in der Welt einen Urfprung , und
doch nicht von dem $eblofen gehabt, das Lebloſe aber
auch den Grund feines Dafenns und feiner Beſchaf⸗
5 fenheit
———
=
218 IV Abd. Bon Gott und göttlichen
fenheit nicht in ſich felbft haben, das ift, nice
felbftändig,, nothwendig und ewig feyn kann; Daß
bie ganze Welt von einem wahrhaftig felbftändis
gen, nothwendigen, ewigen Werfmeifter, und-zwar
. bag $eblofe um der $ebendigen willen, das ift, mit
Abficht auf die Lebendigen und deren Wohl, hervor⸗
gebracht ſeyn muͤſſe. Hierinn liegt unmittelbar ſei
ne Macht, welche die Welt mit allem dem, was
barinn ift, zur Wirflichfeit gebracht: hernach ſei⸗
ne Güte, welche die $uft und Gluͤckſeligkeit der.
möglichen "sebendigen zum Zwecke gehabt: und ſei⸗
ne Weisheit, welche zu dieſem guͤtigen Zwecke Die
Natur ſowohl der lebloſen Dinge, als ber Lebendi⸗
gen ſelbſt, nach einſtimmigen Regeln, als das
kuͤrzeſte Mittel, erwaͤhlet hat. Und dieſe drey Ei⸗
genſchaften des Schoͤpfers muͤſſen der Wirkung
gleich, das iſt, unermeßlich, und nach der Art zu
wirken unendlich ſeyn. Denn wir moͤgen die
Welt, und was darinn iſt, nad) ihrer Groͤße und
Mannichfaltigfeit, oder nach ihrer Uebereinſtim⸗
. mung und Vollkommenheit betrachten: fo übers
fteige fie in allen Stuͤcken alles Maaf, was wir we
benfen fönnen, In fo ferne aber zwifchen dem
Senn und Nichtfeyn ein unendlicher Abftand if, fe
feet die Welt, welche das Seyn durd) des Shi |
pfers Macht, Güte und Weisheit erhalten bat, da
fie vorher nicht war, unendliche Eigenfchaften und
Vollkommenheiten voraus.
Ein folder Schöpfer nun muß nicht allein eine
unendliche Rraft, fondern auch, fo ferne er diefeb
be nad) unendlicher Güte und Weisheit auffert, dem
vollfommenften Verftand und Willen pe
olg⸗
Abſichten in der Welt, 219
r größte Geiſt feyn, der ein ihm gemaͤßes
id innere Vollkommenheit, Luft und
gkeit beſitzt. Weil nun.die Welt durch
upfung der mwirfenden und Endurfachen
26 ‚Ganzes ausmachet: und hergegen in
jigen Weſen, das den volllommenften,
und Willen, und eine unendliche Kraft
Miger Grund des Dafenns der Welt zu
ı fb würden mehrere Schöpfer ohne zus
Grund, und umfonft erdacht. Er ift
$, und vermöge feiner. Unendlichkeit koͤn⸗
nicht mehrere fern: mithin ift er auch das
dige, ewige, felbftändıge, erftc We⸗
n alle Wirklichkeit anderer Dinge abhaͤn⸗
vas wir Gott rennen.
SS 6.
e Wege des Erfenntniffes legen nichts
de, als was ein jeder Atheift zugeltehen
imlich auf der einen Geite, daß etwas
yes, nothivendiges, ewiges ſeyn müfle;
ndern aber, daß die Welt aus Icbendis
blofen Dingen beſtehe. Beyde aber füh-
ennoch zu einerley Eigenfchaften des erften
wodurch Die Wahrheit defto mehr beftär«
Beſonders aber treffen fie in den Ab»
s einem gemeinfchaftlihen Mittelpunfte,
Denn fangen wir ven den erften Be⸗
es felbftändigen, nothwendigen, ewigen
m: fo läße fich daffelbe nicht anders, als
und wenn es auffer fih wirffam ift, ale
bendigen willen, das ift, mie Abficht Fr)
die
“ 5
220 IV Abh. Von Gott und goͤttlichen
‚die Lebendigen, wirkſam gedenken. Betrachten
wir aber die Welt zuerſt, ſo ferne ſie aus lebendigen
und lebloſen Dingen beſteht, die beyde den Grund
ihrer Wirklichkeit nicht in ſich haben: ſo finden
wir, daß das Lebloſe nicht um ſein ſelbſt willen,
ſondern um der Lebendigen willen, alfo aus Abfidyt
auf diefelbe, hernorgebracht ſeyn müffe. Dem
nach wird auch befonders die Lehre von den Abfich-
. ten in der Natur, durch diefe Uebereinftimmung,
beftärfet; wiewohl diefelbe ſchon für fich feft ſteht,
ehe man roch zu den Figenfchaften bes erften
Weſens hinauf geftiegen ift, weil fie allein .auf der
Lebloſigkeit der Eörperlichen Welt gegründet bleibt.
Diefer allgemeine Beweis der Abfichten fließt
demnach nicht aus ber äufferlichen Einrichtung dee
Welt, fondern aus einer inneren Beſchaffenheit
der Materie. Er gründet fich nicht auf ein tiefes
ober mweitläuftiges Erfenntniß der Natur , fondern
auf etwas einfaches, das jebem in bie Augen leuch⸗
tet; nicht auf was willführliches und zweydeutiges,
fondern auf mas wefentliches. Er läßt auch feine
Ausflucht über, daß etwa die vermeynte Abfiche es
nem Ungefähr ober einer blinden Nothwendigkeit
zuzufchreiben fen, fondern eben diefelbe Defchaffen
heit ter Materie, moraus bie Abfichten fließen,
hebt zugleih Nothwendigkeit und Zufall auf. Es
bat mir um fo viel nöthiger gedünfet, auf ſolchen
Veweis zu denfen, weil derjenige, den man bisher
fchlechthin aus der Ordnung und Uebereinftimmung
der Dinge geführet hat, nod) nicht hat verhindern
Finnen, daß nicht Leute, Die gern eine jebe Ge⸗
fegenheit zu Ausfluͤchten ergreifen, alle Die herrliche
Drdnung
\
Möhren in der Well. au
Ordnung und Einrichtung ber Welt lieber einem
Nothwendig ·
Ungefähr, die Ben er blinden
feit zugefchrieben
s fey ferne von Mn Mie, daß Id) den Beweis
don ber Ordnung und Uebereinſtimmung Ba Tore
verachten, ober für ſchwach Halten folite: „Ich
‚Dielmepe für fehe gut und Rast en: aber-ich
Be baß er ——— dazu angehen
worden, Klarheit, eis
durch Beutlihfeit, überzeugen follte. 5*
in es einem jeden, der nicht ſreventlich fpigfindig
feyn will, offenbar, daß das Auge zum
das Ohr zum Hören, der Mund zum Eſſen und
Sprechen, gemacht fey, und daß überhaupt alleund
jede Einrichtung in der Welt, vom größten bis
zum Pleinften, Weisheit und Abfiche zeige, die ei⸗
ner gleichfam mie Händen greifen kann ; * daß ei ·
ner entioeder bie Natur nicht kennen, oder ſchami⸗
toth werden muß, wenn er ſich und andere Überrer
den will, daß ſolche Uebereinitimmung mit dem
Mugen der Sebendigen entweder von einem müßten
Zufalle, * von * blinden ern
! . Unter lete es
berrübre, effen fehlete es hoch Bieten, be A
diefer Folgeruing von der Le
Welt auf die Abfichten, an einem allgemeinen und
deutlichen Beweiſe, daß folche,Uebereinftimmung
norhivendig won einer Abficht eines Werkmeiſters
Eure müfle, und fonft Beinen Grund haben
me. Nun ‚aber ift hier ein allgemeiner deutli-
her Grund gegeben, warum eine förperliche lebloſe
Welt ſowohl von einem Werfmeifter, als um der
&ebendigen toillen, und alfo aus Abſicht, —
[ *
222 IV Abh. Bon Gott und göttlichen
bracht fenn muß: und ber'ift leicht zu uͤberdenken,
und fo ins Kurze zu faffen, |
1. Die förperliche Welt ift an fich und ihrer Natur
nad) leblos. | u
2. Was an fich und feiner Natur nach leblos iſt,
Das hat, vermöge feines Wefens und feiner Ma:
tur, feine Empfindung oder Berußtfenn von
feinem wirflichen Dafenn und von feinen wirffi.
chen Befchaffenbeiten, Kräften und Wirfungen.
3. Was, vermäge feines Weſens und feiner Natur,
von feinem eigenen wirflidien Dafeyn und von
feinen wirflichen Befchaffenheiten, Kräften und
Mirfungen Eeine Empfindung und fein Bewußt⸗
feyn hat, dem ift eg, vermöge feines Weſens und ſei.
"ner Natur, einerlen, ob es iftoder nicht ift, ob es fo
oder anders ift, ob es mwirffam iſt oder nicht,
4. Wen es, vermöge feines Wefens und feiner
Natur, einerley iſt, ob es ift oder nicht ift, ob es
fü oder anders iſt, ob es wirkſam ift oder nicht
deffen wirflihes Daſeyn, Beſchaffenheit und
Wirffamfeit, bat in ihm ſelbſt, d. i. in feinem
Weſen und in feiner Natur, feinen zjureichenden -
Grund der Wirklichkeit, und Fann auch feinem -
eigenen Wefen und feiner Natur nicht gemäß bes
ftimmet ſeyn.
5. Dasjeniye , was ben Grund feines wirklichen
Dafeyns, feiner Befchaffenheit und Wirkfam-
keit nicht in fid) felbft hat, noch feinem eigenen We
fen und feiner Natur gemäß beitimmer fern kann,
das muß den Grund feines wirflihen Daſeyns
,- und feinet Befchaffenheit und Wirkſamkeit in-
} einem andern Dinge auffer ſich haben, und nach
' " eines
‘
Abfichten in der Melt. 223
eines andern Dinges Wefen und Natur be-
ſtimmet fepn,
6. Dosjenige, was den Grund feines wirklichen
Daſeyns, feiner Vefchaffenheit und Wirffam-
feit in einem andern Dinge auffer fich hat, ift
von einer wirfenden Urfache hervorgebracht: und
dba es von derfelben nad) eines andern Dinges
Weſen und Natur beſtimmet worden, fomuß es
um desmwillen, und alfo aus Abficht feyn bervor-
‚gebracht worden.
7. Demnach muß die Förperliche leblofe Welt von
einem Werkmeiſter aus Abficht auf andere, als
leblofe Dinge, und alfo nad) Vebereinftimmung
mit dem Wefen und der Natur der Lebendigen,
hervorgebracht ſeyn.
Demnach muß auch alle Uebereinſtimmung der
örperlichen Welt mit dem Weſen der Lbendigen
eine Abſicht ihres Werfmeijters ſeyn. Steht nun
diefes, als ein allgemeiner DOberfaß , ſeſt und unbes
weglich, wie erwiefen: fo fönnen alle wunderwuͤr⸗
dige Vebereinftimmingen der Dinge in der Welt,
weiche uns bie Kenner der Matur und ihres Ur,
bebers vorftellen, als lauter Unterfäße aus einer
Maren Erfahrung „, ober als Derfpiele angefehen
werden, welche nunmehro, vermöge des Oberfa-
Bes, einen ficheren Schluß gewähren, und fo ferne
allen Einwuͤrfen Trotz biethen.
$ 7
Man darf fid) nicht wundern, daß Leute, bie
ſich der Religion entreißen wollen, mit aller Macht
gegen die Abfichten in der Natur fireiten., Man
ſollte
— — ———
rw”
24 IV Abh. Von Gott und göttlichen
ſollte aber faum denfen, daß andere, die. in’ d
That Religion haben, in dem Stüde jenen gef
get wären. Allein, anſtatt daß es leicht gemef
wäre, ben klaren Mittelbegriff des Schluffes in ı
nen deutlichen zu verwandeln, und den Beweis d
durch zu fehärfen; fo haben fich einige vielmepr'T
mübet, den Begriff zuverdunfeln, mithin auch
Solgerung als ſchwach und unzufänglic) zu Veran
fen. Ihre Grimde find zum Theil auch fo beſch
fen, daß fie ebenfalls einem Atheiſten gereche f&
Finnen, wenn fie gleid, nach der Urheber Ws
nung, Dazu nicht angewandt werden ſollten.
giebt noch andere, welche die Betrachtung der A
fichten von der Naturlehre, die Endurfache von
wirfenden, abgefondert mijfen wollen. Unb &x
hat mehreren Schein. Jedoch gehen fie dark
wohl zu weit, wenn jie feine Verknüpfung uns
beyden erkennen, allen Einfluß der Endurfachen-|
das Erfenntniß der Natur leugnen, oder wohl
von den Endurfacyen an fich veraͤchtlich ſprechen
58.
Was haben aber erſtlich die großen Weltia
fen, welche gar alle Abſichten in der Natur verlag
nen, fir einen fcheinbaren Einwurf dagegen ? DA
wüften Zufall, und die blinde Nothwendigkeit d
Natur habe ich ihnen ſchon benommen, und wi
das Gefagete hier nicht wiederholen. Können f
aber fonft beweiſen, daß eine förperliche Welt, ve
möge ihrer Matur und ihres Wefeng, Feine Ch
richtung nach gewiffen Abfichten leide? Ich daͤche
das wüßten fie aus menfchlichen Mafchinen . beffe
. ‚Dere
x
Abſichten in der Welt. 225
Deren Materie ift doch aus der Natur genommen,
und alfo überhaupt einer Art mit der Materie der
Welt. Nun war diefe Materie der Mafdyine vora
bin noch Feine Mafchine, war alfo nicht nothmwens
dig, was jie werden kann; lite aber doch, daß fie,
nacy Pluger Abficht, zum Nutzen der Menfchen, in
die Verfnüpfung einer Mafchine gebracht warb,
| unb würde ohne ſolche Abficht nimmer eine folche
Mafchine geworden ſeyn. ft aber die ganze Für
perliche Welt, an ſich, was anders, als eine Ma⸗
1 fine? Bewegen ſich nicht ihre Theile durch gewiſſe
+ Kräfte, nad) gewiſſen Regeln, der Verknuͤpfung
| gemäß, und zwar zum Beſten der Menjchen und
aller $ebeudigen ? Woher ſollte denn hier eine Abs
-; fihe unmöglich Start finden, und dem Weſen und
- der Befihaffenheit der Welt widerſprechen? Eie
- - tönnen auch nicht fagen, daß die Abſichten ohne
», Noch, Grund und Urfache in die Natur eingefuͤh—⸗
„' tet mwirden, und daß das, was natürlich zugebt,
keines Verſtandes und feiner Abjichren bedurfe.
Ich babe vielmehr überhaupt bewieſen, daß eine
leblofe Materie mit ihrer Wirflic.Feir, Einrichtung
und blinden Naturkraft, ohne Werfmeifier, und
> ohne Abjicht eines Werkmeiſters, was unnwgliches
‚-" und unverjtändliches fey., Was Fann denn für ein
- + Einwurf überbleiben ?
| Ich will nody mehr fagen: daß fich die Leute,
weiche allen Berftand und alle Abficht in der Dias
.. tur aufzuheben fuchen, durd) ihre eigene Empfin⸗
-. dung und Denfungsart widerleget finden. Denn
ich traue ihnen eritlich zu, daß fie in der Betrach⸗
tung und Forſchung der Natur ein Vergnuͤgen des
9 Verſtau⸗
226 IV Abh. Bon Gott und göttlichen
Verſtandes finden. Und wer Fönnte fo viehil
feyn, daß er davon feine Empfindung hätte, wei
er die Natur einmal ber Betrachtung —*
bat? Nun kann bey Menſchen zwar wohl eine ſun
liche Luft durch den Kuͤtzel unferer Nerven entſtehe
ohne daß man ſelber Verſtand dabey brauchet, gt
in den koͤrperlichen Dingen einen. Verſtand waf
nimmt: Aber es kann fein Vergnügen bes Bi
ftandes an Pörperlichen Dingen entftehen, als a
der Einficht desjenigen Verſtandes, der ſich ind
Körpern zeiget, und der unfern Verſtand felbft 6
Det und vollflommener machet. Das Auge wi
zwar durchs Sicht, Bas Ohr durch die Harman
die Zunge durch den füßen Geſchmack gefißelt: ab
der Berftand ift allein für Werftand , und u
daraus fließt, empfindlich. Was alfo Menſch
in der Proportion, Schönheit, Ordnung und U
bereinftimmung der Natur für Vergnügen - &ı
Verſtandes finden , bas beruhet lediglich darası
daß fie Verſtand, Abficht, Kunft und Weishe
wenigftens unbeutlich, in den Dingen erblide
und von diefer Einficht den angenehmiten Einbru
in ihrem Berftande befommen. Ohne folche Ei
fiht des in der Natur berrfchenden Werftanbı
wuͤrde uns fein Wergnügen, als mas von eine
finnlichen Küßel enefteht, übrig bleiben. —*
gen widerlegen und verleugnen ſich alſo ſelbſt, di
ein vernuͤnftiges Vergnuͤgen an der Betrachtun
der Natur zu finden geſtehen, und doch keine
Verſtand in der Natur zu ſehen vorgeben.
Wie aber? duͤnken ſie ſich nicht auch
des Kenntniſſes ber Natur, wegen ihrer W
Sn
Abſichten In der Welt. 227
ten und Künfte, Die fie erlernet oder erweitert
n, verftändig, meife, Flugund gelehrt zu fern ?
allerdings iſt es eine grofie Vollfommenpeit
Berftandes, wenn ein Menfch den Bau der
', ben fauf ber Sterne, die Regeln der Bes
ng, die Meßkunſt, die Mechanik, die Hydro⸗
‚, die Dptif weis; wenn er die Urfachen der
nderungen am Himmel, im $uftfreife, in den
ralien, Pflanzen und Thieren einſieht; wenn
onderheit auch ſich ſelbſt kennet, und wie fein
and und Wille zu beffern,, fein Ihun zur
feligfeit einzurichten fen, verfteht. Aber was
les diefes Wiſſen, und Die daraus erfundene
t, mas alle unjere Vollfommenheit des Were
es anders, als ein fehr ſchwacher Abdruck des⸗
m Werftandes, Der Regeln, Wiffenfchaft,
t, Weisheit und Abjichten, welche in der
ir berefchen? Da, da, in der Natur, ift die
iche Baufunft, die wirfliche Aftronomie, Geo»
e, Mechanif, Hndroftatif, Optik, Phyſik,
nd die wirflichen Regeln und Gefeße der ‘Bes
ng, der Wahrheit, der Pflichten und Glück.
eit, wovon wir etwas weniges durch Denkbil⸗
efaffer haben. Iſt denn nun bie unvollfoms
Abbildung des Wirflichen ein Verſtand und
Weisheit; und in dem vollfommenften Urbilde
es Leine fenn? Sie mögen ſich alfo felber
sort geben, marum fie fih Verſtand und
sheit zueignen, und diefe dennoch ihrem einzis
ebrmeifter abfprechen ?
Ich möchte ferner wiffen, od fie nicht tauſend⸗
je "Beltommenbeiten in den Dingen der Welt
2 wahr⸗
228 IV Abh. Bon Gott und göttliche
wahrnehmen, und daran einen inniglichen Ge
baben, wenn fiegleich, für ihre einzelne Perfor
nen Mugen davon fehönfen? Heben fie abe
Abfichten in der Welt auf; fo fälle alle Vol
menheit der Dinge weg, und das DBergnüge
denfelben hat feinen Grund. "Denn innere |
kommenheit hat für fich in der leblofen M
feine Statt; weil nichts in ihr felbft ift, n
ihre Einrichtung, Beſchaffenheit und Wir
übereinftimmen fönnte; und meil es ihr
fchlechterdings einerley ift, ob fie ift ober nid
ſo, oder anders if. Was hätte man denn ı
ner Mühle oder Mafchıne für Gefallen, bi
für fic) ewig rund drehete, ober andere dergfi
erzeugete, ohne daß fid) felbft oder ihre Nad
men Empfindung oder Nutzen davon hätten ?
äuffere Vollkommenheit aber verſchwindet, fü
die Uebereinftimmung mit dem Wohl der $el
gen nicht nach Abſicht beftimmet if. Denn
jedes Ding, Das zu meinem Mugen dienet,
wie ein gefundener Stein, der cben in bie
meines Gebäudes paffet; dabey ich mich zwa
deffen Nutzen freuen, aber nicht über die Vol
menheit des Steins felbft vergnügen kann.
überlaffe es alfo den Abfichtsfrenen Herren, u
teyifch zu unterfuchen, woher ihr Vergnügen «
Vollkommenheit der Dinge entſteht, oder w
diefer ihre Vollkommenheit ſelbſt beſtehen foll,
fie weder innerlich noch äufferlich ift.
Allein, ich Darf mich auch auf ihre eigener
eheile berufen, die fie aus feinem andern Gr
als aus den Abfichten, folgern Finnen. Wen
Waſſervo
andern Grunde, als aus dem Verhaͤit.
Mittels zur Abſicht. Ueberhaupt zweifeln
wohl nicht, daß die Thiere eine Seele, oder
Empfindung haben. Woher wiſſen fie
das? Sie ſchlieſſen e8 exargumenro analogiz,
der Nebnlichkeit, Aber dieſer Schluß kann
EBeftigkeit haben, wenn ſich die Aehnlichkeit
Kauf eine und diefelbe allgemeine Abficht grüne
- Nämlich, weil die Werkzeuge der Sinneum
Empfindung willen find , fo haben aud) die
te eine Empfindung, und folglich eine Seele,
Iimerbe ihnen auch zum Theil nicht Unrecht thun,
wich fage, daß fie lebendige Einwohner in den
heten erfennen. Woher find fie aber anders
bie Gedanken gefommen, als aus dei Abficht defr
"was fie in den Planeten beobachten? Denn-
bey uns Sand und Waſſer, Berge und Thäs
"Regen. und Sonnenfchein, Tag und Nacht,
nmer und Winter, um der $ebendigen willen
‚ und biefelben Dinge ſich auch aufden Plane
befinden: fo müffen diefe Dinge. aud) in den
1 dyr Gran ft Menunge [aha fe ger
&,dge Grund ihrer 9: fo haben fie gar
m Dam bey er diefen Benfpielen. läßt
"93
J
230 IV Mh. Bon Gott und göttliche
fich nicht fagen, daß die Folgerung aus wirk
Urfachen entſtehe. Keines hält den Grund
Wirklichkeit beffen, was baraus gefchldffen
nothwendig in ſich; fondern jedes koͤnnte auch
den Nusen für fi) feyn. Es fann alfo die fi
rung bloß nach den Enburfachen gültig ſeyn.
ber vermwerfen fie denn die Endurfachen, wer
ſich derfelben täglich in Schlüffen von narür
Dingen bedienen? Cie machen es wie diejeı
welche den Satz bes zureichenden Grundes a
ten, und ihn dad) felbft allerwaͤrts brauchen ;
eben da, wo fie ihn anfechten, in den Regel
Verſtandes und der Dinge felbft zureichenden €
fuchen, woraus man verfteben foll, daß ber
des zureichenden Grundes nicht gültig ſey.
zeiget eine ftarfe Unmiffenheit der Regeln an,
nach man felber denket, und ein gemaltiges
ureheil, welches durch dunfele und vermorrene
ftellung unterftüger wird,
%
Für Diejenigen, twelche zwar vom Dafepn
tes aus andern Bründen überführer find, abı
Beweis aus der Hrönung und Lebereinftim
der Dinge, und aus den Abfichten, fie fd
und unzulänglich erflären, will ich den beruͤ
Herrn von Maupertuis fprechen laffen. De
bat unlangft alle Einwürfe, welche Dagegen |
ehen find, gefammier, und nad) feiner Sch:
nigfeit ziemlich weit getrieben.“ Diefe m
dei
& Siehe den Avant- Propas zu feinem Efay de (
laxie: ai l’an examine les preuven de Pen
4:
Abfichten in der Welt. 231
demnach), zumal ba fie von einem großen Mathe
matico und verdienten Beförderer der Wiffenfchafe
ten berfommen, bey vielen noch einen fo frifchen und
ftarfen Eindruck hinterlaffen haben, daß ein jeder
"mich eines fchlechten Vertrauens zu meiner Sache
beſchuldigen würde, wenn id) fie unberührt lieſſe.
Es it befanne, daß diefer angefehene Mann
fie gut gefunden hat, feinen neuen Beweis von
dem Dafeyn Gottes aus dem von ihmfo genannten
Geſetze der Sparſamkeit, oder der Eleinften
Handlung in der Matur, 7 auf folche Ark zu eher
4 en,
de Dieu, tirces des Merveilles de la Nature, und die
Hiftoire de l’Academie de Berlin. 1740. p. 268. [qq-
Es ware hoͤchſt unbillig, wenn man den Hrn. v.M-
mit dem Verdachte beladen wollte, als vb er die
Religion ſelbſt umzuffoßen oder zu ſchwaͤchen ſuche⸗
te, woruͤber Er in der Dorrede zu feinem Werten
Haget: man wei dad GBegentheil, auch aus feiner
Lebensart. Es fiheint fo gar aus einigen Gtels
len des angefuhrten Buches , daß cr ſelbſt Die
Merkmaale ber Weisheit und Abfichten in der Nas
tur, zumal im Großen, erfennet, und nur dem de:
weiſe, der aus den Abfichten in den kleineren Theis
len ber Natur genommen ift, feinen rechten Werth
und feinen Brad der Starke beilimmen will. Aber
in der That ſtellet er ihn überhaupt jo ſchwach ver,
dag aller Grund davon wegfallt,, und ſelbſt fur
fein Gefeg der Sparfamfeit nicht8 ubrig bleibt.
7 Diefed Geſetz oder dieſe Regel drucket er in ber
Borrede feiner Werke fo aus: que dans toutes les
Diftributions de mouvement qui je font dans la Na-
sure, la Quantite d’ Adlion (qui efl la ſomme des
produits dıs Maſſes par les Efpaces qwelles parcou-
rent es par les viteſſes avec lefquelles elles les parcou-
rent)
— — — — — — — —— — -
232 IV Abh. Bon Gott und göttlichen
ben, daß er zuvor andere Beweiſe, infond
aber denjenigen, der fi) auf die Ordnung
ı
rent) evois todjours la plas petite qu'il fut po
gre dans le Repos, les corps qui fe tenoient en
libre devoiens Ssre places de maniere que [il
rivoit quelque petit monvernent, la Quantite d
ft la moindre, Die Streitigkeiten, welch
dieſes Pringipium entffanden find, Heben noch
frifchem Andenken, daß ich nicht noͤthig finde
ie De Nachricht zu geben; zumal da ı
ei e Menge Heiner Wechſelſchriften davon vi
Den iſt, daß allein die Titel einen großen Naı
fordern würden. Go viel wird jedem erin
ſeyn, daß, auffer der Berlinfcben Acabemi
Wilfenfchaften, viele Mathematiker da® Prin«
ſelbſt, (namlich fo wie es abgefaſſet iſt) fo ge
falſch erklärer haben, weil die Kalle theils kei
nimum , fondern ein Nihil, tbeild auch zu
ein Maximum geben: und fo ferne man es alt
zulaſſen Eönnte, wurde mag boch falſche S
machen müffen, um dag Dafeyn und die Vo
menbeiten Gottes daraus herzuleiten. Rh ı
algebraiiche Berechning der Krafte und Wi
keit in der Welt gerne andern uberlaffen, '
beifer davon urtheilen Finnen. Aber in dem
pbufifchen Felde, mo aus diefem Principio ei
fer Stifter diefer Regel der Sparſamkeit geftl
werden foll, laßt es und noch viele Blößen
Es iſt 1) auszumachen , daß die kleinſte Haı
in der Natyr nicht die einzig mögliche, un
nicht an fich und fehlechterdings nothwendi
und 2) menn mehrere Wege und Mittel m
find, daß die Natur nicht von ungefähr und ı
fam im Blinden auf den kürzeften Weg geı
Eönnen. Dann aber 3) wenn eine Auffere
Direction, une intelligence, une fagefle or«
Dun triee, daraus folgen fol, wird allemal erft
|
dieſen einen Fall der Ordnung
‚acht nen da mehr alseine Million
5
vnor ·
t baß die Sparfamfeit einen Zweck oder
‚ und mar etwas Gute, und unter allen
ze Abficht habe. Denn au
durch die kuͤt geſten Mittel, aus ge⸗
md das ware Feine Weisheit. Was
is Urſache, die Abſichten
ifchen Beweiſe zu verwerfen, und
Döfe in der Welt zu vergrößern?
P 5. Sil’om comgoit comme Newton, que
4 earps eelefles attires vers le Soleil, fe meu-
me. dans le wuide; il ef wrai qwil m'etoit guöves
hazard les ent fait mouvoir comme
hatte gefaget , daß ſich bie Un⸗
der Stellung der Planeten in eis
eg:
141 2) il y reflois
—— ers —* ent
uniformise ſoit Veffer nece, faire
D
234 IV Abh. Bon Gott und görtlichen
unordentlicher Faͤlle möglich waren; unterbe
bliebe doch noch einige Wahrfcheinlichfeie ı
Und daher koͤnne man nicht fagen, Bop | diefe £
nung nothwendig aus einer Wehl habe
muͤſſen. Aber noch mehr, fprihter, ° der Sch
des Hrn. Newtons gründet ſich bloß pi en
vermoͤgen, eine natürliche Urfache ber O
geben; dagegen andere Weltweiſe bie 2*
keit der Bewegung von einem Strome einer fi
gen Materie, wovon die Planeten fortgeriffenn
‚den, erfläret hätten. Daher dürfte dabey w
ein Ungefähr, noch eine Wahl voraus gefeßt
den: und es. erhellete daraus bas Dafeyn Co
eben fo wenig, als aus jeder andern ber Mat
eigenen "Bewegung.
Gegen die Aehnlichfeit und Uebereinſtimm
ir dem förperlihen Baue bee Thiere erin
er, "° man Fönne der Aehnlichkeit uhr F
9 Ocuvres p. 6. Mais il ya plus: P alternaiioe
choix on d’un bazard extreme, veſt fondie gab
lPimpuiſſance, ou etoit Newton, de douner ‚untt
pbyfique de cette uniformitc- Pour dantres Phi
pbes qui font mowvoir les Planites dans au Fi
qui les emporte, ou qui feulement modere leur sn
ınent, U’uniformite de leur cours ne paroit Peim
explicable: ehe ne [uppofe plus ce fingulier camg
bazard, ou ce cheix, et ne prouve pas plus Pexil
de Diew, que ne feroit tout ausre mowverneni
prime a la Matiere.
ıo Ibid. Si Paniformise qu’on obferve dans pinf
(Animaux) etoit une preuve, cette preuve ne fi
elle pas dfmentie par la varicte infinie qu’on ob,
dans plufisurs? — Que Don compare un
gen in ver Weit. 335
nlichkeit ent. ellen, sole
— Adler und A Ali: en he
—— einem Wallfifche und einer
daß andere Weltweifen Heber Aus
jeei en Beweis
fehienen allertiings
——66
N ‚ige Mund zum Effen, ihre
kugungsglieder zur 9 * Sortpflanzung von einem ved⸗
aaa ee ieber gebildet zu fern, und es fey ume "
ſonſt daß die Feinde der Vorſehung Daranf on u .
"mouche, un eerf avec um liraacom, was haleisie
ec une hwitre; et gun juge de cette anifarsits.
I En effer d’aumwes Pbilofopbes veulene trowver une
Prewne de Pexiflenee.de Dieu daut la varits des
“et je ne fai lesquels font les micux fandis.
PAigumene tirö de la convenance des differen-
fies des Animaux 'aves leurs befeins paroit
Br Leurs pies ne font-ils pas fairs powr-
Bm: aöles pour woler, leurs Jens pow voir,
‚paur manger, d’autres pari para pewer
el Tembtatlers Tous ceka ne spa
une intelligence es un dejfein qui ons ea leur.
eonfiruötiong — C’efl en van que le Has grand en-
wersi de la Providence y A que nfase dapeins
—— ii In fuire de la emfraßien des
pärsies des Animanx: que le hazard ame fermb ler
b —— Jo languey on f'en — vr
. wende, poar parları
havt, was zur Eryaitung norgig war:
wären allein uͤberblieben, weil fie zum ©I
gehabt, was ihnen nöthig war.
Ueberhaupt, faget der Hr. von Maup
founs Denfgen das Bepälnif.der 2
ı2 Ibid. p. 7. Mais we poarroit.on pas dire,
combinaifon forsuite des produdiens de Ia
il wel pas merveillenx que cette convenan
daws tontes les ſpeces qui adluelement ex
' bacard, diroit-on, avoit produit uve mindtit
brable d’Individss ; son nembre [bin
firait de maniere que les parties de P’H
voient [atisfaire & fe befains ; dems wis EN
ment plas grand iln'y aveit wi
sous ces jers ont peris —
refles füns cens ei fü trowveit Tor a
NAnER,
13 Ibid. p. 8: Les corps des Animanz 0 di
— — ⏑ ⏑ hing sg dene |
res parties —
srop P’afa Pu, power
—* ons juger de la ze: en de * 5
In pour les —
rouns done pas à la Kmple —e un
merveillax, L’organifution des An
mulsitnde et la petiteſſe des parties des
Vimmenfitö des corps celefles, Jeans *
Jeurs vevelutions, font plus propres a
7 quꝰà Piclairer.
Abſchten in ber Welt. 27
Ganjen viel zu unbekannt, die Thelle zu mannich·
faltig, zu vermicelt, und zu Plein, als daß mir ih ⸗
ten — und ihre Abſicht einfepen und Baraus
der Weisheit des Schöpfers urtheilen koͤnnten.
& fe auıc) umanftändig, und der eben ae
heit ‚ wenn mar, wie gemeiniglich, i
te je Kleinigkeiten hinem gienge; ne
ein gemiffer Be Sort rd in den Falten
bes Mashornthieres geft Laſſet
nd er, dergleichen —e Kieie
(bagatelles) denen überfaffen, weiche Bas -
(Frivolit£)derfelben nicht merfen. Man
muß, nad) feiner Per das hoͤchſte —
nicht
4 Ibid. p. 7. Pre, Yan tous * Autenrs modernes,
omt sraitö de Pbofigue ou de PHij hfleire masurelle,
wont fait quötendre les prewors. qu'om sire de Tor-
ganilation des Animaux et des Plantes; et les pows-
fer jusques dans les plus.peties details de la Nature,
—— me pas citer des exemples brop ivdicen⸗, quine
que trop communs, je ne parlerai que de ce.
qui erouve Dieu dans les plis de 'la peou d'un
Tbinoeeros; Purce que cer Animal Etews convert
au tr0s dure n’nuroit pas pw fa vemner fans
zum, N’efl.ce pas faire tors & la plus grande
dis viritis, que de la vouloir prowver par des tels
argumens? — laijlons ces bagatelles & cenx quiwen
Jüntent pas la frivdlise. Sr. Maup. wieberholet
«ben biefed Tom. VIII. der Academie de Berlin,
da er dem Herrn le Chevalier 0 Arcy auf feine
Reflexions für le Principe dc la meindre adien in
„ber Hift, de l’Acad. des Sciences 3749. autwottet:
Fe me püs m’empecher deremarquer, quun prigcipe
univerjel, au quel font aflujeris song 5 die
Nature , lorjquen y dscouvre de la r *
jan,
238 TV Abh. Bon Gott und göttlic
nicht in Kleinigkeiten , oder in ben Thei
Welt, deren Verhältnig uns unbekannt ij
dern in den großen Erfcheinungen fuchen,
allgemein find, taß fie Feine Ausnahme
und fo einfach, daß wir fie ganz überfehen :
Und biefes ift denn fein allgemeines Ge:
Sparfamteit.
$ ı©
Der erfte Einwurf des Hrn. von Y17
is gegen Newtons Ordnung der 9
desfein, etoit plus propre a nous faire comma
intelligence ordonatrice, que tous ces petits
fur la gensration et la confervations d’
prefqu ausfi fowvert nuifibles qu'utiles, q
ques Naturalifles veulent nous faire valoir .c
Jortes preuvent de Üexiflence de Dien. Ich
vorläufig erinnern, wenn Hr. Maupertui
erften Stelle, auf den Brief des D. Parjor
Philofophical Tranfadtions Vol. XL.
. 323 — 541. containing the Natural Hiftos
Rhinoceros, zielet, da er, p.536. im Vort
einen Beweisgrund der Weisheit de S
aus den Falten der Rhinoceroshaut nimm
dieſer Engelander nicht fo ſchlechtweg aus }
ten der Haut auf die Weisheit Gottes
fondern bemerfet, daß die Haut in den Fa
Natur fo weich und fanft, ald Seide, fey,
and foft as Silk) da alle übrige Haut des
dick, hart und rauh formiret worden; ti
Diefe Falten nur an denen Stellen fo bieakt
leget find, mo fie dag Thier zu feiner Bı
brauche. Herr Maupertuis entkraͤftet
Bemerkung mit Fleiß, um fie verächtlich un
lich gu machen.
Abfichten in der Well. 2309
weine faft einen Wiberfpruch zu enthalten, da
geftebt, es fep beynahe nicht wahrſchein⸗
b, daß ein Zufall ihre ordentliche Bewe⸗
ung bervorgebvacht; (il eſt vrai qu'il n’etoic
res probable que le hazard les eüt fait mcu-
jir comme ils fe meuvent)- uns doch unmittels
je darauf fpricht: inzwifchen bleibt doch eis
ige Wahrſcheinlichkeit über; und fo bald
as ift, kann man nicht fagen , daß Die
jleichförmigkeit nothwendig von einer
Vahl berrübre. ” (Il y reftoit cependant
uelque probabilite, et des lors on ne peut pas
ire que cette uniformit& foit Peffet neceflaire
'un choix.) Er hat aber vielleicht nur damit fa»
en wollen, es bliebe doch noch ein möglicher
jall übrig; "° und hat diefen Einen en
all,
5 Ibid. p. ır. Ce me douc point dans les petits de-
sails, dans ces parties de l’ Univers , dont nous con-
noiffons trop peu les rapports, qu’il faus chercher
PEtre fupreme: c’efl dans les Phenomencs dont Puni-
verfalite ne fouffre aucune exception, et que leur fim-
Nlicite expofe entierement a notre vus. Giehe auch
Preface C. 2. a.
ıs Naͤmlich ein einziger Fall gegen 1419856 unmoͤg⸗
liche , nach Hrn. v. M. Berechnung, welche oben
in der 8 Anmerkung angeführe worden. Und
boch ſcheinen in der Berechnung lange nicht alle
Umftande, die zur Ordnung der Planeten gehören,
in Anfchlag gebracht zu feya. Der Herr Zulofs
ſtunmet mir an diefer Stelle Darinn hey, und zeiget
noch umftändlicher, dag man erfllich vorausferen
müfle, daß die Planeten eine Neigung hatten, ſich
dem Mittelpuntte der Sonne zu nahern, (worinn
fhon ein Wille und eine Beflimmung eined allmaͤch⸗
tigen
- 0000
240 IV Abh. Von Gott und göttli
Sal, um ihn ein wenig mehr in Achtung |
gen, mit dem Namen der Wahrſchein
beehret. Wenn wir aber eigentlich jprec
len, fo ift wohl noch lange nicht wahrfcheint
eine bloße innere Möglichfeit hat, und mo
einziger möglicher Fall Millimen unmöglid
entgegen zu fegen iſt. Daß aber audy al
lichkeit der Uebereinftimmung in dem Maı
tigen, durd) ein eh , wegfalle, habe
her erwiefen, weil der Zufall, oder das U
auch nac) Regeln wirket; aber nad) foldh
alle von der Regel der Ordnung und Weber
mung abweichen, und derfelben mwiderfprec
Der zweyte Einwurf des Herrn von M
tuis ſcheint von größerer Wichrigfeit zu ſey
Herr Newrton ſchlieſſe bloß aus feiner U
heit der natürlichen Urfache auf eine Wah
leicht würden die Planeten durch einen Wi
flüffigen Materie dahın geriffen, und fo ben
gleichfoͤrmige Bewegung Fein Dafeyn Gotte
zmeifele nicht, daß Herr Newton fo viel
türlihen Urjachen eingefeben, als irgend
tigen Weſens liege, wodurch alle Erſinnu
zufaligen Combinationen wegficlen). Ds
mußt: zweytens die Anzahl der Graden, ü
welcher alle Planeten beichloffen wurden, ı
Umfreife eined ganzen Zirkels verglichen
und fo mirde man anflatt 1785 1. !
265 1, das if, ſtatt 1’419856 . ı
11881375 finden.
17 Siehe die IL Ybh. 9.9. ſq. p. 105. faq. ı
p. 1. ſqq. |
\
%
bdwbſichten in der Melt, PN
— — die Planeten durch Wir
eſchweigen, daß der.
173 Benz Wirbel felbft für
‚erfläret; — alle natürliche Urſachen,
— das an ſich, was bie
eu.
icht ia atur eine andere Urſache
; ‚En mie die Frage bleibt: warum
denn de worinn die Par
— und nach
drehen? warum die Planeten
Wirbel, melcher die ganze Luftkugel here
imälzer, gerade diefe Stellung, welche fie insge-
immt in eine gemiffe Zone einfehließt? fo gebt
allen natürlichen Urfachen, und Uifachen der
» Alles ift bloß willkuͤhrlich. Keine ein ·
ber Materie an ſich rund; keine einzige iſt
affen, daß man dabey ficgen bfeiben koͤnne;
‚einzige leidet einen foldhen geometriſchen Ber
wie die Eigenfchaften ber finien und Figuren;
‚der Herr =. — ug von
Geſete der- famfeit geftehen muß "
Und Biefes iftes, was Newton, was Leibnig,
und
—E Cs, — D’antres prenmoient pour um
ique, celle que je tirois de u
Principe. Fe somberois moi meme en quelque forte
dans cs que je — fi je donnois ü ceite preuve
un genve de force qw elle ne peut zvoir. C. 3.0,
‚ai decouvert un principe Metaphyfigae. C, 4.8.
u —— de #7, toutes les Loix du Movement 1
Aa — — — N
- |
—⸗
242 IV Abh. Bon Gott und göttlichen
und alle vernünftige Weltweife eingefehen habe
und woraus fie auf ein höheres Weſen aufler 1
Welt ſchließen, das durch weiſe Wahl beftimn
babe, mas nad) dem Wefen der Dinge unbeſtim
if. Damit man aber nicht fage, daß es denn
ein Schluß der Unwiflenheit bleibe: es koͤnne
was in dem Wefen eines Dinges notkmenbig
Grund haben, menn, glei. fein Menfch fähig:n
re, denfelben zu erforfchen: fo habe ich mich auf:
ne wefentliche Befchaffenheit der Materie beiuf
die wir alle wiffen und fennen. Die Materie
an fich leblos, und daher ift es ihr, vermöge ifı
Weſens, einerlen, ob fie iſt, oder nicht iſt, ob
fo, oder anders iſt. ihre Wirklichfeir ijt-ba]
fo wenig, als ihre Natur, und ihre Kegeln 1
Bewegung durch ihr eigen Weſen beſtinmt; A
dern alles muß von einen MWerfmeifter um ei
andern willen, und alſo ad) Abfiche und’
beftimmt feyn. ee
$ ır. Ä we
Was der Herr von Maupertuis megen 1
Unaͤhnlichkeit unter den Thieren einwendet, Def
Nachdruck bin id) niche fähig eitzufehen. Wir
ben in den Thieren, Pflanzen, und was mir fo
in der Natur erfennen, eine Mannichfaltigfeie, w
che alle mögliche Stufen durchzugehen und: nid
A
der Herr v.M. p. 12. feinen Beweis aus der’J
theinatif berbofet, und ibm eine evidence mather
tique beyleget, auch denſelben beydes benen metap
ſiſchen und gemeinen Veweiſen entgegen feget,
n in der Welt. 243
Aber wir ſehen auch in aller
‚eine allgemeine Aehnlichkeit,
19; welde Cum es
', daß ein jedes ſich
pflanzet, Beydes
nflimmung fönnen
er beftehen; ſondern
U: bereinftimmung in
ei zeiget, deſto mehr
it der Welt offenbar,
1 weiſen Werk
7 die Lebendigen
A ſch nothwendig und
gfi der Welt und deren
fanden. Und Bie Leblofe Welt und leb ⸗
1 ihrem Wefen nichts in ſich
wodurch ihre Wirklichkeit und eine gemiffe
fenbeit vor andern beftimmet würde. Sie
von einem, Urheber hervorgebracht, und
demſelben nach dem Wefen eines andern,
£ leblos ift, beitimmer fern. Da nun diefe
der Welt fir fo viele taufend Arten der
‚gleich bequem fo beweiſt fie eine
Abfıche und unendliche Weisheit des Urhe-
Nacur.
e andere Ausſlucht, gegen die Uebereinſtim⸗
Theile i in den, thieriſchen Körpern, kann
vernünftigen Manne, als der Herr von
tuis it, nicht von Herzen gehen; und
ich beſſer für einen la Mettrie gefchickt ha ·
J Denn mie konnte er geftehen, daß es ums
fe, mas Epikurus und Lucretius biefer
. Ds „Weber
*
244 IV Abh. Von Gott und göttlichen ”
Webereinftimmung in ben thierifchen Körpern ent⸗
gegen fegen, ob wäre der Nugen jedes Teils niche
der Zwedt, fondern die Wirkung ind Folge Einer
an ſich ungefähr entftandenen Bildung? ie
koͤnnte er, ſage ich, dieſes geftehen, und Doch
Ernte von eben dem Epikurus ımd
eine Hypotheſe borgen, woraus baffelbe fliege,
er umfonft zu ——— ein Zu
nach Millionen gerathenen Erzeugungen
thierifchen Leibern, auch endlich einmal Be
thene treffen koͤnnen: fo wäre ja in der
Mugen jebes Theils nicht eine Abficht, fondern eine.
bloße Folge des glüctichen Zufalles. Daıman num
für unmoͤglich Halten muß, daß der Herr von
pertuis fo wenig Einſicht in den Zuſamm
der Gedanfen haben Fönne, dadurch ihm verborgen
bliebe, daß er eben dasjenige mit andern Morten”
fege, was er verworfen harte: fo muß manigläne
ben, daß er vielmehr hat zeigen wollen, wider Die
Mebereinftimmung der Theile in dem Baue Der hie⸗
rifchen Körper müßten die Feinde der göstlichen Wore
febung nichts sechtes einzuwenden. t
$ 1.
Wenn der Here von Maupertuis überhaupt |
die menfehliche Unwiſſenheit von dem. Berhältniffe
und von dem Nutzen und ber Ueberei
ber Dinge, ſolglich auch von den-görtlichen Abfice
ten, vorfchiiget: fo fheine er eines Theis Diefe Un⸗
wiſſenhelt viel zu weit zu deinen, andern Theils
auch allzuviel daraus zu fchliegen. Es ift einmal
zu weit getrieben, daß Menfchen gar niches von N
. dem
der Dinge — und von
und Gebrau ·
Ariſtoteles
Stadt Gottes
genug, daß die
lm, tooraus fie beſteht, zu
1q ige geſchickt und >
nd. Niemand ift fo unreiffend und fühle
e Ba Einrichtung des Sonnen · Sy⸗
23 fine,
eles de — TI. op Or P.865. vers
den Einfluß Gottes im bie Welt mit dem
Me eines Gefeges in eine-Stadt: und mache
gewieſen, wie ſich alles in einer Stadt nach
richtet, jo Iget er hinzu: Burur vun
Uri wur mellwos wirms, Aya In veide
* ieh yüp dp ——
Wdenlsrtinmes hupdeen 3 wiradıru &c. fo
nas auch von der. geofien Stadt, ich
Wels, denten. Darinn ift Gott unfer
#8 alles im a erhält, und. =
oder
zbeferung <
dafür: Mundum
—— — ———
— cap. 7. Ober Seh 23, und Seneca
ia feiner Confolatione ad Marciam cap. 18.
* me tibivenire in conflium : intratura
'que commanera, emniß com.
ertis lgibas aternisgue devindiam, indefa-
Aeis volveutem, - Philo de Vita
€. edit. Franef. —* — daß mot die
Ries ber Bet, aid ofen Stadt (mı-
Kal) er Vefiprichen je, damit er im
)
246 IV A6h. Von Gott und gbitfichen “
ftems, und die Vortheile, die wir auf dem Erdbo⸗
den davon genießen, fo weit einfehen und empf
den follte, als genug iſt, die meife und giütige Wars
forge feines Schöpiers zu preifen. Niemand it fo
. blind, daß er den Gehrdudy der größerem
der thieriſchen und menfchlichen Retper nicht
Fönnte, daß das Auge zum Sehen, das Ohr zum
Hören, der Mund zum Effen und Eptedjen J
Hande zur Arbeit und Kunſt aufs ——
eingerichtet find. Mit einem Worte, man füge |
mir, ob Derham, Nieuwentydt und
dergleichen Narurfimdiger, weldye die Welt um |
ihre Theile nach deren Verhaͤltnin und Uebereinftime |
mung zum Mugen für Die gebendigen betrachtet, gar i
nichts davon gewußt; oder ob fie was falſches für {
wahr angenommen haben; oder ob das noch nicht :
‚genug fen, die Weisheit und Abficht des Schöpfers -
daraus zu erkennen. Wenn man aber weder bie
gemeine Erfahrung, noch das höhere Erkenntniß,
das wir Menſchen haben, und ung in fo vielen
Schriften vor Augen geleget iſt, verleugnen, oder
umftoßen kann: wie fihi.fer es fich denn, daB man '
ſich als ganz unmiffend fteller, und überhaupt nichts.
zu verfiehen vorgiebt ? oder daß man fo veraͤchtlich
von dergleichen Betrachtungen redet, als ob fie gehe :
bieneren, das Gemürh in Vermunderung und Er '
ſtaunen zu fegen, als mit Erkenntniß zu erleuchten?
Zoar, je mehr wir von der Uebereinftimmung
der Dinge erfennen lernen, deito mehr fehen mir
ein, daß nach ein größeres, ja unendliches Feld
übrig fey, welchesunfere engen Schranken des Wer·
Randes nimmer ausmeffen werben, Aber —
da
’
* ae in a fen; er der
Abſicht gemäß find?
ng auf: fo bleibt hrs db rg, “ sie B
aben hineinfehen, che wir etwas von det
Einrichtung der Dinge erkennen Fönnen?
wir deswegen gar nichts, weil wir nicht
8 äufferfte feharfjichtig find? Das hieße ich
fanget, zu hart geſchloſſen. Sonft aber
ch, daß wir doch in. neueren Zeiten duch _
größerungsgläfer viel weiter in bie Fleine-
ne gefchauet Haben, als unfere Bor-
auch Dadurch aus dem Wahne gefeget
Vals.ob die Bildung der Fleineren Thiere, und
Heineren Teil aller ar und Pflanzen, Be
2 ER
AWäü
. “
248 IV abh. Von Gott und goͤttlichen
ein roher Zuſammenfluß von allerley Urſtoffen fee
Vielmehr ſehen wir dabey deutlich vor Augen, daß
die Käfe- Miete eben ſo kuͤnſtlich in allen Theilen ge⸗
bildet fen, als der Elephant und Menſch; und daß
ein Auge der Mücfe, ein Sederchen am Flügel des
Schmetterlinge, ein Samenftäubchen einer Blume, |
eben fo genau ausgearbeitet fey, als das Ganze.
Die Vernunft aber Ichret ung überhaupt, daß feine °
Vollkommenheit im Ganzen feyn koͤnne, wo fie niche
aus der Uebereinſtimmung ber. Eleinften Theile exe
Man pflege fonft diefer Betrachtung entgegen
zu feßen, daß wir ung in der Beflimmung der goch⸗
chen Abfichten fehr leiche betriegen Fönnten: theils
weil des höchften Wefens Gedanken für unfern nier
drigen Verſtand fo verborgen wären, als die gehele
men Rathſchlaͤge eines Königes für einen Fußee '
mann; theils, weil auch die fichtbarften Dinge fie
nen fihern Schluß gewähreten, daß fie zu irgend ei⸗
nem Gebrauche und Nußen, ober zu welchem fie bes \
flimmet worden. Uber fo fcheinbar auch dieſet
laute ‚ fo bauet es doch auf falfchem Grunde u
viel, |
Es ift eben fo falfch, daß Gortes, als daß des
Königes Abfichten, lauter Geheimniſſe für ie Nie
drigen bleiben follen: es ift auch falfch, daß wir.
Feine Regeln hätten, woraus von den göftlichen
Abfichten etwas ficheres zu fchließen fen. Ein Ku
nig machet doch aud) verfdjiedene feiner Abfichten
durch Gefeße, Verordnungen, Herolde, Befehle,
allen und jeden Fund, fo viel ihnen zu wiſſen noͤthig
\ und nüglich if. Muß man auch eben feinem ge
| beimen
Abfichten in der Welt. 249
imen Rathe mit bergewohnet haben, um aus feis
n Anftalten zu fehen, daß er fein Reich groß
d mächtig, feine Unterthanen begütert und glück
h machen will? Kann man nicht aus feinen Fe
mgen und aus feiner Mannfchaft, ohne in fein
ıbinet zu dringen, abnehmen, daß cr Das Sand
r äufferlihen Angriffe in Sicherheit zu ftellen
het? Kann man nicht aus feinem Verbothe der Ein«
id Ausjuhre fehen, daß er Geld und Getraide im
nde behalten will? Go hat ſich auch Sort nicht
bezeuget gelaffen. Es find Dinge in der Natur,
e auch dem Einfaͤltigſten eine leſerliche Echrift
den, daraus fie den Berftand und die Geſinnung
& Schöpfers erfennen koͤnnen und follen. - a,
y dürfte wohl fagen: mie Staatskluge mehr von
18 Königes geheimen Abfichren einfchen, fo Fön.
n auch wahre Weltweife manches in der Matur
tbedfen, das den Unverftändigen ein Geheimniß
ar.
Diefe Deutung ift auch nicht wild und zügellos.
Bir haben eines Theils bey dem, was mir erfah«
n, Die Regel, daß aller Nutzen der Dinge eine gütt-
be Abficht fey r. Andern Theils fteht überhaupt
t, baf nichts umfonft, fondern alles zum Nutzen
e gebendigen fen +}: daß Das Weſen und die Na⸗
re Ber Dinge Mittel goͤttlicher Abfichten find tttx
6 folglid) die befondere Befchaffenheit eines jeden
inges, wenn bas Gegentheil nicht Statt finder,
e befonderen Beftimmungen zu diefem oder jenem
Q5 Nutzen
Eiche oben K6. am Ende. ++ Siehe die II Abh. Sg,
tt Siehe oben $ 4. am Ente,
240 IV Ab. Bon Gott und göttlichen
Sal, um ihn ein menig mehr in. Achtung zu brin
gen, mit dem Namen dee WPahrfcheinlichket
beehret. Wenn wir aber eigentlich Iprechen wol»
len, fo ift wohl noch fange nicht wahrfcheinlich, was
eine bloße innere Möglichfeit hat, und wo nur ein
einziger möglicher Fall Millionen unmöglicher Faͤle
entgegen zu fegen iſt. Daß aber aud) alle Möge
fichfeit Der Uebereinftimmung in dem Mannichfal
tigen, durch ein Neiit ‚ wegfalle, babe ich de
her ermwiefen, weil der Zufall, oder das U
auch nad) Regeln wirfer; aber nad) ſolchen, DW
alle von der Regel der Ordnung und Vebereinftiug
mung abmeichen, und derfelben wiberfprechen "7. .
Der zweyte Einwurf des Herrn von Mauper⸗
tuis feheint von größerer Wichtigkeit zu feyn. Der
Herr Newton ſchlieſſe bloß aus feiner Unwiſſen
beit der natürlichen Urfache auf eine Wahl: viel⸗
leicht wuͤrden die Planeten durch einen Wirbel der
flüffigen Materie dahin geriffen, und fo beweiſe ihre
gleichfoͤrmige Bewegung fein Dafeyn Gottes.: Ich
zweifele nicht, daß Herr Newton fo viel von na⸗
tuͤrlichen Urjachen eingefeben, als irgend Ge:
| 106,
tigen Weſens liege, wodurch alle Erfinnungen voR -
zufaligen Kombinationen wegfielen,, Dann aber
müßte zweytens die Anzahl der Graden, innerhalb
welcher alle Planeten beichloffen wurden, niit dem
Umfreife eined ganzen Zirkels verglichen werben:
und fo wurde man anſtatt ı7°__ ı. vielme
2651, das iſt, ſtatt 1’419856 . vi
11881375 finden.
17 Siehe die IE Abh. $. 9. fq. p. 105. faq. und $ 2.
p. 1. (qq. |
— Ast in der Welt, ag
nor anbere, welche die Planeten durch Wine
Aber zu geſchweigen, daß Der
ertui Wirbel ſelbſt für
ben? warum b 9
ieſem welcher die * Luftkugel Gere .
älzet, gerade diefe Stellung, welche fie insge
et in eine geroiffe Zune einfehlieft ? fo geht,
m allen natürlichen Urfachen, und Urſachen der
ch Altes iſt bloß willfürlich. Keine ein
Wirkfomfeit und Negel derfelben hat in dem
fen der Materie an ſich Grund; Feine einzige iſt
jaffen, daß man dabey fiepen bleiben Fönnez
jige leidet einen folchen geometrifchen Ber
die Eigenfchaften der Sinien und Figuren;
je.auch der. F von Maupertuis ſelbſt von fe
Gefege der Sparfamfeit geftehen muß **
——— was Newton, was Leibnig,
und
c. — D’autres prennoient pour ave
Geometrigue, celle que je tirois de nen
« er Fe tomberöis moi mime en quelque forse
que je repsent, fi je donnois cette prewve
— * ne peut avoir. C.3%
Foi incipe Met me. C.4.0
a Gef — tes m
da an * in — Marrophyfique, W
,
\
242 IV Abd. Bon Gott und göttlichen:
und alle vernünftige Weltweife eingefehen habe
und woraus fie auf ein höheres Wefen auffer k
Welt fchliefien, das durch weiſe Wahl beftimn
. habe, was nad) dem Wefen der Dinge unbeftim
ift. Damit man aber nicht fage, daß es denne
ein Schluß der Unwiffenheit bleibe: es koͤnne
was in dem Wefen eines Dinges notwendig
Grund haben, menn, gleich. fein Menfch fähig m
re, denfelben zu erforfehen: fo habe ich mich auf:
ne wefentliche Befchaffenheit der Materie bezuft
die wir alle wiffen und feunen. Die Materie
an fich leblos, und daher it es ihr, vermöge ihr
Weſens, einerfey, ob fie iſt, oder nicht iſt, ob
fo, oder anders it. Ihre Wirklichkeit tjt-baf
fo wenig, als ihre Natur, und ihre Kegeln %
Bewegung durch) ihr eigen Weſen beftinumt; 4
dern alles muß von einem Werfmeifter um ein
andern willen, und aljo nad) Abfiche und Me
beftimme feyn. “ oe
$ ır. pi
Was der Herr von Maupertuis megen d
Unaͤhnlichkeit unter den Thieren einwendet, Bei
Nachdruck bin idy nicht fähig einzuſehen. Mir |
ben in den Thieren, Pflanzen, und was mir für
in der Natur erfennen, eine Mannichfaltigfeit, wi
che alle möglidye Stufen durchzugehen und nid
le
der Herr v. M. p. 12. feinen Beweis aus der
theratik herholet, und ibm eine evidence mathen
tique bey!eget, auch denfelben beydeg Denen merapf
fifiden und gemeinen Beweiſen entgegen feßet,
wir fehen auch in aller
F allgemeine Aehnlichfeit,
welche Cum es
daß ein jebes ſch
Beydes
u been in
eiget, deſto mehr
der Mel see
weifen Werk
Denn die $ebenbigen
j nothwendig und
prünglich $ Welt und deren
t. Und die lebloſe Welt und leb⸗
ann nady ihrem Weſen nichts in ſich
11, wodurch Wirklichkeit und eine gemiffe
eit vor andern bejtimmet würde, Sie
d von einem, Urheber hervorgebracht, und
demfelben nach dem Wefen eines andern,
Iebios iit, beititnmer fern. Da nun diefe
der Belt ſor ſo viele tanfend Arten der
gleich begucm IM; fo beweiſt fie eine
— und unendliche Weisheit des Urhe⸗
tur,
ie andere Ausflucht, gegen die Uebereinſtim-
Theile in den *hierifchen Körpern, kann
vernünftigen Manne, als der Herr von
preis iſt, Nicht von Herzen gehen; und
fich beſſer für einen la Mettrie geſchickt bar
Denn mie konnte er gejtehen, daß es ums
was Epikurus und Lucretius biefer
— ——— Ueber ·
*
%
244 IV A65. Won Gott und göttlichen
Uebereinftimmung in den thierifchen Körpern «
gegen ſetzen, ob wäre der Nutzen jedes Theils ni
der Zwed, fondern die Wirkung und Folge eh
an ſich ungefähe entflandenen Bildung?
£önnte er, füge ich, dieſes geftehen, und doch
Ernfte von eben dem Epikurus ımd Lucreil
eine Hnpothefe borgen, woraus baffelbe fließe; :
er umfonft zu ſeyn erklaͤret? Denn härte ein Zi
nach Millionen übel gerathenen Erzeugunger
thierifchen $eibern, auch endlich einmal wohlgi
tbene treffen Pönnen: fo wäre ja in ber %
Nutzen jedes Theils nicht eine Abfiche, fonbern &
bloße Folge des glücklichen Zufalls. Da mann
für unmoͤglich Halten muß, daß der Herr von Ma
pereuis fo wenig Einfihe in den Zufammengä
der Gedanken haben fönne, dadurch ihm verba
bliebe, daß er eben dasjenige mit andern Mori
fege, was er verworfen hatte: fo muß man gle
ben, Daß er vielmehr hat zeigen wollen, wiber 1
Uebereinſtimmung der Theile in dem Baue bee th
rifchen Körper müßten die Feinde der göttlichen SI
fehung nichts vechtes einzumenden,
$ 12
Wenn der Herr von Maupertuis überhen
die menfchliche Unmiffenheit von dem VBerhälmi
und von dem Nutzen und der Vebereinftimmme
der Dinge, folglich aud) von den-göftlichen Abſu
ten, vorſchuͤtzet: fo fcheint er eines Theils dieſe U
wiſſenheit viel zu weit zu dehnen, andern
auch allzuviel daraus zu fchliegen. Es ift
zu weis getrieben, daß Menfchen gar nichts we
| bei
‚genug, daß die
5 fie beſteht, zu
geſchickt und ans
EL 865. vers
in Die Met ie dem
3 in eine Stadt: und. nach-
en, wie ſich alles in einer Stadt nach
", 10 füget er binzu: Guras Um-
ne wide, An Ireile
yap ae irondunlı, & @rde,
dipdwen # wiradew &c. fo
‚man auch von der großen Stadt, ich
Welt, denken. Darinn iſt Bott unfer
alles im Gleichgewichte erhält, und teis
oder Veränderung leider. Die
ele quafi communem
Ieorsmı, wie Cicero
Flib.ı. deleg. cap. 7. oder dect. 23. und Seneca
in feiner Confolatione ad Marciam cap. 18.
foenti me tibivenire in confilium : intraiura
; diis bomiimibusque communem, ia com-
certis legibus ternisque devindlam, indefa-
ı ia volentem. - Philo de Vita
&, edit, Franef. faget, daß Moſes die
‚ber. Welt, ald einer großen Stadt (ar-
J zu erft befehrieben hätte, damit er in
für die Iſraeliten Die Verfaſſung der
abbilden moͤchte. (iniva vüs marker
|
| 2.46 IV Abh. Bon Gott und göttlichen °
ftems, und die Northeile, die wir auf dem Erb
den davon: genießen, fo weit einfehen und’ emp!
den follte, als genug iſt, die meife und gürige V
forge feines Schöpfers zu preifen. Niemand iſſ
blind, daß er den Gehrauch der groͤßeren
der thierifihen und menfcblichen Körper nicht fir
Fönnte, daß das Auge zum Schen,, das Ohr
Hören, der Mund zum Effen und Sprechen;
Hände zur Arbeit und Kunft aufs vollfommnse
eingerichtet find. Mie einem Worte, man f
mir, ob Derham, Nieuwentydt und anh
dergleichen Nalurkondiger, welche die Adele x
ihre Theile nad) deren Verhaͤltniß und Uebereinſti
mung zum Nugen für Die tebendigen betrachtet, ı
nichts davon gewußt; oder ob ſie was falfcheg.
wahr angenommen haben; oder ob das noch mi
genug fen, die Weisheit und Abfiche des Schöpf
daraus zu erfennen. Wenn man aber weder
gemeine Erfahrung, noch das höhere Erfenntn
das wir Meufchen haben, und uns in fo vie
Schriften vor Augen geleget ir, verleugnen, 0!
umftoßen kann: wie fehi.fer es fich tenn, daß m
fid) als ganz unmilfend fteller, und überhaupt nid
zu verſtehen vorgiebt ? oder Daß man fo verächkl
von dergleichen Betrachtungen redet, ale ob fie on
dieneten, das Gemürh in Vermunderung unb- €
ftaunen zu fegen, als mit Erfenntniß zu erleuchte
Z»ar, je mehr wir von der Lebereinftimmu
der Dinge erfennen lernen, deito mehr fehen
ein, Daß nach ein größeres, ja unendliches 3
übrig fen, mwelchesunfere engen Schranken des V
Randes nimmer ausmef[en werden. Aber ſoll m
RE dara
bfiche gemäß find? Stan ir Diet
ee nichts übrig, als "eine »
die Sg = Dinge ve
a wie weit der Herr ame
s till gedehnet wiſſen. uͤſ⸗
in die beein mung ra Pe
Dineinfehen, ehe wir etwas von det
der Dinge erfennen Fönnen?
Se deswegen gar nichts, weil wir nicht
äufferte fharflchtig find? Das Hiehe ic)
| — I Be gehn. = Sänfe abe
daß wir doch in neueren Zeiten durch
ungsgläfer viel weiter in die Fleine-
a geſchauet haben, als unfere Wor-
auch Beet aus dem Wahne gefeget
J ng der kleineren Thiere, und
| — Sie al ale und a Planen, ER
240 IV Abh. Bon Gott und göttlichen
Ball, um ihn ein wenig mehr in Achtung zu brin
gen, mit dem Namen ber Wahrſcheinlichken
beehret. Wenn wir aber eigentlich (prechen wel
len, fo ift wohl noch lange nicht wahrfcheinlich, was
eine bloße innere Möglichkeit hat, und mo nur ein
einziger möglicher Fall Millimen unmöglicher Säle
entgegen zu fegen iſt. Daß aber auch alle Möge
tichfeie der Uebereinſtimmung in dem Mannidfak
tigen, durch ein Ungefähr, megfalle, habe ich da—
her eriwiefen, weil der Zufall, oder das Ungefaͤht,
auch nach Regeln mwirfet; aber nad) folchen, *
alle von der Regel der Ordnung und Uebereinſtim⸗
mung abweichen, und derſelben widerfprechen "”. .
Der zweyte Einwurf des Herrn von Mauper⸗
tuis fcheine von größerer Wichtigkeit zu feyn. Der
Herr Newton ſchlieſſe bloß aus feiner Unwiſſen
heit der natürlichen Urfache auf eine Wahl: diel⸗
leicht würden die Planeten durch einen Wirbel ber
flüffigen Materie dahin geriffen, und fo beweiße ihre
gleicyiörmige Bewegung fein Dafeyn Gottes. Ich
zweiſele nicht, daß Herr Newton fo viel won na⸗
türlichen Urjachen eingefehen, als irgend Carte⸗
(4
tigen Weſens liege, wodurch alle Erfinnungen vor -
zufalligen Combinationen wegfielen). Dann aber
müßte zweytens Die Anzahl der Sraden, innerhalb
welcher alle Planeten beichloffen würden, niit dem
Umfreife eined ganzen Zirkels verglichen werben:
und fo wirde man anftatt 175__ 1. vielmehr
265 __1, das iſt, fiat 1’419856 . vielmehr
11'881375 finden.
17 Siehe die II Abh. $. 9. ſq. p. 105. ſqq. und 6 ız.
p.iii. fgg. =
2, vo. 7
Alfter We, —_ mar
tandere, welche die Planeren Bund Wir⸗
Fee zu gefehweigen, daß der.
diefe Wirbel felbft für
läret; ſo haben alle natürliche Urſachen,
— — eben das an ſich, was. bie
fie. verweiſen ung ins Unenbliche,
14 auffer der ne eine andere Urfache
ER 36 bleibt: warum
das ſen, worinn Die
pimmen, eben in einem Wirbel, tt
tite drehen? warum haben die Planeten
‚Wirbel, welcher die ganze Suftkugel dee
„ gerade diefe Stellung, welche fie insges
heine „gene Zone — ſo geht
lem natürlichen Urfachen, u mb Utfachen der
: ‚Alles iſt bloß —S Keine eins
Höfer unb Regel derfeiben hat in dem.
x Materie an ſich Grund; feine einzige iſt
daß man babey ſtehen bleiben fähne;
leidet einen folchen geometrifchen Ber
—* elf der £inien und Figuren;
weh felöft
der. Pa keit — 28
5* ons Tiesoron, was deine,
un
38 D’ontres prenwoient par vv⸗
Sole gar je Bir de nun
Je sembrreis moi mime Sorte
* cetic
— * avoir. € 2.
4.
* —— Loix du Mewvenent
des —— Adrrapiafique. —
m |
. a
!
x
242 IV Abh. Bon Gott und göttlichen:
und ale vernünftige Weltweife eingefehen haben
und woraus fie auf ein höheres Wefen auffer be
Welt fchließen, das durch weife Wahl beftimnu
. babe, was nach) dem Weſen der Dinge unbeftimm
iſt. Damit man aber nicht fage, daß es bennod
ein Schluß der Unmwiffenheit bleibe: es koͤnne 4
was in dem Wefen eines Dinges no |
Grund haben, menn, gleich. fein Menfch fähig ai
re, denfelben zu erſorſchen: fo habe ich mich unf:d
ne wefentliche Beſchaffenheit der Materie beiufen
die wir alle wiffen und fennen. Die Materie
an fich leblos, und daher ift es ihr, vermöge ihn
Weſens, einerley, ob fie ift, oder nicht iſt, 00
fo, oder anders if. ihre Wirklichfeie iſt bahi
fo wenig, als ihre Natur, und ihre Kegeln de
Bewegung durch ihr eigen Wefen beſtimmt; Joy
bern alles muß von einem WWerfmeifter um eine
andern willen, und alfo nad) Abfiche und
beftimmt ſeyn.
$ 11. Wir.
Was ber Herr von Maupertuis wegen be
Unähnlichkeit unter den Thieren einwendet, di
Nachdruck bin id) nicht fähig einzufehen., Mir B
ben in den Thieren, Pflanzen, und was mir fonf
in der Natur erfennen, eine Mannichfaltigfeit, voel
che alle mögliche Stufen durchzugehen und nicht
| lee
der Herr v. M. p. 12. feinen Beweis aus der’ Dia
thematik berbolet, und ibm eine evidence mathenms
tique beyleget, auch denfelben bepdes denen mesapfg
fifchen und gemeinen Veweifen entgegen feßet,
FH Apfichten in der Welt. 243
\ die wir fehen auch in aller
eine — Aehnlichkeit,
i ; welche Cum e8
et, daß ein jedes fich
lanzet. Bendes
re Fönnen
; fondern
En mung in
zeiget, deſto mel
Welt
ht anders, weifen Werks
N * die Lebendigen
bſt, ol nothwendig und
— er Welt und deren
— "Und die lebloſe Welt und leb⸗
ihrem Weſen nichts in fü ch
wodurch ihre irklichkeit und eine gewiſſe
fenbeit vor andern beftimmer würde. Sie
von einem. Urheber hervorgebracht, und
demfelben nach dem Weſen ie andern,
Teblos iſt, beitimmer ſeyn. Da nun diefe
ig der Melt für fo viele tanſend Arten der
‚gleich Bequem iR: fo beweiſt fie eine
, Abfiche und unendliche Weisheit des Urhe-
Natur.
‚andere Ausfucht, gegen die Uebereinſtim⸗
d in den thieriſchen Körpern, kann
vernünftigen Manne, als der Herr von
uis iſt, nicht von Herzen gehen; und
beſſer für einen la MNettrie geſchickt ha ·
Denn mie konnte er geſtehen, daß es um»
en, mas Epikurus und Aucrerius dieſer
. Q2 Ueber ·
u
244 IV A6h. Bon Gott und göttlich
Uebereinftimmung in den thierifchen Körpe
gegen fegen, ob wäre der Mugen jedes Thei
der Zweck, fondern die Wirkung und Folg
an fich ungefähre entftandenen Bildung
£önnte er, fage ich, diefes geftchen, und di
Ernite von eben dem Epikurus ımd Luc
eine Hnpothefe borgen, woraus daſſelbe fließt
er umfonft zu ſeyn erklaͤret? Denn hätte ein,
nach Millionen übel gerathenen Erzeugung,
thierifchen Leibern, auch endlich einmal mo
thene treffen koͤnnen: fo wäre ja in der Tf
Musen jedes Theils nicht eine Abficht, ſonde
bloße Folge des glücklichen Zufalles.. Da m
für unmöglic) Halten muß, daß der Herr von!
pertuis fo wenig Einfiche in den Zufamme
der Gedanken haben fönne, dadurch ihm ver
bliebe, daß er eben dasjenige mie andern X
feße, was er verworfen hatte: fo muß man
ben, daß er vielmehr hat zeigen wollen, wid
Uebereinſtimmung der Theile in dem Baue be
rifchen Körper müßten die Feinde der göttlichen
fehung nichts rechtes einzumenden.
$ 12.
Wenn der Herr von Maupertuis über
bie menfchliche Unmiffenheit von dem Verhaͤ
und von dem Mugen und der Liebereinftim
der Dinge, folglich aud) von den- göttlichen ?
ten, vorfchüget: fo ſcheint er eines Theils die
wiſſenheit viel zu weit zu bebnen, andern
auch allzuviel daraus zu ſchließen. Es ift e
zu weit getrieben, daß Menfchen gar nicht
er hinzu: Eures um-
Gore mörme, Ays dpreida
yag ip ironmls, d @rde,
dopdwen 4 wiradew &c. ſo
von der großen Stadt, ich
. Darin iff Bote
itaten e i
„deleg. cap. 7. oder Set. 23. und Seneca
a ne ei Marciam
246 IV Abh. Bon Gott und göttlichen |
ftems, und die Vortheile, die wir auf ben Erd)
den davon genießen, fo weit einfehen und empf
den follte, als genug iſt, die meife und gürige V
forge feines Schöpfers zu preifen. Niemand iſt
blind, daß er den Gehrauch der größeren
der chieriſ hen und menſchlichen Körper nicht fin
Fönnte, Daß das Auge zum Schen, das Ohr
Hören, der Mund zum Effen und Far
Hände zur Arbeit und Kunſt aufs vollkommen
eingerichtet find. Mit einem Worte, man fi
mir, ob Derham, Nienwentydt und and
dergleichen Naturfündiger, weldye die Welt u
ihre Theile nad) deren Verhaͤltniß und Uebereinſti
mung zum Nutzen für Die Sebendigen betrachtet, <
nichts davon gewußt; oder ob fie was falſches
wahr angenommen haben; oder ob das noch ni
genug fen, die Weisheit und Abficht des Schöpft
daraus zu erfennen. Wenn man aber meber |
gemeine Erfahrung, noch das höhere Erfenntn
das wir Menfchen haben, und ums in fo viel
Schriften vor Augen gefeget iſt, verleugnen, ot
umftoßen kann: wie fihi:fer es fich denn, daß m
fi) als ganz unmiffend ſtellet, And überhaupt nid
zu verftehen vorgiebt ? oder daß man fp verdchtl
von dergleichen Betrachtungen redet, als ob fie gie
dieneten, das Gemürh in Vermunderung und €
ſtaunen zu fegen, als mit Erkenntniß zu erleuchte
Zvar, je mehr wir von der Vebereinftimmu
der Dinge erkennen lernen, defto mehr fehen n
ein, daß nach ein größeres, ja unendliches Fe
übrig fey, welches unfere engen Schranken des W
Bandes nimmer ausmeffen werden, Aber follm
dara
248 IV MS. Von Gott und göttlichen
ein roher Zufammenfluß von allerley Urftoffen fi
Vielmehr fehen wir dabey deutlich vor Augen, d
die Käfe-Miete eben fo kuͤnſtlich in allen Theilen
bilder fen, als der Elephant und Menſch; und d
ein Yuge der Mügfe, ein Federchen am Slügel k
Schmetterlinge, ein Samenftäubchen einer Blun
eben fo genau ausgearbeitet fen, als bas Gan
Die Vernunft aber Ichret uns überhaupt, daß Fei
Vollkommenheit im Ganzen feyn koͤnne, wo fie ni
aus der Uebereinſtimmung ber kleinſten Theile
Man pflege fonft diefer Betrachtung entgee
zu feßen, daß wir uns in der Beflimmung ber gd
chen Abfichten fehr leicht betriegen koͤnnten: thei
weil des höchften Wefens Gedanfen für unfern rn
drigen Berftand fo verborgen wären, als die geh
men Rathſchlaͤge eines Königes für einen Fu
mann; theils, weil auch die fichrbarften Dinge f
nen fichern Schluß gemwähreten, daß fie zu irgend
nem Gebrauche und Nusen, oder zu welchem fie |
ftimmet worden. Aber fo fcheinbar auch bie
lautet „ fo bauet es doch auf falfchem Grunde
viel.
Es iſt eben fo falfch, daß Gottes, als dag t
Königes Abfichten, lauter Geheimniſſe für die N
Drigen bleiben follen: es ift auch falſch, daß v
Feine Regeln hätten, woraus von den göttlich,
Abfichten etwas ficheres zu ſchließen ſey. Ein$
nig machet doch aud) verfdjiedene feiner Abſich!
durch Gefeße, Verordnungen, Herolde, Befch
allen und jeden Fund, fo viel ihnen zu wiſſen noͤt
} und nüglich if. MUB man auch eben Ken \
| m
ſſerlichem Angriffe in Sicherheit zu fiellen
Kann mannicht aus feinem Berbotheder Eine
ısfuhre fehen, daß er Geld und Getraide im
sehaiten will? So hat ſich auch Gore nicht
ıget gelaffen. Es find Dinge in der Natur,
h dem Einfältigften eine leſerliche Schrift
‚daraus fie den Verſtand und die Gefinnung
Höpfers erfennen Fönnen und follen. -Xa,
fte wohl fagen: mie Staatskluge mehr von
Röniges seheimen Abſichten einfchen, fo fön«
ch wahre Weltweife manches in der Natur
en, das ben Unverftänbigen ein Geheimniß
ieſe Deutung {ft auch nicht wild und zügellos.
aben eines Theils bey dem, was wir erfahe
e Regel, daß aller Nutzen der Dinge eine gött-
bſicht fey . Andern Theils ſteht überhaupt
aß nichts umfonft, fondern alles zum Nugen
endigen fen tt: daß das Wefen und die Na ·
—————
I
|
255 IV Abh. Don Gott und göttlichen
Mugen anzeige; und daß folches durch die Aehn⸗
licjfeit anderer befannten Dinge noch mehr beftd
figet werde. ,
Geſetzt aber, daß wir ung zumwellen in befonde-
ren Sillen mit Murhmaßungen zu weit mageten,,
toozu Diefes oder jenes diene, und alfe irreten **:
fo
20 Die allgemeine Abficht der Schöpfung der Welt,
nm ber Kebendigen willen, iſt ſowohl durch . Ber:
nunft al8 Erfahrung auffer Gefahr des Irrthums
eſetzt. Wern aber dic Frage von befonderen
ingen iſt, wozu diefeg, wozu jenes beſtimmet fep,
fo ift bauptfachlich auf gmeyerley Weile möglich zu
irren: einmal, wenn man aus der bloßen Geſchick⸗
lichkeit eined Dinges zu einem gewiffen Nutzen
fchließt, daß ſolches die wirkliche Abiiche ſep.
Denn eine und diefeibe Befchaffenheit eines Pie
ges kann mancherleyn Urſache, Nuten und Abfiche
baden ; und demnaͤch iſt auch das Gegentheil Yon
Dem, was man muthmaßet, möglich.
fann man irren, wenn man bloß aus der Ge
lichkeit anderer Dinge ſchließt. Denn die Aehn⸗
lichkeit dee Dinge in der Natur leidet öftere Abfaͤl⸗
le; als 4.3. in der Sertpflangung ber Thiere buch
Begattung zweyer Geſchlechter, und in vielen ans
bern; wovon nachmald aus dem Geſetze bee Ste⸗
tigkeit (lege continuitatis) Grund gegeben werben
fol. So bat Yer Herr von Hagedorn, beffen Ans
merfungen fo gute Muſter find, wie man mit Vers
ftande lefen, al8 die Gedichte, wie man edel Benten
und fhreiben ſoll, auf der 65 Seite, aus den Schrif⸗
ten der ſchwediſchen Akademie, aus dem Reaumuͤr
und Gould angemerfet, daß ed Inſecten mit Fluͤ⸗
ein gebe, denen doch die Fluͤgel in ihrem ganzen
geben zum Kliegen nicht dienen; ımd daß man fich
ich in Beftimmung der Endurfachen leicht be:
Fönne. Unterdeſſen würde man ſich noch
vergehen, wenn man aus dergleichen Fallen
ehe:
Adfichten in der Welt. 251
o folget body daraus nicht, daß wir gänzlich zur
kntdeckung der göttlichen Abſichten unfähig fird,
nd mit diefer Bemühung nur lauter Irrthuͤmer
haͤufe⸗
ſchloͤſſe: alſo giebt es Dinge in der Natur, die
gar keinen Nutzen baben, oder die boͤchſtens nur
zur Zierde dienen. Der Herr Xeaumuͤr ſaget gar
wobl (Mem. pour les Inſectes T.1. p. 30. edit. Am.
flerd. 1737. 8: das hieße von der hoͤchſten Weis:
beit allzu klein gedacht. So ſaget er Tom. II. P.1.
p 85. von den Schmetterlingen meiblichen Ges
—* an dir Eiche, welche aroße Fluͤgel haben,
wie die Mannchen, und doch nummer fliegen, fons
bern nur frischen, und nicht cruz weit Eriechen,
als ob fie gar nicht müßten, tu ſie Fluͤgel baren:
Mais Pagitatien des ailes Ini efi peut - ètre necefjarie
pour la fin que la Nature paroır avoır touiou s va
une, pour la confervation de U L:!jere. Winn man
aber den befondern Endzweck gewiſſer Dinge auf
obangeregte zwiefache Wcife ſchließt, fo giebt ed nur
Muthmaßungen, die jedoch um fo viel mehr Wahr:
f&beinlichkeit haben, als die Erfahrung mehr ah:
liche Falle darftelle. Daß dieſes aber nicht gersi ;
fey, und triegenfönne, das machet den Endurfach- ıı
feinen befondern Vorwurf, weil man fich in Eric: :
| ng der wirkenden Urfachen, da, wo Keine Gewiß⸗
eit Start finder, eben der Wege zu muthmaßen te:
Dienet, und nothwendig bedienen muß: namlich, daß
man aus der Befchicklichfeit eines Dingeg zur Wie—
fung, und aus der Aehnlichkeit anderer Faͤlle, Die
wirkende Urſache muthmaßlich abnimmt. Di: Ges
wißheit entitcht bey den Endurjachen, fo wie bey
den wirfenden, und allen Dingen, nicht anders,
als wenn das Begentbeil unmöglich it. Go babe
ich von den Planeten geichloffen, bag fie Einmwelner
haben, meil felbige als leblofe Dinge nicht um ibver
felbſt willen, und alfo bloß um ver Yebendigen wil:
len, bervorgebracht ſeyn Können. So jehließ::
—
va
U
J
\
252 IV Abh. Bon Gott und göttlichen .
bäufeten. Die Entderfung der wirkenden Urfacher
in ber Natur ift ja fo fehr den Vergehungen bes
menfehlichen Verſtandes unterworfen, als die Ent
deckung der Endurſachen; und niemand wird doch
fo übereilet fchließen, Daß bie ganze Taturlehrı
über unfere Vernunft gehe, lauter Irrthuͤmer
vorbringe, und gar nicht zu treiben fen.
man barum ein lehrreiches Bud) gar nicht lefen;
weil man nicht alles darinn verftehen kam ? odea
irret man desfalls allenthalben, weil man etw⸗
ben ein und anderer dunfelen Stelle den Sinn Des
Urhebers falfh muthmaßer? Der Hauptzweck, un
gleichſam der ganze Inhalt und aflgemeine Titel
des Wuchs ber Matur, und derer Eapitel, die ung
‘am meiften betreffen, fteht ung doc) allemal Flat
oor Augen. Die Möglichkeit des Irrthums in
befonderen Fällen Ichret uns nur behutſamer zu
feyn, und die Regeln zu fhließen genauer zu beob⸗
achten; auch mehrere Erfahrung abzuwarten, .
6 13. J
Nun aber muß es auch unanſtaͤndig, und an
ſich laͤcherlich heißen, die Weisheit des hoͤchſten We—
ſens in ſolchen nichtswuͤrdigen Kleinigkeiten, als in
Inſekten, in einer Falte vom Felle des Nashorn
Thieres, und hundert andern dergleichen laͤppiſchen
Dingen zu fuchen. :
De
insgemein, daß die Tiere ein Leben und eine eefı
baben, weil ihre Aberfgeuge der Sinne um feine
andern Urſache, ald um der Empfindung willen
haben beſtimmet feyn koͤnnen.
4 u ; 4
Abdſichten in der Welt, 255 -
Der. Herr von Maupertuis hat uns vieleicht
zu verſtehen geben, daß alle bisher ans
| ai Seren I gegen fein Ga
1% 4
wohl, —— in feiner Afteorheo»-
md Phnficorheologie, und andere dergleichen -
eife, von dem Größten bie zum Kleinften,
en bis zu feinen geringften. Theilen,
waren, und allenthalben gleiche -
Weisheit des’ Schöpfers gezeiger hatten, Aber es
N feinem Zwecke nicht gemäß, der ‚größeren und
allgerneineren Gegenftände folcher Unterfuchung zu
” Man möchte aber auch fragen: Muͤſſen benn
"alle Menfehen erſt große Mepkünftler, Algebrai-
fen, und tiefe Naturfündiger werden, ehe fie von
Schoͤpfers Daſeyn und Weisheit überführer
können? Hat denn das neu entdeckte Geſetz
en: ein mehreres Ucht, oder einen all»
fall, felbft unter den Gelehrten?
Keen Fer wir die offenbare und jedermanns
Einficht gemäße Spuren der göttlichen Bollfom-
menheiten übergehen und verachten? Warum foll
‚man die Wahl des Beſten bloß in einem allgemei-
nen Gefege ſuchen, in beſondern Fällen aber die Au⸗
gen verfchließen oder irre werben? ft es nicht bey-
des gut und dienfam, das Göttliche in der Natur
‚allenthalben, wo es zu entdecken ift, es ſey im Klei⸗
nen oder im Großen, wahrzunehmen?
Ku
254 IV A65. Bon Gott und göttlichen
Aber ich möchte auch miffen, was wir für ei
Maaßſtab oder für eine Wagſchaale Haben, wodu
wir etwas fir groß und wichtig, oder für Kleu
keiten und geringfchäßige Dinge erfliren. Auf
Ausdehnung wird es ja hier nicht anfommen, t
das nur allein groß wäre, was wir mit Klaftı
und Zentnern ausmeflen koͤnnen. Wenn wir.al
den Maafiftab der Weiche nehmen, fo weis.
nicht, ob eine einzige Bagatelle in der ganzen J
fur zu finden iſt; und ich fürchte, daß einer |
nur felbft werächtlich machet, der das geringfte in I
Natur verachter, weil es alles Muſter der größı
Weisheit find. Für unfern Veritand ift auch d
Fleinfte und geringjte noch zu groß, zu wunberb
unbegreiftich, ja unendlid. An ſich aber ift all
auf den größten und ebelften Zweck gerichtet, w
cher fich erdenfen laͤßt, naͤmlich Die Welt mit |
ben, Luſt und Gluͤckſeligkeit zu erfüllen; und d
Mittel, deren Berhältniß zu Diefem Zwecke wir ei
fehen können, find fo vollfommen damit einftimmi
daß allenthalben ein unendlicher Verſtand bey dei
beften Willen hervorleuchtet.
In diefer Ordnung der Dinge kann alfe nich
Elein feyn, was mit der großen Abficht auf da
Wohl der $ebendigen eine weile Verfnüpfung ha
Ste volltommener Gott felbft iſt, defto weniger iſte
ibm anftändig, auch nur das geringfte in der gar
jen Naturkette ohne Abficht, unnerhig, unbedach!
fam oder verfehre zu thun, oder nur obenhin, in
Großen, und fürs Auge zu bilden. Derjenig
ſtellet demnach die Natur auf eine Gott anftändig
Weiſe vor, der fiebis ing Innerſte und Kleinjte weis
. lid
Abfichten in der Melt, 255
lich ausgearbeitet darftellet: und mir erfennen die
Größe der göttlichen Weisheit in der Natur nicht
eher deutlich, genau und gründlich, als bis wir in
alle Arten der Thiere, und in die innere Einrich-
tung, Natur und Verrichtung der einfacheren Theis
fe, fo weit wir Finnen, binein geben. Selbſt die
allgemeinen Regeln der Bewegung bemwei'en ihres
Urhebers Weisheit nicht anders, als fo ferne ſich
ihr Nutzen in jedem befonderen Falle, und ihr Zu:
ſammenhang mit dem Wohl aller Arten der Leben⸗
digen zeiget.
Der Herr von Maupertuis drucket fich ſelbſt
darüber gar fchän mit Dielen Worten aus ?': Als
les iſt in der Natur mit einander verknüpft.
Die Welt haͤngt ſowohl an dem Faden eis
ner Spinne, als an der Rraft, welche die
Planeten gegen die Sonne zieht. Aber id)
kann ibm niche beypflichten, wenn er Dinzufeßet-
Allein, das Bewebe der Spinne ıft es nicht.
worinn wır die Beweiſe der Weisheit deo
Schöpfers füchen muͤſſen. Wie? wenn aud)
darinn unter andern cine zur Erhaltung des Thier⸗
leins unverbejferlihe Kunft enthalten ift, welche
die Spinne nicht felbft erfonnen, noch durch Un«
terweiſung, Benfpiele und Uebung erfernet, füre
dern lediglich von ihrem Schöpfer, ftatt der Ver⸗
nunff,
ai Oeuvres p.25. Tont ef} li& dans la Nature: 7 Uni
vers tient as fil de l’ araignee, comme a cette Jorce
qui pouſſe ou qui tire les pl.inetes vers le Soleil: mais
ee n’efl pas dansle fil de | araignee, qu’ il faus cher-
eber les premves de la ſageſſe de jun Auteur.
256 1V Abh. Bon Gott und söftlicher
nunft, zum erblichen Befige befommen Hat:
um follen wir nicht darauf achten ? Iſt es
durch einen andern Weg thunfich, bie große B
heit, daß Gott allen tebendigen die zu ihrem $
‚Bienlichiten Mittel gegeben, in ihrer Wirkli
überzeuglich zu erfennen, als wenn wir jedeg '
res Werkzeuge, Matur, Triebe und Fertigt
aufmerffam betrachten?
Ich finde auch nicht, daß der Herr von!
pertuis Urfache hatte, den Engländer laͤch
zu machen, der von dem Ähinoceros, mit einem
Worten, im Vorbeygehen, bemerfete, daß t
fonft fo dick» und harthäutige Thier von dein
fen und gütigen Schöpfer, bey den Gelenfen,
einer gefaltenen, fehr fanften und biegfanen J
verfehen wäre. ‘Denn ba diefes bloß bey den
gen. der Glieder, wo fie fid regen und ftrecfen
len, nicht aber auffer den Gelenken beobachtet n
und da bas Thier diefe Geſchicklichkeit feiner 4
zur Bewegung fehon aus Mutterleibe mit auf
Welt bringer,nicht aber durch wirkliches Bew
und Dehnen der Haut erwirbt: mas ift dem
cherliches darinn, daß einer diefes, als einen
ftand, morinn fich Die weife Vorſehung des €
pfers für das Thier, und die Wahl der bey
ften Mittel zum Zwecke äuffern, bemerket? €
eine ähnliche und fehöne Anmerfung, die der.
von Haller in gleicher Abſicht ven der Härte
$
32 Ich werde bie Kaufe hr dem —A &t
einigermaßen in Der folgenden Abhandlung $ 2:
(chreiben. ss
Abſichten in der Welt. 255
Haut unter ben Fuͤßen der Thiere machet . War⸗
um,
23 Vorrede zu Buͤffons allgemeinen Hiſtorie der Me:
tur, 1136. C. 1.2. Der berühmte Herr B. S. Albi-
nus, Acalcnıiear. Annotat, lib. I. p.27. Leidae 1734.
4. macher eben die Aumerfung: Exuvias varıis erm-
bryonibus de manibus pedibusſquie integras detraxi:
detraxi etium purzulis, qui afjecuti nondum erant
ongitudinem digitalem, Pertennes inveni, totasque
translucidas, qua parte ad dorfum manus pedisque
pertinent, crajfiares autens magisque opacas ct albi-
eunses, totasque firmiores, qua ad volart, quaque ad
flantaın et ad partes internas digitorum. Ex quo
intelligitur, natura differre cuticulam iis in locis, et
um pru[hone tantummiodo continua et attritionr [oli-
dari per atatem es in cralfitudinem crefcere Eben
derfelbe ſaget lib. IH. p.79. Er habe ſich dieſe Be:
obachtung als die ſeinige zueignen koͤnnen, weil er
fie ſchon von 30 Jahren ber oͤffentlich vorgetragen:
und der Herr Kaaw, ein Schweſterſohn des grofs
ſen Boerhaaven habe ſie im J. 1738. und Graveſands
Frauen Brude, Sacrelaire ſchon im J. 1727 in feiner
Diff. inaug. de communibus corporis humamı integu.-
mentis $ 10. aus feinen Amveifungen bekannt ge—
machet. Das würde cr nicht geicbrieben babın,
wenn er nicht der Meynunq ware, daß Entdeckun—
gen, welche Des Schöpfers Borfehung zeigen, fo Hein
fie au:b jcheinen möchten, dem Menſchen, der fie
zuerst gefunden, zur wahren Ehre gereichen. Und
Galenus de uſu Partium lib. III. cap. 10.fq. mo er
eben von der Haut des Menfchen an den Fuͤßen
geredet batte, dachte gar nicht verachtlich von jol-
chen Bemubungen, fonderm febreibt : je Terzm Con-
eituris nuflri hynmmum componere, et in hoc zurum
elle pietatem, non fi taururum ei plurimas Jacrifica
verit, et oduramemsa fulfumigazerit, ſed fi noverit
et aliis expofuerit, quanam fit ejus fapientian, Quæ
virsus, qua bonitar.
%
⸗
258 IV Abh. Von Gott und göttlichen E
um, faget er, bat das Thier und nicht der
Menſch, unter den vier Süßen, die es ragen
follen, ſchon im Mutterteibe Verhaͤrtungen;
da diefem nur unter den längeren Süßen, weil
nur diefe ihn zu tragen gewidmet find, eine
barte Ueberhaut anerichaffen iſt? - Nämlich
auch bier iſt zum voraus für den Gebrauch: der
Theile weislich geforget, ehe wir gebohren wer
Mehrere dergleichen Umjtände haben, auch andere
verrünftige. Männer bey der Haut, und Schaale ber
Menſchen und Thiere in: großer Anzahl beobachtet,
bie deswegen fehr unzeitig wuͤrden belachet ,
weil fie von der Haut und von Thieren hergenom⸗
men find; aber allezeit der Betrachtung würdig
bleiben, weil fie offenbare Beyſpiele der Weisheit
und Güte des Schipfers enthalten. '
Jedoch der Herr von Maupertuis furher diefe
Folgerung durch eine andere zu verfporten. **.
Das würde man, fpriche er, von demjenigen
fagen, der die Dorfehung deswegen leugnete,
weıl die Schale der Schildkroͤte weder Sals
ten noch Belente bar? Aber die Solgerung
deſſen, der die Vorfehung durch Die hHaut des
Rhinoceros beweift, bar nicht mehr Stärke.
24 Oeuvres p. 7. N’ efl-ce pas faire tort à la plus grande
des verites, que de la vouloir prouver par de tels ar»
gumens? Que diroit-om de celui quinieroit la Previ-
dence, parce que P ecaille de la tortue n’ a wi plis,
ointures? Le raifonnement de celui qui la prowe
par la peau du rhinoceros eſt de la mine forse.
Loiſſons ces bagatelles à ceux qui w’ en [entent pas ls
Frivolise.
Abfıchten in der Welt. 259
Drum laſſet uns folche laͤppiſche Rleinigkeiten
denen anheim geben, die deren Nichtswuͤr⸗
digkeit nicht einjeben. Der Herr von Mau—
pertuis har fo weit Recht: die Folgerung von der
Schildkroͤte, welche er jemanden in den Mund leget,
ft laͤppiſch und nichtsmürdig genug. Aber Fann
e im Ernfte glauben, daß ein einziger vernünftiger
Menſch die.andere Folgerung dieſer ähnlich, und
die Bergleichung für aufrichtig Halten wird? Er bürdet
« dem Engeländer auf, als ob er fchlechehin fo ge-
. fhloffen hätte: weil ein Thier Falten in der Haut
‚fo muß eine Borfehung ſeyn. Auf die Weife,
icht denn Herr Maupertuis, müßte auch aus
dem Gegentheile das Gegencheil folgen: weil die
Schildkroͤte Feine Falten in ihrer Schale hat , fo
giebr es feine Vorſehung. Der Unrerfchied aber
it: der Rhinoceros bat biegfame alten in feiner
dien Haut bey. den Gelenfen, wo es zum “Berne
gen der Glieder noͤthig wars aber die Echilbfröte
hat keine Falten und Gelenke in der harten Schale,
wo es zum Bewegen unnörhig war. Denn ein
anderes iſt es mit dem Armadill, ber Falten in fei-
ser harten Decke auf dem Rücken hat, weil er fich
in eine Kugel zuſammen rollet; aber die Schild.
fröte brauchte dergleichen nicht, fondern vielmehr
eine fefte Schale, morunter das Thier auch ges
gen Laſtwagen gefichert iſt. Dieſes iſt der eine
Fehler in der Bergleichung, daß es nicht entgegen»
‚geießte Fälle find, und daß der Herr von Mau⸗
perruis, folches zu verbergen, diejenigen Umftände
mit Fleiß weggelaffen, welche ſolches entdecfen Fonn«
ten. Denn eigentlich konnten dem Falle vom Rhi⸗
| N 2 noceros
— HD = nenn ,
260 IV Ab. Bon Gott und göttlichen
noceros nur zweene entgegen eſetet werden, wenn
entweder ein Thier in —& biegſamne IAccn
fürs, wo es unndrhig'tdar; abet wenn diidß
iegſame Falten hätte‘, wo cs doch hi
Dann wirde auch die Folgerund richtiger
alſo zeiget fih darinn feine Vorſehung n
her Folgerung hat der Schöpfer filon de
get, indem feines ber gegenſeitigen Falle in
tue zu finden iſt. Denmach verfällt der Hr.
von Maupertuis in einen zweyten Fehier
auf feiner Seite übel ſchlleßt: weil die S €
kroͤte Beine Falten und Welenfe hat, (mo es nicht
nöchig war:) alfo giebt es Leine ne
"mehr, da fie auf dem Rüden Leine unnäthige Fah _
ten, fondern eine fefte re, hat, '
fie ſich ganz verbergen ann; übrigens aber ji am
‘seibe, Kopfe und Fuͤſen, mit biegfamer Hau ib
Sliedern, fo viel als noͤthig war, verfehen ift: fo
laͤßt fid) auch daraus, wie aus taufend andern
Dingen, wahrnehmen, daß der Schöpfer, zum Eis
haltung feiner Geichpfe, nichts verfiume: und doch
auch richtsumfonft gemachet habe. Nun laffe ich
jeden urtheilen, auf wen Die Beſchuldigung des
$äppifchen und Säcyerlichen in der Folgerumg v6 |
Hm. von Maupertuis falle.
8 ı4
Ja, fpricht der Herr von !iiaupertuis, *
wenn ich auch alle die Beweiſe von Ordnung und —⸗
Ueber
25 Oeuvres p. 8. fq. One fert-il, dans la confirniuue
de gelgne Animal, de trowver des opparences derdremt"
er de conzenanse? lersgu' aprös nons fommes arrisisum "U
© —B
— E——
1, dunt la dent tus l'bomme. —
on d’une Mouebe ou dume Fourmis
ee 1 dl Bienen
ap un Infedte incommeo,
ER FR eiftan devure, ou qui
re Ar ⸗
*
9. De tris grands V —non
cher d’avoner, que la convenance esl’ordre
bar exadlement obfirves dans 'Uni-
embarajle pour comprendre com-
v d’ım Etve tont füge
#. ke mal de toutes les efpeces , le
Te erime, la douleur, leur ont diffieiles
avec P’Empire d’un tel re, Regar- »
ont.ils-dit, cette Terre; les miers eu cöwerent la
‚dans lerefle, vous verreu des rochers ejtarpes,
1: mez
dern — menig|
BVerdeuffe, übe: ne
de ihres re Weisheit 3 =) je
les mars de ceux qui Pbabitentz vöns troin
menfonge , le vol, le meurtre, et par tout]
ins communs que Ia verin., Parmi ces
— ——
- Weurmens de Is gouste cs de Io
dans. d’autres infraitas que
3 prefqwe ton: —— —
— Tære de Plante für a
. Sn a en
ala [are 0. a ige
U Unigers Pr
Berge
4
EEE ei, “
- B un
--
* *
—WB
*
264 VIAbh. Von Gott und gbttlichen.
auf eine noch deutlichere und gruͤndlichere Ast
ehun kann, als es bisher gefchehen ift. Er verfichert
uns wenigftens, wenn wir fein Gefeg der Spar⸗
ſamkeit annehmen, fo follten wir nur die Augen aufs
thun, und bie ganze. Welt durchgehen; dann mie:
den alle bie Erfcheinungen, welche melde won *—
Unwijfenheit Der weifeiten Geſehe, wovon fie eniie.
fpeingen, nur einen dunkelen und ımbeutlicheg: -
Beweis von dem Daſeyn Gottes gewäßrten,
Demonftration werden; und mas fonft in
gerniß erregen fännen, das würde nichts, als ein⸗
nothwendige Folge der Geſetze feyn, bie zu errich/
fen waren: man würde ohne Anſtoß fehen, def:
Misgeburten erzeugt, und Safter begangen würden,
und mie würden ben ©chmerz; mit Se
aushalten. Gen wir alfo den größten 2
Hier ha alſo den größten meifelsfege..
ten, nach dem Gefege der Sparſamkeit, Furg mb:
gut durchgefchnitten. Allein , ich möchte fragen;
wie wird nun alles durch die kleinſte Bewegung
des Hrn. von Maupertuis fo leicht zur Demon⸗
firasiod
29 Ocuvres p. 25. Ouvrous les yeux; parcasronsT Unb-
vers; livrous nous bardiment a toute —
que ce Jpe@acle nous caufe; tel Pbeuewene gei, eb»
dant qu on iguoroit la jag« fe des loix à qui il des
fon origine, n’etoit ge une preuvo — es cafe nr
de Pexiſtence de celni qui gouverne le Mende,
vient une demonflretion: es ce qui auroit pu cauft
, du feandale, ne fera plus qu’une fuite neceflaire er
hix qu'il fallois etablir. Nous verroms, fans en dere
tbraniin waitre des Monfires, commettre des Orömen,
et nons fanffrirens ave: patience la Doulcur.
Arfichten in der Welt. 265
wation des Dafenns Gortes und feiner Weisheit
nd Guͤte? Laſſet uns einen Schluß machen: Wenn
lles in der Welt mit der Eleinften Handlung oder
Bewegung gefchieht , fo muß ein Gott ſeyn, der
sach weifer Wahl das Beſte erfohren. Wie?
venn -die kleinſte Handlung an. fid) die einzige
nögliche, und alfo fihlechterdings nothwendig wäre :
folgert nıan denn, Daß ſie durch eine meife
Wahl eines Lrhebers geftifter werden? Ober,
wenn man fie auch nur als natürlid) nothwendig
annehmen will: mas verweift ung auf einen freyen
Beift, der es fo geordnet Hat? Der Hr. von Mau⸗
pertuis hatte dem Hrn. Newton diefen Einwurf
gemachet, und er machet ihn fich auch nun felber.
Seine Antwort darauf aber lautet fo: ’” Wenn
ss wahr ift, daß die Befene der Bewegung
md Ruhe eine unsusbleiblidye Solge der
Yarur der Rörper find: fo beweift eben
diefes dic Vollkommenheit des hoͤchſten We⸗
R5 ſens
ꝓOeuv. p. 13. Mais, pourroit-on dire, quoique les rogles du
mwonzemenz et du repos nuyent etèé juſqus ici démontrées
que par des bypmibefes et des experiences, elles ſont
‘peut - etre des fnites necefjaires de la nature des
corps; esn'y ayant wien en darbitraire dans leus
Habliffeinent, vons attribuez a une Prozidence, ce
qui u’efl Veffee que de la Neccfhte. Sil efl wrai
que les loix du mouveınent et du vepos ſhient les fhi-
tes indifpenfables de la nature des curps, cela möıze
presve encore la perfedion de !’Etre Jupröwe:z def
ne souses chofes foient tellement urdonutes qu'uuo
Merbimatique aveug!e et necellaire execute ce que
Pintelligence la plus eclawte et Ia plus libre — *—
Teig,
. 266 IV.A6h. Bon Gott und göttlichen
fens, da nämlich alle Dinge fo geordnet find,
daß eine blinde nothwendige !ischemarit
dasjenige ausrichtet, was der verftändigfie
und frepfte Geiſt vorſchrieb. Das iſt eime-
vortrefflihe Demonftration, nur daß man: ihre
Grund niche finden kann: Die natürliche N
mwendigfeit der Pleinften Handlung beweiſt
mweife Wahl eines hoͤchſten Weſens: warum? wei
fie des verſtaͤndigſten und freyſten Geiſtes Vie
ſchrift ausrichtet. Segtzet dieſes nicht eben dasjs⸗
nige voraus, was zu beweiſen war? Oder wein
dieſes eine gültige Antwort heißen foll: weruäl:
konnte fie dem Hrn. von Maupertuis nicht eben
denfelben Einwurf gegen TTewetons Ordnung der
Planeten heben? °* |
Allein, wir wollen annehmen, bas Gefeg det |
Eleinften Handlung beweiſe den verftändigften wb
freuften Geift: fo wuͤrde es doch, nach dee Ar
von Maupertuis eigenem Urtheile, noch gar nicht
deſſen Weisheit und Guͤte beweiſen, ivenn de.
Zweck und Bewegungsgrund nicht etwas |
ift. » Und wie ann er denn doch die Berrade
tung der göttlichen Abfichten in der Natur verwer⸗
fen oder belachen; da fein eigener Grundfag fd
nen Beweis von eines höheren Weſens Weisheit
und Güte giebt, wo er nicht gewiſſe Abfichten vor⸗
aus feßet? Denn in ber Eörperlichen Bewegung
liege an ſich nichts Gutes, fie mag klein oder groß
ſeyn; fondern fie ift hoͤchſtens nur ein Di
zu Giehe oben die gte Anmerkung,
32 Siehe die 28 Anmerkung.
Abfichten in der Well. 267
f zum Boͤſen als Gurten angewandt werden
Könnte denn nicht auch lauter ‘Bdfes oder
jitens viel Boͤſes, durch die Fleinfte Bewe—⸗
ausgerichtet werden? Wie Fann alfo das
5 der Fleinften Bewegung an fich felbft die
sheit und Güte des Schöpfers darthun , fo
: man nicht fieht, daß es zum Guten anges
t fen, oder wie fönnte es eine Antwort gegen
Böfe, das wirflic in der Wele ift, geben ?
d darum Misgeburten , giftige Thiere und
nzen, Safter, Schmerz und Tod nichts Boͤſes,
fie durch die Fleinfte Bewegung hervorgebradit
en? Würde niche Das menfchliche Herz, wenn
Sache bloß auf Bewegung anfame, winfchen,
doc, der fo verftindige und frene Geiſt licher
Böfen fparfamer, und in der "Bewegung etwas
tebiger gemefen märe ?
Es läßt fich aber auch nicht begreifen, daß das
e in der Welt eine nothwendige Folge diefes
tzes ſeyn ſollte. Sind denn Stürme, Erdbe—
Ueberſtroͤmungen, Kriege, Mord, Brand,
alle Laſter, Fruͤchte der kleinſten Bewegung?
an alle ſchaͤdliche Thiere und Kräuter gar nicht
affen wären „ fo würde defto weniger Bewe—
3 in der Welt fern. Ya, man möchte viel»
e aus dieſem Geſetze folgern, daß fehr viel
es und alle gebendige hätten wegbleiben muͤſ—
damit ja nicht fü viel Hegens und Bewegens,
:äufches und Laͤrmens in der Welt entftünde,
yern alles todt und ftille wäre, und die ganze
Kur fein geruhig und fanfte fchliefe.
Man
268 IV Abh. Von Gott und göttlid
Man hätte alfo wuͤnſchen mögen, daß bi
von Maupertuis uns auf der einen Seite
cher erfläret Härte, wie das Gefeg der Sparf
das Gute nochmendig erzeuge, und fich dadu
eine Regel ber Weisheit erweife; auf der |
aber fo wenig Boͤſes, als nur möglich war, |
Denn an jidy fcheint weder Böfes noch
baraus zu folgen. Wenn nämlich nicht wei
guͤtige Abſichten vorausgefeßt werden , wo
Gefeß der Sparjamfrit, als ein Mittel, angı
worden, fo fann man aus diefem Gefege:
feine Weisheit, oder Wahl des Velten erl
noch das zugelaſſene Boͤſe damit sufammen t
Um foviel weniger ift zu begreifen, wie der $
WMoaupertuis wider den Deweis aus der
und der Uebereinſtimmung in ber Natur |
da er ihn ja fo fehr, als andere, nöthig hat.
ſchlimmſte iſt, dañ der Hr. von Maupert
Betrachtung des Guten in der Welt verd
ſchwaͤchet, verkleinert, verlachet, des Boͤſi
haͤuſet und ſchaͤrſet; und uns alsdenn, w
uns mitten in bekuͤmmerte Gedanken hineir
ret hat, verlaͤßt.
$ 15.
Es erhellet aus des Hrn. von Maup
eigenem DBenfpiele, dag man fowohl von bei
Fommenheit und Unvollfommenheit der We
ihrer Theile, als auch von bem ganzen Zufa
hange ber ‘Dinge, und was derfelbe mic fich &
imgleichen von ber Weisheit und Güte des
bers fehr verfehre urpe, wenn man nich
bſichten in der Welt, 269
—— Endurfache a —— 2
—— — ————
ung fo guͤtig, groh und edel fen,
—— a hen
Welt, nebft Regeln
inwuͤrfe
kann, ſo wird auch zuvor nöthig
"dal beſonderen Abfichten bey den Thies
nd Menfchen auf unferm Erdboden ausführs
Idjer darthue, Dann wird ſich beffer erklären laſ⸗
daß ſo viel Vollkommenheit und Gutes
on dem fer angediehen fen, als nad) jedes
in der Berfnüpfung der Dinge möglich war ;
m ed der Mangel einer mehreren Vollfommens
j IR ia mm kin Abfiche fen,’
dem ein en Wefen ber
rt Dinge unvermeidlichen Grund der
ichfeir habe, theils in feiner wirklichen Zur
neue Beweiſe der Weisheit und te des
darreiche,
T ee
t und Gite des Schöpfers antworten.
Es kann ung fürs erſte genug fepn, daß man über«
fießt, wie ungeitig und unbilfig fie ans
„und wie fehlecht fie daher gehoben find.
Denn wie kann man von eines Dinges und feines
Bes Vollkommenheit urtheilen, ohne es wes
kim Zufammenbange, und nad) feiner Abſicht,
ua
nigkeiten, die einem Könige unanſtaͤndig,
a
- 1
’ m
270 IVASh. Bon Gott und göttlichen
noch i in feinen Theilen, ber Betrachtung werth |
halten? Wie Eönnte man ſich mit jemanden einla
fen’, der bie und dba aus bes weifeften König:
Verordnungen etwas ergriffe, das ihm wit
fejiene, um es zu tadeln; und wenn erg
‚ würde , ob er denn die übrigen, fo viel m
in ihrem Zufammenhange betrachtet. hätte, J
Antwort gäbe, er verftünde theils nichts Dan
theils handelten fie von allerley nichtsmürdigen SCH
und
Mühe nicht werth wären. Man würde u
mehr erfuchen, daß er fich nicht übereilen,
erft Zeit und Geduld geben moͤchte, die “X
Abſichten der Verordnungen, zur Erhaltung jed
Standes, ohne Vorurtheil aus den allgemeinen
erforfchen, und biernachft allesin der Verknuͤpfu
bes Ganzen zu betrachten; und wenn er denn al
und jeder Anitalten ihren Grund noch nicht vog
a begreifen Eönnte, feine Unmiffenheit ber Weich
des Königes nicht zur Saft zu legen. Sollten w
nicht fo billig und befcheiden von den göttlichen Ba
fen urtheilen , als Eofrates von den dunkel
Schriften des Heraklitus? Er las fie doch eff
Verachtung; er bemübete ſich um ihre wahre Wie
nung; er ſuchete feine widrige aus ſchweren Stell
zu erzwingen; fondern wie er gefraget ward, wm
er davon hielte, gab er zur Antwort: was ich we
ſtehen fann, das ift vortrefflih; darum vermuff
ich, Das andere wird gleicher Art ſeyn, mas hi
nicht verftehe.
8 10
33 Diog. Laertius II. 22. “ ab voiise, vorde
pay 8, x) “ un vurine.
— 1
De in.der Welt.) 271
en — als Naturfünbiger;
ſachen unfernthalben für euch,
‚ mit in bie Naturlepre, mo fie
ihnen ‚haben, und oft Br Irrthume
nes iſt bekannt, was Carteſius und
geſaget; und viele der Neueren
tn noch weiter, fo daß fie bie Endurſa-
aus der Naturlehre als unfrucht ·
verweiſen, ſondern fie auch am ſich
der Metaphyſik, kaum mehr wollen
ja aus Vorurtheile, oder vielmehr
diefeiben, faſt alle erſte Begriffe und
Br Wahrheit, als unnüge Grillen
meynet: die Vollkommenheit,
Abficht gerichtet ſey, und der zurel- -
rund, den man barinn fuche, wären nur
eWefen, die nach menfhlichen Abſichten
täten; willführliche Verhaltniſſe, die
Meingemachet hätten; Gegenftände unfe-
umgen und Seidenfchaften, die anſtatt, daß
Dirkliches hervorbringen ſollten, nur das
everänderten, und mis unfern Meigungen
Br: aus Enpurfachen etwas ſchlieſſen wol·
N “ „
—— [7] ae Beer de Deo J
et
Br ar 16. P. 283..fdq, Dagegen erin⸗
om in feiner allgemeiden der Ras
1 Bend p. ——
Een
-—
2
272 W Abh. Won Gott und göttlich:
len, fen nichts anders, als bie Wirkung fü
Urfache annehmen. Es heißt bey einem ander
lan nenner ein Syfteme der Endurſa
denjenigen Theil der Phyſik, oder viehr
Metaphyſik, (oder vielleicht weder der e
noch der andern) welcher den Zweck bat,
Geſetze der Natur, vermictelft der Abfict
welche der Urheber der VNatur fich d
vorgefeser bat, zu entdecken. Diefe Th
gründet ſich auf fo wahre, aber fo unfg
bare , und fo oft triegliche Säge, ale:
nichts obne zuveichenden Grund gefdy
daß die Natur durch die einfachften. U
bandelt, und auf einige andere, die ebe
gewiß, aber auch eben fo unnüge find.
KRanzler Baco, welcher wohl einfab u
el
36 Der Hr. Verfaffer von ben Melanges de L,itte
re, d’Hiftoire et de Philofophie Vol, I. p. 257.
von dem Syfteme des caufes finales: Ox sp
cette partie de la Phyfique, ow plüsse de Id’Ä
pbyfique (ou peut-Eire wi de Tune wi de entre)
pour bus de decowvrir les lois de la Nature par
que fon anteur s’efl propofee en crabliffams ces
Cette Theorie efl fondie ſur des axiomes fi x
mais fi pew flcons, et fouvent fi trorkpeurs,
rien ne fe fait fans raifon ſuſſiſaute, que la m
agit soljours par les voies les plus fimples, e
quelqwes autres aujji certeins, et nuſſi imatiles.
Chancelier Bacon, qui asoit jenti, cumbien cette
niere de pbilofopher eois une voie ferile pour le
convertes, la comparois avec beaucunp de fineffe
verite, Anne vierge conjacrte à Diem, qui we
duit rien.
eit, der JEINE veſonderen Urfachen hatte,
Abſichten in der Natur, und alle Spuren
chen Weisheit zu ſtreiten, ſaget nicht allein
zureichenden Grunde “, daß cs bloß ein
der zum gemiffen Schrgebäude erfunden
md’ der in der Erforſchung von Wahrheis
nd gar feinen Nuten habe; fondern er fuͤget
iter ja allen Zuͤgel geſunder Bernunft abwer«
: Die Leibnitziſche Philoſophie fuͤh⸗
» zu einem andern Grundſatze, der
nüger iſt; Das ijt der Sun des Wi⸗
bes.
will ich den erſteren Herren des In Mer⸗
>» Ausfchweifungen gar nicht beymejjen;
es zur Behauptung ihrer Meynung no»
e Sprache zu führen, die den Atheiſten
che it? Denn wer Gott aus der Natur
n, und "alle Ehrbarfeit unter Menjchen
will, der muß ſich durch Feine Widerfprü-
Iten laffen. und um feinen aureichenden
274 IV Ah. Bon Gott und göttlichen
Grund, weder der Dinge felbft, noch feiner Saͤte
befümmern. Konnten die Endurfachen gar nice
aus der Naturlehre vermiefen werden, ohne die er
ften Regeln der Vernmftkunft und Geundroifens |
fchaft, das ift, aller xheit, zu t
Sollte diefe Art zu denken vortheilhaft
griff von ihrer Mennung geben, welche aller
den Vernünfteley ein: weites Feld eröffn
iſt wohl eine geündliche Naruirlehte felb
ders, als eine Erforſchung bes zuveichender 2
bes der Begebenheiten, welcher nit de
dem Wefen der Dinge one bi
Allgemeine Wahrheiten und Grund!
nicht unfeuchebar feyn, weil fie den €
übrigen Wahrheiten in fich halten, ,, Geba
dennoch ben einigen, gleichfam als die g
Jungfrauen im Klofter, nichtsz fo mifd die
entweder an deren Anvermögen feyn, b
fie woßnen, oder daß fie ein übereiltes
than haben, ſich ihrer zu enthalten,
In der That find jedoch gebachte Seren Die
fen Schönen fo abhold nicht, daß fie ich ihrer m
zum öftern bedienen follten, aber,es muß
wiffen; und fie find mit ihnen ‚jo oeit wohl guft
den, wenn fie nur nichts zur Welt bringen, was‘
Abſichten hat. Ein Unglück für Leibnitz, da er ent«
dedfete, daß fie aud mit Abſichten ſchwanger ger
ben ?", i
Aber
38 Ich bediene mich dieſer Ausdrücke nicht, ald 5 ih
darin einen Witz fuchete, ſondern nur zu r
wenn ja Bacons Ausdrud, nach Herti ©" j
bert
276 IV Abh. Bon Gott und göttlichen
phyſik ausmachen, ben eite fegen, und nur- fi
gen, theils, ob fie an ſich Grund haben; - theile,
ö j
febe wohl bemerket. Ka Mettrie nennet es dal
auch ein, Principe. de Sörme Dan fiebt aber du
aus, marım bie Ho em juveichen
%
ei Be fra Te wire Dorn
weil fie fuͤre r ucl
Fenntniffe der geführet
bedaure, bag ish dieſen Gag auch pi
ser Pe ſeute 5
‚hen Urfache habe. Zeibnitz ſaget mit
drucke des zuveicbenden Grundes oder desje—
woraus ſich völlig veritchen laßt, war: 1
ſey, nichts anders, ald mas. das Wort Pri
überhaupt undeutlich fager: erſtlich, alles
‚ge, woraus man Höllig verftchen fan,
was in einem Dinge innerlich möglich
wendig jey; (dag iff, ein Principium effend
das Weſen und Wefentliche;) imgleichen n
woraus men völlig verſtehen Fanın, marım eLrde
wirklich fey oder werde; ( Prineipium fendi, all
die wirkenden Urfachen mit ihren Kraften ımb t
ven Regeln und Maafe ,) ferner» basjeniger n
man völlig verftehen Fan, warum et
oder warum unfere Gedanken mit,den Dingen,
+ mit einander uͤbereinſtimmen ; (Principium cogitan
di, oder die G.undiage aller, Wahrbeitenz) endin
daßjenige, woraus man völlig verfichen kann, war
um man etwas wolle oder wollen niuͤſſe; (Prind
pium volendi, oder die Gründe ber freyen Hass
lungen und Gittlichfeit.) Meynet nun jemand
daß man ohne Erindpe zureichenden Grund, d. i
ohne Berftand und Einficht, was einem belichet, von
den Dingen bejahen und verneinen fönne, und
Diefer Zwang nur ein Principe de Syfteme fep:
kann man ibm feine wilde Philoſophie —2
WIN man ncch eine napere Erklärung
268 IV Ab. Von Gott und göttlichen
Man hätte alfo wuͤnſchen mögen, daß ehe
von Maupertuis ung auf der einen Seite beutll,
cher erflärec härte, wie das Gefeg dee Sparſamkei
das Gute nothwendig erzeuge, und ſich Dadurch ald
eine Kegel der Weisheit ermeife; auf der anberk
aber fo wenig Boͤſes, alsnur möglichwar, zulaſſe.
Denn an jidy fcheint weder Boͤſes noch Gute
daraus zu folgen. Wenn nämlich nicht weiſe ul
guͤtige Abfichten vorausgefegt werden , wozu bad
Gefeß ber Sparfamtrit, als ein Mittel, angewandt
worden, fo fann man aus diefem Geſetze an Fl
feine Weisheit, oder Wahl des Beſten erfennen,
noch das zugelaffene Boͤſe damit zuſammen reimen
Um ſo viel weniger üft zu begreifen, wie der. Hr. vos
Maupertuis wider den Beweis aus der Abſich
und der Ucbereinftimmung in ber Natur fee
da er ihn ja fo fehr, ala andere, nöthig hat. Das
fchlimmfte iſt, daß der Hr. von Maupertuis Wi
Betrachtung des Guten in der Welt verdunkelt
ſchwaͤchet, verkleinert, verlachet, des Boͤſen aba
haͤufet und ſchaͤrfet; und uns alsbenn, wenn a
uns mitten in befünmerte Gedanken hineingefüß
ret Dat, verläßt. ü
$ 15.
Es erhellet aut des Hrn. von Maupertuit
eigenem Benfpiele, daß man ſowohl von ber Voll
Fommenheit und Unvollfommenbeit der Belt uml
ihrer Theile, als aud) von dem ganzen Zufammen
bange der Dinge, und was derfelbe mir fid) bringet
imgleichen von ber Weisheit und Yüce des Urhe
bers ſehr verkehrt urthele/ wenn man nicht zuvo
di
fo viel Volllommenheit und Gutes
er angediehen fen, als nad) jebes
bee. Berfnüpfung der Dinge möglich war ;
ber Mangel einer. mehreren Vollkommen⸗
ee in ben Boͤſe, ——e Abſi aa fen,‘
tem Dinge u unvermeiblichen Orund der
teie habe, theils in feiner wirklichen Zus
une Beweiſe der Weisheit und Guͤte des
v darreiche.
perde alſo hier noch auf feine Einwuͤrfe gegen
mb Guͤte des Schöpfers antworten.
ung fürs erfte genug feyn, daß man über.
—8* wie unzeitig und unbilſig fie an⸗
und wie —* ſie daher gehoben ſind.
e kann man von eines Dinges und feines
Wollkommenheit urtheilen, ohne es we⸗
wemmenheno⸗ und nach feiner ven
— wird fich beſſer erklaͤren laſ⸗
270 IV Mh. Bon Gott und gättlid
noch in feinen Theilen, ber "Betrachtung we
halten? Wie koͤnnte man ſich mit jemanden
fen‘, der bie und da aus bes weifeften K
Verordnungen etwas ergriffe, bas ihm
ſchiene, um es zu tadeln; und wenn er gı
mürde , ob er benn die übrigen, fo viel m
in ihrem Zufammenhange betrachtet häft:
Antwort gäbe, er verflünde eheils nichts |
theils handelten fie von allerley nichtswürdige
nigkeiten, die einem Könige unanftandig, u
Mühe nicht werth wären. Man wuͤrde ip
mehr erfuchen, daß er fich nicht übereilen, |
erft Beit und Geduld geben möchte, ‚die bef
Abjichten der Verordnungen, zur Erhaltung
Standes, ohne Vorurtheil aus den allgeme
erforfchen, und hiernaͤchſt allesin der Berfni
des Ganzen zu betrachten; und wenn er den
und jeder Anftalten ihren Grund noch nich
a begreifen Fönnte, feine Unmoiffenheit der W
des Königes nicht zur Saft zu legen. Sollt
nicht fo billig und befcheiden von den göttlichen
fen urtheilen , als Eofrates von den di
Schriften des Heraflitus? Er las fie dx
Verachtung; er bemühete ſich um ihre wahr:
nung; er ſuchete Feine widrige aus fchweren €
zu erzwingen; fondern mie er gefraget warl
er davon hielte, gab er zur Antwort: was i
ftehen kann, das ift vortrefflih; darum ve
ich, das andere wird gleicher Art feyn, n
nicht verftehe. ??
33 Diog. Laertius II. 22. = ad vurfne, am
pa do, x) ⁊ A 27 Fe
— die Kelttommenpeil,
jerichter fen, und der zuteis -
in darinn fuche, wären nur
je nach menſchlichen Abſichten
willkuͤhrliche Verhaͤltniſſe, die
t hätten; Gegenſtaͤnde unfe-
gun am Sue, ten, biesanflaft, da
1 nur das
etwas ſchlieſſen wol ·
4
im Syftemate Intelle&uali
fag, und Parker de Deo.et ’
.s. Ba, fäg. dagegen erin⸗
Be ee
.
⸗
272 W Abh. Bon Gott und göttliche
fen, fen nichts anders, als die Wirkung fü
Urfache annehmen. Es heißt.bey einem ander
Wan nenner ein Syfteme der Endurſa
denjenigen Theil der Phyſik, oder vieln
Metaphyſik, (oder vielleicht weder Der'e
noch der andern) welcher den Zweck bar,
Befege der Natur, vermictelft der Abfick
welche der Urheber der Natur fich Bi
vorgeſetzet bat, zu entdecken. Diefe Cha
gruͤndet fi) auf o wahre, aber fo unfay
bare, und fo oft triegliche Gäge, *
nichts ohne zureichenden Grund g
daß die Natur durch die einfachſten M
handelt, und auf einige andere, die ehe
gewiß, aber auch eben fo unnüre find. ;
Kanzler Baco, welcher wohl einſahn
N U
36 Der Hr. Verfaſſer von ben Melanges de Litte
re, d’Hiftoire et de Philofophie Vol, I. p. 257.
von dem Syftewe des caufes ſinales: Ox ap
cette partie de la Phyfique, ow plässt de Id'A
pbyfique (ow peut-Eive mi de Tune ni de lenıre)
pour bus de decowvrir les lois de la Natare par
que fon auteur s’efl propofee en erabliffans ces
Cette Theorie efl fondie für des axiomes 7
mais fi pes ficons, et fouvent fi trompenrs ,
rien ne je fais fans raiſon [uffjante, que la mı
agit soljours par les vores les plus fimples, e
quelques autres aujfs certains, et auf inztiles,
Chaneelier Bacon, qui avoit jenti, cumbien cegte
niere de philofopher @toit une voie ſterile ponr le.
sowvertes, la comparois avec beaucoup de fineffe
verite, Anne vierge confacrte 3 Dicu, qui we
dais rien,
1 la de de Mr. Leibnise
e incipe,. mais moins, c£
[ == Fßcelmi de coniradidion. Url
274 IV Abh · Von Gott und göttlichen
Grund, weder der Dinge ſelbſt, noch finer Edge
defimmern. Konnten die Endurfachen gar nicht
aus ber Naturlehre vermiefen werden, ohne bie er⸗
— der Beet iſt und Grundwiſſen.
ft, das iſt, aller ——
pe a vorth)
griff von eynung weid
den ® Lerndnfie vr ke no ö
iſt wohl eine grünbli fatıı ſel
de, als eine « Erteridmg bes, zureichen
des ber Begebenheiten, Bd se N
dem Wefen der Dinge ohne Widerfpuud)
Allgemeine Wahrpeiten und "Grundfä
nice unfeuchebar feyn, weil fie den €
übrigen Wahrheiten in fich az af
dennoch ben einigen, gleichſam als
Jungfrauen im Kloſier, nichts, fo ik die
entweder an deren Unvermögen ſeyn, bey
fie wohnen, oder daß fie ein übereiltes ©
than haben, ſich ihrer zu enthalten,
In der That find jedoch gebachte $
fen Schönen fo abhold nicht, Daft ſie ſich
zum öftern bedienen follten, aber es muß u
wiſſen; und fie find mit ihnen jo weit ı ohl zu
den, wenn fie nur nichts zur Welt bringen,
Abſichten hat. Ein Unglüc für geibnig, da er —*
Pe daß fie auch mit Abſichten Fhmarigerge
‚Aber
38 “Ich bediene mich dieſer Audbrücke nicht, ‚ua
darinn einen Wig fuchete, ſondern mur RR
wenn ja Bacons Ausdrud, nach Herrn
276 IV Abh. Bon Gott und göttlichen
phufif ausmachen, ben Seite fegen, und nur fr
gen, theils, ob fie an ſich Grund haben; - teile, ı
l
ſehr wohl bemerket. Ca Mettrie nennet ed dah
auch ein Nincipe de Syfieme, Man ſiedt aber da
aus, warum bie Herren dem zureichenden Gral
oder vielinehr der Vernunft, felbft feinb- Werbe
weil fie-fürchten, fie möchten Dadurch auch zum
kennt niſſe der Endurfachen geführes ıberden. , _ I
bedane, daß ic diefen Gas au noch —7—
ner ungegruͤndeten sleute verflandlich du.
ben Urfache habe. Leibnitz jaget mis Diefam Bu
dructe 3 To —— oder
woraus I ig verſtehen laßt, waruu
(ev, nicht® anders, ais mas daB Wort Prind
überhaupt ımbeutlich faget: eritlich, alles *
ge, woraus man völlig verſteben kann, warnj
was in einem Dinge innerlich möglich ober A
wendig ſey; (das ift, ein Principium effendi ud
das Weſen und Wefensliche;) imgleichen Dadjanig
woraus men völlig verftchen kann, warum ers
wirklich fey oder werde; ( Principium fen, di
die wirkenden Urfachen mit ihren Kräften mad &
ven Regeln und Maage ,) ferner, dasjenige, worin
man vollig veritehen kann, warım etwas abe M
ober warum unfere Gedanten mit ben Dingen, zu
- mit einander übereinflimmen ; (Principium cogitan
di, oder die G.undiage aller Wahrheitenz) embikl
dasjenige, woraus man völlig verfiehen kann, war
Pin vente oer De Grinbe Dr freien Gap
pium volendi, oder Die Gründe ber freyen
lungen und Gittlichfeit.) Meynet nun jemand,
daß man ohne Principe, zureichenden Grund, d. i
ohne Verſtand und Einficht, mag einem belichet, von
ben Dingen bejahen und verncinen Fönne, und
Diefer Zwang nur ein Principe de Syfteme fig:
% il ine wilde il i h
AU ma ——
278 IV Abh. Bon Gott und göttlichen
Naſe, Mund und alles Gefühl zu ergögen, un)
nicht allein mit $uft zu leben, fondern auch unjer
Geſchlecht fortzupflanzgen. Hiermit ſtimmet der
Bau unfers ganzen Seibes, befonders der Werk⸗
zeuge unferer Sinnen, und der Jeugungsglieder in
beyderley Gefchlechtern, ferner aber das Daſeyn
und die Befchaffenh:it anderer äufferlichen Dinge,
und die Kegeln, wornach fie auf unjere Sinne wir
fen, Furz, die ganze Natur überein. Wir fuchen
Erfenneniß der Dinge und ihrer Lrfachen, haupt»
fächlic) aber ein Vergnügen an der Schönheit und
Ordnung derfelben, endlich aud) eine Zufriedenheit
an unfern eigenen Handlungen. Hiermit jlimmen
abermals die ganze äufferliche Welt, und unfere ei⸗
genen Eeelenfräfte, und deren eingepflanzere Regeln
überein: und wie die Welt alle Wiſſenſchaft und
Kunft, alle Schönheit und Ordnung in der Wirk⸗
lichkeit enthaͤlt, fo find unfere Seelenfräfte, nad)
ihren cingepflanzeten Regeln, fähig, eine Einficht
davon zu faffen, und ein fühes Vergnügen daran
zu nehmen.
Num fraget fih: ift diefes Verhaͤltniß, und
dieſe Liebereinftimmung der Dinge mit unfern Nei—
gungen, ein bloßes moralifches Weſen, eine bloke
moraitche Uebereinftimmung, ein bloßes willführ.
liches Verhaͤltniß, das wir Menſchen nur nad) un
fern Abjichten erfchaffen und allgemein gemachet ha⸗
ben? Das wäre lächerlicy zu fagen, und wider
alle Wahrheit. Die Dinge felbit, ſowohl als wir,
und ihr Verhaͤltniß zu uns, find wirklich, und das
Berhältnif zu unsift in der Natur und ihren Kröf-
ren und Megeln gegruͤndet. Unſere Gedanfen,
Neigun⸗
Kunftgriff bey dem Herrn B.
metfet: wenn er gegen eine Ers
gen Schlüffe, die ihm nicht anſte ⸗
fo-fpricht er nur, um ſolche ver
nn foiifüelich: — darinn bes
müffen es
een. enn, wer das Verhaͤlt ·
und ofe unfeen Willen Be
"ausgiebt, ‚der. verjährt in folchem
4 Urtheile
>55 IV Abh. Won Gott und göttlichen
Urtheile ſelbſt willführlih, und hat nicht Die Wahre
heit der Dinge, fondern bloß feine Abneigung zum
Grunde. Wir werden unren ned) mehrere Bey⸗
friele folches Verfahrens zu beobachten Gelegenheit
haben. Sollte man dem Deren B. feine willführs
fihen Säße und Hnpotbefen nehmen: was bliche
denn von feinem ganzen Syſteme übrig ?
Wir verfichen, ja wir fühlen demnach, daß
das Verhältniß und die Licbereinflimmung der Din⸗
ge mit unfern Neigungen und mit unferm Wohl,
das ift, die äuffere Vollkommenheit der Welt, in
der Natur ſelbſt, und nicht in unferm Willen,
Grund habe. Nun frage ich weiter: woher koͤmmt
denn diefe Uebereinſtimmung mit unferm Wohl,
oder die äufjerliche Vollkommenheit der Wele? Iſt
Diefe Frage vnnuͤtz? fo müßte die Sache ſchon aus
der Welt oder Natur felbit vollig verftänblich ſeyn;
oder, mit Leibnitz zu reden, fo müßte Die Welt und
Natur völligen und zureichenden Grund diefer Les
bereinftimmung in fich halten, und diefe folglich
fihlechterdings nothwendig fern. Aber eine duffere
liche Vollkemmenheit und Uebereinftimmung eines
Icblofen Dinges, mit einem anderen, kann nicht
ſchlechterdings nothwendig fern, und in ihm felbft
Grund haben, weil ihm alles einerlen ift, und feine
Beſchaſſenheit fo wenig, als feine Wirflichfeit ,
durch fein eigen Weſen beſtimmet wird; fondern,
mie eine jede leblofe Mafchine, von einem Werke
meifter, um der $ebenbiren willen, oder in Abſicht
auf deren Mugen, feine Wirflichfeit und Einrich⸗
tung befommen haben mug. Durch diefe Abſich⸗
een wird das Dafeyn und die BVeſchaffenheit der
Welt
der fager: Diejenigen ,
! iffe Dit banden
lie
B \
282 IV 965. Bon Gott und göttlichen:
Abſicht geweſen. Wie kann er aber ſo tree: 05
gen, die e Derbältnuffe der Sachen zu ıms bin
ten gar keinen Kinfluß in ihren —
Vielmehr wenn keine gewiſſe Abſicht bey
loſen Dinge voraus geſetzet wird, welche ein 2
enfimmerdes Verpättniß miclbern Muse Ber ie
benbigen fucher: fo fälle fo gar aller Beneilf feines |
Weſens und feiner Beſchaffenheit und
weg. Go lange man nicht weis, was
Milz, Pancreas, und andere Gefäße, in den
lichen unb th feifhen Leibern für Nugen ı
richtung haben: fo kennet man dieſe
noch nicht, Ein jedes Ding in der Welt,
Nugen in bem Zuſammen han ge wir
wiſſen, iſt ung wie ein unbefanntes ger J —
Inſtrument, eine unbefannte Mafchine, MB
man nicht bie Abſicht einer Ubr Sie, der je |
’
9
IHM
den Mafibine, d.i ihr Rerhältniß mie berm Dupen;
der Menfchen feßet; fo weis man nicht , Kaas eine
Ubr, eine Muͤhle oder jede Mafchine 7% und will
man fie mit Verftand als wirklich und ſo beſchaffen
gedenken, mie fie ift; fo muß man fid) auch geden· |
fen, daß diefe Abjicht einen Werfmeifter bewogen |
Habe, fie hervor zu bringen, und ſo einzurichten.
$ 18
So ferne hat demnach die Betracheung
Abſichten in di; Natur vernünftigen Grund.
hilfe fie ung etwas im Erfennmiffe der
ober ift fie vielmehr da, als unnuͤtz —
zu entfernen? Ich halte dafür, man fi
Sachen zu viel und zu wenig thun.
fr
Hl
—— haben, wozu
fepn, und wie fie wirken müßten: fo wuͤr ·
bie miehreneheils irren, hoͤchſtens nur
fein auf ber andern Seite geht man auch zu
8 ob man aus den Endurfaden, nicht ein-
Zugiehung der Naturgeſchichte, neue
in der Naturlehre, von dem Daſeyn
Dinge, von ihrer Beſchafſenheit, und von
Met der Wirkung, endeten kͤnnte. Wer
Hfinbungen umgegangen ift, der weis 2
I
.
274 1V Abh. Bon Gott und göttlichen
Grund, weder der Dinge felbft, noch feiner Säl
befümmern. Konnten die Endurfachen gar nid
aus der Naturlehre vermiefen werden, ohne bie e
ften Regeln der Vernunftkunſt und Grundwiffe
fhaft, das ift, aller Wahrheit, zu verachten
Eollte diefe Art zu denken einen vortheilhaften B
griff von ihrer Mennung geben, welche aller wi
den Vernünfteley ein weites Selb eröffnet? Od
iſt wohl eine gründliche Naturlehre felbft was aı
bers, als eine Erforfchung bes zureichenden Or
des der Begebenheiten, welcher mit der Natur Im
dem Wefen der Dinge ohne Widerſpruch befleht
Allgemeine Wahrheiten und Grundfühe koͤnne
nicht unfruchtbar feyn, weil fie ben Samen all
übrigen Wahrheiten in ſich halten. . Gebäßren fi
dennoch ben einigen, gleichfam als die
Jungfrauen im Klofter, nichts; fo wird die Schul
entweder an deren Unvermögen ſeyn, bey welche
ſie wohnen, oder daß ſie ein übereiltes Geluͤbde ge
than haben, fic) ihrer zu enthalten. .
In der That find jedoch) gedachte Herren bis
fen Schönen fo abhold nicht, dafs fie ſich ihrer nid)
zum öftern bedienen follten, aber eg muß nieman!
mijfen; und fie find mit ihnen fo weit wohl gufrie
den, wenn fie nur nichts zur Welt bringen, wa:
Abjichten hat. Ein Unglück für Leibnitz, da er ent
Beeren daß fie auch mit Abfichten ſchwanger ge
hen
Abe
38 Ich bediene mich dieſer Ausdruͤcke nicht, als ob id
darinn einen Wig ſuchete, ſondern nur zu zeigen
wenn ja Bacons Ausdruck, nach Herrn 9° Alem
ber!
eusspegnEgägsggasgsässnttt
ee ji
E
nun
HE
276 IV Ah. Bon Gott und göttlichen
phyſik ausmachen, ben Seite ſehen, und nım fe
gen, theils, ob fie an ſich Grund haben; - teile,
ſehr wohl bemerket. 2a Mettrie nennet es dah
auch ein Principe de Syfteme, Man ficht Sa
aus, warum bie Herren beim zurcicbenden
der vielite e Bernunft ‚ felbft Feind
inc de firaten fe 1 bauch zu
chen habe. Leibnitʒ fa,
dructe des zuveichenden Grundes, oder bei
woraus fi ur, verftehen laßt, warum
fev, nicht8 anders, ald was das Wort Pı
überhaupt undeutlich fager : erſtlich, alles.
‚ge, woraus man voilig verjtchen fan, warı
was in einem Dinge innerlich möglich ode
wendig ſey; (das iff, ein Principium effend
Las Wefen und Wefentliche;) imgleichen. m
woraus men völlig verſtehen kann. warum.
wirklich fey oder werde; (Principium fien
die wirkenden Urſachen mit ihren Kraften m
ven Regeln und Maafe ,) ferner, Dasjeni
man völlig verſtehen kann, warım etwas wahr
oder warum unfere Gedanken mit.den Dingen, in
mit einander übereinffinmen ;_(Principium cogitan
di, oder Die G:undjage aller Wahrbeitenz) embiid
dasjenige, woraus man völlig verfichen kann, war
um man etwas wolle oder wollen müůjſe; (Prind
pium volendi, oder die Gründe der freyen Hard
lungen und Gittlichfeit.) Weynet num jemand
daß man ohne Principe, zureichenden Grund, d. ü
ohne Verſtand und Einficht, was einem beliebet, von
ben Dingen bejahen und verncinen Fönne, und
Diefer Zwang nur ein Principe de Syfieme fig:
tann man ibm feine wilde Finde gern
Wil man neh eine napere Erklärung haben, mei
&
278 IV Abh. Bon Gott und göttlichen
Mafe, Mund und alles Gefühl zu ergögen, un)
nicht allein mit $uft zu leben, fondern auch unjer
Gefchlecht fortzupflanzen. Hiermit ſtimmet der
Bau unfers ganzen Seibes, befonders der Werk⸗
zeuge unſerer Sinnen, und der Zeugungsglieder in
beyderley Gefchlechtern, ferner aber das Daſeyn
und die Beſchaffenheit anderer äufferlichen Dinge,
und Die Regeln, wornach fie auf unfere Sinne wire
fen, Furz, die ganze Natur überein. Wir fuchen
Erfenntniß der Dinge und ihrer Urfachen, haupt
fächlic) aber ein Vergnügen an der Schönheit und
Ordnung derfelben, endlich aud) eine Zufriedenheit
an unfern eigenen Handlungen. Hiermit fiimmen
abermals die ganze äufferliche Welt, und unfere ei⸗
acnen Seelenfräfte, und beren eingepflanzete Regeln
überein: und wie die Welt alle Wiffenfchaft und
Kunſt, alle Schönheit und Ordnung in der Wirk:
fichfeie enthaͤlt, ſo find unfere Seclenfräfte, nad)
ihren cingepflanzeten Regeln, fähig, eine Einficht
davon zu faſſen, und ein ſuͤßes Vergnügen Daran
zu nehmen.
Nun fraget fih: ift diefes Verhaͤltniß, und
Biete Uebereinſiimmung der Dinge mit unfern Nei⸗
gungen, ein bloßes moralifches Wefen, eine blofe
moraliſche Uebereinftimmung, cin bloßes willführe
lidyes Verhaͤltniſß, das wir Menfchen nur nad) un
fern Abfichten erfchaffen und allgemein gemachet ha-
ben? Das märe lächerlicdy zu fagen, und wider
alte Wahrheit. Die Dinge felbft, fomohl als wir,
und ihr Verhäaͤltniß zu uns, find wirflic) , und das
Verhaͤltniſ zu uns iſt in der Natur und ihren Kraͤf⸗
ren und Megeln gegruͤndet. Unſere Gedanken,
Meiaun⸗
fen Runftgriff bey dem Herrn B.
gegen eine Er
jer gegen Schlüffe, die ihm nicht anſte ⸗
fo fpricht ex nur, um ſolche verhaßt
= ‚tolllühelid: = darinn ber
Wir müflen es
umkehren. wer das Verhält ·
2* unſern Willen wirklich it,
u, de a
Urtheile
250 IV Abh. Von Gott und güttlichen
Urtheife felbft wilſlkuͤhrlich, und hat nicht Die Wahre
heit der Dinge, fondern bloß feine Abneigung zum
Grunde. ir werden unren noch mehrere Ber
friele folches Verfahrens zu beobachten Gelegenheit
haben. Eoflte man dem Herrn B. feine willführs
fichen Säge und Hrpotbefen nehmen: was bliche
Denn von feinem ganzen Spiteme übrig ?
Wir verfichen, ja wir fühlen demrad), daß
das Verhaͤltniß und die Uebereinſtimmung der Dins
ge mit unfern Neigungen und mit unferm Wohl,
das ift, die aͤuſſere Vollkommenheit der Welt, in
der Natur felbit, und nicht in unferm Willen,
Grund habe. Mun frage ich weiter: woher koͤmmt
denn dieſe Uebereinſtimmung mit unferm Wohl,
oßer die aufjerliche Vollkommenheit der Welt? Iſt
dieſe Frage vnnuͤtz? fü müßte die Sache ſchon aus
der Welt oder Natur ſelbſt völlig verſtaͤndlich fon;
oder, mit Leibnitz zu reden, fo müßte die Welt und
Natur völligen und zureichenden Grund diefer Ue⸗
bereinftimmung in fich halten, und diefe folglich
fhlechterdings nothwendig fern. Aber eine äuffere
liche Vollkommenheit und Uebereinftimmung eines
Ichlofen Dinges, mit einem anderen, fann nicht
ſchlechterdinas nothwendig fern, und in ihm felbft
Grund haben, weil ihm alles einerlen ift, und feine
Beſchafſenheit fo wenig, als feine Wirflichfeit ,
durch fein eigen Weſen beftimmer wird; fondern,
tie eine jede leblofe Mafchine, von einem Merk:
meifter, um der Lebenditzen willen, oder in Abſicht
auf deren Nugen, feine Wirklichkeit und Einrich
tung befommen haben mug. Durch diefe Abjiche
een wird das Dafeyn und die Beſchaffenheit der
Nele
282 IV Abh. Bon Gott und göttlü
Abficht gemefen. Wie fann er aber fo I
gen, die Verbälmfje der Sachen zu
ten gar Beinen Einfluß in ibren Ur
Vielmehr wenn feine gemiffe Abficht bey «
fofen Dinge voraus gefeget wirb, welche
einftimmendes Verhaͤltniß mit dem Muß:
benbigen fuchet: fo fällt fo gar aller Bent
Weſens und feiner Befchaffenheit und W
weg. Go lange man niche weis, w
Milz, Pancreas, und anbere Gefäße, in be
lichen und thieriſchen $eibern für Mugen ı
richtung haben: fo kennet man biefe Gef
noch nicht. Ein jedes Ding in der Wel
Mugen in dem Zufammenhange wir m
miffen, ift uns wie ein unbekanntes niathe
Inſtrument, cine unbefannte Maſchine.
man nicht die Abjiche einer Uhr, Mühle,
ben Mafchine, d. i ihr Verhaͤltniß mit der
der Menfchen feet ; fo weis man nicht,
Upr, eine Mühle oder jede Mafchine ſey:
man fie mit Verftand als wirklich und fol
gedenken, mie fie ift; fo muß man ſich au
fen, daß diefe Abjiche einen Werkmeifter
habe, fie heroor zu bringen, und foeinzuri
$. 18.
So ferne hat demnach die Betrach
Abfichten in ber Natur vernünftigen Gru
hilfe fie uns etwas im Erfenntmiffe der
oder ift fie vielmehr da, als unnüg und
zu entfernen? Ich halte dafüe, man 1
Sachen zu viel und zu wenig thun. 2
Abfichten in der ⸗Welt. 263
— haben, wozu fü en
und wie fie wirfen müßten: fo wüͤr ·
eds irren, böchftens mur
auf der andern Seite geht man auch *
‚als ob man aus den Endurſachen, nicht ein.
Zugiehung der Naturgefchichte , neue
in der Maturfehre, von dem Dafenn
Dinge, von ihrer Befchaffenbeit, und von
e Art der Wirkung, entdecken finnte, Mer
Erfindungen umgegangen iſt, der weis. wohl,
x
284 IV Abh. Von Gott und’gättlichen
daß man die Natur durch mancherley Wege be.
fehleichen müffe, und wird leicht begreifen, md
was fi), aus der Verbindung allgemeiner Süße
mit ben befonderen der Erfahrung, ſchließen laſſe
Wie ich nun auf die Weiſe oben die Regein ange
geben habe, wornach man, aus der all
Sehr der Schöpfung, bie beſonderen
fließen kann: + fo taffen fich auch Wege
worauf man die Spur zu den Mitteln bee‘ |
ten in ber Natur, und. beren Art zu wii s
Aber ich will hier Die Sache lieber augen! t
durch Beyſpiele bewähren.
Ich habe oben ſchon einige ee 9
wie das argumentum analogix, oder der E
aus der Yehnlichkeit der Dinge, inber Pi rn
haft, mit großem Vorteile gebraucht — es
ſich doch hauptſaͤchlich auf das Berhältniß
als Mittel, mit einer ſchon bekannte me
Abſicht, gründet *, * So geben auch die
Weisheit theils Irrtümer, theils — in
der Naturlehre zu erkennen.
fen die Alten, Anaximander, —S—— Kr
ftscchus von Samos, Plars und Ylicetas, von
Syracus, ıc. woher Copernicus, daß die Erde
fi bewegen müßte? Sie wußten Diefes gereißinoc)
nicht aus Erfahrungen, oder befannten. Bere —
gungsgefegen, darzuthun. Sie ſchloſſen es bloß
abge, weil es ungereimt ſeyn würde, daß das, -
+ Siehe oben $ 4. p. 212.
"Eiche $ 8. p. 224.
leweiſe als wahr und richtig
v deren alles vr Belt in
, nirgend eine füche ‚oder ein
der Natur anzutreffen iſt, iſt nichts,
dei — er we,
2 nicht
m olumbus fich vielleicht auf
Br tes Nee A aus
le vero En ran jes
H fo * 8 an uͤch
em Briefe, bep dem Hru Asnig
a Fe penje
vire, due iuutes les
— dent Pafleınblage fo
gr. ’ En
2 ——— Tara den
Tunion ne fenffre pas qı'om en place d’ autres eure
——
286 IV. Abh. Bon Gott und gt
nicht allein viele Irrthuͤmet aus ber Naı
verbannen, fondern auch viele unbekam
heiten zu entdecken. Leibnitz fohließt
gewilfen Gelegenheit baraus: *° daß au
denx, a canfe que cela margquereit da de
Ti elion — Teus les ordres des Es
we 8 qu'une [eule chalne, dans lagı
ferentes elalfes comme antans d'anrıcanı
dtroitemens les unes aus antres, qu’ilef in
fıns a à Pimagination de fixer pröcifem
ou quelqu’ume commence, on finit. iſ
ſchon einen Begriff von dieſer Naturk
wenn er T. IT. Opp. p. 549. B. ſchreibt:
C ruhe awıyur are var ayoxar
dd Tor Carrus mir, ovn ru dd dur,
u Kausav puxeor —W ꝰ. rise⸗
ewsyyus erde. Die morgenlaͤndiſche
chiſchen Weltweifen haben eben diefe Regı
tigfeit auf die Geifterwelt augewandt.
40 Eben dafelbft p. 45. Ainfi Texiflence de
par exemple, ou comme Buddens les nomm
Animanx, n'a rien de monſtrueuxi mais
convenable à Pordre de la Nature, qui
£&t stelle ef} la force du Principe de com
moi, que mon ſculement je ne ferois px
d' apprendre, qu’on eut trowve des Bires, 4
port à plufiewrs proprietes, par exemiple,
nourrir, om de fe multiplier, puillent of
vegétaux & auf bom droit que pour des
et qui renver ſaſſent les rigles communes, |
Jwppoftion d’une feparasion parfaite et ı
Aiferen ordres des Etres imultanes, qui
V Univers ; j’en ferois fi peu etoune, dis-z
me je ſuis convaincu qu'il doit y en av
que P’Hiflvive nasurelle parviendra peus
eonnoisre un jonr quand elle anra itudiò
258 IV Ash. Von Gott und göttlichen
fey in ber Erbe oder im Waſſer, entdecken würde,
Und fiehe, Daß er aus diefer Regel der Weisheit
richtig gefchluffen habe, das hat die neuere Erfal»
rung beftätiget, da man folche thierartige Pflan⸗
zen wirklich gefunden; id) meyne die Polypen des
Trernblen, welche in ihrer Vermehrung, auch wenn
fie zerfchnitten find, und die Corsllen und Ma⸗
dreporen , welche bendes in ihrer Vermehrung
und Nahrung für wahrhaftige Pflanzen zu halten
find, und doch ein Leben haben. Daher zweifle
ich nicht, Leibniz habe Recht gehabt, zu fagen, “
daß fein Grundſatz zur Entdeckung vieler andern
wichtigen Wahrheiten dienen würde, wenn man
ihm nachgienge.
Wenn mir nachforſchen, woher Newton ges
folgert habe, daß Die Pol= Are der Erden fowohl,
als aller übrigen Planeren, Fürzer feyn müffe, als
der Durchmegfer Des Aequators; oder daß Die Erbe,
ihrer Ruͤnde nach, fo zu reden, einer Pomeranze
ähnlicher ſeyn müfle, als einer Eitrone: fo findet
ſich, daß er zwar viele andere ſonſt befannte Wahre
beiten zum Örunde geleget, aber dag doch gutem
Theils auch die göttlichen Abfichten, und die Wahl
des
au Eben daſelbſt: Ze Principe de Continutte eſt done
kurs de dunte chez mit, et pourreit ſervir a etablır
plufeurs verites importartes dans la veritable Phile-
Sophie, laqaelle s’elezant au-deljus des fens ee de
Vim.sinatıon, Cherche lorisine des Phenomenes dans
les Rezions intelleöluelles. Fe ne flutte d'en acuir
arelgwes idees, wait cc fiecle n's/t point fait pom ls
recerir.
i
290 IV Abd. Von Gott und göftlicher
mie Waffer bedeckt tft, fo würde diefes fluͤſſ ig
ment, bey dem Dreher, ven ven fihmereren
len, Das iſt, von den Polen, zu den leichteren,
gegen den Aequator hindrängen, und daſelbſt
aufſchwellen, und folglich alles Land überfch
men und unwohnbar machen; gleichwie das uͤl
nad) den Polen, der mehreſten Fluͤſſigkeit beı
und dürre bleiben würde.
Nenn Newton dieſes allein von der -
fchlöffe: fo möchte man fagen, er gründe fich
auf die Erfahrung, daß die Erde um den Aeqr
wirflich bewohnt fey. Allein, da er es auf
Planeten zieht, fe gründet er ſich auf die «
meine Abſicht des Schöpfers, und die weif
Mittel dazu, Er ſetzet: Die Planeten muͤſſe
ihrer Bewegung ein Gleichgewicht haben.
warum das? kann fich eine Kugel nicht.
ſchwankend bewegen ? nicht um den Aequator
lauter Waſſer überfhwenme feyn? Es iſt an
möglich), und Fein anderer Grund, daß folches 1
zu ſeyn gefchleffen wird, als in den weifen und
tigen Abjichten Gottes, damit die Planeten I
wohnbarer wären für die Lebendigen.
Ich muß diefem Benfpiele ein anderes von
Entdefung des Hrn. "Johann Bernoulli hi
fügen. Der batte gefunden, daß fich ein Koͤr
beym fchief hängenden Ablaufe, am geſchwinde
in einer Eycloidenlinie bewege. Nun ſetzet er
der fchiefen Brechung des Sichtg in unferm Du
Ereife zum Orunde, das Sicht muß fich fo geſchwil
als nur möglich it, bewegen. Demnach ſchl
er, dag das Licht durch unfern Dunſtkreis in eı
Cycli
292 IV Ah. Won Gott und göttlich
Und felbft der Hr. von Maupertuis
fein Gefeg der Sparſamkeit, oder >
p: 156. ſqq.) Babilivis, vadium Iuminis es
rariori in denfins twanseunien it 7 |
denfrasum id ie pr
yeciproca s id of in fa r
media penstrat.
citætum, quibus
. poflea acntifimns —* in Allis
1682. p. 185. fqq. es mox celeb, R
aractatu de Lumine p. 40. ſucciuctius j
ipſumque principium f „ VEL MET.
CVM POTIVS — vali is argumentis 4
runt. (Eben dafelbft p. 192. ſchreibt er: A
fisiom, non poſſum, quin iteram adıniration
prodam. animo revolvens inex ſpectatem illem
re Tautochronz Hugeniana noflrague Bi
Zuod motabile præteres exifiimo , ;
nd bee entitas in [ola bypetbefi elileive
ade we ve ex eo conjicere liceat, iſſam mas
wod quemadnodum [tmper
ee mode m kein, its et bie per mar,
* 22 præſter duo diverfa oſſtia, cum
vis alia bypotbef duabus ad id opus efee I [20
sempe pro ofcillatiosibus ein dinsurnis, et
selerrimo defcenfu. Ebender Hr. Bernoull
er T. IV. p. 265. ſqq. den Mittelpunkt der
ve, um welchen ſich ein jeder gewirbelter
auf einer Flaͤche von ſelbſt drebet, durch anl
Fern ungen gefunden hatte, verſuchet auch p.
be aus der Regel der Weisheit zu
* daß namlich die Natur, wenn man fü
reden, den Punkt ſelbſt wählen laͤßt, allema
\
294 IV A6h. Von Gott und göttlid
Dadurch nicht benehmen , daß er dieß al
Principium auf die Gefege der Bewegi
mehrentheils glüclih angewandt habe.
ob er die Fleinfte Handlung oder Bevegur
halben richtig für das einfadyfte und Fürze|
tel angenommen habe, das ift eine ander:
der Uebereinflimmung, des zureichenden
der Staͤtigkeit, des nicht zu unterfcheiben
kuͤrzeſten Mittel x. für ſolche anſehen?
ich habe ſchon darauf geantwortet: die Her
chen ſie in der That, und wiſſens nur ni
wollen es nicht wiſſen; brauchen ſie aber
ber oft verkehrt. Und fo urtheilet auch |
König in feinem Appel au Public, p. 105
dem Hrn. Maupertuis, was den Satz der
Mittel betrifft. Der Hr.v. Sontenelle har di
fbon mit dem Namen der Sparfamteit I
feinen Entret. fur la pluralit@ des Monde
Soir. wo er das Eopernicanifche Syftema N
dem Ptolemaiſchen in Bergleichung ſtellet. A
U jembleroit, que vötre Philujophie efl u
d’enchere, ou ceux qui offrent de faire les
moins de frais, l’eınportent fur les autres.
nelle: //efl vray, ei cewefl que par lag
attraper le plan fur le quel Ia Nature a
owvrage. Lille efl d’ une Epargne extrad
gout ce qu'elle pourra faire d’une mauier
eoutera un Pru moins, quand ce ımoins fer
que rien, foyez füre quelle ne le fera qu
maniere-la. Cette epargue neonmoins [acc
une smaunificence furprcnnante qui brille a
ee quelle a fait. C’efl que la magnificence
le desfein, et Pepargne dans lexecution. Ih
de plus beau qu'un grand desfcin qu’on e
peu de frais.
Abſichten in der Welt. 295
Die allgemeinen Grundfäße laſſen fich auf die Jia,
tur nicht anders fidyer anwenden, als wenn man
andere erfannte Wahrheiten, und felbft Die Erfah.
rung, zu Hiülfenimmt. Denn, wenn Bernonulie
zu feinen Oberfaße, das Zicht muß fich fo ge-
ſchwinde, als nur möglich, bewegen, den
Unteriag willführlicdy angenommen hätte: Yun
beweget cs fichin gerader Linie am geſchwin⸗
deften: fo würde er geirret haben; nicht, weil fein
metaphyſiſcher Satz trieglid) war, fondern weil cr
einen falfchen Unterſatz damit verbunden hätte,
Da er aber vorher ausnemacht hatte, daß die Creloide
diejenige ſey, in melcher ſich ein Körper im fehies
fen Ablaufe am gefchwindefien beweger : fo mar ihm
ber allgemeine metaphufifche Saß, im Verbindung
mit einer ſchon befannten Wahrheit, fruchtbar,
und erzeugte eine neue Wahrheit.
6 19 .
Ich Eönnte noch viel andere Beyſpiele der vor.
nehmſien Mehfünitler und Waturfündiger anſuͤh⸗
ren, beren Erfindung ober Beweis bloß aus den
Endurfachen und Kegeln der Weisheit gehofet
vorden ift. Allein, id) will mich nicht ohne Noth
Yamit aufhalten. Jedoch, wenn wir tiefen Mus
sen der Endurſachen gleich bey Seite feßen; was
inberts denn, daß diefe Betrachtung nicht wenig»
tens mit der Maturlehre verfnüpft werben follte ?
Niemand verftehe ein Ding aus dem Grunde, als
er bie erften Urfachen davon weis ”. Wenn nun
Tg die
3 Beibnitz fpricht in einem Briefe, welchen Hr. Roͤ⸗
nig in feinem Appel au Public heraus gegeben,
d. 5%.
2956 IV Abh. Von Gott und göttlichen
die wirfenden Urfachen an fich nicht verſtaͤndl
find, fondern allemal die Fragen übrig laflı
warum fie wirfen, und mas die Wirkung nuf
folle: fo verweift uns die Maturlehre felbft «
eine höhere Wiffenfchaft, die man mit ihr verb
dep müffe. Kann man fagen, daß der die Naı
der Thiere genugfam fennet, der bloß weis, d
die Spinne ein Meg webet, der Storch bat
fliegt, der Seefifch die Ströme hinan geht; u
nicht weis, zu welchem Ende biefes sechie
en
p. 53. vom Cartefio: Auſſi mevent - il Point que
Dien agiſſe ſuivant quelque fin, et ceſt pour celagq
vetranche de la Pbilofopbie la recherche des cas
finales, fous ee pretexte [pecieux , que nous ne fi
mes pas capables de conneltre les fins de Dien:
lien que Platon a fait voir que, ſi Dieu efl ! dat
des chofes, et qw'il agit ſuivant la ſageſſe, la ver
ble Pbyfique efl de favoir les fins et les ufages
ebofes : car la feience ef} de ſævoir les raiſous
les raifons de ce qui a êté fait par entendement, |
les caufes finales ou defleins de celui qui lesa fai
defquelles paroiffen. par Pufage et la indiion, qu
Font, et powr cette raifon la confıderation de Pay
des parties efl fi utile dans I Anatomie. Eben |
felbe faget in actis Erud, 1682. p. 186. Itaque
rant valde, ne quid gravius dicam, qui cauſas f
les cum Cartefio in phyfica rejiciunt, cum tamen
ser admirationem divine [apienti@, pulcherrin
wobis principium pr.ebeant inveniendi earum quoqs
ram proprietates, quarum interior natura non⸗
sam clare nobis cognita efl, ut caufis eſſiciens
proximis uti, machinasque, quas conditor ad effe
los producendos finesque for obtinendos adhil
suplisare voltamus. etc.
23258
r
£
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il
838
ent
. it alles \
um je ind morinn ihr Befen ber
Ewigkeit rege und gefchäfftig
Pe arbeite? Ohne die
i
a
am
—
⸗ 8
⸗6
298 IV Abh. Von Gott und goͤttlichen
äuflerfte Abficht, welche alle Theile, und ſelbſt
wirkenden Urfachen zur Uebereinftimmung gebra
hat, iſt lauter wüftes Ungefähr, lauter Zerr
tung und Unordnung in der Welt und ihren Be
benheiten: nichts hänge meiter mit bem andı
zufammen, als burd) leblofe, blinde und wm
ftändige Urſachen, welche weder erflären, war
die Dinge zugleich bey unb neben einander da fü
noch warum: fie fo befchaffen find, oder in einen
wirfen. Gelbft diejenigen, welche die Welt du
eine. Reihe veränderlicher Dinge, die neben u
nach einander find, erklären, geben einen gar
trockenen, abgefonderten und unvelltommenen] Ü
griff davon, nach welchem man auch denken naddl
baf bie Uhr, daß der Baum, daß ber Hut 6
Weit fer.
Wenn wir aber bie Welt als cine Wehen
aller möglichen $ebendigen anfehen , darinn al
übrige um ber $ebendigen willen ift; fo HdBe‘
daraus allein verftänblich begreifen, warum? @
Pörperliche Welt da iſt, bie fonft für fich rt
Dafenns nicht genießt; warum fie in fo vi
Theile von einerlen runden Figur gertheilet, und ii
Kugeln in felcher Ordnung und in ſoichem Abfte
von einander geftelletfind, daß immer eine lichte v
mehreren finftern umgeben wird; warum fidh |
finftern Kugeln um die lichten waͤlzen, Tag -u
Macht und Jahreszeiten haben; warum fie im
nem bünnen Aether ſchwimmen, und mit ein
dickeren Dunftfreife umgeben find; warum fie a
fo mancherley Pflanzen, Bäumen und. Kraͤut
befeger worden; warum biefe und jene allgeme
ı
ar —— — alle innere und aͤuſ⸗
it der Welt, alle Ordnung and -
— der Theile, alle Weispeit und Kunft
ers, in unfern Gedanken verſchwin⸗
hre Vergnügen der Seelen ar den -
nn Muftern eines unendlichen Verſtandes,
er | — ſeine Werke bilden konnte,
mb, Aberſchwenglichen Güte und Vorſorge
Erin und alle Sebendige, hoͤret gänzlich auf.
alsdenn in ber ganzen Naturgefchichte
i "nichts, als die Verſchiedenheit
ber Figuren und die nächften Urfachen einer räum«
ewegung; Dinge, die dem Gemüthe allein
mg und Berupigung geben koͤnnen.
nühfamen Beobachtungen und Verſuche zur
if ber Natur werben, auffer dem Nutzen,
meiden Künftler und Aerzte davon haben fönnen,
ein bloßes Spielwerk und eine Zeit verfchwendende
— Sollte es denn nicht erlaubt ir De
gen
Vertrauen zu bem allervollfonımenften Weſen, map
von unſer Senn und Wohl abhängt, daraus gu
300 V Abh. Bon befond, Abfichten Gottes.
Mugen der —— allgemeiner und ebe⸗
ler zu machen, und unſern Geiſt ſowohl, als den
teib, daraus zu beſſern, Regeln der Weisfelt und
Güte baraus zu nehmen, Hochachtung, Hebe.:mub |
fchörfen, und endlich unfere Hoffnung auf sin baf
feres und bauerbafteres Seben zu flellen, :
ung ber Schöpfer durch bie Natur verlangen heißt?
Die fünfte Abhandlung.
Don den befondern Abfichten Gorted in
dem Thierreiche. |
$ 1
Ye Pönnen wir unfern großen Weg 58
ſtoß weiter fortſetzen, nachdem alle
niſſe weggeraͤumet ſinnd. Wir ſehen ein —*
Ziel vor uns, das ung nicht irren laͤßt; unb.jerid
ber wir ihm treten, deſto flärer und deutlicher muß
es uns werden. Gott hat alles um ——
willen, und. dieſe zu ihrem Wohl erſchaffen. Laſſet
uns benn in das Thierreich hinein geben, und die
befondere Ausführung diefer herrlichen Abfiche ge»
nauer betrachten, Damit wir ein lebhafteres Bild
der unermeßlichen Weisheit, Güte und Mache des
Schoͤpfers erhalten, endlich aber auch) aufuns ſelbſt,
und den vorzüglichen Zweck, wozu wir beſtimmt
find, kommen mögen,
w den Themreihe.
Sy will die Orunbfäge, | ſch in wu
b Bader Mic mit. allen Reife
hat feine en
5 alfo in Abfıhe auf felben,
Eder Sehenbigen hat auch In fi fi
d .
—— Sehe um
väft li
ie m rn, the
wiſſe Art des Sebens, der innern
, uf und Glücfeligfeit ge:
1:8:
es und geſchieht alſo hiches In der Welt um ·
——
das in’ der Wele iſt wid geſchleht, das
Äft und gefchieht,, — Abſicht des Schöpfers,
5. les, was indiefeagemeinenäuffetften Abfiche
der Schöpfung begriffen , "und den göttlichen
man gemäß iſt, das iſt für eine
iebt ei föeinüchke t j 1:
ng edle nal Ar be *
— vorhanden, und je —
21. Wenn aber eine Vollkommenheit und ein
Ken der Sebendigen, in der Beſch
kann:
Dinge den einzigen und nofbmendigen
hat, und das Gegentheil nicht feyn
Pr daß folche Beſchaſfenheit dieſe Ab
if ee at De — S
10
genifes Ziel, Bas nich regen fan. —*
13.58 ik der Weieoheit und Güte Gottes gen
&
in dem Thierreiche, 303
bie bequemften Mittel zu den beften Abfichten
zu waͤhlen.
. Was alfo der Beſchaffenheit und Natur der
Dinge, und den bequemſten Mitteln zur beften
Abficht entgegen zu fenn erfannt wird, das füns
nen wir nicht für göttliche Abſicht halten,
. Je größer bie Mannichfaltigfeit der Lebendigen
ift, je bequemer und einziger , in der Mannich.
faltigfeit, die Mittel zu jeder Art bes Lebens
und zu jedes Wohl find, und je größer das Mu⸗
ſter bes Verftandes, der Kunſt und gefchicften
Mahl iſt, das fie ung geben; defto deutlicher er⸗
fennen wir darinn die göttliche Abficht, Weise
heit und Güte,
Diefer Grundföße werde ih mich nachmals
ch zum Öftern bedienen; jeßt aber will ich nur
yenerlen daraus folgern, welches Die Abficht des
chöpfers in ihrer vollen Groͤße und nach ber offene
wften Weisheit und Hüte barftellet. Erftlich fage
‚ nach ber fechsten Regel: Wenn die äufferfte
bfiche dee Schöpfung auf das Wohl der Lebendi⸗
n alfe mögliche tebendige befaffer, die noch irgend
nes Örades der Gluͤckſeligkeit fähig maren, und
nn es der unendlichen Weisheit, Guͤte und Mache
ottes gemäß war, folche hervor zu bringen: fo
: auch Gottes Abjicht wirklich gemefen, allemdg«
he $ebendige von allen Arten und Stufen der
tollfommenheit hervor zu bringen, und felbige'
ıd demnach wirklich: in der Welt. Zweytens,
ill ich nach der funfzehnten Regel zeigen, daß
chts in dev Welt, zumal im IThierreiche, die
Abſich·
304 V Ah. Bon defond. Abfichten G
Abfichten des Schöpfers, und die barinn [
Weisheit und Güte, flärer vor Augen leg
die Triebe, Fertigkeiten oder Kuͤnſte ber unv:
tigen Thiere.
6 2
Die allgemeine und äufferfte Abficht ber
pfung auf das Wohl der Sebendigen heißt un
lich fehließen, daß alle mögliche tebendige al
ten und Stufen darinn begriffen find. Denn
ift den unendlichen Vollfommenheiten Got
wohl als feinem äufferiten Zwecke gemäß.
alle mögliche Arten und Stufen ber innerer
fommenheit und des Lebens in feiner Borf
gehabt: er hat an aller möglichen Gluͤckſeligl
$ebendigen einen Gefallen: und feine Mach
alles, was er benfet, und mas ihm gefäll
Wirklichkeit bringen. Warunı follte er feine
tommenheiten nicht fo unenblich in der Scht
ausgedruct haben, als fie in ber That find ?
follte feiner Weisheit, Güte, oder Macht
follte feinem Zwede der Schöpfung Schranf
Gen? Ihm iſt alles mögliche Gure gleich fe
bedenfen, zu ordnen, zu machen: alle mı
Lebendige von jeder Art und Stufe der Glüi
keit find feiner Abficht gleich gemäß und lieb
rum follte er nicht allen das geben gegoͤnnet,
die ganze Welt mit jeder möglichen Art und |
der Luſt und Gluͤckſeligkeit erfüllet haben ?
Die Regel der Stätigfeit, welche in dei
kommenſten Weisheit gegründet iſt, leide
Peine Luͤcke oder Zerrüttung in der Kette verfchi
mic
in dem Thierreiche. 305
Salichen Dinge, die ein verfnüpftes Ganzes auge
achen ſollten. Dergieichen leeren Raum in der
eihe der Weſen (vocuum formarum) haben die
:chulmeifen ſihzen, obgleich nach undeutlicher Ein⸗
ht, verabfi:cuer, und darum in der Stufenlei—
r der Natur feine Sproſſe wollen fehlen laffen.
Ne möglichen Grade der Vollkommenheiten ſchlieſ⸗
n fo feſt an einander, daß es unmöglich iſt, zwi⸗
ben ihnen weder einige andere zu erdenfen, noch
liche wegzulaſſen. Wir haben aber die Schoͤ⸗
ung nicht andere, als einen Ausdruck folcher goͤtt⸗
hen Norftellung, anzufesen. Afle Vollkommen⸗
iten hängen in ihrer Wirflichfeit eben wie in ihrer
ReglichFeit zufammen, wenn fie ein Ganzes aus:
achen follen, Sie verhalten‘ fid) wie die moͤgli—
xen Kegelſchnitte; moven Feiner in einem wirflis
en Kegel fehlen Fan. Was auch dazwiſchen
seggelejfen würde, dag Diebe ohne zureichenden
yrund weg, und zerfrennete die Verbintung ; mas
nter allen ausgelefen würde, Das wäre der Weis—
et, die den Zuſammenhang uͤberſieht, entgegen,
md machete das Ganze unvollftommen,
Wenn wir aber die Welt, nicht nur denn
Raume und der Zeit nach, fondern auch nach den
Arten und Stuſen der Dinge, als voll und ſtets
a einem fortgehend , betrachten: fo erfcheine ſie
ing in ihrer wahren Vollkommenheit, als ein Werk,
Jas des unendlichen Schöpfers würdig if. Denn
ie Stufen der Vollkommenheit wachſen, eines
Lheils, mit der Mannichfaltigkeit der Dinge, die
nit einanber übereinflimmen: und Feine Manniche
altigkeit kann größer fern, als die, welche alle moͤg⸗
1 Ihe
308 V Abh. Ben beſond. Abjichten Gottes
noch um ihrer ſelbſt willen, fündern blog um be
Sehendigen willen fern. Denn an ſich genieße
dieſe lebloſen Körper ihres Dafeyns nicht, und un
iſt Das allerwenigfte davon befannt oder nugbar,
Wie? wenn hier die einzige Inſel won Br
tannien, oder-noch eine weit Pleinere, der Mald
viſchen, allein $ebendige in fich hielte; der übrig
Erdboden aber zur ewigen Wüfte verdammt wärt
und alfo alle Thiere, die andermärts auf unfer
Erdboden Icben fännen, febleten? mürden mir fo
che Verfaffung mit einem zureichenten Grund
zumal ben der gefegten Abficht des Schäpfers, z
ſammen reimen fönnen? Wir müffen uns aber, |
der Coſmographie, die ganze Welt als ein $aı
mit vielen Inſeln vorftellen. Und da iſt un
Erdboden gewiß eine fehr Eleine Maldiviſche Jr
in den großen Weltmeere. Was wäre Denn
ein Grund zu crdenfen, warum diefe Fleine J
allein belebt, alles übrize aber tode und ohne (
pfindung wäre ? oder warum fo viele gleid
queme Wohnungen der Sterne und Planeten
eben ſowohl, als die Erdfugel, Defekt und I
Fert worden? Woher wären wir denn allei
Wirklichkeit werth? Was beftimmte diefe 7
derung des Fleinften Theils der Welt von den
gen Ganzen, wäre nicht die Welt größten
ohne zureichenden Grund?
Segen wir bergegen, daß alle möglich
Dige, in verfchiedene Hauptelaffen vertheile
lich find ſo has alles in der Welt feinen 5
in den Ihierreiche 309
den Grund *, Daß nämlich fo viele, fo grofe,
und jo mancherley Weltkugeln find; das bar jeie
nen Grund, weil nicht alle mögliche Gattungen
er Sebendigen ben einer Are Luſt, Sicht, Wärme
Nahrung und dergleichen beſtehen konnten: und
weil fo viele Wohnhäufer Da ſeyn mußten, als ver
hiedene Hauptgattungen der Lebendigen von einer
Igemeinen Rehnlichkeit Der Natur möglich waren.
s hat feinen Grund, daß die lichten Kugeln ins
er mit einigen ſinſtern zuſammen gepaarct wor⸗
n; daß Diefe fich um jene bewegen; daß fie ver»
jedene Tages: und Tchresiänge haben; daß fie
h in gewiffer Weite von einander haiten; und
33 ſonſt mehr in der großen Anlage der Wele
obachter wird. Denn es gereichet alles Den Le⸗
ndigen zum Vortheile, weiches ohne Diefe umſonſt
wm würde In Gore ſelbſt werden nunmehro
hf ohne Urfache Schranken feiner Vollkommen—
isen, oder ein bloger und beienderer Wille ohne
zewegungsgrund, angenommen. Die Welt, fein
3er, bekoͤmmt einen ſteten Zuſammenhang, und
id cin Ausdruck und Spiegel feines unendlichen
u 5 Vera
Ey dachte ſchon Citero, nach de Platonis Anleitung,
in Timao, five de Univerſo cap. X. ſect. 31. Quot
igitur er quales animalium furmas mens, in ſpectem
rerum intuens, poterat cernere, tütidem et tales in
hoc mvudo ſecum cogitarit eſſiugere und cap. IV,
Sect. 9. Onod pulcherrimum iz rerum natura intel.
ligi putefl, et quod ex ommi parte abſulutil.S eſ,
cum Deus fimilem mundum cfficere veller, animal
unum, adjpedabile, in quo omnia animalts contiue-
rentur, efjccit.
[2
. — u GE
und aller übrigen Dinge Nefchaffenheit, €
tung, Verfnüpfung und Kräfte zu den beque
Mitteln diefes Zweckes geordnet; feiner ur
chen Güte, da er einer jeden moͤglichen Art
bendigen ihr geben, und ihre Arc der Luſ
Gluͤckſeligkeit, deren ein jedeg in der Verknuͤ
der Dinge fähig mar, gegoͤnnet; und feineri
lichen Macht, Dadurch er aller fo mannichfo
Dinge Wefen und Natur in der vollfomni
Ordnung und Uebereinftimmung zur Wirfl
gebracht, und ohne Abnahme oder Zerrüteu
ftändig erhält. ,
$ 4
Das Zweyte, was ich mir in diefer Al
lung auszuführen vorgeſetzet habe, betrifft eı
ausnehmend Benfpiel der goͤitlichen Weishei
Vorſehung in ben Trieben der unvernün
Thiere, welche allein genug find, einen jet
Ahuntishuan nıl Asse WIE auch
in dem Thierreiche. zu
brauch und Mugen ber Theile, und durch
ebereinftimmung mit jedes $ebensart, zum
tniſſe Des großen Werfmeilters führen. Als
*e Handlungen, Darinn fie taufenderley uners
tünfte mit angebohrner Fertigkeit, zu ihrer
es Sefchlechts Erhaltung, ausüben, enthals
y Deutlichere Merkmaale einer höheren Ver
velche für Die unveritändigften Thiere gebachr,
en fo mandyerlen unverbefferlihe Erfindun-
ihrem Beften, mit der Natur und Geburt
Ben gewußt hat, dafi fie Diefelbe ſofort blind»
und dennoch ohne Schl, ins Werk fegen
am bemerfer nänılich ben allen Thieren, bie
ernumft befigen, gewiſſe natürliche Triebe,
te oder Bemühungen, dadurch fie dasjenige,
nen die vollfommenite Vernunft zu ihrem
zaͤtte anrathen Fünnen, ohne alle eigene Ue⸗
ng, Erfahrung und Lebung, ohne allen Un⸗
, Benfpiel oder Miufter, von der Geburt
Feiner erblidy fertigen Kunft, meiſterlich zu
en wiffen. Dergleichen Triebe weifen ung
idenmürmer, Raupen und mehrere Inſe⸗
reiche fich zu ihrer Verwandelung in ein en
8 fanftes Bette einfpinnen, oder in bie
ergraben; die Bienen, wenn fie für fich und
jefellfchaft abgemeffene Borratpefammern
und Speife auf den Winter zufammen tra«
ie Vögel, wenn fie zur Ausbrütung ihrer
en Ener bequeme Mefter flechten, bie Eyer
ausbrüten, und die jungen aus dem
‚ oder mitzugefihleppter Speife füttern; die
U4 u
312 V Abh. Bon beſond. Abfichten G:
Fiſche, wenn fie ihren Laich auszuſchuͤtten
Reiſen in der See thun, und die ſuͤßen We
Stroͤme hinan geben. Und überhaupt i
Art unvernuͤnftiger Thiere, welche nicht, ſi
Vernunft, ihre beſondere erb⸗ und eigentf)
Sertigfeiten und Künfie, zur noͤthigen Ben
Nahrung, Erhaltung, Vertheidigung un!
pflanzung bekommen hätte,
Man findet alſo in dem Thierreiche d
kommenſte Kunft:una Werkſchule gebohrn
ſter: nun ſieht darinn Erſindungen, mel:
dem tiefſten Erkenntniſſe der Natur un) !
ſchaften geſloſſen, und zu jedes Nutzen ana
find: man beobachtet in ihrer aller Haus
gewiſſe Ordnungen, Regeln und Geſetze,
nach jedes Beſchaffenheit und Umſtaͤnden
eingerichtet, und ſowohl einzelnen Thieren,
zen Geſchlechtern, erjprießtich find. Se
nun Kunſt, Wiſſenſchaft und Klugheit
Verftand und Abfiche, in Handlungen Ef
ben Finnen; fo wenig kann man alles dieſe
unverninftigen Thieren ſelbſt benmejfen. €
baret fich darinn ein unendlicher Verſtand,
aller möglihen Erfindung und Wiſſ
urfprünglihe Duelle ift, und ein Mittel
hat, der blinden Natur jeder Gefchöpfe h
thigtes Theil davon, als eine Fertigkeit ,
pflanzen, Es vftenbaret fich eine unerr
Weisheit, die nicht allein die Förperliche W
den Thieren, und alle Theile der thierifcher
nach ihrer Seelen Befchaffenheit, fondern <
Säbigfeiten und Regeln ber Seelenkraͤfte
in dem Thicrreiche, 313
ines jeden beſtimmten Art des Lebens, aufs
kteſte eingerichtet hat. Es offenbaret ſich eine
Vorſehung, welche das, was jedem Thiere,
einen weſentlichen Schranken, an Leibes und
ikraͤften, zu feiner Erhaltung mangelte, durch
hrne Fertigkeiten ſo weit erſetzet, daß alle
dadurch in einer gewiſſen Proportion erhal⸗
erden. Es offenbaret ſich cine allgemeine
welche aller moͤglichen Lebendigen Daſeyn
wͤgliche Luſt und Gluͤckſeligkeit zur Abſicht
yet, und bey denen unvollkommenern, durch
nden Nafurtriebe, als durch die bequemiften
I, zur Wirklichkeit bringen mollen.
ch geftche eg gerne, daß mir diefe Betrach⸗
yes Thierreiches manche vergnügte Stunde
nanchen Vortheil gefchafft bat. So uner⸗
ich ihre Mannichfaltigkeit iſt, ſo voller neuen
iſe iſt ſie auch von einer unendlichen Weis⸗
nb Güte, welche in der Natur herrſchen.
ehret mich Gott, die Welt, und mich ſelbſt
erkennen, und ſolch Erkenntniß zu meiner
eligkeit anwenden. In dieſer Naturgeſchichte
ine leeren Wörter, Einbildungen, Hirnges
, oder bloße Mutbmaßungen, mie in menfch«
Schrgebäuden der Weltweisheit und Nature
haft; fondern hier fieht man die Wahrheit
r Wirflichfeit Flar vor Augen, daß man fie
änden greifen kann. Hier ift fein folch Ge⸗
yon Unveritand, Ohnmacht, Eitelkeit, Ihore
nd Bosheit, womit die Gefchichte und Er-
tq von menjchlichen Händeln unfere Gedan—
iten Freie erfuͤllet; jondern bier findet man
Us lauter
314 V Abh. Bon befond. Abfichten Gottes
lauter Urbilder der Proportion, Schoͤnheit, Ord⸗
nung, Uebereinſtimmung, Abſicht, Weisheit,
Kunſt, Klugheit, Guͤte und Vorſchung. Hier
wird alſo unſer Verſtand, nach dem unendlichen
Verſtande, durch Einſicht der größten Vollkom—
menheit; und unſer Wille, nach dem allerbeſten
Willen, zur Erfuͤllung der edelſten Abſichten des
Schoͤpfers, und zur wahren Liebe gegen uns und
andere Menſchen, gebildet. Und wir werden in⸗
ſonderheit aus der Vergleichung ber Thiere mit um
ferer Natur lernen, daß wir zu einer weit höheren
und bauerhafteren Gludfeligfeit, als bie Thierg,.i
von unferm Schöpfer beftinnmet find.
laſſet andere fich eine Weile, ohne und wider
die Betrachtung der meifeften Abfichten bes Schoͤ⸗
piers auf die Lebendigen, erwas in natürlichen Din,
gen zu wiffen duͤnken: ihre Wiſſenſchaft wird ger
wiß entmeder auf leere Einbildungen und Träume hin,
aus laufen,oder wenigſtens zu ihrer inneren Gemuͤths⸗
berubiaung und Gluͤckſeligkeit nichts beytragen,
taffer fie fo gar die Aufdeckung ber göttlichen Bun '
ber im Thierreiche verächtlich und lächerlich zu mas
chen fuchen ?: fie verrathen meßrentheils dadurch
nur
2 1.a Mettrie, Homme Plante, chap. 3. S’emm/z gu
dondra a nuus enuuyer de toutes les Merveilles de Is
Nature; que un puſſe ja vie o obferver les Iuſccui
U’ antre a comptor les petits Offelets de la membrov
de l’Onie de certains PoifJuns, à mefürer ide,
|
Pon veut, a quelle diflance peut fanter une Put |
pour pajfer ſuus flence tant d’antres wiferables de
Jets; pour moi, qui ne [nis curienx que de Pbilf®
bie — la Nature Alive ſera soujours mon |
p
in dem Thierreiche, 315
ur den letzten Verſuch einer fchon verzweifelnden
(cheifterey, welche ber Schulen, die ihnen. dien⸗
' fame
points de vnd, Jaime à la voir au loin, en grand
comme en uineral, et nom em particulier, ou en fie-
siss details, qui quoique neceſſaires usqu'ù um cer-
sain point danssontes les Sciences, cummsundment ſout
ls marque de pen de ginie de ceux qui 8’y livreut.
Gewiß ein großer Geiſt, ein großer Philoſoph!
der das Buch der Natur lefen und verſtehen kann,
ohne fich um die elenden Kleinigkeiten der Buch-
flaben zu befummern; der nur cm Paar allgemei-
we Titel flüchtig überfeben darf, und dann febon
beffer weiß, mas der Inhalt fey, und was man
davon urtbeilen muffe, ald andere , welche fich die
unnuͤtze Muͤhe geben, es Stuͤckweiſe mit Bedacht
durchzugehen.
Ich bin erinnert worden, des Hrn. Buͤffon bey
dieſer Gelegenheit nicht zu vergeſſen. Ich bedaure, daß
eines ſo verdienten Mannes Anſehen dieſer großen
Wahrheit hinderlich geworden iſt. Aber es ill
gewiß, er hat im II Tb. IL D. p. 42. faq. viel Big
und Kunſt verſchwendet, daß er die Betrachtung
der görtlichen Weisheit und Güte in der Natur,
amd bejonders in den Trieben der Tbiere, zum (es
lachter machen möchte. Zu feinem Unglucke waget
er fich an die von großen Naturforſchern fo ſchoͤn
befchriebene Bienenrepublif,, da die allgemeine und
billige Achtung für Perionen und Eacben, zumal
Im Gegenfage feiner uͤbel gerathenen Erklarung,
ibm sein Gelächter mit einem drepfachen Wieder⸗
halle zuruͤck ſchicken muß. Gleich anfangs verrarh
er ſich Durch) eine ungetreue Vorſtellung der gegen:
' feitigen Meynung, als ob jemand (er ziclet haupt:
fachlich auf den Hrn. Reaumär) den Bienen eine
verftändige Einſicht der ſeinſten Geometrie und
derlichtten Baukunſt, eine Wiſſenſchaft des Zukuͤnf⸗
tigen, moraliſche Abſichten, Liebe zum ——
eſten
gen die wahren Beobachter nichts und
feiner Landesleute, welche dergleichen $
ten zur Munterkeit brauchen, erklaren
en oͤftern, wie lie alles wollen verſtand
Dennoch beißt Hr. 3. dieled eine Beg
da man deſto mehr bewundert, je wen:
Vernunftſchluͤſſe machet; Wunderweri
che nicht vorhanden ſind, und welche d
achter nur willkuͤhrlich in die Bienen l
uns damit zu betaͤuben und zu taͤuſch
Sittenlehre und Theologie der Inſeceen,
Unwillen predigen hoͤre. Billig ſaget er,
Fliege in dem Kopfe eines Klaturforfch
mehr Raum einnebmen, als fie in der V
nimmt ; und dieſe wundervolle Republik
den Augen der Vernunft nie etwas anders
ein Schwarm kleiner Thiere, die Keine and
bindung mit uns haben, als Daß fie w
und Wachs geben. — Wer bat wobl
er, den größten Begriff vom böchften
Der, welcher ibn ſieht die Welt fiber]
Difeyn der Dinge ordnen, die Natur at
aͤnderliche und beftändige Geſetze gruͤnd
Arrirniar . der (ihr hemfhwr . ihn anf
in dem Thierreiche, 37
erden fie oft, mo nicht ben dem Förperlis
» der Welt und ihrer Einwohner, gewiß
tiber
Stelle T. V. P. II. Mem. 8. p.4. u. 16. ſſ. wor:
zielet) behauptet, daß die Bienen ein geo⸗
es Problema aufloͤſen koͤnnten? Oder wer
t gefager, daß die Bienen Verſtand, Wiſſen⸗
„Tugenden und moralifche Ablichten hats
nd dennoch bleibt c3 allegeit wahr, daß fie
m und zum ailgeneinen Beften blindlings
geſchickt hanteln, als ihnen die ſchaͤrfſte
ift, durch Wiſſenſchaft der Geometrie und
aft, als die größte Weisheit, durch kluge Bes
d Verordnungen, als die reinfte Liebe, durch
nd Dienttpflichten, hatten zu handeln anwei⸗
nen. Und hiervon it die Frage, wie das zu:
da gewiß Hrn. Buͤffons bloß mechaniſche Er⸗
Juͤberaus ſeichte und lachenswuͤrdig klingt.
ber eine Fliege im Kopfe des Naturforſchers
o kleinen Raum einnehmen: warum machte
n Hr. B. feine mikroſkopiſchen Thierlein, die
me Millionmal kleiner ſind, durch viele Kunſt
sube fo groß? Dachte er vielleicht, etwas
zu finden, dad mehr nach feinem Sinne wa⸗
3 görtliche Weisheit? oder bat er ung was
daraus erzwungen, als bloße willkuͤhrliche
ilſche Hypotheſen von der Erzeugung und
Tanzung der Thiere? Muß denn die Weis⸗
ihren Werken erſt bey Klaftern ausgemej:
rden, ebe fie ung betrachtungswuͤrdig febei:
2 oder geben die herrlichen Verordnungen
ichopfers im Reiche der Yebendigen nicht ja fo
ı Begriff von ihm, als die, welche wir in der
zz Welt bemerken ? War ed nötbig , Gotte
zliche Schwachheiten, cine muͤhſame Acht:
ie und große Befchafftigung anzudichten, de:
e und niche auch im Kleinen groß, und feine
hung bis zu den geringiten Geſchoͤpfen lieb:
reich
“
2 “
tun u
a nırapr.
vw -
-— gi
3 La Mertrie Traite de l’ame, chap. XI, f 2.
flin&confifle dans des diſpoſitions corport lles pu
mecaniques, qui font agir les anımaux ſansn
liberasion , independesent de toute experiei
‚comme par une eſpece de nicelhte; mais cep
(CE QUI EST BIEN ADMIRABLE) de I
niere qui leur cosrzient le mieux pour Ia confen
de leur ötre. It. !’! Homme Plante, infine: L’
des Betes donne a !’ Homme le n’eut poi
a toutes les infirmites qui afjıegent font B
Toutes leurs Rujes [nccomberoient ici. Donn
proquement a l’Einfasıt le feul inflindl des Anima
en ung le pläs, ilne pourra ſeulement pas hier /
dos Ombilicul, encore mnins chercher le Teto
Nourrice. Donnez aux Animanx nos ſu êmier
commndisez, ils y feriront sous. La Niere:
fi bier Doch von feiner großen Weltphile
zu den verachteten Thieren berunter: er tie
enaue Uebereinſtimmung der Zriebe und .
ungen eines jeden Thieres mit jeiner Erba
er erkenner, dag folches nicht von ihrer Bei
oder Erfahrung bevrübre: cr koͤmmt daruͤl
große Bermunderung ! Gollte er ſich wohl h
Alhid wer6 faanam Klinhorn Marhanilone tn m
in dem Thierreiche. 319
Man mird es mir Daher, nach meinem Zwecke, um
d meniger verargen, wenn ich wenigficns die Haupt
lücke diejer lehrreichen Materie, welche noch von
vernanden nach Würden ausgefuͤhret iſt, kuͤrzlich
wrühre, und es dennod) der Mühe wehrt achte,
hr Fünjtig, wo ich lebe, eine weitläuftigere Ab-
yandlung zu widmen.
5 5.
Die Arten der Thiere, welche auf unferm Erd⸗
oden Icben, jind zwar noch bey weitem nicht alle
mefündig gemachet worden; jedoch rechnet ein fleis
jiger Tarurforfcher * von befannten vierfüßigen
Thie:
auf: Db nicht dieſer Trieb, der ſchon in ben Theilchen
des Samens verborgen ſey, zureiche, Diele Theil:
eben zu vereinigen, und bernach zu bewegen? Ind
Da bi ſes Durch eine verffandliche Mechanik, oder
auch durch den Willen ſelbſt, nicht genug_ zu er:
Haren fiche, ob man fich3 als eine vorbeſtimmte
Harmonie zwiſchen Den Eörperlichen Theilen und
dem Wilien vorfiellen muͤſſe? Ob dieler Trieb, als
in einer Republik, allen Theilchen, oder als in ci:
ner Wonarchie , nur einem einfachen Theile ein:
wohne? und ob in dem leßteren alle dieſer eine
Theil daS Weſen eines Thiers ausmache? oder
auch gar nach dem Tode Icbe, und in einem neuen
Leibe eriibeinen könne? Es fibeint alſo wohl, daß
ibm der ebierifche Trieb bewunderungswuͤrdia. und
dech ſein Geſetz der Sparſamkeit, oder kleinſien
Bewegung, fo wenig, als andere Hypotheſen, zur
Aufloͤſung biefer Fragen zulanglich geduͤnket babe.
4 Sieur Ray, Exiftence et Sageſſe de Dieu manifeſtée
dans les Oeuvrus de la Creation, p- 6.igq. Man
kann wohl in diefem Stuͤcke keine genaue Yufzabs
lung aller Arten der Yebendigen verlangen. Theils
iſt unier DVerzeichniß von den Untertpanen rs
Wr
320 V A6H. Won befond, Abfichten €
Thieren hunbert und funfsig Gattungen;
er alle befondere Arten oder Familien nur
Thierreichednoch fehr mangelhaft , theils
die Kenner ber Natur mit ſich in der Abthei
einig, 0b fie viele Arten, Geſchlechter, ©
Drdnnungen und Claſſen machen, ober viel
werfen ſollen. Der Hr. Archinter Zinn?
feinen Amoenitatibus Academicis Vol, II I
$ 21. einen andern calculum gejogen; un
jeber machet ihn nach feiner Kenntniß und
weis feinen, der die Land⸗Inſecten⸗
ehr vervielfältiger, ald der für die Na
fchaft viel zu zeitig verflorbene Pet. von!
broet᷑ in feiner Oratione de Sapientia divi
Bat. 1744. 4. p. ı2. Geine Berechnung t
Thierreichs lautet fo:
Voͤgel ⸗ Arten
Landthiere ⸗
Fiſche
Muſcheln
Schaalthiere
Amphibia
Waſſer⸗Inſekten
1 De Ta Tg 71
vu
vun
Pflanzen _ ⸗
fuͤr jede Pflanze, Landinſekten
biebey obige ⸗
Inſekten jedes Tpiers *
doppelt fo viel unbekannte = —
Gumma 2
Statt deren ſetzet er die Summa in allen
390009 Arten des lebendigen auf dem Er
der Erde ‚ unter ber ‚Erbe,
— Raumchen
— mas die große Eins
zu biefer Thiere geben und Er⸗
und wie die ganze Natur, in ih⸗
ften, zu dem Ende arbeitfam
ey. Ein jeder fiehe auch. mol,
‚zuteäglichen Elementen, von Erde,
Vcht und Wärme, für fo viele Mil
ein genugſamer Vorrath von täg«
bereit fe ſeyn muͤſſe, und daß bey ber
chfaligkeit des Befchmacs und Sehens, ent«,
—* und der Körper nach der Koſt,
un. nach jener eingerichter ſeyn muͤſſe,
eine Nahrung wohl ſchmecken, und .
€ gut
322 V Abh. Bon befond, Abſichten
gut befommen fol. So koͤnnte aud) ı
öße und Bildung jedem gerecht ſeyn
wir bemerken daher einen erftaumlichen Ab|
MWallfifche bis zum Fleinften Gewuͤrme unt
Staube; und eine wunderwirdige Manı
keit in der äufferlichen Geftalt und Bi
den Werkzeugen des Lebens, der Eirine;,
wegung und Fortpflanzung. Alles und ji
ftimmet bey jedem Thiere mit einer gen
des Lebens überein, wozu ex heſtimmet ift,
dem einen bie Groͤße, Sirsilg und Werf
andern; es wird Damit feine Art des gel
führen Pönnen, ſondern umfommeh, obeı
Dual fern müffen. Wenn daher auch in
Werkzeugen, die fie alle nöthig —* ei
meine Achnlichfeit feyn muß , jo finder‘
felbft in dem Aehnlichen, nad) jedes Thi
eine unendliche Verſchiedenheit. Die ı
Tpiere haben Augen, und können fehen ;
nes Auge ift vollfommen mit anderer TU
gen einerley, auch würde Feines Thieres
für andere, noch anderer Augen fich für d
den, Und fo verhält, es ſich mit der B
des Seibes, mit Ohren, Naſe, Mund,
und anderen Gliedmaßen.
Diefe allen menfchlichen Witz und ?
überfteigende Mannichfaltigfeit der Förperli
fchaffenheit in den verfchiedenen Arten dei
und diefe fo genaue Uebereinſtimmung, foı
ganzen Natur, als aller und jeder Theil
19»
nach dies
re
t, ihrer Meynung
i at nicht allemal, zu
2 oder fie ermählen auch zu
tige Mittel. Cie. haben uns
Künlien und Wiffenfchaften, die
it, Vollkommenheit und Bequeme
reichen, auch manche eitele, unnüge, oder
und ſchadliche Kunft und. Wiſſen-
und ein ‚gut. Theil befleifiiger ſich
i etwas zu lernen, oder fie werben höchftens
väßlien Kunft nur Brudler und Pfufcher.
; Xhieren_ hingegen geſchieht, nad) ihren
"Seine Handlung umfonft , ungeſchickt,
etz und fie haben feine einzige eitele oder-
fetfege
Lu
324 V Abh. Von beſond. Abſichten Gottes
falſche Kunſt, fondern es iſt alles zu Ihrem mb
ihres Gefchlechtes Wohl und Mothburft: unent
behrlich, alles in feiner Art volllommen. Die
Sertigfeiten ober Künfte ben ihnen find fo mancher⸗
ley, als tauſendfaͤltig ihre Arten find; bennoch ik
fein einzig Thier aller Arten in feinem
unwiſſend uud unvollflommen; alle und jede finb
geborene Künftler und Meiſter.
Damit man den’ mannichfaltigen Mugen de
thierifchen Triebe einigermaßen überfehen konner ſᷣ
will ich nur einige Gattungen davon erzäßlen. Ein
jedes Thier kennet fein Element, und begiebe ſich
von felbft dahin, wenn es auch in einem fremden
ang $icht gefommen wäre. Ein jebes weis ſich al⸗
fofort nach feines Elementes und Körpers Beſchaf⸗
fenheit regelmäßig und fertig zu bewegen; und
dieje Bewegung iſt von taufendfältiger Art, Sie
wiffen überhaupt alle die Werkzeuge ihrer Glich
maßen dazu, wozu fie nuͤtze feyn koͤnnen, fertig zu
gebrauchen. Sie Fennen fo gleich oßne Irrthum
ihr dienliches Futter, und mwiffen es von dem ſchaͤd
lichen zu unterfcheiden ; ja, man bemerfet, daß auch
manche , ben einer Kranfheit oder Werlegung, ein
wirffames Geneßmittel zu ermählen geſchickt find.
Steht ihnen ihr Sutter nicht fo gleich vor dem
Maule: fo haben fie dagegen auch eine Geſchick
lichkeit, fid) ihrer Kräfte und Werkzeuge zur Be
mächtigung der Speife zu bedienen, ober ihrer
Beute durch Geſchwindigkeit nachzueilen , oder if
ven Seind durch taufenderley Liſt und Kunſtwerke
zu
cn dem Thierreiche. 225
rücken. Brauchet die Speife einer Vereitung;
— nme san -
SIE fie zum Worra mlen: for
J ke fhleppen und
derbei d | ‚shäl«
Andere ziehen Ihrem Butter Ber
Br Be Bi re
e und Co m (19
feiner She bedürfen be⸗
en in bie Erde,
Ende unter Waller.
‚fie auffer der Speife einer Wohnung
dürfen fie die Baufunft nicht erft ler
es gebt, bohret, jimmert, fpinnt,
klebet ſich, auf feine Weife, eine dienliche
obmung, nach einem beitändigen, in die Seele
Fägten, Fünftlichen Riſſe. Andere wiſſen fich
en verborgenen Drt zum Schlupfwinkel auszus
welcher eben die Dienfte hut. Beduͤrfen
Dede: fo bringen fie fhon eine Webers
mit ſich, und verändern und
ihre Kleivung , mit dem Wachsthume,
i ee, Wird ihnen die Haut ober
haale zu enge: fo befisen fie auch eine bewun«
mswiirdige Gefchicklichfeit , fich aus dem alten
(eibe, ob es gleich aus einem Stuͤcke gemacht ift,
Dan alle Theile des Seibes feft anſchließt, her»
zu winden oder. zu ziehen. Wenn etwa nicht
ein eine Entkleivung, fondern eine gänzlicheVer-
83 wande ·
"326 VAbh. Vonbeſond. Abſichten Gottes
wandelung der Geſtalt mit ihnen vorgehen fol: ſo
entziehen fie ſich vorher der $ufe und den Feinden, ;
graben oder fpinnen fich, auf mancherley Art, Bünfts
lich und vorfichtig ein, ober hängen umb bindenfih |
menigftens in einem verborgenen und fi
feſte an. Sie wiſſen aber auch) ihr Grab
ten Kerker behende zu eröffnen, ohne übte zalcten,
neuen Glieder zu verlegen, En
Haben fie etwa ihre Feinde in ber Walt: fo
kennen fie auch ſchon ihre natürlichen Iaffen, und
wollen ſich wohl eher, als fie diefelbe Ten Bär
ben, damit wehren; oder fie entwilchen
Feinde durch Gefchmwindigfeit umb Sift; fü, 2
durch eine Art Tpiere der andern allemal die Wage
bält, und nichte, als der Ueberfluß, verloren geht,
Können fie einzeln nicht füglid) leben: ſſehe
ten fie ſich zu einander ; fie verfichen ſich unter eitt.
ander durch eine Art von Sprachen; fie folgen ei⸗
nem Könige und Heerführer, ober einer Königine
und deren Willen; fie bauen und nifteln gemein
ſchaftlich, nad) einerley Anlage ; fie fammien zum '
allgemeinen Beiten, fie pflegen und füttern
ungen durch einander; fie wehren Rmir von |
ten Kräften, fie reinigen ihr Meft, fie tragen ihre
Todten aus; ein jedes Mitglied der Republik rich
tet fi aufs genaufte nad) weifen und unwandelbo⸗
ren Gefegen und Ordnungen.
Wenn bie Zeit der Begattung koͤmmt: ſo ken⸗
net ein jedes feine Are und feines Gatten Stimme:
fie wiſſen alle die gehörige Stellung zut Paarung
anzunehmen , und des Gatten Zeugungs- und
Geburts
’
* Handlungen zu jebes Thieres
h —— nothwendig find,
weiſes. Wenn ſich aber jemand
ugen will, fo darf er nur den
n, ober etwas daran aͤn⸗
fehen, daß fie entweder umfoms
igeftalt und gleichſam zu Krüppels
aber ke Geſchlecht nicht — koͤn⸗
verſuchen wollte „eine beſſere
4 Veran ·
a ae ec
ehne, deſſen — nicht ur
ſcorieden, jo ſuget Er HINZU: OTE MAUpE:
warum dergleichen Raupen. ſich ein f
Kager bereiten, iſt diejenige, weil di
zu Anfange dee Verwandlung ſebr w
- Hrtlich ui — ich ‚babe ——
„wenn i
harten und unebenen nn Bode, or
ende: ea A
re
—— mit dee Haut verh * worauf”
mal entweder ein ungeftalter, oder ga
bendiger Papilion zum Vor cheine Emm
Bann fich einen artigen Zeitvertreib)
Fl men dieſen Raupen zuficht , ind
ibrem Gefpinfite arbeiten. Wann das
geoße Gefpinfte völlig fertig a. und ı
daſſelbe an einem Grte ein re
gleich die Raupe da, und flider dns
„ber zu, läßt fich auch die Mühe nid
folcbes fo oft zu thun, als man fie du
Aufreiſſen dazu zwingt Denn. fie wil
wider Bälte und Xegen, als auch ı
‚Schlupfwefpen ficher ¶ verwabret
wenn es gar zu oft Eimme,: fo enegiben
Sur "in dem hierreiche. "39.
—
uͤlſe
aber zu
en Ballen, worinn die Mann
ve Höhle als die,
* it,
ae Dei .
m, Eee late
— — —49 —
‚ein graben, als der weibfiches
de er, mach Abwerfung dev Haut, feine Hoͤr⸗
ausſtrecken können, zum Krüppel werden,
aus ber Erde wieder bervorfoms
den Würmern bey ihrer Verwandes
Lage in ihrem Bette nicht einerkey.
ben — gFe ſich ſonſt mit
p 8 Holzes; aber
er ic ———— foll, fofehrer er ſich um,
vtd; fonft könnte er nicht heraus
chen "Man fpalte Das Neftchen, und fege den
ein me verkehrt, fo iſt er verloren. eeſel
ſe — Auch die, welche ein Ey⸗
n, als die Seidenwuͤr⸗
gen dafür, daß das Ende ar
wo der Kop bes Sapilions durchdringen fol,
I eerer fen, daß es fich von felbft aus einander 8
ben tann. Schneider man das Ey in die Fänge
—* „und leget die Vuppe darinn verkehrt, vahet
das Loch wieder zu: ſo wird der Yapilion
nicht beraus kommen Können, (Roefels Supples
ment Tab. VII, VIII 516. p. 53. —
ZUXS5.p 286)
ſcher Harm rſtellen möch
Fein man fich doch folche Mafchinen, mie
inftlichen Verrichtungen, unmöglich)
Werfmeifter gedenken konnen, der *
tur der. Dinge völlig gekannt,
pfung in der Weltvoraus —
niß derſelben einander, 1
der Die vorgeftellte verfchiedene B
der Dinge zur Wirklichkeit
saufend Erfindungen gehabt, di
cherley innere verborgene Trieb)
Eine bloße Maſchine, bie Ei iĩ
Ba füegt, huͤpfet, fehwimmt,
6 Wilde, fondern an jedem
Mi au jeber Zeit, nach dem —
— und Abwechſelung, wie br
ihren Untergang zu vermeiden, twas
zu erlangen; die bald ißt und * wac
wie viel fie zu ihrem Unterhalte verdauen Ba
bald ſpinnt, webet, graͤbt, bauet, far
wann und wiees ihre Erpaltung nad; den Kegı
Kunft erfordert; . bie fich bald paaret, zeuge
die, bruͤtet, füttert, und alfo wieber ee
es gleichen bervorb
fage ih, wenn fie
n Grund.
— man mın bey ben Thieren eine Wir⸗
Eng dee Kieptes auf die Geele, durch finnliche
. Enmpfin⸗
yeimuuyen wuev 510 sun wur veegen.
drud in nichts-anderm, als in £uft ober
beftehen. Diefes aber kann weiter nichte
Seele nad) ſich ziehen, als daß fie das €
Angenehme zu erhalten, und bas, Bofe
drige von ſich zu entfernen ——
Seelen die Art zu handeln, und di
‚oder Kunft, nicht einprägen, noch folche
gen ‚bervorbeingen, die in ber vorigen
feinen rund haben, .
Was das erite betrifft, fo Fönnen wien
. weile —— vorftellen, der ſi
Verwandelung in en kunſtlich e
möchte man fagen, daß bie zur Seid
Materie eine unan⸗ e
t, und daß er, als davon überlab
ger los zu werden trachtet, Aber ı
oder fpinnt fie Fein folder Wurm in ei
‚nung eraus, baß fie ſich anbänge, wie “|
"warum beftet er fie nicht iraend fo an.
Aimn dem Thierreiche. 333
——— ſuchet das
Raupen überhaupt aus einer
‚u erflären. Wenn fid)
hätte, und fie
fo müßten fie
gen men und mwinden: ‘auf
ne re den Faden immer weiter
um fich herum, und führen bamit fort,
Parorpsmus fortbaure, oder aufs
‚ober weil fie dabey eine Erleichterung
Be RO aneignen irn, I
daß man Durch eine Hypotheſe ver»
ſich die ehierifchen Triebe aus der
—5 laſſen: allein, id) glaube, daß
ungen vergeblich, und zum Theile
‚werden. Gegenwaͤrtige fimmet erfts
she des. Thierchens felbft gar
als welches fich nicht vor ungebuldi»
krummet und minder, ſondern langs
md, fo zu reden, bedächtlich und vorſicheig
cht en bequemen Det ausfuchet, und
h Abficht und Kunftriffe arbeitet. Wie
auch ‚bie wilde Bewegung, welche von
entfteht, eine ordentliche Enfigur, und
| allen eine gleiche regelmäßige Bervorbringen ?
mas befommen denn die Würmer für eine
fimftliche Colik, die ihre Haare, ‚oder zernagte
ve Be ‚Holz, gefammletes ne
ei u
Hin Ge Gedanken über
—e— a
ee Vieh
FOWUN. zu YETIEI VUE u puiigriij - UUOr Em
Roth und Stoppeln an eine Wand: z
Welcher finnliche Reiz bringet es mit
Bienen nicht allein den Honig der Bluh
te fondeen auch
336 V Abh. Bon befond. Ab ſichten Gottes
Werke und Handlung, ini Seelintie
Fa umd glei —5 Gr —* Ueber ·
dem aber muß das wirffeme Bernie der Seelen
nad) bie Urblibe gie Anfangs bie
ben Sam feiae er
ehe wenige
Dr anfangs dem Zuſt * bilder fern,
a J ande ge
welchen ımfere Seele erſt durch
lange Mebunggefeget wird. TE 4
888.
Ich ſage aber zweytens, daß bie bloße: nn
he Empfindung, auch nebſt der Einbildungekraft
und dem Gedaͤchtniſſe, darum unzureichend ſey, die
thierifchen Triebe u erklären, weil dag, waste
zu verrichten und u erlangen füchen, in. der jehir
gen und vorigen Erfahrung feinen Sem:
Ich ann wohl begreifen, daß ein Tier, vermie
telſt diefer finnlichen Kräfte, in feinem
gen Zuftande, und in Zufammenpaltung bed wa
gangenen, feinen zufünftigen ähnlichen Zuftau fee
* hen, und zu beffen wirllicher Servorbringung An
fich gereizet werden kann: wie etwa ein Kind, das
Zucker fieht, und fonft gefoftet hat, in
gleicher Süßigfeit, nach deffen Geſchmacke ſich
met. Aber bey ben Trieben verhält es ſich
alſo. Sie bemühen ſich, eine noch nie verfuchte
oder fonft gefehene Handlung, zur Erhaftung eines
zukuͤnftigen Guten, davon fie weder gegenwärtige,
5
in
ih
g
J J gi 3 —
ENT
a
H
6-3
fe
we
Sm,
Daraus entft
follten.
wiffen
*
j
ul,
In J—
Ki
io —
Eben alſo,
in Ken
hervorgebracht hätten? Das iſt aber ungern
fagen, und läuft wider alle Erfahrung, die:
den Thieren haben.
Denen Menfchen, und ih glaube allen
digen, die eine eingefchränfte Vernunft befg
es ſchlechterdings unmoͤglich, daß fie, ofned
fahrung von einzelnen wirklichen Dingen, et
finden. Denn diefes feßet einen Verftand ı
ber die erfte Quelle aller Möglichfeit und we
Mirflichkeie if. Wenn wir auch alle men
Erfindungen unterfuchen: fo werden wir
daß fie auf etwas ſchon bekanntes gegründe
wie ſich hergegen aus Nichts Nichts gedenk
erfinden läßt. Demnach hilft uns Die Ba
vor aller Erfahrung, zur Erfindung nicht
dern wir erfinden das Unbefannte aus ber
kannten, dag ift, aus dem, was wir
die Sinne, als wirklich und möglich, anı
men haben, ‚Da num kurz vorher erroief
oe... EL vw! m.
*
gs;
AH
denken kon⸗
*
[) ' * —
342 V Abh. Von beſond. Abſichten Gottes
net, verſuchet, und uͤbet nichts neues und jean
als ihr Trieb mit fidy bringet. *
Da nun die Fertigkeiten der Thiere, nie: u
hen fie zu ihrem und ihres Gefchlechtes
Plug und Fünftlich handeln, ihren Seelen
fächlich zufommen, und doch weder durch
Erfahrung, Benfpiele, Unterricht und m [|
worden, noch durch Ueberlegung, Vernunſt %
itz erfunden find: fo folget nothwendig,
eine. wefentliche eingepflanzte, angeborne Ei
fehaft ihrer Seelen find, nach weicher: v
als fie das eben haben, ohne eigenes
und Mühe, blindlings, und mit fehr
Vorſtellung, gleichfam als im Schlafe, und *
lend, richtig und ohne Fehl verfahten.
Wir Menſchen haben ſehr wenige, ja faſt pr
feine dergleichen kuͤnſtliche angeborene Fertigfeiten
es möchte denn etwa das Saugen ber Kinder bablı
gerechnet werden: allein, mie wiſſen Doch aus wm
fern erworbenen Gertigkeiten, daß fie niche ohu
älle Vorftellung und Entſchließung der Seele geſche
hen, aber daß dieſelbe, je groͤßer jede Fertigkeit it
deſto weniger Klarheit und Deutlichfeit brauchen
und Dennoch, nach ſolchem ganz dunkeln und unbent
lichen Denkbilde und Bemühen, leicht , Burtk
und richtig ausgeübt werden. Selbſt das, wa
wir langfam mit vieler Achtfamfeit, Weberlegum
und deutlicher Borftellung aller Theile der Hand
lung gelernet haben, als das !efen, Singen, Spit
fen auf dem Klaviere u. f. w. verwandelt ſich mi
zunehmender Fertigkeit ir Handlungen, die als oe
ſelbſt, ohne Mahe u und Machdenfen, aus eine
f
jemals in ihrem ‚ganzen geben, ſolche
d Fertigkeiten zu. erdenfen oder ‚zu
; $ ın aeg
tan mag demnach die thierifchen Triebe, Sera
d Künfte, nad) den Regeln der Körper
er Seelen betrachten: fo ift in berden Füllen
ar, daß fie einen unendlichen Verſtand zur
Urſache ‚Haben muͤſſen. Denn wären die
ı bloße. ober..auch harmoniſche Maſchinen:
Res. arten, der Materialiften und geibnigens
— — an
———— — —e— —*
r Sen einem ge
Ya mache
7
A Vobh Vondehid· Anfstene
nd von einem
Beet
fi jede Mai in und
Det Inder Bi 5
s $eben: y
Ni man ber die An
dige Seelen, die mit Ar
- durch einen wirffamen Einfluß. ——
iſt offenbar, wenn id —
weder En der , noch ohne E
aus genen 9 entftehen
ii Ri ,
—— de —
Delle aller Möglichkeiten, aller Wahrhe
ſenſchaft, Künfte und Vollkommenheiten
« für jedes Thieres Natur und Sebensart die
fen Künfte auserfehen, und ein Mittel
5 denen einfältigfien Seelen eine v
fetbft nicht erbachte, erlernte oder geübte &
Klugheit, fo leicht, fo volltommen, und |
t beyzubringen, und erblich einzuserh
Es iſt zugleich offenbar, daß Diefer u
Berhark mit Abficht, Weisheit, Guͤte u
für jedes Thieres Erhaltung, W
ſehung
Cldcfeigle, verbunden fen; damit auch ·
er? —— ee d
lenl
An hinderlich — Denn die %
ne mis vom Menfchen
. daß fie feine Vernunft, und die daraus
en Vortheile, fonbern nur Same, Ei
J
R
sd ii 345
felbft
er Brut Feine bequeme Stelle oder Neft aus.
achen, noch diefelbe zu fäugen, 4 füttern
nd 5 erjiehen ‚sans ‚oder willig ſeyn.
n der Thiere hat die gütige Vorſe⸗
des Schöpfers aufs weifefte abgeholfen, da
* reden, ſelbſt fuͤr fie, nach feiner vollkom ·
Dernu ‚ gedacht, geforget, und erfune -⸗·
= was jeber Urt wüglich wäre zu thun, und
unverbefferliche Künfte allen Thieren, ohne _
hr eigenes Bemuͤhen und ohne Uebung, als eine
ds erbiche
llein, die»
336 V Abh. Bon befond. Abſi chten Gottes
jedes Werke und Handlung, in ihren Seelen lie
gen, und zugleich mit ihnen ſelbſt da ſeyn. Ueber⸗
dem aber muß das wirkſame Bemühen der Serien
nach diefem Urbilbe gleich anfangs die Volllom—
menheit der: Fertigkeit au: fich haben, Wir Men⸗
(chen bringen feine wirklichen Ideen, und kein⸗
ober fehe wenige Fertigkeiten mit auf die Weit,
fondern erwerben fie uns durch Erfahrung ud
Uebung. Aber bie Seelen ber Thiere mmöffen
gleich anfangs in dem Zuftande gebilder feyin; in
welchen ımfere Seele erſt durch Erſeheung Ku
lange Hebung gefeget wird. ee
$ 9
Ich fage aber zweytens, baß bie bloße ma
che Empfindung, auch nebſt der Einbildungskraft
und dem Gedaͤchtniſſe, darum unzureichend ſey, die
thieriſchen Triebe zu erklaͤren, weil das, was ſie
zu verrichten und zu erlangen ſuchen, in ber jetzi⸗
gen und vorigen Erfahrung feinen Grumb hat.
Sch kann wohl begreifen, daß ein Thier, vermit⸗
telſt diefer fi nnlichen Kräfte, in feinem gegenwärti-
gen Zuftande, und in Zufammenhaltung des vers
Sangenen, feinen zufünftigen ähnlichen Zuſtand ſe⸗
hen, und zu beffen wirklicher Hervorbringung finne
lich gereiget werden kann: mie etwa ein Kind, dag
Zucker fieht, und fonft gekoſtet hat, in Erwar
gleicher Suͤßigkeit, nad) deffen Geſchmacke ſich fi
net. Aber bey ben Trieben verhält es fich
alfo. Sie bemühen fich, eine noch nie verfurhte
ober font gefehene Handlung, zur Erhaltung eines
zufünftigen Guten, davon fie weder gegenwärtige,
noch
er m. ze
* ke Sk a,
fangen
mit vielen andern Trieben:
‚enclegenen Küften und Strömen,
“ mit dem Begraben und
balbjäprigen Schlafe; mit dem
zur g der Eyer und Aus⸗
der I ift: alles ein willkuͤhrli·
üben ihrer Seele, nad) einer zukünftigen
, deren Vorftellung. fo. wenig, als. bie
übung, von ihrer jegigen oder vorigen
den Urfprung nimmt; gefcheige,
Dute, welches daraus entftehen wird, aus
ung wiſſen ſollten.
9 N
328 V Abh. Von beſond. Abfichten G
Eben daraus ethellet denn auch, Daß diı
das, mas fie thun, nicht aus Beyſpielen,“
mung ober Unterrichte anderer gelernet, .nic
Verſuche und Uebung allmählich zur Wolf:
heit gebracht haben. Denn welches Aufl
Werkes hat die junge Spinne zu ihrem €
welches der Seidenwurm zu feinem Eye jen
fich gehabe? Dennoch machen fie alles ve
eben alfo, wie ihre Borältern. Ein Dog
zwar in feinem Neſte jung und groß, aber
doc) der Verfertigung deffelben nicht benge
und befümmere fih auch um beffen Bau ı
lage nicht , fondern nur um fein Butter ı
Wärme von den Xeltern; bald, wenn er
und fich felber rathen fann, geht er davı
wird wohl gar von den Aeltern aus dem I
ſtoßen. Dennod) weis er hernach, wenn
auch paaret, ein ganz ähnliches Neſt ebeı
anzulegen, als wenn er deſſen Werfertigung
fehen und die Nachahmung lange verfuch
Welche Untermeifung, welche Schule,
Lehrart hätte den Thieren das einflößen
daß fie gleich Meiſterſtuͤcke machen, und n
brudeln, ober durch oͤftere Werfuche vellfoı
werden? Der Seidenwurm und viele
Thiere machen ihr Kunftftück nur ein einz
im ganzen teben; und dennoch ift es glei
einiges Borbild fo vollfommen, ale möglich.
‚aber einerley Arbeit oft wiederholen, als die
nen, machen ihr Gewerke deswegen zuerfi
fchlechter und langfamer , noch mit der Zeit
ger und beffer.
— zu eig ee
n 9, fann manden T BR
N, daraus ihre Künfte herleiten
en die Thiere das, was ihnen nuͤtzlich m,
jene natuͤrliche Fähigkeit der Seelen ers
12 müßten fie einen weit vwollfommenern
b , als wir Menfchen, Denn das
ſchliche Gefchlecht hat mit vereinten
3 * tauſend Fahre herdurch, an der
‚Künfte arbeiten müffen, ehe fie
jegigen Grade der Bollfommenpeit
| A; und wir Fönnen noch nicht fusen,
wes-
ervorgebracht re
Kar, und läuft tiber alle
aben.
finden, Denn b
der bie erſte — aller
Wirklichkeit if. Wenn
keine vorige Erfi gründen s fo iſt nid
5 —
Was zudem in der Erfindung ei
Grund Gar, das ———
—
&E
& & ;
4 3 IpgE
garslı
H
h Vernunft und ben Thieden
Erfindunge De sa akt fie
"bey einerley Künften bleiben, fondern in ipren
meinen Begriffen und Grmbfägen bie Möge
lee findet fi Bep feinem Ahiere: e6 er
\ 93 ne,
342 V Abh. Bon befond. Abſichten Go
net, verſuchet, und übet nichts neues und mei
als ihr Trieb mit fidy bringet.
Da nun die Fertigkeiten ber Thiere, mi
hen fie zu ihrem und ihres Geſchlechtes Be
Plug und kuͤnſtlich handeln, ihren Seelen |
fächlich zufommen, und doch weder durch fü
Erfahrung, Benfpiele, Unterricht und Lebu
worben, noch durch Ueberlegung, Bernun|
Wis erfunden find: fo folget nothwendig,
eine mefentliche eingepflanzte, angeborne |
ſchaft ihree Seelen find, nach welcher fie fo
als fie dag Leben haben, ohne eigenes Nach)
und Mühe, blindlings, und mit fehe under
Vorſtellung, gleichfam als ım Schlafe, um
lend, richtig und one Fehl verfahren.
Wir Menfchen häben fehr wenige, ja fa
Peine dergleichen £ünitliche angeborene Fertig
es möchte denn etwa das Saugen ber Kinder
gerechnet werden: allein, wir wiſſen Doch a
fern erworbenen ertigkeiten, daß fie nich
Alle Borftellung und Enrfihliefung der Seele
ben, aber daß diefelbe, je größer jebe (Fertig!
defto weniger Klarheit und Deutlichfeit bro
und dennoch, nach ſolchem ganz dunfeln und y
lihen Denfbilde und Bemühen, leicht ,
und richtig ausgeübt werden. Gelbft bas
wir langfam mit vieler Achtſamkeit, Weber.
und deutlicher Borftellung aller Theile der.
lung gelernet haben, als das Leſen, Singen,
fen auf bem Claviere u. ſ. w. verwandelt fi
zunehmender Fertigkeit ir Handlungen, Die «
felbft, ohne Mühe und Nachdenken, aus
demnach die thieriſchen Triebe, Zara
j ifte, nad) ben Regeln. der Körper
I Bi — ſo rd N Ballen
e fie einen. unendlichen and
Urfache ‚Haben muͤſſen. Denn wären de
bloße ober. auch harmoniſche Mafchinen:
5, Karten, ber Materialiften und Seibnigeng
en illen,.oder zu —* us
WET THUN GUTE UNE **
‚ die mit einem
gi men Einfluß verbunden |
wenn ihre Fertigkeiten und
u noch ohn⸗ gr
SIE
hi
2
Hr:
is:
ai
—— Natur — die
und ein Mittel
330 — eine dt
erdachte, erlernte ober geiibte
— Na ine
jul en, er
Es üt zugleich offenbar, daß Diefer
Berftand mic an, ie ty Güte —
ſechung jebe res
— verbunden —
a7
»?
E
HL
Heil
den Gebrauch ihrer Gliedma
nebſt des ganzen Leibes Bere
wiſſen, ihr Element nicht Fennen,
nicht unterfcheiden, noch zu ſuchen,
en, zu bereiten oder. —— en ind
ſie würden ihre
verandern, ihre —— ie J
nich fangen, ihren Feind nicht abhal«
f ; ‚fie würden entiveber die Zeugungs«
lung felbft zu verrichten ungefchickt ſeyn, oder
Brut feine bequeme Stelle oder Neſt aus ·
‚machen, noch diefelbe zu fäugen, zu füttern
erziehen fähig oder willig fenn, - Allein, Dies
mögen der Thiere hat bie gütige Worfes
Kite Schöpfers aufs weiſeſte abgeholfen , da
zu reden, ſelbſt für fie, nad) feiner vollfome
u Vernunft, gedacht ‚ geforget, und erfune
mas jeder Art müglich wäre zu thun, und
K umperbeffliche Kuͤnſte allen Thieren, ohne |
eigenes — und ohne Uebung, als eine
95 echlihe
346 V Abh. Bonbefond. Asfichten ones
erbliche Fertigkeit eingepflanzet hat; daß fie rum
mehr nach blinden Kräften dennoch fo kluͤglich ver⸗
fahren, als esihnen feine eingefchränfte Vermuſte·
kraft haͤtte angeben koͤnnen.
Es muß alſo einer entweder die Natur der
Thiere gar nicht fennen, oder allen Verſtand vers
foren haben , wenigſtens feinen Affect Rare das
Verſtandes bey ſich Herrchen laffen, werner ie
den Künften und $Sertigfeiten der mwernun
Thiere nicht einen höheren Werftand, eine
mb Weisheit wahrnähme, bie alles Vermtgen dee
Thiere, ja allen Wis und alle Wirfenfchaft der Wiens
fehen, weit übertreffen, und die dem unendfich wei
fen und "gütigen Urheber der Natur alleine zuge
ſchreiben find. |
6 12
Aber vielleicht weis Herr Buͤffon, weicher
Feine Theologie aus ber Naturgeſchichte geprebiget
haben will, eine Fürzere und befiere Erflärung bee
ehierifchen Naturtriebe. Denn er verhoͤhnet Die
Bewunderer ber göttlihen Weisheit und im
folhen Dingen, die man vielmehrdurdy Vernunft:
ſchluͤſſe ergründen follte}. Es ift billig, daß wir
hören, wie er uns dazu anmeilt.
Er will naͤmlich alle Triebe und Handlungen
der Thiere, beynehe auf carteſiſche Art, er
maͤ
+ Siebe oben P 315. fqq. die Anmerkung, und Den
Buͤffon felbft II Th. II DB. gleich In der erften Abs
baudlung ven der Natur der Thiere.
n — wollte. D 5
; Mechanifmum bald, und geht zu·
Carteſius ab, daß er die bloße,
— Begebenheiten nichts gu fehaffen
Dieſe Grundlage wird vielleicht manchem ſehs
„und dazu übel zufammenhängend
und wir —— reiche Gelegenheit, Ane
I merfungen darüber zu machen. Allein, wir wole
len uns daben nicht aufpalten, weil ein jeder vor⸗
aus ſehen kann, daß eine Erflärung der Triebe,
welche auf diefen Grund gebauet wird, weder *
34V
. ‚mechanifeh, noch recht ſeelenmaͤßig ſeyn
dern auf beyden Selten hinken muß.
wird man nur verlangen zu wiſſen, mi!
Verrichtungen ber
einmal und an einem Det jur Welt :
den, die fich genötßiger feben, bloß um
foregufegen , ſich auf irgend eine Att
Da fie nun alle mit gleicyen Kräften geg
der wirfen: ſo muͤſſen fie, wenn fe fi
—8
350 V Abh. Bon befond. Abſichten Gott
Spmmetrie und Bequemlichkeit zu machen.
meis von walzenfoͤrmigen Thierlein ein walzer
miges Werf, und von dem walzenfoͤrmigen Wi
durch Hinderung und Gegenhinderung, Sec
zu erzwingen. Ben ihm ift ein Veftreben, fid
erhalten, und eine Kunft, folches auf die bequei
Art zu thun, einerlen: alfo brauchet es bey fe:
Thierlein nichts weiter, als fold) Beftreben ı
ihrer Erhaltung, fo befchäfftigen fie fich ganz re
mäßig mit ihrer Wohnung , fie kommen wi
dahin, mo fie ausgeflogen find, und ein beyge
tes ercetera begreift mit Eurzem alles üb
in ſich.
Wenn man aber nicht wüßte, daß Hr. 23
Naturgeſchichte verſtuͤnde, und fie andern vorzu
gen unternommen bäfte: follte man wohl, r
feiner Voritellung, glauben, daß er jemals ei
Bienenſtock gefehen, ihre Arbeit und Haushalt
beobachtet, oder eine Beobachtung Davon bey
dern gelefen hätte? Welche unerhörte Dinge fte
in feinee Befchreibung! Es it erftlich falſch,
zehn tauſend Bienen auf einmal zur Welt gebra
und faft zu gleicher Zeit verwandele werden, (
wohl das Eyerlegen der Bienenmutter , als
Austichliefen und Verwandeln der Brut, geſch
nicht auf einmal, fondern nach und nad) das ge
Fruͤhjahr und den Sommer hindurch. Daher |
in einem Stocke zugleich Ener, Wuͤrmer, Püppe
und verwandelte Bienen ven verfchiedenem Alte
Es ift zwentens falfch, daß ſich Diefe zehn ı
fend Thierlein an einem Orte genoͤthiget fehen,
zur Fortſetzung ihres Lebens auf irgend eine Ar
ordı
352 V Abh. Bon bejond. Ablichten Gottes
geräumigen Behaufung; das ift ein flarfer unl
lächerlicher Irrthum, fich folche Vorftellung zuma
chen. Die Wachszellen werden zu nichts, alı
theils zu Vorrathsfammern des Honigs, theils zı
DBehältniffendes fegenannten Bienenbrodtes, theilt
und hauptfächlic) zu Meftern der Ener und junger
Brut angeleget, und alles fo enge ale möglich ein:
gefchränft; die alten Bienen felbjt halten fi) Hau
fenweife in den Swifchenräumen ben einander auf.
Es iſt vierfens falfch, daß eine jede Biene eine
eigene Zelle allein aufbaue, und daß daher alle mil
gleichen Kräften in ihrem Baue gegen einander
wirken, folglid) fih durch ihre Hinderung und
Segenbinderung einfchränfen., Die Werfbienen
baben feinen gewiſſen angemiefenen oder angemaß
ten Plas, Da eine jede ihren Bau allein aufführet;
fondern fie arbeiten Turch einander, als an einem
Gebaͤude, an deſſen Verrathe und an deffen junger
Brut fie alle gleichen Theil nchmen. Wenn alfo
eine Biene auf einer Etelle etwas Wachs anges
Elche, und nun davon geht, um mehreren Vor
rach zu holen: fo koͤmmt gleich eine andere mit ee
was MWachfe, und führet eben dieſelbe Wand etwas
höher auf, und fo die dritte, vierte und fünfte,
Eben fo verhält es fich mit der Eintragung des
Honigs und Birnenbrodtes: viele ſchuͤtten ihren ges
fümmleten Vorrath nad) einander in eine Zefe, um
fie voll zu machen; fo wie auch Die gefammleten
Güter hernach in dem Gebrauche gemein find, und
Feine eine eigenthümliche Speiſekammer befigt.
Die Verpflegung der jungen Würmer mit bienlie
sher Speife gefchiebt auf gleiche Arc durch —
emu⸗
i ledigen S
id vor ſich ſindet, worauf fie zugleich bep
8 einans
urnd wie tonnte denn va eine
genhinderung Statt haben,
zen jeder Zellen in den.
einrücten, als fie wollten
een, welche ſenkrecht
ter geführer ‚werden foll , oben -anzuficben,
ehren
e Zellen, ntaler Lage aufein
1 jede Zelle der einen Schicht, gemel⸗
h mit ihrer Spige, die aus drey tautenförs
M ar ———— Vlättern —*
⸗
mie den 3 fo dange jı
liche — — See
* in — bole Spige zufaı
eis meiteren
ſechsecki
rung des Honigs und Dee
ei Ehe neben der
ume zum Durchgange,
Be Gleichwie aber diefe -
‚wenn fie volle: Worrath find, alfo«
Deckel von Wachfe gefchloffen wer«
en hingegen jene Zellen, worin Eyer
t allein offen, ſondern es wird auch denen
qg in‘ "Steinen von den meinen fo
g, als auchen, hineingeſchuͤttet;
eſteht dieſe ae aus dent Honige,
die Alten eſſen, ſondern, ſo —— er
5 Mildifpeife, das u ai “eiem din
3
D
358 Vabh · Won Befonb. Abſchten Gottes
Safte, welchen man Speichelhonignennet:
denn der Wurm zu feiner Vermandelung
worben ift, und fiheinfpinnen will; dann- Formen
die Werkbienen olfobald, und verwahren:
feiner Zelle. fürs Betreten mit einem 0
Dedel von Waghfe. Hatdenn endlich die Veran
delte Biene dem Deckel burchgebrochen:
Werkbienen wieber da, und tragen die
den: weg, reinigen die Zelle, und fchüieten m
um feinen Plaß ledig zu laſſen, Honig w
Zelle hinein.
- Diefes iſt die wahre Beſchaffenhelt d
baues der Bienen, nach den fleißigſten
ſten Beobachtungen der geſchickten Natur
Swammerdamm und Reaumörz, daraus
man ſieht, daß Hrn. Büffons Vorſtellung von
biefer Sache in allen Stücen falfch fen, und der
Erfahrung miderftreite; daß er folglich biefen
Theil der Naturgefchichte willkuͤhrlich nach feinee
Hypotheſe erdichtet und verſtellet habe, indem diefe
ſich mit feinem Umftande ber wahren Erfahrung
reimen läßt. Diefes kann ihm geroiß wenig Ehre
bringen; zumal, da auch feine Hypotheſe ſelbſt,
ben allen Erdichtungen vondiefer Handlung, ſo viel
als nichts ſaget. Wie vielmeniger würde er bey
den übrigen Handlungen der Bienen und andere!
Thiere mit feinem bloßen Mechanifmo auslangen,
wenn wir gleich ihm zu gefallen die Empfindung, |
Erfahrung und Nachahmung mit dazu rechnen
wollten. Es ift offenbar falfch, daß die Maturs
triebe bey ben Tieren auf biefe Weiſe entſtehen,
weil die Kunſt und Bertigfeit ihren Seelen, ofme
und -
1,.ob fi ih aus Morh zu eine
en, geoife Anordnungen einer gee
if machen, fich auf. die bes
’
ber ei Non Sal, ee fen fi
hen Fertigkeiten der Thiere aus. dem
ehanifmo ihres: Körpers erflären:
360 V Abh. Bon befond. Abſichten Gottes
finnlichen Werfjeuge und bes inneren Gehirnes Au
fo vielen taufend Thieren und Thierarten, auf das
Wohl und die Erhaltung jedes hieres und jeder
Art angewandt ſey, und fo unzaͤhlbare kuͤnſtliche
Handlungen und Kunſtwerke hervorbringe , ae
Menfchen Wis, mit aller Geometrie,
Mechanik und übrigen Philoſophie, weber anzuge
ben noch zu erflären weis. Wäre denn. barım
der gBerfmeifter ſolcher Mafchinen weniger in Be
trachtung zu jlehen, weil er den mannichfaltigte
Mugen ber Sehenbigen , durch bloße *2
Mittel und durch einfache Geſetze der Bewegung,
ausrichtete? Hr. Buͤffon ſieht ja, nach feinem
Geſtaͤndniſſe, den Schoͤpfer groß, weil er das Da
fern der Dinge ordnet, und die Natur auf unven
änberliche und beftändige Gefege gründet: wir fü
hen ihn aber hier noch größer, meil er nicht allen
der leblofen Dinge, fondern auch fo vieler, Mille
nen $ebendigen Daſeyn ordnet, und weil er mit ein
fachen Gefegen fo mannichfaltige Vortheile, fl
und Gluͤckſeligkeit feiner Gefchöpfe bewirket. SR
nun Hrn. Buͤffons Geſtaͤndniß, mie ich nick
zweifeln will, aufrichtig: fo muß ee auch Gert
niche mit dem Epikurus in bie Intermundid unl
entferneten Himmelsfphären vermeifen, fondern übe
audy da zu fehen fuchen, wo er fich in der Naͤh
am Flärften und deutüchften zeige.
$ 13
Mohlan, wir wollen bie verfchiebenen Teieb
der Thiere in folcher Abficht betrachten. Und d
ſcheint zuerft ihre "Bewegung merkwuͤrdig zu fegn
Den
in dem Thierreiche, 361
yenn unfere eigere Erfahrung lehret ung, daß dazu
as mehres gehöre, als gefunde gelenfige Glied⸗
tagen und Kräfte zu haben. Wir Menfchen
men erft Durch viele Verjuche und vieles Fallen
as Gleichgewicht halten, Höhen und Tiefen, Sand
nd Waſſer unterfcheiden,, fertig geben, laufen,
ringen, fißen, aufftehen ; da doc) Diefe Bewegun⸗
em, nach Beichaffenheit unfers Körpers, viel ein
ltiger und leichter find, als bey den Thieren, Die
3ögel haben audy zwar nur zween Süße, aber der
eib ruhet nicht fenfrecht auf Diefelben , fondern
ängt vorne und hinten über. ‘Dennoch fteht
nd läuft ein Küchlein, fo bald es aus dem Eye
ommt, ohne Bängeln, fertig weg; und die jungen
nten, welche von einer Henne ausgebrütet wor⸗
en, Fennen ihr Element, und rudern ſich ohne
Borgänger und Anmeifung auf dem Waffer herum.
Benn ja ihre Federn nicht oͤlicht genug find, das
Bafter abzuwehren, fo miffen fie Rath dazu, indem
iemit dem Schnabel, aus einer Drüfe im Schwan⸗
e, eine fette Feuchtigkeit prefien, und ihre Federn
lsdenn durch den Schnabel zichen, fie Damit zu
hmieren ”. Andere Voͤgel wiſſen fo gleich aus
inem hoben Mefte fid) in die Luft zu ſchwingen,
ind da ohne Schwindel im Gleichgemichte zu hal⸗
en, mit gleichem Schlage der Flügel fortzufchichen,
nit ausgeſtreckten Süßen und Schwanze zu rudern,
35 zu
Speätacle de la Nature T. Ip. 281. ex Willough-
yi Ornitholo) :aL.I. Siehe auch Swammerdam
Tom. I. p. 351. edit. l.atin:e, Derham Pliyſicotheol.
VII Buch 1 Cap. p. 854.
362 V A6h. Bonbefond. Abfichten Gottes
zu wenben, ja eine weite Reife in entfernte Gegen
den, da Nahrung für fie wählt, ohne Compaß,
zu vollführen:
Wenn wir Menfchen mehr äls zween Füße
hätten, fin würden wir nur irre werben, und nice
wiffen , weichen Fuß wir zuerft, melden wir her,
nach heben ſollten. Ein Fülen aber ſteht ide
allein, "fo bald es geworfen iſt, fonbern feget au
von felbft die Füße kreuzweiſe zum Schritte oder-
Trabe zu, daß die Directionslinie bes Körpers di
femal auf fichere Stügen fällt, und wirft fi) ws
lic) in einen Galop ober Sprung, da beybe Hinter
fuͤße, und darnach beyde Vorderfuͤße zugleich anf
tzen. Alle vierſuͤßige Thiere aber ae von: Ra
fur, auch im Waffer zu ſchwimmen, und fih zu
bewegen. Der Froſch muß ſich mit bloßem Di
pfen behelfen: er fann auch damit zurechte fon
men; fein Leib ift darnach in den Hinterfeulen ein
gerichtet. Manche Sröfche Fönnen fo ſchnell und
weit Damit fpringen, Daß fie die Wögel im Si
ober Fluge erhafchen . Bon dem Baum
üt es was befonders, daß er allemal, wohin e
auch ſpringt, wenn es auch ein glatter aufrechter
Spiegel waͤre, behangen bleibt, und nimmer her⸗
unter faͤllt. Klauen thun es bey ihm nicht, ſon⸗
dern er hat in den Ballen ſeiner Fuͤße gleichſam
einen oͤlichten Schwamm. Aber auch das Oel
wuͤrde die Körper nur deſto fihlüpfriger machen,
wenn er nicht von Natur die Fertigkeit haͤtte, fo
gleich die Mitte feines Balles in bie Höhe zu Han
8 Klein Quadrupedum Hißoria nat; p. 123.
in dem Thierreiche. 363
iß ein lediger Raum entſteht; da denn der Fuß
wc) die aͤuſſere Luft, ſo wie ein naſſes Leder, an
nem Steine, wenn die Mitte des Leders durch ei⸗
m Strick angezogen iſt, angehalten wird. Auf
eiche Art hält der Dincenfifch, Calmar, mit mehr
s taufend Saugwarzen feine Beute feft, oder bes
ſtiget fich felbft an einem Felſen °.
ige vierfüßige Thiere, als Affen, klettern
ıd fpringen nicht allein, ſondern miffen ſich aud)
wch einen Schwung von einem Baume, durch
e Luft, auf einen andern zienlid) entfernten zu
erfen. Die Engländer haben einen Affen, den
an den Waldmenfchen heiße, von der Guinei⸗
ven Küfte zu Schiffe mitgebracht. Wie er bie
otsleute an ben Tauen und Maſten Elettern gefce
n, hat er, gleihfam um zu zeigen, daß er Die
unft beſſer verftunde , nicht atlein die einzelnen
eile beffettere, fondern fich auch durch fein
hingen von einem Seile zum andern , von eis
m Mafte zum andern, auf dreyßig, bis funfjig
Breit, zur Luſt gefchleudert, und Darınn nimmer
fehlet °°. Es find andere vierfüßige Thiere, als
egende Hunde, Kagen, Eichhörner, Eideren,
täufe, denen zu foldien Sprüngen von einem
aume zum andern, ein Sell von den Vorderſuß
en
Siehe von dem Baumfroſche den Catesby T. II
.71. So erfläret auch Swammerdam in Bibliis
— TILp. 62. das feſte Anſaugen des Jgels
an ein Glas, und Needham das Anſaugen des
Calmar, in den Obfe: vations Microſcopiques p. 26. ſq.
Deſcription of CCC Animals P. III p. 13.
yırsuyuon gysuyrey swne vu awuppee ge
men: indem es fich ben flillem “Wetter ein €
chen Holz zum Schiffe wählet, ſich Darauf feger
jelbiges mit Dem ‘Drehen des Schwanzes nc
nem gefälligen Orte fteuret und rubert "*.
weis fich feiner Oliedmaßen und Werfzeuge,
feiner Art, zum Vortheile zu bedienen.
Was mollen wir aber von den Gemfa
Steinboͤcken fagen? denen Feine Felsfpige 3
oder zu fchroff iſt, Die fie nichr befteigen, un
melcher fie nicht Die vermeg.nften Sprünge at
dere in den Abgrund hangende Spigen thun.
bar ihnen das Augenmaaß von ber Weite ge
daß fie nicht zu kurz oder zu weit fpringen ?
bar fie gelehret, einen tiefen Sprung in gewi
fäge zu theilen, und ihre Hörner mit zum Ab
zu gebrauchen ? Wer kat fie unterrichtet, t
fih, mit einer unnatürlich feheinenden Wei
ruͤcklings überwerfen, und das Gleichgewic
geibeg, mitten in jolchen verfehrten Spruͤng
yryson .uiygun wen wuyoruje nu Yaryıny aan
aus, daß ſie los laffen '*. Es kann auch fer
die Raupe, nebſt dieſem Hülfsmittel fich aı
ten, bie mittlere Soble aufiwärts zieht, d
ein Icdiger Raum entſteht und der Suß ar
platten Boben durch die äuffere Luft mit ang
wird; wie id) oben von den $aubfröfchen err
babe. Wenigitens figeint der Bau der Fı
diefe Bewvegungsart zu bejtätigen.
Ich weis nicht, ob die rothe und fleijchfai
Holzraupe dergleichen Füße nicht haben ma
zu folhem Anhalten fo gefickt find; weni
gebrauchet fie fich einer andern Erfindung,
fie nicht allein die Bäume, fondern auch ein
hinanfteigen kann. Cie bäfret nämlid) mit
Kopfe einen Juden, im Sickſak an den 2
oder an das Olas, von einer Seite zur and
die Höhe; und machet ſich dadurch eine Strid
wovon fie die Sprojlen mit ihren Füßen nac
ander beſteigt. Weil folglich der Kopf i
in dem Thierreiche, 367
efes darum weniger Verfiand , Abficht oder
unft, weil esein Fleives Tierchen thut, als wenn
; Menfchen zu ihrem Gebrauche thaͤten? oder iſt
e barinn bewieſene Weisheit nicht vielmehr dadurch
nbegreiflich groß, daß die fertige Ausübung ſolcher
dunſt einer unerfahrnen unvernünftigen Seele hat
nitgetheilet werden koͤnnen?
Es giebe noch viele andere ganz ſonderbare
Bewegungen in Diefer Art Inſecten, als der Span⸗
enraupen, welche auf eben die Art weiter kommen,
18 wenn ein Menſch mit feinen äufferften Fingern
Pannenmeife etwas mißt“. Sehr viele Raupen
aben die Art an ſich, wenn fie in der Höhe ſind,
md ciner Gefahr entweichen wollen, dar fie ent»
veder jäbling an ihrem Haden, als an einem Seile,
yerunter fabren, oder ſich zuſammen rollen, und
yerunter fallen, daß man nicht weis, mo fie geblie—
yen find; da dern der Ball denen Garichen oder
Borjtenraupen nicht ſchaden kann. Der Herr
Koͤſel har auch eine Raupe bemerfer, die ſich, recht
mit Bedacht, wenn fie das Ende einer Kühe erreis
het, erſt zurück ziezt, und alsdann mit einem
Schuſſe herunter ferinar, dabey aber allemal auf
ihren Süßen zu ffehen kͤmmt'?. Sauter aufierors
deutliche Bewegungen, worinn fte Durch Die Natur,
zu ihrer Erhaltung, unerrichtet find! Wer fat
aber viele langſam kriech nden Thierchen unterwie—⸗
fen, das ſie. nach ihrer Verwandlung in Papiliens
oder EScnimervigel, fo bald nur ihre Flugel aus:
gebreitet
16 Roͤſel Nachtvi gel, INI,Claſſeen. 183.
7 Roſel Nasbrvögel, 1) Claſſenn. XV 63.
. oT ee een a = © .
»*.
FE
. li, 5 6 gta — ya DW un .-
U}
.. . Pal .
Daß Thiere ſich zu bewegen wiffen, t
Feine Süße, Fluͤgel oder Fittige haben, wit
ein Raͤthſel feyn, wenn wir es nicht in d
fahrung von den Schlangen müßten, mie fü
laͤnglichten Koͤrper, durch bloßesZufammenzief
Ausdehnen, durch Kruͤmmen und Wend
Glieder, fortſchieben. Das iſt uns doch
dieſen Laͤndern was fremdes, daß ſolche Thi
auch auf die Baͤume hinauf winden Fünne
ſie ſich zuſammenrollen, aufrichten, ja mit
Schuſſe oder Sprunge ſchnell auf ihre Beute
ren, und wohl gar Voͤgel oder Fiſche erbafd
Da erfeget eine Bewegungsfunft den Mang
Werkzeuge. Andere ohnfüßige Thierlein fi
borne Springer. Sch habe in gewiſſen übe
Kirfchen kleine Maden gefunden, und in den
den gehabt, die den Kopf und Hintertbeil,
der ftchend oder liegend, an einander boger
anftemmeten, fodann mit einer großen Schne
370 V Abh. Bonbefond, Abſichten
feiner. Fittigen, und feines Schwanzes fe
ſtoͤßt, wadelt, fteuret, und babey ein |
wicht hält, ohne auf die Eeite zu. fehl
fönnen wir ziemlichermaßen aus unfern
fahrten begreifen: und biefe find vielleit
bloße Nachahmung ber Fiſche erfunden,
hätten wenigftens darnach erfunden werben
gleichwie auch derjenige Bau von Schi
ſchnellſte Fahrt giebt, deſſen Umkreis dem
eines fchnellen Fiſches am nächften koͤmnmi
es ift nicht fo leicht, zu erklaͤren, wie es doch
mache, daß er im Waſſer, fo oft er wi
Höhe oder in die Tiefe fahren kann, da er
mal fo fchwer ift, wiedas andere mal. Es
die Grätenfifche haben eine Luftblaſe im Le
zwar bald aus einer einfachen, bald gel
Hoͤhlung, bald länglicher und duͤnner, be
und ftumpfer, bald in dem untern bald in-
ren Theile ihres Bauches; und zu diefer X
von ihrem Magen ein Dudtus pneumäticus
aus ſuchet man denn nad) den hydroſtatiſ
geln dag Steigen und Sinfen folcher Fiſch
lid) zu machen. Mämlih, wenn andı
Fiſche, es fey in der Blaſe felbft, ober
Bauchmuskeln eine Kraft haben, fich zufaı
ziehen, wie vermuthlich iſt, fo wird der
ihres Seibes kleiner. Da er nun alsder
Fleineren Raum einnimmt: fo übermwieg
mit der unveränderten Schwere feines
die Menge des Waflers, welches dem Umf
nes Leibes gleich koͤmmt, und finfe n
Grunde, Wenn er aber in die Höhe will
me, Nämlich, m
fa dm ont Am *
Aa örpet,
j el BL FIME wi
ten, an venen giſchen, vie an
— Sufeyu fhöpfem.
aus koͤnnen wir auch begreifen, auf mas
da die Höhe gefommen find, und
TUneugın,
Er
Bes ä T : : at &
BR ll
Bayer. just Fr
*
366 V Abh. Von beſond . Abſchten Ge
einwaͤrts gebogenen Haͤckchen beſetzet ift, 'uı
ſammen gezogen werden kann. Wenn n
Raupe ein Gewebe, ein: Blatt, einen Aft &
fo feßet fie mit jedem Schritte und Anfegen ei
ben Fußes pie Sohle platt an, und zieht |
denn mit allen Hafen. einwärts, daß fich die
chen anhalten und eingreifen; dehnet aber aı
jebem Abfegen Die Sohle nebft den Haden ı
aus, daß fielos laſſen *. Es kann auch feyi
die Raupe, nebft biefem Hülfsmittel fich an
ten, bie mittlere Sohle aufwärts ziehe, de
ein lediger Raum entſteht und ber Fuß an
platten Boben burch dieäuffere Luft mit ange
wird; wie id) oben von den $aubfröfchen em
habe. Wenigftens fcheint der Bau der Fu
diefe Bewegungsart zu beftätigen,
Ich weis nicht, ob. die rothe und fleifchfar
Holzraupe dergleichen Füße nicht haben ma«
zu folhem Anhalten fo geſchickt find; menis
gebrauchet fie fi einer andern Erfindung, r
fie nicht allein die Bäume, fondern auch ein
hinanfteigen kann. Sie haͤftet nämlich mit i
Kopfe einen Faden, im Sicfaf an ben B
oder an das Olas, von einer Seite zur ande
die Höhe; und machet ſich dadurch eine Strick!
wovon fie die Sproffen mit ihren Füßen nach
ander beſteigt. Weil folglich der Kopf ir
voraus arbeitet, fo finden die Füße allenth
einen Strick, woran fie ſich halten Finnen **,
|
14 Röfel Nachtvoͤgel, I Claffe n. V. F 5. p. 37. |
25 rRoͤſel Nachtvögel, II Kfaife n. Kun $; 7
in dem Thierreiche, 367
darum weniger Verſtand, Abſicht oder
t, weil es ein kleines Thierchen thut, als wenn
senfchen zu ihrem Gebrauche thaͤten? oder iſt
zeinn bewiefene Weisheit nicht vielmehr Dadurd)
zreiflich groß, daß die fertige Ausübung folcher
T einer unerfahrnen unvernünftigen Seele hat
erheilet werden Fünnen ?
Es giebt noch viele andere ganz fonderbare
jegungen in Diefer Art Tinfecten, als der Span—⸗
aupen, welche auf eben die Art weiter kommen,
ven ein Menfd) mit feinen äufferften Fingern
nenmeife etwas mißt“. Sehr viele Raupen
n die Art an ſich, wenn fie in der Höhe ſind,
einer Gefahr entweichen wollen, daß fie ent»
'r jähling an ihrem Faden, als an einem Seile,
neer fahren, oder fie) zuſammen vollen, und
nter fallen, daß man nicht weis, mo fie geblics
find; da denn der Fall denen harichten oder
ftenraupen nicht fchaden kann. Der Herr
jel har auch eine Raupe bemerket, die fich, recht
Bedacht, wenn fie das Ende einer Hoͤhe errei—
, erſt zurück ziehe, und alsdann mif einen
yuffe herunter ſpringt, dabey aber allemal auf
n Fuͤßen zu ſtehen femme”. Sauter aufierors
tliche Bewegungen, worinn fie durch Die Natur,
ihrer Erhaltung, unserriäptet find! Wer hat
r diefe langſam kriechenden Thierchen unterwie—
daß fie. nach ihrer Verwandlung in Papilions
e Sommervoͤgel, fo bald nur ihre Fluͤgel aus»
gebreitee
Röfel Dachtvigel, NI Elaſſen. 183.
Xoſel Nachtvoͤgel, 11 Claſſeenn. XVL 6 3.
—
e .
368 V Abh. Von beſond. Abſichten Gottes
gebreitet und trocken geworden ſind, alſofort in die
Luft ſetzen, und fo hurtig herum fliegen, als ob ſie
ſich fchon lange darinn geübt hätten? Ya, wer gas
die Wafferinfecten gelebret, Daß fie, noch vor ihrer
Verwandlung, an einem Halme aus dem Waffer
fleigen, und, nach abgeivorfener Puppenhaut, dis
tüfte noch viel ſchneller, als vorhin Das Waſſer,
theilen ? \ oe
Daß Thiere fich zu bewegen wiſſen, bie ges
feine Füße, Fluͤgel ober Fittige haben, würde ımg
ein Rärhfel fen, wenn wir es nicht in ber Er
fahrung von den Schlangen müßten, wie fie ihren
laͤnglichten Koͤrper, durch bloßesZufammenziehen ung
Ausdehnen, durch Kruͤmmen und Wenden der
Glieder, fortſchieben. Das iſt ung doch aber in
dieſen Laͤndern was fremdes, daß ſolche Thiere ſich
auch auf die Baͤume hinauf winden koͤnnen, daß
ſie ſich zuſammenrollen, aufrichten, ja mit einem
Schuſſe oder Sprunge ſchnell auf ihre Beute sufaß-
ren, und wohl gar Wögel oder Fifche erhafchen "*,
Da erfeget eine Bewegungskunſt den Mangel aller
Werkzeuge. Andere opnfüßige Thierlein find ge
borne Springer. Ich habe in gewiſſen überreifen
Kirfchen kleine Maden gefunden, und in den Hin
den gehabt, bie den Kopf und Hintertheil, entwe
der ftchend oder liegend, an einander bogen, und
anftemmeten, fodann mit einer großen Schneflfraft :
abfuh⸗
eg Heury Jones Abridgment of the Philofophical
Transadion Vol. V. P. Il. p. 170. fq. Alb. Seba
T. II. tab. XXXVU. 1. 2. 3, ÄL. 2. Catesby
T. 1. p. 43-
rer
—
\
: dem Thierreihe. 369
1, daß ich bey gefchloffener Hand bie
Ihres Gtoßes, wo fie. anprelleten, ‚merklich
Wenn ich. aber die Hand öffnete, fo
ı.fie mir fo weit weg, daß ich fie kaum
mden konnte. Roch eine andere Art der
ng fehen wir an den Schnecken, Erdwuͤr⸗
mb dergleichen, welche theils ihre Bahn,
nen ausgelaffenen Saft, felbft fchlüpfrig
und Darauf mit Zufammenziehen und Aus⸗
? Fleinften Theile fortrutſchen, theils in
auf gleiche Weife graben und wuͤh⸗
‚ auch halb berausminben, und das faub
rung bineinholen. Die Mannichfaltigkeie
Bewegungsktunft in den Thieren ift fo
> unerfchöpflich, daß ich mich mit wenigen
en begnügen und zu einer ganz anderen
eilen muß.
| $ 15. |
bem Waſſer giebt es Thiere, die nicht als
em Elemente orbentlid, ſchwimmen, fon«
h wechſelsweiſe, fo oft fie wollen, aufs
ven ; einige, die bald im Waſſer ſchwim⸗
tb in der Luft fliegen, wie man von dem
n Fiſche weis, oder Die wohl gar in allen
Elementen fich zu bewegen wiſſen, wie ber
rboreus volans amphibius beym Seba; "?
von manchen Inſecten nichts zu erwähnen.
bit das Schwimmen gefdieht nicht auf
Art. Daß ein Fiſch ſich durch Bewegung
feiner
wT.Isah,C.n I. -
Aa
370 V Abh. Von beſond. Abfichten Got
feiner Fittigen, und feines Schwanzes fortr:
ftöße, wadelt, fteuret, und babey ein Gle
wicht hält, ohne auf die Eeite zu. fallen ,
Pönnen wir ziemlichermaßen aus unfern SH
fahrten begreifen: unb biefe find vielleiche
bloße Nachahmung der Fiſche erfunden, eb
hätten wenigftens darnach erfunben werben fü
gleichwie auch derjenige Bau von Schiffe
fchnellfte Fahrt giebt, beffen: Umfreis dem Un
eines fchnellen Fifches am nächften koͤmmt.
es ift nicht fo leicht, zuerflären, wie es doch ein
mache, daß er im Wafler, fo oft er will,
Höhe oder in bie Tiefe fahren kann, da er dad
mal fo ſchwer ift, wiedas andere mal. Es if ı
die Grätenfifche haben eine $uftblafe im Leih⸗
zwar bald aus einer einfachen., gebapı
Hoͤhlung, bald länglicher und bünner, bafkı
und ftumpfer, bald in dem untern bald in da
ren Theile ihres Bauches; und zu dieſer Blaſ
von ihrem Magen ein Dudtus pneumaticns; -
aus ſuchet man denn nad) den hydroſtatiſcher
geln das Steigen und Sinfen folcher. Fiſche be
lich zu machen. Naͤmlich, wenn anders
Fiſche, es fey in der Blaſe felbft, oder ir
Bauchmuskeln eine Kraft haben, fich zufamm
ziehen, wie vermuthlich iſt, fo wird der Un
ihres $eibes Pleiner. Da er nun alsdenn
Pleineren Raum einnimmt; fo überwiegt ei
mit der unveränderten Schwere feines KL
die Menge des Waflers, welches dem Umfang
nes Leibes gleich koͤmmt, und finfe m
Grunde, Wenn er aber in die Höhe will:
372 V Abh.-Bonbefond: Abſichten Gotte
Koͤrper, durch Bewegung der vorderſten Fittig
eine ſolche Richtung geben kann, welche feinen Kı
erhebt: ſo wird er ſich, buch das Wackeln fein
Schwanzes, in derfelben Richtung "forefchiet
und alfo in die Höhe fommen. Wir-fehen fol
aufwärts geftellte Richtung, unb Bas ſtete Ark
fen der vordern Fittige, um fich in ber. Richtung:
erhalten, an denen Fifchen, die an die Oberflaͤche
Waſſers gefommen find, um $uft zu ſchoͤpfen. D
aus fönnen wir auch begreifen, auf was ®
in die Höhe gefommen find, und begreifen, md
die vorbern Fittige nicht arbeiten, daß der fihe
vere Theil Des Kopfes von felbft nieder inf‘; ie
dem Fifche eine gegenfeitige Richtung nach Bi
Grunde des Waffers geben müffe, darinn er du
Wackeln und Steuren feines Schwarzes nach @
fallen in die Tiefe ſchießt. Stecket denn nicht
beyderley Mitteln diefer willkuͤhrlichen Bewegu
die genaufte Kenntniß und Anwendung der had
ftatifchen und mechanifchen Regel, und der Schaue
kraft der Luft? In melden Anfangsgründen d
Mathematik und Naturlehre haben aber die Fiſt
ſtudiret? *
Andere Schneckenarten koͤnnen entweder ihm
Leib zuſammen ziehen, und Waſſer durch eine Hef
nung in ihre Schale einlaſſen; daher fie den
ſchwerer werden und unterfinfen. Wenn fie Berg
gen ihren Körper wieder ausdehnen und dur
Heraustreibung bes Waflers ihr ganzes Gehäu
füllen, fo werden fie leichter und kommen ind
Höhe. Ober fie verrichten eben daffelbe, indem |
die in ihrem Gehaͤuſe verfchloffene Luſt durch Ih
* Ausde
—
gepflanzet, welche fie nicht erft lernen, a
dürfen, — ſogleich mit *F *
gen, und folglich einer höheren Ver *
beit ihres Schoͤpfers zu danken haben,
nifche Bau des Körpers giebt nur
daß der Körper fo bewegt werden kann ;
eine Marionette wegen ihrer Gelenfe men
‚Bewegung leider, oder wie ein Schiff, Da
Rudern, Steuer und Segel verſehen iſt, n
nem beliebigen Orte gebracht werden kann.
- -
· ——
Gras, "Heu, Stroh, Wermuth, Gift, Kr
$eder, Horn, Haare, Federn, Holz, Muſch
len und Steine, wohl ſchmecken. Wie muf
eine jebe der Zungen innerlich befchaffen feyn'
wie jebes Mafe, wenn ihr eine gewiffe Speifi
riechen, wie die Zähne oder Schnabel, we
dergleichen zermalmen , wie ber Magen ut
Säfte, wenn fie diefelbe zur Gefundheit ver
follen? Wie muß das Werfzeug des Geficht
Adlern, Eulen, Nachtigallen, beym Söwen, €
und Maulmurfe, beym Wallroffe, Störeund K
ben der Schlangen, den Spinnen, Mücken beft
ſeyn, daß es fich zu jedes Nahrung und &ı
art ſchicke? Millionen Aufgaben! die meber«a
ohne den größten Verftand, als möglich) zu ı
fen, noch ohne die gütigfte Abficht als wirkl
feßen, noch) ohne unendlidye Weisheit dur
kuͤrzeſten Mittel aufzulöfen und zur Weberei
mung zu bringen waren.
—A mann ana eyv> uf. —2 um ırı et... Alla a2,
in dem Thierreiche, 377
nöthigen Werfzeuge, und Sinne, vorausſe⸗
fo ift zwar wohl zu begreifen, daß ein jedes
fein Sutter, das fich in der Nähe befinden,
re Senne, und zu fich nehme; inden Augen
Naſe dem Munde gleichfam winfen, daß er
Ragens Berlangen an der vorgefegten Speife
üllen fuche. Allein, es ift damit noch nicht
al ausgemacht, fondern, weil ihnen die Speife
zu aller Jahreszeit und an jedem Orte des
odens vor dein Munde jtcht; oder wenn fie
vorhanden ift, nicht ohne liftige Erfindung
en und bezwungen werden Fann: fo mußten
ch eine Faͤhigkeit und Kertigfeit haben, ihre
kungen darnach einzurichten.
$ 17.
Bas nun bie Umftände von Zeit und Ort bes
‚ fo finde ich überhaupt vier bis fünf merk⸗
ige und Fluge Arten, wie die Thiere nach Dies
‚mftänden ihre und ihres Geſchlechtes Nahrung
jalten wiſſen.
Erſtlich find einige, die für ſich zwar feine wei⸗
Nahrung brauchen, weil ihre $ebengzeit mit
Sommer anfängt und aufhöret; deren Nach⸗
ven aber nicht beftehen Fönnten , wenn ihre
ter nicht dafür geſorget hatten, daß die junge
t, an dem Orte, wo fie ihr $eben anfängt,
Speife zur rechten Zeit bereit finde. Das
bey vielen Inſecten ein, die fich noch vor dem
ufe des ‘Jahres verwandeln, paaren, Eyer
, und oft bey dem Beſchluſſe dieſer letzten
Yung , gleich als wenn fie nun alles in ber
Yas Wele
378 VAbh. Bonbefond. Abfichten Got
Melt verrichtee hätten , wozu fie beſtimmt m
ganz entfräftee einfchlafen. Aber ehe fie au
Welt fdheiden, legen fie ikre Ener nicht hin
fie zufommen, um ihrer nur los zu werden;
dern, wenn fie felbft aus dem Waſſer entfpr
find, ins Waſſer; oder, wenn fie vom $ande
gefommen, an eine gewiffe Pflanze; und zwar
an die nahe, wovon fie jegt als Papilions |
Nahrumgsſaft aefogen, fondern an eben die Pfl
welche fie längft verlaffen haben, und von me
die kuͤnftige Raupenbrurieben fol; und da auı
Herbfte nicht an die Blätter ſelbſt, welche ihr
gentliche Speife feyn werden, aber bald a
müffen, fondern an einen Zweig, ober an
Stamm; und auch diefes noch ferner mit
Unterfdyiede, daß die Papilionmutter einer ge
gen Naupenart ihre Ener benfammen an |
Pflanze in gewiſſer Ordnung Flebee, bingeger
von einfamen Raupen ihre Eyer auf verfchie
Pflanzen einer Art vertheilet. Da nun bie |
jeglicher Artı nicht eher ausfchliefen, bis dieji
Pflanze Blätter gewonnen, wovon die Brut I
foll: fo ftehe ſolchen Thierchen, mit dem Anf
ihres Lebens, auch ihr Futter ſchon bereit.
Mit denen übrigen infecten, deren M
fih vom Mifte, Kothe, Holze, Wolle, Aafe
bendigen, oder was es fonft ift, naͤhren muͤ
verhält es fich eben fo: jedes ſchmeißt feinen
men nirgend anders bin, als an und neben
Dinge, movon die Brut fich Fünftig nähren ı
Und manche haben zu dem Werfe, ibre Eyı
ben rechten Ort zu bringen, noch befondere V
380 V A6h. Bon beſond. Abfichten Ge
Winter übereilete, daß fie mitten in ihrem %
hen nach ber Nahrung, von Mangel und
entfräftee und erftarret,, liegen bHeben: fo ı
man fagen, baß bierinn nichts, alsdie Dauer!
Beit ihres Körpers zu bemundern fen. Allei
fie fid) ben guter Zeit zu ihrem Schlafe, vor
und zum Theil Fünftlich, -anfchicken, fo muß
Der noch eine größere Weisheit Darinn erfi
Unter den Raupen find zwar viele, welche,
fie vor Winter nicht zu ihrer völligen Größe «
men find, nichts weiter £hun, als daß fie fich
die rauhe Witterung irgendwo verkriechen ,
nachdem fie den Winter unempfindlich überft:
fo bald das $aub wieder ausfchläge, ihr übrig
in der Welt verzehren; und ihr Geſchlecht ve
ren. Andere aber weben ſich irgend in
Blatte oder Winfel ein fünftliches Bette, o
graben ſich in die Erde, und bauen fich dafell
Mintergemach, das fie auch zumeilen , nad} |
durft ihrer Natur, mit Tapeten und “Bette
den. Hier ftehen ſie alten Sroft und Hunger,
bungern und frieren, aus, und fommen im
jahre nach ihrer Verwandelung, neu belebt
ſchoͤne Papilions wieder hervor,
Auſſer den Raupen, bringen audy bie .
Ameifen, liegen, Spinnen, Schneden, 5:
Eideren, Schlangen, den ganzen Minter fo
Unter . ben Vögeln find gleichfalls viele, di
wenn ihr Sutter aufhoͤret, in die Erbe, o
irgend eine Höhle begeben, um ven Winter ü
27 Klein Predromus Hiftorix avium, p. 217.
‘
382 V Abh. Bon befond. Abfichten Gottes
eine geraume Zeit des Winters, halb fchlafenb, ir
ihren Höhlen ohne Nahrung beheifen, alsder Baͤ
und Dachs; fo wie auch der Chamäleon und Sa
lamander fih zu allen Zeiten auf das after
verftehen.
Diefe, und andere mehr, entweichen alfo ben
Mangel ihrer Mahrung durch ſolchen befonden
Trieb, ber ihrer Natur gemäß , und in der weiſen
Vorſicht ihres Schöpfers gegründet ifl. Sie ha
ben zuerft feinen Winter erlebt, und beſitzen Feine
Calender, der es ihnen anfaget: dennoch wiſſen fü
Zeit, ber Welt gute Nacht zu geben. Si
fammien fich auch nicht einen Vorrath auf ber
Winter, wie andere thun; audy wandern fie nid
in die Gerne, da befiere Luft und Nahrung märe:
das wäre nur für fie eine überflüßige und unnigı
' Arbeit:
wahrheit, Damit und Ar. Guer in feiner Hiſtoir
Critique de l’Amie des Betes, Amft. 1749. 8. T. l
. 56. gleichſam ald aus feiner eigenen Erfahrung
beladen wollen, bag diefe Thierchen Epeife auf der
inter zufammen führeten; indem fie eind ihre
Geſellſchaft, auf dem Ruͤcken mit ausgeftredte
Pfoten liegend, mit allem, was es halten Eönnte
bepackten, und daſſelbe fobann bey dem Schwan
in ihre Höble zoͤgen. Dennech beißt ed: Me
möme j’aich dans les montagnes de Savoye erc. Der
gleichen falfibe Nachrichten kommen in der Natur
eſchichte überhaupt, und befonders bey den Trit
en der Thiere, haufig vor. Ich habe mich dahe
in allen dieſen Nachrichten an ſolche Männer gi
balten, deren Borficht in der Erfahrung befanr
(hr oder tie wenigſtens alled aus folchen Quelle
aben.
ip
84 V Abh. Won beſond⸗ Abſichten Gottes
fen: unter den Voͤgeln aber, uk ber Ael
‚ ober Holz⸗ und Nußhäher, Pica glandari
und nucifraga ꝰꝰ. Go wenig, als eins von der
Winterfchläfern fich mit der Sammlung eines Vor
crathes vergebliche Muͤhe machen wird: eben fo wie
nig wird auch eins von biefer Art in ben Tag hin
ein leben, und mit der gegenwärtigen
en Mn a Alle wenben bie Bei Free
e6 zur Erleichterung ber fünftigen Mochbuefl
‘en: und man merket nicht, daß fie ihre Nechmung
kurz machen, ober zu früh aufzehren, unb dan
Gen den Nachbarn ihe Wrodt bettein ober fielen.
Dieſe genaue hauspälterifche Sorgfalt fans
wohl bey ben Thieren unmöglich aus Veberlegumg
entftehen: denn bie würbe vieles Erfenntniß er
fordern, was ihnen nicht zukoͤmmt. Sie haben ja
feine Erfahrung vondem Wechfel der Jahreszeiten,
und der Beſchaffenheit des Wintere; noch einen
Begriff vom Zeitmaaße. daraus fie müßten, wenn
ber Winter fornmen und mie lange er dauren wird.
Vernunftſchluͤſſe, Worftellung des Zufünfei
und eine Selbfterfindung der bequemften Mi
zum Zwede, kann man ihnen auch nicht beymef-
so Siehe Korn. Keffens Infeo - Theologie, p. 166.14.
Klein Quadrupedum Hift. Nat. p. sh. Een der⸗
ſelbe ſchreibt von den Aelſtern in Avium Prodrome
P. 61. ſq. Pica glandariagulam et inglnviers fuffar-
ciuas glandibus, quas pro pens in savis arhoribus de-
ponis. it. Pica mucifraga, pars frangens, pars per-
. Sundens avellanas: nidificans in_cavis.arboribus, aw-
Sumno nuces gandeique, prout ice glandarie, in ae
BSoribas recomdunt.
Andere be
aufferordentlich, tvegen des Mans
weil ihr ordentlich Futter, da, wo
ea
Seid don Beitmänfen, die irn Etsic) Sernach
m Sr Dt Oi len
ig ol
m Inn au oh
386 V Abh. Von beſond. Abfichten Gottes
wohnte Wögel fehen, dig vermuthlich durch allzu
große Kälte und Nahrungsmangel aus nordlidyen
Gegenden vertrieben ſeyn muͤſſen. Zu geſchwei⸗
gen, was wilde Thiere, inſonderheit Woͤlfe, des
Winters vft fuͤr Zuͤge thun.
Alten, ich rede hier hauptſaͤchlich von benen
Thieren, welche jährlich zu gewiſſer Zeit kommen,
und zur andern wieder weggehen; von welchen ich
nur die Vögel und Fiſche zum befannten Beyſpiele
ftellen will. Die wandernden Voͤgel finb theils
Strichoögel , die mit niebrigem Fluge, und gen -
ſtreuet, allmaͤlig weiter gegen Süben ihrer Aernte
nachfliegen, und dennoch ihren Kreislauf halten,
daß ſie uͤbers Jahr zu derſelben Zeit, wie in dem
vorhergehenden, wieder kommen. Andere ſind
Zugvoͤgel, welche ich Hochflieger nennen möchte,
weil fie, nach geſchehener Aufforderung ihres An
führers, fich ordentfich zu gemwiffer Jahreszeit vers
ſammlen, und fi) bald darauf heermeife, unter eis
nem Oberften, über alle Wolfen fchwingen, um fo
über See und $and in entfernete Gegenden, ' bie
ihnen milbere $uft und Nahrung geben können, zu
ziehen. Man fiehe fie aber im nächften Jahre zu
gewiſſer Zeit heerweiſe wieder fommen, da fie fich
Durchs Sand vertheilen, ja wohl ihr voriges Neſt
wieder befuchen ?”", Eine wundernswürdige Beran- -
ftaleung!
3ı Bon dem Unterſchiede der Strich: und Zugvoͤgel
verdienet Hr. Klein in Prodromo Hiftorix Avium,
Sect. III. p. 154. fl. gelefen zu werben; da er Denn
geneigt ik ‚ die mehreften zu den Strichuögeln zu
sechnen, ober wohl gar einige der Davon en
j 5 Be
Su vein Thlereide. 387
= teils die Mahrung von gewiſſen
und aflerley Ungeziefer, oder von einem:
theils aber auch das Hecken
ie
Ing te enthält al
‚fo viele Merkmaale von einem
„ und fernen Dorficht, die
alles. Vermögen der unvernänftigen Thiere
daß ich — — * men
ausführen kann, fon (0 efer
iere 3 Mi rlaffen muß.
der jaͤhrlichen Wanderung der Fifche hat
Bewandniß, Daß fie zu einer gejeßten
die der Ealender ihrer Natur anzeige, eine
um einen großen Theil der Welt thun,
8 Waffer von Pflanzen, kleinen Inſecten oder
1, wimmelt, welche für fie felbft — als
die fie da mit dem Saiche abfegen,
ind, Die Heeringe haben vermuthlich das
1‘ weil a heermeife, aus den
an alle Rüften bes
a vu — beyden Seiten von
—— und England, In die Oſt / und Nordſee
ommen und, Gott weis wenn und wie, die Als
— Zungen, wieder in ihren Winterhafen
er — ne ER eine ee
mathe. Tann
ankguenn Ba Sue
feiner -Phyfico Vheologiep. 887.1md o⸗⸗ nach ·
ſehin; anderer zu urpwieen
mentes in den Hügeln auf, und wenn Die Juſn
großen Heeren ſtreichen, welches fie von-«
feben Ein Eönnen, fo verfolgen fie diefelben, und
aber nen, Y je ihre Zeit a
ins, Waſſer ren und einen
Denn -aber der Mecrrabe |
u Gina ‚ober an der Seite
ſo weit er wi u die‘ ur zu
zu fangen, daß er des Fiſches Ropf-zuerft |
Schnabelkriegt ?*. ine Vorficht und Ser
die. nöchig wär, daf die Firtige, Stacheli
—— ſich nicht, beym
Khlucen ſtraͤubeten, und ihn ſtachen
Worficht hat. auh Swammerdam 4
Waſſervoͤgeln bemerkt, benen man bie
Fleiß verfehrt vorgelegt, melche fie aber all
tig herum zu Drehen gerufßt ?%.
Eine gar befondere Sifchjagb bale der 4
pfige Adler in ber Suft. Denn.erilautet u
ei 3 6 dem nn } 398
aus dem
ame en Menu
damit hoͤher ſteigen woill, fo ſchwebet
—* — dam Köpfe, und nörpiger ifi
ee Boa
——— 8 ‚das Wale
Der Bi Ber ftliche Bau.
und Hauspaltung, ine genug,
> dienet denen, welche fie gefehen, zum Exfiaur
a über ſolcher Thiere Fühnes Unternehmen, ganze
ie Eee ve. ri
f e ihrer Wohn un
m Din na Ihe ae "eine Haptabfiht
ftalten ift, daß fie von den Dämmen, an
d — auf die m — ui
ing au ingen, um Diefelben zu er!
5 —— u meifterich A
find auch andere Thiere, bie fich ihres Raus
u Durch einen. Sprung bemächtigen, wenn glei
e’Thiere, worauf fie fauren, vieles an geſchwin-
—— ‚oder Staͤrke voraus haben. So iſt
he Spinnen , welche auch flirgende Juſecten
ve. = — eine Art Bein,
392 V A6h. Bon Befond. Abſichten Gottes
den Thieren in bie, Augen fpringe. ud fie
ausfraßet. ?”. | Ä
Der Herr Trembley hat eine Art Polnpen ent
beit, die um ihren Kopf bey fechszig kleine Hör
ner ober Federn haben, welche fie einziehen und aus⸗
faffen fönnen. Mit dieſen ausgelaffenen Feder,
hörnern machen fie im Waſſer eine ‚beftändige Be
megung in die Runde, als mit einem Mühlenrade;
und verurfachen Dadurch im Waſſer einen. Btrom
oder Lauf, welcher Fleine Wafferinfecten herbeyieht,
daß fie diefelben erreichen, und mit ihren vielen Ar⸗
men fangen und zum Munde bringen Finnen ”®,
Mer follte glauben, daß ein Thter, welches keint
Fuͤße, Zlügel, Hände oder dergleichen Werkzeuge
ER Vögel fangen fann ?, daß ein Thier, welches Frine
aͤhne hat, ſich an ein Thier mit Schnabel, Bei
nen und Klauen, oder mit Schuppen und Fittigen,
waget? daß ein Thier, melches einen breymal en
gern Hals bat, als feine Beute dick ift, dieſelbe
dennoch fangen, verfchlingen und verbauen Bann?
Dennoch trifft .alles dieſes bey denjenigen Schlan⸗
gen ein, melche auf der Erde liegen, ober ſich anf
die Bäume winden, undda als tobt liegen ober han⸗
gen, bis fie ihre Gelegenheit erfehen, einen Wogel,
. ober
37 Siehe von den fpringenden Spinnen, Hoockii Mi-
crographiam (in der Defcription of CCC. Animalsl.
p- 64.) von den Kröten, Klein Quadrup. Hift. Nat.
p. 123. von der wilden Kate, Seba T. I. Tab.
XXX, 2.
38 Henry Baker’s natural Hiftory of the Polgpe, Lond,
1743. 8. pP. 22.
pärts in einer
ihn dabey beftändig nach dem
‚er in die Mitte koöͤmmt. Daum“
d ſorenget er ben Sand mit feinem Kopfe
ner Fangjange aus dem Mitrelpunfte
ed. uber, bis die Grube "einem
aͤhnlich ſieht. Koͤmmt nun eine Ameiſe,
es Aern innerhalb des Umfteifes von
richten: fo erreget der Ameisräuber, durch
ein und Sprengen, einen. Sandregen,
fect in die ehre das abfchüfige Grube .
ne hinein treibt, big er
it feiner Fangzange erreichen, und aus.
tigen, ober vielmehr auspumpen kann; da
ıbeumibie ledige Huͤlſe, durch eben folches
pt, wide aus Ki € Gruben din
—8 5 wirft.
wf.the Philofopk, Trans,
me I ja Sebe T. Il;tsb-LVI.
x. ET: Br Lı. Cu Telkr. FH
394 V Abh. Von beſond. Abfichten Gottes
wirft **. Ich frage einem jeben, wenn bas Thier:
chen hätte zu ihm fommen, und fich bey ihm Raths
erhoten koͤnnen, wie es boch ben feiner Bildung
am beften zu feinem benoͤthigten Futter gelangen
Eönnte: ob er ihm einen fo geſchickten une
Anſchlag zu geben gerouß hätte?
8 20.
Gewiß, es liegt auch in der Raubthiere Ihren
Trieben eine unverbefferliche Kunſt, und vollkommen
Eluge Anwendung bee Mittel zu dem Zwecke, wegu
diefe Thiere beſtimmt find, Man. basf nur bes
Zweck zur Aufgabe machen, und allen menfchlichen
Wis, alle Erfahrung und Wiſſenſchaft zu Hülfe
nehmen: fo wird man finden, daß es nicht möglich
fen, etwas gefthicteres auszubenfmn
Unterrichtet mir doch bie Spinne, wie fie.der
fliegenden Inſecten zu ihrer Mahrung bequemer
babhaft werden Fünne,. als durch ihr Gewebe, oder
wie fie ihe Gewebe felbft vortheilbafter anlıg
Eönne. Wiſſet ihr derfelben Rath. zu geben, wie
fie die Fäden von einem Baume zum aubern, vor
einer Spige des Hauſes zur andern, ven einer
Höhe dieffeits bes Waſſers zueiner andern jenſeits des
Waſſers, hinüber bringen “und anheften ſoll ? Ich
glaube, unterdeſſen, daß ihr nur ein leidlich IK
tel erfinnen wolltet, waͤre die Spinne ſchon zehn
mal, wohin fie feon fell; fie ſchießt ihre Eit
40 Diefe® iſt wohl nirgend genauer —8 als
bey dem unermuͤdeten Naturforfcher, den. Aufl,
im Supplement Tab. XVII-XXI. $ 4-6,
Sa vem Chierreiche.
mit dem Winde aus, ſo haften vi wo
—— an einem bienlichen Orte.
das be etwa lieber horizontal nn
‚vielleicht der Spinne leichter, ö
leichen endlich wohl einmal, aber fe a
vornehmer Freund aus Dresden berich ·
daß er einſt ein horizontal · Spinn enge ·
eine im u Baflicum- Aflanye
ivorunter fich Die Stiegen zu verbergen
30 Kann nicht fagen, von welcher Art
Ian ſeyn Bo aber die 2
Plage ge hinter meinem,
‚die — Linien A die Wäfche gefcho»
1, ein horizontales Gewebe einer gemei«
he zwiſchen diefen Sinien beobachtet, Uns
laube ich doch. nicht, daß folches-oft ge= °
Die Inſecten fliegen "nicht ſo viel auf und
ts, als bin und ber, Sie würden alſo
tils Darüber hinfahren, oder unten weg«
enn das Gewebe horizontal waͤre. Auch
e Sage wird fo viel nicht ins Netz brin ⸗
Ne ſenkrechte, welche Die Spinne erwaͤh ⸗
l das Meg dichter, foll es lockerer, ſoll
d da dicker oder danee ſeynr ch fürchte,
Auſſeren Faͤden nicht vielmal dicker waͤ⸗
die inneren, (mie es bie Spinne zu mas
) oder wenn es inwendig dichter wäre,
Y jeder Wind wuͤrde das dichtere Gewebe
ia, und von denen dünnen äußeren Fäden,
anze Gewebe halten follen, abreiffen ; und
He Arbeit vergebens. Wäre ce — lo⸗
erer
ie roicd euch auslachent ie brauchet Peinen Stu
Spuhle, keinen Kamm keinen Durchſchuß des
feine Knoten: ihre hinteren Füße —
nen Winkel, als auf ber faure
der Spinne übel: fie iſt in der D)
Seiten am nächften zu ihrem Rau
dem Mittelpunfte das zartefte Gefühl‘
wegung, die im Umfreife ihr Meg
fie ige Nies ei —
Ze und — koſten, als
MWerm aber ein Thierchen in ihr Netz ge
iſt, wie wird es die Spinne machen, daß
wicht wieder los reißt? Sehet ihr nur;
ner Thiele 397
— auf, Bis the der Hunger
u Y° fit B Es,
— in die Raub ·
von dem weiſe ·
Bee en, Su Ben
erüftet find, zu v in; aber,
erkennet doch auch zugleich, * fie nicht da
‚einige Arten von en ‚gahız auszurotten,
im den, zutilgen, und ihre An»
} und in ein bequemes
iß zu fegen. = Die Raubthiere mußten
ſeyn, und konnten in der Naturkette
Erpeübleiben; ‚fi fie gehörten mit zur Mannichs
fkeit und Vielheit des Lebens in der Welt.
da fie auf Unkoſten anderer Arten leben muß ·
6 find ihnen. von dem weiſen Schöpfer enge
gefeget. Es ift längft bemerket wor-
die ſchaͤdlichſten und ſtarkſten Raubthiere,
Tieger u. d; gl. mit feiner beſonderen
eilt ‚begabt find; daß fie ich nicht fo
hren, als. andere; und daf fie fich unter
felbft aufreiben ; oder daß wenigftens ihre
e Brut andern häufig zur Speife Dienen-muß ;
— * Crocodile von Fiſchen häufig wegge.·
iſt auch ein befonderer .
— ber fie nicht allzuviel Verwuͤ .
Seen läge: entweder, daß fie den ne
k.fehlafen, oder daß fie ihre erhafchte Beute
fan verbauen, und alfo-lange daran zu zehren
h, ‚sole die Schlangen und Crocodile, —
398 V A6h. Vonbeſond. Abfichten Bortes
bie Thiere ganz verſchlucken; ober daß fie fich fehr
auf das Hungern verſtehen, wie die “Bären und
Wölfe. Der Erocobil verfchludet auch wohl große
Steine und Srüde Holz, wenn er fonft nichts har,
nur daß der Magen nicht zufammen fchrumpfe: er
iſt dabey fo.fteif und unbiegfam, daß er ſich niche
burtig drehen und wenden kann, und daf ihm alfo
die meiften leicht entwifchen ⸗* Einige find and,
die fih im Falle ber Noth, ftatt der Thiere, mit
Kräutern, Wurzeln, ober fonft etwas, behelfen.
Wenn: dagegen einem gefräßigen Raubthiere allt
Vortheile zufammen, naͤmlich Größe Stärke,
Werkzeuge, Geſchwindigkeit, ft, Kunſt, nebſt
fruchtbarer Vermehrung, beygelegt waͤren: ſo
wuͤrde ſolches zum größten Nachtheile anderer Thiere
uͤberhand genommen, und manche Arten wohl gar
vertilget haben. Aber nun iſt alles dieſes vertheilet
und gemaͤßiget, und daher bleiben alle Arten von
Thieren in einem gleichen Verhaͤltniß.
Zu dieſem Oleichgewichte im Thierreiche tra⸗
gen auch die Mittel, welche den ſchwaͤcheren Thies
ren zu ihrem Schuße gegännet find, vieles bey.
Sie haben zum Theil auch ihre Waffen, fich zu
wehren, und willen fie von Natur zu ihrem Vor⸗
theile zu gebrauchen; fie kennen die Blöße und
Schwäche ihres Feindes; oder es koͤmmt ihnen bie
Schärfe ihrer Sinne, Gefchwindigfeit, Kunſt,
Vorficht und Klugheit, zu ihrer Rettung und Sie
cherheit zu Statten. Und von diefen Vertheidi⸗
gungse
ı Siehe von dergleichen Einſchraͤnkung der Raubthi
‘ —— Eile beym Catesby TU p. 63. vie
in dem CThierreiche. 399
Mai: jeder. Innen Ace fo ea Ban
ler Macht, Hurtigteit
das nzengeic 1
— n in
Be erhält
E De alien y4
mi
We Kegimente ;_ SR den. Sifdhern
u ‚aber, auch di
x ne —2 — —*
Di ie ode Bi eroifchen Füne
d allemal genug übrig bleiben *, Ich
Sn, daß zu folher menfhlichen Bor-
U tieferes Erfenneniß nörhig ift, als nur
je ber Fiſche zu wiſſen. Aber es erforder ·
olllommen deutliche Vorfiellung aller Wire
"welche eine jede Befihaffenheit, Kraft
trigfeit der Thiere, in der Verknüpfung;
t, zum Schaden ober zur Rettung hervor»
mirde; wenn anders darunter ein beftän«
Ges DVerpältniß geftoffen merben ſollte.
drucker fich alfo,ein görtlicher Werftand des
ES und Regierers der Welt aus.
will hier von demjenigen Schuße ber Thie«
fogen, wenn fie, felbft Durch ihre Farbe,
benachbarten Erde, dem Graſe, Laube
ten, Baum zu unterfcheiden find; denn Das
"bie Thiere % ferne felbft nichts. Aber
Raupen finden dadurch Sccherhet ii.
ves Späölnhe de I Nun Tu L PL p.. „48
400 V Abh. Von beſond. Abfichten So
fich ftets auf der unteren Seite des Blattes a
ten ;"mwie id) dergleichen weiße Raupen auf d
teren Seite des Eflernlaubes oft bemerfet
welche fonft wegen ihrer Barbe leicht. ins @
fallen würden, wenn ſie die obere Seite beftie
Die Blattwickler ſind ſobald nicht aus ben
gekrochen, fo wickeln ſie mit ihrem Gefpinnf
Dlart zufammen, barinn fie verdeckt ſeyn koͤ
nur daß fie vorne und hinten, zum Ausgehen
zum Auswurfe, eine Deffnung laffen. Ihres
das Blatt immer näher zuſammen zu ziehe
merfmwürdig. Denn indem fie auf die erſten
ften Faden in der Mitte treten, fo biegen fü
felben durch ihre Saft, und holen die Rändı
Blattes, woran bie Enden der Faͤden gei
find, näher zufammen. Da fann denn Die}
fehon einen fürzeren Faden von einem Rande
andern ziehen, und wieder darauf treten, biı
die Ränder ganz zufammen rollen und f
laſſen *. |
Andere gefellige Raupen arbeiten gemeinfl
lic) an einem Gefpinnfte, das verfchiedene Bl
zufammen hole; weraus fie zwar nad) ihrem
ter zu andern Blättern Friechen, aber body niı
43 Der Herr Reaumur hat davon fihon eine «
Anmerfung gemacht in den Memoires de PA
. mie des Sciences 1730. p. 79. fqq. und diefe |
der Thierlein in feiner & fectenb-ftorie umftar
befchrieben. Siebe auch Hrn. Röfels Nacht
IV. Claſſe, n. L. 1. fa.
‚Kleid zu enge werden will, fo
ſich bald ein neues, das meiter {ft +.
bringen alſo Baer Kleider er
nie fich auf die Weltz welche ihnen nicht ala
"Sch abe die Suft, ek
war, Es auch
e "Vergleichen mottenartige War⸗
je fich in ein Gthäufe oder eine Hüffe, eine
d en han und nagen,
mit weiter gehen koͤnn Andere Meer
— der fie über und
mdübe Andere bauen fich bald von jers
tem Grafe und Halmen, bald von’ Sopran
Ne XIX Rafıle KClaf, er Zap
3 in ben Mengire de Tacaemie du
‚PAR. 200 — 329. Swamtnetdam
145 79. fg. —— IV una. x Ev.
Cr “
⸗
402 VAbh. Von beſond. Abſichten G
Holzſpaͤnen, welche ſie abgekieſet, bald von
koͤrnerchen, bald von kleinen Schneckenhaͤu
eine cylindriſche Wohnung, die inwendiget
ft, und Damit fie weiter Eriechen koͤnnen.
find werth, daß man fie in Eabinetten auf
es kann fie niemand fehen, ohne die Kunfi
che darinn bewiefen ijt, und ben fertigen Tı
verachteften Thierlein zu ihrem Schuge, |
zu bewundern *°,
5 324.
Gleichwie aber dieſe fich, während ihres®
thums und ihrer Nahrung, zu verwahren
fo ſchicken fich faft alle Synfectenarten, nad) «
ner völligen Größe, zu ihrer Verwandlun
befonderer Vorſicht an. Sie entlebigen fid
Auswurfes, verlaffen den Ort ihrer vollen $
und fuchen fid) einen geheimen verborgenen
kel, da fie Die Zeit ihrer Verwandlung in €
beit abwarten koͤnnen. Ein Theil befpim
wickelt fi) in Blättern, welche fie zuglei
den Aft des Baumes beften, daß fie im
nicht mit ben andern zur Erde fallen koͤnnen;
als wenn fie müßten, was den ‘Blättern fon
Der Ordnung der Matur begegnen muß *,
dere verfriechen fich nur in eine Ritze der $
unter das Dbdach eines Haufes, unter dag
fallene taub, unter die Wurzeln des *Baume
46 Roͤſels Warlerinfecten, II Claſſe, tab. XIV.
tab. AV.XVI. $ 1. XVII. 62.
47 Röfels Tagvoͤgel, ILElarfe, n. ILS.
w· dem Thieweiche. 403
—————— ni
5 ihr eigenes beftändiges Mobell,
——— et Chi Kan 66
nie,
— a Puppen; andere ziehen
1 ſchnuͤren sich ietfe um dem :
ib, daß fie als Puppen nicht herunter fallen Fött«
5 ändere meben fidy, bald ein lockeres, bald
a dichtes Gefpinnft, he Wins
rbeste ſeyn folls und dieſes iſt entwe ⸗
Fäden gemacht, ober fie flechten ih ⸗
, oder zernagte Stückchen Blätter, oder
Holsfpäne, oder Erd-und Sandförners
inein, welche die ganze Behaufung von
ecken; dagegen inwendig alles mit fanfter .
überzogen iſt 9,
les. hat, bey jeder Art der Thierchen, feine ges
Kuss feine Ayla eg N
rs gewebet und genitfet ; und es
forget, daß fie als Papitions bequem
us Fommen Fönnen. Denn ba fie in
n ſtande keine Zähne ober andere,
Ihr faft ledernes Gewebe aufzus
Ak en; 6 pfügen einige ut
0 VAbh. Ben sefpun. klären Gottes
Be am. em Eben ge Sof ni
Sie rgen Drzum pn ge
andrängen darf, um es zw Be
Gehaͤuſe an ——
beſchließen
fh in ein Ey, 8 ren Sao pi
welchen fie Bea ann
Art Raupen webet —
das mit einem kunſtlichen Schloſſe an ber
derwahret iſt. Es erheben ch nr De
Ruͤnde des übrigen Gewebes
einer Federkraft verfehene eg A je laufen in
eine Spige, zufanımen : da fi “ ae als in eii
Mittelpunkte, von felbft Feit
fen, und alfo durch einen äußern —
feſter zuſammen halten; von innen aber
ade angen ſind, daß ſie ſich aus ——— ai
Juin
Pt) Si END ben in bee Sn
50 2 —— UI Caſſe, n.6. $.5: 1. XXXIV.
, $. 10. Supplement Tab. VILVIIL.$.16.p.53,
5ı Röfels a ee acac .4..
Susdler Thierreich·. 408
Gens
Meile Ban ;
——
Menke im. ihrem EiRistelpuunkse fihliehen,
* t, wie barflbe Grand
ie ſo —— die Sf Ye
noͤthigen Schuge und zu ihrer Er-
mit einer —— ee
| y Er
Br ohne —* fi er
haben, iſt eh Werf, das nen erſten
ig in einer blinden Natur haben kann, fon«
Sdeftomehr, in dieſer blinden Natur, den
1b, die Abſicht, Worfehung und Weisheit
answchdet. . .
—2R I Claſſe,n. V.5.5-9.
"- Lolıgo, imd Polypus, führen ein Bebalt
nee —— — —
find, Se fie —— in der * =
Bere, und fie unterbefjen entwifchen möge
sole anbere meynen, damit fie ſelbſt u
On ımwmermarbtan hanirkan mänen
in dem Thierreiche. 407
bekommen haben, Dun \
mungsflimme
den Rücken zu fpringen, und ihre
um deren Schwanz, Be ehinger fie als ·
Fin die. Höhe fitecker, herum zu fihlängen,
ſich auf die ei feſt an die Mutter 17%
em, wenn fie mis ihnen davon läuft *.
tre- Thiere, verlafien ſich, gegen den Knı
Af Ihren Panzer oder auf ihre. Waffen,
mabillo it ein langfam Thier, aber er
ine Stärke und — "Rei e
n Harniſche von u Ki
seien, wegen feiner Gelenke,
mmung-leidet: fo wickelt er ſich mit-eine
—— und Füßen als eine Kugel zus
| "nd feet ſich dadurch gegen Klau und
Sicherhe it z und in ſolcher ſicheren Ra⸗
Wiebe ‚er ſich auch, auf alle etwanige %
m Schlafe . Das Stachelſchwein hat
keine Befhrwindigkeit zu feiner Rettung
V ober esftellee , durch eben ſolche Krüms
ille feine Spiefie,in die Ruͤnde aufrecht zur
Bafı der beißige Feind mit blutigem Mau«
iefen wird. Sonft pfleget es auch wohl
Yächeren Theile, Kopf, Bauch und Füße,
boblen Baum, oder in eine andere Erd ⸗
ohlung zu verftecden, und ben ftachlichten"
e
408 V A65. Bon beſond. Abfichten Gottes
Rüden und Hintern zum Beſten zu geben; da ihm
denn nicht anzufommen iſt °%. Es giebt gar eine
Art ſolcher Schweine, mit langen frißigen Sta⸗
cheln, von welcher man faget, daß fie ihre Gta-
cheln, durch eine fehnelle Ausfpannung der Haut,
als Pfeile von ſich fchießen, und ihren Feinden in
den Leib werfen koͤnnen, bie denn, wegen ihrer Ge⸗
genhacken, ſchwer heraus gehen ‚aber ſeht leiche
tiefer eindringen .
Was ſoll ich viel von andern Thieren ſagen, de⸗
ven Wehr und Waffen bekannter find ? Ich wid
n.ır überhaupt baben anmerken, daß, ein jedes
Thier von Natur feine Stärke fühle, und fich der
verliehenen Werfzeuge, es ſeyn Stacheln oder
Hörner, Zähne, Schnabel, Klauen, Huf, Schee-
ten, Zangen, ober fonft etwas, zu feiner Gegen
wehre zu gebrauchen weis. Kin Pferd wird fi
niche fo leiche- gegen den Wolf, mie das Schwein,
mit den Zähnen verrheidigen wollen ; fondern e8
kehret ihm den Hintern zu, fieht cücfwärts oder
durch die Beine durch, und fchlägt mit den Hinter-
füßen aus, daß der Molf zu Boden faͤllt. Ein
Schwein hergegen giebt von hinten keine Bloͤße,
ſondern drohet dem Wolfe oder Hunde mit ſeinen
Hauern. Und ſo machen es ganze Heerben Pier:
de oder Schweine, daß jene fich mit den Hinterbei⸗
nen, dieſe mit den Hauern, auswaͤrts gekehret, in
einen
56 Memoires de l'Acad. des Sciences 1727. p. 547. ſqq.
57 Seba T. I tab.L.n. I. Memoires de l’Acad. des Sciem
ces T.I.p. 28. & anni 1727. p. 549. ſq.
ML | Thierreiche: 49
reis fellen, und ihre Jungen in die ger
en, wenn- ihnen ein reißend
will. Der Hund weiſt feine,
3 foßen,, ehe fie peroor gersachfen find. Sie
— 7
a!
hr $ 26.
end eine Art von Trieben zu berchten
welche zur Paarung und Fortpflanzung
his d Biene, Diefen Trieb haben alle Sie
nmen , bey welchen ſich ein ziwiefaches Bes
befindet; und es iſt umgefehet ficher : alle
Die einen Trieb zur Paarung haben, fin«
hein ander Gefchlecht in der Welt, damit
paaren und unge erzeugen Finnen; 6
8 zu Diefem Zwecke übereinftimmet, Dies
ihäffte, welches die ganze Welt beftändig
und die Abficht der Schöpfung unterhält,
allen feinen Umftänden ein Wunder der
‚ und voller Spuren einer göttlichen Weis.
Ich will nur einige Davon, welche meinen
’en am gemäßeften find, berühren.
es Erf:
410 V 255. Bon beſond. Möfichten Gottes
Erſtlich wuͤrde bie Fortpflanzung ber Thi
nicht erhalten ſeyn, wenn nicht das maͤnnliche u
weibliche Geſchlecht einer jeden Art die Brunſt
Einer Zeit empfaͤnde. So aber ſuchet und locket ei
das andere in einem gewiſſen Zeitmaaße, und
ſtillen ihre Begierden beyderſeits an einanber n
gemeinſchaftlicher Luſt. Wie verſchieben if af
nicht dieſe Zeit in fo vielen tauſend Arten ber Th
re? und dennoch muß man geſtehen, daß fei
einzige andere Zeit für jebe Art bequemer fe
Pönnte; wenn man fie nad) ber Sebensbauer b
Alten, nach ber Laͤnge ihrer Traͤchtigkeit, u
nach dem Werhäftniffe des Syahres zu dem Yun
balte der gebornen, ausgebrüteten, oder ausg
Prochenen tungen abmeffen will.
Wenn fic denn die Natur bey jedem reget:
ift babey merkwürdig, daß ein jedes Thier den Ga
ten feiner Art kennet, und von allen andern unte
ſcheidet, ungeachter eine folche Aehnlichkeit une
manchen Arten von vierfüßigen T ,
mehr aber unter den Vögeln und Fifchen, unb aı
meiften unter den Inſeeten anzutreffen ift, dag w
Menfchen, mit aller forgfältigen
Mühe haben, eine Art nicht mit der anbern gu ve
wechfeln. Wenn alfo die Thiere nicht vor Natı
ein Elares Bild und LUnterfcheidungszeichen ihr:
Art, und des andern Gefchlechtes in ihrer Ar
hätten, und dieſes vor allen andern liebten; |
würde eine wilde Vermifchung unter den Thiere
entftehen, alles nach gerade ausarten, und viel
Baitarte und Misgeburten in die Welt gefege we
den; welches ber Vollkommenheit und Sluckſen
Amber Thierreiche, u
Ad nn man Daher ben
‚auch folcher Verwirrung der Natur noch mehr dun
ee folcher Baftarte ——
I * * x ⸗ Dieſe
eigenen unleugharen Der‘ ‚be -
er don einem en am Ges
J einen Hänflinge
‚bie ſich une vierte Ölied vers
‚auch nur F
te einer Art au ſeyn. ©. Job.
ns Borftellung der Vögel, 1 Clarke,
— das nimmt mich eben fo wenig
ald wenn unter Menfehen weiße, und
ficb paaren, und deren Kinder wiederum
find. er en in den Me-
‚de Trevoux 121. von dem
s daß — die als⸗
near wären „ wenn fie ihre natürliche
nicht hätten; Dergegen in ber Tartarep
, mo fie ftey herum giengen,, auch ihr
for jten. Allein, es it wohl gewiß,
Diefes natürliche Thiere find , welche der Ges
‚der Mauleſel mabe kommen, und daher zu
Y Machricht Inlaf gegeben haben ; wie ich mich
e in Hen. Bmelins Neifebefebreibung und
anberwärtd arten au baben, Der berühmte Hr.
innere Befbaffenbeit der Mauls
Ba en in Keen Be und Befehl
; fe in jergliederung zur ung
befunden. Unter ben — "hie
zen verftbiedener Arten giebt es mehrere Vermi⸗
ſchungen, ald von einem Efel md einer —* in
400 V Abh. Von beſond. Abſichten Gottes
ſich ſtets auf der unteren Seite des Blattes aufhal⸗
ten Wwie id) dergleichen weiße Raupen auf der un
teren Seite des Elernlaubes oft bemerfet habe,
welche fonft wegen ihrer Farbe leicht ins Geſicht
fallen würden, wenn fie Die obere Seite befiiegen.
Die Blattwickler find fobalb nicht aus bem Eye
gefrochen, fo wideln fie mit ihrem Gefpinnfte ein
Dlatt zufammen, darinn fie verdeckt fenn Pönnen;
nur daß fie vorne und hinten, zum Ausgehen und
zum Auswurfe, eine Deffnung laffen. Ihre Kunfl,
das Blatt immer näher zufammen zu ziehen, if
merkwuͤrdig. Denn Indem fie auf die erften läng«
ften Faden in der Mitte treten, fo biegen fie bier
felben durch ihre Saft, und holen die Ränder des
Blattes, woran die Enden der Faͤden geheftet |'
find, näher zufammen. Da kann denn die Raupe |'
fchon einen fürzeren Faden von einem Rande zum’ |
endern ziehen, und wieder darauf treten, bis ſich
die Ränder ganz zufammen rollen und heften |“
laſſen *.
Andere gefellige Raupen arbeiten gemeinfchaft-
lid) an einem Gefpinnfte, das verfchiedene Blätter |:
zufammen holet; woraus fie zwar nad) ihrem Fut⸗
ter zu andern Blättern Friechen, aber doch nicht fo
weit,
43 Der Herr Reaumur hat bavon fihon eine artige
Anmerfung gemacht in den Memoires de PAcade-
mie des Sciences 1730. p. 79. ſqq. und diefe Kunſt
der Thierlein in feiner Inſectenbiſtorie umſtaͤndlich
befchrieben. Siehe auch Hrn. Köfels Nachtvoͤgel,
IV. Claſſe, n. 1. $ 1. fa.
daß fie ich nicht bald. i hau
ee " — —J
Eine Kleider · und Pelzwerkmotte fie —
ringen alſo die Kunft, ihre Kleider zu ne
fich auf die Belt; welche ihnen nicht als
n Schuße wider die £ufe, fondern auch wi⸗
—— war, Es giebt auch
Bäumen dergleichen mottenartige Wie
£, bie fich in ein Gehaͤuſe oder eine Hilfe, eine
ind. fo an den Blättern hangen und nagen,
weh Damit weiter gehen koͤnnen. Andere Maden
affen einen Schaum von fich, der fie über und
büber bedecket. Andere bauen fich bald von zes
item Grafe und Halmen, bald von er
i fie
9: —B
n. IV. 954.
in den Memoires de Naeademie des
5; 200 329, Swammerlam "Tora. I,
$
| ee une Nachivoͤgel, IV Tlafleun, XVIE
jun rer \ € A
c
402 VAbh. Won beſond. Abſichten Gott:
Holzſpaͤnen, welche fie abgekiefet, bald von Se
koͤrnerchen, bald von kleinen Schneckenhaͤuſerd
eine cylindriſche Wohnung, die inwendig tape
iſt, und damit fie weiter kriechen kͤnnen. D
find werth, daß man fie in Cabinetten aufbeh
es kann fie niemand ſehen, ohne die Kunft, v
che darinn bemwiefen iſt, und ben fertigen Trieb
verachteften Thierlein zu ihrem Schutze, bad)
zu bewundern *°,
5 34
Gleichwie aber diefe fich, während ihres War
thums und ihrer Nahrung, zu verwahren wifl
fo ſchicken fich faft alle Inſectenarten, nach erhal
nier völligen Größe, zu ihrer Verwandlung n
befonderer Vorficht an. Sie entledigen ſich al
Ausmurfes, verlaffen den Ort ihrer vollen Weil
und fuchen fid) einen geheimen verborgenen Wi
fel, da fie die Zeit ihrer Verwandlung in Sich
beit abwarten koͤnnen. Kin Theil befpirme u
wickelt fi in Blaͤttern, welche fie zugleich «
den Aft des Baumes heften, daß fie im Herb
nicht mit den andern zur Erde fallen koͤnnen; glei
als wenn fie müßten, was den Blättern fonft na
Der Ordnung der Natur begegnen muß ”. %
dere verfriechen fich nur in eine Rige der Rind
unter das Obdach eines Haufes, unter das abg
fallene taub, unter die Wurzeln des Baumes, i
vba
45 Röfels Warferinfecten, II Claffe, tab. XIV, 6a. :
tab. AV.XVI.$ 1. XVII. 62,
47 Aöfels Tagvoͤgel, U Claſſe, m. UI. 42.
2 indem Chiemeihe. 403
Bofgy oder gaf tief in die Ere und da hat
ede Art ihr eigenes beftändiges Modell, wie
———— „Einige hängen fidh
,‚ oder
Solsfpäne oder Erd»und Earplömen
————— ‚welche Die ganze Behauſung von
dagegen inmendig alles mit ſanfter
—— IE
6 hat, bey, jeder Art der Thierchem feine ges
fein Maaf; und feine Zufammenfügung }
— —— gewebet und gewirket ;und e
af geforger, daß fie als Popilions bequem
jeraus Fommmen Fönnen. Denn da fie in
gr ‚Züftande Feine Zähne oder andere
[ 23
‚haben, ihr faft Iedernes Gewebe aufzus
Kr 2: 9 pfgen einige daft
fein von diefer epten e- wie Die Raupen
Inipr
ut ‚Flechten, und die
— gernagen ufammei
eR De Team Om! öfel *
en m Nr $63.XV.5 4 —
er 1.56. ga —— —*
XXXIIL. $,
T. $. IV &laf, n. — i
> er Papiion De üben def lkhtir mi
von einander trennen kann °%. Manche bej
ſtich in ein Ey, a mer
Popilion nicht fähig, beraus p-funmuen:
‚erweichen denn aurh Die Stelle, wo fie her⸗
er
nach abgeiteei ee Pup) ut von
Bund ——
Ber fie — Eee
t —
I en par Melonen
verneint 4 u erheben
pc verfehene Fäden,
Ben ————
Saar von op.
fen, und alfo durch einen « ? Drud ni
jeſter zufammen halten; von innen aber leit
drängen find, daß fie fich aus einander
Be
ii
in dem: Thierreiche. 405
‚einen Ausgang verfatten; her⸗
member Boge aus Bm Mefte ft, ſich
ſelbſt wieder in ihrem Mittelpunkte fliehen,
— begreifen kann, wie derſelbe heraus
Eine fo mais Sun, di die —
—8 zu ihrem — — Bun
, mit ——
ven, ‚ohne dab fe felbfe daben erg
Feine ober Ui
ieh — ‚keit Wert das feinen ——
Be blinden Natur haben kann, fon«
das deftomehe, in dieſer blinden Natur, den
Rand, die che, Vorſehung und Weisheit
Schöpfers ausdrucket.
— $, 2%
ben Inſeeten, märe noch vieles von ben
und vierfüßigen Thieren zu fagen, fo fern
ve Mefter und Gruben nicht allein zu ihrem
ſondern auch zu ihrer Sicherheit,
und fünftlichfte anlegen. Aber
mich zu weit in einen Theil der Natur⸗
hiehee führen , ber fich fo leicht nicht befchrei«
laͤßt, und auch noch: nicht er und u
a iſt. Ich will mich alſo lien
denen Mitteln wenden, welche die Thiere ge»
— Verfolgung brauchen.
ſich nun manche Bauptfächlich nur mit
—— es Falihen Beweguns
in 6
koptd Baetg, Mr nIV.I5—g
er ruct oder ſeitwarts; Ja, er thur Sprunge
ber, daß der Hund die Spur verlieren fol
graue Cafuar mit einem Straußenfchnab
wenn er gejaget wird, im Sickſack, daß die
fenen Pfeile defto eher eriegen ”. Die X
gel tauchen fchnell unter Waſſer, wenn au
fchoffen wird, und fommen erſt weit von I
te wieder hervor. Der fliegende Fifch re
vor dem jagenden Delphin in ein ander €
und gebrauchee fich nun feiner langen Sic
nicht zum Schwimmen, fondern zum Fl
der Luft; bis er fich mit mehrer Sicherheii
ins Waffer begeben fann. Die Fiſche,
Loligo, und Polypus, führen ein Behaͤlt
fchroarzer Feuchtigkeit ben ſich; und lafl
Dinte oft ausfließen, entweder wenn fie in
find , damit fie der Feind in der finftern WB:
kiere, und fie unterbeffen entwifchen möge
wie andere mennen, damit fie felbft ihre B
fo umnermerftar horifeon minen. Die
Thierreiche· 407
es ben, der Mus '
er auf den Fan, us ihre Heinen
Schwanz — —* als.
weg m,
—— — feſt an die "Sc Val
—— fie mit ihnen davon läuft **
werlaffen ſich, gegen den Ks
* Panzer ober auf ihre Waffen,
Ber ein langfam Thier, aber er
— Biegfamkeit,. Weil er
Knochen
de von harten Knochen verfeen
u Begen feiner Gelenke, eine
3 ‚JO midkele er fich mit ein⸗
em Bun Babe — eine Re hr
n, und ftellet dadurch gegen Klau un
—— in felder fiheren Rd
egiebt er ſich auch, auf alle etwanige Sp
Schlafe ®, Das Stachelſchwein hat
s. keine Belhroindigkeit zu feiner Rettung
* aber es ſtellet, durch. eben folche Krüms
‚alle — Spieße in die Ruͤnde aufrecht zur
daß der I bien Feind mit blutigem Mau ⸗
wird... Sonft pfleget es auch wohl
elite Theile, Kopf, Bauch und Füße,
Baum, oderin eine andere Erd⸗
ndöelshöplung zu ie und ben u —
\ üde
®
ah
ide ee Necdham N.
“elles obfervations Microfc net und von
Te Bahn den ST. 1.5. Tom, I.
5 Seba T. L tab. XXXVIL. n.2. 3,tab. LIE. .
>
408 V Abh. Von befond. Abſichten Gottes
Rücken und Hintern zum Beſten zu geben; da Ihm
Denn nicht anzufommen iſt *%, Es giebr gar eine
Art ſolcher Schweine, mit langen rigigen Sta⸗
deln, von weldyer man faget, daß fie ihre Sta⸗
cheln, durch eine fchnelle Ausipannung ber Haut,
als Pfeile von ſich ſchießen, und. ihren Feinden in
den Leib werfen koͤnnen, die denn, wegen ihrer Ge
denhocken ſchwer heraus gehen, aber ſehr leiche
tiefer eindringen .
Was foll ich viel von andern Thieren fagen, der
ren Wehr und Waffen befannter find ? Sh wil
nr überhaupt dabey anmerken, daß, ein jedes
Thier von Natur feine Stärke fühlee, und fich der
verliehenen Werkzeuge, es ſeyn Stacheln oder
Hörner, Zähne, Schnabel, Klauen, Huf, Schee
ten, Zangen, ober fonft etwas, zu feiner Gegen
wehre zu gebrauchen weis. Ein Pferd wird fih
nicht fo leicht gegen den Wolf, mie das Schwein,
mit den Zähnen vertheidigen wollen ; fondern es
kehret ihm den Hintern zu, fieht rückwärts oder :
burch Die Beine durch, und fchlägt mit den Hinter-
füßen aus, daß der Molf zu Boden fälle. Ein :
Schmein hergegen giebt von hinten Peine Bloͤße,
fondern drohet dem Wolfe oder Hunde mit feinen
Hauern. Und fo machen es ganze Heerben Pfer⸗
de oder Schweine, daß jene fich mit den Hinterbeir
nen, diefe mit den Hauern, auswärts gefehret, in
einen
56 Memoires de l’Acad. des Sciences 1727. p. 547. ſqq.
s7 Seba T.I tab.L.n.I. Memoires de l’Acad. des Scie®
ces T.I.p. 28. & anni 1727. p.549.1q.
’ Be} Thlerreiche. 409
reis hellen, ge
en, wenn ihnen ein reißend % etwas
"soil Der Hund reift feine, e, die
nde damit nad) der Schnauze und den Aus
Der Reiger hält den Falken, der über ihm -
„immer feinen fpi entge ·
ß er ſich darinn —— Ya, ber *
E und ein Bock will ſchon mit den
Hoßen , ehe fie De nd. Sie
—— Waffen nicht hinten
— ſondern ſie
—E — vor dem Beſihe der
$ 26.
iſt noch eine Art von Trieben zu betrachten
welche zur Paarung und Fortpflanzung des
hist Bene. Diefen Trieb haben alle Thie⸗
ümen, bey welchen fich ein zwiefaches Ges
befindet; und es iſt umgekehrt ficher : alle
die einen Trieb zur Paarung haben, fin-
einander Gefchlecht in der Welt, damit
paaren und unge erzeugen Fönnen; fo
6.g-diefem Zwecke übereinftimmer, Dies
Häffte, welches die ganze Welt beftändig
und die Abficht der Schöpfung unterhält,
allen feinen Umftänden ein Wunder der
und voller Spuren einer göttlichen Weis»
Ich will nur einige Davon, welche meinem
ven am gemäßeften find, berühren.
Cs Erſtlch
jr eye mg nn
gemeinfchaftlicher Luſt. Wie verfehieben
nicht dieſe Zeit in fo vielen tauſend Arten d
re? und dennoch muß man gefteben, de
einzige andere Zeit für jede Art bequem
fönnte; wenn man fie nad) der Lebensda
Alten, nach der Laͤnge ihrer Trächtigfeii
nach dem Werhältniffe des “yahres zu dem
balte der gebornen, ausgebrüteten, oder
frochenen Jungen abmeffen will.
Wenn jich dern die Natur bey jedem rı
ift Daben merfmürdig, daß ein jedes Thier d
ten feiner Art Fennet, und von allen ander
fcheidet, ungeachtet eine folche Aehnlichfei
manchen Arten von vierfüßigen Thieren
mehr aber unter ben Vögeln und Fifchen, ı
meilten unter ben Inſeeten anzutreffen ift, t
Menfchen, mit aller forgfältigen Beoba
Mühe haben, eine Art nicht mit der andern
wechfeln. Wenn alfo die Thiere nicht von
— ‚Thierreiche, qu
— — liefe. Daher denn
‚auch folcher Verwirrung der Matur noch mehr
die —— ſoicher Boſtarte —
Er
J A —
nen
r
eines Hänflinge
Die fich, en 6 Glieder,
Allein, auch nur ver⸗
—* Bor ea rein.
ung gel, I Clafe,
„und das nimmt mich, eben fo wenig
wenn unter Bu weiße und
— und deren Kinder wiederum
— — in den Me-
a 121. von ben
nur, — die als⸗
— wenn fie ihre natücliche
ten; bergegen in der Tartarey
je ftey berum giengen., auch ihr
ee se 3 Allein, wohl gewiß,
liche —* find, welche der Ges
nabe kommen, und daber zu
? Inlaß gesehen haben ; wie ich mich
e in Hrn. Bmelins Reifebefchreibung und
‚anberwärts gelefen zu haben, Der berühmte Hr.
it, der die innere Beſchaffenheit der Mauls
. unterſuchen Gelegenheit 3 Befehl
A Den ie = der Zergliederung zur Zeugung
inter dem vierfügigen Shies
* Arten giebt es mehrere Vermis
{ als von einem Eſel ımd einer Sen
412 V Abh. Bon befond’Abfichten Gottes
Diefe Kenntniß feiner Art iſt um fo vielmehr an
ben Thieren zu bewundern, wo das Weibchen an
der
der Barbarep, worand ein ungehörnte | tafkie,
Kumrah genannt, entfteht, von
in feine Voyage dans der P —8
de la Barbarie et du Levant, weiche aus dem
engl überfest imHaag 1743. 4. be ekommen ifl,
in den Obfervations phyfiques fur royatmıes
dAlger. T. I. cap. N. p. 309. Rachricht giebt.
er Herr Hallen fi t Mom. I. p. 306. von
* m Biegenbode Geſchlechte: Dieſe Chiere ſcheinen
eben ſo viele Aehnlichkeit mit den Schafen zu
Daben, als dee Eſel mit dem Pferde: uad der
Ziegenbock be'eget das Schaf eben ſo gerne indem
fich der Widder untirdeffen, wegen des Klachfes
bens wieder von dee Siege fchadlos halten laͤßt.
Zuweilen erfolgen Davon einige Ausartungen, die
Befchlechter aber bleiben dennoch immens unter:
- f&bieden. Db er diefes felbit beobachtet, © aus
andern Nachrichten genommen babe, wird dabey
nicht angezeigt. "Ich habe in ben vermünftigen Ge:
danken von der Natur eined Ungenannten, er ſich
einen Chriſtlichen Gottesfreund nennet, p. 424. von
einem Baftart eined Stierd und einer Stutte gele
fen, welches Baf heißt. Ein guter Kreunb, ber aus
Holland kam, erzählte mir auch, daß die Gottſelige
Siatthalteriun eine dunkelbraune ſchwarz gefleckte
Tiegerinn aus Oſtindien bekommen, die von einem
Hunde, der ihr Geſpiel war, befruchtet ſey und
Jungen geworfen habe. Wie ſie aber ausgeſehen,
weis ich nicht; und meine Leſer werden dieſe Ver⸗
miſchungen nur zur weitern Unterſuchung anneh⸗
men. Denn man kann in dergleichen Berichten von
Baſtarten nicht vorſichtig genug ſeyn. Doͤbel in
feiner Jaͤger-⸗Practica I 3. p. 35. 2. bezeuget, daß
er eine ſchwarze zahme Woͤlfinn in Deſſau mit einem
Hetzhunde zugelafien, wace 6 tatte Jungen davon
I\\
— — —
Im bem Thierreiche, 413
eb gu entgeben .
pP. 177, a. fin.
tommen, al
übe wer»
Geſchlecht fortpflanzen. Jedoch wäre
‚ob auch dieß te jecht
reine Art ingt, wenn
behen von der veinen Art mit der ge=
ſich
Wenigſtens ſchreibt der Herr
von Kihne, Amoenitt. Tomo Vi.p- 14.
' , Hybride plante et animantes, propagatz per plurcs
ſenũm ad matris naturam redeunt.
% unterhält man in. Schweden die gute Schaf:
\2
r
uw sy nee me.
ſelbſt p. 13. Deswegen behauptet er in D
Sexu Plantar. Petrop, 1760. 4. p. 9. fq. von
zen ſowohl ald Thieren, die Subltantia cortic
vom Vater, die medullaris aber von der X
Was im Pflanzenreiche für Vermiſchungen u:
flarterzeugungen möglich find, bat der Herr
reuter noch mit mebren ſchoͤnen und Kun
Verſuchen bewieſen in ber Nachricht von ı
das Geſchlecht der Pflanzen betreffenden Ber
Leipz. 1761. 8. und in der Fortſetzung 17
Man fteht aber aus allen: die Natur wi
ſelbſt Feine neue und ſich fortpflangende Vaſtan
in der Welt haben. Die Thiere werden fich
Ice Freyheit nicht mit fremden Arten beg
und wenn man Thiere und Pflanzen durch :
und Kunſt dahin bringet, fo ſchlagen fie endli
dev ind muͤtterliche reine Geſchlecht hinein
dieg nicht ware: fo wurden wir langfl Die
Thiere und Pflanzen verloren haben, und
Baſtarte oder Misgeburten wahrnehmen.
auch Röfels Gedanken davon, Tagvoͤgel U
n. V. $ 5. Die Berfuche der Menſchen an dei
ren find indeg nicht zu tadeln; nicht allein
in dem Thierreiche. 415
n halten möchte. Ein befonder Benfpiel geben
ns Davon gewiſſe Papilione, deren Weibchen gar
tine ‚Flügel haben, und den Wanzen ganz ıhn«
ch ſehen ?”. Ein ander Meitchen folder Papi:
onen folire man gar Faum für ein Thier, fondern,
ad) ſeiner Geſtalt und Unbeweglichkeit, viel eher
ir eine Galle des Eichbaums halten. Dennoch
ehen die Inännchen zu Feinem der fliegenden, ih⸗
en felbft meit ähnlichern Papilion : Weibdien auf
ie Freyte, fondern gatten ſich allein mir einem
ngeitalten WBanzen : oder Gallen » äbnlidyen Weib⸗
in.
Ich habe mich auch oft daruͤber gewundert,
sie Die Thiere das andere Geſchlecht ihrer Art,
chon von Ferne, an der bloßen Stimme fennen.
Run lege fich dieſes noch mohl begreifen, mo bente
Heſchlechter ſtets beyſammen find , bende eine
hnliche Stimme von fich geben: aber unter den
Bögeln, Heuſchrecken, Grillen u. f. w. locket nıeh-
entheils nur ein Geſchlecht, und läßt den Laut nicht
ber von fic) hören, als big es zur Paarung rufen
il. Wie Fennet denn das junge Nachtigalimeib-
hen, in dem Walde, unter dem mancherley Ge:
mitfcher von fo vielen Vögeln, feines Bräutigams
Stimme von meiten? und warum verführer diefer
iebliche Ton nicht hundert andere Vögel verfchies
ener Art, daß fie alle zu diefem Sanger eilen,
nd ſich um deffen Verbindung bewerben? Bey
en Grillen ift es nod) fonderbarer, daß fie die Stimme
ihres
9 Röfels Nachtvögel II Claſſe, n. XXXIX. und XL,
$ 4. fq. Supplement tab, XI. XIV. XL. 6,
.“ 0. . Bam —
m a ————
Es iſt weiter ben der Paarung der Ti
bernerfen, theils dag die Zeugungsglieder be
fachen Gerchlechtes einer Art fo wohl auf
einander paſſen, daß fie nicht anders, als m
ſicht für einander , gemacht feyn fönnen;
daß jedes Thier in der Paarung eine Fe
beweiit, die Stellung anzunehmen, und bi
wequng zu verrichten, welche zu der Handl
bequemſte iſt.
Von dem erſteren haben wir ausneh
Beweiſe an gewiſſen Thieren, deren Zeugun
der auſſerordentlich geſtaltet ſind. Die wei
Krebſe haben unſtreitig eine gedoppelte Def
wodurch ſie den maͤnnlichen Samen empf
und hernach die Eyer von ſich laſſen; und aı
Seffnungen paffet auch ein gedoppelt Glie
männlichen Krebſes, welches der unermüde
turforſcher unfers Deutfchlandes, Herr Roͤſ
zuderläßiaften anaezeiget bat. So vert
—.
? EN AT — — — we
’ BIIZWIUEETEI s“ Lu viwiyee ss. usco, 1yU@w 3
‚von gefchrieben, oder vielmehr gemuthmaj
nicht allein ungewiß, fondern auch fehr ungl
Der Elephant weis es, verräth aber die!
beimniß der Natur den Menfchen nicht,
fi) in der Gefangenfchaft nicht gattet. SQ
Kameelen koͤnnten uns die Reifebefchreibum;
Nachricht gegeben haben : ich weis aber nı
wir eine zuverläßige haben ; wenigſtens wide
ſich das fehr, was id) davon gelefen. Ae
faget, H. A. VI, 60. Der Kameel verrich
Begattung ohne Zeugen. Ein geehrter Frı
Dresden, dem ich mich besfalls hiedurch oͤ
fehr verpflichtet zu fenn erkenne, bat fih n
balben die Mühe gegeben, und fich bie P
der Trampelthiere mit doppeltem Pudel i
Föniglichen Stalle zeigen laffen. Sie ift gı
fonders: das Weib muß auf allen vieren
knien und das männliche Trampelthier rutſi
binten, in der Stellung, als wenn ein Hu
“a hierreiche. 40
—XäXCGCM
— *—*
tet er aus des Louis de Capine Itin, Amer,
om den Erocodilen, ** welche in der That
en des langen, fteifen und bieten Schwan
420 V Abh. Bon befond. Abfichten Gottes
daß fih das Weiblein auf den Rücken wirft, und
den Schwanz ſinken läfit; da denn das Maͤnnlein
inauf rutfchet, und von dem Weiblein mit ihren
innen umfchlungen wird. Eine gleiche Stellung
bat Leeuwenhoeck, unter den Fleinen Inſeeten
den Kefern bemerket; °” da fich fonft Die Papk
fione von hintenzu paaren , wie wir bey unſern
Seidenwuͤrmern mwiffen; mandje Papilione auch
gar in folcher Verknüpfung mit 'änander herum
legen. |
' "Biete Männlein unter ben Inſeeten, als dk
liege, Wafferwanze u. f. w. fleigen dem Weib
fein auf den Rücken. Aber es giebt auch andere,
da das Mändlein von hinten unter bes Weibleins
$eib riecht, wie ich felbft bey den Floͤhen wahr⸗
genommen habe. Und diefe Stellung erforbefte
aud) die aufgerichtete Biegung des maͤnnlichen
Zeugungsgliedes, und die hängende bes weiblichen.
Bey den Heufchreden und Grillen beſteigt hinge
gen das Weib den Mann, wie Hr. Roſel ange
merfer ”. Die Gebärdung der Waſſernymphen
iſt gar befonders. Das Männlein umfaſſet, wit
feiner Halszange am Schwanze, dee’
Hals von oben zu, und das Weiblein felbft drucket
ſich diefe Halszange mit ihren Worderfüßen begie
rig an. Weil aber das männliche Glied unter der
Bruſt, und das weibliche unter dem Schwanzje
0 I fißt,
66 Ceeuwenboeck in Arcanis naturx deteclis, p. ıg.
67 Bon den Floͤhen, fiche Leeuwenb. p. 365 — 373.
a afüredten und Grillen, n. I.n. II. $06.
so
/
;: dem Tpkrreice N
——— Tune ba mc '
‚einander enrfernet zu ſeyn. fiehe,
iblein frümmet ihren. langen - a
— Ai * untere Bruſt be .
ins erteichet hat; und in ſolcher ringmaͤß
u ee
ı ber männlichen Spinne iii in
daß fie ihr Gewebe gerne auf
—— — Basic
nit vieler Behut ſamkeit umb Qurcht,
——— Bann diefes it, 2
ich einander, hängen beyde an ihren Fã ·
d vie es mir vorgefommen iſt, druͤcken
im Bauch; ba fie ſich denn. bald barauf
hder abftofen, und das Männchen wieder.
WGemwebe.eilet. Ich dioß Daraus, daß
| ri Beusunaealier. — in
nhoek t auch das weil
an eben der oberen Snelle'des
ilder.. Allein, weil herr Car. Clerk
Hd häufigere Beobachtimgen der Spin
Meller hat, und behauptet, daß die Männ«
tes Glied "on ea —*
en, womit fie ben ber li
ne —— betaſieten, ſtreichelten,
und
— X
dr SL Bam € 11 Elaffe, nitsıs,
—
Veſchlechtsgliedmaßen an Der Seite Des.
figen, welche fie zur Zeit ber Paarung, wi
Hörner , gegen einander; auslaffen,, und
einander fchlängen, und fo zugleidy
dee fchmängern und von einander gef
gert werden ”'. Die Fifche find, bekannt
fen, als Mildy- und Nögenfifche, und folgli
Männchen und Weibchen, unterfchieben. -
aud) gewiß, daß fie ſich um die Laichzeit pa—
zufammen halten ; ja, baß ſie ſich mit den B
ftarf an einander reiben, und mit den Sche
fhlagen; da denn bald Darauf das Weibche
Roͤgen von fich läßt, und hernach das Maͤ
63 ©. von der Gattung der Spinnen ‚Kefkre T
theologie p. 77. Aceuwenböd
Tranfad. Vol. XXII. n. 272. p. 882, ih
neis lib. I. c. I. p. 2. welcher dem Hrn. Clerd
maßlich vorgegangen iſt, daß die nodi anter
vrelleicht ein geboppelter penis fepn | koͤnnten.
konnte, Dev Trog war unten zweene Zoll
groben Kieß ſande gefüllet. Fünf Zolle vom
Sode ein vergittertes Soch zum Abzuge des
| iu eine Klappe mit dichten Drathgit-
verfehen, daß keine Waffermaus, aber wohl
durchkommen Fonnte. Dann nahm er eine
örelle, um die Zeit des Laichens, ftreichelte
Bi Ddb4 fie
‚Lie Siller in den Schwediſchen Abhand⸗
\ hungen Th, X.p. 109. faq. p. . und Tb. XI
2.07. 0 na VRR RN
9
! Swammerdam in Biblis Nature T. Ip. 235.
⸗
424 V Abh. Vonbeſond. Abſichten Gottes
ſie ſanft am Bauche, bis ſie ihren Roͤgen in den
Trog fallen ließ. Wiederum nahm er einen Milch⸗
Forellen, ſtreichelte ihn eben ſo, daß er auch ſeine
Milch in den Trog ließ. Dieſes beydes, Roͤgen
und Milch, ruͤhrte er wohl mit einander um, und
ließ es ſeine Zeit ſtehen. Und ſiehe, die Befruch⸗
tung der Ener war dadurch bewirket; es kam eine
große Menge junger Forellen in feinem Troge zum
Vorfcheine +. Wenn diefem Verſuche, wie es
ſcheint, wohl zu trauen iſt: fo weis ich bes Herm
D. Grants Vorgeben damit ſchwerlich —5
zu reimen ?*, daß die Eyer ſchon im Leibe ber Fi⸗
fhe, durch eine Paarung, die von der Paarung:
anderer Thiere nicht abmeichet, befruchtet werben:
indem bie Milchner gewiß eine Ruthe hätten, fe
wie die Roͤgner eine Murterfcheide und Edyam,
und benderfeits Glieder zufammengefüget würden,
wenn ſich die Fifche an einander rieben. "beruft
fich darauf, daß er die männlichen Glieder verſchie⸗
dener Fifcharten, theils getrocknet, theils im Wein⸗
geifte aufbehalten, und der Gefellfchaft ver Wif
fenfchaften zu Ebinburg gemiefen habe: und daß
man in dem fo befruchteten Roͤgen der Jächfe, wel⸗
hen fie in eine Grube verfcharret hinterließen, fü
Lleint
t ©. die phuficalifch « dconomifchen Auszüge, VI. 8.
4 St. p. 552. fq. da auch erwahnt wird, daß eben
diefe Probe anden kachfen gemacht worden fey.
72 D. W. Grants Schreiben an ben Hrn. Hofrath
von “aller von der Paarung und Kortpflanzung
bes Pachfes, in den Abhandlungen der Schwedilchen
Academie, Th. XIV. p. 142 — 146.
I Ye De 4AB
die in
— Pt
ana Scan Bei n .
kam er Grant
Aus ſchůͤttu bes Roͤgens noch der
sas geſehen, bleibt die Befruchtung
re im Murterleibe unbewieſen; und es iſt
Ben, mas er geſteht, daß man in fols
Eyern, die noch nicht von dem Rögner ges
n keine kleine Fiſche ſehen koͤnnte. Gen
iſt es noch, ae
4 der Forellen die Beft
im erleibe gänzlich aufhebt.
ſo wenig kann damit beſtehen, was Here
ODð Joh.
426 V A6h. Bonbefond. Abſichten Gottes
"job. Guſt. Wahlbom in einer Diff, de Spow
falibus Plantarum unter dem Seren Linndo 1751.
$. ı2. aus einigen Beobachtungen wiffen will, daß
die nt ihre Ri — —— welche
die ihnen folgenden Roͤgner begierig einſchluckten,
und alſo ihren Roͤgen durch den Mund befruchte⸗
ten. Eine Meynung, die zwar nicht neu iſt, aber
vermuthlich durch einen voreiligen Schluß gefaſſet
zu ſeyn ſcheint. Wenn ich alle ſichere Erfahrum⸗
gen zuſammen halte: ſo kann ich nichts anders
—— ———
i eine
tung des Froſchlaichs hat. Das Reiben ber R⸗
ſche mit ihren Geburtsgliebern an einander mag
eine Paarung heißen , foferne es einen Kügel und
einen finnlichen Reiz zur Beywohnung erreget, bet
bie Ausgießung der Milch und bes Rögens hervor
locken fell: aber die eigentliche Befruchtung ber
ausgegoffenen Ener fcheint doch erft außer bem
geibe beyder Aeltern durch bie Ueberfchärtung mit _
der männlichen Milch zu gefchehen. So verhält
es ſich mit den Fröfchen, nad) der zuverlaͤßigſten
Beſchreibung unfersunvergeßlichen Roͤſels. Die
Froͤſche figen einige Tage lang auf einander, und
druͤcken ſich mit aller Macht. Heißt man fiege
waltſam von einander, fo huͤpfet der Froſch alfobalb
Begierigft wieder auf; bis dem Weibchen die We
en anfommen, und fie ihren $aich wie einen
from aus dem Geburtsgliede ſchießen läßt; da
denn der Froſch zu gleicher Zeit als mit einer Con
vulſion den männlichen Samen über bie Eyer
frrüget. Und dann iſt alles befruchtet und ER
ri
zart Fred thierreiche.
* Pen
“ Be Roͤſel es
—— ureichenden Grund von fo man»
klam Echnbung urn tanfnaßigen ger
ch begreifen kann ? Oder machet
48 V A6h. Won beſond. Abfichten Gottes
wie vorfichtig Die Inſecten ihre Eyer, bald in er
uem Klumpen, wenn Die ungen gefellig find,
bald, widrigen Falles, zerftreuet, da-anfleben, und
pincin (chieben, oder fallen kaffen, wo. bie jumge
Brut ihr natürliches Element und ihre Nahrung
findet, wenn die Mütter gleich felbft dieſes Ele⸗
ment und biefe Nahrung nicht mehr, ſondern ganz
andere, zu ihrem jegigen Leben gebrauchen, und ſich
auch hernach um ihre Eyer nicht weiter bekuͤmmern:
‚wie die Bifche, um zu laichen, bie fügen und |
feichten Waſſer hinan ſchwimmen, und ihren Rio "
gen am Ufer beym Schilfe oder in. Gruben auf dem
Grunde, abfegen: mie einige Waffertbiere ober
Vögel ihre Eyer bloß in den Sand verfcharren, daß
fie von der Sonnenwärme ausgebrütet werben, am |
dere diefelben in Neftern felbft ämfig wärmen und
ausbrüten, und darnach ihre Jungen mit liebrei⸗
cher Pflege aus ihrem Kropfe füttern, ober ihnen
zarte Speife zufchleppen : wie die vierfüßigen Thie
ve ihren geworfenen “ungen bie Nabelfchnur abna⸗
gen, fie belecken, ihnen die Milch reichen: wie di
Vögel und vierfüßigen Thiere, auch ein Theil ver
Waſſereinwohner, ihre ‚jungen loden, warnen,
vertheidigen, endlich aber entwoͤhnen und. von fi
ftoßen: mie bey ven Bienen, Welpen, Ameiſen,
weder Väter noch Mütter, fondern die Unfrucht,
baren fich mit der Nahrung und Wartung ber
tungen aufs ämfigfte-befchäfftigen ; viele andere
Triebe, Fertigkeiten, Künfte und Verrichtungen
der Thiere zu gefchweigen, welche gu ihrer und ih»
zes Geſchlechtes Erhaltung, Scyuge, Luſt und
Gluͤckſeligkeit dienen. .. j
— Man
—
vide Thierceiche. ap
wußte fehe boshaft ſeyn, wenn man
emnen wollte, daß diefe Handlungen zu
em Abfiche aufs kiugſte eingerichter find ;
diefelben ihren erften Grund in einem ſeht
enen Berftande und Willen haben müffen
ten, wenn wir ihnen ein Vermoͤgen °
— —
ch wie
ee
— *
e davon In deſſn 7 oder Hei
40 VIA. Vom NMenſchen
VDild der thierifchen Triebe und Fertigkeiten; in
weichen ſich fo viel Verftand, Einfihe, Kunſt,
Weisheit, Abficht offenbaret, daß fie alles Bermi
‚gen der lebendigen und leblofen Natur überfteigen,
und niemanden, ‚als bem einen unendlich weifen
Merkmeifter der Zangen Natur,
- werben koͤnnen. |
Die ſehſte Abhandlung
Von dem · Menſchen an ſich, infonder:
heit nach der Seele betrachtet.
6 1.
8 wird alfo nunmehro Zeit feyn, bag wir
Menfchen auch an uns felbft denken, unb
unfere Natur nach ihrer wahren Beſtimmung fen
nen lernen. . Wir pflegen uns zum Theil in ben
Mittelpunfe der Welt zu ftellen, und alle Abfich
ten der ganzen Schöpfung auf uns allein zu ziehen.
Diefe vornehme Einbildung fehränfet die Vollkom⸗
menbeiten Gottes und feiner Werke viel zu enge
ein. Sie verurfachet, daß wir bie Welt und Ra
tur aus einem verehrten Gefichtspunfte betrachten,
und alsdann vielerley Unordnung, bie boch nit
iſt, darinn zu fehen vermernen. Uns felbft aber
machen wir nur unglüdlich und misvergnügt da⸗
durch, in fo ferne wir über unb wider unfere Be⸗
ſtimmung hinaus wollen, und bes eigentlichen
Zweckes verfehlen. Die Welt ift um ber Lebendi⸗
gen
&
ehe wir uns mie unſern Gebanfen zu
verſteigen koͤnnen, ſo moͤchten wir uns
uch, vielleicht zu weit herunter fegen, wern wir
nach unferer eigenen wefentlichen Befchaf-
n und unferer Natur nachge heu.
auf dem Erdboden nrit uter Thieren
wollen wir ung gänzlich in deren‘
ihren Handl ..
Wir Dürfen uns nicht außer uns ſuchen, un
zu willführlichen Hypotheſen fehreiten, um
fen, was mir find, mozu wir Bermögen
und worinn unfere Natur, Lebensart und |
figfeit befteht. Die innere Elare Empf
‚und das Bewußtſeyn befien, mas in ung ı
giebt uns das ficherfte und untrüglichft
worinn wir ung felbft befchauen koͤnnen.
$ 2
Ein jeder unterfcheidee fein Ich, von f
Dingen auffer ſich, durch ein Gefühl in eiı
wiffen Körper. So meit diefe Empfindung ;
Zeit geht, fo weit rechnet er das Wirkliche
-felbft und feinem einzelnen Weſen. Da
worinn er nichts fühler, nicht Schmerz no
bat, ift von feinem Ich unterfchieben, umt
ibm. Ich nehme Gefühl im allgemeinen X
de, für alle Empfindung und Sinne; da «
Sich aurh Ha Eohon Mira Mischen 6
434 VI Ash. Vom Denfchen
ſaͤgen. Es folget alfo daraus, daß ıms nicht alle
Theile unfers Körpers gleich nahe angehen „ und
Daß das Gewebe der Nerven das bauptfächlichfte
ſehy, worinn dee Menfch, wenn er Förperlich bes
frachtet wird, befteht..
Wir wiffen aber, daß unfer jetziges koͤrperli⸗
ches Ich vor Zeiten. nicht nus eben fo vielen und
eben bdenfelben Theilen beftanden, unb bald her⸗
nach auch nicht mehr beftehen wird. Es mar ein
ſehr Eleiner Körper, den wir anfangs im Mutter:
leibe hatten, er mar ſchon viel größer, wie wirans
Sicht famen, und feitdem iſt er noch funfjehn bis
zwanzig mal; fchwwerer geworden: folglich finb frem⸗
bes Blut, Feiſch, Fiſch, Milch, Kaͤſe, Brod, Kraͤu⸗
ter, Fruͤchte, Wurzeln, Waſſer, Bier, Wein, die
vorhin nicht zu unſerm Ich gehoͤreten, und die wir
ohne Empfindung ſchneiden, kaͤuen, kochen, braten
konnten, zu unſem Ich getreten, und Theile von
uns ſelbſt geworden, darinn wir nunmehro empfin⸗
ben und ung bewußt find, und die wir, als uns
felbft, lieben, ſchuͤtzen, naͤhren, pflegen.
Hergegen beweiſt auch die Nothdurft taͤglicher
Nahrung, daß ein beſtaͤndiger Abgang unſerer
Theile ſeyn muß, der eine ſolche Erſetzung erfordert.
Demnach verdunſten, reißen und reiben ſich beſtaͤn⸗
dig, unvermerkt, Theile von unſerm Ich los, de⸗
nen unſer Gefuͤhl nicht mit folget, und die wir her⸗
nach für fremde halten. Des Sanctorius Erfah |
rung, bie er an fich felbft zwanzig “jahre herburd
mit genauem Abwägen feines Körpers gemachet,
beweiſt unwidertreiblich, daß in zehn Jahren we⸗
nig
—
: x :
4
:
ẽ⸗
= 355
=:
—
———
Ei
5
Fa
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Bin
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—
*
8
—8
——
F
Anwachſes, täglich
der alten Materie bed Körpers abaiengen ı
| Menſch/ Bon hundert und
x, in zweyen 5 und
mund einem halben Tage, einen gam neues
ent. :
fo verhalt ſich Die Sache nicht, Bent
abgeht, gebt nicht allein von der, als
unſers Leibes, ſondern auch von des
Mai fd: ſich ein Gefäß zit
SER
3878
ig Mum or, bayon den tr]
7 Waffer abgezapft, aber. ſtatt deffen duch -
E mad in den zweyten, beitten A
k a 1
pen Sagen in gleichen gar abge
v reines er
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und vier Fi
und, Iwoölf u)
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fo kann man lieber
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Davon abreı
Bien, Be
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3 IH 2
I
j
x
Ä
H
7
48 VIA Vom Menfchen
Es iſt alſo feine gewiſſe einzelne Materie, wr
ehe unfer befonderes Sch ausmachet; fondern- ai
und jebe ift ung gleichgültig. Sie tritt in die ®
meinfchaft mit ıme, fo bald fie mis in die Verku
pfung unferer Empfindung und unfers Beruf
feyng getreten iſt. Was vorber ein Theil ein
Krautes, einer Wurzel oder Frucht, eines Fiſch
ober Fleifches war, das mird hernach ein Th
von ung felbft. Hergegen bleibt auch nichts unfe
als fo lange wir gegenwärtige Empfindung barir
haben. So bald es auffer den Schranken unfe
Gefühles ift, und wir ung barinn nicht mehr bewu
find, fo bald hoͤret es auf, ein Theil von ung ſelb
zu fenn; wir wiffen und befümnrern ung nicht, n
es hin fömmt, und mas bemfelben auch begegne
das iſt uns fo gleichgültig, als ob es nimmer umf
geweſen märe.
Wir Pennen daher aud) feines von unfern «
enen Förperlichen Theilen an ſich Durch irgend ei
Merkmal. dadurch einzelne Dinge von andern ;
unterfcheiden find; bloß, fo fange wir barinn en
pfinden, fo wiffen wir daran, daß es Theile we
ung find; folglich ift allein unfere Empfindung od
Bewußtſeyn ein gegenwärtiges Merfmaal der ei
zelnen Theile des Körpers, der unfer Sich ausmache
Aber, menn' die Theile erft verdunftee, abgeri
ben, unb von uns gefrennet find, fo wiffen w
diefelbe, für fich, nicht mehr von denen, bie ur
nimmer angeböret haben, zu unterfcheiden. E
Menſch koͤnnte fein Bein verlieren, und, weil ı
es nimmer genau betrachtet, fo würde er herna
unter mehr abgenommenen Beinen eben fo wen
wiſſe
! \
m def Secle · 40
BEER als er feinen Sties
‚unter vielen andern heraus kennen möchte,
wenn wir unfern ganzen —— durch»
er un wir von keinem einzigen Stäub»
en zu fagen, ‚ob es noch daffelbe fey, das wir mit
bie Welt gebracht haben, oder. woher, wenn
‚wie lange —— durch die Rafrung zu uns
—* * keine Zen Menge und Dis
Anzahl ber —
er rm Ich gehoͤret.
ger, ſchmaͤchtig, 3
feyn; er kann —— groß, har,
r, und —E——— werden: die Empfins
‚ biefuft, der Schmerz, kurz, das Bewußt-
im Eleinen Körper eben haffelbe, wie im
oßen ; in jenem nicht geringer, in diefem nichts
cmehtet ober verdoppelt ; ‚der eine ift ſowohl ein
enſch, als der andere, Und wenn wir
einen verftümmelten Körper befamen, daß
18 Arme und Beine-abgelöfet würden: fo müre
muns zwar nügliche Werkzeuge gebrechen, aber
Mer Jch würde dadurch nicht verftiimmelt, 96»
', ‚ober vervielfältiget 5 -unfer Bewußtſeyn
pe darum einzeln, ganz und ungeſchmaͤlert.
es: möglich, daß der Menſch ohne Aus
—— ‚ohne Ohren hören; ‚ohne Zunge ſchme⸗
ohne Raſe riechen, ohne Hand und übrige
fühlen, und fich fein felbft folglich auf
Ihe: Are bewußt feyn könnte: ſo würbe er dieſe
rperlichen Theile für ur undüberflüßig bel,
1 wenige
SC |
=
min
40 VI. Bom Menfhen
wenigſtens zu feinem Ich nicht als weſentlich, fon:
dern bloß als Zierrathen rechnen.
Wenn wir ung demnach nicht darum für uns
ſelbſt halten, oder uns als einzelne Menfchen few
nen, und von andern Dingen unterfcheiben , weil
wir einen gewiſſen Körper, in gewiſſer Bröße, mit
gewiſſen Gliedmaßen haben; ſondern weil wir ums
unſer ſelbſt und anderer Dinge auffer uns bewußt
find, es fen auch in weichem Körper und von wel,“
dher Größe es wolle: fo ift offenbar, daß eigentlich
nicht ber Körper, fondern das Wefen , welches ſich im
Körper bewußt iſt, den Menſchen, und unfer eiw
zelnes Ich, ausmache.
$ 3
Diefes erhellet noch deutlicher , wenn mir uns
in unferer Dauer betrachten ; da ein jeder Menſch,
in dem Verlaufe vieler Jahre, ſich fuͤr einen und
eben denſelben Menſchen haͤlt. Gewiß nicht nach
ſeinen koͤrperlichen Theilen. Denn die kennet er
nicht an ſich ſelbſt, aus inneren dauerhaſten Merk⸗
maalen, als die ſeinen; ſondern nur allezeit gegen⸗
waͤrtig, ſo lange er darinn Empfindung hat. Er
kann von keinem einzigen Staͤubchen ſeines sangen
Körpers fagen, ob es noch eben dajjelbe fen, mas
vor Zeiten ein Theil von ihm felbft war, oder ob
es neu fen. Sein ganzer jeßiger Körper mag nen
ſeyn, und ſich ſchon vielmal, als ein Kleid, ver⸗
aͤndert haben, und in ſtetem Ab- und Zufluſſe bie
ben; er mag noch ıwenig oder viel, oder alles von
‚den alten Theilen an ſich Yaben; die ——
und defen han
a ae
en ki ob es eins,
——
ze Jeto bortt/ benfet —*
reife, erfindet, will AA ſich Bu
iſt, eben derjenige zu fepn, der geſtern, der
‚vor ‚ zwanzig, echs·
—* das —
verſuchet, erſonnen, il
Und daraus iſt je offenbar,
‚ tel bi
nalen en
—* —— abwechſelnden Begebenheiten, fort⸗
—— man ſich auch nur deutlich vorſtellet, mas
as rein heiße und in ſich halte, fo kann
an leicht erlennen, daß das Bervufitfenn nicht
Statt finde, als in einem fortdaurenden einzelnen
Befen, welches unter mancherley Weränderungen
ins und daſſelbe bleibt. Denm wir ſind ung niche
eines Dinges bewußt, als wenn die Worfiele
—J klar * daß wir das Ding kennen und
ur So bin ich mir bewußt,
es ‘ daß
43 VI Abh. Vom Menfchen
daß das Papier weiß, die Dinte ſchwarz ſey; daß
es donnert und blißet, daß dort Kühe weiden, bort
ein Hund bellet. Mir Fennen und unterfcheiben
aber ein Ding nicht eber, als wenn wir es zu feiner
eigenen Art oder Gattung hinrechnen, das ift, zu
ben ähnlichen Dingen, deren wir uns vormals in
unferm Leben bewußt gewefen find, unb die wir
mit einem gemeinen Namen zu bezeichnen
und zu unterfcheiden gelernet haben. Ich Eönnte
nämlich die weiße und ſchwarze Sarbe, den TBlig
und Donner, Die Kühe, das Hundebellen, nicht
als folche erfennen, und von andern unterfcheiben,
wenn ich mich nicht befönne, dergleichen Farben,
Sicht, Schall oder Thiere öfters in meinem $eben
gefehen und gehöret zu haben, welche den gegen
wärtigen ähnlich waren; und wenn ich mich nicht
des Namens erinnerte, womit ich ein jedes feiner
Art anzudeuten gelernet, habe. Hierinn ſtecket die
Urfache, daß wir uns nicht alfofort bewußt ſeyn
koͤnnen, fo bald wir auf die Welt kommen.
Es ift alfo Fein einziges gegenwärtiges Be
wußtſeyn möglich, als in einem Wefen, das ſchon
unter verfchiedenen Veränderungen und Zuftande
fortgebauret hat, und auch weis, daß es eben daſ⸗
felbe ſey, welches vorhin mehrmals in einem ähn-
lichen Zuftande geweſen. Es ift nur der Unter
ſchied dabey, daß wir ung unfers vorigen Zuſtan⸗
des zumeilen nur undeutlich, zuweilen aber aud)
deutlich, mit Zeit, Ort, Begebenheit und allen
Umftänden bewußt find, wenn wir ein gegenwär:
tiges Ding fennen und von andern unterfcheiden,
Die gegebenen Erempel erfordern nur eine undeut⸗
liche
amd deſſen Secle. 445
tiche unſerer vorigen
re wer bewußt zu feon ; 1; min
fie mehrentheils, wenn es nöthlg wäre, in eine
beurliche verwandeln können, als daß die jegige
Farbe, die wir weiß mennen, eben diefelbe fey,
welche wir an Schnee, am Schwang, ı ee
wand, ober am Kalfe baben, Aber warn
‚uns etwas- feitenes me, davon wir nur ein
keine ähnliche Erf *
—— are
ie, ein met, 1b. gl fo wird man
bewußt ſeyn, daß es eben ber
e find, die man zu gemiffer Zeit, an tie
Ken Orte, mit Gemifen Unsftänden gefes
hingegen, daß ein einzeln Ding nicht
ober in verschiedenen Zeiten und Um⸗
‚eins und. baffelbe bleibt, fondern daß nach
umd- nach andere einzelne ähnliche Dinge in deffelben
Stelle treten: fo gebt die Begebenheit der vorher
gehenden das jegige nichts an. Wenn biefem alfo
was begegmet, das nicht ihm felbft vormals, fon«
bern nur andern vor ihm, begegnet iſt; fo fan es
—— — eigenen Erfahrung feiner aͤhnlichen
beſinnen, alfo auch das vorkommende nicht
Pennen , noch von andern unterfcheiden ; folglich
weis es auch nicht, was es fieht, oder es ift ſich
— nicht: bewußt. Wenn alſo dasjenige We⸗
jetzt in uns mit ‚einem Bewußtſeyn
dentet , will er nicht eins und daſſelbe
von uns wäre, was vor Zeiten aͤhnliche
—— gedacht und gemelt bat, ——
434 VIA. Vom Menfchen
fügen. Es folget alfo baraus, daß uns nicht alle
Theile unfers. Körpers gleich nahe angehen , und
daß das Gewebe der Nerven das hauptſaͤchlichſte
fey, worinn der Menfch, wenn er koͤrperlich bes
trachtet wird, beſteht.
Wir wiſſen aber, daß unſer jetziges koͤrperli⸗
ches Ich vor Zeiten nicht aus eben fo vielen und
eben bdenfelben Theilen beftanden, unb bald her.
nach auch nicht mehr beftehen wird. Es mar ein
fehr kleiner Körper , ben wir anfangs im Mutter
leibe hatten, er mar fchon viel größer, wie wirans
kiche famen, und feitbem ift er noch funfzehn bis
zwanzig mal; fchwerer geworben: folglich find frem-
des Blut, Feiſch, Fiſch, Milch, Kafe, Brob, Kräus
ter, Früchte, Wurzeln, Waffer, Bier, Wein, bie
vorhin nicht zu unferm Ich gehöreten, und bie wir
ohne Empfindung fihneiden, Fäuen, Pochen, braten
fonnten, zu unfen Ich getreten, und Theile von
ung felbft geworben, darinn wir nunmehro empfin-
ben und uns bewußt find, und die wir, als uns
ſelbſt, ließen, ſchuͤtzen, naͤhren, pflegen,
Hergegen beweiſt auch Die Nothdurft täglicher
Nahrung, daß ein beſtaͤndiger Abgang unſerer
Theile ſeyn muß, der eine ſolche Erſetzung erfordert.
Demnach verdunſten, reißen und reiben ſich beſtaͤn.
dig, unvermerkt, Theile von unſerm Ich los, de⸗
nen unſer Gefuͤhl nicht mit folget, und die wir her⸗
nach für fremde halten. ‘Des Sanctorius Erfah⸗
rung, die er an fich felbft zwanzig “jahre herdurch
mit genauem Abmwägen feines Körpers gemachet,
beweiſt unmibertreiblich , daß in zehn Jahren we⸗
nig
nA On urfrn vorigen Cueben übcg Dice,
—— —
wenn
ı Den beftänb And Zufluf, oder Wechſel un ·
went
sieyen Ja
nam palben Tage, sen ga Pe
2 ichiera die Sache micht Denn
abgeht, Eh nicht allein von der. als
unferd Leibes, ſondern auch von der
= Be fielle iss am Gefäß — 58
Waſſer vor, davon eit Tag
abgezapft, aber ſtatt Au
= "Bein wieber zugegoſſen erden.
En in den — deisten , vierten,
Hi
ö folgenden Tagen ent 2
=; a ne — 3
nr ie — — we
IHREN ein fi
—
0:
‘ - “
ge wuy ALLV VSS α —A⸗ — AI EU 5:
Dan fege denn ſian des Waſſers die
terie unſers Koͤrpers, und ſtatt des Weine
Materie deſſelben: fo wird nach einem
den hundert und fünfzig Wunden oder v
achthundert Lothen eined menfchlichen Ki
alte Materie auf dreytauſend zweyhunde
und fünfzig und ein Fuͤnftheil Loth, oder
dert und ein Pfund neungehn und em Fünf
verfchmolgen ſeyn; das ubrige, namlich ı
fünfhundert acht und vierzig und vier
Loth ober acht und vierji grund, zwoͤl
Fuͤnftheil Loth, das iſt ein Dritth
eine neue Subſtanz ſeyn. Demnach w
zwey Jahren, ein weni mehr als zwey
von den zwey Drittheilen, etwa vier Ne
bleiben. Weil nun ein Halbe etwas me
vier Neuntel, fo Tann man lieber fagen, d
Materie unfers Leibe in zweyen Jahren
halb verflogen, die andere Hälfte neu
Dritten Jahre werden von ber Halfte, wen
der ein Dritcheil der Hälfte, das iſt ein €
davon abrechne, nur zwey Sechstheile
Driteheil des Ganzen mehr da ſeyn,
aud deſſen Gecke,
8z
werden , fo würden
adurch, daß die Empfi Ser
ermaßen aufier ung ge
&E
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Sensssg® Is ;A
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Hin
Er 2,
F
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getreten if. - Was 2
Kreautes, einer Wurzel oder Frucht, —
aber Fieiſches mar, das: wird. hernach ein
(es ift, und wir ung darinn nicht mepe f
„find, fo bald höret es auf, ein Theil von uns
zu ſeyn; wir wiffen und befünmrern ung nie
es hin fommt,, und mas bemfelben auch bey
ne 1 Paleiheiiig, als ob es nimm⸗
Wir — daher auch keines von uf
en Pörperlichen Theifen an ſich durch irg
Diem en dadurch einzelne Dinge von an
- eftheiben find; bloß; fo fange wir darin
— fo wiſſen wie daran, daß es Tha
uns (ind; folglich iſt allein unfere Empfindin
Beroußfegn ein. gegenwärtiges Merfmoo| u
‚zelnen Theile des. Körpers, ber unfer Ich aucu
Aber, weni die Theile erſt verbunftee, @
ben, und von uns getrennet find, —
Biefetbe, für fich, nicht mehr von denen, I
nimmer angehäret haben, zu ——
Menſch koͤnnte fein Bein verlieren, unden
es nimmer genau betrachtet, fo würde er]
unter mehr abgenommenen Beinen Loen
m def Ei 430
PN war, als er feinenStie
unter. vielen „andern heraus. kennen möchte,
‚wenn wir unfern ganzen jegigen Körper durch“
+. fo wiſſen wie von feinem. einzigen Staͤub⸗
au meh es noch baffelbe fen, das wir mit
Die Welt gebracht haben, oder woher, wenn
wie lange folches durch a ung
fey-
iſt es. feine ng bey ws Hr
ee
‚gu unferm
A oma,
er fanı Eee at,
— und, brobdinjafifch werden : ” Empfins
ing, bieSuft, der Schmerz, kurz, das Bewußt.
"ft im kleinen Körper eben haffelbe, wie im
3 in jenem nicht geringer, in dieſem nichts
mehrtet ober verboppelt ; der eine iſt ſowohl ein
enfch,als der andere, Und wenn wir
‚einen verftümmelten Körper befämen, daß
s Arme und Beine-abgelöfet würden : fo wuͤr ⸗
n uns nuͤtzliche Werfzeuge gebrechen, aber
Ya wirde dadurch nicht verftiimmelt,. ge»
ef, oder vervielfältiget ; unfer Bewußtſeyn
' barum einzeln, ganz und ungefchmälert.
—— es moglich/ doß der Menſch ohne Aus
nfeben, ‚ohne Ohren hören; ohne Zunge ſchme ⸗
m, ohne — riechen, rg h und je:
liedmaßen fühlen, 38 ein ſelbſt folglich au
he. Art. bewußt. ſeyn konnte fo — — er biefe
rperlichen Theile für —* umduberflüßig 8
® weni, ige
ERFERFE:
VI Sn Maten -
Be
. Wenn wir uns demnach nicht darum für uns
ſelbſt Halten, oder uns als einzelne Menfchen kem
en gie her In geife Oele
J “
gewiſſen Gliedmaßen haben ;- fondern meil wir uns
—* a
eben denfeiben Dienfchen halt. Beni tcho auch
ö — er Teilen, Denn: Bie 0
a aus Inneren Vausthaften:
maden, ae Die ine; fonbern wur
Pe ———
Körpers fogen, ob es noch chen 4
vor Zeiten ein Theil von ihm feibft wer,
i
}4
:
Hi
Beil
3
5
3
2
H
:
N
usb deffen Secke Au
das geringfte Merfmaal, weder
vn en, noch von den Theilen, ob es eins,
en geblieben fen, oder nich, Er
m nur jeko fagen, das bin id), das iſt meine
and, mein Zuß, mein. Kopf, weil ü dariun
Foder ob alles, ober“ ‚oder
von feinem Körper er das alte fey, das
ihm fein
* Peimet und wre ſich alfo in ‚fine
Sauer für einen und denfeiben Menfchen,
2837
ie
; ir i
—
——
———
ſchet, ſich
en derſenige zu ſeyn, ber geſtern, bee
„ vor zehn, zwanzig, vierzig, ſechs ·
das und hl nach — ——
——— erfonnen, über! fehle
. Und daraus ift * offenbar,
iefen in ung, welches ſich bewußt
übrigen Ebbe und Fluth des Körpers,
abwechfelnden Begebenheiten, fürt«
Sen men ſich auch nur deutlich vorfteflet, mas
as Bewußtſeyn Heiße und in fich halte, fo kann
Aam Teiche erfernen, daß das Berruftfenn nicht
Draft finde, als in "einem fortdaurenden einzelnen
Ba el unter mencherley Veraͤnderungen
beffelbe bleibt. Denn wir find Bun —*
ft,
Hm
42 VI Abh. Vom Menfchen
daß das Papier weiß, die Dinte ſchwarz ſey; daß
es donnert und blitzet, daß dort Kuͤhe weiden, dort
ein Hund bellet. Wir kennen und unterſcheiden
aber ein Ding nicht eher, als wenn wir es zu feiner
eigenen Art ober Gattung binrechnen, das ift, zu
ben ähnlichen Dingen, deren wir uns vormals in
unferm Leben bewußt gewefen find, unb bie wir
mit einem gemeinen Namen zu bezeichnen
und zu unterfcheiden gelernet. haben. Ich koͤnnte
nämlich die weiße und ſchwarze Sarbe, den Blig
und Donner, die Kühe, bas Hundebellen, nicht
als folche erfennen, und von andern: unterfcheiden,
wenn ich mich nicht befönne, bergleichen Farben,
Sicht, Schall ober Thiere öfters in meinem Leben
gefehen und gehöret zu haben, welche ben gegen
wärtigen ähnlich waren; und wenn ich mich nicht
des Namens erinnerte, womit ich ein jedes feiner
Art anzudeuten gelernet, habe. Hierinn ſtecket die
Urfache, daß wir ung nicht alfofort bewußt ſeyn
Fünnen, fo bald wir auf Die Welt fommen,
Es ift alfo Fein einziges gegenmärtiges Bes
wußtſeyn möglich, als in einen Weſen, das ſchon
unter verfchiedenen Veränderungen und Zuftande
fortgebauret hat, und auch weis, daß es eben daſ⸗
felbe fen, welcdjes vorhin mehrmals in einem aͤhn⸗
lichen Zuſtande geweſen. Es ift nur der Unter
ſchied dabey, daß wir uns unfers vorigen Zuſtan⸗
des zuweilen nur undeutlich, zuweilen aber auch
deutlich, mit Zeit, Ort, Begebenheit und allen
Umftänden bewußt find, wenn wir ein gegenwaͤr⸗
tiges Ding fennen und von andern unterfcheiden.
Die gegebenen Epempel erfordern nur eine ur
| f
—— m radhen — . u a a — — —
und defien Seele. 443
he Erinnerung unferer vorigen vielfachen Erfah.
ng, um fich ihrer bewußt zu fenn ; wiewohl wie
» mehrentheils, mern cs nöthig wäre, in eine
utliche verwandeln koͤnnen, als daß die jekige
arbe, die wir weiß nennen, eben dieſelbe ſey,
elche wir am Schnee, am Schwane, an der Leine⸗
and, oder am Kalke gefehen haben. Aber wann
is etwas ſeltenes vorkaͤme, davon wir nur ein
ıd das andermal eine ähnliche Erfahrung gehabt,
B. ein Mafehornthier, ein Schlangencereus,
ne Afterfonne, ein Komet, u.d. gl. fo wird man
h aud) deutlich bewußt feyn, daß es eben ber
rt Dinge find, die man zu geroiffer Zeit, an ei⸗
em geroiffen Orte, mit gewiffen Unsftänden gefes
n bat.
Setzet hingegen, daß ein einzeln Ding nieht
etbauret, oder in verschiedenen Seiten und Um⸗
änden eins und daffelbe bleibt, fondern daß nach
nd nach andere einzelne ähnliche Dinge in deffelben
Stelle treten: fo geht dic Begebenheit der vorher⸗
thenden dag jegige nichts an. Wenn dieſem alfo
as begegnet, Das nicht ihm ſelbſt vormals, fün«
ern nur andern vor ibm, begegnet ift: fo kann es
ch aus feiner eigenen Erfahrung Feiner ähnlichen
älle befinnen, aljo auch das vorfommende nicht
ennen, noch von andern unterfcheiden; folglich
weis es auch nicht, was eg fieht, oder es ift fid)
effen niche bewußt. Wenn alfo dasjenige Be:
n, welches jeßt in ung mit einem Bewußtſeyn
npfinder,, denket, will, nicht eins und bajfelbe
‚heil von ung wäre, mas vor Zeiten aͤhnliche
Yinge empfunden, gedacht und gewollt bat, fons
dern
®
344 VI Abh. Vom Menfchen
dern die ähnlichen Empfinbinigen, GSedanken und
SBegierden wären in ganz andern einzelnen len
entitanden: fo Pönnte das jegige fi ch auch keines
Dinges bewußt ſeyn. Ja, wenn wir auch ein und
daſſelbe Theil in uns unter verſchiedenen en übnlichen
Begebenheiten fortbaurend feßten; wir ſtuͤnden
ni auch jedesmal eine Borftellung bes gegenwaͤr⸗
en Zuſtandes zu; aber wir wollten alle die vori⸗
gen ähnlichen Begebenheiten wieder aus ber. Wor⸗
ftellung biefes Theiles ausiöfchen, d. i. wir wollten
ihm die Erinnerung feiner vorigen Begebenhriten
abfprechen: fo würde einem folchen Theile von uns
‚jede Vorſtellung der Sinne allemal , als einem
Kinde, das 3 auf die Welt kannnt, gleich neu
und fremd fenn; es würbe bie gegenwärtigen mit
den vorigen ähnlichen nicht vergleichen koͤnnen,
umb alfo nimmer weder die dufferen Dinge, noch
ſich felbft, Pennen lernen, fich alfo fein felbft und
feines jeßigen Zuftandes fo wenig, ale ber Dinge
auffer ſich, bewußt fenn.
Es ift ung aber feine Wahrheit auf der Welt
Plärer , offenbarer und gewiſſer, als daß wir uns
unfer feibft, und anderer Dinge auffer uns, be
mußt find. Kein Zweifler ift noch fo weit ge
fommen, daß er fein eigen Bewußtſeyn, feine Em⸗
pfinbung „ fein Gefühl verleugnet hätte. Es
müßte auch alle übrige Wahrheit und Gewißheit
wegfallen, wenn wir Diefe aufhoͤben; meil wir von
nichts weder Begriff noch Weberzeugung zu haben
fähig find, als indem wir ung unferer Vorſtellun⸗
gen und deren Hebereinftimmung bewußt find. Da
nun niemand fich gegenwärtig bewußt feyn fann,
ohne
m. _ .
en — nn,
Seyns in mancherley vergangenen
{ tlich oder undeutlich zu erinnern: fo
iſt gleich klar und offenbar, daß dasjenige Wefen
in uns, welches ſich beroußt üft, unter verfhiede«
d forrgedauret
In und Begebenheiten ein Wefen, das fich ſelbſt
Durchrfein jegiges Bewußtſeyn uͤberzeuget, es fep
eben daffelbe, welches in vorigen Zeiten unter an
dern Umftänden gervefen; und darnach rechnet fich
ein jeder, in feinem ganzen Leben, für einen und
denſelben Menfchen.
u | eo
\
446 VIA. Vom Menfchen
jeder achtet fich wegen feiner fortbaurenden Seele,
fo lange er lebet, für einen und benfelben Menfchen.
Wenn ein Ding unter verfchledenen Veraͤnde⸗
rungen fortbauret, und, ungeachtet derfelben, eins
und dafjelbe bleibe, fo neniten wir es eine Eubftanz,
ober für fich beftebend Ding. Dagegen, wenn ein
Ding, bey gefchehener Veränderung, aufhöret zu
fenn, fo nennen wir es eine Beſchaffenheit bes
Dinges, (modum ober accidens.) Ein Wache
3.3. mag hart ober weich, Palt oder warm, fir
hend oder fließend ſeyn, mag diefe ober jene Figur
oder Sarbe haben, ruhen ober bemegt werben; fo
iſt und bleibt es, unter allen dieſen Veraͤnderungen,
eins und daffelbe Wachs. Das Wachs ift folglich
eine Subſtanz. Hergegen Härte, Kälte , Figur,
Narbe, Ruhe find nur Befchaffenheiten diefer Sub⸗
ftanz, weil fie durch eine jede Veränderung aufhoͤ⸗
ren zu ſeyn. Die Härte höret auf, fo bald das
Wachs weich wird; die fugelförmige Figur verliert
fih), wenn eine andere in ihre Stelle tritt: und
wenn eine ‘Bewegung entfieht, fo iſt es unmög«
lich, dag die Ruhe noch fortdauren follte,
Hätten die Menfchen gleich deutliche Begriffe,
und gleich beſtimmte Wörter, ober hätten fie nur
ihr inneres Gefühl gefrager s ſo mülden fie wegen
ihrer Seele nicht haben ftreitig fenn Finnen, ob fie
zu den Subſtanzen zu rechnen, ober nur ale eine
gewiſſe Defchaffenbeit bes menfhlichen Körpers
anzufehen ſey. Denn niemand kann fein Bewußt⸗
ſeyn verleugnen, aber fic) auch nimmer bewußt
feyn, ohne feiner vorigen Dauer eingeben? zu wer⸗
den, und ſich alſo eis einen und denſelben unter
verfchie-
und deſſen Seele. 447
verfchiedenen Umftänden zu betrachten. Er fann
ſich aber nicht, dem Körper nach, für einen und
denfelben halten: denn er Pennet fein einzig Staͤub⸗
chen feines ganzen Körpers, ob es geblieben, oder
vermoechfelt fey. Allein, die Seele, das Wefen in
ung, Das fich bewußt ift, kennet fich innerlich, als
eins und baffelbe in verfchiedener "Befchaffenheit und
Zuftande, und bat durch ſolch Bewußtſeyn einen
Begriff und eine Ueberführung von feinem Dafeyn,
feiner Dauer, und von der Zeit berfelben. Wird
nun bas, welches unter verfchiedenen Veraͤnderun⸗
gen forfbauret, und nicht aufböret, eins und dafs
feibe zu feyn, eine Subftan; genannt: fo iftja auch
fo offenbar, als was ſeyn Fann, daß unfere Seele,
bie Durch ihr eigen Bewußtſeyn uͤberfuͤhret ift, daß
fie noch eben diejenige ift, welche vormals mancher⸗
ley erfahren, gedacht und gewollt hat, für eine
Subſtanz gehalten werden müfle, und unter Die
bloßen Befchaffenheiten eines andern Dinges nicht
Fönne gerechnet werben.
$ 5
Ich muß mic) wundern, daß Weltweife diefen
fo leichten und ficheren Weg zum Selbfterfenntniffe
wiche gegangen find, und daher auch zum Theile
niche gewußt haben, was fie aus ſich felbft, oder
aus ihrer Seele, machen follten. Sie haben fi
auffer fich ſelbſt gefucher ; und da fie den Körper doch
niche für ihre Seele halten konnten, fo find fie auf
den irrigen Wahn gerathen, der noch bis in Die
neueren Zeiten fortgepflanzet ift, daß die Seele
nichts, als eine gewiſſe Beſchaffenheit des organis
ſchen
4438 VI Abh. Vom Menfchen
fihen Körpers, feyn koͤnne. Sie drucken ſich babey
auf mancherley Art, jedoch alle fehr dunkel, unbe
flimmt und zweydeutig aus. Die Seele fol in ei⸗
ner übereinftimmenden Bildung ber leiblichen Theis
“ fe, in einer gemwiffen Temperatur des Körpers, in
einer Harmonie oder harmonifchen Bewegung, in |
einer Lebenskraft u. ſ. w. beftehen.
Allein, fie mögen für eine Befchaffenheit des |
Körpers annehmen, welche fie wollen, fo werben
fie fich nicht darinn als ein Wefen erkennen, bes
fich bey feinen Veränderungen bewußt iſt eins und
bajfelbe zu feyn. Soll es eine rubende, bleibende |:
DBeicyaffenheit, eine übereinftimmende Bildung, |,
Proportion und gemwiffe Zufammenfügung fen: }
fo kann ja diefes mit den Veraͤnderungen in unfes
rer Seele, mit den Empfindungen, Gedanken, |
Meigungen und QSegierden, deren wir uns inner |
lich bewußt find, nicht beftehen. Wenn aber
Veränderungen in der Bildung und Zufammenfüs |
gung entfiehen follen, fo höret ja die vorige Be |
fhaffenheit der Bildung und Zufammenfügung |
gin,lich auf, und dauret unter der folgenden nicht
ſort; fo wie eine ‘Bildung von einem Würfel nicht
mehr die Eigenfchaften einer Kugel behalten kann.
Wie kann denn die veränderliche Bildung und gu |
fammenfitgung etwas fortdaurendes fenn, und fi |
als ein foldyes bewußt ſeyn? Die jegige war ja ı
noch nicht bey der vorigen, und die vorige ift nicht
mehr bey der jegigen. Wollte manfegen, daß |
gar ar:bere förperliche Theile in diefelbe Bildung
und Verknuͤpſung eräten, als wie in einem Strale
des Waſſers und Lichtes geſchieht: fo hätten doch
die
und defien Seele, 449
e jeßigen koͤrperlichen Theile, die in ber vorigen
tele getreten find, ihr fortdaurendes einzelnes
3efen mit den andern nicht gemein; fonbern, wenn
8 die Seeleausmachen follte, fo wäre das jegige
chitens eine Eeele, die ber vorigen ähnlich, und,
zu reben, in diefelbe Form gegoffen wäre; es
ären.boch verfchiebene einzelne Seelen, davon die
igenben nicht müßten, mas ben vorigen begegnet
Will man den andern Begriff von einer wirk⸗
men Beichaffenheit, als von einer Bewegung,
e unfere Seele annehmen : fo ift mwieber offen.
mw, baß eine jede Bewegung, es fey Handlung
‚er $eibenfchaft, durch eine Veränderung aufhde
t, dag zu feyn, mas fie war. Der veränderte
on iſt nicht mehr der vorige. Und wenn mir
Ton ſowohl, als Geruch, Geſchmack, Geficht,
efühl, für eine innere Veraͤnderung in unfern
eperlichen Theilen, infonderbeit des Gehirns,
men wollen: fo iſt doch gewiß, daß unter viel
ufend Arten von Tone, Schalle, Geruche,” Ges
ymacfe, Gefühle und Gefichte, ein jedes fich in un⸗
rn Werkzeugen der Sinne auf feine eigene befon«
we und verfchiedene Weife ausdrucke. Wenn
fo eine Veränderung in biefer Bewegung entfte»
m foll, fo kann ınan ohne Widerfpruch nicht fes
en, baß die neue Bewegung mit ber vorigen eins
nb eben diefelbe fen, oder daß die vorige in ber
tzigen fortbauze, noch daß fie alle mit einander eins
ab. Die Süßigfeit dauret nicht fort, wenn cine
Bieterfeit in die Stelle tritt: auch ein aus beyden
ermifchter Geſchmack ift nicht mehr wer reine,
Sf Dick
lichften Veränderungen mit ben vorigen ei
diefelbe, welche fortgebauret hätte, fondern
lauter verſchiedene einzelne Veränderungen ,
jede für fich zu ihrer Zeit entſteht, vergeh
durch andere unähnliche abgemwechfelt wird.
iſt denn in ſolcher Reihe von Veränderung
eine und daffelbe, welches unter allen biefe
änderungen fortbauret ?
Die Seele aber ift fich felbft bewußt,
ein fortdaurendes Wefen fey, melche alle Die
änderungen von tauſenderley Geſchmacke, ©
Tönen und Bildern, nach und nach, allein
rem einzelnen Wefen angenommen, und me
dem gegenwärtigen Zuftande ihre verga
fieht ; michin felbft in den Veränderungen er
annoch eine und diefelbe zu feyn, die fie |
fhiedenen vorigen Zeiten war. Die
alfo Peine bloße veränderliche Beſchaffenhei
andern Dinges, fondern eine Subftanz, |
und deſſen Seele. 451
reine. Alles, was ein Bewußtſeyn in ſich
ließe, nämlich alle äußere unb innere Empfin⸗
ag, alle Luft und aller Schmerz, alle Einbilduns
ı, Gebanfen, Neigungen, Begierden, Affecten,
5 geht alles in einem einzigen Mefen vor. Es
eben daffelbe Wefen, welches bie Schmerzen im
ıpfe empfindet, Das auch in ber Hand, in ben
därmen, im Fuße fühlet, Das mie der Naſe
che, mit der Zunge ſchmecket, mit ben Augen
ht, mit den Ohren höre. Die Werkzeuge biefer
ls ähnlichen, theils verſchiedenen Empfindungen
d zwar räumlich auffer einander und an verfchies
nen Orten, und laffen fich von einander trennen:
er das empfindende Wefen ift doch nur eins und
m daſſelbe. Wenn benn auch Millionen ver
iebene Punfte oder Stellen unferer Haut und
ſers innern Körpers durch Anfeßung einer Na⸗
Ifpiße empfindlich find: fo ift doch nur ein einzig
zeſen, bas alles allein allenthalben empfindet,
ber eben das Weſen, welches fich ber gegenwaͤr⸗
ven Dinge, nach der Empfindung, bemußt ift,
auch Basjenige, welches fich, Durch feine Einbils
ngsfraft und durch fein Gedaͤchtniß, die verganges
n und abmwefenden Dinge empfunden zu habe, erine
rt. Eben das, mas denfer, ift auch BABY mas
npfunden hat: eben das, was da mill, iſt auch
is, was da denfet, das Ding fen ihm guf.
Es ift alfo eine unnatürliche und wider un«
e Bemußtfenn laufende Einbildung, wenn einige
h felbft in ihrer Vorftellung getheilt haben; ich
ill fagen, daß fie fich überredet, es mären in ihnen
seele und Geift, oder, nach anderer Mennung,
F f 2 Der
452 VI Mh. Dom Menfehen
Berftand und Wille, als zwo Subſtanzen,
fhieven. Denn, wenn nur ein Wefen fü
deffen, was in uns gefchieht, innerlich bew
fo kann das, was in einem Bewußtſeyn E
nicht in verſchledenen Subftanzen vorgehen.
wenn eine jede Subftanz ihr befonderes B
ſeyn Hätte, fo müßten wir auch zwo Eeelen
und geboppelte Menfchen feyn; tie biejenige
da zween $eiber an einander gemachfen, ober
mehr, theils weniger (nur die Köpfe ausc
men) in eins geſchmolzen find; in welchen !
in der That zwo Seelen, ober zween Die
nen.
Es ift der Mühe werth, daß man diefe
dere und feltene Begebenheit mit ihren Umfi
betrachte , weil fie nicht wenig zur Erlaͤut
was der Menfch und bie menfchlihe Seel
beyträge. Es giebt Geburten von Zwillinge
nicht allein, jedes mit vollfommenen Glied
an einander geroachfen find; fondern ba auch
einen wenigere oder mehrere, äuffere oder I
Gliedmaßen mangeln, oder mit der vollkomn
Geburt ihren Gliedmaßen in eins gefchmolzen
Bon den.vollfommenen Zwillingen, die an ein
gewachſen, weis ich mich eines. Beyſpieles 3
Maͤgdchen zu befinnen, die im Anfange diefes ‘
hunderts allerwärts herumgeführet wurden ,
nur am Kreuze zufammen gewachfen war
> Diefe zwey Maͤgdchen, HZelena und Judith gen
find 1701, den 26 bed Weinmonats, in ber |
ſchaft Eomern, in Ungarn, in bem Dorfe S
.
44 VI. Vom Menfchen
Jacob IV in Schottland, einer maͤnnlich
Schlagfluſſe g
der Sprache und Vernunft Schaden gelitt
daher anjetzo etwas einfältig ſcheint.
ſich eine nicht wohl befunden, hat auch
dere ebenermaßen, ob ſie ſchon mit
Krankheit nicht bebaftet war, einige Un
dem Gemuͤthe, Schwachheit der Sinne
unordentliche Bewegung der innern Ch
Acibes verſpuͤbret. Doch ſchreibt Mich.
Ettmuller in. Difp. de Monſtro Hungaricc
Georg. Chr. Werther) Lipf. 1707. $XHI.
fen allzufehr verſchwiſterten Magdchen, da
in Leipzig geweſen, die jüngere Judich mil
chen geplagt worden, wovon aber blealtere,
nicht$ gewußt; daß fie aber doch beyde zug
den Pocken danieder gelegen. Gie find ı
Bebr. geftorben. ©. Philof. Tranſact. Vol
p- 311. und die Conumentarios de rebus in
nat. ct medicina geflis, wo auch eine auf
Beſchreibung von einem Dectore Medicin
ob. Torkos gefunden wird, welcher mer
ſchwangere Mutter hatte fich an Hunden, Di
men hiengen, verfehen.
'ura lumbive
Oo
vera Jihern tur, aut 4
E00 Meran erg has
r ‚Quod diferimen etiam in morte fuit ma=
ner ad ehe
* um [et ,
—— füi computrefcente, 1 el
ren Scoti Prorege, de ve
Gnquit Buchananus) eo. R
| € fuperfumt homines i Tun ch bac
Siehe auch * den Cainerarii
— er IL e,
| an lei⸗
au — zen daraus gezogen, re
van. Duni
15 Sn km a
ſich beſonders bewußt iſt.
—
——
Seelen
B HR enint
IN ji a i I
235 *
EEE ss is; z 322 Hi,
u il
Han | HERR
Ku iin
vergangene Dinge j
s eine urtheilet und fehlieft anders, wie
und ein Kopf Fönnte, feiner Einſicht
;
6 man bie Einpelnen Iptenfihen nich,
ð. ſondern nach der Seele, rechnet
1b in jbem Btnfen orbetfher
Sutnan af nase wären, =
f5
458 VI Abh. Vom Menfchen
die vorgegebene Seele und Geiſt, oder verſtaͤn⸗
dige und wollende Subſtanz ſeyn ſollen, deren jede
fuͤr ſich empfaͤnde oder ſich bewußt waͤre: ſo wuͤrden in
jedes Menfchen Körper auch zwo Seelen wohnen, oder
zween Menſchen ſtecken; welches ungereimt, und wider
alle innere Erfahrung ifl. Der Grund des Irr⸗
thumes liegt bloß barinn, daß man aus ber ver»
fihiebenen Borfiellung und Mei gung der Seele,
dadurch fie mie fich felbft in einen Kampf geräh,
perfchiebene Subftanzen gemachet. Allein, eben
‚das Wefen in uns, welches fich bewußt ift, daß
ipm ein Ding, nad) finnlicher Vorftellung ‚. reigenb
und gut lafle, ift auch dasjenige, welches fich be⸗
wußt ift, daß es eben daſſelbe Ding, nach ber |
reineren Borftellung ber Vernunft, für böfe aufe |;
ben und verabfeheuen müffe : fo wie es eine Seele
ift, welche den halb im Waſſer ftehenben Stock,
nad) bem Gefichte, für gebrochen, nach dem Ge⸗
fühle, für gerade halt, i
$ 7. |
Da denn, ordentlicher Weife, nur eine Sede ı
im menfchlichen Jeibe wohnet, und biefe eine Sub⸗
ftanz allein alles aus allen räumlichen Punkten des
ganzen Leibes empfindet, und fich allein alles beffen, |
WAS darinn gefchieht, bemuße iſt: fo iſt biefes
Empfinden und Bewußtſeyn eigentlich niche in
vielen Theilen, die auffer einander find, nicht im
Zufammengefeßfen ober Ausgedehnten; f find bie
vielen Theile auffer der einen Seele, bie in allen \
Theilen allein alles empfindet ; fo unterſcheidet ſich
biefe eine Subſtanz von allen räumlichen Punkten
des
Au
‚See; *
|
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‘
N
|
33
ANHER
260 VI Ah. Bom Nenſchen
ben dadurch in einem Körper fo viel Seelen gefeßt,
als nur empfindliche Stäubchen find, .
Mon ftelle ſich die Sache im Großen vofn
Wenn viele Menfchen fi) angefaffet t haben, und eis
erſchuͤttert wirb : fi
berühren, faft zugleich, eine
ähnliche Veränderung. Dennoch hat ein jeber für
ſich feine eigene einzelne Empfindung, die nicht des
andern ift; ımb daher find es auch
Menfchen mit verfchiebenen Seelen. Wenn num
die Staͤubchen unfers Körpers, bie fidh einander |y
berühren, von dem Eindrucke der Sinne, auch je |.
des für fich, feine eigene einzelne Empfindung hätte: |,
fo würde ja eben daſſelbe müffen gefaget werben, daß |
L
jedes fürfich eine Seele ſey. Allein, der Buß emo :
det nicht für fich, noch bie Hand, noch der Kopf,
nod) irgend ein Lleineres Theil des Körpers : die |;
eine Seele empfinder allein alles in allen. Das Is
Auge fieht nicht befonbers, das Ohr höret nicht bes k
fonders, u. ſ. w. es ift eine und diefel e Seele, die ;;
im Auge fieht, im Ohre höret, in der Naſe riecht, 1
in der Zunge ſchmecket, in Millionen —— des
ganzen Koͤrpers, wo nur eine Nadelſpitze
ſetzet wird, allein alles fuͤbhlet; folglich —* * |
fen den vielen Theilen, barinn fie allein alles fühlet,
unterfchieden ift. Die Seele ift demnach eine eiw |.
fache Subftanz, nicht aber ausgedehnt, jufammen- :;
geſetzt, oder theilbar;; fie iſt alfo von unferm Korper
gänzlich unterfchieben,
Wenn
8 Deine zwey, aus jedem empfindli
heilchen deſſelben ein era am
—— müffen alſo dieſe empfindlichen
Theile auſſer bdeyden Seelen, und
menden unterſchieden feyn. Da nun in ſolchen
tisgeburten "die Geſetze der Empfindung und
örflellung nicht anders find, als bep-andern ein.
Men Seelen: fo find. bey allen Menfchen die
mtetigher Tpeile, worinn fie empfinden, =
64 VI Abh. Vom Menſchen
fer ihrer einen Seele, und von derſelben u
ſchieden.
$ 8
Diefe Verſchiebenheit der Seele von allen
perlichen Theilen erhellet auch baher, daß bie |
le, —— ſich der Dauer nach
von keinem einzigen Staͤubchen unſers garen!
pers bewußt, ob es noch eben baffelbe fey, wel
wir vormals gehabt haben, ober ob ein andere
deſſen Stelle getreten ſey. Wir kennen fein e
ges Theilchen unfers Leibes, weber von innen:
auffen, durch irgend ein Merkmaal, ob es
das alte, oder ein neues fen; fonbern wir w
nur durch gegenwärtige Empfindung in benfel
baß fie jegt zu unferm ch gehören. Demnar
die Seele, bie fich als diefelbe in ihrer Dauer
nerlich Pennet, von allen Theilen des Koͤrp
Davon fie fein einziges als daſſelbe kennet, in
Der Körper ift nämlich der Seele gleich
sum Spiegel gegeben, worinn fie ſich felbft,
Melt und den Schöpfer erfennen fann.
ben Spiegel an fich ift fie nicht gemwiefen; ob
unverrüde derfelbe bleibt, oder ob fie die D
hernach in einem andern untergefchobenen fi
daran Siege ihr nichts; genug, daß fie-fich fe
Wir koͤnnen nicht. über Kopffchmergen, nicht
1 nicht über Bauchgrimmen, nicht
in ig einem empfindlichen. Theile
xs tebes
Die face if offenbar, Denn, wenn der
‚von unferm Körper den Urfprung nimmt,
d find die verlegten Theile auſſer einander, und
!äumlidyunterfchieden; und die Seele, welche ſich
ven: gegenwärtigen Zuftand ihres Körpers a
ü
genau anzuzeigen, wo
= wehe thut ; bey dieſem aber nichts raͤumli⸗
ber
464 VAbh. Vom Menfchen
voeſtellet, weis bie Theile anzugeben‘, we Wi
Fee
Seele nicht aus der Vorſtellung irgend einer
Raum ausmachen, und deren jedes einen gen
Ort einnimmt.
Wäre die Seele koͤrperlich, ober ein ?
unmſers Körpers, und der fogenannte Gemä
verdruß eine Verlegung biefes Körpers, i
diefee Materie: fo müßte man, infonderbeit
einer ſcharfen und heftigen Leidenſchaft, den!
anzeigen Fönnen, wo die feften Theile zerriffen, «
zu ftarf gebehnet, ober gedruckt worden, und’
es folglich fo heftig wehe thäte. Denn da hat:
Ausflucht nicht Statt, welche man bey fihnad
und langfamen Gemüchsempfindungen ,
uth, Sehnſucht, und dergleichen mad
koͤnnte. In ſolchem Falle könnte man etwa fag
daß diefe dennoch Eörperliche Leidenfchaften wär
welche viele Theile des Körpers zugleich auf e
dunfele Weife befchwerten; daß man’ baher eh
gewiſſen Theil, darinn es wehe thue, anzugef
nicht im Stande fey: es fey ıms oft im Ken
nicht recht, wenn etwa eine Krankheit Kae
Be ni fi
bemerken, ba der Schmerz. vor an⸗
men — Allein, Diefe —2*— tagt
day Aöazfen und. Geftigen Semüchtempfinbun:
ab freien an Pe
——— —— br Wr But
n, nicht im Magen, nicht im Sperzen
—* will ſagen, daß die Art der Empfin
eb in beyden Faͤllen ſehr umterfchieden ſey⸗
BR ſich fühlen, aber nicht befchreiben. Jo⸗
fann mats Diefes nicht allein ben beydetley hef⸗
ſendern auch gelinden Empfindungen in ſich
ſparen. Denn wenn ſich das menſchliche
eine Unordnung, Schiefigkeit, übele Pros
mund Bildung, oder ungereimte Wahl von
, Wößts fo weis ein jeder bey fich ſelbſt, Daß
fowohl das Auge einen Eindruck bekoͤmmt,
ER wacht ‚vertragen koͤmte. Denn was
ke ie an Linie das Auge mehr
fs eine gerade, ober längere? Son⸗
2 leidet eine Unluſt von —* eige·
Ber: Unvollkommenheit; gleichwie es
kumn- bee Einficht der Ordnung, ——
—— wi omeſ· € ar Ä
| _ u BE * N
466 VI Abh. Vom Menſchen
ſich natürlicher Weiſe zur Vollkommenhel
— are fe Mufter verfeiben, we ,
VWerſtand und Meigung gebefiert und ber
‚ werben, Die gegenfeltigen
ben den Geſchmack ber Seele, und *
| wach und mac zur |
ein anber Merkmaal. des Unterfef
nen. auch * beachten, was einen
ſchwaͤcheren Eindruck machet, als andere.
Die Vorſtellung abweſender Dinge iſt ar
allezeit ſchwaͤcher, als der gegenwaͤrtigen: wir
nen fie aber wüikuhrlich ſtaͤrker und klaͤrer ma
als alle Vorſtellung —— Dinge, ſo
wir Hören und Sehen darüber vergefien, 1
ben gegenwärtigen Dingen) die uns rühren,
ber Schall, der ins Ohr fällt, leifer und: ſchw
feon, als das Licht, welches die Körper im
bildet: aber wir haben es in unferer Macht,
dunfelen Schalle nachzulaufchen, ohne auf die
genftänbe des Gefichtes zu achten. In dem ‘
mablen fich die Dinge am Flärften und deutlichſte
welche ber Augen Axe gegenüber fliehen; die an
deſto dunkeler und undeutlicher,, je weiter fie
dem Mittelpunkte bes Auges zur Seite An
Dennoch kann uns eins zur Seite regen, daß
bie Augenoren wilfüßrlich nach dieſem *
N
J
"mb deffen Seele. 467.
FE ', wih’es vor andern zu beobachten,
u. — * verſuchet, die Augenaren unver⸗
ande auf einem Gegenſtande zu laſſen, und dabey
Kimnodh nicht dieſen, ſondern etwas, das ganz zur
Beite fliid, und mid; gar nicht angieng, willt ühr⸗
— * Seele der demnach ein Vermögen, einem
Vorſtellung, der an firh von
} cke entfianden, willkuͤhrlich
Werwiegende Klarheit und Siart. zu geben,
mm ae üdrige an ſich flärere Boeftelungen
werden. Es tft auch fein Zweifel,‘ baf
eNAebung barinn vieles thue, da einer die aus. :
hweifenden Gedanken, wenn fie ſich etwa Durch
e Sinne fößren laſſen, fo oft und fo lange wieber
Bid ruft, bis er fie ganzin feine Macht befömmt.
—— mich auf namhafte Maͤnner berufen,
t, dep ler Toben und $ärmen feiner Kin⸗
win ion herum, ſchwere Berechnungen und
Mendärfe zu Grande brachte; ein anderer noch
en, vor-bemöffenen Fenſter am Markte,
je Auffäge und Dedudiones verfertiget.
Iber, ein jeber hat ben N, obwohl die meiften in
— geringerer Maaße, Die tägliche Erfahrung
’ die Vorſtellung niches als eine Re-
Ma} vber det Gegendruck des Gehirnes gegen den
ehe Eindruck; und waͤre die ausnehmende
Mcheung eines Toells der ganzen Vorstellung
Kits, ais bie ftärffte Reactio, ober der flärffte
des Befims gegen einen geroiffen Theil
w Malen Eirende | ſo maßte nach —*
ſetzen
48 VIA. Vom Menſchen
‚bie vorgegebene Seele und Geiſt, oder verfiäw
dige und wollende Subftanz fenn follen, deren jebe
fire ſich empfaͤnde oder ſich bewußt waͤre: ſo wuͤrden im
jehdes Menſchen Körper auch zwo Seelen wohnen oder
zween Menſchen ſtecken; welches ungereimt, und wider
alle innere Erfahrung iſt. Der Grund bes Irr
ehumes liegt bloß darinn, daß man aus ber ven :
ſchiedenen Vorftellung und Neigung der Seele, |
dadurch fie mie fich felbft in einen —— ei,
verſchiedene Subftanzen gemachet. Allein,
das Wefen in ums, welches fich bewußt iff,
ihm ein Ding, nad) finnlicher Worftellung ,.
und gut laſſe, ift auch dasjenige, welches fich bes
mußt ift, daß es eben baflelbe Ding, nach ber
reineren Borftellung der Vernunft ‚ für böfe anfes
ben und verabfeheuen müffe : fo wie es eine Sede
ift, welche den halb im Waſſer ftehenden Stod,
nad dem Gefichte, für gebrochen, nach dem Ges
fühle, für gerade hält,
$ 7
Da denn, ordentlicher Weife, nur eine Seele
im menfchlichen Leibe wohnet, und dieſe eine Sub⸗
ftanz allein alles aus allen räumlichen Punkten bes
ganzen Leibes empfindet, und fich allein alles deffen,
ERS darinn gefchieht, bewußt iſt: fo if biefes
Empfinden und Bewußtſeyn eigentlich niche in
vielen Theilen, bie auffer einander find, nicht im
Zufammengefeßten ober Ausgebehnten; f fi nd bie
vielen Theile auffer ber einen Seele, bie in allen
Theilen allein alles empfindet ; fo unterfcheidet fich
biefe eine Subſtanz von allen räumlichen Punkten
des
kn
mad deſſen Seele. 1289:
‚ausgedehnten und Aufammengefg ten
als ein einfaches » bas ber einzie
are Mittelpunkt iſt, worinn ao Der
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460 VIA. Vom Nenſchen
ben Dabush in einem Körper fo viel Seelen gefek,
als nur empfindliche Stäubchen find,
berühren, von dem Eindrucke der Sinne, auch je
des für fich, feine eigene einzelne Empfindung hätte:
fo würde ja ebendaffelbe müffen gefaget werben, def
jedes für ſich eine Seelefey. Allein, der Fuß empfin⸗
dee nicht für ſich, noch bie Hand, noch der Kopf,
nod) irgend ein Pleineres Theil bes Körpers : bie |
eine Seele empfinbet allein alles in allen. Des
Auge fieht nicht befonders, das Ohr höret nicht v |
fonbers, u. ſ. w. es iſt eine und biefelbe Seele, die
im Auge fieht, im Ohre höret, in ber Mafe red,
in der Zunge fchmedet, in Millionen Punkten de |
ganzen Körpers, wo nur eine Mabelfpige
feget wird, allein alles fühle; folglich auch von ir i
fen den vielen Theilen, darinn fie allein alles fühle, :
unterfchieben ift. Die Seele ift demnach eine ein |
fache Subftanz, ee aber ausgebehnt,, zufammen .
gefegt, oder theilbar; fie ift alfo von un Kia
gänzlich unterfihieben, rem |
en |
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e64 VI Abh. Vom Mafhen ° |
fer ihrer einen Seele, und von berfelben unten
ſchieden. |
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Diefe Verſchiedenheit der Seele von allen fie
perlichen Tpeiten erfellet auch daher, baßı bie Ges |
le, wie ich oben gezeigee, fich ber Dauer nach be
muße ift, eben biefelbe zu ſeyn, welche vormals fo
—— Feel innerlich —— ihrer J—
8 an ver⸗
ſchiedenen |
’
— — J
Veraͤnderungen, als ein einzeln fertban
vendes Weſen, kennet. Nun find wir uns aber
von feinem einzigen Staͤubchen unfers
pers bewußt, ob esnoch eben baffelbe fey, :
wir vormals gehabt haben, oder ob ein anderes an ;
deffen Stelle getreten ſey. Wir fernen fein ein |
ges Theilchen unfers Leibes, weber von innen noch
auffen, durch irgend ein Merfmaal, ob es no \
bas alte, oder ein neues fen; fonbern wir wiſſen
*
T.
nur durd) gegenwärtige Empfindung in benfelbeh,
daß fie jegt zu unferm Ich gehören. Demnach ft
die Seele, die fich als diefelbe in ihrer Dauer im :
nerlich Pennet, von allen Theilen des Körpers,
Davon fie fein einziges als daſſelbe kennet, unter
ſchieden.
Der Körper iſt nämlich ber Seele gleichfem :
sum Spiegel gegeben, morinn fie jich felbft, die
Melt und den Schöpfer erfennen fann. Auf
den Spiegel an fich ift fie nicht gewiefen; ob ber
unverruͤckt derfelbe bleibt, oder ob fie die Dinge
hernach in einem andern untergefchobenen fieht,
daran Liege ihr nichts; genug, daß fie-fich ſelbſt,
und
j "Bir können nicht ber Kopffchmerzen, nicht
Herzklopfen, nicht über Bauchgrimmen, nicht
iber Stiche in irgend einem empfindlichen Theile
xs klagen.
¶ Die Urſache iſt offenbar. Denn, wenn der
d ‚von unferm Körper ben Urfprung nimmt,
6 find. die ‚verlegten Theile auſſer einander, "und
täumlich unterfihieden; und die Seele, welche ſich
en. gegenwärtigen Zuftand ihres ‚Körpers genau
* wor
SIEHT zu oer DEI, OR JIE DEFYOETIEIB nec
guten Rräften gewefen, zwifchen ibnen em:
den, bat diejenige, welche fich ſtaͤrker zu
glaubte , die andere über die Achfel genom
und Davon getragen. Jedoch find fie viel
eines ftillen und ſanftmuͤtbigen Weſens, al:
fie ſich oft erzuͤrnen ſollten Die j
dich iff vor ungefähre drey Jabren Mbit ı
Schlagfluffe geeübrer worden, wodurch ff
der Sprache und Vernunft Schaden gelitten,
Daher anjetzo etwas einfältig fcheint. &
ficb eine nicht wohl befunden, bat auch di
dere ebenermaſien, ob fie fon mis gle
Krankheit nicht behaftet war, einige Unrul
dem Bemütbe, Schwachheit der Sinnen ,
unordentliche Bewegung der innern Theile
Acibes verfpäbrer. Doch fihreibt Mich. E
fEttmuller in. Difp. de Monftro Hungarico, (
Georg. Chr. Werther) Lipf. 1707. $ XII. vo
fen allzufehr verſchwiſterten Maͤgdchen, daß, |
in Leipzig gewefen, die jüngere Judich mit G
eben geplagt worden, wovon aber diealtere, &
nicht3 gewußt; daß fie aber doch beybe zugleii
den Pocken danieder gelegen. Sie find 172
-® uar deſſen Seele. 48
bl aufwarcs alles gebeppelc,
aber len einfad) genefen *,
Sf —
ger en Bond.
his nicht — —
—5* —S — eu u,
>. III, cap. 2.p. 5. anführen will, bac tem.
. füb jacobe IV Rage) Zn
" nevi generis in Scotia votum efl, inft-
U riere quidem corporis parte, moris, mic quic-
—— Serge —— — —2*
1, 8* * mis Sean]
[3 ufum et tem diferetis,
—* ed er ofen um ct
ravit, ac maxime in Mnficis, qua in re mirabiliter
—* —
1a corpora [eeum (eutiebant,
W= lisigabant, cum aliud alii placeret : inte:
velut * commune confultahant. And etiam in
Ve red quod cum inferne erura Iumbive
F 2) corpus communiter dolorens
‘ : cum vero ‚e Pungeretur, aut alloqui
, ad He corpus tantum doloris Jenfus
—* Quod diferimen etiam in morte fuit ma.
Li⸗ —— nam eum alterum corpus complures
"ante dies exflintum fuiſſet, —* Faperfles
ri rent ſui computrefcente, paulasim co» ie,
annos viginti o@o, ac dece/it admi-
ae Seoticam Joanne Prorege. de re
" I Gngtit Buchananus) eoconfidentius , quod
adbne füperfunt homines bonefli cömplures , qui bac
—— Siehe auch hievon den Camerarius in
j 6 —— 67: p. The Bere
nd bedaure nur, iejenigen, lei⸗
ven feftene Zufälle a beobachten Gelegenheit ge
. babe, nicht mehr Nutzen daraus gejogen, und ins
als zween gefunde Menfchen verfchieden find
che von einem und bemfelben Punkte bes dr
Körpers ein Bild in den Augen und Gebanfı
fen, oder beyde einen Ton hören. Uebrige
zwifchen beyden Seelen, ſowohl in ber Vorſt
diefee einen Weränderung im gemeinfchaf
Theile, als deren Folgen, vielmehr aber n
andern Empfindungen, Gedanken und Gen
bewegungen, ein gemaltiger Unterſchied.
eine fchläft, wenn bas andere wachel. Da
empfindet und bemerfet, was das andere ni
merfet. Das eine ftellet fich bey dem &eg
tigen, in feiner Einbildungsfraft, ganz and
fonderheit vieles, was die Seele betrifft, :
achtet gelaffen haben. Ich wuͤrde wenigſte
chen zween eingefleifchten Menſchen noch
ſchiedliche Fragen gethan haben, wie ihnen
fem und jenem alle oder Theile zu Dur
m annt worden; welches nr
ft, daß man die einzelnen Menſchen nicht
Bier, fonbern nad) der Seele, rechnet
ann Menſchen ordentlicher
* Ei age ann wur:
458 VI Abh. Vom Menfchen
bie vorgegebene Seele und Geiſt, ober verſtaͤn⸗
dige und wollende Subſtanz ſeyn ſollen, deren jede
fuͤr ſich empfaͤnde oder ſich bewußt waͤre: ſo wuͤrden in
jedes Menſchen Koͤrper auch zwo Seelen wohnen, oder
zween Menſchen ſtecken; welches ungereimt, und wider
alle innere Srfaheung. ft. Der Grund bes Irr⸗
ehumes liegt bloß barinn, dag man aus ber ver
ſchiedenen —— und Neigung der | |
Allein,
has dein in ums, eldes fich bewußt ift,
ihm ein Ding , nad) finnlicher Vorftellung ‚. reigenb
und gut faffe, ift auch dasjenige, welches fich bes
mußt ift, daß es eben baffelbe Ding, nach ber
reineren Borftellung der Vernunft, für böfe anfe :
ben und verabfeheuen müffe : fo wie es eine Sede
ift, welche ben halb im Wafler ftehenden Stod, |
\
nad) dem Gefichte, für gebrochen, nach dem Ge
fuͤhle, für gerabe hält,
$ 7.
Da denn, ordentlicher Weife, nur eine Seh :
in menfchlichen Leibe wohnet, und diefe eine Sub :
ftanz allein alles aus allen räumlichen Punkten des
ganzen Leibes empfindet, und ſich allein alles beffen, :
WS darinn gefchieht, bewußt ift : fo iſt biefes
Empfinden und Bewußtſeyn eigentlich nicht in :
vielen Theilen, die auffer einander find, nicht im
Zufammengefeßfen oder Ausgedehnten; f find bie |
vielen Theile auffer der einen Seele, bie in allen
Theilen allein alles empfindet ; fo unterſcheidet fich |
3 biefe eine Subſtanz von allen räumlichen Punk
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260 VI Ah. Vom Menſchen
den dadurch in einem Körper fo viel Seelen geſeßt,
als nur empfindliche Stäubchen find.
Man ftelle ſich die Sache im Großen ver.
Wenn viele Menfchen ſich angefaffet haben, under
ner durchs Electrifiren erfchüttert wird : fo
— Erſchuͤtterung allen mit, welche ſich aw |
Koͤrpern, bie ſich berühren, faft zugleich, em 4
ähnliche Veränderung. Dennoch har ein jeber fir |
ſich feine eigene einzelne Empfindung, Die näche des
andern ift; und daher find es auch verfchleben
Menſchen mit verfchiedenen Seelen. Wenn
die Staͤubchen unſers Koͤrpers, die ſich
berühren, von dem Eindrucke der Sinne, auch je
des für ſich, feine eigene einzelne Empfindung hätte: |
fo würde jaebenbaffelbe müffen gefaget werben, daß
jebes für ſich eine Seele ſey. Allein, ber Fuß empfin |
det nicht für fih, noch Die Hand, noch der Kopf,
nod) irgend ein Pleineres Theil des Körpers : die |
eine Seele empfindet allein alles in allen. Das |
Auge fieht nicht beſonders, das Ohr hoͤret nicht ber |
fonders, u. ſ. w. es ift eine und Diefelbe Seele, bie ;
im Auge fieht, im Ohre höret, in der Naſe riecht,
in der Zunge fehmedet, in Millionen Punkten bes '
ganzen Körpers, wo nur eine Mabelfpige hinge :
feßet wird, allein alles fühlet; folglich auch von al |
len den vielen Theilen, darinn fie allein alles fühle, -
unterſchieden ift. Die Seele ift demnach eine ein⸗
fadye Subftanz, nicht aber ausgedehnt, zufammen :
gefeßt, ober theilbar; fie ift alfo von unferm Korper
gänzlich unterfchieden, |
| Ben
i 4:
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heilchen deſſelben ein — werden;
Bee
len,
he beyden unterſchieden ſeyn. Da nun —
De bie Gefege der, Empfindung und
Or Io booten Meikden, de
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eperliche Theile, worinn fie —— ur
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1, nicht
iber Stiche ‚in irgend einem. empfindlichen Arie
er ift — Denn, wenn der
von unſerm Koͤrper den Urſprung nimmt,
„bie ‚verlegten Theile auffer einander, und
unterſchieden; und die Seele, welche ſich
* ——— Buftand ihres Körpers: on
zu ſtark gedehnet, oder na worden, und‘
j s folglich fo beftig “ Denn da
- Ausfluche nicht rare * man bey N
- und langſamen Gemuͤt
Schwermuth, Sehnfucht, und dergleichen N
konnte. In ſolchem Falle koͤnnte man etwa ſe
daß dieſe dennoch Körperliche beidenſchaften
welche viele Theile des Körpers zugleich auf ein
Du wm befchwwerten; daß man daher ei
ſen Theil, darinn es wehe thue, anzugehn A
Richt im Stande fen: es —
nicht recht, wenn etwa eine Krantheit ſchleichend
5 mm:
0
Ai le gef te
mfeinen
feharfen und Geftigen Bemürhtempfinbun
—
—— nicht im Magen, nicht im Heyyen
Ion will ur fagen, daß die Art der Empfin
in beyden Fällen fehr unterſchieden ſey⸗
a füten, abee nicht befehreiben. a
fan man diefes nicht allein bey benderien hef⸗
Ken) fondern auch gelinden Empfindungen in ſich
Ubi fpüren. Denn wenn fi) das menfchliche
kigean eine Unordnung, Schiefigkeit, übele Pre
und Bildung, oder — rd von
* fo weis ein jeder ; bal
He oplBa Auge einen — —
"8 nicht vertragen koͤnnte. Denn was
eine fehlefe ober kürzere Linie das Auge mehr
—— als eine gerade, ober längere? Son.
ernüch leidet eine Unluſt von feiner eige ·
Km Einficht der —E— gieichwie es
—— Einſicht der Ordnung, Proportion
Mb Uebereinſtimmung, geniept- Ee er
” * ⸗ BE
- "7 r *
466 VI Abh. Bom Menſchen
fich natuͤrlicher Weiſe zur Wollfommenkeis g
8 und liebet daher die Muſter derſelben, ws ,
VWerſtand m Neigung gebefiert und ben
werben. Die gegenfeltigen Vorſtellungen vı
ben den Geſchmack der Seele, und gewihn
nach und nach zur
HET
li n uns
lich, vermoͤge ve dm. tamfenberiey gegen
tige Dinge zugleich vorfiellen: fo beachten sole
allein eins umter allen andern —
uns den ſtaͤrkſten Eindruck giebt, ſondern
nen auch willkuͤhrlich beachten, was yore
ſchwaͤcheren Eindruck machet, als andere,
Die Verſtellung abweſender Dinge iſt ar
allezeit ſchwaͤcher, als der gegenwärtigen: wi
nen v e aber roillfühelich kärfer und flärer mc
als alle Vorftellung gegenmärtiger Dinge, fo
wir Hören und Sehen darüber vergeffen. 1
den gegenwärtigen Dingen, die uns rühren,
der Schall, der ins Ohr fällt, leifer und ſchw
ſeyn, als das Licht, welches die Körper im.
bildet: aber wir haben es in unferee Macht,
dunkelen Schalle nachzulaufchen, ohne auf die
genftände des Gefichtes zu achten. In dem '
mahlen ich die Dinge am Flärften und deutlichkte
weiche dee Augen Age gegenüber fiehen; bie an
deſto Dunfeler und undeutlicher, je weiter fie
dem Mictelpunfte des Auges zur Seite abwei
Dennoch fann uns eins zur Seite reisen, daß
die Augenaren willführlich nad) dieſem 8
N
— rn a ve Seeie 467
ftande drehen, um es vor andern zu beobachten.
ich esoft Kari, die Augenaren under«
| einem Örgenftande zu laffen, und dabey
, fondern etivas, das ganz zur
hand, und mich gar nice angeng, milfühe
u ‚See hat demnach ein Vermögen, einem
Vorftellung, der’ an ſuh von
me Bd thue, da einer die auss
n —* en, wenn etwa
Sin e flößren Iaffen, — —
iſt, bis er ſie garzin feine Macht bekõmmt.
mich auf namhafte Maͤnner berufen,
ne E66 Allem Toben und Laͤrmen feiner Kins
herum, ſchwere Berechnungen: und
zu Stande brachte; ein anderer noch
hvor dem offenen Fenſter am Marfre,
Auffäße und Dedudtiönes verfertiger,
* ein jeder hat bey ſich, obwohl die meiſten in
Maaße, die tägliche Erfahrung
— Vorſtellung nichts als eine Re⸗
— Gegendruck des Gehirnes gegen den '
ne eig und wäre bie aiisnehmende
ehe Theils der ganzer Vorſtellung
als die ſtarkſte Readio, oder der ſtaͤrkſte
age e ende — einen gewiſſen *
müßte, "nach den Ge
fegen
k. .
daß wir etwas auffer uns vorſtellen,
3 VIEH. Bom Menſchen
" ‚ber Eirperlichen Bewegong, bi e: Rönkfiiriieg
I re ber ſtaͤrkſten Adtion gleich feyn,.ub:
mit derſelben übereintreffen; folglich wuͤrde die
Beachtung aflegeit Kefien auf den Gegenftenb
wi '
handelt, den ine, ale
müßte
EEE
Tr
—— Endruck ꝙ
bie tägliche
Ih Gabe mi Fleiß — die den |
Unterfchied ‚zwifchen Seele und Leib, auf eine klare
und fühlbare Art, burch innere Erfahrung. zeigen.
fürzer, ſondern auch überzeuglicher unb unleugbe
rer, als fcharfimnige Beweiſe, welche aus be
mefentlichen Beſchaffenheit der Materie und des
Se —8 weitlaͤuftige Vernunftſchluͤſſe gep⸗
en we
Ich will dieſen aber dadurch ihre Staͤrke niche
abſprechen. Ich glaube allerdings, man hat Recht
zu behaupten, daß aus der Materie, unb allem,
was von ihr befannt ift, nichts von dem, was bet
Seele eigentlich zukoͤmmt, erklaͤret werden mag.
Denn wer kann ſich wohl erdreiſten, daß er *
unſers Körpers zuſammengeſetztem Weſen,
deſſen ——— begreiflich machen wol,
Pd nt "
und deſſen Selen 469
Buhl: heben, uns bewußt find, bie Dinge da
vergleichen, und beren Ueberein⸗
mamung einſthen? Wer wird nicht geftchen muͤſ⸗
*8 ee Denen wornach fi) Die Kräfte der
Materielles halten, folches ohne ine
Brunb und. fcheinfichkeie vorgeben.
— daß man noch nicht fo weit ge
Namen wäre, einen Widerſpruch pre
Materie und.dem Denken zu zeigen: fo hätten doch
We Gegner darum wenig Ehre zu fprechen. Man
jetrachte nur bie. — * und flatterhafte Vernuͤnfte⸗
des Mannes, der in neuerer Zeit die. Seele zu.
Inem Nichts, und ben ganzen Menſchen zu einer .
Hoßen Fösperlichen NMafchinemachen wollen. Sollte
won. nicht vermuthen, wer einen folchen Satz zu
2 unternimmt, bes wuͤrde Doch den Hayıpt-
heneiff-ehner Maſchine, worauf alles anfdmant, er-
Höret, ‘und feinen Beweis darnach eingerichtet har
hen? Denn da eine Mafchine ein zuſammenge⸗
Inter Körper ift, deſſen Veränderungen durch ge⸗
nr Bewegungsfräfte, nach Art der Zufammens
Biung, und nad) ben Regeln ber Bewegung, er⸗
pigm: fü erwartete man bon ihm, baß ex die Ver⸗
. 693 ande .
470 VI Abh. Vom Menſchen
aͤnderungen, welche ber Seele zugeſchrieben werben,
das Empfinden, Denken, Bewußtſeyn, Wollen,
als eine räumliche Bewegung gewiffer Theile unfers
Körpers darſtellen, und felbige aus befanneen |
Kräften und Regeln ber Bewegung, nach Befchafe
fenheit der Zufammenfegung unfers Körpers, ver,
ftändlich machen würde. Aber Demerrius hat
uns weber einen Begriff von einer Mafchine geges
ben, noch die Hauptfrage durch ſolchen "Begriff be
ftimmt, noch in der Ausführung jemals daran ge
dacht, zu zeigen, daß die Berrichtungen ber Seele
eben diefelben find, und auf eben diefelbe Art, und
nach eben venfelben Regeln gefchehen, wie die Ver⸗
richtungen in einer Mafchine.
Das einzige, worauf Demerritis hauptſaͤch⸗
lich in dem ganzen Werfchen dringt, iſt, mas wit
langft gewußt haben, und mas niemand leugnet:
daß die Seele in ihren Verrichtungen und $eidene
fehaften vom Leibe abhänge. Aber er hat babe
nimmer bedacht, daß er aus biefer Erfahrung feis
nen Satz durch einen falfchen Schluß erfchlice.
Müßte er nicht eingefehen haben, daß er heimlich
voraus feßete: Was vom Körper oder von ber Ma
terie abhängt, das iſt Förperlich ober materiell?
Was von einer Mafchine abhängt, das gehoͤret mit
zur Mafchine? Muͤßte er nicht diefen Sag, worauf
er in der That alles bauer, ausdrücklich ermäßnt,
und deutlich erwiefen haben, wenn er was ordentlis
ches und gründliches hätte fchreiben wollen ? Davon
aber ift feine Spur bey ihm zu finden; und den⸗
noch ift ber Gag grunbfalfch. Das Leben hängt
won leblofen Dingen ab: das Erkenntniß von den
iß mit -den
ugen 7 Kann bee Spiegel und das Sicht, fo wie
ws Auge); ** a a AL
.r.@elbkt Die dee Seele
iebrigen
ya Wachsthume einer geiftigen fteigen foll,
sen Penner. Aber es ift im Gegen
* wahr, baf der gefundefte Körper ohne
zwar Cörperliche , aber boch todte leblofe
— un würde, Er würde bie klaͤrſten Aus
wibshen, und doch nichts o kben; bie fchärfeften
(den, und doch nichts hören; die zarteſten⸗Ner⸗
75 doch nichts empfinden; ; bie gefchlanfig«
e Zitße und Haͤnde, und body nicht gehen noch
beiten, das vichtigfle Gehirn, und doch nichts
ben ‚ wollen und befchließen. "un aber belebet
Keoͤrper, und wahres alle Augenblicke die —* zu
.2 9 4
bu
a7 VIA, Vom Menſchen |
= nach ref ser Prim und fiebe, | |
eg
it ein: menden
—————
bängt, “|
€s if 2) war, daß Die Gemürffräfte mie
‚den Körper von der Kindheit an ordentlicher Weife 3
wachſen, auch oft ‚mit dem hohen Alter nieder abe |
nehmen, ge jenes. ift nicht ſowohl dem Wachs ·
ume bes Körpers an füch, fendern der Natur der
Eine nur ſtufenweiſe in ihrem Erkenntniſſe und
in ihren Fe tigfeiten zunehmen kann, zuzufchreiben;
Diefes aber ift an ſich Feine nothwendige Folge ber
abnehmenden leibes · und Sebensfräfte, ſondern eine
zufällige Schwachheit, welche auch das: blühende
Alter treffen kann, wenn: deſſen Krankheit aufs
Gepivne fällt. An ſich, wenn nur das Gehirn
verſchont bleibt, (wie es ja in vielen Rranfpeiten
des Alters verfihont bleiben kann,) folget vielmehr
natürlicher, daß die Bollfommenheit des
größer fen und immer größer werden müffe +
eine lange Erfahrung, oͤftere Hebung im ——
und mancherley erworbenes Erkenntniß von Wahr⸗
heiten, da ein Tag den andern gelehret, und eine,
Einſicht zur andern das Licht gegeben hat, mathe
wendig das Urtheil richtiger und gewiſſer machen
muß. Zu geſchweigen, wenn der * Reiz
matter geworben, und das Feuer der Einbildungs«
3 und —— iſt, daß als denn viele
eure reilungen und Tporbeiten weg ⸗
fallen, und Die Kathfeliffe weifen, Aigen, nor:
ſichtiger, bie Gemirsr un und Lebensart geintin,
ipiben Selbe, der ih dem Tode nähert,
— —
ug,den Einwurf, meiden Die Mascceli
—— sinjihe One w
Kheuskodften.der koͤrperlichen Maſchine
lwrifen. —
bämlichen Verrichtungen
u Gehims, wird zwar —— nicht
naraber man kann nicht leugnen, de |
vum das Gehirn, als ein Werkzeug beliebiger
nllungen und koͤrperlichen Handlungen, im
zuge won ber. Seelen Willkuͤhr abhänge: und
(e,. daß fie an die Regeln eines mechanifchen
res und Gegendrucks nicht gebunden iſi.
A wicht zu leugnen, daß bie actiones vitales
mimales ber ganzen koͤrperlichen Mafchine'if
Ende nahe fern Binnen, wenn Diejenigen
ses, worinn das eigenthümliche eben der
e:befleht,, in voller Kraft fortgehen.
D&s Hit wahr, daß die Veränderungen und
Iißsungen der Seele von den Werkzeugen der
wähhängen. Wenn Augen und Ohren sn
eben finb ‚ fo fönnen wir nichts fehen
wenn es ihnen an Vollkommenheit
fe fehlet, fo ſehen und hören wir nur dunkel
verworren, Wenn bergegen in gefunden Aus
wib Ohren ein Mares Bid und heller Schaft
6 ‚ber. andere Eindrücke überwiegt, fo müfs -
wie: es ſehen und hören, und haben es auch
da unfert Macht nen ſchwarz für gi
m VI 08. —E0
bald. nähern, bald baven entfernen, oben
Hülfsmittel der Brillen, Wergrößerungsgiäf
Sernröhren gebrauchen, den Staar ſtechen
oder einen Sim in die Stelle des andern
Ja, wir find auch vermögend, bie Dinge. anbe
fonft, zu empfinden, wenn wir unfere Werfreu
zu vorbereiten und gewöhnen. Go verhält
mit dem Geſchmacke an Speifen, am Tobaf
Meine auf Käfe oder Zucker; und mit dem &
in der Gewohnheit an Arbeit oder Ruhe, a
ce oder Wärme; und felbft ben Fnnfichen &
find wir fähig durch Vorſtellung zu verdunkel
die ſinnliche Luſt zu echößen. Und eben berg!
Gewalt haben wir guten Theils auch über di
liche Einbildungskraft.
4) Es ift wahr: wenn bem Leibe woßl ı
iſt dem Gemüthe gemeiniglich auch *
wenn jener mit Krankheit und Schmerzen ba
iſt, fo fpüren wir auch im Gemuͤthe eim
azufriedenheit. Allein, man fe doch *
und deſſen Seele. 45
hergeffen , daß die Heiterkeit umb Tugend bes Ge
ME —— und um:
terfeit des Körpers, ja rien Bor Leben hat;
—— daj dir Zufälle erträglich
* nd das Verberben dei. Ges
| en (fecten und $after der Gefundheit
ind dem $eben gefährlid) wir, die, Wibermärtige
feiten vergrößert, und durch endlich
die —— des Selbſtmordes wit brin ·
* bin hierinn aufiheg, und fe die
ni Be le nem Lebe in fanem Onider
über ich verlange auch, daß ar eben ſowohl auf
Die Dependenz bes feibes von der Seele achten,
und fich daher im Schließen nicht _— fofte,
So menig wir aus der Abhängigkeit des Körpers
bon der Seele ſchlleßen fönnen, daß —E
besteibes oder deren Materie eine Seele ſey:
en fo wenig koͤnnen wir aus ber gegenfeltigen
Wöböngigfeit ber Seele von ihren Förperlichen
Iisberteilen. Werk eugen richtig Ichließen, daß fie
fens mit denſelben und gleichfalls ‚materiell
Sbs fange man nicht bewelſen kann, daß fie
einerley wefentliche Eigenfchaften haben, fich
fi Handkı ähnlich
hen: Bi er Einaut von ber Bapntg
u Ban mern eine mechanl ·
Ye f der Seele waget:
7
76 Vl Abh. VBomn Menſchen
pn als aufs ung, Kate?
möglich und AL, einen Xen zu une
fen, —— wie die Menſchen, von Ju
auf, zu ſolchen Begriffen und deren Felge gei
net Fee, und eben —— und guß,
ein Mae, denken, urtheilen, ſchließen und '
chen koͤnnte.
Es wäre eine große Frage, ob in foldher |
nunftſchule, und nad) folder Anmweifung zum 3
fen, Die Affen zu Menfchen, oder vielmeh
Menfchen zu Affen werden möchten? Nien
wird fich und feine ebleren Verrichtuugen, bie
Seele bengeleget werden, in dieſer mechanifchen
fihreibung fennen; ober deswegen feine Seele,
er fo Elar-und dautlich von feinem Körper unterf
det, in. feinen eigenen Gedanken vernichten.
jeder, dem bie üblichen Beweiſe von dem einfe
und geiftigen Weſen unferer Seele befaunt |
wird leichtlich einfehen, baß biefelbe durch des;
metrius Segengeünde und Erklärung nicht un
ftoßen oder wanfend gemacht werben. Ich get
mir aber zu fagen, wenn fich einen auch in
deutlichen Begriffe und verfetteten Schluͤſſe
Schulen von dieſer Wahrheit niche fo vollfom
fioden koͤnnte, daß ihm doch fein eigenes Hi
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BÜESSERTSGBER _
478 Vl Abh. Vom · Menſchen
Sie iſt ſch bewußt, daß fie nicht allen —
Bu je a bie
und folglich der —
ſichthar und es ——
⸗
gleichen. Wielmebr, weil der erſte ürſprung ber
Nerven und aller Empfnbung auffer einander, und
—— an ß Bi Kae anderes =
J ſich im Anfange des Sehenervend, der
Bilder, ein anderes, das fh im Anfange des Ger
börnerveng der Töne, u. bin * feined
aber, das alle Einpfinbun en zufammen fa
und alle in feinem einzelnen Weſen allein v
te, und mit einander vergliche. Da nun aber die
innere Elare Empfindung ung vollfommen uͤberzen
En daß dieſes gefchiebt, fo = uns diefelbe ein
hreres Licht Don unferer die äuffere
F — des Körpers — tann. Die
beiten Zergliederer muſſen — daß fie in dem
Gebirne fremd find, und daß fie von auſſen den
Weg zum Gige der Seele nicht finden Fönken.
Aber ihr finnliches Unvermögen kann uns die inne
re Hare Erfahrung eben fo wenig verbimkel
wem und —— ſtreitig machen, daß wir
in rg vn fr Vören können *
mm M
ee behaupten, Nah 2 Dr eine Ausdehnung
bis rund um die Wand des Zinmers Haben mügte
und deſſen Seele, 49
———— Leibes em ·
Inte, fonbern auch in ſich die ſchaͤrffte Empfindung
* da fie feine Pre er
wo es i zu
‚Alalich P, wohl von bem sufammengefege
untechhieben, als
In fh untpeibar fe.
fh: banpuße , Daß fie einem
er Lorftellung eine wißfüßrliche Stärke
geben ann, die alle Erärfe und
Eindrucks
ik des finulichen
folglich in dem Stucke ben: Seſetzen der
Wanagung vie untermorfen fe, nach
ie, wie ein Körper wothwendig eg com
uch der mi nähe en lebloſe Körper um ber
Beele willen, als welcher das Seben eigentlich. zus
AUnſer leib wird daher billig organiſch ge ·
amt, meil alle feine Glieder Werkzeuge der Seele
mb ihrer Sebensverrichtumgen ſind; bie Augen des
, Die Ohren des Horens, das. Gehirn al
ee. Empfindung ı und Vorftellung. Da nun alle
Gebanfen von der Empfindung den Anfang
lehnen , und, alle unfere Neigungen unb Begier·
auf eine fünftige vorausgefepene Empfindung”
Ki — waͤrtige or ·
ſche Körper unferer Seel⸗ J
ER
swmd -
. 485 VE ASS: Bringen
alle⸗ alle’ Dinge bewu
A ee nach u rn 2
Was aber von der Aufferen Eirperlichen
geſaget iſt, gilt auch von unferm eigenen KR
Denn die Theile unfers Körpers bilden fich in ans
‚ been Teilen unfers Körpers ab; mir fehen alle ums
fere Gliedmaßen vermittelft der Augen, wir taften
diefelbe mit den Händen, wir hören unfere Berdei
gung und Sprechen mit den Opren, und-endlid
drucker ſich alle übrige Weränderung im ganzer Kor⸗
per in dem allgemeinen erften Werfzeuge der Ent
pfindung, dem Gehirne, aus. Wie man alfo im
Spiegel nicht allein die äufferen und vom Spiegel,
verſchiedenen Dinge, ſondern auch zugleich den Spie
gel felbft ſieht: fo ftellen wir uns aud) in unferm
Körper nicht allein die Auffere Förperliche Welt, fm
dern auch unfern eigenen Körper vor.
Allein, die Seele, als das Auge, welches alles
auffer fih in dieſem Spiegel fieht , ſieht · ſch
Bari auch felbft; fo ferne fie fich, als das ei
alles empfindende, denfende,, wollende Wefen, fo
—
- und defien Seele. 481
bon. den äufferen empfindenen Dingen, als
von ihren eigenen Werkzeugen der Empfin-
ag, üunterfeheidet.. Denn wir heben ſchon ge
en, wiebie Seele, als das einzige Weſen in
8, welches ſich bewußt ift, alle verſchiedene
ıeile des feibes-als auffer ſich und auffer einan ·
Voorftellet ; wie fie wohl einfiehet,; daß fe, "bie
Fibrer ſelbſt, als eines und deſſelben forzdauren-
Weſens, bewußt ift, ven feinem 'eingigen
behen ihres ganzen Körpers wiſſe, ob es noch
8 und baffelbe [ey ,-folglich von allen und jeden
s ganzen Körpers unterſchieden fen ;
e fie auch innere feharfe Empfindungen hat, wal⸗
fie in feinem räumlichen Theile des ganzen Lei⸗
$ angeben kann, folglich nichts -Ausgebehn,
— und Zuſammengeſetztes in ſich
t.
Beleg wird unſerer Seele atich ber Körper,
"durch denfelben. die ‚Förperliche Welt, zum
egel der Gottheit, weil fie nun mit iprem Wer.
be. in den jichrbaren lebloſen Dingen die erfte
(endige Urſache: in der Mannichfaltigkelt, Ord⸗
ng und Uebereinſtimmung Der Dinge, den un.
hen Verſtand und die Weisheit derſelben; in
Nutzen der leblofen Dinge, zus Luſt und
efefigkeit der Sebendigen, die befte und guͤtigſte
Diefes höchften.Wefens erblidee. Auf ſol⸗
ife dienet auch der Seib unſerer Seele um
„nicht allein der finnlichen Luſt, fondern
vernünftigen höheren Bergnügens ;-bas
auch ins Geiftliche und Unendliche
Und diefes iſt es, deſſen uns ber waht«
7 Gaftig
ihrer eigenthuͤmlichen Sebensart anerſchaffenen Werk⸗
zeuge nach eigenem Winke und Gefallen; und ſiehe,
ſie gehorchen ihr mit einer zunehmenden Fertigkeit,
bie von ben Stufen ber Seelenfertigfeiten abe
gt. |
Es ift 2) wahr, baf bie Gemuͤthskraͤfte mi
dem Körper von ber Kindheit an ordentlicher Weiße
wachſen, auch oft mit dem hoben Alter wieder ab»
nehmen. Aber jenes ift nicht fowohl dem Wache |
ume bes Körpers an fich, fondern der Natur ber |
eele, bie. nur ſtufenweiſe in ihrem Erkenntniſſe ind
in ihren Fertigkeiten zunehmen kann, zuzufchreiben. |
Diefes aber ift an fid) Feine nothwendige Folge ber
abnehmenden Leibes⸗ und Sebensfräfte, fondern eine
aufällige Schmachheit , welche auch das blühende
Alter treffen Fann, wenn deffen Krankheit aufs
Gehirne fällt. An fih, wenn nur das Gehirn
verfchont bleibe, (mie es ja in vielen Kranfheiten
Des Alters verfchont bleiben kann,) folget vielmehr
natürlicher, daß bie Vollkommenheit des. Geiftes
größer feyn und immer größer werden müffe : weil
eine lange Erfahrung, öftere Uebung im Denken,
und mancherley erworbenes Erkenntniß von Wahr
heiten, da ein Tag den andern gelehret, und eine.
Einfiht zur andern das Licht gegeben bat, noth⸗
wendig das Urtheil richtiger und gemiffer machen
muß. Zu gefchweigen, wenn ber (unbe Reiz
matter geworden, und das euer der Einbildungs«
kraft und Affecten verraucher ift, daß alsbenn viele
Vorurtheile, Webereilungen und Thorheiten weg«
fallen, und die Rathſchluͤſſe weiſer, Plüger, vor
ſichtiger, die Gemuͤths⸗ und Lebensart gefeßter,
Ä ordent⸗
‚und defien Seele, 473
berlicher, ruhiget und zufriebener fenn Bann.
8 ift alfo an fich falſch, daß die Seele mit dem
nehrgenden Leibe, ber fih dem Tode nähert,
ıthmenbig unvermögender werden muͤſſe; und Die»
s iſt genug, ben Einwurf, weicher die Materialis
€ der Seele auf eine gänzliche Dependenz von
m Lebenskraͤften der körperlichen Mafchine bauer,
zuweiſen. Die Dependenz ber Seele in ihren
genthümlichen Verrichtungen, von gemwiffen Thei⸗
n des Gehirns, wird zwar dadurch nicht aufges
„ben: aber man fann auch nicht leugnen, daB .
teberum das Behirn, als ein Werkzeug beliebiger
3orftellungen und Eörperlichen Handlungen, im
Jebrauche von ber Seelen Willführ abhänge, und
var fa,.daß fie an die Regeln eines mechanifchen
indruds und Gegendrucks nicht gebunden it.
uch HE nicht zu leugnen, daf die adliones vitales
nd anımales der ganzen koͤrperlichen Mafthine ih⸗
m Ende nahe fern Fönnen, wenn Diejenigen
Aiones, morinn das eigenthümliche Leben der
Seele befteht, in voller Kraft fortgehen.
3) Es tft wahr, daß die Veränderungen und
Zerrichtungen der Seele von den Werkzeugen der
Sinne abhängen. Wenn Augen und Ohren ganz
erborben find, fo Finnen wir nichts fehen noch hoͤ⸗
m: mern es ihnen an Vollkommenheit And
Schärfe fehlet, fo fehen und hören mwir nur dunfel
nd verworren, Wenn bergegen in gefunden Au⸗
en und Ohren ein Flares Bild und heller Schall
atſteht, der andere Eindrücfe überwiegt, fo muͤſ⸗
m wir es ſehen und hören, und haben es auch)
icht i in unferer mad F wir ſchwarz fuͤr weiß,
roth
Eindrud gewandt, und veir dem ſtarler
wandt werden kann; theils, fo ferne wir
Ohren, Nafe, für den Eindruck verfopl
— koͤnnen, ober. uns den Gegen
bald baven .entferuen, abı
und. deſſen Seele. 475
wgeffen, daß bie Seiterfeit und Tugenb bes Ge,
uͤthes vielen Einfluß in Die Gefundheit und Mun⸗
rkeit des Körpers, ja in ein langes $eben hat;
enigſtens, daß fie die widrigen Zufälle erträglich
achet : fo wie hergegen Das Verderben des Ges
ches, durch Affecten und Laſter der Gefunbheit
nd dem $eben gefährlidy wird, die Widerwaͤrtig⸗
ten vergrößert, umd durch Verzweifelung endlich
ie Enefdyließung des Sclbftmorbes mit fich brine
m kann.
Ich bin hierinn aufrichtig, und verhehle bie
Jependenz der Seele vom Leibe in feinem Stüde:
ber ich werlange auch, daß man eben ſowohl auf
ie Dependenz des Seibes von der Seele achten,
nd fich daher im Schließen nicht übereilen folle.
50 wenig wir aus der Abhängigkeit des Körpers
on der Seele fehließen Fönnen, daß die Mafchine
es $eibes oder deren Materie eine Seele ſey:
yen fo wenig fönnen mir aus der gegenfeitigen
lbhaͤngigkeit der Seele von ihren koͤrperlichen
tateriellen Werfzeugen richtig fchließen, daß fie
nes Wefens mit benfelben und gleichfalls materiell
m So lange man nicht beweifen kann, daß fie
eyde einerley weſentliche Eigenfchaften haben, fich
ı eigenthbümlidyen Kräften und Handlungen ähnlich
nd, und ſich nach einerlen und eben benfelben Regeln
ichten : fo ift aller Einwurf von der Dependenz
tel und umfonft.
Wenn Demetrius ja zumeilen eine mechanis
he Erflärung der Berrichtungen der Seele waget:
’ find fie mehr des Belachens, als einer Antwort
yürdig, Er vergleicht z. B. bie Vrfielung der
inge
mög und Tec vor, einen af. ü
fen, er —* wie die Menſchen, von
auf, zu ſolchen Begriffen und Deren Folgı
net — und eben fo vernuͤnftig und
din De, denken, urteilen, fiplleßen:u
Es märe eine große Brage, ob fa ſolch
munfefhufe, unb nad) ſolcher Auneifung au
ken, die Affen zu Menſchen, oder
ibung ke —* feine S
ne * von —— — m
det, in. feinen eigenen Gedanken
Be dem bie üblichen Beweiſe vom *
a Dir infhen, De Bike Da
einfel
—— a und Erklärung wid
a .
Che im ganzen —— einzig fep, bie alles
* jen Körpers, empfindet; und da
ME dieſe Punkte des zufammengefegten
waffen einanbee und verſchleden find, Daß fie feibft
w —— Mittelpunkt aller dieſer Beränderun«
yon ia den empfindlichen Theilen auffer ſich mi
4 Der Hert de la Mettrie in inem Traite de PAme
€ X- 57. 8. 9. merfet an, daß die Nerven im Ge-
"Birne an ganz verſchiedenen ans dem Mars
te felsen ( fubllantia medullari ü
Bil Pi feine — t —E *
men uge, und liederungsku
—S Bee on tann. ten,
Ei rum nicht Urface, e
Sede, * ar und d mare ent de
——— her Yes 5 ——
— E—
48 VER. in: Menfchen
Sie iſt ſih bewußt — an
und folgti — En
n alles in allen Stine 6 —
2 % empfinden, und mit einander wer
"gleichen. Wielmebr, weil der erfte Ueſprung 3
Nerven und aller Empfindung auffer einander, und
verſchieden wäre: fo winde ein anderes Weſen
ſeyn, das fich im we des Sehenervens der
Bilder, ein anderes, das N im Anfange des Ges
börnerven der Töne, u. f w. bewußt Die 5
"aber, das alle Empfindun; ai jufammen Ai
und alle in feinem einzelnen Wefen allein vorfielle
te, und mit einander vergliche. Da num aber die
innere flare Empfindung ung volltommen überzeus
get, daß diefed geſchiebt, fo giebt und —
mehreres Licht von unſerer di als die ai
Zergliederung des Körpers gewaͤbren kann.
beiten Zergliederer muſſen geſteben, dag ſie in dem
Gehirne fremd find, und daß. ſie von auffen den
Weg zum Gige der Seele wicht finden. Fönhen,
Aber ihr finnliches Unvermögen kann ung die inne;
re Hare ‚Erfahrung * san — J
wenn und ji id wollte Be
in einem, dem Anſeben ‚ganz verfchloffenen.
— — — ee en
n fete, unfer
B hd rund um die Wand des Zimmers
Bu D
a
= .
0
und defien Seele, 479
sänmlich unterfihledbenen Theilen bes Seibes em·
une, fonbern auch in fich die fchärffte Empfindung
1 Berbeußfes habe
engefi
in fich untpeifbar ſey.
Vericung eine —— Staͤrke
Macheit geben kann, bie alle Staͤrke und
als des finulichen Eindrucks verbunfelt; und
afe ſolguch in dem Stüde den: Geſetzen ber
u Bewegung nicht unterworfen: fen, noch
e, wie ein Körper nothwendig m
$ Ir
j. Die Abhängigkeit ber. Seele von cheem Kir
the inneres fiares Bewußtſeyn von ſich
E Selmesiveges umſtoßen. Wie alles Ieblofe
Wogerliche um der Sebendigen willen ift: fo ift
Ber menfchliche an ſich lebloſe Körper um ber
willen, als welcher das Leben eigentlich. zu-
—* Unſer Leib wird daher billig organiſch ge:
veil alle Glieder Werkzeuge der Seele
R —— —— ſind; die Augen des
Behes, bie Ohren des Hoͤrens, das — * al⸗
* Empfindung ı und Vorſtellung. Da nun alle
DE Dedanken von ber Empfindung den Anfang
Kon, mib alle ımfere Neigungen un Begier-
‚eine, fünftige vorausgefehene Empfindung”
iin ſo dienen der zu den Bei egenwaͤrtige ot»
miſcht Birper unferer Seele —*2 vn |
a4868
alles ſteht, fi. eh Dinge 6 —7
| * ne B
len, Veränderungen und Eigenfhaften, WW u.
,, Meinen Welt, dem Körper, abi +" Wie Yancen U
Oirperiche Belt niche —— U...
Veraͤnderungen
nichts dom Schale if; *
Was ⸗aber von der Aufferen een:
geſaget ift, gilt auch yon unferm eigenen
Denn die Theile unfers Körpers bilden! fi) in an⸗
. bern Theilen unfers Körpers ab; wir fehen alle um
fere Gliedmaßen vermittelft ber Augen, wir taſten
Diefelbe mit den Händen, wir hören unfere Bere
gung und Sprechen mit ben Ohren, umd endlich
drucker ſich alle uͤbrige Weränderung im ganzen Ries
per in dem allgemeinen erften Werfzeuge der Ex
pfindung, dem Gehirne, aus. Wie man alſo in
Spiegel niche oflein die äufferen und vom Spiegel
Yerfchiedenen Dinge, fondern auch) zugleich den Bpie
gel felbft ſieht: fo ftellen wir uns auch in
Körper nicht allein die aͤuſſere Pörperliche Welt fon
dern auch unfern eigenen Körper vor. |
Allein, bie Seele, als das Auge, welches *
auſſer ſich in dieſem Spiegel ſieht, *
drinn auch felbft; fo ferne fie — als en
ales empfindende, denkende, wollende
. ‚und defien Seele. 481
den äufferen en Da de
‚von eigenen Werkzeugen der
ung, en a Denn wir ben ſchon ges
ben, wiebie Seele, als das einzige Wefen in
welches fich bewußt iſt, alle verſchiedene
Seite teibes-als auſſer ſich und auffer einan-
; wie. fie wohl einfieht,; daß fie, "bie
‚ihrer feibft, als eines und deſſelben forzbauren«
BWefens, beruft ift, von feinem "einigen
h ihres gangen Körpers wife,‘ 0b gs ruch
d do EN ‚folglich von allen und jeben
ganjen Körpers unterſchieden fen ; fa;
here Kar efe Empfindungen hat, wu
Er Pr? feinem räumlichen Theile des is
angeben. Fan, folglich nichts · Ausgedehn·
Wi age und. Zufanmengefegtes in fi
ich wird unferer Seele auch ber Körper,
hdenſelben bie ‚Eörperliche Welt, zum
el der Gottheit, weil fie nun mit iprem Wer.
— den ſichtharen lebloſen Dingen die erſte
b fache: in der Mannichſaltigkeit, Ord⸗
“ u) Mebereinftimmung dev Dinge, den un-
Bölichen Berftand und die Weisheit Berfelben ; in
Mugen ber leblofen ‚Dinge, zus Luſt und
ſeligkei — Sebendigen, die befte und gůtigſte
ht d en Weſens erblider. Auf ſol⸗
Weiſe dienet auch der Seib unſerer Seele zum
ge, nicht allein der ſinnlichen Luſt, fonden
b eines vernünftigen höheren Vergnuͤgens, bag
erlangen auch ins Geiſtliche und Unendliche
ket. Und diefes Bo beffen uns ber wahr⸗
9b haftig
482 VI Abh. Vom Menfchen
haftig edle Geiſt des großes Brockes, mit ſei
irdiſchen Vergnügen in Gott, nad) den K
ten ver Vernunft, theilhaftig machen wollen.
$ 12
Wenn aljo ber $eib ein ſolches Werkzeug
©eeleift; was dürfen wir uns denn wundern,
fie von diefem Werkzeuge wiederum abhan
daß fie in diefem Spiegel vieles gar nicht |
anderes klar ober bunfel, deutlich oder undeul
langfam oder hurtig, ordentlid) ober unorden
richtig oder verwirret und falfch vorftellee ? ba
nach folcher Borftellung Luſt oder Unluſt, Neic
oder Abneigumg fpütee? Wenn ein Spiegel ı
darnad) fteht, daß er die Bilder gewiſſer Koͤn
nach den optifchen Regeln, in unfer Auge zu
werfen fann, oder bunfele blinde Flecken hat :
iſt auch dem gefinndeften Auge nicht möglich,
es die Dinge darinn fehen kann. Wenn
Spiegel mit Hauche oder Schmuge an gem
Stellen, oder überall, angelaufen ift: fo wei
wir die Dinge fo ferne nur dunfel und unvolff
men darinn wahrnehmen. Wenn der Spi
nicht flach und glatt, fonbern voller Höder, !
len oder Beulen wäre, ober das Glas Feine r
Klarheit, fondern einen Strid) von einer a
hätte : fo würden fich alle Dinge darinn verftel
und nichts, wie es it, gefehen werden. W
alfo, durch ſolche Verſtellung und Färbung
Dinge, ihre wahre Befchaffenheit, Proporti
Ordnung und Schönheit, in eine friegliche Ur
ftaltheit verfehree wäre: fo koͤnnte auch das A
und deſſen Seele, 483
derſelben keine Luſt, forte
— — —* a '
unterbefjen bey afler biefer —*
des — niche — ſein eigen
—* und feine innere Kraft und Vollkommen⸗
E bliebe auch dey folchen. Unvollkom⸗
der Bilder fi ja allewege eines Spiegels
Sthigerwäre, daß dem Auge ftatt des zerbrochenen
Plegels nicht ein anderer gewaͤhret werben fänne,
Fr merde nicht nöthig haben, obiges nach ala
ausführlich auf unfere Stele und dere
von ihrem Körper zu deuten. Das
if ift an ſich Elar und ft der Sache ges
B her wird ein jeber von felbft leicht erkene
wie fich die angezeigten Fälle auf den Mans
ie oder jenes Ginnes, oder auf den Man«
der Erfahrung und die daraus’ ensfepenbe Un
5 role auf die Schwaͤche und Bloͤdigkeit
fanbes; wie auf die Dunkelheit und Un-
Eder Begriffe; wie auf ben Schlaf, bie
, ben Schlag; mie auf den Irrthum,
dungen und. Unfinnigfele; wie auf die
, Alfecten und after, fo ferne alles die⸗
vom Körper abhängt, ja fo gar auf den _
felbft fehicte. Und man verfteht nun bey allen
kur Hb 2 dieſen
*
EL
£ |
⁊
484 VIAbh. Vom Menſchen
Diefen Faͤllen gar leicht, wie die große Abbdugiel
der Seele vom Leibe im geringiien nicht hich
daß die Seele ein vom teibe unterſchiedenes,
fi beftehenbes, und ben aflen inneren unb Auf
Meränderungen fortdaurendes Weſen fen. I
un Diefes fich auf eine fichere Erfahrung und
neres Bewußtſeyn gründet, und die
ber Eeele vom Leibe damit beftehen kann
hellet, daß dieſe feinen erheblichen Einwurf ge
Die Flärft? Erfahrung gebe ; gleichwie es
eine ſchlechte Folgerung ift, wenn man von
Abhängigkeit eines Dinges von dem andern
die befondere Aehnlichkeit ihres Weſens, ober!
mehr auf die Einheit beffelben, ſchließt.
13.
Aber man machet fich eben daher einen me
Einwurf, daß man auf feine Weife begreifen!
ne, wie ein einfaches Weſen von einem zufamn
geſetzten, und diefes wiederum von jenem, abf
gen koͤnne; dagegen leicht zu begreifen ſey, I
wenn Dinge einer Natur und eines Wefens find, f
lid), wenn die Seele auch was Förperliches iſt,!
de in einander wirfen, und von einander abhän
koͤnnen.
Der Einwurf iſt bekannt und alt, und er
manchen ſo wichtig geduͤnkt, daß ſie die Ber
Dung einer einfachen Seele mit einem zuſamme
fegten Körper nicht allein für unbegreiflich, font
auch für. widerfprechend und unmöglich gebei
Dagegen fich andere auf mandjerley Weiſe bemä
* Sache als moͤglich und begreifüch ve
en.
+
(
e
und deſſen Seele. 485
Ich fege feſt: Wenn bie Wirklichkeit eines
Yinges durch Plare Erfahrung bewaͤhret ift, fo muß
ie bloße Unbegreiflichfeit der Art und Weife, wie
» zugeht ober möglich iſt, unfere Gewißheit nicht
m. Es iſt aber eine klare Erfahrung, erſt⸗
ch, daß der Leib, deſſen wir uns als des unſern
ewußt ſind, zuſammengeſetzet ſeyz zweytens, daß
ke Seele, als das einzige Weſen, welches ſich al⸗
fe in dem ganzen Leibe aller Veraͤnderungen in
Ben Theilen bewußt ift, von allen und jeden raͤum⸗
hen und veränberlichen Theilen ihres Körpers,
68 eine und biefelbe fortbaurende untheilbare Sub⸗
kanz unterfchieden fen; drittens aber, baß fich die
Beränderungen in der Seele, nämlid, das Ems
finden, Denfen, Wollen, nach den Veränderuns
en der Bewegung in ihrem organifchen Körper,
md wieberum diefe Bewegungen nach dem Den⸗
en und Wollen der Seele richten. Nenn alfo
Heich die Art und Weife, wie es zugeht oder moͤg⸗
Ich iſt, nicht Eönnte erforfchet und begriffen wer⸗
ven; fo bleibt doch das, beffen wir uns äufferlic)
mb innerlich fo klar bemuße find, in feiner Ge⸗
she. |
- Selbft in den Körpern find uns bie erften
Rräfte , und die Art und Weife, wie die Bewe⸗
nmg fich von einem zum.andern fortpflanzet, wie
is ins andere wirfet,, ober von dem andern ab⸗
jaͤngt, eben fo unbegreiflih, als wie Seele und
eib in ihren Veränderungen von einander abhaͤn⸗
. Mer wird aber desfalls die Wirklichkeit def»
en, mas er fo klar fieht und fühle, nämlich) die
Bewegung der Körper ſelbſt, ober bie Abhängig-
963 keit
—
—
uns aber ohne das Bewußtſeyn unfers ——8—
—
Erfahrung
ber Seele und ihres
ne innere Erfahrung angewandt. werben muß;-fD8
Wefens gar nichts klar werben kaun
an Darauf an, daß wie auf ben Mattes
alles to
* —* er vielen heilen des ‚Körpers,
worinn es ſich bewußt ift, achten; welches fein
m: p
‚große Schärfe des Werftandes erfordert , fonbern
durch lebhafte Empfindungen bald zu erkennen iſt.
Denn was kann klaͤrers ſeyn, als daß das einzige
Weſen, was ſich alles in allen bewußt ift, nicht bas
vielfache fen, worinn es ſich bewußt iſt? und *
dieſes einzige Weſen, welches ſich bewußt iſt, als
eins und daſſelbe Weſen fortgedauret zu haben, von
allen und jeden Urſtoffen unſers ganzen Körpers,“
von beren feinem uns bewußt ift, ob es noch def
felbe fey, unterſchieden ſeyn muͤſſe? Was kann alfe
unfere Unmiffenheit von der Art und Weiſe der Ben
bindung biefes einfachen ſich bewußtſeyenden un
fortdaurenden Weſens mit dem Körper, gegen
folche Klarheit, für Zweifel erregen ?
$ 14.
Wer eine Unmöglichkeit oder einen Wider '
ſpruch in folcher Verbindung zu zeigen unternimmt,
. | der |
und defien Seele. 487
der ſcheint nicht: zu wiſſen, mas zu ſolchem Beweiſe
für Einſicht gehöre. Ein foldy Deutlich Erfennmiß,
woraus. biefes herzuleiten wäre, hoben wir Mens
ſchen weber vom Körper noch. von ber Seele, we«
ber von dem Zufammengefegten noch von dem Einfas
chen; und es käufe alles auf eine bloße Unbegreif⸗
lichkeit und. Unvoiffenheit hinaus. Wielmehr läßt
fich die Möglichfeie eben fo gut, als bie Ver⸗
bindung der förperlichen Theile mit einander,
jeigen.
Ich will jetzt niche fo fehr auf’ die $eibnißifche
) te. Harmonie dringen , weil ich felbft
niche davon überführer bin. Unterdeſſen ift fie eine
ber fcharfiinnigften Hypotheſen, welche nichts als
lauter Mögliches anzunehmen fcheint. Ich gefiehe
es aber, eine wirkſame Vereinigung von $eib. und
Seele ſcheint mir, aus vielen Gründen, die ich
bier. übergeben Fann, ber Wahrheit gemäßer.
Dabey nehme ich von jedem Körper an, daß der-
ſelbe aus. einfachen Theilen zufammen gefeßt fey,
barinn diejenige Kraft liegen muß, welche in dem
wfammengefegten Körper als eine. Bewegung in
die Sinne faͤllt. Denn ohne einfache Theile laͤßt
fich von dem Zufammengefegten eben fo wenig zu⸗
reichender Grund geben, als von der Zahl ohne
Einheiten... Wer das Zufammengefeßte nur aus
andern fleineren zufammengefesten Theilen zuſam⸗
men, ſetzet, der erfläret nicht, wie etwas Zuſam⸗
mengsfeßtes moͤglich ift, fondern nur, wenn es iſt,
wie es. größer wird. Zudem , fo läßt fich nicht die
geringe Kraft des. Körpers. aus dem Zufammen-
gefegten verftändlih machen; man muß felbige
Ä 294 note
| ufeäftige Dinge zufanmengefegt, bringen doch
. erflären toill, „fo Hilfe es nichts, daß man bie Köer
"488 VI Abh. Vom: Denken
notwendig in den einfachen Teilen fchen. ‘lRieuie
Vals unkraͤſtige Dinge räumlich .gufammengebracht:
und vereiniget werben, fo verſteht man aus biefer-
Vereinigung richt, daf nun das Zufanmenngefigee:
daburch eine Kraft gewonnen hätte, ‚die feines Dani‘
Ipeile vorhin hatte; e; fordern; ein je
cl fin Mae —— — To wird auch
‚das Ganze unkraͤftig blei —— — tauſend
Mullen, die zuſammen gerechnet werden, "geben
doch nur eine Mulle zum Socke: und hundert taufenb -
alle mit einander Nullkraft. Wenn man alfo zB
die Feſtigkeit ober ben Zufammenkang der Koͤrrer
per aus lauter Pleinen in einander greifenden Sa
fen zufammenfeget. Denn ba die Hafen auch noch
zuſammengeſetzt find, fo bleibt dieſelbe Frage, wer
ber die Theile der Hafen - zufammen hängen?
Wollte man abermal die großen Hafer aus kleine⸗
ren Hafen zufammenhängen: fo finds doch immer
Häkchen, die ausvielen zufammenhängenben Theb
len beftehen, Man findet den zureichenben Orund
— Zuſammenhanges nicht eher, als in einfachen
Dieſes nun voraus geſetzt: fo folget, Dafrim
” Körper felbft, bey deffen Zufammenhange und Ben '
änderungen, die einfachen Theile in einfache, etw
fache in zufammengefegte, und wiederum pufamman
gefegte in einfache, durch ihre Kraft wirken mäß
fen. Es folget alfo auch, daß es überhaupemäg :
lich fen, daß einfache Dinge mit zufamnten
ten, das ift, mit mehreren einfachen, in einer:
. .
und deſſen Seele 489
in Bern. Wenn ulfo bie-Seele
fach, dr Korper —* if, fo hindert
Hose ihrer iwirkſamen Verbindung ‚nichts: es
wiße.uue ferner auf bie weſentlichen Kräfte 8*
atur der Seele en, welche fie vom Körper un⸗
ers —— eine Gemeinſchaft mit dem
—— A di die Seele allein, burch ihr Leben,
—*2 Bewußtſeyn, Denken, Wollen, von '
he Beſiandtheilen und Ürftoffen unfers -
Mrpers unterfcheibe, iſt fchon gerugfam
:worden. Wenn fie aber jeboch auch vo
ne leiden, und wieder in Den Körper wire
u foll:: fo muß au) menigftens eine allgemeine
Minlichkeit und Gemeinſchaft ber Natur zwiſchen
nr Seele und den Beſtandtheilen des Körpers
ya, ‚dadurch beyde in eine fo genaue Verbindung
uten können.
“; Die Seele hat naͤmlich diefes mit aflen Urſtof⸗
des ganzen Körpers gemein, baß fie eine ein
ie Subſtanz iſt, daß fie mit andern einfachen
Baibflartgen in geroiffer Ordnung zugleich da ift,
nd einen Raum erfüllen hilft, darinn jedes feinen
eſendern Dre hat, aber auch feinen Ort verän«
wa und bewegt werden, ober fid) bewegen fann.
dem wer: kann nach feinem eigenen Gefühl und
Bewußtſeyn leugnen, daß die Seele im Körper
uch ihren gewiſſen Hrt habe? daß fie nicht in den
oder Händen, nicht im Bauche oder in der
„. sondern im Kopfe, wohne? baß wir nicht
Theilen des Körpers, auch ſelbſt niche in
Ben: Tpellen bes vr Au der Zunge, Naſe,
5 |
Augen
cthßaͤtige und beidende Natur bes Glemente
gemein haben, und fich nad) eben benfelben Re
richten, moraus bey den Elementen, im Zu
fammengefegten, die Bewegung und ber. Meche⸗
nismus erwachſen.
Die Seele wohnet demnach in ber. Maſchine
eines gewiſſen organifchen Körpers, an einem ge
wiffen. Orte, und bat. ein natürliches Bemühen,
gleich anderen Urftoffen, mit ven benachbarten Ur⸗
ftoffen zufammen zu hängen, und in folchem Zu
Kmmenbange zu. verbleiben. Sie empfängt , in
dieſer Mafchine, eben denfelben Eindruck von auf
fen, welcher dem ganzen $eibe wieberfährt, und le
det alle innere Beränderungen mit, welche von be
Mafchine felbft, als einem Automata, 'entftehen.
Da aber fein einziges Element unfers Körpers ſich
feiner inneren leidenden oder thätigen Veraͤnderun⸗
gen beroußt iſt: fo unterfcheidet fich die Seele as
fein von allen koͤrperlichen Uritoffen des ganzen Koͤr⸗
pers, Durch ihre geiftige Kraft, daß fie fich ihreem⸗
| pfangne
5
mußt wird. Die Seele wirket aber auch,
bern Elementen, mit zu dem ——
es Körpers, und zu mechaniſchen Bewe⸗
und actionibus vĩtalibus. Wie fie aber
nebſt allen Urſtoffen des Koͤrpers, nur
36 und unwiſſend thut, fo bat fie —
ker vernünftigen Borftelung, ein V
sen,‘ nach ihrem Gurbünfen wiltfüpelich zu
IR und fie tft in dieſer Maſchine an einem
en Orte geftellee, daß nur wenig
fche Kraft dazu erfordert wird, Die ganze
ne in Bewegung zu ſetzen. Kurs zu fagen,
rn Steuermann in einem Schiffe, der eines
im der Bewegung und Erfihürterung des
8 mit leidet, aber allein fich beffen, was er
Schiff leidet, bewußt iſt; andern. Theils
hwerkraft bes Schiffes unwillkuͤhrlich, zur
deſſelben aber, durch ein geringes Drehen
* wilikahruch mit beytraͤgt.
Die
j | . _ ' - " | ĩ
% > - " "tr
y « . .
a VO Begkehung .
Die fiebente Abhandlung:
Vergleichung der Menſchen mit den Tha
ren, nach ihrer Lebensart, wozu
"fie beſtimmi ſind.
— u.
| wir Menfchen von dem Schöpfer boſtina
ſind, in Betrachtung nehmen wollen: fo: Bine
wiir nicht beffer thun, als daß wir zwiſchen uns
den" Thieren eine Vergleichung anſtellen. Dieſe
Weg zum Erkenntniſſe ift ben der Jergliederumg be
Körper mit Mugen gebraucht worden, ba man bi
Theile und Gefäße in unferm Körper mit ander
thierifchen Körpern, ja mit Pflanzen zufammengs
“ Halten; und daraus vieles, was den Gebraud) un
Mugen der Theile betrifft, gelernet hat. Die Arı
des Lebens iſt das erſte, mas fich von jedem Lebendi
gen gebenfen läßt, die macher ihren roefenclichen
Unterfchied aus, und fo viele verfchiedene Lebendig⸗
find möglich, als Arten des $ebens möglich find.
"Eines jeden Lebensart ift auch ber Zweck, wozu es
beftimmer ift,. und fie enthält die Regel, wornach
olles.übrige, infonderheit die Kräfte, eingerichte
worden. Wie fönnten wir alfo diejenige Art bes
. $ebens, wozu wir Menfchen befchieden find , beffer
fennen und unterfcheiden lernen, als aus ber Ben
gleichung mit den m Kraͤften und, de: jebensart be
?
Thiere _ Dh
N J
% . . ⸗ Li ° 7
m &
® D
der Menfchen mit den Thieren. 493
Diefe Vergleihung wird um fo viel nöthiger
mm, je mehr darinn viele Mienfchen leichtfinnig,
id nach einer viehifchen Meigung , verfahren.
yenn fie fehildern bloß das Aehnliche zwifchen
Renfchen und Thieren, ober auch biefer Vorzuͤge
w den Menfchen, lebhaft ab; unfere Vorzüge
er werden übergangen und verkleinert. Die
bſicht verhehlen fie dabey auch nicht fonderlich ; fie
chen fich und andere, gleichfam nach Anleitung
w Natur felbft, viehiſch zu machen: nicht aber
ie Menfchlichfeie in ung eufjumedfen, und fie zu
nem böheren Grade ber Vollfommenheit und
Hückfeligkeit, der unferer Natur fo wohl möglich
8 eigenthuͤmlich ift, zu führen.
Es kann ja wehl niemanden unbefannt feyn,
as 3. DB. der Herr Rouſſeau vor einiger Zeit
on der natürlichen Beftimmung Bes Menfchen ges
hrieben hat, als die Academie zu Dijon die Fra-
e aufiwarf: Quelle eft l’origine de l’ingalice
armi les hommes, et fi elle eft autorifee par la
‚oy naturelle? Sein Difcours fur l’origine et les
»ndemens de l’inegalire parmi les hommes.
im, 1755. 8. enthält die Antwort auf die Frage”
nd fie geht dahin, daß wir Menfchen ganz von
nferm natürlichen Zuflande abgerathen waͤren, und
urch alle die Erfindungen, weldye von der Neflerion
bftammen, durch die Sprache, Gefellfchaft, Kuͤn⸗
te, Wiflenfchaften, durch den $anbbau, Die
dandlung, und das Eigenthum, durch Stiftung
iner bürgerlichen Herrfchaft und Ungleichheit ber
Stände, alles mögliche Elend eingeführet hätten.
Dee urfprüngliche Menfch ſey nach feiner natuͤrli⸗
| dien
— VIE Ab: Weetun
ae ade zn, ACH —*
4 t und Nahrung
reichlich frde ein kehen gen Zune oder Ge
, fein © iner
——, (enger m
babeh gefund, ftark, hurtig fey, Übrigens aber,
wenn es biefe Begierden geftillet , nichts weiter zu
\ 758 oder zu fürchten habe, fich weiter um
\ ere, ſondern völlig. zufrieden ruhe
- a ee Dergleichen widerſinnige Säge wahr
\ ſcheinlich und belicbt zu machen, erforderte gewiß
\ einen Rouſſeau, der mit feiner vorzüglichen Seb«
2 Deb ene Worte, Tann
" Baftigfeit des Mißes und der Einbildungskraft,
mit Dem Glanje feiner Schilderungen, und mit dein.
angenehmen Reize feiner Schreibart, alles gi
Pe war, Feten aim
vorleu⸗ en Wahrheiten vort zu feinem
Zwecke anzumenben wußte,
' $ >
Saft ums zuvoͤrderſt eine Beſchreibung des ur⸗
forhnglichen Lernen umfänblcher
De warte Quland, fge. Ber Bouffau,
Eu
3.
H
ih
8 Heren Rouffeam eigene
Beill icht in ben Roten
— — lad, Se
id
a Hi
I nide8 angeihet, nad mit Bic mad
j Pe * * 2 nennen Tuner mies
alle Geiichtspunkt zu bringen. -
Br
der Menfchen mit den Thieren. 495
d wirklich, Homer
Ba unb — pr kinfig 1
hmer entfiehen. Daher hat es Ein
ker auszuforfihen, wie der Dien
nach der bloßen Natur müßte —
— Denn die uͤbernatuͤrliche fung
and welche uns die heilige Schrift lehret, koͤn⸗
⸗
unter maı Thieren, jedoch
und au in Süßen gehend, in den bis.
a Be in ee
1 Climate U Si⸗
en f mn ee er , mit — em
sieben und angebornen Fertigkeiten verfehen, ſon⸗
m fie TER ſich bloß durch Nachahmung zu ih ⸗
496 vi Abh. Wergleichung
be. Die Erde ift fein Polfter, der Baum
Obdach, fein Futter finder er allenthalben in:
MWurzein, Kräutern und Baumfrüchten ; für
Fleiſcheſſen fcheint er nicht gemacht zu feyn.
erfte weiblichen Gefchlechts, welche dem Mann
ber Wildniß aufitößt, entzündet ihn; von Sd
beit hat er feine Empfindung, und wenn fie bi
ihre Luſt gebüßet Haben, geht ein jedes feinen A
und fie fehen fich vielleicht nimmer wieder.
Mutter ſelbſt, wenn fie ihr Kind fo weit gebrı
bat, daß es fein Sutter finden kann, läßt esin
Welt laufen, und befümmert fich meiter. um |
ſelbe nicht. Geraͤth ein folher Thiermenfch in!
fahr: fo lehret ihn die Noth ſchnell zu laufen, ı
die Baume hinan zu Fleftern, oder nach Befin
mutbig zu Fämpfen. Weil ihm aber die Ne
feine Waffen mir gegeben: fo bricht er einen
vom DBaume zu feiner Wehre, oder er cergı
Steine, damit zu werfen. Gegen die $uft dar
feine Blöße in warmen Laͤndern nicht ſchuͤtzen;
wenn er ja in Pältere Gegenden geraͤth, fo bat
das Kämpfen mit andern Thieren in den St
gefeßt, daß er eins erlegen und ihm den Balg,
wa durch Hülfe eines fcharfen Steines, abjie
fann, um fich darein zu hüflen. Wohnungen ı
Höhlen brauchet er fodann nicht, weil er zu a
Witterung erhärtet worden. Das Feuer fenne
nicht ; und wenn ja eins durch Blig enrflünde,
wird er es, ohne Nachdenken ausbrennen laf
und nicht zu unterhalten fuhen. Durch die (
wohnheit zu freyer $uft, durch das Laufen, K
tern, Kämpfen wird er gefund, ſtark, hur
der Menſchen mit den Thieren. 497
mb von Krankheiten befreyet, und kann ber Arze⸗
vepen entbehren, ober die Natur rathen laſſen.
Wenn die Natur , (fager Herr R. von der Arzes
eywiſſenſchaft) ung beftimme hat, gefund zu feyn:
d möchte ich faft behaupten, Daß der Zuftand der
Keflegion ein Zuftand wider die Natur fen, und
Io ein Menfch, der nachdenket, fchon ein verdorbe«
es Thier ſey. Der Thiermenfch weis auch von
einer Furcht vör dem Tode, weil er feinen Begriff
raben hat; fondern der überrafchet ihn, ehe er den⸗
eiben voraus geſehen. Sonſt ift er bey der u _
jenwaͤrtigen Gefahr, nicht allein für ſich her;haft,
onbern aud) für andere mitleidig, menn er etwa
yaben ſeyn follte; und er iſt fo ferne nicht böfer
Met, noch geneigt, jemanden, zumal feines gleichen,
Schaden zu thun. Den Ader durch Muͤhe zu
yauen hater Feine Urſache, die Natur bierher ihm
eine Nothdurft von felbft an; und daher ift in
eſem unfchuldigen Stande der Natur weder Ei⸗
yenehum noch Meid und Streit darüber. Die Les
se zu einer gewiffen Perfon kann ihn nicht zum
Sclaven machen, und er ift auch gegen Mebens
mihler eben fo wenig eiferfüchtig, als ein Caraibe,
Denn er kennet und fuchet Feine Echönbeiten, fon»
yern nur dem Triebe der Natur Genuͤge zu thun;
aid Das kann er mit einer jeden beftellen. Uebri—
yons liebet er bie Freyheit, lebet für fich nach eigenem
Befallen, und trachtet nad) Feiner Gefellfchaft ;
hat daher auch Feiner Sprache Ha Weil er
yenn allein allen feinen Beduͤrfniſſen abzuhelfen
veis, und nichts weiter zu verlangen oder zu fürch«
en hat: fo iſt nicht zu begreifen, warum er fich die
Ji unnoͤ⸗
. — ẽ
.
.
498 Vn Abh · Vergleichung
unndihige Mühe geben ſollte, woruͤber ach
fen, zu reflectiren, zu meditiren. Statt
ruhet und ſchlaͤft er lieber, wie es die Muße nu
bringet. Auch der Schauplatz ber Natur iſt ſi
ohne Reiz, weil er deſſen gewohnt iſt. Er
unbeforgt in den Tag hinein, und benfer nich
aus: fo wie ein Caraibe, der des Morgend
Hangmatte verfaufet,. und des Abende jayı
daß er eine wiederfaufen fol; weil er nicht v
gefehen,, daß er fie in ber folgenben Neue: ı
\ | $ 3
Se weit ift noch der urfprüngliche M
welchen fich der Herr R. ausgedacht, ein w
WVieh, oder vielmehr noch viehifcher, als ein |
(plus hête que les,b&res) fo ferne er im bi
flerion, d. i. in der That, die Vernunft, ni
und ihm doch ftatt derfelben Feine blinde 7
oder angeborene Fertigkeiten einräumer, fo
‚sn auf die Nachahmung ber Triche ver
welche andern Thieren gegeben find, Daß er fir
felbe zu Nuge machen koͤnnte. Wie wirb e
aber die fremden und fo fehr verfchiedenen Triel
derer Thiere zu Muge machen fönnen, wei
nicht reflectiret,, was fich zu feiner eigenen 9)
ſchicke? Hier ift eine gewaltige Luͤcke, ober
mehr ein ſtarker Widerfprucy in dem Syſten
Herrn R. Will er den Menfchen blindlings fü
Triebe nachahmen laffen: fo wird er feinen 3
menfchen mit fich felbft in einem GStrde |
Bald wird er als ein Raubthier andere an
" ber:@enfhen mit den Thieten, 499
—* „bald als ein friedfertiges, ‚fh: mit
, 2— und Baumfrüchten begruigen.
—2 nach Art ber Fuͤchſe, Kanin
w unbQber, — re gen Selen, Bat baid
Lichte eb ’ a Ken
: Uelaubten Bäumen, eine ſichere Sageritärte
‚ Bald wirb er gefellig werden, wie viele
Wiwe, zumal Die ſchwaͤcheren, find, bie fich zu
nie: gleichen halten; bald wird er wiederum eig
Miäesfeopeswerben, und ſich an ſich felbft en
Bald wird er mit feiner Battinn eine Art |
je füßeen, ud (ich ber Kinder gemeinfatic
balb die Gattinn nach geftillter Brunft
Wardeffen, und fich Fri um In pre Jungen —*
Memehern. Ich m aber wiſſen, wel
ira 5 der Pr —— koͤnnte, zu *7
Mehre einen Aſt vom Baume zu brechen, ober
rSExeinen zu werfen, oder zu feiner Decke ſich
Wen Balg anderer Thiere einzuhüllen ; wenn er
Wetele Deflerion. hat, und biefelbe zur eigenen
finteung aöchiger Halfomitte brauche. So weis
rauch nicht, warum Herr A. feinen urſpruͤngli⸗
ve Weufhen, unter den übrigen vierfüßigen -
— — aufrecht und auf —— Fuͤßen gehen
he ex führer ſelbſt die Begebenheiten art,
22 die unter den Thieren groß ge⸗
wm; auf olien "ieten laufen geirene, (6 *
mac mit Gewalt pi einen Baum ober
2 gegnet,
s00 VII Abh. Bergleihung _
gegnet, bavon er den Gang gelemet hätte? Aber,
dann würde es zu fpat gemwefen feyn, wenn er fih
einmal zum vierfüßigen Gange gewöhnt hätte: und |
ee würde ſich ja wohl nicht felbft an einen Baum
gebunden haben, um es wieder zuverlernen. Ser -
R. mag mir es nicht übel nehmen, wenn ich fage, !
daß er den Sag bes Widerfpruchs ımb zureichen |
ben Grundes bey feiner Erdichtung nicht genug ju |;
Mathe gezogen habe. WBielleicht hätte er alsdenn
gefunden, daß diefe nicht foleere und unfruchebare
Grundfäge ſind, als viele jet vorgeben wollen, die
ihrer Einbildungsfraft alles ohne Regeln zu denken
erlauben. In der That fieht man auch feinen zu⸗
reichenden Grund, warum Herr A. bey feiner Sp
pothefe von der Nachahmung fremder thierifchen
Triebe, die fi) der Menfch zu Nutze machen follte,
denſelben nicht lieber gefellig, als ungefellig, machet ;
nicht lieber eine Art von fortwährender Ehe und
gemeinfchaftlicyer Pflege der jungen führen laßt,
als daß er das Band ber Liebe ſofort wieber auf
ewig zerreißt; ihn nicht lieber fchüchtern bilder, und |;
ihm eine Höhte zur Zuflucht anmeift, als daß er
ihn Fühn dichtet, und frey unter den Bäumen
fchlafen läge. Alles ift wilführlid) in folchem Sy |:
ftem, und ich follte meynen, daß jenes einer unbe ';
maffneten nackten Greatur weit natürlicher umb gs ||
träglicher fenn würde, als das Gegentheil ; wenig⸗
ftens, daß wirklich alle von Natur ſchwaͤchere fried«
fertige Thiere ich entweder verfriechen, oder m II
ihres gleichen verſammlen, und ſich mit ihren Jun⸗
gen gemeinfihaftlich, fo gut fie koͤnnen, vertheid® |;
gen. Daraus wird gewiß bey dem ee
Her Dheufihen mit den Thieven. 508
Yoyfink setärlichen Borzägen, ein ganz anderes:
wochen; als was uns Herr R entwer⸗
Ran wich. um aber fragen : Giebt benn der
R feinem urfprönglichen Thiermenfchen nicht
inige vorzügliche Raturgaben vor den übrie
Ferm? Sa : er machet ihn erftlich zu einem. ,
mmbeinben Weſen, das in zweyen möglichen .
waͤhlet, und fich felbft. detarminirt. Die:
R Tiere wählen und verabfcheuen nach dem
ıcte,, unb Eörmen von 'biefer eingepflanzten,
wicht abweichen, wenn es ihnen gleich zu⸗
vortheilhaft wäre: der Menſch aber waͤhlet
ue freye Creatur, und iſt ſich feiner: Freyheit
it, entfernet ſich aber auch daher zuweilen
a. Busen zu feinem Nachtheil. Uuterbeflen
Et doch, ſolches bie geiftige Natur feiner See⸗
üben fich freye Handlungen durch Beine Re⸗
er Mechanik erflären lafien. Aber der haupt
hſte Vorzug des Menfchen, beſteht in der
Vbilite, oder. dem Vermögen, daß ſowohl
einzelner Menfch, els bas ganze Geſchlecht,
mmener werben Fann. Das iſt bär caradle-
eiique de l’efpece humaine, ‘Denn bie
n Thiere bleiben fowohl einzeln, als in ihrer:
a Yet, in gewiſſen unwandelbaren Schranken,
bie Erfahrung nöthiget uns quch das fraupis
eftänbniß ab, Haß eben diefe unterfcheidende
ſchaſc, weiche faft feine Schranken kennet,
sielle alles Ungluͤcks der Menfchen fey. Dis
fo, nach dem Herrn A. die Vorzuͤge des, ur⸗
zlichen Menſchen vor den übrigen Thieren.
Ji3 Ich
—
so VI Abh. Vergleichung
Ich merfe nur vorläufig dabey ar, daß bier aben
mal eine $üce in dem Lehrgebaͤude bes Herrn R.
ſey. Wenn der Thiermenfch in feinem natuͤrlichen
Zuftande nicht reflectire : wie kann er benn aus
zweyen möglichen Fällen wählen, mas ihm am be
ften duͤnket? Soll er aber diefes thun, und fich gar -
biefes Vermögens bewußt fern: fo muß er fein
Natur einiger Maßen Fennen, und bie vorkom⸗
menden Dinge mit feiner Natur vergleichen, ob
fie damit übereinftimmen oder nicht, Und was iſt
das anders, als Reflectiren? Es haben Daher ik
Weltweiſen bey dem Begriffe freyer Handlungen,
die wirkliche Reflerion und den Gebrauch der Betr
nunft vorausgefeget. Dieß aber feßet wiederum die
Sprache, und die Sprache ferner die Gefellfchaft
derMenfchen voraus, Wie hängt denn bes Herm
A. fein Gebäude zufammen ? Und warum gedenfet
er der Frenheit ſowohl, als der Perfeibilice , wem
es anders natürliche Vorzüge feyn follen, nur als
der Quelle alles menfchlichen Elendes? Eie fünnen
es freylich durch Missbrauch werden: aber ich daͤch⸗
(e, wenn man von den Maturfräften redet, fe
müßte man darauf hauptfächlich fehen, wozu die
Regeln jeder Kraft an fich durch ordentliche An
wendung führen, Denn fonft fann alles gemis
brauchet werden, und dann werden alle Kräfte bes
Menſchen, felbft das Sehen, Effen, Trinken,
Gehen, zufälliger Weiſe Quellen feines Werder
bens. Warum hätte denn die Natur dem Men
ſchen folche Gaben verliehen, menn fie ihm bloß
‚ jum Fallſtricke Dienen und dienen Finnen ? Was
fol ihm das Vermögen, fich vollfommener zu mas
—
der Menfchen mit den Thieren. 503
aan geben Dadurch warfinenbig ummoltom- |
‚Aber. Here R. laͤßt hier feinen mahlerifchen
bſamkeit, mit Verhehlung dieſes Kunftgriffes,
m Lauf, und man lieſ ihn fo ferne mit Ver⸗
gen; -ja man muß ihm in Diefer Betrachtung
bt geben, daß vielen ihrenorzüglichen Naturga⸗
durch den verkehrten Gchrauch nur zum Were
var gereichen. Cr faget z. B. daß ein gemwiffer
Hunter Dann das Gute und Boͤſe des menſch⸗
m-sebeng gegen einander berechnet, und von
um'.ein greßes Uebergewicht gefunden habe,
Babe auch vecht geurtheilet, fo ferne er ben
nfihen in feinem bürgerlichen Zuftande betrache
sven er aber auf deſſen erften Zuftand hätte
ck geben wollen, fo würde er erfannt haben,
Ber Menſch kein Elend litte, alg was er fih
R-gerurfachet, und daß die Natur unfchulbig
Es wäre niche ohne Mühe gefchehen, daß
uns fo unglüclid) gemacht hätten. Wenn
a von ber: cinen Seite die unendliche Arbeit der
wichen betrachte, fo viele Wiffenfchaften zu er-
en, fo viele Künfte zu erfinden, fo viele
bs anzuwenden, um Tiefen auszufüllen, Ber⸗
eben zu machen, Felſen zu fprengen, Ströme
Das zu machen, frifches Sand anzubauen, Waſ⸗
chaͤltniſſe auszugraben, Moräfte auszutrocknen,
wbeure Gebäude auf ber Erde zu errichten, das
5
we mit Schiffen und Seeleuten zu bebeden ;
wenn man auf Der andern Seite die wahren
rtßeile Davon für bie wahre Gluͤckſeligkeit bes
Glchen Befhlehken eriosfänt , fo müßte man
| Si
uder
504 Vll Abh. Wergleihung +7"
über das ungleiche Verhaͤltniß erfiaunen,
Blindheit des Menfchen bedauren, welcher
nen thörichten Ehrgeiz zu mähten, mach @
möglichen Elende reunte, welches die mohlehätige
Natur forgfältig hätte von, ihm entfernen rollen, —
Der Menfch, fageter; Üt jest bösartigp. Das
die Erfahrung; und doch von "Natur
Mas. hat ihn denn fo- weit, verderben Fönnen,
die Aenderungen feines: Zuftandeg,, „der
welchen er darinn gemaghet, und bas
was er fic) erworben ha, Man mag die b
liche Gefellfchaft „Reigl“benundern, als man
ſo bleibt es doch wahr, daß fie die Menfchen
wendig treibe, ſich imter einander zu baffen,
dem Maafe, wie ihre befondern Vortheile einan⸗
Der entgegen ſind. ꝛtc. ꝛc. Da ſuchet denn Herr B,
alles Ungluͤck und alles moraliſche Werderben der
Menfchen auf die Abweichung von dem ‚erften na
türlichen Zuftande zu werfen. Naͤmlich das etw
morbene Erfenntniß machet ung nicht beffer , for
dern aufgeblafen, liftig und boshaft, . Die Künfte
machen durch die viele Bequemlichkeit $eib und
Seele weichlich; und da wir einmal daran gewöhnt
find, fo können wir wohl unglücklich werben, wenn
wir dieſe Bequemlichkeiten verlieren, aber wir find |
Deswegen nicht glücklich, wenn wir fie befigem |
Das Eigentbum, welches von dem .Aderbaus u
ber Viehzucht angefangen, hat hauptſaͤchlich Ber
trug und Unterdruͤckung eingeführet. Daraus i
der. Unterſchied der Reichen und Armen,
Maͤchtigern und Schwaͤchern, und endlich die
gerliche Herefchaft entſtanden, welche mit
der Menſchen mit den Tpieren. 505
ſehen und Verordnungen bloß auf das Recht bes
achtigern berußet,, und auf willführliche Gewalt
Tyranney hinaus läuft, wo die Schmwächeren
Eflaven gemacht find, und ihre Freyheit, Guͤ⸗
und $eben, dem Eigenmwillen des Gebiethers auf⸗
ern möffen. Aus der bürgerlichen Gefellfchaft,
y der Ueppigkeit, welche Daraus quillet, ſtammen
fregen und mechanifchen Künfte, die Hand»
g, bie Gelehrſamkeit, und alle folche unnüge
miäßungen, welche den Fleiß blühend machen,
b ben Staat zwar bereichern, aber zugleich ins
wberben ſtuͤrzen. Tugend, Ehre, Freund:
aft, Hoͤflichkeit ift nichts als ein geftiftetes an⸗
sommenes Wefen. (fadice er joue) Ich weis
be, wohin Herr A. die Religion zieht : wenig
as koͤnnte er fie nach feiner Schlußart vornehm⸗
) zu dem größten Elende des menfchlidhen Ge
lechtes gerechnet haben. Quid non Religio potuit
dere malorum ?_ Wo ift denn aber fonft der
ſtand, we find bie Mittel fonft, da der Menfch,
‚möge "eines wirklichen Gebrauches feiner Freyheit,
einer mehreren Vollkommenheit gelangen, und
don den Thieren unterfcheiden Pörinte, wenn es
be der gefellige und gefprächige Zuftand ift, wo
feine wefentliche Kraft der Vernunft üben ann ?
ind denn nicht Frepheit und Perfedtibiliter, in
nEpftemdes Herrn R unbrauchbaretarurgaben
den einfamen,. wilden, dummen, und mit lau»
viehiſchen Dingen fich begnügenden Thiermens
en? Und worinn Fönnte deffen mehrere Vollkom⸗
mheit in felchem Staru nacurali beftehen ?
| sis 84.
und fie fehen fich vielleicht nimmer wiet
Mutter ſelbſt, wenn fie ihr Kind fo w
bat, daß es fein Zutter finden kann, laͤ
Welt laufen, und bekuͤmmert fidy weit
felbe nicht. Geräth ein ſolcher Thierm
fahr: fo lehret ihn die Noth ſchnell zu Iı
die Bäume hinan zu Flettern, oder nac
muthig zu kaͤmpfen. Weil ihm aber
Feine Waffen mir gegeben: fo bricht e
vom Baume zu feiner Wehre, oder
Steine, damit zu werfen. Gegen die
feine Blöße in warmen Laͤndern nicht ſch
wenn er ja in kaͤltere Gegenden geräth,
das Kämpfen mit andern Thieren in |
geſetzt, daß er eins erlegen und ihm der
wa durch Hülfe eines fcharfen Steinee
kann, um ſich barein zu huͤllen. MWoht
Höhlen brauchet er fodann nicht, weil
Witterung erhärtet worden. Das Feu
un um a dena Rue RMEE ann
der Menſchen mit den Thieren. 497
und von Krankheiten befreyet, und kann der Arze⸗
neyen entbehren, ober die Natur rathen laſſen.
Wenn die Natur, (ſaget Herr A. von der Arze⸗
nenwiflenichaft) uns beftimmt hat, gefund zu feyn:
fo möchte ich faft behaupten, daß der Zuftand der
ion ein Zuftand wider die Natur fen, und
daß ein Menfch, der nachdenfet, fchon ein verdorbe⸗
nes Thier fey. Der Thiermenfc) weis auch von
Peiner Furcht vör dem Tode, weil er feinen Begriff
daven hät; fondern der überrafchet ihn, ehe er den⸗
feiben voraus gefehen. Sonſt ifter bey der gu
genmärtigen Gefahr, nicht allein für fidy herzhaft,
fonbern aud) für andere mitleidig, menn er erwa
daben ſeyn follte; und er ift fo ferne nicht böfer
Art, noch geneigt, jemanden, zumal feines gieidyen,
Schaden zu thun. Den Ader durch Mühe zu
bauen hat er feine Urfache , Die Natur bierher ihm
feine Nothdurft von felbft an; und daher ift im
diefem unfchuldigen Stande der Natur weder Ei⸗
genthum noch Meid und Streit Darüber. Die $ies
be zu einer gewiffen Perfon kann ihn niche zum
Sciaven madyen, und er ift auch gegen Neben⸗
buhler eben fo wenig eiferfüchtig, als ein Caraibe.
Denn er fennet und fucher Feine Echönheiten, ſon⸗
dern nur dem Triebe der Natur Genüge zu thun;
untd das kann er mit einer jeden beftellen. Uebri—
gens liebet er bie Freyheit, lebet für ſich nach eigenem
Gefallen, und trachtet nad) Feiner Gefellfchaft ;
bat daher auch feiner Sprache noͤthig. Weil er
denn allein allen feinen — abzuhelfen
weis, und nichts weiter zu verlangen oder zu fuͤrch⸗
ten hat: ſo iſt nicht zu begreifen, warum er ſich die
Ji unnoͤ⸗
498 VI Abh. Wergleichung
unndthige Mühe geben follte, worüber nachzubem-
fen, zu reflectiren, zu meditiren. Start beffuer
ruhet und fchläft er lieber, wie es die Muße mit ſich
bringet. Aud) der Schauplag der Natur ift für in
ohne Reiz, weil er deffen gewohnt ifl. Er lebe
unbeforgt in den Tag hinein, und benfet nicht wor
aus: fo wie ein Caraibe, der des Morgens fein
Hangmatte verfaufer, und des Abends jammert,
daß er eine wiederfaufen foll; weil er nicht vorakt
geſehen, Daß er fie in ber folgenden Mache wiebe
nöthig haben würde.
$ 3
So meit ift noch der urfprüngliche Menſch,
welchen fich der Herr R. ausgedacht, ein wahres
Vieh, oder vielmehr noch viehifcher, als ein Vieh,
(plus bête que les,beres) fo ferne er ihm bie Ne
flerion, d. i. in der That, die Vernunft, ninımt,
und ihm doch flatt derfelben Feine blinde Triebe
oder angeborene Fertigkeiten einräumer, fondern
‚ihn auf die Nachahmung der Triebe vermeil,
welche andern Thieren gegeben find, daß er fich bie
felbe zu Nuge machen koͤnnte. Wie wird er fh
aber die fremden und fo fehr verfchiedenen Triebe an
berer Thiere zu Muge machen fünnen, wenn er
nicht reflectiret, was fich zu feiner eigenen Natur
ſchicke? Hier ift eine gewaltige Luͤcke, ober vie.
mehr ein ftarfer Widerſpruch in dem Spftem des
Herrn A. Will er den Menfchen blindlings fremde |
Triebe nachahmen laffen: fo wird er feinen Thies
menfchen mie fich felbft in einem Streit ſetzen.
Bald wird er als ein Kaubthier andere anfallen
und
— ———— — —
der Menſchen mit den Thieren, 499
*— bald als ein friedfertiges, ſich mit
Wurzeln und Baumfruͤchten begmgen.
—— nach Art der Fuͤchſe, Kanin
au ib Biber, eine Hoͤhle graben und bauen, bald
Wdkhfie @ebäche, bald auf hohen Zellen, bald
; belebten. Bäumen, eine ſichere Sageritärte
: Wald wird er gefellig werden, wie viele
*
* halten; bald ec wiederum
werden, und —* an ſelbſt begnuͤ⸗
wird er mit feiner Gattinn eine Art von
‚, Wad fich der Kinder gemeinfchaftlich
mechcuen bald die Gottinn nach geftilltee Brunft
hfen:ieffen,, und fich auch um ihre Jungen nicht
Büren. Sch möchte aber wiffen, welchen
Pas der Menſch nachmachen koͤnnte, zu fe
ni. Dehre einen AR vom Baume zu brechen, ober
ie Ecainen zu werfen, oder zu feiner Decke fich
reinen Balg anderer Thiere einzuhüllen ; wenn er
—— ———
ger ttel brauchet. w
us —28 warum Her R: feinen urfprüngli-
Menſchen, unter den übrigen vierfüßigen
——* —. und —— he gehen
bie Begebenheiten an,
ge wüle km d — unter ben Thieren groß ge»
weren,, auf allen "ieten faufen gelernet,, fo *
** hernach mie Gewalt an einen Baum ober
WW" arg müflen, um fie zu einer aufrechten
zu gewöhnen. Wie? wäre
— ein wein Dus
u en, bes
gegnet,
soo VIl Abh. Vergleichung
gegnet, davon er den Gang gelernet bitte?
dann würde es zu fpät gemwefen ſeyn, wenn
einmal zum vierfüßlgen Gange gewöhnt hätt
er wuͤrde fich ja wohl nühe felbft an 'einen 1
gebunden haben, fan es wieder zu venlernen.
R. mag mir es nicht übel nehmen, wenn id
daß er den Sag bes Widerfpruchs und zur
ben Grundes bey feiner Erdichtung nicht *
Rathe gezogen habe. Vielleicht haͤtte er
nben,, daß dieſe nicht ſo leere und —*
dfäße ſind, als viele jege vorgeben woll
* Einbildungskraft alles ohne Regeln zu |
erlauben, In der That fiehe man auch fein
reichenden Grund, warum Herr A. bey fein
pothefe ven der Nachahmung fremder thie
Triebe, die ſich der Menſch zu Nutze machen
denſelben nicht lieber geſellig, als ungeſellig, m
nicht lieber eine Art von fortwaͤhrender Eh
gemeinſchaftlicher Pflege der zungen führen
als daß er das "Band der Liebe fofore wied
ewig zerreißt; ihn nicht lieber fchüchtern bilde
ihm eine Höbte zur Zuflucht anmweift, als t
ihn kuͤhn dichtet, und frey unter den Be
fchlafen läßt. Alles iſt willkuͤhrlich in folcher
ftem, und ich follte mennen, daß jenes einer
waffneten nackten Creatur weit natürlicher in
träglicher feyn würde, als bag Gegentheil ; r
ſtens, daß wirklich alle von Natur —*
fertige Thiere ſich entweder verkriechen, od
‚ Ihres gleichen verſammlen, und ſich mit ihren
gen gemeinſchaftlich, fo gut fie koͤnnen, vert
gen. Daraus wird gewiß bey dem Men
der Oeuſchen weit den Thieven. sb
deſſut matärlichen Borzügen, ein gan; anderes
erwachſen, als mas ung Gerz, X, entwor⸗
Ban wich. nun aber fragen :: Giebt benn ber
R. ſeinen —— Zienengon nicht
einige vorzuͤgliche Naturgahen vor den uͤbri⸗
hieren ? Ja: er machet ihn erſtlich zu einem
baubeinben Weſen, das in zweyen möglichen .
ih, und (ich felbft. detarminirt. Die
um Ühlere wählen und verabfcheuen nach dem
ucte,, unb Eörmen von dieſer eingepflanzten,
I nicht abweichen, wenn es ihnen gleich zu⸗
a vortheilhaft wäre: der Menfch aber waͤhlet
ne. freye Creatur, und ift fich feiner. Freyheit
Be, entſernet ſich aber auch daher zuweilen
eu Busen zu feinem Nachtheil. Uuterheflen
Bde boch, folches. die geiftige Natur: feiner See
ide fich free Handlungen durch Feine Re⸗
ber Mechanik erflären lafien. Aber der haupt
chſte Vorzug des Menſchen, befteht. in der.
Mibilird, oder. dem Vermögen, daß ſowohl
‚einzelner Menfch, eis Das ganze Geſchlecht,
unmener werden kann. Das iſt bär caralte-
wcifique de l’efpece humaine. ‘Denn bie
en Tiere: bleiben fowohl einzeln, als in ihrer.
m Art, in geroiffen unwandelbaren Schranken,
die Erfahrung nöthiget uns auch das trauri⸗
Beftänbniß ab, daß eben dieſe unterfcheidende
nfchaft , weiche faft feine Schranken kennet,
Igielle alles Ungluͤcks der Menfchen fey. Dieß
alfo, nach dem Herrn R. die Vorzuͤge des, ur⸗
glichen Menſchen den uͤbrigen Seen |
3
—
J * 1} 5
Ich merke nur vorläufig dabey ir, Daß hler aden
"mal eine Luͤcke in dem Lehrgebaͤude bes ı A.
fen. Wenn der Thiermenfd) in feinem natärficdyen
Zuſtande nicht reflectire: wie kann er denn "ans
. oeyen möglichen JFallen waͤhlen, was Um dm do
Ken dürtfer? Eol er aber Def fun, mb fh ger
bieſes Bermögens beroußt fen: fo muß er fein:
ww
Matur einiger Magen fennen, und die
enden Dinge mit feiner Natur vergleichen; 6
fie damit übereinftimmen oder nicht:
. „das anders, als Reflectiren? Es haben baker-« |
Weltweifen bey dem Begriffe freyer |
‚die wirkliche Reflerion und den Gebrauch ber
nunft vorausgeſetzet. Dieß aber feßet wiederum bie
- Sprache, und die Sprache ferner die Geſellſchaft
der Menſchen voraus, Wie hänge denn des Herm
RR. fein Gebäude zufammen ? Und warum gebenfet
er der Freyheit ſowohl, als der Perfeibilire ,' wem
es anders nafürliche Vorzüge ſeyn follen, mır' eis
der Quelle alles menfchlichen Elenbes? Eie Finnen
es frenlich durch Misbrauch werden: aber ich daͤch⸗
te, mern man von ben Maturfräften rebet, ſe
müßte man darauf bauptfächlich fehen, wozn bie
Regeln jeder Kraft an fich durch ordentliche Aw
wendung führen. Denn fonft fann afles gemiß
brauchet werden, und dann werben alle Kräfte bes
Menfdyen, felbit das Sehen, Effen, Trinken,
Gehen, zufälliger Weile Quellen feines Werder
bens. Warum hätte dem die Natur den item
fehen folche Gaben verliehen, wenn fie ihm bie
zum Fallſtricke dienen und dienen können ?' Mes
ol ihm das Wermigen, (ch volfommener zu » Ä
der Menfchen mit den Tieren. 303
E .
ber Herr A. laͤßt Hier feinen mahleriſchen
je, mit Berbehlung diefes Kunftgriffes,
Lauf, und.man fieft ihn fe ferne mit Ders
3 ja man muß ihm in biefer Betrachtung
geben, daß vielen ihre vorzuͤglichen Naturga⸗
burch den verkehrten Gchrauch nur zum Ver
in gereichen.. Er faget z. B. daß ein gewiſſer
wter Mann das Gute und Boͤſe des menſch⸗
eSebeng gegen einander berechnet, und von
m.ein greßes Uebergewicht aefunden habe.
habe auch recht geurtheilet, fo ferne er den
ſchen in feinem bürgerlichen Zuftande betroch⸗
wem. er aber auf deſſen erſten Zuftand hätte
‚gehen ‚wollen, fo mürde er erfannt haben,
ber Menſch fein Elend: lite, alg was er ſich
geeusfachet, und daß die Natur unfchulbig
Es waͤre nicht ohne Mühe gefchehen, daß
uns fo unglücklich gemacht hätten. Wenn
won ber einen Seite die unendliche Arbeit der
ſſchen betrachte, fü viele Wiffenfchaften zu er.
ben, fa viele Kuͤnſto zu erfinden, fo viele
be augumenden, um Tiefen auszufüllen, Ber⸗
hen zu machen, Felſen zu fprengen, Ströme
var zu machen, frifches fand anzubauen, Waſ⸗
bältniffe auszugraben, Moräfte auszutrocknen,
heure Gebäude auf der Erde zu errichten, das
|
e. mis Schiffen und Seeleuten zu bededen ;
wenn man auf der andern Seite die wahren
teile Davon für die wahre Gluͤckſeligkeit bes
chen Befhlehe eforfäet, ſo müßte man
Ä 14
ber
za en.chen dadurch nothwendig unvolllom-
u ‚fo bleibt es doch oft, , daß fie die Menfchen netfr
0 vn ah, Yapitu ; ze Ä
be
über bas ungleiche Verpäirmig. efinumag
. Blindheit des ke a ee Toekher, um 22
nen thörichten Ehrgeiz zu näßeen, uud, aim
moͤglichen Eiende tennte, welches bie
. Natur forsfäfig hätte von ihm he wollen, —
Der Menfe,'fageter; iſt jet bösartigs; das yelgg -
bie Erfahrung; und doch von Natur gutdrdg.. .
Was hat ihn denn fo- weit, verderben een, a⸗
die Aenderungen ſeines Zuſtandes, der
welchen er darinn gemochet, und bas
was er ſich erworben dad Man mag vie bir
liche Gefelifchaft oiel· bewundern, als man wol
wendig treibe, Ask uͤnter einander zu haſſen, ned
dem Maaße, wie ihre befondern Vortheile eine
der entgegen finb.. ⁊c. ꝛc. Da fucher denn Herr A,
alles Unglück und alles: moralifche Verderben ber
Menfchen auf Die Abweichung von dem erften ne
fürlihen Zuftande zu werfen. Naͤmlich das =
worbene Erfenntniß machet ung nicht beſſer, few
dern aufgeblafen, liftig und boshaft. Die Künfke
machen durch die viele Bequemlichkeit Leib und
Seele weichlic) ; und da wir einmal daran gewöhnt
find, fo Eönnen wir wohl unglücklich werden, wem
woir diefe Bequemlichkeiten verlieren, aber wie find
Deswegen nicht glüdlih, wenn wir fie befißen
Das Eigentum, melches von dem Aderbaue und
ber Niehzucht angefangen, bat hauptſaͤchlich Be
trug und Unterdrüdung eingeführe. Daraus iR
der. Unterfchied der Reichen und Armen, ve
Mächtigern und Schwaͤchern, und endlich die bir
gerliche Herrſchaft entftanden, welche mit Fr |
N
der Menfihen mit den Thieren. 505
een und Verordnungen bloß auf Das Recht bes
icheigern beruhet, und auf willführliche Gewalt
Tyranney hinaus läuft, wo die Schmwächeren
Sklaven gemacht find, und ihre Freyheit, Guͤ⸗
und Leben, dem Eigenwillen des Gebiethers aufe
un müffen. Aus der bürgerlichen Gefellfchaft,
der Heppigkeit, welche daraus quillet,, ftamnten
ſreyen und mechanifchen Künfte, die Hand⸗
z, die Gelehrfamfeit, und alle ſolche unnüge
mähungen, welche den Fleiß blühend machen,
ı den Staat zwar bereichern, aber zugleich ins
rberben flürzen. Tugend, Ehre, Freund:
ft. Höflichkeic ift nichts als ein geſtiftetes an«
ommenes Befen. (factice er joue) Ich weis
x, wehin Herr R. die Religion zieht : wenig⸗
8 koͤnnte er fie nach feiner Schlußart vornehm⸗
zu bem größten Elende des menfchlichen Ge
echtes gerechnet haben. Quid non Religio potuit
dere malorum ?_ Wo ift denn aber fonft ber
Rand, wo find die Mirtel fonft,, da der Menfch,
möge eines wirklichen Bebrauches feiner Freyheit,
einer mehreren Vollkommenheit gelangen, unb
"son den Thieren unterfcheiden koͤnnte, wenn es
it der gefellige und gefprächige Zuftand ft, we
eine wefentliche Kraft ber Vernunft üben fann ?
nd denn nicht Freyheit und Perfedibiliter, in
aSyſtem des Herrn A unbrauchbareftarurgaben
den einſamen, wilden, dummen, und mit lau⸗
viehiſchen Dingen ſich begnuͤgenden Thiermen⸗
3? Und worinn koͤnnte deſſen mehrere Vollkom⸗
nheit in ſolchem Statu naturali beſtehen?
Ji5 $ 4
506 VIE AN. Vergleichung
— 64. * —
Wir wollen dem Herrn R. nicht zutrauen,
. er in einer fo.ernftlichen Materie bloß feinen
be wollen fehen laffen, wie er auch den ts
innigften & einen Schein der arbeit 5
geben wiſſe. Wir wollen vielmehr glauben,
fein Humeur ihn wirklich auf die Mennu
bracht : der Zuftand der menfchlichen
babe fo viel Berderben und Unglücd eingefül
daß ein viehifcher Zuftand in Wergleichung, |
weit ertwäglicher und beſſer würde
ſeyn. ni
So ift dann meine erfte Frage ı Mache ung
wohl folhe Vergleihung und Veurtheilung des
zwiefachen Zuftandes zufriedener, glücflicher, bef
fee? Gewiß nicht. Denn, wenn wir unfern ge
felligen Zuftand, dem wir nicht leicht entlaufen
fönnen, mit ſolchen Augen anfehen z fo fönnen
wie nicht anders als misvergnügt feyn, für alle
Kunft, Wiffenfhaft, Tugend und Religion eine
Verachtung befommen, den Umgang mit Mens
ſchen und fo gar mit Freunden, als lauten Heuche ·
ley verabfcheuen, die Keicheren und Vornehmeren
beneiden, gegen die Obrigkeiten und Kegenten, als
Unterdrüder unfrer Freyheit und Gleichheit einen
beftändigen Haß und Widerwillen hegen, mit ei⸗
nem Worte, unfer ganzes Leben als ein unpeilbe
res Elend.anfehen. Sollen wir denn Einfiedler
werben, ober zu den Earaiben und KHottentotten,
oder gar zu den wilben Thieren, als unfern natürs
lichen Gefaͤhrten, fliehen, um uns zu
der Menſchen mit den. Thieren. 507
dae⸗i anmehr unmöglich, ——
ich nicht. Er lenket alſo wieder ein, und will,
€ Biefer Zuſtand einmal ft, und nicht geaͤn⸗
weden kann, daß mir uns nad) allen Stifs
a der —— Geſellſchaft bequemen ſol⸗
Was hat er denn mit feiner Vorſtellung an⸗
msgerichtet, als daß er die Menfchen in ihrer
ſdenheit geftähret,, ihre Neigung zu Künften,
wfchaften und allem Guten wankend gemachet,
jente von böfem Herzen berechtiget, Tugend
Mich nur für unnatürliche Bäufe dien zu ach⸗
3 be ganzes Vergnaͤgen in viehifchen füften
* — für ung iſt, daß Herr R. gleich an⸗
bey der Erdichtung feines urfprünglichen Zus
8, ſich ſelbſt und der Natur ber Dinge viele
widerſpricht, und Dadurch den Ungrund ſei⸗
begebäudes augenfcheinlich zu erfennen giebe:
aß.er hernach, in ber Vergleichung deffelben
em Öefelligen, die zufälligen Misbräuche al⸗
in Erfindung und Ordnung, dem gefelligen
de ats weſentlich, nothwendig und allgemein
metz: welches ein ziemlich offenbarer uud be:
® Paralogismus ift. So fehr alfe feine Schil⸗
I, wegen ber Colorite, das Auge reizet: fo
Ice man doch bald die wefentlichen Fehler, wel⸗
der Zeichnung und in den Grundſtrichen be⸗
In mannichfeftigen inneren Widerſpruch und
Binfüprliche bes Syſtems habe ich ſchon bey⸗
angemerfet. Herr A.nimmt 1) dem Thier⸗
en alle Inſtincte, und giebe ihm doch *
1. erſel⸗
"508 Abh. Vergleichung
derſelben feine anderen Kräfte : gleich als ob er aflin
keine eigenthümliche Natur Hätte. : Er vermeilt
ihn 2) auf bie Nachahmung fremder
Zriebe, daß er ſich diefelben zu Nuge
ns und gr ihm doch die Reflerion , — —
Er verweiſt 3) feine Nachahmung auf alle Tpier
ohne. Unterfchied, da doch die verſchiedenen
ganz entgegengefeßte Triebe und Sitten
18 und feget alfo ee iermenfchen mit ſich
Streit, welchen Trieben er nachahmen folle, Er
laßt ihn 4) ohne allen Grund und wider feine Ma
tur die gebensart der ungefelligften frechſten Thiere
ergreifen, daß er einzefn, ohne feines gleichen, ohne
beftändige Gattinn, ohne Höhle, frey unter wilden
Thieren herum irret: da doch eine unbewaffwete
nackete Creatur nothwendig ſchuͤchtern ſeyn, und ſich
gerne verkriechen, und zu ſeines gleichen halten
müßte; und da beſonders, die das ganze Jahr
herdurch fortrährende Luſt zur Gattung eine
fortgefegte Ehe und Beywohnung verurfachen wür-
de. 5) Er giebt ihm wiũkuͤhrlich Gewohnheiten
amd Erfindungen, die er nicht aus Nachahmung
haben fonnte. Denn meld Thier beftändig
aufrecht ? welches bedienet fich ar
Aftes oder Steines zur Wehre? welches kleidet ſich
mit einem fremden Balge ? Noch mehr: 6) der
urfprüngliche Menſch foll vor allen andern Tpieren
‚eine Zrenheit haben : und hat doch Feine Wernumft
oder Reflexion, roelche der Grund einer freyen
Wahl iſt. 7) Er follfich vollfommener zu machen
ſuchen: und üft doch in ſolchem Zuftande, —
“ “
v Li
der Menfchen mit den Thieren. 509
durch nichts vollkommener machen kann. 8)
ine vorgüglichen Naturgaben follen in Freyheit
ı Perfelibiliter beftehen : und eben diefe Vorzuͤ⸗
bienen doch, feiner Mennung nad), zu nichts ante
m, alseinen jeden und Das ganze Befchlecht uns
cküch zu machen. Welche Widerfprüche !
Auch die Natur der Dinge ift dem erdichteten
ſtande bes erfien Thiermenſchen entyegen,
kebe nicht ein einfamer, unbewafineter, nackter
mfch, ohne euer oder Schlupfwinfel, ohne
flinet und Reflerion, ohne Erkenntniß, Kunft
ı Werkzeuge, unter fo vielen reißenden Thieren
ſendmal umkommen ? oder wuͤrde er in’ feiner
iſamkeit ruhig, ficher und zufrieden feyn koͤn⸗
7 Man feße eine Mutter mie drey Kindern von eis
a, drey und fünf Jahren, in einem fonft warmen
be, Das voller Früchte iſt. Cie fann doch keins
in für fich laufen laſſen. Dem einen hat fiedie
uft zu geben, für die andern und für ſich muß
dienfame Nahrung fuchen. indem fie nun
| jüngfte ftillet und auf Den Armen trägt, fo fuchet
bie Früchte, Kräuter und Wurzeln in Gefell-
ıft ber übrigen herumlaufenden Rinder. Und
ei das eine wird in dem Gebüfche von einer
biange ober Matter gebiffen, Das andere von
ms Skorpione geftochen; oder beyde haben für
uger giftige Srüchte gegefien. Sie fchrenen:
Mutter has zwar Mitleiden mit ihnen ; aber feine
flerion, was ihnen fehle, viel weniger Kenntniß
ı Mitteln, ihnen zu helfen; fie jterben alle beyde.
koͤmmt ein Tiger oder Leopard: fie mill fich mit
s legten Kinde auf einen Baum reiten; fann
zo. "VIA. Wirgfeihuig ı
‚aber · mit dem Kinde zugleich nicht klettern So
find entweber beydes Mutter und Kind; obere
nigftens das Kind verlöten. Denn Priigel und
Eteine wollen ‚gegen ſolche Tiere, fo wiegegn
Schlangen, Nattern und "Sforpionen michtsiaus
"richten, Laß fie aber mit —— r
fättiget und unbefchäbige die Mache erreichen.
fie denn vonder Natur dazu gemadher, auf %
zu fehlafen? ober kann ſie hren Minden
= Neft oder Sager bereiten? Das iſt ni
fich. Auf der Erde aber wird wielleiche Wie
Nacht ihr ſelbſt und ihren Kindern die
wenn die Raubthiere ihrer Gewohnheit mach im
Finſtern auf ihre Beute ausgehen. Die: Finfter
niß verfaget ihr alsdann allen Rath und alle Zuflucht,
Und wenn ihr aud) Fein Icbendiger Feind den Tab
drohet: fo find allein die Nachtfröſte in dem waͤrm
ſten Laͤndern defto empfindlicher und tödlicher für
die nackten Würmchen, welche fie mit nichts zude⸗
den weis. Aber laffet ung eben diefe Mutter mit
ihren drey Kindern in einert mittleren Erdſtrich fegent
fo möchte fie zwar vielleicht von reißenden Thieren
meniger Gefahr haben, aber weit —— —
Hunger und Kälte leiden, "Denn, weil fie nicht
vorausdenket, fo fieße fü fie auch) den Fünfrigen Maw
gel im Winter micht vorher; folglich fanmlek fie
Feine Nahrung auf den Winter. Wenn alfo der
Winter Fömmt, und aller aufböret, oder
verdorben, erfroren oder mit Schneeund Eifebe ||
ect ft: fo muß fi mie rn Jungen vr Sun
umfommen, Und dazu kommt denn bie
Be welche fie in freyer Saft "oßne
der Wenfihen mit den Thieren. su
ser, von ſich und ihren Kinderg mie einen
nicht genug wirb abwehren koͤn⸗
Wie? wenn die Mutter durch einen, Zufall
wörbe, und ftürbe, welches ja menſchlich if,
wenn. fie von einem wilden Thiere getöbter
‚. weiches möglich ift: wer wird. ſich alsdeun
Inter annehmen, die fich ſelbſt noch nicht zu
wien? Kann denn ein ſolcher Zuſtand dem
hen natürlich ſeyn, worinn das ganze Ge⸗
tin Zurzem vergeben müßte, und werinn,
2 leben koͤnnte, alle * edleren Ma⸗
ue erſpickt werben müßten ? J |
gt . S 5. .
Ya Natur giebt nichts umfonft; fie hat. uns
Wweifel zur Ausübung unferer Kräfte beſtimmt.
Zuſtaud kann allein dem Menfchen na⸗
Y:mb menfchlich feyn, morinn feine eigen
* Geſchlechts Genuͤge leiſten kann, und
hlernaͤchſt eine ſolche Sebensart führe, welche
**8 Art von allen uͤbrigen Thieren un⸗
. Der Zuſtand hingegen iſt unnatuͤrlich
‚ barinn er mit feinem ganzen
-taufenbmal umlommen müßte, unb
Gebrauchs aller eigenrhümlichen Kräfte
beraubt, und ihn zum dummen und.
‚ welches fein Seben ohne alles
-fleten Schlummer zubrächte,
der Menſch ohne —— und ohne
der Wernunft und Eprach nicht
512 VII Abh. Vergleichung
einmal den Beduͤrfniſſen feines Lebens und feines
Gefchlechtes Benüge leiften, geſchweige eine Sehens
art führen, die mit feinen eigenthümlichen Natur⸗
kraͤften übereinftimmer, und feine befonbere Akt
von den übrigen Thieren unterſcheidet. Alſs iſt
—
allein der Zuftand dem Menfchen natürlich, web |
cher gefeflig ift, und den Gebraucd der Vernunft
und Sprache mit fich bringet; und bes Serra As
fein erfonnener Zuftand, welcher allen Gebrauch
dieſer eigenthümlichen Naturfräfte des Menſches
erſticket, iſt ganz unnatürlid). J
Der Grundirrthum (das wewrer super) bei
Herrn A. ift, daß bie Befelligfeit dem Dienfchen
nicht natürlich fen, fondern daß ein jeder von Nas |
fur einzeln und einfam lebe, und wenn ihn auf
die Brunft zu einer Gattinn geführet, er Diefelbe doch
alſobald nad) gefühlter Hige wieder verlaffe. Ich
will Die Beweiſe bes Gegentheiles, welche ich bey
läufig einfließen laffen, bier aus einander feßen.
Der Menfd), fage ich, ift nicht zum ungefelligen
Zuftande gemadjt : 1) weil eine nackte roaffenlofe
Creatur , welche viel ſchwaͤcher ift, als viele andere
bösartigen Thiere, nothwendig ſchuͤchtern iſt, und
. ⸗2 CE Zum m — — —
ſich aus Furcht zu ihres gleichen hält: =) weil wr
die natürliche Gefelligfeit an vielen andern Thieren,
die dem Menfchen an Friedfertigkeit und Schwoͤ⸗
che ähnlich find, wirklich wahrnehmen, daß fie ſich
und ihre jungen auf folche Art zu fchügen fuchen:
3) mei nicht der geringite Grund vorhanden if,
warum der Menfch, vermöge feiner eigenen Ne |
tur, lieber allein, als bey feines gleichen feyn wol
te, da er von biejen nichts zu fürchten, und. bergegen
wegen
sum —
. der Menſchen mit den Thieren. rn
jen das Mtleids, welches Herr R. fi
natärlich beyleget, allen —2 zu arten
: 4). Go auch nicht der geringfie rund
yanben, ba Herr R. ben Menfchen auf bie
chahmung ber Triebe anderer Thiere verweift,
um bewfelbe nicht den Trieb ber gefelligen und
sertigen Thiere vielmehr nachahmen follte, Als
ſaͤdlichen reißenden Thiere, Die fich allein auf
Araͤfte verlaffen koͤnnen, und ihre Beute niche
sit andern theilen mögen. 5) Herr A. un
ſt werlaftens die Gefellfchaft zwiſchen Mutter und
& auf eine Zeitlang annehmen; und ich habe
iger/ baß diefe Gefellfchaft gar leicht bis auf drey
r mehrere Kinder anwachſen kann, weit fie ſchwer⸗
wor fieben ja vor zehen Jahren ganz allein fich
yelfen und zu fehügen im Stande find. Und
um foüten fie nicht lieber fortan in Geſellſchaft
Mutter bleiben, da fie die Proben ihrer Liebe
'- Worforge fo vielfältig gefchmedet Gaben ?
Wanum wollen wir aber den Mann von biefer
elifehaft ausfchließen,, da doch Loͤwen und Tie
‚ da Wölfe und Bären paarweife in Höhlen
fammen wohnen, und gemeinfchaftlic) ihre
ne fehügen, nähren und zur Jagd anführen ?
Fr Wenfch hat vor andern einen Reiz dazu, weil
sche mie einige Thiere bloß zu einer gewiſſen Zeit
Jahre in Brunft geräth, fondern das ganze
be hindurch zur Beywohnung einer Gattinn Kräfe
ws $uft hat. Warum foll denn ber Menſch
auberri in ſolchem Grabe ein Mifanthrope ſeyn,
er eine Gattinn floͤhe, die feinen natuͤrli⸗
den den angendepſten Dienſt —
0
ſchen Anmal aus feiner natürlichen Stellung
Lebensart gefegt hatte: fo war es nicht zu ve
dern, daß er die erfte vorzügliche Naturfraf
Menfchen, die Vernunft, in ſolchem Viehe nic
blicket, und daher bie Entwidelungber Wer
zu bes Menſchen ſeinem geaͤnderten Zuſtande
net. Ich will auf das Wort Vernunft oder
fon, eben nicht beſtehen, weiches ich mich I
befinne, in dem ganzen Werke bes Herrn A,
fen zu haben. Ich nehme feine Reflerion ,
den Zuftand der Neflerion, für eben
mas wir mit dem Worte Vernunft ober
der Vernunft fagen. Diefen Zuftand der 9
sion hält er aber nicht allein für einen fchon ve
benen umatuͤrlichen Zuſtand, der bie Quelle
menfchlichen Eienbes ſey; fondern leitet ihn
von ganz. zufälligen Umſtaͤnden ber, vor- gl
vielleicht unendliche. Taufenden von Jahren gi
, ehe ſie ven getroffen , und w
der Menfchen mit den Thieren, sız
ich fortan in Ewigkeit härten ausbleiben koͤnnen.
Bir fuchen das Erfehntniß, faget Herr R. bloß
m etwas zu genießen, und es ift unmöglich zu.
greifen, warum einer, der weder etwas verlanget
ch fuͤrchtet, fich Die Mühe geben folite, zu raiſon⸗
ven. Das Verlangen bes wilden Menfchen geht
cht über die phyſiſchen Nothwendigkeiten. Die
azzigen Güter, die er in der Welt Fennet, find
ahrunz, Benfchlaf und Ruhe : die einzigen Lies
6,’die er fürchtet, find Schmerz und Hunger :
nes vom Tode hat er feine Vorſtelliung. Die
wfedibiliter, die gefelligen Tugenden, und bie
dern Geſchicklichkeiten, welche der natürliche
denſch in potentia (en puiflance) befommen hafe
‚„ fonnten fich nimmer von felbft entwiceln, ſon⸗
en hatten dazu einen ungefähren Zuſam⸗
enlauf vieler freinden Urfachen noͤthig, welche
ach nimmer hätten entſtehen koͤnnen, und ohne
elche der Menfch ewig in feinem urfprünglichen
uſtande geblieben mare. Er wirft viele faft uns
sflösliche Schwierigkeiten in den Weg, ehe bie
Renfchen auf ben Einfall hätten fommen koͤnnen,
ch einander ihre Begierden durch gewiffe Worte
ngubeuten, oder ſich felbft abſtrackte und allge⸗
sine Begriffe zu machen. Er ift daher unwillig,
af. man die Waldaffen nicht für wirkliche wilde
‚ von eben der wefentlihen Art hält.
Run Daß fie nicht fprächen , fen ein ſchlechter Be⸗
wis, weil das Reden uns auch nicht natürlich fen,
ngeachtet bie Werkzeuge zum Sprechen uns Nds
krlich wären. Daß fie aber Das Nachtfeuer ber
degern, dabey fie fich gerärmes hatten, nicht uns
Ä 2 teœ⸗
n
s6 Vn Abh. Vergleichung
eerhalten hätten, ſey nicht ſowohl eine betiſe ode
viehiſche Dummheit, als ein Mangel des Willens: |
fie hätten in dem heißen Climate von Loango te
Wärme fo noͤthig nicht, bie Zeit wäre ihnen en
lich an einer Stelle zu lang geworben, und fiewä |
ren mit dem Tage zu einer wichtigern Sache geell, |
ihre Nahrung zu ſuchen.
6 6
Es wäre, duͤnket mich, dem Zwecke des Heru
A. wohl gemäß gewefen, da er ung beieheen will, |
welcher Zuftand dem Menfchen natürlich fey cde
nicht fen, daß er zuvor deutlich und genau erklaͤre
hätte, was er unter den Worten, Natur, Re
fürlih, Matürlicher Zuftand, Recht der Nat,
eigentlich verfiehe. Weil er aber bas nicht g
fo ſcheint er in feinen ‘Begriffen fehr zu ——
wo er nicht gar unrichtig Davon denkt. Ich will
mich über jedes erflären, und dann bes Herm fi |i
feine Begriffe, fo viel ich fie erratben fann, dage |!
gen halten.
Natur des Menfchen nenne ich feine weſench
hen $eibes- und Gemüthsfräfte, und feine angebe |i
renen Befchaffenheiten. Die wefentlichen $etber |
Eräfte find zur Erhaltung des Lebens und ber ®e |
fundheit wirffam, und befannt genug. Diewe
fentlihen Seelenfräfte find, aufer ben Sinnen,
finnlichen Vorftellungen und Neigungen, melde |;
wir mit den Thieren gemein haben, bie Beraumft, |
Srenheit und Perfeäibiliter. Die angeborene Be |
ſchaffenheit, welche hier in Betrachtung koͤmm,
iſt, dag wir nackt, unbewaffnet und Hülfles af
die
[4
— m
5 thierifcher Triebe verweilt;
—8 „eine eigenthuͤmliche Natur beyleget.
aͤuſſert auch darinn, daß er
und Perfedlibilitet niche *
ß atferntes Vermögen (potentiam remotam)
welche vielleicht nimmer hätten zur Wirk⸗
——— wie dieſe von einem un⸗
—— — vieler zufälligen Urſa⸗
te, welche alle Härten tpegbleiben koͤn⸗
ſind ſeine n, Freyheit und
lret Werkſtuͤcke, bie nicht in feine Matur-
5* , ſondern in ſtatu Nature‘ unge⸗
Bir legen bleiben. Unrichtig iſt auch des
I. feine ellung von der-angeborenen
* enheit des —*2 fo ferne er ihn un⸗
machet, und die Geſellſchaft der Gattung
* welche er nicht leugnen konnte,
En dem Berfihlafe und bee Entmöhnung,
Bas aufgeht: wovon Ic ſhen ouefuhelich geredet
Wi.
He...
Bar 1 2 une 79
8. "vil Ash. Vergleichung.
Natuͤrlich nenne ich dasjenige, was ſich
feiner Zeit aus der Natur, d. i. wefantlichen Rei
ten und angeborenen Befchaffenheiten entwickelt,
wenn nur fein Hinderniß da ift, und bie Umftänbe
übereinftimmen. Ich ſage zu feiner Zeit u, ſ. w.
denn, (daß ich erft ein Gleichniß gebe,) an einem
Baume fann man nicht zugleich mit ben Knoſpen
auch Blätter, Blumen und Früchte verlangen;
und doch ift alles diefes dem Baume natürlich, wei
es fich in gemwiffer Ordnung aus feinen vegetabili
fihen Naturfräften und Befchaffenheiten entwickelt.
Ich fage ferner, wenn fein Hinderniß da iſt, und
die Umſtaͤnde übereinftimmen. Denn, wenn be
Baum feine Wurzeln hätte, oder die Witterung
entgegen wäre: fo mirde alles dieſes nicht zur
Wirklichkeit kommen, und deswegen bliebe es doch
dem DBaume an fich natürlich. So ift es auch
mit Ihieren befchaffen., Es ift natürlich, daß eine
Raupe ſich einfpinnet und in einen Schmetterling
verwandelt: aber man warte bis fie alle Häuteab-
geworfen, ftöhre fie nicht in ihrer Arbeit, und fehe
fie nicht in midrige Umftände. Es ift natürlich,
daß Bienen ihren Wachs » und Honigbau verrichten:
aber erft müflen fie aus Würmern Fliegen gemorben
ſeyn, fie müffen Feine ungebethenen &äfte im Stock
befommen, und in Gefellfchaft einer Mutterbiene
oder Koͤniginn feyn, fonft arbeiten fie nicht. So
werbe ich denn auch niche unrecht fagen, dem
Menfchen fey ber Hunger, der Auswurf, der Schlaf,
das Gehen auf zweyen Fuͤſſen, die Mannheit und
Fortpflanzung des Gefchlechtes natürlich; naͤmlich
alles zu feiner Zeit. Ich fage auch nicht unr
- Der Rerſchen mit den Thieren. np
⸗ überhaupt, und das Abflrahieen feg
— ferne fh die Verummuft
Bpeahfäßigke allgemeinenBeg
aeiget, wenn enſch nur niche
— und nicht in ——22 =
Mſchaft von ſtummen und. dummen Wiche, fon -
inter feinen Aeltern groß geworben ii, wie.
BB ;barauıs fonn man denn auch urtbellen,
jahr: Suftand des Menfchen fey:
uich, venn er in die Umſtaͤnde geſeßt iſt, die
iche Natur nachwendig zur Mist,
sel
| feyn, und wir müffen ihm diejenigen Um»
aa nicht. beuehmen, welche der Ausbruch feiner
era Maturfräfte vorausfeßet, und bie
ler bürgerlichen Verorbnung und Herrſc
mmemsmen werden koͤnnen und muͤſſen. Here ZU
(ht fich einen fatfchen Begriff von dem Natuͤb⸗
m, unb natürlichen Zuftanbe.. Er meynet,
‚sole nicht wirklich mit auf die Welt, brächten,
ten
cher Herrfchaft fießen, fonbern, weil wir in eine
miliengefellfchaft erzjogen find, welches. unfer
tus naturalis, auch ohne und vor aller bürgerl
Gefelifchaft ift, Eben fo wie Herr R. das €
auf zweyen Füßen — doch offenbar von
mütterlichen Geſeliſchaft und Erziehung enefpr
Ju dem Statu natyrali des Menfchen rechnet,
ſo und mit gleichem Rechte müffen wir die. Sp
des Menichen zu feinem Scary naturali red
Es ift fe wenig ein Volk in der Welc, wei
auch noch fo wild wäre, das gar feine Sy
bätte, fondern bloß bloͤckte oder brummte, ala
gefunden wird, das auf allen vieren Eröche,
ba feine forsgefegte Ehe und gemeinfehaftich
jiehung der Kinder im Gebrauche wäre;
darf. deswegen nicht fagen, daß dieſer oder
Schall befonders ein natürlich Zeichen u
danken und Begierden fen. erforbert fr
eine beimlche Brwiigung ober her
der Menfchen mit den Thieren. sur
anderer Menſchen; s aber doch auch
keine , die ex ſtatu civili und obrigkeitlicher
Berorbnung fließt, fonbern die vielmehr vor dem
Seen civili zu fegen if, Die Natur hingegen.
Fr dem Menfchen vor andern
en Werkzeuge zum deutlichen Schalle und zur
bernehenlichen Sprache gegeben. Da nun andere
Thlere fich einander ihre teidenfchaften und Yes
erben durch einen confufen Schul, Stimme und
Zen zu verfichen geben: marum fellte ber Menſch
wicht auch feine Stimme brauchen, und feine®edanfen
andern in einer Samil tengefellfchaft und in einem Um⸗
gange durch einen ihm eigenthümlichen deutlichen
hal entbecken? Warum ſollte er alfo feinenanirfis
de —— nicht aͤuſſern, da tauſend Gelegen⸗
en, wo Mutter und Kinder es noͤthig
ſich einander ihre Gedanken fund zu machen.
Welchen befondern Schall ber erfte Erfinder eines
Wortes zu einer jeden Sache brauchte, dag war
geichguͤltig; die erfte Sylbe, die ihm einfiel, war
Die Beſte. Andere Menjchen find froh, wenn ein
Ding nur feinen unterfcheibenden Namen bat, und
nehmen ihn mwilligft an. Die Thiere Haben in jeber
Ars nur einen einzigen beftimmten unbeutlichen
Schall, oder doc nur geringe Abwechſelung deſſel⸗
Sen: weil fie ihre Arc an biefem Schelle kennen
ſeſlen, und fich in individuo einander nur wenige
deibenfchaften zu entdecken haben, auch von Natur
wofähig find, mit Worten, verftändliche Begriffe zu
verbinden. Der Menfch aber mußte deutliche Bes
griffe Durch einen deutlichen Schall ausdrücden; um
fo mehr, ba er fo viele Deseite von Dingen nöthig
1 5 hat,
kei VE ee
z die unendliche Mannichfaltigkeit der mog ·
das geſchickteſte Mittel war. Daher
Banner auch nicht von der Natur zu einem einzie
- gen genifien Schalle angewiefen feytiz fonbern die
R ———— — unzaͤhlig vielen möglichen Sylben
"rd mußre feiner Willkuhr überlaffen ner
Es iſt aljo dem Menfchen zwar nicht diefe
ur oher je Sprache, aber doch Oberhaupt das Spre:
"2, Plbem allein und eigenthuͤmlich gegeben, und zur Um
derhaltung der Gefellfdyaft mit feines) Gleichen
\ veihwendis ·
857.
4
Es iſt demnach grundfalſch, bag die Matur
„uns Menſchen gebildet habe, einfam , ungefellig,
gumm und dumm, Fury, ein wahres Vieh zu ſeyn.
Es iſt grundſalſch, daß wir in ſolchem Zuſtande
ſeyn, oder gluͤcklich und zuftieden ſeyn koͤnnten
grundfalſch, daß Geſelligkeie, ‚Sprache, allge
meine Begriffe, Reflerion und Gebrauch der Wen |
— den Menfchen unnatürlich, oder erft nach vie |
gene zufleßen,-wie «6 auch aus ke Be Perfaibi-
liter, von felbft folget, daß in den Künften, if
Palin. rl allen "Doryigen ber Dinfipen, Beufe
a -
N
„ ohne Erfindimg, ohne einige
— abheifen. Nun Lönnte man wohl
Amehmen, daß ber. Schöpfer feibft denen erften
—— die ganz neu in der Welt waren, die
Huͤlfsmittel angewieſen habe.
| —* Se: =F Beinen *
nochwendig e Den 4 P)
"ie Allein; * R. wi mo einen ——
Gar ee nicht gerne in feinen fkasum nature
| haben. Wir wollen uns alfo lieber auf
Die Heilige Schrift Anleitung, und
WE sintärlichen Geſchicklichkeiten berufen, die er ſelbſi
Menfchen zuſch
Uuiniefpränglichen reibt. Sie ges
Bari und wiflen auf ihren zweyen Süßen has
zu halten; ja fie laufen, fie klettern
die Baume. Das fonnten fie aus der
ung der Tblre ae Yan Denn die
BET vierfüßigen Gange geführet.
I ee fi aufsueiheen, un —8
Gelng ihrem Körper angemeffener fep Chi
\
. A. aber feinen urfprängfichen. u
fen Anmal aus feiner natürlichen Stellung: und
Sebensart gefegt hatte: fo war es nicht zu en |
dern, daß er bie erfie vorzügliche N
Ä Menfchen, die Vernunft, in ſolchem Viehze *
blicket, und daher die Entwickelung der Vernunft
I V
ſon, eben nicht beſtehen, welches ich mich Pam
Dam?
beſinne, in dem ganzen Werke bes
fen zu haben. Ich nehme feine Keflerion ,-unb
5 MR,
Worte i
der Vernunft ſagen. Dieſen Zuſtand der Diefle:
| sten huͤlt er aber nicht allein für einen ſchon verder⸗
benen wanatürfichen Zuſtand, der bie Quelle. alles
= Menſchen mit den Thieren. sız
nin in — haͤtten ausbleiben koͤnnen.
ven des Erkenntniß, ſaget Herr A. bloß
6 za genießen, und es iſt unmoͤglich zu
warum einer, Der weder etwas verlangt
bet, fich bie ftühe geben follte, zu reifen
Das Verlangen des wilden Menfchen geht
e die phyſiſchen Nochwenbigfeiten. Die
Güter, die er in der Welt it Pemnet, (nd
h Veyſchiaf und — die einzigen Lies.
er fürchtet, find Schmerz und Dunn!
Tode hat er Peine Worftellung.
üiter, Die gefelligen Tugenden, unb .
Beftpicflichkeiten, welche der natürliche
In potentia (en puiflance) befommen hats
ten fich nimmer von ſelbſi entwideln, ſon⸗
nten bazu einen ungefähren Zuſam⸗
vieler fremden Urfachen nöthig, welche
ner hätten entſtehen koͤnnen, unb ohne
ee -Menfch ewig in feinem urfprünglichen |
kgeblieben wäre. Er wirft viele faft un⸗
ye Schwierigkeiten in den Weg, ehe die
u auf den Einfall Härten kommen fönnen,
nber ihre Begierden durch gewiffe orte
wm, oder füch felbft abſtrackte und allge
vegriffe zu machen, Er ift baher unwillig,
r die Waldaffen niche für wirkliche wilde
a, von eben ber weſentlichen Art hält.
fie nicht fprächen,, fen ein fehlechter de
wi Bas Reben uns auch nicht natürlich 19
et die Werkzeuge sum Sprechen ans
dien. - Daß fie aber das Nachtfeuer de
⸗ de ſie ſich Kir hatsen, nicht une
Fr
» | . J | | * |
VIE; Virgeichaz
eerhallen ha a a eine &
wie
—* aft einer een zu lang —— u
ten mit dem Tage zu an ihr
he iu fadyn.
46.
she, Bine mid), dem Zweck⸗
A. wohl gemäß gemefen, da er ung 64
welcher Zuſtand dem Menſchen nactuͤrlie
nicht ſey, daß er zuvor deutlich und gen
hätte, was er unter den Worten, Na
- Aürlich , Matürlicher Zuftand, Hecht d
ügehrlich verfiche. Weil er aber das nkl
fo ſcheint er in feinen Begriffen * ſi
wo er nicht gar unrichtig davon den
mich uͤber jedes erklaͤren, und —8 des
feine Degeie, fo viel ich fig errathen kaı
en ha
313 des Menſchen nenne ich ſein
chen Leibes · und Gemuͤthskraͤfte, und feiı
renen Beſchaffenheiten. Die mefentlich
| ee find zur Erhaltung des Lebens unl
wirffam, und befannt genug.
fenel ©eelenfräfte find, außer der
finnlichen Vorftellungen und Neigunge
wir mie den Thieren gemein haben, bie |
5 Perfedlibilitet. ae angeb
welche hier in
nat, unbewaffuet und hi
M, dep wir
»
u Benni lee FR
kommen, und Pflege und Er⸗
wet Ben eigen
—— 2 Natur Be Wink,
iepig : indem er nehm
ft des Menfchen, welche * den
er Kra
ver Watur, fondern zu fenem ufäligen, un aan
—— eg rechnet ;
ſcher Triebe he
Ben: ——— Natur oe
äuffert. fich auch barinn daß er
— enheit und Perfeäibilice nicht *
ee wirk ſame Seelenkraͤfte; ſondern als
nie (potentiam an)
kafiebe, meiche vielleicht nimmer haͤtten zur Wirk
famkeit fommen £önnen, mie per einem une
Wefäbzen Zufanmenftoße vieler zufälligen Urfa-
w bependirte ‚» welche alle härten Kenbieiben koͤn·
Demnad) find feine 1, Sreypelt und
BerfedibiliterQperffküde, die nicht in feine Natur ·
‚gehören, ſondern in ftaru N en unges
liegen bleiben. Umrichtig iſt auch des
— feine Vorſielling von der-angeborenen
jenheit des Menfchen, fo ferne.er ihn un.
gefellig madhet, und Die Geſellſchaft der Gattung
ib Erpiehung, welche er ‚nich leugnen konnte,
— mach dem Beyſchlafe und der Entwoͤhnung,
ae aufhebt: wovon Kahn gerebet
Fan Rz Nacur⸗
518 - vu Abh. Vergleichung
Natuͤrlich nenne ich dasjenige, was ſich
feiner Zeit aus ber Natur, d. i. mefentlichen Rı
sen und angeborenen Befchaffenheiten entwick
wenn nur fein Hinderniß da ift, und die Umſtaͤ
übereinftimmen. Ich ſage zu feiner Zeit u. f.
denn, (daß ich erft ein Gleichniß gebe,) an ein
Baume kann man nicht zugleich mit den Knof
auch Blätter, Blumen und Früchte verlang
und doch ift alles dieſes dem Baume natürlich, v
es fich in gemwiffer Ordnung aus feinen vegetal
ſchen Naturkräften und Befchaffenheiten entwid
Ich fage ferner, wenn Fein Hindernig da ifl, ı
die Umftände übereinftimmen. ° Denn, menn
Baum feine Wurzeln hätte, oder die Witten:
entgegen wäre: fo mirde alles dieſes nicht
Wirklichkeit fommen, und deswegen bliebe es t
dem Baume an fi) natürlich. So iſt es a
mit Thieren befchaffen. Es ift natuͤrlich, daß
Raupe fich einfpinnet und in einen Schmetterl
verwandelt: aber man warte bis fie alle Häute
geworfen, ftöhre fie nicht in ihrer Arbeit, und
fie nicht in midrige Umftände. Es ift nakuͤrl
daß Bienen ihren Wachs » und Honigbau verrich!
aber erft müflen fie aus Würmern liegen gervor
ſeyn, fie müffen Feine ungebethenen Säfte im St
befommen, und in Gefellfchaft einer Mutterb
oder Koͤniginn feyn, fonft arbeiten fie nicht.
werde ich denn auch nicht unrecht fagen, |
Menfchen fey ber Hunger, der Auswurf, der Sch
das Gehen auf zweyen Fuͤſſen, die Mannheit
Fortpflanzung des Gefchlechtes natürlich; naͤn
alles zu feiner Zeit. Ich fage auch nicht unr
—— ai nn 1.
3 namlich fo. ferne ſich Die nnd
———
Mac, wenn der Merk mr nice taub pr
enfch nur n
und nicht in einer unten =
Nſchaft von ſtummen und. dummen Viehe, ſon⸗
har Aeltern groß — W, wie k
ag nur feinen unteefcheibenben und
zen ihn willigſt an. Die Thiere haben in jeder
ur einen einzigen beflimmten unbeutlichen
ball, oder Dach nur geringe Abwechſelumng deffel-
⁊ weil fie: ihre Art an biefem Schalle kennen
m, und fich in individuo einander nur wenige
| deutlichen Schall ausdruͤcken; um
ehe, da ex fo.viele Begriffe von Dingen noͤthig
| gt Rz
* —— die Eule
ip en m gen,
So viel kann 2 man dem Sera R.
gerne zuſtehen, wie es auch aus feiner Perfocuibi-
* von ſelbſt folget, daß in den Kuͤnſten, Wiſſen⸗
ſchaften und allen Borgigen ber Reuſchen, u
X
N
"ae nſhen mit den Thieren sap
— ü Die m.
Bench Bamitengefare, wich fe pe: Beyide
einer Famili ſſchaft, ve
ihrer Otanfen und Beglaten
vermitteiſt
Schalles; folglich machen fi ad) Bebeaude
Son den —— —* deutlichen
Stimme und mil ſehen: fe bin.
Space.
en a te Duke —e— — —
ſo konnte dieſe doch bey weitem —
oder ihr Verlangen ausdrͤcken. ESu
dabey etwas gelallet , und bald deutliche
Sorter hervorgebracht haben. Denn dee Menſch
FRfe geneigt, wenn er auch den Schall der Thiere
nachahmen will, ſolchen in einen deutichen Od,
an Wörter zu verwandeln. _
Wo * nur ein Anfang iſt vom Nachdenken,
on Erfindungen, von Künsten, vom Sprechen,
da geht die Bemuhung bald weiter, von der äufe
— Mothdurft, und rohen Huͤlfsmitteln derſei·
zu beſſeren, zu mehreren, jur —
* je Abroechfelung, zur $uft, zum Zei
"reibe und Vergnügen, Selbft die wilbeften Walken
nen in America, welche dem thieriſchen Zuftande
"am nächften kommen, find doch nicht —— —
"beit, Sprache, und "Künfte, und Herr R.
Ahnen offenbar Unrecht, wenn er z. B. einen =
"Faiber. dichter, daß er feine Hangmatte verfaufte,
R7 auf den Abend zu denken, und baß er fein
ohne Eiferfucht andern Preis gäbe. u
Die’geflochtene Hangmarte yeiget Ifre Kunft, rs
— und Nachdenken, ſich eine bequeme und
fichgre Schlafftelle zu bereitm. Ihe Jagm, Zi
F
526 VIlI Abh. Vergleichung
ſchen, Schiffen, Schwimmen, Tauchen, i
Bogen, Pfeile und Waffen, ihre Kenntniß F
ger ſowohl als heilſamer Planzen, ihre Muſik,
Geſaͤnge, Tänze und andere Uebungen, find
Beweife, daß fie mit des Herrn A. feiner Ber
fchreibung, die cr von ihnen machet, nicht überein
. Rimmen, und überhaupt, daß fie ſich mit ſolchem
urſpruͤnglichen Inftande, als er fich einbilder, nicht
begnügt haben. Sie leben nicht zerſtreut und ein
fam in Wäldern, ungeachtet fie die dickſte Wild-
niß um fi) haben. Sie halten fid) zufammen in
Familien und Bölferfchaften: fie führen ihre fort
daurenden Ehen: fieerziehen ihre Rinder nad) ihrer
gebensart : fie erfennen das Unrecht, was man ih⸗
nen anthut, ihr Land einzunehmen, fie erwaͤhlen
einen Heerführer im Kriege, und wehren fih
tapfer, fo viel fie koͤnnen.
Daß die meiften Amerifaner nicht weiter ge
kommen find in Künften, Wiffenfchaften, Sitten,
daß fie faul und träge find, und Ruhe und Schlaf
. allen weitern Stufen möglicher Vollkommenheit
vorziehen : enrfteht bloß daher, weil fie fich in
- Betrachtung des großen Landes noch fehr wenig
vermehret haben, und in den müften Wäldern, Wild
bie Menge, Baumfrüchte und Erdgewächfe, kurz,
einen Weberfluß von Lebensmitteln vor fich finden,
welcher für alle zureichet, ohne daß fie noͤthig haben,
der ergiebigen Natur Durch ihren Fleiß zu Hülfe zu
fommen. Daher blieb alles allen zum Gebrauche
gemein : man befümmerte fi) nicht groß barum,
weder Vieh zu zähmen, das die Küche verforgen,
noch eine Art Korn oder Fruͤchte zu bauen, welche
bie
m-
der Denfchen mit den Thieren. 527
die Scheuren füllen fönnten. Aber fobald bie
Menſchen fich in einem Sande fo vermehren, daß
ber von ſeibſt fich anbierhende Vorrath ber Natur
nicht mehr fir ſolche Menge zureichet, ober fo auch
die Art des Landes an Früchten fo ergiebig nicht ift,
febald Hörer die Gemeinſchaft der Guͤter auf. Ders
jenige, welcher eine Art efbaren Viehes zu feinem
Gebrauche fängt, zähmet, weiber, der ein Feld
bearbeitet, und mit nahrhaften Gewaͤchſen befüer,
ber has echt, andere von deffen Nutzung auszu«
ſchließen, und fich die Frucht feines Fleißes und
feiner Geſchicklichkeit zuzueignen. Siehe ! fo iſt
denn das Eigenthum unter Menfchen, vie fich in
einem Sande mehren, unentbehrlich; und biefes
wecket ben Fleiß und die Geſchicklichkeit unter ihnen
auf, und eben Daher entſteht der erfte Unterfchieh des
äufferlichen Zuftandes, wie Herr R. gar wohl eingefes
hen hat. Der Faule, der Nachläßige, Unuchtfame,
Unerbdentliche, Dumme, Einfältige, darbet, und kann
in fo guten häuslichen Umſtaͤnden unmöglid) fern,
als der Emfige, Ordentliche und Wigige. Das
giebt denn Reiche und Arme, dag giebt Herren und
Bediente, das giebt endlich, bey meiterer Ver⸗
mehrung der Menſchen, Regenten und Untertha⸗
nen; welches auszuführen mein Zweck nicht mit
bringet. Herr A. könnte alfo auch wohl ein.
gefehen haben, daß folcher Unterſchied der Stände
mit ber. Natur der Menfchen eine nochwendige
Verknaͤpfung habe, und daß Fleiß und Geſchick⸗
lichkeit an und für fich den Menfchen und deſſen
Zuftend vollfemmener machen. Die Ungleichheit
des Standes hebt die Gleichheit des Rechtes, ja
| x
28 Vil Abh. Vergleichung
ich mag auch ſagen ber Freyheit, Vollkommenheũ
und Gluͤckſeligkeit, nicht auf. Billige Regenten
laſſen ſich in ihrem eigenen Lande von den geſetzten
Obergerichten die Rechtsſachen mit den Untertha
nen ab⸗ und ben Unterthanen zu ſprechen. Dee
Contractus Societatis civilis iſt wegen der Unord⸗
“nungen im Statu naturali, zu beſſerer Handhabung
menfchlicher Nechte, zur Wohlfahrt und Sicher
heit der Gemeinen, zur Pflanzung der Künfle,
Wiffenfchaften, Tugenden und guten Sitten, ge
ſtiſtet und eingeführet, und bey jeßiger Vielheit der
Menfchen unehtbehrlih. Ein jeder kann babey in
jedem Stande, nicht allein gefund feyn und zurei⸗
chende $ebensmittel haben, fondern auch alle menſch⸗
liche Vollkommenheiten bes Leibes und Gemuͤ
erwerben, geichäfftig, mweife, Flug, beliebt und
geachter feyn, ja, wenn er will, auch im mittels
mäßigen Stande eben fo vergnügt feyn, als ein
König. Misbraucher einer im Scaru civili des
Vorzuges, welchen ihm fein Stand giebt, durch
Gewalt, Lift und Betrug: fo ift es dem Statui
eivili an fich niche zuzufchreiben. Und gewiß, bie
Wilden
23 Ich habe den Sa, Omnes homines zque felices effe,
in einer befondern Rebe ausgeführet, welche in mei⸗
nen Primitiis Wismarienfibus 1723. 4. gedruckt iſt
Mancher möchte den Sag als paradox verworfen;
aber vernünftige Leute werben leicht einfehen, med
ich damit fagen will, und in feinem eigentlichen
Verſtande halte ich ihn für eine große und zur 3
friedenbeit des Menſchen hoͤchſt wichtige Waprbeit,
die ich dem Herrn Ronffeau, bey feiner Klage ft
Pinegalit€ dos hommes, wohl empfehlen moͤchte.
— . —————— — — e e RES
-. deräienfipen mit ben Thieren. sa9x
Wi America und anderwaͤrts, Haben beh ihter J
nd dummen Lebensart unleugbar weniger
Oniigeh,uund find doch theils eben demfelben,cpeils
——5 ‚führen auch unter ſich
mit der unmenſchlichſten Graufamfeit Kriege:
Fi, die wir in bürgerlicher Gefellfhaft un«
$ iten und Gefegen leben, haben nicht
je/"imegen der bie und da zufällig eingerifles
che, wegen der Unterdrücdungen von
gern, und des daraus entftehenben
“aus der Welt zu.laufen, Mifanthropen
eit, uns lieber wild; ungefellig, nad, ein.
Br und dumm zu wünfchen, die menfch«
Natur felbft aller ihrer Vorzüge zu berauben, -
weit unter das Vieh herunter zu fegen ?; - Es
och’ immer Sänder, da unter einer fanften
ie⸗
Über Biniochequt des Sciences et des Beauz Arts,
TAIV: P. I, Artic, 7, p. 407. faq. ift eine fehr ars
eige Beurrheilung o6fehachter Schriſt des Herrn.
ber Befcbluß davon ift folgender: Qui "awroit era,
go conflater, que nıus etions matwröllemens
Em, il fallut prowver, qu'originairement nous 28
Sawdesfows de la höre; raifonnables fons raifon-
Oper ; fufeepibles de versu fans aucuneidie da devoir ;
— Hbles aux pofhons, fans aucun defir dans le
; libres, fans faire aucun choix,; combl6 de bie
de nütre Creuteur , fans penfer jamais & lui,
Jans liaifon; peres er epoux, [uns tendfes-
freres Jans amiitie; capables de parler, fans
Dapprendre ; induflrieux , fans indufries
[es a une infinitö d’ &gards, fans eflayer' de
meus perfeilioner & auzun; immortels> jans-Ie. fa-
‘5 nes em un mot uniquement pour manger, pour.
* pour dormir, pour murirꝰ *4
gl:
J
330: VII Abh. Vergleichung
Regierung, die Freyheit der Religion, der Lebens
art, der willkuͤhrlichen Handlungen, ungekraͤult
‚bleibt, da Künfte, Wiffenfchaften und Sandlung
blühen, da Geſchicklichkeit, Fleiß, Ehrlichkeit und
Tugend geachtet und belohnet wird, unb da Mean
fehenliebe immer Gegenliebe findet. Wenn ein jeder
- Stand wegen der dußerlichen Ungleichheit, oberwe
gen der Misbraͤuche zu verwerfen wäre : fo muͤßten wir
auch den allernatürlichften Stand, welchen die Nea
tur felbft zwifhen Mann und Weib, zwiſchen Ael⸗
tern und Kinder geftiftee hat, nämlich die Ehe,
für unnarürlich erflären, ihr alles Verderben ber
Menfchen aufbürden, und fie keber ganz verab⸗
fheuen, oder ftatt deffen eine wilde Kühlung ber
Geilheit einführen, und bie Kinder umkommen
laffen, oder, melches einerley ift, in ben Wald
unter das Vieh laufen laffen ? Das wäre ja wohl
fehr unnatuͤrlich gefchloffen. Es ift demnach bes
Herrn A. fein Status natur primitivus, welcher
die menfchliche Natur aller angeborenen eigenthuͤm⸗
lichen Vorzüge und Vollkommenheiten, aller Ge
feltfchaft, Sprache und Hebung der Vernunft, aller
Künfte, Wiffenfhaften und Geſchicklichkeit, afler
Bequemlichkeit, Ergögung, Freundfchaft, Ge
fälligkeit, Menfchentiebe, ja Tugend und Religion,
beraubet, und ung noch Dazu weit unempfinblicher,
dümmer,, wilder und elender mache, als irgend ein
Thier auf der Welt feyn mag, ein hoͤchſt unnatuͤr⸗
licher und in fich felbft widerſprechender Zuftand.
8.
Ich will die Vergleichung der Menfchen mit
den Thieren ganz aufrichtig anſtellen. Sch *
der Menfchen mit den Thieren. - 531
ne allein anzeigen, was wir mit ben Thieren
gmein, fondern auch, worinn biefe vor uns, und
weinm wir vor ihnen etwas voraus haben, Wir
ten aber überhaupt voraus feßen, daß wir ſo⸗
hl, als die Thiere, zu einer gemwiffen Art der
Zollfommenheit, Luſt und Glücfeligkeit, von dem
Schöpfer fähig gemachet und beftimmetfind. Tas
Borgügliche auf benden Seiten muß uns belehren,
ı welcher befondern Art der Glückfeligfeie uns uns
se Fatur leiten foll.
Dasjenige, mas wir Menfchen mit ben Thies
m gemein haben, befteht hauptfächlich in dem
Sinnlichen, Ein geben in einem organifchen Koͤr⸗
er; weldyes wir durch Die Zcugung und Geburt .
mpfangen, und dur Nahrung unterhalten, und
Weberum durch Zeugung fortpflanzen, ehe mir ſter⸗
en. Wir haben benderfeits innere Jebenefräfte, die
as Ihre, ohne unfer Denfen und unfern Rathſchluß,
errichten: eine roillführlihe Bewegung einiger
Miebmaßen, um uns felbit von einem Orte zum
»dern zu bringen, oder äufferlihe Dinge zu une
mm Gebrauche zu handhaben, Gefahr von ung
buwenden, oder unferm eigenen Körper Handrei⸗
bang zu thun. Wir haben benderfeits Sinne und
A Vorſtellung des Gegenwaͤrtigen, im Fuͤh⸗
in, Schmecken, Riechen, Sehen, Hören ; welche
nich mie einer Einbildungsfraft und einem Gedaͤcht⸗
iß, oder einer Vorftellung und Erinnerung des Bera
yongenen vergefellfchaftet ift *. Wir empfinden
| L12 beyder⸗
Jadem Ich den Thieren ſowohl, als uns Menſchen,
Sime, Cinbildungskraft und Gedaͤchtniß vaſhec
W..
tig. Wir haben einen nafürlihen T
nähren und unfer Gefchlecht mit ei
unferer Art fortzupflanzen, und die ©
ben, zu naͤhren und zu vertheibigen.
endlich denen allgemeinen Förperlid
welche die Werfnüpfung der Dinge, d
Bewegung, und die Mafchinen unfer«
fi dringen, unterworfen. Speiſe
Wetter, Gewitter, Elemente, pabeı
Körper Macht; wir fönnen von dem
rer Körper verlegt werben ; es find bi
geburten möglich; Schmerz, Krankh
warten unfer ſowohl, tie der Thiere.
be, fo fehe ich nur auf eine allgemein
‚oder Analogie, welche den bejonder
nicht aufbebt. In der That _find n
Kräfte nicht allein unter den Thieren
verjchiedener Art, fondern fie find
Menſchen dar un ausnehmend, daß f
ven Manfhen mit ben Thieren. 373
Simons: ift eines Theils zu ſchließen, daß der⸗
hen Sahblungen, bie mir Menſchen, durch bie
Hühleit der. Natur, mit allem Thieren gemein
n, an und für fich betrachter, auch der menſch⸗
ı Nafur, und folglidy den göttlichen Abfichten.
ms, gemäß find, Darinn befteht bas allge»
Reche ber. Natur, welches bie alten. Rechts⸗
rten eben dadurch erklaͤreten, daß es die Natus
gelehret habe: als z. Di fich ſelbſt
Alles Asfe, alle Gefahr von. fich abzumens
‚fen —— fortpflanzen, Die ara
ügen ıc,
Br (hen befonders barqus, daß ung Gon
Vmliche Luſt, welcher die Thiere genießen koͤn⸗
Aleichfalls gegoͤnnet babe: weil er dieſe füge
fidung mit dem natürlichen Gebrauche ber
m Reife und Werkzeuge ſtets verknuͤ⸗
Folglich. ift Gottes Abſicht auch.gemäß,
wir fe der. finnlichen Luſt einen Theil unferer.
Meligfeit fuchen und finden follen. Handeln
ddejeniger nicht. wider die Abſicht ihres Schoͤ⸗
hd wider das allgemeine Naturrecht, welche
bey: dem natürlichen und nothwendigen. Ge
che.£örperlicher Theile und Kräfte, der damit
nipften finnlichen $uft, aus eingebildeter Heia
ib; entſchlagen und entäuffern; oder ſich wohl
umoͤthig und vorfeglich alleriey, finnlichen
merz anthun „ und ben aller Gelegenheit dar⸗
ringen? Dennoch finden ſich in der alten. und
a Gefchlhte, bey Heiden und Epriften, der
jen thoͤrichte Selbſtmaͤrthrer nicht wenig;
ham, als wem et und an wihrigen Sällen.
3 X
4, M Abdh . Mergleichigint
—2
An der Welt fehlete, oder als werm ein gutes Herz |
bes Selbfthaffes fähig mäte, oder, als ‚nenn ein
böfes Herznicht audy darunter Hochmuth und Bo ·
heit verbergen koͤnnte.
$.9 7
Die Thiere haben aber in dieſer Art ber Glc.
ſeligkeit, die aus finnlicher uſt entſteht mach
manche Vorzüge vor den Menſchen. Einer ber
hen, als wir, noch bie dazu
‚gen ſelbſt erdenten, oder ern und üben
&ie bringen Kleidung, Waffen, und andere
wendigkeiten, mit auf die Welt ; und fo Ionen
was — — it auch einer jeden Batrung ein dien |
licher Tı Sertigfeit. angeboren, dem '
fie nur — folgen em Daran verrichten
eine Sul. mit we fie ihr Brodt verdienen,
— Rahrung erjagen Firmen; —
Bun ugen machen, ober auf den Winter famm⸗
len, unl fl
der Menſchen mit den Thiern. 335 -
Berne
Ban ſu auch Waſfen
wide fe one el Aemeling u em rem Sehen
fhon die Orundgefene
Befeheiebenz und ein jeder ei dan Fine Pflde
e nat und bloß, wie vieler Dinge beduͤrf⸗
u wie rohe und unwiſſend aben kommen wie nicht
Müfe gefoftet, die
Fe re Nothdurfes Bequemlichkeit und. $uft dien ·
Künfte und Wiffenfehaften zu erfinden, und
* Vollkommenheit u Bringen, , in welcher fie
A 5 mit keinen —
und Fe verſehen;
mg‘ Bee das Vermögen der Vernunft, zu Gum
Sem Irxthum, Seht und
dazu bahnen. Sobald die.
MWeltalser'aufpören, die Künfte wab !
ten noch hoher zu treiben, oder bie Befi
Bar zu ehren unb zu belohn
j guruͤck; fie verderben ihrer
in eine Barbarey, und m
Ei gegergar barüber verloren. Es
nimm geſchehene Arbeit bey uns
Das Bermögen der Vernunft, melde
wur Erwerbung der Gluͤckſeligkeit, h
Immer gefchäfftig erhalten. Wir M
den felbft durch die finnlichen. —
durch den Mangel ber angebarenen
den Gebrauch unferer Wernunft, und.
Eenntniß unfer ſelbſt und der Welt, ja
tenden Fleiße in. benfelben, verwiefen
Mangel, Schmerz und Verdruß vers
einigermaßen &uft genießen wollen. d
— * wit den Thieren. m
*
en 9 10.
feiße wird mancher Reicher oder Vomeh⸗
enken? Mir den Uebungen bes Verftandes,
N "andere placken, benen Armuth und.
um Schickſale beftimmt it; ich darf mir
nicht zerbrechen ‚’ noch mir es fo fauer in
—— laſſen; file meine Glüdfeligfeie
md, — meine Aeltern und Vorͤl
geſorget; 73 mein Geld find’
ee ünftler und Ge lehrte zu Dien⸗
In Ich ihrer brauche, Ich will mir nur,
„ und mir mein Leben durch erde
e Liſt vergnuͤgt machen,
da, nicht zu fagen, daß es ohne uebung
eſtandes unmoͤglich ſeyn wird, ſich in dem
ichkeiten der Sinne zu mäßigen ; ; fo wuͤrde
n Menfch, der fo dachte, fich ſelbſt nich
x und indem er feine Natur nach viehifcher
zieden ftellen wollte, des Weges zur menfch«
Wäcffeligleir gänzlich verfehlen. Die finns
iſt iſt nicht das einzige, noch aͤuſſerſte Ziet
erfhlichen Natur. Darinn befteht bee
große Unterſchied zwiſchen uns und ben
nr. Wenn dieſe die koͤrperliche Nothdurft
6, fich ſatt gegeſſen und getrunken, oder auch
iſſer Zeit ihre Brunſt gekuͤhlet haben; wenn
allen dieſen nach ihrer — Fertigkeit
ren; find 2 fo find fie, nad) ihrer Art, volle
m.vergnüge ; ihre Varftellung und ihr Ders
erſtrecket fich nicht. weiter, ihnen fehlet nichts
a” der ae ‚ di * wird ihnen nimmer
lang,
ihrer Art, viel eher und wahlfeiler zuf
glücklich werben, als wir.
Wenn aber ein Menfch alle die fu
ee mit dem Viehe gemein hat, ohne di
Mühe und Kunft erhalten, ja auch ohn
mäßig treiben fönnte : wuͤrde er bei
feyn, und thäte er feiner Natur damit
nüge ? würde er nicht weitere Ergögung
däße fich die menfchliche Seele mit foldy
fättigen? Mir grober Wolluit kann er
beftändig unterhalten. Die Nothdurft
nigem zufrieden. Hals und Magen fir
(haft,
gewuͤrzet und erhoͤhet wird, fü
—S und HA fe
weiter dehnen, als bie Natur zu ihrer
Mer, widerlich und efelhaft; dech
etien feine Nahrung. Der Menſch iſt niche
Dana. mic Verſtande zu würzen, und mit eh
use Herzen anzumwenben weis ı: der
R, en fchärfere finnfiche Luſt, als
mil,
Sin⸗
Brüder oder feiner, jeboch beftändig, m
‚lelche glücklich und zufrieden werben koͤmen,
Wiere; andern Theiles der Affect, daß um -
egierben fh 3 über alle leibliche und aͤufferliche
Merden biefe denn mit
5490 . VIE Abh. Bergleihung
Schatten, bem wir ängftlid; nachjagen, ohne ihn
in unfere Gewalt zu befommen. Die innere Zu
friedenheit entfteht bey Menfchen nidye von Gelb
and Ehre an ſich; fondern von bem Bewußtſeyn
ber Weisheit und Tugend, womit fie beydes er
worben haben und gebrauchen.
Es erhellet alfo auf alle Weife, daß ber Menſch,
nach feiner Natur, viel mehreres zu feiner Glid.
feligfeit brauche, als basjenige, mas die Thiere,
nad) ihrer Art, völlig glücklich mache. Es erhel⸗
let; daß er, zur Erhaltung menſchlicher Glüdfe
ligfeit, auch diejenigen Kräfte anwenden müfe,
die ihn von den Thieren unterfcheiden. Hat er
nicht höhere und gleich rege Kräfte des Verſtandes,
bes Witzes und der Vernunft ? . Hat er nicht Ems
pfindung von Ordnung, Proportion, Vollkom⸗
menheit, Schönheie , Abficht Der Natur und
Kunft ? Fuͤhlet er nicht einen wißbegierigen Drang,
Die Befchaffenheit, das Wefen, die Eigenfchaften,
Die Urſachen und MWirfungen der Dinge zu erfor.
fhen ? Merket er nicht einen Reiz, fich felbit, feine
Natur, fein denfendes Wefen, feine Gemuͤths⸗
Präfte und $eidenfchaften, feinen Urfprung, und
den Grund feiner Zufriedenheit, Zuverſicht und
Hoffnung fennen zu lernen ? Finder er niche Luft
an anderer Menfchen Weisheit, Klugbeit, Vor⸗
fihr, Arbeitſamkeit, Dienttfertigkeie, Billigkeit,
Siebe, Freundfchaft, Treue, Güte, Großmuth
und allen Tugenden ? Treibt ihn nicht Bewunde |
rung, niche Eiferfuche, nicht Eigenliebe, nicht
felbit Die Muße, daß er, zur Erhaltung einer menſch
lichen Vollkommenheit und Zufriedenheit, und zu
der
% #
-
I
. der Menſchen mit den Thieren. 341
Ber Bieforberung des gemeinen Beſtens, Luſt Bat,
ſich mit nüßlichen Verrichtungen und Uebungen zu
befhäfftigen? Gewiß, mer fich diefe edlere Em-
pſindung verfager, oder deren Geſchmack erſticket
und verberbet; wer Das rege ‘Bemühen der menfch-
fichen Naturkraͤfte mit bloßer Sinnlichkeit übertäu«
ben und unterbrücden will; der muß nothwendig
den Mangel der eigenthümlichen Vollkommenheit
und Gluͤckſeligkeit, und das unruhige Verlangen
feines umterbrückten Adels , in verdrieglicher langer
Welle, in Unzufriedenheit mit fich felbft, in
Scham, Reue und Furcht über feine Unwiſſen⸗
beit, Ungewißheit, Niederträchtigkeit und Unart,
oft und bitter empfinden. Es find felbft, gewiſſe
DBeichäfftigungen des Geiftes für uns nicht männ.
lich genug, fondern als bloße kindiſche Tändeleyen
anzufehen, Damit wir uns nur um unfere Zeit brin-
gen, und unfer Leben für Nichts verfchleigen.
Was uns und andern nicht wahren Nußen fchaffer,
was zur Morhdurft, zum Wohlitande, und zur
Sequemlichkeit nichts hilft, was den Verſtand
siche mit Erkenntniß wichtiger Wahrheiten, den
Willen nicht mit Tugend, $iebe, Zuverficht und
Seffnung erfüller, das thut alles der menfthlichen
Natur Leine Genüge. Der Menſch kann alfo
nicht fo leicht, noch auf dieſelbe Weife, als die Thies
ze, zufrieden und gluͤcklich werben. |
6 II
Ich will nur noch den dritten Vortheil ber
Thiere, in Abficht auf die ihnen beſtimmte Gluͤck⸗
feligfeie, Hinzufügen, daß fie wegen des Zufünfti»
s2 .Viü Abh. Vergleichung
gen ganz unbekuͤmmert ſind; dagegen der Menſch,
wenn er gleich gegenwaͤrtig alles hat, mas er ven
langen kann, durch fein Vorausdenken oft beun
ruhiget wird, und darüber auch den Genuß bes
Gegenmwärtigen verliert.
Es ſcheint nämlich aus allen Umftänben der
Thiere, daß fie Feine Fähigkeit Haben, ſich ihren
- und anderer Dinge zukünftigen Zuftand vorzuſtel⸗
en. Eine gegenwärtige Empfindung erinnert fie
Der Mothburft ihrer Matur, und die angeborene
Fertigkeit weiſt fie zurechte, mas fie baben zu thun
haben. Sie hun das mit Luſt, erhalten was fie
nöthig haben, genießen es mit Vergnügen, und
find zufrieden. Der morgende Tag fömmt nicht
in ihre Gedanken, fie willen von feinem Kummer,
Sorgen und Furcht, wegen ihres entferneten
Schickſales. Selbft der Tod überrafher fie, ohne
Daß fie ihm vorher geſehen, und fich über das
bevorfichende Ende ihres Lebens jemals betrübt
en.
Der Menſch aber kann feine Vorftellung nicht
bloß mit dem Gegenmwärtigen befchränfen: er muf,
er foll voraus denken. Seine Vernunft weift
ihm, in der Vergleichung des DBergangenen mit
Dem Gegenmwärtigen, bas Zufünftige, menigftens
als möglih. Er überleget die Schidfale, Die ihm
auf feiner ferneren Lebensbahn bevorftehen ober bes
gegnen fönnen : er machet Anfchläge auf fein Fünf
tiges Gluͤck, ſinnt auf Mittel, und wendet alle
Vorfiht an, die Hinderniffe ‚aus dem Wege zu
eäumen. Dennoch fann er den Lauf der Dinge
nicht klar überfehen : fein Weg ift ihm in der Fer⸗
ne
der Menſchen mit den Thieren 343
ı mit einem undurchfichtigen Nebel verhuͤllet.
offnung und Furcht begleiten ihn zu beyden Sei⸗
a; Freube und Leid fcheinen feiner zum voraus zu
arten. Wenn er auch feinen vorgefegten Zweck
ch Wunſche erreichet hat, fo gehen ſchon feine
jegierben weiter voraus, und erſtrecken ſich ins
nenbliche. Bey allem dieſen unerſaͤttlichen Be⸗
üben, nad) einer ungewiſſen Gluͤckſeligkeit, die
ſt kommen foll, eilet ve einem ungermeiblichen
ode wiſſentlich entgeg
Kurz, es iſt eines Teiles wider der Menſchen
datur, nicht voraus denken, andern Theiles aber,
je möglichen Unpſaͤlle ohne Sorgen, und den ges
iſſen Tod ohne Gemütpsbersegung zu erwarten. .
Yaraus folget, bag wir, mit aller unferer weit ſe⸗
enden Vernunft, viel unglüclicher feyn würben,
Is das Vieh, wenn wir nicht Weisheit und Tu
end Damit erwerben, welche allein unfer bleiben,
ud ein beftändiges Vergnügen verfprechen Fönnen;
nd wenn wir nicht jo mweit damit fommen, daß
Yu einen weiſen, güfigen, mächtigen Schöpfer
nd Regierer der Welt erkennen, in deffen Worfes
ung und Obhut wir gut vermahret find, und der
sıs eben durch dieſe natürliche Borftellun und
Begietde des zufünftigen Guten zu ber Hoffnung
ab zum DBeftreben nach einer dauerhaften, und
— * Gluͤckſeligkeit hat ermuntern wollen.
S m
Wir ſehen vornehmlich aus obigen, daß die
Menfchen durch den Mangel derjenigen Vorzüge,
yelche Den Thieren zugeftanden find, zum Br
544 1 VI Abh. Wergleichuing +."
he ihrer Vernunft gendthiget werben. ı
mm im Gegentheile.erweislich ift, baffiesall
‘Vorzüge vor den .Thieren dem. Gebrau
Vernunft zu danken haben: ſo iſt auch
daß ſelbſt ihre Mangel zu einem M q
Vorzüge angervandt fen. · Da aber
Der durch die. Natur-bey ben ‚Leben
‚ober entſtehen kann, und beſonders a
Naturkraͤſte, als eine göttliche Abfiche
‚werden muß : fo ift es auch göttliche Abfid
die Menſchen ifre Vernunft gebrauchen,
ur gu ihrem eigentpümlichen Worzügen gelangen
en. .
Meil nämlich die Menfchen von Natur nicht
allein in gleicher Nothdurft des Leiblichen, for
bern noch in einer weit größeren, als die Thiere,
ftehen ; dabey aber, nicht wie jene, mit angebot
nen Rertigfeiten, fendern ganz roh und unwiſſend
auf die Welt fommen : fo find fie durch die hoͤchſte
Beduͤrfniß gezwungen worden, ihre vorzüglich
Kraft der Vernunft zur Abhelfung ihres Ma
gels anzuwenden. ie haben fich alfo aus Trieb
zur Forepflanzung, aus Bebürfniß, Furcht und
Mitleid zufammen gefellet, und eine willkuͤhrliche
Zeichenfunft der Wörter, oder eine Sprahe.
fonnen, damit fie einander-ihre Gedanfen und ihr
Anliegen fund thun möchten. Sie, haben den
Erdboden und die Narur durchforfchet,, was
ter Nahrung, Kleidung, Wohnung und
zeugen dienen Fonnte. Giehaben eine Handwerls⸗
Funft nach der andern, zu mehrerer Bequemlichfel,
aufgebracht und verbeſſert. Sie mufigen |
mMenfchen weit deu Thieren. 545
Sterne achten; up den Landbau nach den
iten, und ihre Reiſen nach der Weltge⸗
rien. - Zur der
Gewalt,
genugſamen Vorrathe ber Mittel eines
n Sehens, eine ordentliche Oeſellſchaft;
ste Staͤdte, ſetzete Regenten, orbuerp -
Je mehr nun die Menſchen ihre leibliche
fe geftillet, und ihre Bernunft dabey geüs
1, deſto mehr fiengen fie an, ihre aueneh⸗
eeftanbeskraft zu fühlen ‚ und Die vorzuͤg⸗
aͤckſeligkeit, welche ihnen dadurch offen
nen bie höchfindchige
t und Kunft nanirlich und erblich geweſen,
ven Thieren, fo hätten fie zu einer mehre⸗
bäheren Vollfommenpeit weber Faͤhigkeit
a gehabt. So aber dringt uns unſer nas
Mangel an niedrigern Bolllommenpeiten, _
dleſem durch eigenes Vermögen abheifen
wad da Diefes nicht anders, als durch
Vernunft, Erkenntniß, Wiſſenſchaft
eit, gefehehen kann : fo werden wie
6 unfere Unvollfonmenheit auf den Weg
ehren Ballon eühre. top
hauptfaͤchlichſten B
ven betrachten, welche: uns, fo ferne win
uke der Natur folgen, und menſchlich ſeya
werden.
mm X
»ĩ
gnügens fchaffen, theils
anſchaͤdliche Belt, ſchaͤrfen und
Es iſt wahr, d die Zhiere kennen ie tiert Ihes Bi
Re von Natur, und zwar: bie: meiften ;; ae
‚ Wbelnt, durch den :blogen Geruch. ‚Allein, daren
get duch ; daß Ihnen gemeiniglich wir eind g
t, gut ſchmecket, und angenehm. zu fehen A
alles übrige aber entweder gleichgültig, ober wahl
gar zuwider ſeyn muß. ie verfuchen auch suchte .
neues zu Foften, ober es durch eine Bereitung ps
verändern, ©o iſt auch ihre übrige Luft fehr'eim
geſchraͤnkt. Ihr Gehoͤr wird in ihrer natürlichen
Wildheit, nur durch einen Ton oder eine Melodie, weh
the fie felbft, oder welche ihre Gatten machen, - etw
toͤtzet. Man fiehe nicht leicht, daß fie einem
fremden Gefange, felten auch, daß fie der menſch⸗
lichen Muſik, Gehör geben oder nachlaufen. Eins
Sprache zu verſtehen, find fie vollends ungeſchickt,
und ihr natürliches: Gefpräch mit einander beſteht
bloß darinn, daß fie füh ein paar Leidenſchaſten
undeurlich fund machen. Fox Gefiche ‚bar keine
Empfindung von Mannichfaltigkeit, Figur, Aehn⸗
lichkeit, Proportion, Mifchung ber ‚re
nung, Uebereinftimmung , Sie fehen
ohne Nachdenken, büfter und wilb * Sie Weit
binein. Ihre Bequemlichkeit, welkgfie 87*
6 os a“
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der Menfchen mit den Thieren. 547
weiten wiſſen, iſt auch nur für bie hoͤchſte
dothdurft.
Der Menſch hingegen ſpuͤret eine mannichfal⸗
ge Annehmlichkeit im Geruche, auch von Dingen,
e feine Nahrung nicht find; und feine Gefchick-
hfeit weis Die mohlriechenden Kräuter, Blu⸗
en, Gewürze, Pflanzen, aus Feldern und fernen
inden, in den engen Umfreis feines Gartens, fele
es Haufes und feiner Stube zu bringen, ja felbft
en Winter fich in feinen vier Mauern zum blühen:
em Frühlinge zu machen. Unſer Geſchmack ift
icht.an eins oder wenige Speiſen und Getränfe
ebunden. Ich brauche faft niemanden zu jagen,
welchen ungemeinen Wechfel an Speifen. und Ge.
:änfe aus allen Elementen und Gegenden des
rdbodens unfere Tifche darbiethen und wie ſchmack⸗
aft fie durch wißige Bereitung gemachet werden,
eben fo wenig iſt es noͤthig, zu zeigen, zu welcher
Bequemlichfeit endlich unfere Wohnungen, Haus⸗
eräthe, Werkzeuge, Kleidung und Fuhrwerke,
urch Kunft gebracht find °. Ich muß vielmehr
rinnern, daß diefe mannichfaltige Ergögung un.
dlerer Sinne nur den geringfien Theil der menſch⸗
ichen Vorzüge vor den Thieren ausmachet.
Mm a Ein
3 Siehe auch eine artige Stelle des Herrn Zinnäus,
‚aus feinen Amcanitatibus, in dem allgemeinen Ma⸗
in II IH. p- 333. fq. wie bie Vernunft den Mans
— — koͤrperlichen Beſchaffenheit uͤberſchweng⸗
112 ' "
548 - VIEW. Wergleiheng -:
VEin gleiches iſt auch alsdenn ‚von ben wielerle..
. — gen edlerer Sinne, des Oehoͤres, mit al
Duft und Reben, des Gefichts, mit tat:
‘fend veränderten Gegenftänden der Natur und
B en zu fügen, wenn dieſe Dinge ohne Ver,
empfunden werden, und tur dienen, umfere
“ Bei Ben zu vertreiben; ober Bee une
vertänden. Ein “Unverflänbiger empfin,
De alles nur mit umpfen und betäukten Ginnen,
und geniefit Des —— Vor ʒuges in der Man,
ichfaltigkeit um fa weniger, als er es a
digen Genuß, bis zur gähnenden Unempfmdli
keit, treibt. Die Vernunft muß den Genuß,
der Nothdurft und nach der Erfihöpfung unferer
$eibes » und Gemüchsfräfte, einſchranken, mern er
ans Herz kommen; und der Geift muß gleich
aus diejen finnlichen Dingen durch fein Daten
Nahrung zu siegen wiſſen/ wenn die Suft gefchär
fee und erhoͤhet werben fol.
Wer bendes kann, der wird ohne den gehäuf:
ten und beftändigen Ueberfluß fünnlicher Annehm
lichkeiten, und des dazu gehörigen KReichthums,
nicht allein mehrere, fondeen auch meit fäber, | '
gärtere, feinere $uft, auf eine wohlfeile Art, ge
nießen, als ein Wollüftiger bey unverftänbiger Un, :
maͤßigkeit. Ein Armer hat oft an einem einzigen
Mofenftöcichen, das er nach feinen Gefchäfften felr | |
ber pflegt, und jebes Blatt und jeden Knofpen,
mit voller Erwartung, und Achtfamfeie auf Bis
‚bung, Farbe und Geruch, aufbrechen fießt, mehr
Freude, als ein —— an feinem ganzen Garten,
def |
der Menfihen mit den Thieren. 549
| überpin fiehe, und mit
——— ——— ab mi
—** und —— un einem vernuͤnfti⸗
Leckereyen,
— „ ober mit Schmeichlern befegten Tafel,
Wetuedhin Finnen, Ein verſtaͤndig Ohr hoͤret in der
ganz was anders, als ein ungefchliffenes,
u⸗ die —— Zärtlichkeit, Sertigbeit, Abe
und Uebereinflimmung ber Töne, bie
2— —* des verſchiedenen ‚Ganges und
ur Weiodle, den natürlich rührenden Ausdruck
ss Gebichtes, durch den Geſang, nicht unterfchels
eh ind beurtheilen kann. Sehet ein hochgräflich
a mit lebigem Kopfe und. m Ä
das nebfi einem Hofmeiſter, von feinem
Befihmade und wahrer Menſchlichkeit, auf Reifen
ker
e und e
mb Rrbuter; fie.befchauen Sirten, Tempel, Pals
Ike, Qildfäulen, Gemaͤhlde: fie befaten Natur
u KRunftcabinette, ——— o⸗
Ion, Sife, Oeflfhaften, Dale , Mosfecoden,
Sle fehen und Hören dennoch beybeniche
, noch mit gleicher Luſt, Reiz, Ste
Ber Geſchmack: das wahre Schoͤne ift allein dem
venöuftigen Auge fühebar. |
$ 1%
Der wweyte © Ger Menſchen beſtehe in
ei Vergnügen —— an den Schoͤu⸗
Mm: heiten
nn u —— Ri Is
. 50 Vll Abh. Wergickhung ra
en der Natur und Km, an Wehe
Ifenfehaft, a an fe un: Leberführenig, af
Seſcichten und Erfahrungen ‚ an Geſpraͤche umb,
Witze. Wir Menſchen findes allein auf dem Ei
boden, weiche Faͤbigkeit und Begierde haben, die
Becſchaffenheit und die Urſachen ber 2
ſorſchen umb von uns: ſeiiſe und der
mb lebiofen Det, | bis. zu dee
Veſache, bismu de
Wefen, von —* alles —S —*
“mb von dieſem Erkenntniſſe Luſt zu ——
ſes Vergnügen iſt den Thieren voͤllig unhewa
Der ſinnliche Kitzel hat gar keinen Antheil Darm,
Dennoch bat es viele ungemeine Vorzuͤge vor aller
finnlichen Luſt, und giebt dem menſchlichen Geiſte
theils rechte Nahrung und Staͤrke, theils edlere
unſchuldige Wolluſt. Wir koͤnnen es aus der Ver⸗
gleichung ſehen.
Der Genuß finnlicher Dinge hat ein enges
Maag, und weiter begleitet ihn die Luſt nicht,
Die Süßigkele und Begierde nimmt ab, höret auf;
Die Nerven wollen nicht weiter angeffrengt fen;
die Natur erfordert nichts weiter; man wird ſatt
und unempfindlihd. Erfenneniß aber fann bie
Seele immer mehr vertragen; und je mehr fie et
Balten hat, zu befto mehreren wird fie An and
begierig; Die fuft Daran nimmt nicht ab R jonbern |
waͤchſt ohne Aufhoͤren. |
Man fann auch ber fi nulichen Luſt leicht une |
vermerket zu viel thun, und ſich durch ihren Reiz,
zu unferm Schaden, auf mehreriey Weife verleiten
an , bie Gehmogei und Kräfte: —
der Menſchen nit den Thieren.. 551
Bepiftand und Ehre Fränfen, Schmerz, Untufl,
eue und. Scham auf ſich laden. Aber wer kann
um wahren Exfenntniffe fagen, es iſt zu viel, es
:unmäßig, es ſchadet? Vielmehr machet es ung
mer volllommener, und gereuet uns nimmer,
Die Sinne und Kräfte des feibes werden na
rlicher. Weife mit dem Alter matt umd ftumpf,
e £ufbwerläßt ung, wenn wir fie gleich nicht ver⸗
ſſen; mir werben .alebenn bes Lebens müde, und
r ganze Förperliche Welt kann uns nacht mehr er⸗
mern, Wenn aber nur bie Werkzeuge bes Den⸗
as ungekraͤnkt bleiben, fo wird ber Geiſt immer
irker an Erfahrung, Einfi che, Wiflenfchaft, Weis.
it; das Vergnügen an Wahrheiten, und bas
erlangen nach Erfenntniß begleitet uns bis an
n Tod, ja es erſtrecket ſich weit über das Ziel un⸗
8 tebens und jegigen Vermoͤgens.
Die finnliche Luſt ift mit dem Augenblicke des
mufles vorüber, die Erinnerung berfelben iſt ein
Her Schatten und Traum; die Stärkung, welche
» Körper davon befommen hatte, verſchwindet
eder. Allein, Erkenneniß und Wiſſenſchaft
iben, fo lange wir leben, in uns und in unferer
acht; fie werben zum Eigenthum, und zur dauer⸗
ten Beſchaffenheit und Vollkommenheit der
rele; wir koͤnnen fie, fo oft wir wollen, uͤberden⸗
und das Vergnuͤgen daran iſt bey der Erin⸗
ung fo lebhaft, als ba. wirs zuerſt empfunden;
wei weil wir nicht leicht unfern Vorrath von
* uͤberſehen koͤnnen, daß er nicht mit
ſicht frucrben rom vi
- flandes, Das aus ber Quelle aller
| —8* —— pe "Wehen „it: bi
or —
Wenn wir —e das Ertennriß en
und feinen weiſeſten und gütigften Abfichrun in dem
Zuſammenhange der YBelt, ıntb deſſen Einſtuß in
unſere Zufriedenheit und Brenbigung, mit den:
fnntichen aſten in Vergleichung (teilen melktkn : fo
würben wir dem Bergnügen des nenfihlichen Red
entfpringe, das affergeöfßte Uebergewiche, gegen
alle Empfindung, bie wir mit den Tieren gemein
, geben koͤnnen, Allein, diefe Betradeung
ift zu meitläuftig, als da le in wenig Zdwerek,
nach Würden, follte koͤnnen erfläret werben. - 8
babe etwas davon Im Vorberichte erwaͤhnet; ub
muß mir eine weitere Abhandiung dieſer Masırk
zum Beſchluſſe dieſes Buches vorbehalten.
Ich weis uͤbrigens wohl, daß nice alle im
fihen Gelehrte ſeyn Finnen, noch daß alle Gelehrte
zu boͤheren Wiſſenſchaften oder —
4
—— tan —* als **
benbadhten,
‚ Policy
Ri; Zabeiten, Künftlee, Kabinetter, in Bere.
ung. des Aderbaues, ber Viehſucht mb Gaͤrt⸗
v in. Beobachtung von fo mancherley Thieren
Minze, jaber ganzen Natur, und ber darinn
nienchtenben Weisheit, Abficht und Guͤte des
efers: Daher ann es feinem Menfchen leicht
Der Gelegenheit fehlen, daß er *
‚womit wie
8 theilhaftig mache,
Men uns über Die viehifße und DIoß Furcht
koͤnnen.
Biig ſollte unfer —— und Anfuhrung
m Schulen darnach eingerichtet werden, daß
bey feiner —* Lebensart, doch einen
mode an irgend einer Beſchaͤfftigung bes Ver⸗
es.befäme; wodurch er vor den nieberfrächti
nfihen
en L nach ihrer Art Verfuche und Bernunfes
Mms . fie
: | Verſtand und Wis fehärfen, und ihr —8
vermehren koͤnnen. Nichts aber iſt fuͤr alle und
jede begreiflicher, nüglicher und angenehmer, als:
was zur Betrachtung der Weisheit und Guͤte des
Schoͤpfers in feinen Werfen, und zu unſerer Sitt.
lichkeit und Gluͤckſeligkeit gehoͤret. Wie —
nicht, denen ihr Stand und Reichthum einen fo
leeren Raum bes Lebens läßt, daß fie ihn unmoͤg⸗
lich auf eine angenehme Weiſe mit lauter gewoͤhn
ren Kleinigkeiten ausfüllen koͤnnen, - fondern ww
ſelbſt zur Saft werben, weil fie nichts größeres vor⸗
_ zunehmen, ober etwas zu denken und zu leſen Luſt
Haben ? Die fühlen alsdenn, zu ihrem Werdruſſe,
daß fie. dem Bemühen ihrer regen Naturkraͤfte ent⸗
gegen handeln, und fich des wahren menfchlichen:
Vergnuͤgens berauben.
u Die Gelehrten haben vor andern an ber Ber
lfgung des Berlandes und Wiges. Anforud,
I)
der Menſchen mit den Tieren. 595
ds finden darin eine innere eigentGämfiche Bes
bwung ihrer Veſchoͤfftigung. Aber man muß
m ihnen nicht nach derer Benfpiele urtheilen, bie
ve Wiffenfchaft, ohne Geſchmack und Nutzan⸗
eabung, banbmwerfsmäßig, und nur um bes.
Ipobtes willen, ‚treiben, oder ſich bloß am Rande
* aufhalten, und nichts, als bie Huͤlſen,
rebe von foldyen, die ing Innere ges
‚ und das wahre Schöne und Mahr-
* ſchmecken, das den wißbeaierigen
erfand nicht minder ſaͤttigt als vergnuͤget, und
Demuͤth Durch Einſicht der Dolllommenhelt
æ Dinge zu, ſeiner eigenen Vollkommenheit bildet,
Reſe, ſage ich, haben des erwaͤhnten Vorzuges ver
me. Thieren, und vor deren bloß ſinnlichen Luſt,
wgüglich zu genießen. Gewiß, wenn nicht bas
Jergnuͤgen an der Einſicht nüßlicher Wahrheiten,
u.fich felbft, flärfer und erquictender wäre, alß -
Be finnliche Ergöslichfeiten feyn koͤnnen: fo wuͤr⸗
om miche Leute, Die beydes geprüft und erfahren,
nd eines ſowohl ats bas anbere zu wählen, Faͤhig⸗
eit / Mittel und Gelegenheit genug haben, frei
ke ber Unterſuchung von Wahrheiten nachhäns
ei, und alle andere fogenannte Luſtbarkeiten bes
awna Haufens dagegen geringe achten.
Br S
S ‚Der. dritte Vorzug der Menfchen entfpringe
us.bem vorigen. : Das vernünftige Erkenntniß
Dottes,. ‚ber. Welt, und unferer eigenen Natur,
debt ein vernünftig Vergnügen .des Willens,
2 fremder WVolllommenheit reed als 6 unſerer
Igenen. . |
4 Ein
- a A
.
ı
.
L Vn aAbh. Sergeichez
Ein Thier genießt zwor, nach feiner Art
‚ ber ihm, von innern und aͤuſſeren
Se
Reine Eiafcht ober Ernpfubung Davos .
jedes iſt für ſich in ſeinen kaͤrperlichen
ı Sehen, zur Empfindung
und baben mit
‚nötigen and Bereigfe
verfehen : aber feines the, ſeine eigene Ü
kommenheit, die im Baus des Körpers aber iq
‚Kräften der Seele liegt, zu erkennen, ober. bu
$uft zu haben. Die Mennichfaitigfeit,, Ordn
und Uebereinſtimmung der aͤußeren Dinge
gleichfalls fuͤr die Thiere was unſichtbares,
dringt ihnen daher auch nicht ans Herz.
ie, Runft und Abfiche in der Natur
ret fie nicht; geſchweige, daß fie fich zu Dem Alı
de und zu der Quelle aller Vollfommenbeiten e
- ben fönnten, oder von den Reize der Tugend et
wüßten.
Der Menſch allein fieht und empfindet
Geiſtige in dem Irdiſchen. Es ift nicht ber K
unferer finnlichen Gliedmaßen von einer lebl
" Materie, fondern eine eigenthümliche Faͤbigkeit
heren Seelenkraͤfte, durch welche wir die &d
heit, Kunft, Vollkommenheit und Abficht im
Dingen wahrnehmen, bewundern, abbilden,
. in dem anſchauenden Erfenntniffe derfeiben $uft
nießen. Unſer Verſtand ift es, ber den Berl
und die gute Mennung in ben
Natur einſieht, der darinn die Regeln aller 9
| „Dr Beten vn Shin a6
Weisheit‘ und Gluͤckſeligkeit fie, P
I Anni der hoͤchſten Vernunft und 2
vollkommenſten Urheber erkennet. Dieſe
ahcht aber reizet, ruͤhret und ergöget das Ge
eb,. auf eine Weiſe, die allen groben’ Kigel ber
nme überfleigt. Diefe nähret, ftärfet und er⸗
der ben Geil, fo ferne er fich von dem Körper
MDiefe allein beruhiget die menſchli⸗
, und thut dem ebleren Berlangen unfe
Genage.
rWenn uns duch andere Menſchen ein Bitd der
Mlöanmenheit werden, ſo empfinden wir an ih⸗
Bekanntſchaft und ihrem Umgange ein Ver⸗
kauen, davon die Thiere nichts wiſſen.
fehrung, Witienfhaft, Kunft, ihre Gemuͤths⸗
den ‚ihrgn ter Geſchmack und ihre Geſchicklichkeit,
inbei Vorſicht, Maͤßigkeic, ihre Ehrlichkeit,
mie, Siebe, Freundſchaft, Dienſtfertigkeit,
mebarkeit, Sanftmuth, Billigkeit, Gerehtig-
t, und übrige Tugenden, nehmen uns das Herz
neh einen füßen Zug der Liebe ein; und ber La⸗
Höftefte ſelbſt ann fich der Hochachtung und
wfurcht gegen ſolche Gemuͤthsvoll tommenheiten
BRichr aber iſt uns naͤher, als wir uns ſelbſt
de Und wenn wir menſchlich handeln, fo wer⸗
wir unſern Verftand und Willen, nicht allein
5 den Volllommenheigen anderer Menſchen,
dern Hauptfächlich nach dem goͤttlichen Urbilde,
u Hach Den Regeln und Abfichten, die Gott in
"Sätur ausgebruckt hat, bilder ; Damit wir zu
em Beſitze wahrer Wollfommenpeir gelangen,
! | W
558 VIl Abh. Wergleihung -
und mithin gegruͤndete Urſache haben, ung an um ,
ferer eigenen Vollkommenheit zu vergnügen. Kei
ne Vorſtellung fann ung angenehmer ſeyn, als die
uns felbit in unfern Augen ſchoͤn abmahlet, und
feine Luſt iſt dauerhafter, als melche nicht aus ber -
Einbildung, fondern aus der. unwandelbaren Em
pfindung wirklicher Vorzüge, inſonderheit der See
le, und die wir ung felbft erworben haben, ent
ſteht. |
Zwar find uns auch unfere Natur. und Gluͤcks
gaben angenehm. Wir freuen uns über die gute
Bildung, Gefundheit, Stärke, Hurtigfeie des
Körpers; über die Fähigkeit und Schärfe der Sin
ne, der Einbildungsfraft, des Gebächtniffes, des
Witzes und der Vernunft ; über unfer Gefchlect,
Stand, Vermwandfchaft, Mittel; Bequemlichkeit,
Ehre. Aber nichts fhmeichelt uns auf eine füßere
Weiſe, als was wir zugleich unferem eigenen Be
mühen zu danken haben, und mas mir dadurd
vornehmlich unferm Berftande und "Willen zu eigen
gemachet. Wenn wir ung durch fleißiges Geſpraͤch,
Beobachtung, Verſuche, $efen, Nachdenken, Er-
finden, eine ausnehmende Einfiht, Kunft, Wife
fenfchaft und Klugheit erworben ; wenn wir unfes
re Neigung zu liebreichen, reinen, ebelen Abfich«
ten gelenfet und geroöhner haben; wenn mir ung
Der Bollziehung unferer Pflichten, nüglicher Ber
müßungen, und rühmlicher Berrichtungen bemußt
find; wenn wir unfer Gemüth durch eine heitere
Zufriedenheit, getroften Much, und zuverfichtliche
Hoffnung aufgefläret haben : dann genießen mir
einer
der Menſchen init den Chieren. 89
ae a een Eu, Die ne
‚ wenn fein göfte
Me aha ge
ar Gemäths: ——— ven nem,
rer Kon mie Unruhe und Del i hard
* andern viele Einfalt, t, Irr⸗
—— vBoeheir, und das erfiller fein
und 8* et wirb nimmer
22 ga geliebet, erheben, und das
mit Berbruffe, Zorne und Rache. Er
no wohl gar, "mit. allem feinen Wige
Umollkom in der Na⸗
* entdeden , "die Borfepung zu meiftern, Bote
el hinauszubenfen, und fe ich einem blin⸗
‚ ober einem wilden Ungefähr , one
— mb Ooffnumg, zu übergeben, Kurz, alle
ine; Oeſchicllichteit dienet ihm. nur, fich misver⸗
ng uud unglixtlich zu machen; ‚mie dem Gele
umfehn Beid, * weniger zu gebrauchen,
demer zu leben. Die Vollkommenheit
fehlet beyben, als weiche unferm Bet»
den turen Ausfhlag geben „ ne
560 Vn bh. Wergleichung.
übrige Wortheile ans Herz bringen muß.
Menfch ift vornehmlich zur vernünftigen Zufei
heit und Siebe geboren. Ye mehr er ſeim
onberer Dinge Vollkommenheit erfenner, ſi
Heber, genießt, fo, wie es bie Verknuͤpfu
der Welt mit fich bringer,, defto gluͤcklicher ü
Und er fann es in feiner Maße weit über alle:
te ſeyn, wenn er nur feinen Willen. nach bem:
wözu ihn die Vorficht des Schöpfers in ber
beſtimmet hat, richtet. .
. | $ 16
Es ift noch ein wichtiger Vorzug übrig,
uns Menfhen von den Thieren fehr unterſch
Alle Thiere erreichen zwar durd; ihre Sinne
Triebe, ohne Fehl, eine geroiffe Art, und
geriffen Grad der Vollkommenheit, und da
fließende $uft und Gluͤckſeligkeit; aber fie bi
auch immerfort in einerley unbeweglichen Sd
fen ftehen, und koͤnnen nicht ein Haarbreit n
fommen. Ein Vogel einer Art bauet fein
nicht anders, nicht fünftiicher,, feſter, bequi
wie der andere; und die neue Vogelwelt ift dx
nicht das geringfte Flüger gemorden, als ihre ®
teen. Die Spinnen meben noch ihr Meg
der alten Weiſe, die vor vielen taufend Jahr
ihrem Gefchlechte gegolten. Der Gefang
Nachtigallen bleibt, wie er zu Adams Zeita
wefen. Die Regierungs: und Haushaltungs!
Der Bienen folget den Regeln unverändert, w
lets ihr Gluͤck gemachet. Mit einem Worte,
Ihier, und feine Thierart kann an Wolllom
der Menfchen mit den Thieren. 561
pmebmen; fie find gleich, one ihre Bemühen,
vollfommen, als fie werden koͤnnen und follen :
is befteht aber alles im Sinnlichen. Sie willen
son Peiner höheren Bollfommenheit, als bie ihnen
angeerbt ift; fie haben feine Fähigkeit zu einer
größeren, und alfo auch fein Verlangen oder Bes
muͤhen, ſich und ihren Zuftand zu beſſern.
Der Menſch hingegen fömmt mit feiner be
Rimmsen Fertigkeit und Kunft auf die Welt :
bat aber eine unbeſchraͤnkte Faͤhigkeit des Berflan.
des, und Begierde des Willens, zu einer immer
Vollkommenheit, und eine vernünftige
beit des Willens, daß er die beiten Mittel
em Zwecke waͤ blen kann. Daher iſt der
—* unter allen Siem bes Erbbodens der ein«
Hge, ber in feinem Gefchlechte vollfommener
wird, und werben kann, als feine Vorfahren, und
ols er felbft anfangs gewefen. Die heutige Art,
Biennichfaltigfeit und Menge finnlicher Ergöglich-
keiten und Bequemlichkeit übertrifft ohne Zweifel
nicht allein die erfte rauhe, fondern auch die alte
und mittlere gefittete Lebensart. Die Künfte,
Handlung, Schiffahrt fteigen von Tage zu Tage.
Die Wifienichaften, und infonderheit das Erkennt
niß der Weltweisheit ‚ Meßkunft, Naturgefchich«
se, Verſuche, Beobachtungen und Naturlehre,
werben immer höher getrieben. Regiment, Poli.
con, Kriegeskunſt find weit ficherer, billiger, vor»
theilhafter, als vor Zeiten.
Mur zweifelt man, ob die Menfchen audh i in
gufen Bitten beffer geworden find. Sch wünfchte,
a7 dazu fein erbebliche Grund märe, Die Ve
glei⸗
s62 VII Abh. Vergleichung
gleichung iſt etwas ſchwer. Doch duͤnket mid,
Daß wenigſtens viele, vormals allgemeine, bi
riſche Gewohnheiten und unmenſchliche Laſter, theils
durch einen beſſeren Geſchmack der Menſchen, theils
durch weiſe Verordnungen und Geſetze, theils
durch die geſaͤuberte Religion abgeſchaffet, und
durchgehends verabſcheuet worden ſind. Es ſcheint
nur auf einige Verordnungen bey der Erziehung
der Jugend, und in ber Policy, anzukommen,
daß den noch berrfchenden Laſtern vorjichtiger ges
|
|
ſteuret, Hauptfächlich aber mehrere innere Sit
lich£eit und wahre Tugend in die jungen Gemuͤther
gepflanzet, und durch Gewohnheit und WBernunft
beftäctiget werde °. Das
6 Wenn die Menſchen überhaupt, fittlich, noch befler,
und in fo ferne auch glucklicher und zufriedener wer
den koͤnnen, als fie jego find, wie ich nicht zweifele:
fo kann folches nicht fuglicher geicheben, als wenn
der Grund dazu in zarter Jugend gelegt wird.
Wenn ein Gemuͤth erft durch Nachlailigfeie ber
ucht, böfe Benfpitle und Gemohnpeiten, vermil
ert und verdorben ift, fo Eommen bernach alle ver
nüunftige VBorftellungen und Geiege zu fpat. Der
Verſtand erkennet vielleicht ihre Wahrbeit, und dad
darinn liegende Gute; aber Ginnlichkeit, Afferren
und Laſter find ſchon zu ſtark eingewurzelt, und ſie⸗
gen ob. Die Tugend ift allerdings der menſchli⸗
chen Natur gemaßer, als bie Lafter: Arbeitfamteit
und Fleiß reimen fich eher zu den Bemühungen reger
Kraͤfte, ald Müßiggang und Faulheit: es iſt natr⸗
lichen, aufrichtig zu fagen, was man denfet, wit
auch Kinder thun, als genen feine end pre
ben: Drdnung und lebereinftimmung, Liebe und
Segenliebe, find und von Natur angenehmer, als
Unordnung, Unvollfommenbeit, Haß und Zei
| ⸗
Sr Bf mit den kn. 565.
—— Geſchlecht iſt Überhaupt noch
weit größeren: Velnemrenheit nicht alen
daft. Auein, wir ſind wie die ebleren *
a welchen eine ſchoͤne Frucht ſtecket; —*X
* ae Erde and Buft gepflanger, gemartet
Be de ef en, pie von allem Unfraute *
kann, befreyet, und dazu ge⸗
* X seuliee iperben n men, ba ber der robe
ge ur
> ran und — menſchliche
Erdreich, in welchem wir aufwa
2* ti Erempel find dag — in
MR, worunter alles Bute, was inund ift, ers
, Die Sinnlichkeit iſt der rohe Saft in uns,
Frucht ee t, wenn *
* or zu dem Ei ne einige gute Büs
Erziehung, für Aeltern. Aber wer lieft
8 wer brauchet ſie? Ich weiß auch nicht, ob
ein aus der inneren Natur der Menfcben -
’ Al nd, daß fie eine gründliche Beflerung
fönnten. Die wenigften Yeltern haben
2 — — den Verſtand, o bie Sul, auf ih⸗
enaue Acht zu geben viele
‚ihnen —— gar ſchlechte ofpiele 1 in
und Reben, zur Ra — m u
Bee daus Armuth nur über ihr robtan
nder vermwildern, auf di oe
34 Eu —
—
Ran
3 a i
ah
— Hin issih,
der Menfchen mit ven Thieren. 365
lbſichten, weit gemaͤßer, als bie Safter.
ein Zweifel iſt, daß die Nachwelt, durch das all«
emeine narürliche Bemühen nach größerer Voll⸗
smmenheit, ung beydes in Sitten und Erkennt⸗
I8 noch weit übertreffen wird. .
Wenn wir auf einzelne Menfchen fehen, fo aͤuſ⸗
ze fich der Unterſchied von dem übrigen Thieren
uch bey jebem insbefondere. Ein jedes Thier
Krb mit ber Vollkommenheit geboren, bie es je⸗
sals erhalten Fan: es kann fich felbft durch Wis,
ſebung und Fleiß, nicht vollfommener machen: es
infet und finnet auch nicht darauf, es weis von
Auer Vorftellung eines Befferen, von feinem Hofe
m, Wünfchen und Verlangen des Zufünftigen
nd Möglichen. Aber ein jeder Menfch fuchet alles
He volfommener zu werden; und fein Menfch ift
uf dee. Welt, der in feinem $eben wirklich fo voll⸗
emmen wird, als er werben Pönnte und wollte,
Aemand thut feinem Begriffe, Vermögen oder
Berlangen, hierinn genug, wenn er auch alle Klug«
eit und allen Fleiß anwendet. Er mag fo glüce
ch, groß, mächtig, geliebt, geehrt und reich; fo
Nu 3 gelehrt,
ſeyn, wenn die ſchlechteren Koͤpfe zu gemei⸗
nen Soldaten erzogen wuͤrden. Die Koſten moͤch⸗
ten auch anfangs geringer ſeyn, als man glaubet,
wenn nur ſo viel Land dazu eingeraͤumet wuͤrde,
als die erſorderliche Unzabl, die das Land ſelbſt
bearbeitet, mit Landkoſt napren kann. Mit der
Zeit könnte eine ſolche Stiftung fo gar eintraglich
und nusbar gemachet werden. Allein, hier iſt der.
Baum gu enge, mich daruͤber umſtaͤndlicher zu er⸗
366 VIE OS. Vetalchteu
gelehrt, Fünftlich, witig, weife, und Flug,
&elmüthig, liebreic), fittfam und tugendpaft
mie. er will: ſo hat ex doch noch eine Wort
von einer weit größeren Stufe oder höhere
der Volllommenheit, die er nicht befigt, det
fh doch fähig Hält, Die er fich wünfchet, Darn
Luſt hat, und ſtrebet. MWenigftens füchet er a
bie. mehrere Bolltommenpeit in der ferneren &
ung feines Sehens und guten Zuflandes, ſol
als er. nur, voraus denfen ann. Kurz, di
glerden bes Menfchen geben immer über Di
geichte Ziel hinaus, und laufen ins Unendlich
mag auf eine wahre oder bloß vermeynte Bol
wenheit fallen: und Feine Zufriedenpeit der
fehen it fo groß, daß fie (ich bie Sottfeguig
Vermehrung der Gluͤckſeligkeit ver ſagete.
$ ı%
Wenn wie alles zufammen nehmen, wa
obiger Vergleihung kann gefchloffen werben
erhellet, 1) daß wir durch mehrere Bebürfnil
licher Dinge, und durch gänzlichen Mangel.
borener Fertigkeiten, von Natur, wie zur |
ligkeit mit andern Menſchen, welche zum Gebt
unferee Vernunft getrieben werden, ſowohl
Benoͤthigte zu erhalten, als es zu unferm m
Nugen anzumenden. 2) Daß wir aber, dur
Etiltung der leiblichen Begierden, nad) u
Natur, niche. fo gänzlich zufrieden und gli
werben fönnen, als die Thiere; fondern
Teils die finnliche Luſt durch die Wernunft
gen, vervielfältigen, würzen, und zum Fe
v8; '
. [}
1
der Menfchen mit den Thieren. 567
hmacke bringen; andern Theils, nach unferm Ber.
tanbe, Vergnügen am Erkenntniſſe der Wahrheit,
ach dem Willen, Luſt an ber Vollkommenheit ber
Dinge finden, und darinn durch die Natur bis zur
eften Quelle aller Wahrheit. und. Vollkommenheit
eigen. 3) Daß unfere Faͤhigkeit und Begierde
iche in- fo. engen oder gemeffenen Schranfen der
Zolſkommenheit und Glücfeligfeie, als ber Thiere,
ingefchloffen. ift; fondern, daß fich beydes unfere
Berftellung des möglichen und zukünftigen Guten,
nd unfer Bemuͤhen nach diefem erkannten Guten,
ber bie Schranken des jederzeit gegenwärtigen Zus
'andes zu immer mehrerer Vollkommenheit und
Zuͤckſeligkeit, bis. ins Unendliche, erſtrecket. |
In dieſen Stücken befteht demnad) des Men«
hen. befondere und vorzügliche Natur. Was ben
Bebrauch der Vernunft zur. Erlangung nicht. allein
ner ‚gereinigten finnlichen, fondern auch einer. im⸗
ser höheren. Gemüchsvollfommenpeit und Luſt,
zit fich bringet, das ift menfchlich,, das ift nafür«
ch, oder der Abficht. des Schöpfers bey unferer
Ratur. gemäß. Denn das. Wefen und bie. Natur.
er Dinge find Mittel göttlicher Abfichten., und
lle Abfichten Gottes find auf das Wohl der Leben⸗
igen gerichtet. Daher auch‘, umgekehrt, alles
Jute, was aus der Matur oder den Kräften der
Dinge, nach ihren Regeln, entfpringen kann, goͤtt⸗
iche Abſicht iſt. Alſo ift das “Bemühen unferen
orzüglichen Kraft der. Vernunft nad) einer immer
öheren Bollfommenheit, deren wir dadurch fühig
ind, ein göftlicher Wink, Meiz und Trieb zu dems
migen Ziele, wozu wir beftimmet. find.
| Nn4 DNS
568 VIE Abh. Vergleichung
Daraus folget auch, daß alle diejenigen gang,
unnatuͤrlich benfen und handeln, die einen blinden
viehifchen Trieb zur Richtſchnur menfchlicyer Hand⸗
lungen machen. Denn, ber Menſch hat feine
ſolche Triebe, das ift, folche arigeborne Bemuͤhm⸗
gen, die mit einer Kunft und Fertigkeit verfnäpft
find, als die Thiere haben. Daher ift es auch nicht
möglich, Daß uns ein blinder Trieb’ zu irgenb einer
Vollkommenheit und zu unferm wahren Wohl fich⸗
ren koͤnne. Wir haben freylich eine Begierde zu
nlichen $uft mit ben Thieren gemein: aber diefe
ierbe ift in unferer Natur nicht durch regel⸗
mäßige Triebe, Rünfte und Fertigkeiten, zu unfe
rem Wohl, beftimmet und befchränfe. Ein
Thier brauchet, bey feiner finnlichen Begierde, zw -
mal, wenn es feiner Natur und Freyheit gelaften
ift, Feiner Vernunft zum Wegweifer und Führer;
der Trieb reizet feine "Begierde nimmer zur Unzeit,
ober unmäßig, und führet es allemal ficher und
richtig zu ihrem, obgleich niedrig geftedften, Ziele.
Aber wenn der Menfch bloß bem Reize finnlicher
Lüfte nachgehen will, ohne einen folchen getreuen
Fuͤhrer zu haben, und ohne bie eigenthuͤmliche
Kraft ber Vernunft, die ihm ftatt der Triebe gege
Ben ift, zu gebrauchen: fo rennet er. allemal in fein
Verderben.
Ich kann demnach auch nicht unerinnert laſſen,
daß ſich dasjenige, was uns natuͤrlich, oder unſerer
Natur gemäß iſt, auf eine ganziandere Art äuf
fert, wie bey den Thieren. Bey biefen brauchet es
feiner Erfahrung, Benfpiele, Anmeifung, Uebung,
Veberlegung und Wahl; ihre Kraft iſt mit *
Geb:
%.5 +
1; in
H
In
Hi
so VI Abh. Vergleichung
und Vollkommenheit weiſen, gemäß iſt; aber un
natürlich, wenn fie auf das Gegentheil führe
Es erhellet daraus, baß diejenigen einen gar
verkehrten Begriff von ber menfchlichen Natur,
und dem, was ung natürlich iſt, haben, die feine
Handlung durch unfere Natur beftimme halten,
weil wir nicht wie die Thiere burch einen blinden
unwiberfeglichen Drang zu unferen Handlungen ge
trieben, und, fo zu reden mit Gewalt, zu unfe
rem Ziele geftoßen und zerriffen werden; folglich,
weil wir. nicht alle einerley und auf eine Art, ſon⸗
|
dern einige Menfchen fo, andere anders denken
und handeln. Das ift offenbar falſch gefchloffen:
unfere Natur beftimmet unfere Handlungen nicht
Blindlings und gleichfam zmangsmweife ; alfo be_
flimmet fie diefelben gar nicht. Hat denn nicht,
auffer der blinden Beſtimmung, auch eine vers
nünftige Statt ? und ift diefe niche der menſchli⸗
chen Natur gemaͤß? Iſt es darum nicht durch un
fere vernünftige Matur beftimmt, daß wir die
Füße, die den ganzen $eib tragen follen, in ihrer
ordentlichen Größe wachfen laffen.; weil es dem
Sineſer einfällt, dem Frauenzimmer die Füße zu
einer unnatürlichen Kleinigfeit zu zwängen? Iſt
es darum nicht vernünftig- natürlich, auf ben Fuͤſ⸗
fen zu ftehen, und mit benfelben vorwärts zu ge
ben; mweil es möglich ift, daß auch einer ruͤckwaͤrts
gehen, und daß ein Pofiturmacher auf bem Kopfe
ftehen und auf den Händen gehen fann ? Gleich⸗
wie wir aber dieſen Zwang unb biefe Bewegung
billig unnatürlich heißen, ungeachtet fie nicht übers
natuͤrlich, und alfo natürlicher Weiſe möglich iß
o
—
“ . {
der Menſchen mit den Thieren. 571
iſt auch aller Misbrauch ber Vernunft im Den⸗
a und Handeln unnatürlich, das ift, den ung
ıgepflanzten Regeln unferer Kräfte entgegen,
eil er ung nicht zur Wahrheit und Vollkommen⸗
ie fuͤhret; als wohin die Kegeln des Verftandes
d Willens gerichtet find. Dagegen ift natürlich, -
er unferer Natur und unfern angeborenen Kräften
mäß, und ſodann auch göttlicher Zweck, was mie
m Bemühen unferer Kräfte und mit ben Regeln
iſerer Vernunft übereinftiimmer.
$ 18.
Allein, wenn nun ein Menfch feiner Natur
Iget, das ift, wenn er außer dem vernünftigen
zemuͤhen nach Wohlftande, Freundfchaft, Ehre
ab finnlicher Luſt, hauptfächlich in der inneren
zollkommenheit des Veritandes und Willens fein.
jergnügen fuchet : kann er denn feiner Natur in
m Wet Genuͤge thun, das ift, völlig zufrieden
nd gkücklich werden?
Man ſieht leicht, daß bey diefer Frage die
Jinbernäffe unferer Zufriedenheit, und die Huͤlfs⸗
nittel, welche ung bie Natur Dagegen gegeben hat, -
ie in Erwägung zu ziehen find. Auf das erfte
ann ich kurz antworten, weil es Dinge betrifft,
ie ein jeder aus eigener Erfahrung weis.
... Mnfer natürliches Bemühen hat von auffen, und
on innen viele Sinderniffe, die es uns an ſich un«
aöglich machen, baffelbe in diefem $eben fo voll⸗
ommen zu vergnügen, daß mir nichts mehreres
mb befferes wünfcheren. Die Werfnüpfung der
Srperlihen Dinge in der Welt unterwirft ung
mm
ma VI Abh. Vergleichung I |
manchen widrigen Zufällen, bie wir nicht woraus
fehen noch) verhüten können, und die mir body nicht
- allein, wenn fie kommen, mit Schmerzen empf
ben, fondern ſchon, ehe fie kommen, vermöge um
feree Natur, aus anderer Beyſpiele und Geſchichte,
mit Befümmerniß, als möglich vorfiellen. Di
Menfchen, mit welchen ein jeder vornehmlich um
geht, bie Verfaſſung ber Gefellfchaft, und be
Lauf der Zeiten, in welchen wir (eben, finb unfern
Abfichten vielfältig entgegen. Wir empfinden alfe
öfteren Verdruß, wenn durch diefe. Urfachen unfere
Luft, Ehre und Wohlſtand gefränfer, oder wenig
ſtens gebindert wird, fo hoch zu fleigen, alswr |
wünfcheten. Unſer Körper ift vielen Schmerzen
und Krankheiten bloß geftellet, und erwartet einen
geroiffen Tod, zur ungeroiffen Zeit, und auf um -
befannte Art. Unſer Gemüch wird durch Eier
hung und Umgang bald gut, bald fchlecht gebildet,
und hängt von des Körpers Beſchaffenheit, in
feinen Verrichtungen, und in feinem Bergnügen
großentheils ab. Und wenn wir uns auch alle
. Mühe nach wahrem, arünblichen und nuͤtzlichen
Erfenntniß, und nach Pflicht, Tugend, Freund⸗
ſchaft und Menfchenliebe geben : fo können wir
Doch weder allen Irrthum verhüsen, noch den
Grad und die Größe des Erfenntniffes erlangen,
welche wir fuchen, noch auch allemal unfere Leiden⸗
ſchaften und finnliche Begierden in den Schranfen
der Vernunft erhalten, oder, durch bie meifefte
Aufführung, allee Menfchen Siebe, Freundſchaft
und Achtung gewirmen.
Es
der Menſchen mit ben Thieren. 573
3 Eng iR * ns; wir können biefe Unvoll«
Widermärtigfeit durch Blei,
und Tugend vermeiden , oder wenigſtens
(bern mb verfüßen, und uns Dagegen
les Ente erwerben, manch ü
ügen verſchaffen. ee eine Vollkommenheit
Ä ſich
über das allergrößte Gluͤck, und über die größe
| t, welche fi & in diefem $eben er -
alten laſſen, erfiredet. Wenn auch bag Leben
neh ſo glücklich und vergnügt geführet wäre : fo
ed es doch, je näher es tem Tode rücer, durch
ke Borftellung eines gemiffen Endes, natürlicher
Beife, mit Furcht und Angſt vergället.
AIch rede noch von dem Menfchen, ohne Reli⸗
* — um zu zeigen, daß wir unferer
aller Vernunft und . Tugend, uoch
.
wemmhang gier Dinge, und Die
574 VII Abhandlung.
heit, welche in der Welt herrſchet, finden kann:
fo wenig wird aud) unfer Wille, ohne Ho
Siebe und Verehrung unfers Schöpfers, ımb be
fonders ohne Zuverficht, auf beffen weife und gütis
ge Vorſehung, und ohne die Hoffnung eines voll:
fommenern unvergänglichen Lebens, wozu er uns
beftimmet bat, beruhigee. Ich weis aus bem
Umgange mit Menfchen, daß Atheiften felbft, in
Ermangelung diefes Erfenntniffes, ihre Gemuͤths⸗
unruhe und Verwirrung ängftlich empfinden, zur
mal, wenn fie an den Tod gedenfen, und baß fie
nicht ohne Bewegung wuͤnſchen, Davon. überzeugt
zu fenn. Es wirdalfo meinem Zwecke gemäß feyn,
daß ich dieſe beyden großen Wahrheiten, als Haupt»
fügen unferer Zufriedenheit, feft feße, und legt.
lich überhaupt den Einfluß, welchen die Religion
in unfere Gluͤckſeligkeit hat, Elärlich darthue.
Die achte Abhandlung.
Don der göttlichen Vorfehung.
S Tr.
ie Vorſehung Gottes ift eine Folge bes
Raths der Schöpfung. Eben die inneren
Vollfommenpeiten der Weisheit, Güte und Macht,
welche ihn vermocht haben, die Welt in gewiſſer
Abſicht zur erfien Wirflichfeit zu bringen, die er⸗
ſtrecken fi) aud) über die ganze Dauer der Welt in
allem Zuftande, nad) allen und jeden, felbft den
allerkleinſten Teilen und Begebenheiten. Denn
man
Don der göttlichen Vorſehung 575
wuͤrde biefen unendlichen Vollkommenheiten
ahe freten, wenn man fagen wollte, daß ent⸗
er feine Weisheit , bey der erften Anlage, nicht
ganzen Zufammenhang der züfünftigen Welt,
ı der Mebereinftimmung mit feiner Abficht, aufs
fichfte durchgeſchauet härte ; oder daß fein
hſchluß, ben folcher Einficht in alles Zufünftis
die Begebenheiten, welche feinem Zwecke ges
jſeyn würden, nicht auf einmal und unverän«
ich gut geheißen; oder daß etwas außer Gott,
e ihn und feine Kraft, beftehen koͤnne. Dem⸗
» ann auch in der ganzen Welt, in allen Zeiten,
€ das geringfte feyn und gefchehen, was Gott
t von Ewigkeit vorher gefehen hätte, oder was
t in feiner Abficht und in feinem Rathſchluſſe
befaſſet wäre, oder deſſen Wirklichkeit niche von
er Wirkung abhienge. v*F
Man kann alſo die goͤttliche Vorſehung nicht
men, ohne das Daſeyn Gottes, und ſeiner
llkommenheiten, nebſt der Schoͤpfung, aufzu⸗
ꝛn. Setzte man etwas in der Welt, das der
‚öpfer nicht vorher gefehen, oder das er anders
nuthee hätte: fo würde man zugleich feinem
Stande Schranken fegen, und ihm, ftatt der
piffenheit und vollfommenften Weisheit, Uns
enheit, Dunfelheit, Undeutlichfeit, Webereis
j, Widerſpruch und Irrthum beylegen. Wollte
ı fügen, daß er fid) um die Welt, oder um alle
inigkeiten in derfelben, nicht weiter befümmere:
zͤrde man ſich ſowohl das göttliche Erkenntniß,
ſeinen Willen, nach menſchlicher Schwachheit
tellen. Denn. das ſetzete voraus, vo oe
?
s6,: Vvm anganbiung.
| * fo wie bey uns Menſchen, best
‚ ber Dinge a ah ee
gedacht, und in dem unendlichen Verſtand⸗
fet märe, der fich alle Möglichkeit vor aller
lichfeie aufs deurfichfte und auf einmal ver
Diefer ift alfo die mefentliche Quelle alles ©
then, und ftellet ſich darunter auch, ohne alle
liche Zorfchen, Bemühen und Bekuͤmmern
jenige, us zureichenben Grund ber Bir
in der Verknuͤpfung der Dinge hat, vor,
pierinn 7 ihm nichts zu geringe oder zu Eh
achten, weil er barinn feine großen *
im Ganzen, und in aller Folge der
die Uebereinftimmung in den allerkl
aufs vollfommenfte erfüllee ſieht.
- Diefe Einficht ft use ein Reter Beweg
grumd für den göttlichen en bie Welt in
bert
Bon der göttlichen Vorfehung. 377
olgfich wuͤrde er dadurch felbft feine vorigen Ein.
cheen und Rathſchluͤſſe für nicht gut und mweife er-
dren, und mwürbe alfo entmeber zuerft, oder zus
gt, geirret und übel gewählet haben, mel
we nendlichen Vollkommenheit Gottes wider
wicht.
Wie könnte aber Die Welt nach Gortes Willen
woeränbert wirklich bleiben, wenn nicht auch der
irkfame Einfluß göttlicher Macht fie in der Wirk⸗
chkeit erhielte? Sie harte ja einmal den Grund
Wirklichkeit niche in fich felbit und ihrem
fen : denn fie mußte won Gott erfchaffen wer⸗
en, wenn fie ba feyn follte, und ihre erite Wirk⸗
ichkeit hieng demnach unmittelbar von Gottes
virffamer Macht ab. Dadurd) aber, daß fie ges
chaffen iſt, bat fie Fein anderes Wefen befommen;
ie ift bloß eine foldye wirfliche Welt geworden, als
jeher nur möglich war. Demnach kann ihr We:
en oder ihre innere Möglichfeit, auch noch jeßt,
mb in aller ihrer Dauer, nicht den Grund ihrer
Wirklichkeit in ſich halten. Sie fann dadurch,
aß fie als Welt geſchaffen ift, nicht unabhangig
d felbftändig, mit einem Worte, fein Gort
jeworden ſeyn. Der andere, drifte, vierte Aus
zenblick ihrer Wirklichkeit ift und bleibt, eben fo»
wohl als ber erfte, aufjer ihrem Weſen, in ber
Macht des allein felbftändigen Schöpfers gegruͤn⸗
bet ; defien fortdaurende Wirkung ihre fortdauren»
da abhängige Wirklichkeit unterhalten mußte,
Wollte alfo Sort, daß eine Welt wirklich bleiben
ſellte, welche, vermöge ihres Wefens, für ſich
nicht beftehen fonnte : fo FR auch in ſolchem Wile
o
—X
8 vH Abhandiun⸗ = Bu 7
len der Vorfag entfalten „. daß Soet dei
durch feine kräftige Wirkung in allen Städ
87 und nach den gefepten- Abfichten e
ande denen vieleicht hierbey: Es.E
wohl ein Menfh, als Werfmeifter, eine ©
— *
fortſtoßen müßte. So, mermen fie, waͤre m
—E des göttlichen Werks der
pfung aud) diefes (duldig, zu fen 1 daß bis
nun für ſich beftehe, und one Gottes
den Einfluß dennoch alle feine Abfichten erfü
Alein, diefer Einwurf beruhet auf eineı
falſchen Vorſtellung. Denn der Menſch thi
nichts zum Beſtehen einer Maſchine. B
Materie und Kraft, iſt ſchon vor feiner Kun
er entleßnet fie bloß aus der Natur, und thi
ter niches dazu, als daß er der Materie eines
Figur, Eintpeilung und Zufammenfügung.
damit die natürliche Kraft die verlangte Wi
darinn hervorbringen möge. Er Perg a
niche, daß die Materie hernach bleibt, ode
fie ihre innere Kraft und Feſtigkeit behaͤlt.
kann alfo wohl davon gehen: das, was of
Zuthun da gemefen ift, kann auch opne ihn
ben. ber daraus folger nicht, daß es aud
ein höheres arte ſey und —& und keine
haltere brauche · Der Gärtner pflanzet den X
\
>».
—
Von der goͤttlichen Vorſehung. 579
jet den Samen, und begießt ihn etwa: das iſt
les, was er thut. Aber darf er ſich und feiner
Yandiung das nachmalige Wachfen des Baumes
nd Samens zufchreiben, da er Doch nur Gelegen-
eit gegeben, daß die Natur fo wirfen fann? Es
E alfo falſch, daß ein Menſch etwas für fich bes
ebendes hervorbringe. Die gute Abficht, daß
van, durch ſolche Unabhaͤngigkeit der Welt, Gort
nd fein Werk defto volllommener vorftellen will,
tegt auch gar fehr. ‘Denn das Werf wird da⸗
wech dergeftalt über feinen Werfmeifter erhoben,
aß dieſer gar als unnöthig angefehen werden dürfe
. Ein Atheiſt wird mwenigftens das Angenom⸗
sene nach feiner Abficht fo drehen und fagen :
Bann die Welt jego für fich ohne Sort feyn und
eftehen; warum hat fie es nicht von Ewigkeit hun
Innen? Man lerriet zugleich baraus, daß bloße
ute Abfichten einen fehr mißlichen und gefährlichen
md zur Wahrheit legen. |
' 8 2°
Gleichwie nun bisher die Vorſehung Gottes
ber die fortdaurende Welt, aus eben den wirffa-
sen Eigenfchaften ermiefen ift, welche in das
Berf der Schöpfung einen näheren- Einfluß ges
abe haben: fo fann man ſich davon ferner auch
us der Betrachtung ber Wele felbft lebhaft
berführen.
Wir fegen bieben die Abficht der Schöpfung
oraus, bie oben mweitläuftig beftätiger it; daß
aͤmlich die Welt zum Wohl aller möglichen Leben⸗
igen hervorgebracht fen. Dann zeiget ſich in fol-
Zn Do3 Kr
30 - VI Abhandlung.
cher Betrachtung ber Welt erftlich ein Werften
der alle Wirkungen der Maturkräfte in dem gan;
Zufammenbange, auf alle Zeiten, ganz genau u
aus gefehen, und alles nach feiner Abfiche, fo
reden, abgezaͤhlet, abgewogen und abgemeffen h
fo, daß die Welt nad) ihrer erften Einrichtu
ohne alle weitere Aenderung der Naturgeſetze, 0
der Zufanmenfügung, wenn es Sort will, in Ew
keit in einerley Ordnung beftehen, und dem Zwe
Genuͤge thun kann. |
In menfchlihen Mafchinen entfteht das C
gentheil aus Mangel einer genauen Vorherſehu
Die befte Mafchine des Flügften Kuͤmſtlers fär
bald an, ein wenig von dem verlangeten Zwecke «
zumeichen; und diefer Fehler vergrößert fich imn
mit der Zeit. Diefe Unrichtigfeit und Unordnu
harte ohne Zmweifel fchon in der erften Einrichtu
ihren völligen Grund, und vielleidye in einer fe
geringen Kleinigkeit. Allein, dag war dem Kün
ler verbergen. Kein Künftler iſt fo fcharffichti
daß er fich in dem gegenmärtigen Zuſtande fein
Mafchine alle darinn gegründete zukünftige aufsg
naufte vorftellen koͤnne.
Die Eörperlihe Welt ift zwar auch nichts a
ders, als eine Mafchine, aber von einer unerme|
ih größeren Vielheit und Mannichfaltigfeit d
heile, und der befonderen Abfichten. Sie ift
Bewohnung aller möglichen Lebendigen, verfchi
dener Gattung, in gar viele lichte und finftere K
geln vertheilt, davon Diefe fid) um jene, in geme
fener Zeit und Bahn, herum wälzen, um Licht un
Wärme, Tag und Nacht, Jahreszeiten und Wi
terung
“ [2
«
Von der gottlichen Vorſchung. sBr
2283 Wachsthum, nach jeber
ne ffenheit zu empfangen. Die
Hung ber Planeten, und ihr wirfender Drud:
m einander, ift in dem Saufe der Natur und
om fo mannichfaltig ‚ daß es faft unmöglich
mt „eine fünftige Zeit oder Cyclum zu fegen,
hrer aller Stellung. ber erften wieder aͤhnlich
ben, und ihr großer Kreislauf wieder von neuem
88 Weiſe anfangen wird. Mithin iſt *
6. Jahr von dem andern, in aller Folge der
„ an Witterung und an Gruchebartelt, bald.
—*8 bald. jenes Gewaͤchſes oder Tieres, ver⸗
Zudem, ſo wird der Planeten Bahn,
— Deinen anfferorbentlichen Lauf der Gometen,
* ganz andern Himmelsgegend, zum oͤf⸗
** Es iſt aber ein beſtaͤndi⸗
— durch unſer Sonnenſyſtem, der immer
— offen und frey waͤre: ſie kommen
Verfchlebenen, Strichen, und. haben fo ver⸗
Richtung, kaufen auch, bald ber Sonne,
‚ Diefem . und jenem Planeten ſo nahe, daß ſchon
Menſchen bange geworden iſt, es moͤchte eine
lelchen Himmelsbombe uns treffen, oder uns
a: unſerer Nachbaren entfuͤhren, ober unfere
me. verräden. Kein Sternfeher kann uns auch
ke Buͤrge feyn: er nimmt fie nur wahr, wenn
ve find, weis es aber nicht vorher, wann und
ee ein Comet kommen, und welchen fauf er
nen wird; menigfteng, wenn ja ein voriger De
iſſer Zeit wieder kaͤme, fo. wuͤrden boch.unfer
neten alsdenn ne fo ftehen, als vorhin.
253 .
'
592 vun Abhandlung⸗
Den .aller biefer beftändig fortwäßrenden Ders
fehiebenbeit der großen Erfcheinungen in-ber Walt,
bat noch kein Weltförper den andern in fo viel tau⸗
fend Jahren, als wir Nachrichtenhaben, anfeinem
gebuͤhrenden Laufe, Zuftande oder in feiner Wirkung
gehindert. - Es find ungegründete Hypotheſen
daß jemals ein Comet auf unfere Erde, oder andie
Sonne, gefoßen fen, Alle Planeten halten ihre
Bahn und Zeit aufs richtigfte: fie find weder ind
7 zur Sonne, noch gegen einander gejogen ;
raͤfte find ‚in demſelben Verhaͤltniſſe und
gewichte geblieben: alle Erfcheinungen der Fire
ferne, Die feit zwey tauſend Jahren beobachtet fü ind,
ftimmen auch in ihrer veränderlichen tänge, Der
elination und in ihrem Abftande vomPol,mit einander
überein: Sonnenhoöͤhe, Mittagslinie, Tag und Nackt,
Jahre und Jahreszeiten, find allewege aufs ge
“ maufte diefelben, welche fie, geweſen. Ein offenbar
ter Verweis, daß der Urheber der Natur in der
. erften Stellung der Himmelskoͤrder, indem Maafe,
in den Regeln und Verhaͤltniſſen der Kräfte, weis
che er ihnen gleich anfangs beftimmet, in bee Rich
tung und Geſchwindigkeit ipres Saufs, allen zufünfe
digen Zuftand der Welt und ihrer Theile, auf alle
unzählige Taufenden von Jahren, voraus gefehen,
in fo ferne darinn Bein Pünftiger Sellenftehen wird,
- weldher fenen grofien Zuec fläfren und aufpeben
Be ea]
ui ege, je ung fein ö
mens Barge ſeyn kann.
83
Ä Von de ghetlichen Vorſehung. 83
nterworfen
2" Denn Fi es gleich anfangs feheinen möchte,
— — Wetter, Wärme, Kälte, Thau,
und Hagel, Donker, DAS und
Binde, ‚nach einem bloßen Indefäge ed
Neu, ul bald hier haft da biindlinge €
—— Safe wähle, und Di
en Zufi und
änderte, aus fand See, aus See Land
, Birge aufwürfe, oder verföhfünge, und
sanf:der Stroͤme verfeßte : fü iſt dach nichts
, als baß ein jeder Zuſtand unfers Erdbo⸗
u, nach allen feinen Umſtaͤnden, in dem vorigen,
üb diefer wieder in feinem vorhergehenden und
fe ce ich im erſten, zureichenden und natiirlichen
he Miches aber kann ung Menſchen mehr vonun-
ran Unwiſſenheit in ben befonderen Urfachen nas
licher Dinge, und von dem Zufammenhange
Hasen Zufünftigen überführen, als diefer ver»
Lo. BZuftend dere Witterung und Erdflaͤche,
auch der davon abhängenden Fruchtbarkeit.
Be. mögen jo viel Werterbeobachtungen anftellen,
a.nb wohn: fo werben noir Doch in Ewi je
904 Une
84 VII Abbaria 1 le
Uuterdeffen erfahren wir überhaupt fo)
daß diefes unfern ‚Augen fo vermorrene
Wüplen und Toben aller Elemente den
nicht in ein unwohnbares Chaos verwandelt,
feine Figur und fein Gleichgewicht verkehret; =
daß es vicl ni Far: Be iſt, Die)
hung, eit und des
A — ein —— — ————
gu. erhalten. nun aller. folgende,
. gain nn Grund hat· ſ
Rennen, wir Daraus, daß hier nicht die Eien
nach einem wilden Ungefähr ——
ſind, ſondern daß die ewige Weisheit des E
pers das erſte Maaß und die erſte Mifchung
Elemente und ihrer Kräfte mit genauer Vorfel
auf alle zufünftige Zeiten eingerichtet hat.
se.
Ich muß noch ein drittes Beyſpiel der
gm Vorſehung anführen, welches — gerad
fen alle —Se Lebendige in ver Belt d
fländiges Wohnhaus haben ſollten. Wir fi
alſo auf unferm Erdboden fo viel taufenb Arte
bendiger ‘Thiere, als nur feyn konnten, bie
ihr Geſchlecht in einem gewiffen Verfältniffe
pflanzen. Dazu find kon Art ihre bee
Werkzeuge bes Lebens, ber Bewegung, Em
dung, Zeugung, und mancherley innere Triebe
Serrigfeten nebſt äufferer Nahrung, als n
liche Mittel, verliehen, Die Wirkung dave
Bon der. göttlichen Vorſehung. 585
ns Mar vor Augen, daß nämlich alle und jebe
hiere Auf dem Erdboden nicht allein bleiben, ſon⸗
en auch) in ihrem Gleichmaaße und Verhaͤltniſſe
egen einander bleiben.
- Nun hat jedes in feiner Fortpflanzung eine
Mänbige Proportion, fomohl der Fruchtbarkeit
Berhaupt, als auch des männlichen unb weiblichen
— nn ‚ voelche = ee he
res abhängt. Jede Vögel, Inſecten, ,
Schlangen, Schildkroͤten u. ſ. w. legen ihre bey
abe gewiſſe Anzahl Eyer: und darinn iſt bei ver⸗
Siedenen Arten fo großer Unterſchied, daß bie
zahl der Ener von eins zu vielen hunderttaufenden
eig. Andere Thiere, die lebendige jungen wer
m, baben ebenfalls ihre gefegten Schranken ber
fuchtbarfeit; die aber bey weitem nicht an bie
ruchtbarkeit der Inſecten und Fiſche reicher. In
der Art iſt eine beſtaͤndige Proportion des maͤnn⸗
chen und weiblichen Geſchlechtes. Denn wie z. B.
ey Menſchen die weiblichen Geburten ſich gegen bie
n, wie dreyzehn zu vierzehn, oder, nach
enauerer Berechnung, wie zwanzig zu ein und
vanzig verhalten: ſo legen die Tauben, welche or⸗
entlich paarweiſe eine unzertrennliche Ehe fuͤhren,
desmal auch nur zwey Einer, davon das erſte ges
seiniglich einen Tauber, das andere eine Taube
achaͤlt f. Ueberhaupt iſt in allen Arten eine fol»
je Austheilung des zwiefalhen Gefchlechtes , daB
des feinen Gatten findet. |
805 Nun
Siehe die oͤconomiſch⸗phyſicaliſchen Abhandlungen,
den sten Theil, a ponn ii |
*, wwre werveunyung ww.
bracht feyn , wenn entweder ihre
nicht fo fruchtbar gewefen, ober die (
männlichen und weiblichen Gefchlechte
Ungefähr waͤre überlaffen worden.
bald Diefe bald jene Tpierart an ihr
genugfames Butter gefunden haben
Verhaͤltniß zwifchen ihrer Vermehi
Zutter gewefen wäre; oder fie würd:
Witterung an dem Orte, wo ihr Fı
war, nicht haben vertragen Fönne
eine oder bie andere Thierart durd) i
aufgerieben und ausgerortet feyn, wı
lichen fruchtbarer geweſen, oder !
Stärfe, Gefhwindigfeit und Liſt
ten, und die Unfchädlichen hierinn n
fie jeso find, bedacht wären.
Der Schöpfer zeiget alfo feine
fenbar in dergleichen Erhaltung a
auf dem Erdboden. fo ferne er aller
Von der göttlichen Vorſchung. sg7
mepfe hat ; fo daß jede Art gegen alle wibrige
Bälle, die fich in der Folge der Zeit äußern wer⸗
Wen, zwlänglich verfehen ift, und doch davon in
gebüßrenben Schranken gehalten wird. |
$ 5
e⸗ iſt demnach ſo ferne aus der Erfahrung
— daß Gott, bey dem Rathſchluſſe der Schoͤ⸗
. Yung, zugleich die ganze kuͤnftige Folge der na⸗
‚ ehelichen Begebenheiten, nach feinem Zwecke, vor«
ſicheig überdacht babe. Darinn liege denn folglich
ein Beweis, daß er fie auch weislich beſtimmet
und geroolit haben müfje. Allein, was ben forte
Bausenden Einfluß feiner Macht, oder feine Wirs
fung in die Erhaltung der Welt betrifft; fo wird
dleſelbe aus den Beobachtungen der Natur etwas
ſchwerer werben, zu erkennen. Denn wodurch
wollen wir fie von den natürlichen Wirkungen uns
terfcheiden, ohne übernatürliche, oder Wunder,
daraus zu machen?
Laſſet uns alſo erſt die Begriffe durch beſondere
| — nn beftimmen , Damit We on Verwir⸗
agen koͤnnen, was wir nach der Erfahrung
.*Wenn wir uns Wunder, oder uͤbernatuͤrliche
Birkungen Gottes, gedenken, fo fegen wir zwar,
daß fie in der Welt oder in der Natur gefchehen,
oder daß die Natur oder die Kräfte der Welt nicht
allein gar nichts dazu thun, und bloß leiden, ſon⸗
bern auch, daß die Wirkungen Gottes den Bes
mrühungen und Regeln der chätigen Maturfräfte
entgegen laufen. . Eine ſolche Wirkung Fa
P)
N ⁊
8 VO Abhandlung.
\ Mache Fann die ordentliche Erhaltung der Netut
nicht ſeyn; denn fie würde derſelben vielmehr mis
berfteeiten. Wenn ein Regent feine ——
die Sprüche feiner Unterrichter alle Au,
dern, und biefen und jenen davon frey ſprechen
wollte, fo würde es nicht anders feyn, als ober
gar Feine Geſetze gegeben, gar feine
‚gefegt hätte: er würde dadurch Die, ——
Staats nicht erhalten, ſondern umkehren : -
man siiede von feinen Einfichten und Baer
fen nicht das Befte denfen, wenn man gleich
Obermacht erkennen müßte, Wenn denn “=
Gott alles unmittelbar und durch Wunder thäte,
fo würde er alles alleine thun = und wozu hätte er
denn eine Schöpfung endlicher Dinge vorgenom«
men ? Wenn er das Bemühen der gefehaffenen |
Subftangen, und die Gefege ihrer Natur, alle
Augenblick hemmete: mozu hätte er fie ihnen gege
ben? Je mehr er nach der Schöpfung Wunder
thäte, befto mehr würde er die Natur wieder ber»
sichten, und uenPoie Befhaften baden, aid aber
un Sehängen Erfltng ie St Kr
J tung die Rebe iſt:
ih, weicher Einfluß feine Macht
Sebelung
Da nun Au he wuberfäige kungen
des in der Matır hier i feine .
in feine vernünftige Beerach⸗
fraget
für die
‚übeig bleibt, der ich von: ber Bacer
Bon der göttlichen Vorſchung. 289
unterſcheiden ließe ? Ich antworte: DI
hung
Die Schranken ber Natur , das ift, der Sub⸗
*
in der Welt und ihrer Kraͤfte, eine Abhaͤn⸗
von einem unendlichen Weſen erfordern, 00 MB
met man fich nicht allein: vernünftig
Mamen Einfluß einer unendlichen Mache ade bie
ir der Subftanzen und ihrer, Kräfte, meh‘
Matur und der Abficht der
WR ;- fonbern derſelbe Einfluß laͤßt IA auch
eene aus der Erfahrung wahrnehmen, als‘ biefe
zin dem Eingefchränften auf das Unendliche
‚Wir Einen uns einen Begriff folcher Erhals
s: machen, wenn wir eine Vergleihung vom
Einflufle nehmen , ben eines Regen⸗
tin das Dafenn der Unterrichter, und
e abhängende Macht bey. der Handhabung der
bat. Die unteren Obrigfeiten, und ihre
nebſt den Geſetzen, wornach fie biefelbe
—* haben nicht allein ihr erſtes Daſeyn ud
em erften Urfprung von des Oberregenten Macht,
hern auch ihre Dauer von dem fortfahrenden
afiufle dieſer Macht. Wenn biefer Einfluß auf⸗
ge,. wenn der Megent nicht allezeit Die Richter,
fege, Sprüche beftätigte, für die feinen erken⸗
e und ihnen den Nachdruck ſeines unveraͤnder⸗
Willens und ſeiner Obermacht verliehe: a"
en auch Richter, und richterliche Macht, Ges
em. Sprüche, nichts mehr ſeyn. Die Urfas
‚öeffen liegt in ber Abhängigkeit biefer Dinge
ber Obermacht des Negenten, und in ihrem
—* Weſen. Und eben dieſe ee
⸗ 4 1} L FÜ - um
J— yıll ie. at
—— —
Im, ſowohl dev Machſtellung und
enberer unterworfen/ als fie won ber Wi
* en gefunden haben, wen
Verhaͤltniß zwiſchen ihrer Vermehrung ur
| gewefen wäre; ober fie würben bie $ı
Witterung an dem Orte, wo ihr Futter zu
war, nice haben vertragen fönnen, Es
eine oder die andere Thierart durch die Gef
aufgerieben und. ausgerottet ſeyn, wenn bie
lichen fruchtbarer geweſen, oder mehr $
Staͤrke, Geſchwindigkeit und Liſt befomn
ten, und die Unfchädlichen bierinn nicht fo g
fie jego find, bedacht wären.
Der Schöpfer zeiget alfo feine Vorſeh
fenbar in dergleichen Erhaltung aller Th
auf dem Erdboden, fo ferne er aller Natur,
jeuge, 3 Beuchebarkeit, Geſchiecht, Oröpe
fen, Stärke, Gefchwindigfeit, Liſt,
“ Triebe, nad) ihrem beffimmten Au, m
Witterung eines jeden $andes, und ab
nach allem, was ihnen auf alle künftige
ſchaden oder nutzen konnte, aufs genaueſt
| Won der göttlichen Vorſchung. 587
een bat ; p dag jede Art gegen alle voibrige
aͤlle, die fich in der Folge ber Zeit dußern wer⸗
, zwiänglich verfehen ift, und doch davon in
buͤhrenden Schranken gehalten wird, |
Ss.
Es ift demnach fo ferne aus der Erfahrung
ar, daß Sort, bey dem Rathſchluſſe der Schde
amıg, zugleich die ganze Fünftige Folge der na»
rlichen Begebenheiten, nach feinem Zwecke, vor⸗
chtig überbache habe. Darinn liegt denn folglich
ei Beweis, daß er fie auch weislich beſtimmet
olle haben müffe. Allein, was den forte
— Einfluß ſeiner Macht, oder ſeine Wir⸗
ing in die Erhaltung der Welt betrifft; ſo wird
eſelbe aus den Beobachtungen der Natur etwas
bwerer werden, zu erkennen. Denn wodurch
ollen wir fie von den natürlichen Wirkungen uns
rfcheiden, ohne übernatürliche, oder Wunder,
waus zu machen ?
$affet uns alfo erft Die "Begriffe durch beſondere
Rerfmaale beſtimmen, damit wir ohne Verwir⸗
wg fagen koͤnnen, was wir nad) ber Erfahrung
bachten.
- Wenn mir ung Wunder, oder übernatürliche
Birfungen Gottes, gedenken, fo fegen wir zwar;
af fie in der Welt oder in der Matur gefchehen,
ver daß die Natur oder die Kräfte ber Welt nicht
Hein gar nichts bazu thun, und bloß leiden, ſon⸗
sen auch, daß die Wirkungen Gottes den Be⸗
rühungen und Regeln der thätigen Naturfräfte
atgegen laufen. Eine folche Wirkung er
588 vVn Abhandlung.
Macht kann bie ordentliche Erhaltung der Mate
nicht ſeynz benn fie wuͤrde derfelben A
derftreiten. Wenn ein Regent feine
‚ bie Sprüche feiner Unterrichter alle 3
dern, und dieſen und jenen davon frey
P wollte, fo zen es niche anders ſeyn, als ober
..... gar feine Geſetze gegeben, gar Feine”
Leſetzt hätte: ine ab ie Befing
— nicht erhalten, ſondern
wuͤrde von feinen Einſichten und
L nicht das Beſte denken, wenn — feine
Obermacht erkennen müßte, Wenn dem audı
Gott alles unmittelbar und durch Wunder thäte,
fo würde er alles alleine thun : und mozu hätte er
denn eine Schöpfung enblicher Dinge vorgenom ·
men ? Wenn er das Bemuͤhen der ge
Subftangen, und die Gefege ihrer Natur, alle
Augenbli® hemmete : mozu hätte er fie ihnen gege
ben ? Je mehr er nach der Schöpfung Wunder
thäte, befto mehr wuͤrde er die Natur wieder ver ⸗
nichten, und umfonft gefchaffen haben, nicht aber |
erhalten; und für fich würde er entweder die möge |
lichen Naturmittel zu feinem Zwecke nicht eingefer
hen haben, oder auch feinen Zweck oft ändern, und |
feinem eigenen Einfluffe in die Erhaltung der Nur
tur zen arbeiten.
a nun folche wunderthaͤtige Wirfungen Got
tes in der Natur hier in pi vernünftige Betrach⸗
tung kommen fönnen, wo von ber orbentlicen
und beftändigen Erhaltung die Rede ift : fo fraget
—5 welcher Einfluß ſeiner Macht ſonſt — die
Erhaltung übrig bleibe, der fich vom der Matur
Von der göttlichen Vorſchung. 589
irkung unterfcheiden ließe ? Ich antworte :' Da,
o bie Schranken dev Natur ,. das ift, der Sub⸗
in der Welt und ihrer Kräfte, eine Abhaͤn⸗
von einem unendlichen Weſen erfordern, da
Denket man fid) nicht allein: vernünftig einen °
irkſamen Einfluß einer unendlichen Macht in die
Irpaltung der Subſtanzen und ihrer. Kräfte, wel⸗
er Natur und der Abſicht der Schoͤpfung
iſt; ſondern derſelbe Einfluß laͤßt ſich auch
ferne aus der Erfahrung wahrnehmen, als dieſe
ns in dem Eingeſchraͤnkten auf das Unendliche
Wir koͤnnen ung einen Begriff ſolcher Erhals
mg machen, wenn wir eine Vergleihung von
m fittlichen Einfluffe nehmen , den eines Regen»
1 Obermacht in das Dafeyn der Unterrichter, und
abhängende Macht bey der Handhabung der
bat. Die unteren Obrigkeiten, und ihre
sche, nebft den Gefegen, wornach fie diefelbe
when, haben nicht allein ihr erftes Dafeyn und
n erften Urfprung von bes Oberregenten Macht,
een auch ihre Dauer von dem fortfahrenden
luſſe diefer Mache. Wenn diefer Einfluß auf⸗
e, wenn der Megent nicht allezeit bie Richter,
je, Sprüche beftärigte, fire die feinen erfen.
und ihnen den Nachdruck feines unveränder-
Billens und feiner Obermacht verliche : fo
n auch Richter, und richterliche Macht, Ges
W Sprüche, nichts mehr-fepn. Die Urfar
fen liege in der Abhängigkeit diefer Dinge
2 Obermacht des Negenten, und in ihrem
raͤnkten Weſen. Und eben dieſe Urſach⸗
ns
590 VII Abhandlung.
muß auch in der Natur, bey der Dauer einge
fehränfter Subftangen, ihrer Kräfte, und deren
Gefege gelten, daß alles feine Wirklichkeit von der un
endlichen Obermacht des Schoͤpfers behält. Gleich
wie aber der Einfluß der Obermacht des Regenten in
die Betätigung der Richter, Gefege und Spruͤche,
der Berfaffung des Staats nicht entgegen, fondern
gemäß iſt: fo iſt auch der göttliche Einfluß in Die
Erhaltung ber Welt und ihrer Kräfte der Natur
und dem Zwecke der Schöpfung nicht entgegen,
fondern gemäß.
Wenn man nun die Erfahrung hat, daß ein
Mermögen abhängig fen, und daben in beftändiger
Wirkung bleibe: fo fage ich nicht unrecht, daß
man auch darinn von dem Einfluffe der unabhän,
gigen Macht eine Erfahrung babe. Syn ber bes
ftändigen Handhabung der Untergerichte erfennen
wir die Wirkfamfeit der Obermacht; in dem be
ftändigen Gehen des Zeigers an der Uhr fehen wir,
Daß die Feder aud) beitändig wirffam fer. Won
dergleichen Erfahrungen will ich run auch einige in
der Natur namhaft machen, welche derfelben Ab»
bängigfeit von einer unendlichen Kraft, und alſo
den Einfluß einer unendlichen Kraft in die Erhak
tung der Natur zu erfennen geben,
6
$ 6
Es ift der Erfahrung gemäß, daß jedes Din
ges Ort, und deſſen Beränderung, von feinen
Nachbaren, und deren wirkenden Kräften, abhänge.
Warum ruhet dieſes Stuͤck Holz, jenes ſchwimmt,
das dritte fälle ? Man gebe jedem andere Nachbar
sen: fo wird das, was fenfrecht fiel, horizontal
ſchwim⸗
Bon der göttlichen Borfehung. 591
fhwimmen, bas, was ruhete, wird fallen, bas,
was ſchwomm, wird ruhen. Selbſt bes ganzen
Erbbobens Ort, und täglicher und jährlicher Lauf
in der Welt, hängt von ven Kräften und Wirkun⸗
gen feiner Nachbaren, infonderheit der Sonne,
* ab: und es verhält ſich mit den Fixſternen und
Cometen nicht anders. jedes Dre und natürliche
Bewegung entfteht mit von den benachbarten.
Eins hält das andere entweder im Gleichgewichte,
ober ſtoͤßt und ſchiebt es fo lange fort, bis es an
Nachbaren geräch, deren Kräfte den feinigen
find.
Aus dieſer Erfahrung habe ich oben ſchon ge⸗
ſchloſſen, daß die Natur nicht das erſte Weſen
ſeyn koͤnne; weil vor der Natur, das iſt, vor allen
Kräften und deren gewiſſer Wirkung in einander,
eine gewiſſe Stellung und Ordnung der Dinge ges
Bacht werden muß, ehe die Kräfte in einander wir⸗
Sen, und diefen Lauf der Natur haben hervorbrin-
gen fönnen. Ich habe alfo daraus bewieſen, daß
ein Schöpfer oder Werfmeifter feyn müffe, wel
cher biefe Ordnung und Stellung der Dinge ge-
machet, Die eine äufferliche Abhängigkeit von einan⸗
ber haben. Mich duͤnket aber, daß eben diefe all.
gemeine Beobachtung auch des Schöpfers erhal.
tenden Einfluß in die Matur beweiſe. Denn bie
Abhängigkeit des Ortes und der Bewegung geht
von Machbaren zuMachbaren. Warum ifta hier?
weil bbb mit. ſolchen Kräften um baffelbe find.
Warum find aber bbb auf diefer Stelle ? weil
ccc biefelbe umgeben. Frage ich aber nach dem
Grunde Des Ortes von scc, fo. muß ich mich wei⸗
0
N
592 "vu Abhandlung.
ter auf d dd beziehen. Was folge daraus? €
weder müßte die Abhängigkeit der natürlichen '
fahen von a ins Unenbliche gefchoben werd
welches in der That fo viel hieße, als gar fi
natürliche Grundurfache geben ; oder es muß
ne erite unendliche Kraft feyn, von welcher ı
natürliche Kräfte und deren Wirkungen
bängen.
Es wird vergeblich, feyn, daß man ſich
Welt felbft als einen wirklich unendlichen vol
Raum, und die Natur als eine unendliche Kr
darinn, vorftellen wollte. Es ift unleugbar, t
die Theile der Welt, als Firfterne, Planeten, v
alle leblofe und lebendige Körper, Die wir vor 2
gen haben, eingefchränfee , endliche Dinge u
zählbar find. ine Zahl aber von endlichen D
gen, die wirflich find, kann nicht unendlich ſer
und folglich Fein unenbliches Ganzes ausmadhe
weil noch immer eine größere Zahl, als die wirt
che, gedacht werden Fan, Gefegt, daß aud)
Zahl der wirklichen Dinge alles Mögliche befaffe
fo muß boch die Zahl endlicher möglichen Din
erfchöpflich, eingefchränft, und endlic) feyn. U
Fönnen uns bavon bald überführen, wenn wir I
verfchiedene Möglichkeit der Dinge, deren Beltü
mung und Cigenfchaft wir fennen, von ber ob
ften Stufe bis zur unterften durchgehen. We
alfo in ber Welt auch alle mögliche Dinge wirkl
wären, fo würde doch ihre Anzahl beſtimmt w
endlich ſern. Wie Fann alfo die Wele, als ei
beftimmte Anzahl von lauter endlichen moͤglich
Dingen und Naturfräften, ein unendliches Gan;
\ au
Bon ber Höttlichen
“usmachen? Und die von ei
—— Kräfte der aur endlich Zunft ab in
DR, wem nicht eine unendliche Krafı auſſer der
2 wedurch ſi he Dafeyn Gaben
und
Vorſehung. 593
jeder n, alle
QUEEnde Keäfse ber a Benin
Mlicßen &ig in den Allereinften ten
fen daben, und niche erſt durch die Zuſam.
kung entfteßen, noch mie derſelben aufa
‚oder ſich verändern, Senn jedeg dien
Alpe fein Frl —— Bun
[d ſam
&
594 VII Abhandlung,
ar ee: focben in fich u
bie Zuſammen
Bel ——ã— —**— fo wenig eim
entfiehen, als aus ber Zuſammen
Nullen eine Zahl werden fann *. Wie al
ſich klar ift, daß die Kräfte der Heinften u
. baren Ueftoffe eingefchränfet find: fo erhell
Schraul
— —
ober Ghufen — ————
—— ſie gr ‚als er Kräfte,
nem fteten ‘Bemühen zur Beränderung ef
fo müßte auch diefe Weränberung ihre Grab
Stufen berreffen, Bas ift , bie Kräfte müßt:
jeder wirklichen Veränderung flärfer oder |
cher, vollfommener oder unvollfommener w
wie wir an unferer Seele wahrnehmen. 9
koͤmmt es denn, daß diefes Bemühen unven
und in gleicher Maaße fortbauret ? daß es
aufhöret, noch zu. oder abnimmt ? In der |
felbft ift diefes nicht gegründet. Eine ai
eingefchränfte Kraft kann ermüden und er|
werben: fie fann aber auch durch *
Ausübung ſtufenweiſe zunehmen. Ich glari
nicht, Laß man eine vernünftige Urſache geben
warum die eingefchränften Nlaturfräfte der
Besen manderle Ginberife Demi Hal
gegen m ey
zwiſchen nicht abgenommen haben und “r
8 Diefed iſt bereits ia.de VI
Ä msn N Vader *
lin: g28 u fsey
28 ——
— Fi
di: HR 1
An ie alt
,383
yet —
— En
s% #
— A 35 fl
6. VII Abhandlung.
auf eilf Loth gehen: fo folgete, daß in dem ganzen
"Mögen mehr ale fünfhundert und acht und
tauſend Eyer enthalten waren. Wir wollen
die übrigen, und felbft noch die acht und zwanzig
taufend Eye für bas Gewicht der Haut abrechnen,
welche den Bündel bekleidet: fo find body gewiß
fünf mal hundert taufend Eyer in dem Roͤgen eines
einzigen folchen Fifches befchloffen. Ein jedes Ey
hen enthält ſchon feinen ganz zart gebildeten Fiſch,
der in der Eyhaut ganz — eingepackt flegt.
Alle Eyer find ordentlich an die Zwiſchenwaͤnde bes
Roͤgens zu benben Seiten angeheftet; und ſie wer⸗
den überhaupt von ber gemeinfchaftlichen aͤuſſeren
Haut befchloffen , durch weiche eine große Aber
läuft, die ihre Aefte nach jeder Zwiſchenwand, umd
von da wieder fünf hundert tauſend kleinere Aeſte
nad) allen den Eyern ſchicket; wodurch ein jedes Ey
feine Nahrung und fein Wachsthum empfängt.
Diefe Bemerfung zeiget ung, daß die Samen⸗
eyer nicht aufler den Thieren fchon zerftreuer in ber
Welt da gewefen, und etwa durch den Nahrungs
faft einzeln zu ihrem Behältniffe geführee find, ſon⸗
: dern, daß fie ale mit einander, nebit ihren Haͤuten
und Gefäßen, als ein zufammenhangendes Gewebe,
auf einmal, und aus einer Materie, in dem Thiere
felbjt entworfen und gebildet worden. Es läßt ſich
aber auch feine innere Präformation gedenken;
als ob alle Samen ber künftigen Geburten ſchon in
ben Samen der erften Thiere eingepadfe geweſen
wären. ‘Denn fo müßten wir, wider alle Ber:
nunft, unendlich Pleine wirkliche e ‚annehmen:
weil ein jedes Ey weniaftens eine malfii
ner
TE ud —
|
N
Von der güttichen Vorſehung. 597
e — und die zweyte Ordnung
Sher, welche ſchon in dieſem Eye ſtecken ſolltem
Million mal kleiner ſeyn müßte, als
erſte Ey, und eine Bimillion kleiner, als bie
he 7. Was wird denn aus der britten,
M, endſten Ordnung, ja aus alfen fünftie
ech werden, welche ſchon, als die
Schachteln, in einander, umd alle in
et
Iten ? zu gefehw daß au
g folder Präformation oßderfpricht,, weil
und Polypen bie verlorenen Thei ·
neue gebildet werden *, Da wir
z Pr} alfo
N fern theils der zerſtreuten, theils
— — Samen von Thieren
langen, find bie einzigen, welche noch einige
heitlichkeit oder wenigſtens eine Möglichkeit
baben, und uns bloß auf die einmal in der
weislich gemachte Bildung verweifen.
andern haben noch unlängft, jene Hy⸗
le im feiner Mechanique des
„IE. p. 481. faq. dieft Here
in feinen beliebten Werken Sur
A —— nen ha er
. ehe, ich von der Praͤ⸗
ober en gänzlich abges
teil mich die Imagination
lich zw berechnen üft, Daß diefe
tr einer wirklich unendlichen Theilbarleit
eil febon in ber Generation das Sa⸗
taufend Meillionen mal Kleiner ſeyn
[8 das vollgewachſene Thier. Da nun in
' fecbstanfend Jahren von der Schöpfung an, etwa
vrry hundert Generationen vergangen find, Bier
” * ii
598. VE Abhandling.
enden gnlar —
anzunehmen gendthiget 6 fraget fich,
mechanifche oder elementarifche Kraft und Regel
bringet diefes zu wege? Wir können in dem orga⸗
nifchen Baue der fhierifchen Körper und Pflanzen
nichts weiter finden, als daß er die zum Gamen
bienliche Materie, fo zu reden, fichte, preffe, koche,
und, mie andere Säfte, die aus der w
zogen, und durch die Gefäße getrieben werben,
fammen nach einem Behälmiffe
giebt ihr benn die Bildung eines seganifihen Ki:
pers? Wollten wir in den Gefäßen, wodurch Die
Samenmaterie gepreßt wird, ein Modell anneh
men, welches ber Materie eine gewiffe “Bildung
gäbe, fo würde dadurch bächftens nur eine
Geftalt und Figur des Samens entfiehen. Wo
ber aber würden alle innere Theile des Sameneyes
fo ordentlich gebildet? Der Herr Büffon , med
her dazu ein inneres mechanifches Modell erſen⸗
J
vielmehr bey ben Fiſchen und Inſecten, faſt fo viele
Generationen zu Si wären; ald “Jahre verfloſſen
find und künftig kommen möchten: fo wuürben die
Gamenthierchen zuletzt wirkliche unendlich Heine
Theile der erften Generation werden. Eine unend-
liche Vielheit wirklicher Theile widerſpricht aber
er Wirklichkeit, da alled beilimmt feya muß.
—5* alſo weit eher die zerſtreuten Gamenthier:
den oder Samenpflänzlein von deteeminirter Or
und Proportion annehmen, weil die Hppotheſe ein
facher und an fich möglich ift, wenn mich nicht der
Augenſchein von fünfmal hundert taufend auf ein:
mal und in einem Derbande gebildeser Sameneper
der Fiſche abhielte.
ste
bemüßet wäre, fich zu feines Gleichen ga
fü
ievon,, auffer ben Lettres & un
KERN
ju werden
getreten Yun. Den Site 2
ons fur le Syfeme de ia generation de Mr.
, traduites d’une Brefage allemand« de Me:
— G. 3. 1752. p- 181. fg. —
ER
609 VII Abhandlung.
hängen, ober anzufchließen. : Allein, wer ſicht
nicht, daß nach ſolcher Bildungsregel entweder ein
einförmig gemifchter Körper berausfonnmen wärbe;
wie, bey den Salzen und Metallen geſchieht; abes
daß auch die Knochen, und alles übrige, was eine
Verſchiedenheit hat, jedes fich in einen beſondern
Kiumpen fammien, folglich nimmer ein ordentlicher
Bau eines organifchen Körpers aus verfchiebenen
durch einander geflechtenen Theilen herauskommen
würde, Was gäbe auch.dem einen Knochen bief,
dem andern jene Figur? mas bildete bie Fleiſch
musfeln bald fo, bafdanders? was fügete fie durch
Knorpel und Sehnen zuſammen? was durchfloͤcht⸗
fie mit Nerven, Drüfen, Schlag - und Blutadern?
Alles dieſes würde ohne und wider bie gefehte
Bildungsregel gefcheben. |
Kurz, was bisher zur Erklärung ber Same
bildungen angenommen worden, iſt alles bloß wil-
Führlich, unzureichend, falfch, und zum Theile fin
diſch und lächerlih. Es wird aud) nimmer, weder
in dem organifchen Baue der Mutterthiere und
Pflanzen, ein mechanifcher Orund folcher Bildung
zu finden ſeyn; noch auch ein elementarifcher inden
kleineren Urſtoffen der Samentheilchen, daß fie ſich
von felbft, nad) fo viel taufend Modellen, zuſam⸗
men fügen. Man fann einem Jeden alle —*
kraͤfte, die er nur brauchen will, Anziehung, Aus
dehnung, Zittern, Oſcillation, Gährung, Schwere,
Schmung, und was erfonft verlanget, einräumen.
Es wird doch allemal eine blinde unverftändige
Kraft feyn, in welcher für fid) allein Fein genugfa-
mer Grund enthalten fern Fann, daß fich fo viele
ver ·
Hl, Kun, u une dr
ade — ——
Karen m — daß denn alles |
— Mol nes Alk
von ber, Mothio eines J
immer mehr. entfernet. Aber, weil 8*
der kleinſten Urſtoffe, welche die erſten in
kur find, auch die erfte Zufammenfügung
Lee und. boch für fich, als blinde Hr
Grimd oder Regel zur erfien Bildung der
in ſich halten: fo liege ung darinn die
—* Abhaͤngigkeit von einem göttlichen
F cum vor Augen,
w Ps s%
4
ber auf- ddd beliehen. Bas fige daran
der natkefi
weder mäßte die A
fachen von ins Unendliche
—*
a de old bieße, als ı
natuͤrſiche Grundurſache geben ; ober es
nie erſte unendliche Kraft ſeyn, von wel
’ ngtürliche "Kräfte: und deren Wirkun
Bängen.:
0. we vergeblich ſeyn, daß ma
Mel ſelbſt als einen wirflich unenblicht
Dam, und bie Nalur als eine ımendfd
darinn, vorftellen wollte. Es iſt unleugf
die * heile der Welt, als Fixſterne, Plani
alle leblofe und (ebenbige Körper, die wir
gen haben, eingeſchraͤnkte, endliche Di
abibar fi find. Eine Zahl aber von endlich
gen, die wirflid find, Fann nicht unendl
und folglich fein unenbliches Ganzes ausı
weil noch immer eine größere Zahl, als di
che, gedacht werden kann. Gefegt, daß
Zahl der wirklichen Dinge alles Mögliche t
ſo muß doch die Zahl endlicher möglichen
erſchoͤpflich, eingeſchraͤnkt, und endlich feyn
Fönnen uns bavon bald überführen, wenn
verſchiedene Möglichkeit der Dinge, deren
mung und Eigenfchaft wir fennen, von d
ften Stufe bis zur unterften
alſo in ber Welt auch alle mögliche Din
wären, fo wuͤrde doch ihre Anzahl —*
endlich ſeyn. Wie kann alfo die Welt,
beſtimmte Anzahl von lauter endlichen m
Dingen m Reuutraſten, ein —
lin
594 VII Abhandlung.
fammenfegung mitbräcdhte, fondern in fich umnfrädf
tig märe : fo würde durch die Zufem
vieler unfräftigen Urftoffe eben fo wenig eine
entſtehen, als aus ber Zuſammenſeßung wies
Nullen eine Zahl werden kann *. Wie aber.m
fich klar ift, daß die Kräfte der Heinften mtheil
‚ baren Urftoffe eingefchränfet find: fo erhefler num
uch, daß ihre Schranken nicht Schranken ber
Ansdehnung find, fondern bloß intenfrve 3
Graden oder Stufen gedache werben ! koͤnnen. |
Wenn fie alfo, als eingefchränfte Kräfte, in 4
nem ſteten Bemühen zur Beränderung
fo müßte auch diefe Veränderung ihre Grade *
Stufen betreffen, das iſt, die Kräfte müßten bp
jeder wirflichen Veränderung flärfer oder ſchwaͤ⸗
her, vollfonımener oder unvollflommener werben,
wie wir an unferer Seele wahrnehmen. ofer
koͤmmt cs denn, daß diefes ‘Bemühen unverändert |
und in gleicher Maaße fortbauret ? daß es weber
aufhöret, noch zu: oder abnimme ? In der Natım ||
felbft ift Diefes nicht gegründee. Kine endliche
eingefchtänfte Kraft kann ermüden und erſchoͤpft ſe
werden: fie kann aber auch durch ungehinberte
Ausübung ftufenweife zuneßmen. Ich glaube
nicht, Daß man eine vernünftige Urfache gebenfann, |
warum bie eingefchränften Naturkraͤfte der Fein
ften Urftoffe, welche fich fo viel taufend Jahre |'
gegen mancherlen Sinderniffe bemuͤhet haben, is
zwiſchen nicht abgenommen baben und ſchwaͤcher
gewor⸗
2 Diefed HE bereits ausführlicher in der vi
lung $ 14-2. 469. 1a, hergerhen. m
b
°
“ ‘ “
6. VI Abhandlung.
auf eilf Loth gehen: fo folgete, daß in dem ganzen
Roͤgen mehr ale fünfhundert und acht und zwengig
tauſend Eyer enthalten waren. Wir wollen aber
die übrigen, und felbft noch die acht und zwanzig
taufend Eyer für das Gewicht ber Haut abr
welche den Bündel bekleidet: fo find boch
fünf mal hundert taufend Eyer in dem Roͤgen eines
einzigen folchen Fiſches befchloffen. Ein jedes Ey
hen enthält ſchon feinen ganz zart gebildeten Fiſch,
‘der in der Eyhaut ganz forgfältig eingepackt liegt.
Alle Eyer find ordentlich an bie Zwifchenwänbe des
Mögens zu beyden Seiten angeheftet; und ſie wer⸗
ben überhaupt von der gemeinfchaftlichen aͤuſſeren
Haut befchloffen , durch weiche eine große Aber
läuft, die ihre Aefte nach jeder Zwiſchenwand, und
von da wieder fünf hundert taufend Pleinere Aeſte
nad) allen den Eyern ſchicket; wodurch ein jedes Ey
feine Nahrung und fein Wachsthum empfang.
Diefe Bemerfung zeige ung, daß bie Samen⸗
eyer nicht auffer ben Thieren fchon zerftreuee in ber
Welt da gewefen, und etwa durch den Nahrungs⸗
faft einzeln zu ihrem Behältniffe geführee find, fon»
: bern, daß fie alle mit einander, nebft ihren Haͤuten
und Gefäßen, als ein zufammenhangendes Gewebe,
auf einmal, und aus einer Materie, in dem Thiere
felbjt entworfen und gebildet worden. Es läßt ſich
aber auch feine innere Präformation gebenfen;
als ob alle Samen der künftigen Geburten ſchon in
ben Samen der erften Thiere eingepackt gemefen
wären. ‘Denn fo müßten wir, wider alle Ber.
nunft, unendlich Pleine wirkliche Theile annehmen:
weil ein jeves Ey wenigftens sine Million mal klei⸗
ner
— — — —
Bon der ghrtlichen Vorſchung. 597
er IR, ls feine Mieter; und Die zmente Orbnung
Br wat fehon in diefem Eye ſtecken fllten,
en mal Tan ſeyn müßte, als
erfte Ey, und eine Bimitlion Meiner, als die
Mutter. Bi wird denn aus der dritten,
Ordnung, ja aus allen kuͤnſti·
werden, welche ſchon, als die
a — in einander, und alle in
5
oder wu
ch haben, — auf die ei
weislich gemachte nt, verweilen.
und ber Contemplation de la Nature,
r de
a. aan 2 Es
vo Ba Bashing vergangen find , oder.
u
598 = VE Abbandlang. "-
elfo in jebem Jahre eine —— ber Eu
— genoͤthiget find: fo fraget fich, w -
Ä fche oder elementarifche Kraft mb 9
— Ne a wege? Wir koͤnnen indem «
niſchen Baue ber thierifchen Körper und
nichts weiter finden, als daß er bie zum
bienliche Materie, fo zu reden, fichte, preffe, €
und, wie andere Säfte, die aus ber
en, und durch die Gefäße getrieben *
mmen nach einem Behälmiffe führe
giebt ihr denn bie ie Bildung eines *
pers? Wollten wir in ben. Gefäßen, wedur
Samenmaterie geprefit wird, ein Mebeil-a
men, welches der Materie eine gewiſſe BAR
gäbe, fo würde dadurch hoͤchſtens nur eine &ı
Geſtalt und Figur des Samens en
ber aber würden alle innere Theile des
fo ordentlich gebildet? Der Herr Büffon,
cher dazu ein inneres mechanifches Modell ‘
Generationen ju Kacn wäre ne
erationen zu ſetzen wären;
find und künftig kommen möchten: fo wuͤrde
Samentbiercben — wirkliche unendlich |
Theile der erſten Generation werden. Eine u
liche Vielheit wirklicher Theile widerfpriche
der Wirklichkeit, da alles beſtimmt feya muß,
würde alfo weit eher die zerſtreuten Samen
eben oder Samenpflänzlein von deteeminixter €
und Proportion anne men, weil bie Hyporhefl
farber und an fich möglich iſt, wenn wich nid
nu un von fünfmal hundert tauſend au
mal und in einem Verbande gebildeter Same
der Fiſche abhielte.
Bon der gottlichen Vorſchung. 399
Ban vn in Theilen der Samenma ⸗
ordentliche Bildung eindrücen koͤnne,
ee) an
vielmehr mas —
Modell eines zu Körpers kann im
—— ei Aufferlich oder inn
in —— ———
den ganzen Kaum
— 8—
1 Ih enbere gaben in der Materie, mans
der Tiere und Pflanzen gebildet wer»
under
„und fi) in gewifer Ochnung daran zu
. Pp4 hüngen,
Do
3,
5
#7
—
609 VII Abhandlung.
haͤngen, ober anzufchließen. . Allein, wer fiebe
nicht, daß nach foldyer Bilbungsregel entweder ein
einförmig gemifchter Körper berausfonnmen wuͤrbe
wie, ben den Salzen und Metallen geſchieht; oder
daß aud) die Knochen, und alles übrige, mas eins
Verfejiedenpeit hat, jedes ſich in einen befonben
Klumpen fammien, folglich nimmer ein orbentliche
Bau eines organifchen Körpers aus verſchiedencn
durch einander geflochtenen Iheilen herauskommen
würde. Was gäbe auch dem einen Knochen biefe,
dem andern jene Figur? mas bildete bie Fleiſch⸗
musfeln bald fo, bald anders 7 was fügete fie durch
Knorpel und Sehnen zufammen? was burchflöchte
fie mit Nerven, Drüfen, Schlag - und Blutadern?
Alles dieſes wuͤrde ohne und mwiber die geſetzte
Bildungsregel gefcheben.
Kurz, mas bisher zur Erklärung ber Samen
bildungen angenommen worden, ift alles bloß wiß
führlich, unzureichend, falfch, und zum Theile fin«
Difch und lächerlih. Es wird aud) nimmer, weder
in dem organifchen Baue der Mutterthiere und
Pflanzen, ein mechanifcher Orund folcher Bildung
zu finden ſeyn; noch auch ein elementarifcher inden
kleineren Urftoffen der Samentheilchen, daß fie ſich
von felbft, nach fo viel taufend Modellen, zufams
men fügen. Man fann einem Jeden alle Matuw
kraͤfte, die er nur brauchen will, Anziehung, Aus
Dehnung, Zittern, Ofcillation, Gährung, Schwere,
mung, und was er fonft verlanget, einräumen.
Es mird doch allemal eine blinde unverftänbige
Kraft ſeyn, in welcher für fid) allein kein genugfa-
mer Grund enthalten ſeyn kann, daß ſich fo viele
ver⸗
Bon der göttlichen Borfehung. 60
hiebene Theilchen, fo zu reden, unter einander
tehen, und ohne alles äufferliche oder innere
erielle Modell, und wider die Aehnlichkeit ih⸗
Natur, bloß nach Abſicht, Gebrauch. und Plus
eines jeden Thieres und einer jeden Pflanze,
mtlich zufammen fügen. Gewiß, nichts Fann
ſtlicher, verftänbiger, göttlicher feyn, alg dieſe
ner fortwährende neue Bildung fo vieler Millis
ı Thiere und Pflanzen; und wir werden durch
klaren Augenfchein genöthiget, eine höhere
ift eines verftänbigen Weſens zu erfennen, durch
m Einfluß die blinden Kräfte der Lrftoffe,
chſam als die Stralen durch den Spiegel, eine
btung zur Entwerfung fo vieler fünftlichen Bil⸗
gen empfangen. Was oben wider das Ent
en der Thiere durch ein blindes Ungefähr gefage
ben, gilt aud) bey ihrer Fortpflanzung durch
be Naturkraͤfte. Man Fann fich ja endlich
l vorſtellen, wenn erft die Urftoffe in ihrer
ten Zufammenfügung find, daß denn alles für
feinen orbentlihen Gang nimmt, und fi, fo
eden, von ber Nothwendigkeit eines höheren
fluſſes immer mehr entfernet. Aber, weil die
ifte der kleinſten Urftoffe, welche die erften in
Natur find, auch bie erfte Zufammenfügung
m follen, und doch für fih, als blinde Kräfte,
en Grund oder Kegel zur erften Bildung der
men in fich halten: fo liege ung bdarinn bie
wendige Abhängigkeit won einem göttlichen
fluſſe Elärlich vor Augen.
Pp5 59.
608 VUN Abhandlung,
Es iſt demnach auch finnlid offenbar, deß
Sottes alimaͤchtige Wirkung in die Welt nicht mit
der. Schöpfung ganz aufgehöret habe, fondern fh,
wie fein Wiffen und Wollen, über die ganze Dauer
ef das on de ebenigen au äig Güm
au der Sebenl au
führe. Und biefes it e6, was wir eine
Vorſehung nennen. Wir haben fie aber
als eine allgemeine, fondern aud) als eine befünbes
befonders in feine Erwägung und Vorſorge genom ·
men habe. Mein : in folhem Verſtande wuͤrde
alle Borfehung, ſowohl über lebendige als lebloſe
Gefchöpfe, eine befondere Vorſehung zu nennen
ſeyn, weil feine Weisheit alle und jebe, auch die
allerfleinften Theile und Begebenpeiten in der ‘Welt,
in aller Folge der Zeit, aufs deutlichſte betrachtet
dat. Wir Menſchen aber nennen bie göttlie
che Vorſehung für uns eine befondere Vocſe ⸗
En fo ferne fie eine ausnehmende Güte für um
Wohl enthält,
Der Begriff Hat feinen guten Grund. Denn
wenn es wahr ift, daß wir ausnehmenbe Worzüge
in unferm Weſen und Naturfräften zu einer höher
ren Gluͤckſeligkeit von Gott befonnmen haben; und
daß wir allein auf dieſem Erdboden, durch die
dabig·
Bon der göttlichen Vorſehung. 603
igkeit, unfern Schöpfer zu erfennen und zu ver.
, in’ eine Gemeinfchaft und Werbindung mit
ı gefeßt find, mie ich oben ausführlich gezeigt
e: fo muß aud die Abfiche auf unfer Wohl,
folglich feine Güte für uns, bey diefer Vorſe⸗
g ausnehmend, und in foldhem Verſtande be»
yer feyn; und ein jeder einzelner Menſch kann
ı muß fich diefe befondere Vorſehung Gottes zu
ee Beruhigung jueignen.
Er wird nun die allgemeine Einrichtung ber
de, die Naturkräfte und beren Regeln, ben
oben und befien Bequemlichfeiten, als Dinge
eben, bie nach nöttlicher Abficht auch ihm bes
bers zu Gute fommen follen:: da die ewige
rſehung auch auf ihn gedacht, und ihm in Dies
; prächtigen Gebäude für die Jebendigen auch
ı Dafeyn und Leben zu feinem- Wohl beſtimmet
3 ba auch für ihn die ganze Natur gefchäfftig
ımuß, und, mo nicht in allen Stücken koͤrper⸗
hilft, dennoch allenthalben zu einem Lehrbuche
set, feinen Schöpfer und deffen Bollfommenpeiten
refennen, und daran ein vernünftiges Vergnügen
yaben. Er wird nun das Gute, was er am Leibe
> Gemüthe, an Gefundheit, Bildung, Kräfs
‚ Sinnen, Verftande, Wiße, Gedaͤchtniſſe be⸗
, nicht unempfindlich genießen, als Dinge,
ee etwa bloß einer blinden Naturkraft zufchreie
ı dürfte, fondern er wird fie als Gaben anfehen,
ihm von dem: meifen Schöpfer und Geber alles
ten zu einer vorzüglichen Gluͤckſeligkeit beſchie⸗
ı find; und wird um fo viel mehr von dankba⸗
Empfindung, und von Eifer zue Erfüllung
göttlie
604 vn Abhandlung.
aöttlicher Abfichten, gerühret werben. Wenn er
fich durch fein eigen Betragen eine Vollkommen⸗
heit ober äufferlichen Wohlftand erworben : fo ver«
gißt er nicht, daß ihm Gott dazu nicht allein bie
Kräfte unb Gelegenheit gegeben, fondern auch bie
Regeln bes Verftandes und Willens eingepräget,
welche ihn auf den Weg der Wahrheit und Gluͤck
ſeligkeit gebracht; und wird burch die innere Suͤſ
figeit, welche in dem Erfenntniffe und der Tugend
gelegt ift, und durch die dußeren Belohnungen,
Die Der Lirheber ber Natur mit folchen Handlungen
verknuͤpft hat, deſto williger, den meifen’ Vor⸗
fhriften und Abfichten feines Schöpfers zu folgen.
Wiederfaͤhrt ihm ohne fein Zuthun etwas Gutes:
fo erfreuet es ihn deſto mehr, weil er es nicht einem
ungefähren Zufalle und blinden Gluͤcke benmißt,
fondern verfihere iſt, daß es ihm von dem
großen Negenten der Welt, als ein außerordent⸗
lid) Gnadengeſchenk, wiſſentlich, durd) die weife
Verknuͤpfung der Dinge befchieden ſey. Er bes
benfet oft, mit wie vielem Böfen er von Gott ver»
fchonet worden, dem er theils nad) feinem Weſen
in ber Welt unterworfen war, £heils auch fich felbit
bloß geftellet hatte, fo, daß es ihm ſchon über dem
Kopfe ſchwebete. Er achterfleißig auf die göttliche
Führung, wie ihm diefes und jenes vermennte
Gluͤck nur würde gefchadet haben, und wie ihm
hingegen mandyer Mangel und manches Böfe zum
Mirtel feiner Wohlfahrt gedenen muͤſſen. Er
überlaße demnach alle feine Begierden und $eiden«
ſchaften in Gelaſſenheit einer fo gätigen Vorſorge,
nad) welcher ihm nichts chne den weifeften Rath
wicdere
Von der göttlichen Vorſehung. | 605 |
eberfahren kann, fondern alles zum Beſten dies
n muß. Er genießt des Maaßes vom zeitlichen
Idee, das ihm beſtimmet ift, in Zufriedenheit
d bankbarer Freude. Das Zufünftige, mas er
"er vorausfehen noch ändern kann, überläßt er
m großen Megierer der Welt unbeforgt s hoffet
iterdeſſen bas Beſte, ift aber auch bereit, die
nfälle, welche die Schwachheit feiner Natur und
in Stand in der Welt, nach der allgemeinen
erknipfung der Dinge; mit fich bringen möchte,
groft und ſtandhaft zu übernehmen. : Ev ift vers
hert, daß ihm alles, nach dem Rathe der Vor⸗
bung, zum Beſten gebeyen müffe; und er be
achtet felbft Die Wideriwärtigfeiten, Krankheiten
W Schwachheiten des Alters, als Wohlthaten,
ebche ihm bie Luſt dieſes finnlichen Lebens nach und
sch benehmen, und fein Verlangen nach einer rei-
sen und dauerhafteren Gluͤckſeligkeit erwecken
llen; iſt auch gaͤnzlich uͤberfuͤhret, daß Gott ihm
ine ſolche Natur gegeben haben wuͤrde, nach de⸗
n Regeln er eine Vorſtellung und ein Verlangen
sch. einer zukünftigen befferen Gluͤckſeligkeit haben
uß, wenn er ihn nicht nad) feiner gütigen Dorfes
mg bazu beſtimmet hatte.
6 10
Dieſe Verfaſſung des Gemüthes ift one Zwei⸗
[ die einzige, welche unfere Begierden in Ord⸗
ang beingen, und uns bey allen Begebenheiten
ı der Welt getroft, zufrieden und vergnügt ma⸗
en kann: fie ift aud) die einzige, welche in unſe⸗
r Marur, in der Verknüpfung der Dinge, und
N
⸗
606 VIII Abhandlung '
in den göttlichen Vollkommenheiten und Abf
Grund hat. . Da fie num befonders aus ber I
führung von Sortes gnädiger Borfehung enefpi
fo müffen diejenigen eine fehr verkehrte Worfti
davon haben, denen die göttliche Vorſehung
Anftoße und Fallſtricke gedeyet, daß fie daruͤl
Verwirrung, Unruhe, Misvergnügen und
zweifelung gerathen. Sie machen ſich naͤ
nach ihrem Unverſtande und ihren Luͤſten, ein
und eine Regel, wie die göttliche Vorſehun
fhaffen ſeyn und verfahren müßte, wie die
ausfehen, und wie fie regiert werben follte.
ba es nicht allmege fo ift und geht, wie |
wollten : fo Fönnen fie nun gar feine Worfel
feine Weisheit, Abfiche oder Güte, ja E
Gore mehr in der Welt fehen. Alles ift ihner
kehrt, unordentlich, wibrig. Sie berauſche
zwar zum Theil in den gegenwärtigen Luͤſten,
fie ihren Verdruß und ihre Verzweifelung übe
ben mögen. Dennoch duͤnket ihnen das geben
überriegender Unluft,und die Welt mit lauter
angefüllt zu feyn. Sie find nad) ihren Gede
durch ein bloßes Ungefähr, oder durch eine b
Mothwendigfeit, durch eine leblofe Natur, di
ſelbſt nicht kennet, in folche Welt hinein gewo
und taͤglich gleichſam allen Fluthen, Klippen
Stürmen einer wilden Ece, ohne einen St
mann zu haben, bloß gefteller ; und in t
eroft: und hoffnungslofen Ungemißheit ihres E:
fales, eilen fie dem Tode, als dem gaͤnzl
Ende ihres Seyns, mit Furcht und Zittern
gegen,
n der göttlichen Vorſehung. 607
Grund biefer ungfückfeligen Gemuͤthsver⸗
egt in verfchiebenen Irrthuͤmern von der
ig; obwohl auch ein verfehrter Wille daran
haben ſcheint.
ie mennen, wenn eine Vorſehung märe,
: gar feine Unvollkommenheit und Fein
der Welt fenn: gleich als ob eingefchränfe
, woraus bie Welt befteht, gänzlich voll»
. und von Mangel und Boͤſem ftey ſeyn
zie unterwinden ſich, über bie Unvollkom⸗
ı und das Boͤſe in der Wele Richter zu
eich als ob ein Menfch die Verbindung
reinftimmung aller Dinge überfehen Finn.
nicht oft, nach feinem engen Erkenntniſſe,
was zur Vollkommenheit des Ganzen ge
ie fegen fich zum Mittelpunfte der gan⸗
r, und mollen, daß alles allein für fie,
‚, ihrem Wunfche, gefchaffen feyn follte ;
ob die Welt nicht eben darum vollkom⸗
ire, da fie für alle mögliche Lebendige ein-
iſt; und als ob eine foldhe Welt ihnen
t vortheilhafter wäre, als biejenige , wel.
va für fich allein, nach ihrem Sinne, bauen
Sie fordern von ber görelichen Vorſehung
te und heitere Tage in der Welt; da doch
en und nemifchten ihnen fchon fo gut find,
efelben nicht ertragen können.
Sie wollen das Böfe,gegen alle Natur und
fung der Dinge, von ſich abgewandt En
’
608 VII Abhandlung. Bon der x.
fen; und fordern eine Vorſehung, die ſtets Wun⸗
der für fie thun fol, un und bie über die Tugendhaften
nichts als Gutes, über bie Laſterhaften nichts als
Boͤſes verhängere : ba doch durch fiete Wunder,
ſtatt Eines Boͤſen, taufenbfältiges würde einge:
führet werben ; nun hergegen felbft Bas Boͤſe zum
Mittel des Guten angewandt iſt.
6. Sie ſchraͤnken die Vorſehung auf dieſes Is«
ben ein, und ſchneiden ſich ſelbſt alle ——
einem künftigen ab : ba doch diefes die vornehmfle
Abficht der göttlichen Borfehung über die Menſchen,
und der Präftigfte Troft aus derfelben ift, daß fie |
unfere Gedanken und Begierden auf eine dauerhaf⸗
sere und höhere Gluͤckſeligkeit richtet.
Allein, die genauere Beantwortung dieſer Zwei⸗
fel erfordert eine befonbere Abhandlung, worinn
ich fie nach einander durchgehen und beantworten :
werde *°,
Der erfte Irrthum iſt in der folgenden IX 96 *
a Ra SA ——
dritte 67 — 10. ber vierte 611. 12. der fünfte
ae der fechfte F 20. und in ber X M⸗
dlung.
— —— — —
I
2 9 609
Die neunte Abhandlung.
zorinn die Nichtigkeit der Zweifel ger
gen die göttliche Zrſebung gezeiget
wird. u
$
aſſet uns bie irrigen Borftelungen ‚ welche ges
’ gen bie görtliche Dorfen Zweifel erregen,
ch einander durchgehen. Der erſte Einwurf ift
z alt: Wenn ein Gott, wenn eine Borfehung
, woher koͤmmt denn bie Unvollkommenheit und
5 Böfe in der er a Er feget eines Theils gang
be zum ‚ daB aus Gottes Wefen und.
genfihaften af en an fh nichts Unvellfommenes oder
des, fondern lauter Gutes, herzuleiten fen; und
6 iſt genug zu Goftes Rechtfertigung. Aber an«
m Theils fehlet er darinn feht, daß er das Weſen
d die Natur bes Gefchöpfes gar nicht in Be—
ichtung ziehe, was diefelben leiden ober in fich
ließen. Beydes muß gegen einander gehalten
zden, wenn man urtheilen will, wie viel Boll
mmenpeit der unendliche Schöpfer den endlichen
ingen auffer ſich hat mittheilen fönnen,
Wir würden ja eben fo verfahren, wenn mie
6 vwerftänbigften und beften Künftlers MWerf in
yon und Erbe unterfuchgn wollten: daß wir nicht
ein aus der Vollkommenheit des Berftandes und
e Wiflenfchaft bes Künftlers , wie auch aus ſei⸗
m guten Willen und Abſicht immer fortfchlöfl
e das Wert beſchafen 9 müßte; ſondern Er
610 IX Abh. Nichtigkeit der Zweifel
bie Natur des Thons mit in Erwägung ge
was, vermöge berfelben, möglich fey.
wir den vollfommenften Regenten als ben Stil
einer gewiffen Republik betrachten :, fo werben ı
uns ja nicht, aus bem einzigen Begriffe bes 8
genten felbft, eine platonifche Republik in elyſiſch
Feldern vorftellen; fondern aud) die fage und J
tur des Landes, die Fähigfeie, Eigenfchaft u
Neigung des Volkes, mit in Betrachtung nehme
um zu fehen, was der vollfommenften Weisheit ein
Regenten, bey einem folhen Volke, in einem folch
Sande, anzuordnen gemäß wäre. Warum betrach
mandenn Bott nicht auch als den herrlichiten Wer
meifter, aber in zerbrechlichen Gefäßen ? als den w
-feften Regenten, aber über endliche Gefchöpfe?
bliebe dem hoͤchſten Wefen feine Ehre, bey all
Unvollkommenheit der Natur.
Es ift der Vernunft entgegen, daß man bi
Verhaͤltniß zweyer Dinge gegen einander nicht na
bender Natur und Wefen betrachtet; und mc
muß auf foldhe Art nothwendig in mancherley W
derfpruch verwickelt werden. Go find denn eini
Menfchen dahin verfallen, daß fie wegen der Uı
vollfommenheit und des Böfen in der Wele, fer
Vorſehung, Feine Schöpfung, feinen Gore erfa
nen wollen: fondern die Welt und Natur für da
erfte felbftändige Wefen gehalten haben. Welch
Thorheit! Sie konnten nicht begreifen, daß ei
Merk des erften felbftändigen Weſens irgend ein
Unvollfommenpheit oder Boͤſes an ſich Haben koͤm
te; und nun Pönnen fie begreifen, daß das erfl
ſelbſtaͤndige Weſen ſelbſt, nämlich, bie har
Wegen‘ die: göttliche Vorſchung · 6m
elche fie fie dafte Balken, alle dieſe Umnvellkoumen⸗
und dieſes Boͤſe unter feinen wefentfichen Ei
in fich faſſet ?
"Andere haben aus ber Welt ein Wert —
von zweyen felbftändigen, nochwendigen, ew··
fl, aber ganz widrigen Wefen, einem guten und
em entftanden; fo daß daher Gutes und
28 in der Welt unter einander gemiſcht wäre.
Ber auch, dadurch wird die Unvollfommenpeit unb
X öfe von ber Melt in den Werkmeiſter ſelbſt
eferer, und noch dazu die Volllommenheit des be-·
nlBefens eingefchränfet und abhängig gemachet.
in denn ein nothwendiges, unendliche
ʒwiefach und verfehieden fepn? wie fönnen
einen —— — — ‚ Wien 1
he haben, da doch das eine nicht Denfer,
ann, wie das andere? Ihre "Sinfhe und
Haufen wider einander: das eine will das,
hate, das Andere bas Böfe: das eine hat fo we⸗
als das andere, feinen Willen gänzlich
zu bringen, Sie werden dennoch bey
—— Willen entweder eins, ein jedes das
em Werke benzutragen; ober das Eine
' Boch nicht Kindern, dafi dasjenige, was es
, von dem Andern verdorben
(he Begriffe! wie haben die —X
feon konnen/ dergleichen Gemenge in
fen zu beherbergen? ober wie hat &
Mann neuerer Zeit feinen Witz vers
mögen, diefer Mepnung eine Farbe zu
— 2g3 98
612 IX MH. Nichtigkeit der Zweifel
. ‘® |
Es gereichet dem ‚Herrn von Leibnig
unfterblichen Ruhme, daß er diefen Nebel, de
Denfchen fo lange auf die gefäßrlichften Ser
verleitet hatte, durch ein neues Sicht vertri
und einen richtigen Mittelweg geröiefen hat,
tms bey aller unferer Unvolllommenheit deuno
dem vollfommenften Weſen führer.
, Ein unendlidher Verſtand eines felbftäm
Weſens konnte fich nichts auffer ſich als md
vorftellen, ohne nur eingefchränfte, veränber
abhängige Dinge. Denn wenn ihnen nicht
Vollkommenheit mangeln follte; wenn fie
mwefentliche Schranfen, unveränberlich, una
gig, nothwendig, felbitändig , ewig ſeyn fol
wie fönnten fie denn als folche gedacht werben,
bloß durch Gott, als das erfte Wefen, ihre 2
lichkeit erhalten müßten? Wenn alfo nichts a
Gott als eingefchränfte Dinge zu denfen wareı
fonnte aud) bloß die verſchiedene Möglichkeit
Schranken eines jeden Dinges befonderes U
beftimmen; nicht anders, als es ſich in den 9
ren verhält, davon fo viele, verfchiedener Art
Weſens, möglich find, als die Einſchraͤnkun
nes Raumes Verſchiedenheit leidet.
. Aber eben darum, weil ein jedes auffer ı
mögliches Ding feine eigene weſentliche Schra
der Vollkommenheit haben mußte, und ohne
ſelben eben fo menig das ſeyn fonnte, mas ei
als ein Dreyeck ein Dreyer fern, und doch dh
genfchaften eines Zirkeie. haben kann: fe f
- " 9
oner du ohetliche Wörfefang.: - 3
ich, Daß atwas auffer jedes Dinges Cchramfen
ne nn Se
Me ne j
ur
u
ul
Fönnte, fo 8 Nee ihi für
wiſchen Menſchen und Thleren hal ⸗
wenn wir Engelverſtand haͤtten, fo wuͤr ·
uſhoren, Menſchen zu ſeyn. Jedem find
ſo weſentlich als den Figuren. Ein
E Fann nicht ohne Mangel der vierten Seite
vierten Winfels, und alfo nicht — ein
gedacht werden. Und ein Vieredk ift nicht
fonnte Gottes Verftand a
eingefchränfte Die en ohne Mangel
anbern ‚ober mehreren Vollkommenheit ge
A
Hi
ss
Biefer wefentliche Mangel einer anderen
m
|
J
3
HIHHET
*
, ber vieles
Ä ifte undeutlich
dem Maaße feiner Schranken, mehr
. ger, der Unmiffenheit, Wermirrung , un
Irrthume unterworfen. Daher fönnen |
Mängel auch in der Worftellung des Gut
Boͤſen äuffern, und bas Boͤſe ſtatt des Gu
waͤhlet, das Gute als ein Boͤſes verworfi
den. Es iſt alſo offenbar, daß eine Welt v
‚ter eingeſchraͤnkten Dingen ohne. Moͤglichk
natürlichen. und fittlihen Boͤſen nicht zu gı
ſey; und daß befonders die Gluͤckſeligkeit dei
digen nicht höher, dauerhafter und: reim
Sonnte, als jebes eingefchränfte Weſen kitt⸗
$ 3.0.2008
Was follte nun die vollfommenfte
Vorfehung hun? Sollte Gott. nach
ber gar feine Welt (chaffen, Damit nicht el
Boͤſes zur Mirklichkeit käme? Das hieße
gen des Mangels einer Vollkommenheie,
i
*
>
.me
F
m ——
Ion “
"ra Di he Merk viʒ
ꝓwege⸗des yafälligen Boſen, auch bas mer.
Öxte. 2* ‚wegen. det —88
| 22 Des Sehens und ber Luſt, gar uier
| Sehen if gönnen. - |
u Marbe man den Fuͤrſten fix weiſe, guͤtig und
‚Kofen Weite
mien⸗
—2———— ber . besmes
‚nicht: bepölfenteg: und: feine Stäbte,
Miabe fein "Sand mit $eben, Nahrung, Veberflufe,
in· Konſten, Wiſſenſchaften und guten Sitten,
ÜnSuf; SBergnügen und Glüdftigteit dergeftalt
— daß aller Mangel und Kummer babey
— nad. da ein aß einiger Faulen.wab Bose
n.gegen ber. übrigen
. Staats Wohlfahrt für
20 Denn ber gättihen Weicheit un
HB yunefen, bie Schöpfung ſo *
516 TX M65. Richtigkeit der Zweifel
ſich faffet , begreift alle Innere Vollkommenheit
Luft und Glücfeligfeit, die möglich ift, und ale
Damit übereinfiimmende äuffere Boll
und Schönheit; fo, daB darinn ftets alle Stufen
des VBergnügens, nad) allen | Arten bes
$ebens, durch Sinne, Triche, ng, Nah⸗
rung, Fortpflanzung, Werftand, Big, Cinfuht,
LUebe, und alle: höhere Kräfte genoffen werden.
Diefe alfo wirklich) zu machen, und allem, was eb
ner Luſt fähig war, Leben und Gi nach
feiner "Art zu gönnen, das iſt ber große Zweck des
Schöpfers geweſen. |
Hiernach ift der ganze Bau der Welt aufs
toeifefte eingerichtet; und die Natur der lebloſes
Dinge iſt ftets für das Wohl der Sebendigen, ofmt
unfer Denfen und Zuthun, arbeitfam. Die me
&anifchen Regeln, wornach fomohl in ben großen
Weltförpern, als auf unferm Erbboden, alle ſicht⸗
bare Begebenheiten erzeuget werden, flimmen an
fich mit diefer Abficht unverbefferlich überein. Die
Cörperlichen Werkzeuge der Lebendigen, zum fehen;
bören, riechen, fchmeden, fühlen, zum bewegen,
nöhren, zeugen, fprechen, find mit wunderbarer
Kunft zum Genuffe der $uft gebildet. Die inneren
Kräfte der Seele, die anerfcdyaffenen Ferrigfeiten
und Künite der Thiere, bie eingepflanzten Megefn,
wornach fich unfere Vorftellung, Einbilbungsfraft,
Erinnerung, unfer Bewußtſeyn, unferBerftand und
Wille richtet, zielen alle gerades Weges auf dA
Erlangung einer jedes Natur gemäßen Gtlädfelige
keit. Was alfo von biefem Ziele in der Welt abs
weicht, das koͤmmt nicht von dem, was Gert
zur
"gegen bie göttliche Vorſehung. 617
w Wirklichkeit gebracht hat ımb erhält, (denn
as ift alles untadelich , gut und vollfommen)
mbern von den weſentlichen Schranfen der Dinge,
as ift, von bem Mangel foldyer Vollkommenheit,
ie das Wefen der Dinge nicht litte. Es ift nicht
be ordentliche Wirkung der Kräfte und ihrer Re⸗
ein, noch bie gerade Abficht Gottes, fondern eine
fällige Begebenheit, welche ein Zufammenlauf
er natuͤrlichen Kräfte und Regeln, wegen der we⸗
utlichen Schwäche endlicher Dinge, veranlaffet.
einer folhen Welt muß dennoch das Gute
x glich herrſchen, weil es in der ganzen
Hinrichtung und Natur, fo ferne fie in einer Wirk-
keit beſteht, gegrünber if. Das Boͤſe muß
Ife weit uͤberwogen werben, meil es nicht weiteren
jeund hat, als in denen Fällen, weiche die Schran»
m ber Dinge, oder eine Abweſenheit mehrerer
iirklichen Vollkommenheit, veranlaffen. ya,
Soft das Böfe muß fid) zum Gurten Ienfen, und
im Mittel der Vollkommenheit des Ganzen , ober
uch einzelner Dinge und ihrer Arten und Geſchlech⸗
vw, werden: weil es nur zufälliger Weife, ſelbſt
us den Regeln des Guten, entfpringt, und be
ach feine Richtung zum Guten allegeit behält,
50 war es benn auch den Megeln der hoͤchſten
Beisheit und Güte gemäß, folhe Abweichungen
sulaffen, ba fie in der Vollkommenheit des Gan⸗
m verfchwinden, und ohne Aufhebung des Guten
lcht wegbleiben fonnten, fonbern vielmehr zu beffen
Seförberung das Ihrige beptragen.
J Dgs $ 4.
v
63 IX Abh. Nichtigkeit ber Zweifel
$ 4.
Es ift aber zweytens offenbar , baß foldhe
Menfchen, welche die Schöpfung und Vorſehung
nieiftern, oft nach ihrem engen Erkenntniſſe, und
nad) ihrer furzen Einficht von der Verbindung ber
Dinge, für unvollfommen und böfe.erflären, was
in der That gut ift, und was zur Vollkommenheit
ſowohl des Ganzen, als der Gefchlechter, Arten,
und einzelner Dinge, gereihel. Daher es denn
auch gefchieht, daß fie das Boͤſe in der Welt nad
ihren irrigen Gedanken vermehren und vergrößern,
und das Mebergewicht des Guten defto weniger
einfehen.
Eines Theiles find ſehr viele Dinge in ber Welt,
deren Abſicht, Nothwendigkeit, Mugen und Les
bereinftimmung mit den andern, feines Menfchen
Verſtand überfehen kann. Es gehöret ein unenblicher
Beritand dazu, die Vollkommenheit und Unvollkom⸗
menheit der ganzen Welt, im Großen, im Klei⸗
nen, dem Raume und der Zeit nach, zu beurtheilen,
So fehr wir nun von folder Einfiche entfernet find,
fo vermeffen ift es auch, etwas für unnüße, um
vollkommen ober böfe zu erflären, bloß weil man
nicht weiß, wozu es gut fenn ſollte. Es kann in
einem niedrigen Gefichtspunfte lauter Unorbnung
zu feyn fcheinen, mas ein erhabenes Auge billiger
für Schönheiten hal. Wie? wenn ein Hund,
mit feinem an der Erde ſchwebenden Kopfe, bes
beiten Gartens Schönheit fich getrauete zu überfe
ben : würde er nicht allen£halben Mängel und 8*
hr
gegen die göttliche VBorfefung. 6is
hrtes Wefen barinn zu finden vermennen ; zu⸗
al, wen erfich einbilbete, daß der Garten bloß
r ihn angelegt feyn müßte? Würden ihm nicht
e Beeten, Stauden, Töpfe, Bildfäulen, Hecken
ıb Lauben, ja felbit die Bluhmen und Frucht
lume, allerwärts im Wege feyn, wenn er mit
nem Gatten wild herum ſchwaͤrmen mollte? un:
rdeſſen, da bes Herrn fcharfes Auge aus feinem
ltane alle Schönheit dieſer Fünftlichen und nuß«
wen Einrichtung mit dem größten Vergnügen
ıf einmal überficeht. Wie wollten wir Menfhen, .
e wir an der Erbe Fleben, von dem mahren
Berhälmniffe ber Dinge in der ganzen Welt richti»
e.urthellen?
Aus dem, was wir von der Vollkommenheit
vieler Dinge Plärlich wiffen, ſchließen wir meit
wnünftiger und billiger auf bas, mas wir nicht
iſſen, daß es gleichfalls nugbar und gut fenn
erde; als daß wir, wider bie erfannte Befchafe
nheit fo vieler Dinge, von andern, lediglich we⸗
m.unferer Unwiſſenheit, gedenken mwollten, als -
> fie unnuͤtze, unordentlih, unvollfommen und
sie fern follten. Demnach hat das Tabeln ber
Ssthöpfung und Vorſehung, auch in den befondern
ällen, wo fein Menfch die Güte der Dinge bes
eifen kann, ben gerechten Vorwurf des Unver⸗
andes gegen ſich ·
Wie viele aber haben nicht ſchon ihre thörichte
ebereilung im Tadel der Natur verrathen, da fie
lanches aus bloßer Unmiffenheit für unnüge und
dfe erklaͤret, davon man jetzt Flärlich zeigen kann,
aß es allerdings nuͤtzlich, und, wie zur Erhaltung
dee
Wenn Lucretius, nad)
m au TREUE
der Menfchen oder Tpiere, fo. auch; zur Vollto
menheit des Erdbodens, ‚überaus
Ei
Kpicuri
darthun will, daß die Natur der Dinge nicht v
Gott fern Eitne, meil fie fo viele Fehler —
heruſt er ſich — anfangs — daß
Felſen, Wälder, Seen und Meere fo
unnüger Weife eimäpmen, ja daß zwey
des Erdbodens vor u großer Kälte und
Ind u herr prope par Fri wer,
gegen die göttliche Vorſehung. 631
nach weiſem Rathe umd Vorſehumg eingerich⸗
PA So müffen ſich die Menfchen Baader ms
ht lächerlich machen, bie fi erfühnen, ben
Rangel ihrer Einficht zum Grunde eines Tadels
Gottes zu legen. Wir wiffen heutiges
* noch genauer und geile, als die Alten,
aß der ——e— den waͤrmſten Gegenden an,
einen ehr hohen Brad der Kälte, feine
r und haben konne. Wir genießen
ie Wortheile mit fo vielen nugbaren und angenehe
nen Dingen, bie uns aus Oft-und Weſtindien,
ms Norwegen, Island, Grönland und Siberien
wgefüßret werben. Wir bewundern bemmach viel«
sehr Die weife Vorſorge Gottes für uns Menfchen,
ij er uns eben dadurch zu Herren des garen
wbobens machen wollen, ba unfere Natur fich
aller Koft und tuft in allen Gegenden gewöhnen
m; wenn hingegen bie unvermünftigen Thiere in
em Pleinen Erditriche eingefchränft find, weil
nicht allermärts ihr Zutter finden, noch alle Luft
ragen koͤnnen.
Der große Nutzen, welchen die Berge leiften,
ı auch nunmehro genugfam befannt fern *.
n außer, daß es dem Auge fo angenehm als
wig läßt, den fteten Wechſel von Bergen,
In, Tpälen, Wiefen und Feldern zu
n, fo find Die Berge mehrentheils ein beque-
ufenthalt für fo viel Menfchen und 7 die
Ki
€ Derham’s Phyfcotheolagie, III. .
IE Becrand Eilt für ler einen den unge
"une lee für le Nil, Zune ren ”
623 L Abh. Nichtigkeit der Zweifel
daſelbſt ſichere Wohnung, reine und geſunde Luft,
und reichlichen Unterhalt finden. Manche Thiere,
nuͤtzliche Gewaͤchſe und Bäume, koͤnnten gar nicht
auf dem Erdboden ſeyn, wenn nicht hohe Berge
waͤren, als auf welchen allein ihre Natur ihnen zu
leben und zu wachſen verſtattet. In dem Inneren
der Berge werben uns allerley nutzbare und koͤſtli
che Metalle, Edelgefteine, Werfftücde und Erdges
waͤchſe erzeuget. Sie geben an fich der äufferen
Erdrinde eine Feftigfeit, zumal, wo fie in einer
zuſammenhangenden Kette fortgehen; fie find que
ten Theils eine Vormauer gegen die Wurh bes
Waſſers oder der Winde: und, was bas vornehm⸗
fte ift, fo faugen fie aus dem Dunfifreife die
Feuchtigkeit an fich, daß hernach von ſolchem durch⸗
gefickerten Waffer, das aus den Bergen rinnet, alle
Quellen, Bäche und Ströme ihren Urfprung,
Schuß und Lauf über den ganzen Erdboden, zu
defien Befruchtung und Sciffbarfeit, wie auch
zum Getränke, und zu Genesmitteln der Brun⸗
nen und Bäder, nehmen. Selbſt die rauhen
Eisberge, deren Gipfel von ftetem Schnee und
Eife ftarren, find Schagfammern diefer nöthigen
Feuchtigkeit, weldye fie in haushälterifche Ver⸗
wahrung nehmen, und uns nad) und nach zum
Gebrauche, fo viel nörhig iſt, gefchmolzen zufliefe
fen laffen.
Ein Poete Fann ja wohl, aber ein Weltweiſer
müßte nicht an den Gebirgen einen Abfcheu finden,
und ſich den Erdboden, wenn er allenthalben eben
wire, gleichſam als ein Paradies verftellen.
Denn es ift aus ben jege angeführten Gründen
Ein leicht
gegen die göttliche Vorſehung. 623
t zu begreifen, daß alsbenn alle die angeregten
theile wegfallen, und Dagegen ber Erbboden
inen Sumpf und Moraft ftehender Waſſet
zandelt fenn würde, darauf wegen der ftirifen«
und fchädlichen Ausdünftungen fein Menſch
Thier dauren, noch von einem Orte zum an«
ı fommen fonnte?. Wenn man aber auch
rer Erde, wegen beftändigeer Abnahme ber
ge, eine vollfommene Ebene, auf Fünftige
en, verfündigte : fo bin ich desfalls unbeforgt.
weife Vorſehung, melche die jeßigen "Berge
Selfen, durch natürlihe Mittel, aus ber
* der See, mit allen darinn befchloffenen
fcheln, zu der jegigen Hähe erhoben, hat das
ülen des Regens und das Wühlen des Mee⸗
fo abgemefien, daß es nicht zur Berfchlämmung
Erdbodens ausfcjlagen Fann, fondern daß
ch eben die natürlichen Mittel fich noch jego, ob»
lunvermerkt, die Berge wieder fo viel erheben,
nöthig ſeyn wird. .
Auf die Klage von dem vielen‘ Waſſer der
m und Meere, welches unfere Erdfläche un⸗
er Weife bedecken foll, will ich nur kuͤrzlich die⸗
zur überführenden Antwort fagen, daß bas
aß des Regens, Schnees und Thaues genug-
ı beweift, ces fey des Waflers auf der Erb.
he nicht zu viel. Denn es ift unleugbar, daß
Regen, Schnee und Thau von den Ausbün.
Ä ſtun⸗
ver Herr Popowitſch hat in feiner Unterſuchung
vom Meere p. 187 — 194. diefe Materie gründlich
ausgeführt. \
HAHN Bi
Eh il
a
ame nie sine Workhung. Ga;
Gaben wir Menfchen noch nicht ju flagen,
ee 05 Ar un ae pie
Bin darauf woßnen und. Mafrung
7 0 2
ferner eine ungegruͤndete Klage bes eu⸗
ius wider Die Natur, oder vielmehr wider die
fehung , daß bie übergebliebene Erdflache uns
felbft Fruͤchte darreiche, - fondern mit
d Büfchen überzogen fen, ſo daß fie erſt
e —— bereitet werden müßte; dabey
bie hoffnungsvolle Saat entweder von
d —** oder Kaͤlte, oder Sturmwinden
at 4 Wie. wenig weis er den Werth der
—— Wenn uns alle Fruͤchte *
aid w
arvi, samen id natura [us
Z —— ni vis humana refiflat,
Vital eaufa valide confurta bidenti n
X sere, © terram preflis profeindere aratris,
mes facundas vertenutes vomere glebas,
T olum fübigentes, eimus ad o-tus-
ste [ua nequeant Iiquidas exiflere in auras,
‚jan per terras frondent; atque omnia florent ;
fervoribus atherius, ı
DE — Be in
**
626 IX Abh. Nichtigkeit der Zweifel
DBemühung in ben Mund müchfen : fo wuͤrde eine
allgemeine Faulheit, und ein burdhgängiger Did
figgang entftanben feyn, weil niemand für feine |
Nothdurft zu forgen gehabt hätte. Eine folche de
bensart würde alle eblere Kräfte der Menfchen ein
fhläfern und erſticken, daß fie auf Feine KRünfe
und Willenfchaften dachten, weil fie bazu nicht ein
mal ben erften Trieb von ber Mothdurft empf
gen. Das Band menfchlicher Geſellſchaft, die
. Stände und die Abhängigfeit eines von dem aw
dern, würde aufgehoben werben, weil ſelbſt bie
Kinder ihre Nahrung nicht mehr von dem Fleiße
ihrer Aeltern erwarten dürften, vielmeniger nad»
mals anderer Menfchen nöthig hätten, fondern ein
jeder fir fich leben fönnte, ohne dem andern ge
borfam, gefällig und dienftfertig zu werden. S
würde mithin das ganze menfchliche Gefchlecdht in
eine rohe, wilde und viehifche Lebensart verfallen
ſeyn, und einjeber , wie bey ben Thieren gefchieht,
wenn fie der Muttermilch entwachfen find, und der
Fütterung ihrer Aeltern nicht mehr bebürfen, für
fid) in die Welt dahin laufen, ja von ben Aeltern
felbft weggewiefen werden.
Wir haben es der Nothdurft allein zu danken,
daß fich die menfchlichen Borzüge in ung hervorge⸗
than, daß unfer Wig zur Erfindung erweckt wer:
ben, und daß wir nun theils im Aeuſſerlichen be
quemer leben, und mehr finnliches Vergnügen ge
nießen, als das Vieh; theils auch, dag wir geſel⸗
lig, vernünftig und fittfam geworben find, und daß
Künfte und Wiffenfchaften unter uns blühen. Die
Arbeitfamteis iſt überhaups den Menfchen ” !
weren dic gbitiche Borfehung.’ » 6a7
5* nötig, Wenn feine regen Kräfte
nichts befchäfftigen, fo ift er ſich fh FOR eine
, fo wird ihm die Zeit — fo verfälle er in
Unwiſſenheit, in eine faule und nieder»
Wolluſt, und allerley Andere Safter. Eine
bei ingegen ift feinem natürlichen Bemühen ge
und vergmüget ihn, wenn fie geräch und
1 fhaffer; ja * mehr/ je mehr Schwie⸗
dabey zu überwinden find, und je mehr
„22, Patenten, — Wien
© fo bürfen ſih Die wenigften Menfchen das
en. ee und Hr
‚gebracht daß die Arbeit eines klo
les der Merten zureichet, für das ganze
‚genugfame gebensmittel zu fchaffen; und
‚Die übrigen fich mit andern guten Kuͤnſten und
fftigen fönnen, Unterdeffen
ben ſich Die ebelften Gemücher aus der Sandıpirthe
afe eine Suft gemmachet : der Bauer felbft hat auch
he Seeube, und fiehe feinen Fleiß mit Vergnüe
Igedepen. Die jugendliche Gewohnheit machet
mdie grobe Arbeit leicht, und wir, die wir dere
—— nimmer angreifen, legen demſelben bie
npfinbung, welche wir davon haben mürden,
ſchch bey, Wenn nicht manche Bauren faul
brbumm iu ge ” — wer Ga
Gnheit hiengen, als daß fie allerley Be zur
tebefferung machen follsen: fo würden fie auch
ve N Kr Fy Re
.
628 1L Abh. Nichtigkeit der Zweifel
Witterung und andere Zufälle, weiche dem Land⸗
manne oft zuwider find, haben fonft in der Ver⸗
bindung der Dinge ihren großen Mugen, und wens
fie das Wachsſthum auf ber einen Erdart hindern,
fo fördern fie dagegen baffelbe auf andern. Da
durch wird die Fruchtbarkeit überhaupt durch ale
$änder und $andarten, und für Das ganze menſch⸗
fiche Geſchlecht, zur Gleichheit gebracht: ber Mis⸗
wachs Hält auch in jedem Striche feinen Kreislauf,
da man ein Jahr ins andere rechnen muß. Und
überhaupt wäre es nicht gut, wenn nicht etwas von
der Arbeit verloren gieuge, und wenn die Matur
das Bemühen des fandınannes, nad) feinem Wun⸗
fche, fo gar ergiebig vergälte, Wie würde er denn
nicht felbit Flagen, daß das Korn und die Früchte
zu wohlfeil wären!
Lucretius beſchweret fich weiter überdie Vor
febung, daß fo viele dem Menfchen fchädliche Thiere
in der Welt find; daß wir nackend, meinend, ohne
Waffen, und ohne Vermögen uns felbft zu erhal
ten, auf die Welt fommen, und noch vieles Un
gluͤck im Leben auszuftehen haben; dagegen bie
Ihiere ihre beftändigen Kleider und Waffen mit '
|
bringen, feines Spielzeuges, feines Tiebfofenden
$allens der Ammen, feines Wechfels der Kleidung,
Feiner Mauren und Städte bedürfen, und ihr Fut⸗
ter bereitet vor fich finden ?.
Aber
5 Lucretius V. 219,
Praterea genus horriferum natura ferærum,
Humana genti iafeſim, terac merigu, |
ehbiebtffiche Vorſchung. Gag
neun find fie auch urwernünftig Mich,
in den engen Gchranfen einer 'niebrie
jgendpaft und vorzüglich gtücffich me?
n aller Vollkommenheit Immer Höhen
bien. Haͤtten wir nach der Mutter
weiteren Sanbreichung und Huͤlfe dde
den wir, wie Die Thiere, für uns
Bprache lernen, und ohne biefelbe
ch unferer Vernunft machen,
eßen koͤnnen; folglich auch ‚Fein deutl
Btfeyn ‚- Fein Erkenntniß von uns ung
ıgen , feine Kunſt oder Wiſſenſchaft,
—— S— u
uͤches erhalten; iger. zu
Rrz irgend
* auge? cur auni smpera morbes ,.
me? quare mors immasura vagatur?
aE
* fe7
⸗
wiricis blendas atqne infræcte logaela:
rias queruns vefleis pre teımpore calı
« wen armis opas efl, won marnibus altis,
Ge tutentur, quande omnibus omuia larıe
ipfa parit naturague dedela rerum,
\
\
WUW nau apcr OVs[Wsps gus Sprw
brauche der Vernunft, und zur Sitt
nen, daß fie in allem guten Erkennt
empfangen, tüchtige Menfchen und X
und in einer anftändigen Sebensart if
bauen, und auf ihre Kinder fortpfla
Sie koͤnnen dabey alles deffen,
re voraus zu haben ſcheinen, gerne eı
brauchen weder angeborne Haare, nı
Kleidung, weder Zahn noch Klaue,
bei, zur Wehre und Waffen, weder
ne, noch eine gemiffe angeerbte Kunfl
rung und Erhaltung. Sie würden :
folche Naturgaben nur ineinen niebri
licher Vollkommenheit eingefchränfe
Sinnen, ihr Verftand und ihre Handı
nug, Kleider, Waffen, Haͤuſer, Nahru
nicht nur zur Nothdurft und Siche
auch zur Gemaͤchlichkeit und Erg
sonen Die gitlihe Mockfeng: ‚655
ne: torüber Lu⸗
Im eigenen rn
Renfgen ihrer are na * biefer en af ge gu
zen fo würde von hundert. jegigen Elenden
— — x a * die Schuld ih ⸗
——— e von ſich abwaͤlzen, und auf
Schickſal ſchieben konnten; oder deran übrige
ken nicht durch weit mehr Gutes
und dadurch das lLeben eintraͤglich und,
gemacht wuͤrde.
mach feiner, Art des Lebens zufömmt, mög«
) täre, diefelbe ihm dennoch vielmeht ſchaden
und alſo der Mangel einer mehreren Voll⸗
Smmenheit fo ferne nichts Boͤſes, foubern mag
in Hund iſt jetzt, bey feinem Hundesver⸗
vergnuͤgt mit den Brocken, die won des
—5 follen: er ſuchet fie wohl gar aus
ea und Staube begierig heraus. Es
indert nicht, daß er drauffen liegen muß, daß
# Bund Schläge gewößnt wird, dem —* zu
kborchen; er üff ae und frenet. ſich
hgemein u feinem Herrn, und zu einer guten
Rine; —* befsmmt. Geber ihm aber Mens
henverſtand, und —D wie alle ſeine ar
Rrı .
da finder ers allenthalben noch chiechter. E
nunmehr opne Herrn herum
ſtiehlt fein Brodt, ſo gut er kann, wird abeı
ber Halb lahm geprügelt. Ja, daß ich doch
ich doch Sprache hätte! denket er, ich
mich fo nicht placken laſſen. Er ſtuchet a
Schickſal, das ihn fo hat laſſen geboren wer
ſtirbt ver Hunger und Verdruſſe mit feinem
&
gegen die göttliche Vorſehung. 633
ige fepn, melches den Zuftand der Dinge verbürbe: .
nd was ung eine Unvollfemmenheit oder etwas
Söfes zu ſeyn duͤnket, ift eben dasjenige, mas zur
Zoffommenheie der Dinge gehöret, und nach rei«
wer Einficht gut zu nennen ift. |
$ 7
Ich koͤnnte noch mehrere dergleichen Verge⸗
ungen namhaft machen, da man biefes und jenes
ı ber Wele mie böfen Augen anfieht, bas doch in
er That untadelich, und nach den Regeln ber hoͤch⸗
en YBeisheit und Güte beftimmt iſt. Allein, wer
ch die Dinge nicht willführlid) verfehre vorftellen
ill, der fann nach obiger Anleitung entweder
icht einfehen, mas zur weſentlichen Vollkommen⸗
eit der Dinge gehöre, und was für Gutes barinn
ege, ober, fo es ihm an folcher Einfiche mangelt,
ı wird er ſich auch befcheiden, daß er aus feiner
nwiſſenheit feinen widrigen Schluß ziehen koͤn⸗
e, der fo vielen Plar erkannten Wahrheiten
Jetzt will ich einen fehr gemeinen “Yertfum bes
werfen, welcher den Menfchen noch bis auf ben
eutigen Tag die Werke der Schöpfung und Vor⸗
hung ganz verſtellt. Sie fegen ihr Geſchlecht,
ı jeber fih allein, zum allgemeinen Mittelpunkte
nd aͤuſſerſten Ziele aller übrigen Dinge. Was
men benn nicht offenbar und unmittelbar vortheil
afe iſt, Das bünfer ihnen überflüßig und unnüße
ı feyn: und was nicht mit ihren Wünfchen über:
nftimmer, das erflären fie für unordentlich und
Nr, Doher
634 1X bh. Nichtigkeit der Zweifel
Daher fömme es dann infonberheit, daß fie
fich nicht darein finben Finnen, warum fo viele ver
ächtliche Würmer, Inſecten und Gefchmeiß, ja
fo viele unbequeme, giftige und ſchaͤdliche Thiere in
ber Welt find; warum fie nicht allein fich einander
freffen, ftechen, faugen, und ihr eben auf Unfos
ften anderer erhalten müffen; fondern auch den
Menfchen zur Saft fallen, ihre Arbeit und Mühe
vernichten, ihnen Unluft und Schmerzen verurfa-
chen, ober wohl gar gefährlich werben. Anberer
Dinge und Begebenheiten in der Welt, die ihren
Abfichten entgegen find, zu gefchmeigen.
Wenn wir Menfchen aber allein die unermeßli«
che Größe ber göttlichen Abfichten erfüllen Pönnten;
allein verdieneten‘, daß um unfernt willen eine Welt
erbauet würde; allein- verlangen fünnten, daß fie)
alles Mögliche nach ung richten follte, fo möchten
wir mit einigem Scheine des Rechtens viele Dinge
aus der Natur verbannen, und eine andere Ein⸗
tichtung nach unferm Eigenfinne machen. Aber
Bas iſt niche der rechte Gefichtspunft, worinn wir
uns zur Betrachtung der Welt ftellen, barinn muß
uns nothwendig vieles unordentlich und verkehrt
vorfommen. Das Dafeyn anderer möglichen Je
bendigen hat einerley Grund mit dem unferigen in
der großen Abficht des Schöpfers; es trägt das
Seinige gleichfalls zur Wollfommenbeit des Gans
zen bey, und madjet, daß der Erdboden, daß die
Welt allenthalben niit reger Kraft und Empfins
bung erfüllee wird. Die Kette ber möglichen Le⸗
bendigen, der Zufammenhang ber Dinge, kam
Eeine Luͤcken leiden, kann nicht zerrüttet und zerriſ⸗
fen
gegen die göttliche Vorſehung. 635
fen werden: und wenn wir es recht betrachten, fo
: in dem Weltgebäude fein Stein umfonft, *
ſo geringe und widrig, das nicht zur Vollkommen⸗
heit des Ganzen gehoͤrete, und demnach nicht auch,
ne than , mit jeder Dinge Daſeyn und
Wohl uͤbereinſtimmete.
ing: ? wenn ein vornehmer und bemittelter
Mann ſich in einer greßen Stadt nieberließe, um
ba recht bequem und vergnügt zu leben ; würde er
vernünftig, billig und ben fich felbft wohl handeln,
wenn er fich einbildete, daß um feinetwillen alles
in der ganzen Stadt ba ſeyn ober nicht da feyn
müßte? Auf die Weife möchte er etwa von ben
Gelehrten denken : was follen die unnügen Grillen
fanger in einem Staate ? fie zanfen ſich nur unter
einander um nichts ; fegen ben Leuten allerley neue
Meynungen in den Kopf, und wollen babey allen
vorgezogen fern. ‘Ben den Kaufleuten und Kräs
mern , möchte ihm das Gedraͤnge, da einer dem
andern ben Gewinn vor dem Maule wegzunehmen
und ihn zu übervortheilen ſuchet, zumwiber ſeyn.
Das ewige Setöfe und Geflapper fo vieler Hand»
werfer und Arbeiter, das grobe Geſchrey fo vieler
Bauren, und anderer, bie ihre Waaren öffentlich
feil biethen, würde er vielleicht aus feiner Nachbar⸗
haft und aus der Stade wünfchen. Schmierige
und ſchmutzige Handthierungen, oder bie Dampf .
und Geſtank machen, waͤren ihm vollends verhaßt
und abfcheulich : Sumpenfammier, Echerenfchlel-
fer, Tablittenfrämer, Obſtweiber, Matrofen und
dergleichen, möchte er für umuͤtz und veraͤchtlich
Dettelvolk anſehen. Saget mir, wuͤrde ein (nie
X
635 IX Abh. Nichtigkeit der Zweifel
Mann bie Vollkommenheit dieſer Stabt aus bem
rechten Gefichespunfte betrachten, und ſich feinen
Aufenthalt darinn felbft vergnügt machen ? Ver⸗
nünftiger dächte er fo: hier ift alles fein lebendig,
munter, und voller Menfchen : fie muͤſſen doch les
ben fönnen. Wie finden fo viel taufend und taw
ſend Leute von allerley Stande und Sebensart au
einem Orte ihre Ausfommen ! Es tft ein Vergnuͤ—
gen, zu fehen, wie emfig ein jeder if, fein Brode
gu verdienen, und wie er fid) befleißt, es bem
andern zuvor zu thun. Da fann ja wohl nichts
auf ber Welt erbacht werden, was hier nicht zu
haben wäre. Das muß ein weifer Megene fenn,
bet alle mögliche Waaren, Handthierungen, Kuͤn⸗
fte und Wiffenfchaften in einem Etaate zu verbin
den gewußt ; darinn ein jeder den andern dienet,
und von den andern feinen Unterhalt und feine
Bequemlichkeit erhält.
Diefes ift auch der rechte Geſichtspunkt, in
welchem mir die Vollkommenheit der Welt einfehen
koͤnnen. Wir wohnen in einer großen Stabt Got⸗
tes, die um fo viel blühenber zu achten, je volkrei⸗
cher fie ift, und je weniger darinn ein Stand, eine Le⸗
bensart und Handthierung mangelt. Die gütig«
ſte Vorſehung des weiſeſten Regenten erſtrecket ſich
uͤber alle: er hat ſie alle herein geſetzt, und ihnen
das Buͤrgerrecht gegeben. Die Anlage der Woh⸗
nungen, die Geſetze und Verordnungen, die Nah⸗
rung und Zufuhre, ſoll allen zu ſtatten kommen,
und eines dem andern nüßli (mn. Wir Men—⸗
ſchen find in diefer Stadt mittlerm Standes, ja
in unferm Sprengel die Wornehmſten. Wir
muͤß⸗
b nehmen
uch) von ben ebeiften Abſichten umfers ge
Wbaftlichen Regenten ſehr entfernen, menu wis
: den Rönnten, daß fo viele geringere Sit;
ne neben uns wohnen, fich naͤhren, fortpflen«
unh nady ihrer Arc fröhlich find. - Wenn
1 „, wie-viele und große Wohnpläge
Lfüe bie Sebenbigen in ben Weitkugein ange
Einmoßner me
z er
I; wie Eu und mancherley Einw
‚Ben Stadt erhalte und
zen und &uft zum Seben r
Imie er allen, bis auf die niebrigften,
Ifräfte, allerley Kipel ber Sinne; Nahrung
#
A
Hi
3
hi
H
1,
33)
*
T
H
ff
Ts
j Arten
ber Suft fähig ift, fo weis es auch von
befferen, es iſt mit derjenigen, bie fein
Bft, zufrieden, imd erfüllee
Beſchaͤfftlgung.
®
2
J
fe frỹ
ih |
igfeit fähig find. Wenn
eh unfer einander ſpielet; wenn
er en — — e
und Wadı gemeinen
fs u faıme, ame ige
2
8
i
=
3
H
f
5
638 IX A6h, Nichtigkeit der Zweifel
und Bäume raufchen, zmwitfchern, ober eine Cats
‚tinn locken; wenn der Kumd über feines Herrn An⸗
kunft, oder im gruͤnen Felde, von tauſend Freuden
außer ſich, zehnmal hin und wieder laͤuft, wenn
ein Kaͤtzlein mit dem andern in hunderterley
artigen Stellungen, Springen und Haſchen,
ſcherzend die Zeit vertreibt; wenn eine Sau ſich ſo
willig hinleget, und ſich von ihren ſaugenden Fer⸗
keln zerwuͤhlen laͤßt: fo ergoͤtze ich mich an ber um
ſchuldigen Luſt der Thiere, und ſtelle mir die Viel⸗
beit und Mannichfaltigkeit derſelben, wie fie von
der ungählbaren Menge und WVerfchiedenheit der
gebendigen auf Dem ganzen Erdboden, ja allenthal⸗
ben in den großen Weltförpern empfunden wird,
mit Entzücen vor. Ich denfe an ben großen
Schöpfer, der aller feiner Gefchöpfe Luſt mit an-
ſchauendem Erfenntniffe gegenwärtig vor ſich hat,
und in berfelben den erhabenen Zweck feiner Schoͤ⸗
.. pfung nicht ohne eigene $uft bewirket ſieht. Ich
ſchwinge mich in diefe göttliche Vorſtellung, als
ben wahren und einzigen Gejichtspunft, aus wel⸗
chem ſich die Welt in ihrem ganzen Zufammen
bange und in ihrer rechten Vollkommenheit zeiget.
Ich gönne nun allen, auch den niebrigften Ge⸗
fchöpfen, das Seben; und fehe, daß, mie wir
Menfchen in dem Zufammenhange bes Möglichen
auf einer mittleren Stufe der Vollkommenheit ftes
ben, jedoch felhft noch einer höheren fühig find,
und von Natur darnach fireben; fo Millienen ars
bere Geſchoͤpfe von noch höherer Bollfommenheit
und Luſt in der Welt feyn müflen, die nichts in
Der göttlichen Abſſecht leer laſſen, und alerneg
\ un en
gegen die gottliche Vorſehung. 639
umfern jegigen Zuftand möglichen Gluͤcſeligkeit,
auſſer der unendlichen, genießen,
——
— se 0... u
, wüͤrben aber auch unfer
renden
- Ale nur mit denen wenigen Thieren, Die uns une
|
und dennoch feinen Einfluß in
: — und Befsnbere Def weht
mes jeben Thieres Dafegn, PA Bestainfung
der. des
640 IX bh. Nichtigkeit der Zweifel
ein Bergmann in Schweden nach) feiner Grube,
Eifen und Kupfer zu deinem Haufe und Geräthe 3
len. Der: Sinefer ift emfig, bir ben feinften
bee und Percellan zu fhaffen. Der Indianer
nimmt mit Reis vorlieb, damit er deine Epeifen
mit allerhand Gewürze ſchmackhaſt mache. Der
Grönländer, der Matrofe ſchlaͤgt die Robben,
fängt die Wallfifche, mit feiner Mühe und Ge
fahr, zu deinem Gebrauche, ohne daß bu es bes
denfeft und weiße. Und ehe du nur dein Schaͤl⸗
chen Thee und Caffee mit einer Pfeife Tabak trim
Een Pannft, fo bat die Hälfte des menfchlichen
Sefchlechtes, nicht nur der jegt, fondern auch der
vormals Lebenden, müffen da und befchäfftiget
feyn.
Laſſet ung denn auch vernünftig bedenfen, daß
der Schöpfer, welcher eine fo genaue Verbindung
unter dem ganzen ‚menfchlichen Gefchlechte, ohne
ihr Denfen, zu aller Vortheile geftiftet hat, auch
unfere Mebengefchäpfe nicht umfonft mit ung auf
einem Erdboden befchloffen habe. Auch dir ſamm⸗
let die Biene, und fpinnet der Seidenwurm,, für
dich nährer ſich die Cochenille, die Ameife, die
fpanifche liege, und jenes Inſect, das die Feigen
zur Reife bringet f. Wenn bu gleich andere Mü-
" den,
+ €8 giebt zweverley Feigenbaume, männliche, (ca-
prificus) und weibliche, (ficus fativa.) Jene brins
gen nimmer eßbare reife Feigen, fondern naͤhren
nur in ihrer berben und abrallenden Frucht ein In⸗
feet, (culex ficnum, auch vu bey ben Alten ges
nannt, eine Urt yon tenshredine,) welches 8
onte⸗
naomwen die She Non: 6
fin, Würmer und Inſecten nicht ſaber grR ober \
—* ſo ſpeiſet ſie doch det Vogel,
ih Einer Anth in ıt$
ae — at
Wenn diefed Inſect Flügel bekommen
1 mies * der Be gebieht, da die männliche
‚voller Samenftaub ift FA ß tömmt e as felcher.
— ein Deüller aus feiner Düßke, mit vier
Meble beffäubet, * Bu ſich zue
"satin ne... friße fich nd bes bis
fruchtet nicht, allein durch den A -
| u die\weibliche Feige, jondern verut achet
auch dadurch, dag biefe in 14 2, reifei fe um
nn wird, da fie fonft berbe bleiben und
w
wirde. Man fammlet daher in en,
a dem Ben das An * die re
‚igen, wenn da: fect bei
wi, und hängt fie über die — > damit fie
Durch das a eßbar gemacht erden
Siehe, auffer dem Pontedera im 33 Capitel audden
Tourriefort — de ’Acad, Roy, 1709. P.:447. edits
rl. und Hrn. ZinnÄus in feinen Atboenitatt. Acas
sis, Tom. 1. Holm. et Lipf. 1749. 8. p. 42
> te Lugi. Bat. — PT. faq. unter den Ale
= Ven Plinius XV. heophraftus — Plant
gar ae Hift, Animal lib,
640 · 1X Abh. Nichtigfeit.der Zweiſel
fingt, ober auf beinen Tifch koͤmmt, und der Fiſch,
der deine Maplzeiten angenehmer machet, ja mans
ches Schreein, das zu deiner Tafel in die Maſt ges
trieben wird „ oder der Wallfilch, der dir fein Fett
und feine Baren hergiebt. Du beherrfcheft und
beftreiteft fie alle, und dein Verſtand kann aus ab
fen Vortheil ziehen. Wenn du aber auch fonft fei-
nen Nugen von ihnen zu erzwingen weiße, fo laß
fie dich, durch Betrachtung ihrer punberbauen
il
wwanzig Pfund Feigen tragt, ein caprificirter Baum
gleicher Größe hingegen zwey hundert und achtjig
Mund Feigen bringe. Das bezeuget auffer dem
Tournefort, auch Herr Jannon von Et. Yaurent
in den Memorie di varia eruditione della Società
Colon.baria Fiorentina Vol, II p. 243. woraus es
in dem allgemeinen Magazin, Th. IX. p. sa faq.
überfegt it. Herr Kinndus bar auch I. c. Verju:
che angefubrer. Da er aus ten Samenkoͤrnern einer
caprifiirten Zeige aus den Morgenlaͤndiſchen Ge:
genden, junge Pflanzen gezogen, welches fich mu
denen Feigen aus Srankreich, und wo fein wilder
Keigenbaum ift, nicht thun ließe; zum Zeichen, daß
jene Körner durch die Caprification fruchibar ge
worden, dieie nicht. Ich weis alfo nicht. wie meit
‚der Maltheſiſche Ritter Herr Bodeber de Kiwille
in feiner Nachricht von der Baprification Grund
baben mag, mern er leugnet, daß das Inſect der
wilden Feige mis maͤnnlichem Samenſtaube beſtreut
fey, menn e8 in die weibliche Zeige binein kriecht;
und vielmebr bebauptet, Taf ſich die Schlupfweſpe
vorber von dem Staube forgraltig reinige. ©. Goͤt⸗
tingſche Anzeigen 1750. p. 1421 fq. aus dem II ih,
der Memoires de Mathematique et de Phyfique pre-
fentes 4 l’Acad. Roy, des Scienges par divers 3»
vars. 1735. "
rt die gottliche Vorſehung 63
** Bewegung, Triebe, Nahrung, Works
Köyang, bes großen Gchöpfers-unendliche Wed:
* lehren. GSoͤnne denen das teben, bie
us einer Hand haben, woraus du das deine
; bie bie Weit ‚ burch ihre Luſt und
‚ mit mehreren Volllommenheiten erfüllen,
* dich AH: weiſer und Plüger machen, wenn
he en Spiegel der Gottheit werden.
9: .
* denket möhl mancher, bie andern Thiert
Immerpin in der Welt fepn ‚ wenn fie dem
nur nicht zum Theil Verdruß und Scha⸗
Wozu aber fo viel Geſchmeiß, das
Gewaͤchſe, Eßwaaren, Kleider und Hin
Byirbicht ? das uns ſticht und uns das Blut
Wuger? wozu fo viele giftige Schlangen, Kroͤ⸗
Seorpionen? mozu die wilden reißenden Woͤl⸗
„Bären, Lowen, Tieger und dergleichen, die
WB entweder ſelbſt, ober dem uns nüglichen Viehe,
oder ſchaͤdlich find,
Ve © auch epeage, und die darun⸗
— Beſchwerde über die Einrichtung und
terfuäpfung der Dinge, fcheint : fo beruhen fie
amoch auf eben benfelben Fehlern der Unbilligeit,
Mes Mangels der Einfiche, welche vorhin bes .
wefe find, Beydes duffert fich darin, daß wir
Der Melt, das iſt, In einem Wohnplage aller
en Lebendigen, ſeyn, lind doch die Welt für
haben, und nüche bas geringfte Unge⸗
von miſern Nachbaren erdulden wollen; inte
Iotchen, daß mir wegen Des Ungemanhe, das ung .
wWod
ar
. N
Hören fol. Er will eiferne und fi
haben, aber das Getöfe der Echt
nicht vertragen: er will allerley Eßr
Thüre Paufen, aber das Geſchrey
welche fie feil bierhen, kann er nid
Fleiſchbank foll in der Nähe ſeyn;
ring, Stockſiſch, Klipfiſch, Zucken
von ſeinen Nachbaren holen, aber
Dampf und Schmauch, der damit
verabfcheuet er : die Gaſſen follen rı
der ſchmutzige Dreckfeger foll vor fein
Koth und Staub nicht ausfehren :
und Krämer ſollen ihn mit allerhand
forgen, aber fie müffen feinen Bor
nehmen. Die Bereüger und Diel
ausgerottet ſeyn, in Feuersgefahr n
mand fegen, die Dachziegeln müßteı
unter wehen. u, ſ. w.
Es ift ſchon ausführlich gezeiget
Bi Ma nn Rau Gala mat Ta IE
gegen die göttliche Vorfefung. 645
gemäß ſey. Wer alfo in ber Welt feyn will, der
muß auch wollen, daß alle andere möglichen Din,
welche einerley ihrer Wirklichkeit mie
—* neben
i aften lee En —— en
gehören mit zu den mi
Gen dendgen; den Se fen, DaB fe met
fi. ie Melon alfa mi gr Mes einem
-Softem aller möglichen gebendigen, und zu deren.
Ban, und hat gu von einen Sehen, ed
_ Wenn =] ie? —— u ums In ei ,
ee \ iner großen ‚ver
öge a fentlichen Schranken, einiges, Un
ſih beinger + wie wollen ir une mit
vieler andern und gang
einiges. — — Gi Ungehgrget
. — haben bey dieſer göttlichen Orb»
—— Reiche det Apiene am allermenigflen ju
, Indem mir felbft eins von den aflergefräf
<ieren fi — alle —— ee Br
— vertr übermeiftern, fangen,
“men, und zu Selebigem Ohngen ment nie ne rn
air alfo nicht unverftändig und nbanfbae fi find, f
. mir eine befondere und gürige Veorfehung
Gottes für ums erfennen, ba er ung, bey ber
U ehr. und waffenlofen Bildung unfers Leibes, ge
. mgfamen Verſtand & Fa ug bar, at ai
646 IX Ash. Nichtigkeit der Zweifel
Mittel zur Beherrfchung anderer Thiere zu et
den, und Hände, womit mir die nörhigen W
zeuge bereiten koͤnnen. Wir gebrauchen uns d
nach fo mancher Thiere zum pflügen, ziehen,
gen, reiten, jagen, mablen, brefchen, ſtrei
wir halten, fangen, fifchen und ſchießen fie zu
ferer Nahrung; wir bedienen uns Ihrer Haare,
bern, Wolle, Selle und Seide zu unferer $
Dung ; wir unterhalten fie zu-unferm Zeitvertt
und Vergnügen; wir betrachten ihr Auswend
und Inwendiges zu unferer Belehrung im Erke
niffe der Natur und unfer felbft, ja unfers gem
fhaftlichen Schöpfers.
Was befonders die ſchaͤdlichen Thiere betr
fo haben die Menfchen den Vortheil, daß fie
zu aller Luſt und Speife gewöhnen, und fol
den ganzen Erdboden befegen koͤnnen; Da denr
großen reißenden Thiere weichen und verjagt,
dere gar ausgerottet werden. Die allerme
derfelben haben einen natürlicdyen Scheu vor ei
Menfchen *,. man Fann fie mit Gewehr erle
® Mr. Rauguer, Figure de la terre determinde paı
obfervations de Mr. Bouger et de la Condan
Paris 1749. 4. p. XCV. U ya dans le fleuve (Ma
leine) des Caymans qui ont 38. à 20. pieds de
gueur, qui m’attaquens gnere les bonimes, que qi
Üs ont, par gquelque accident, deja mauge ı
obair bumaine: je les ai seujours vl fuir, lorsq
dtciens couches fur le rivage et que je mapproc
Wölfe find, mie mehr andere reißende Thiere,
ben Dienfchen ſcheu, und wagen lich nicht leich
fon, ald mens fie der Hunger im harten m
Kain te erg Lu
Wie eh mit Liſt und leicheen Birtefn los
Bas Habhaft werden, aid. es iſt ein ſehr ſeitener
Dell, Daß ein Menſch das Lnglüc hat / den rei
nen irn In die Klauen zu Es iſt
ea 8 in Dies
—— ——
fie lange hun nen e
Mbit einander aufreiben, Dre in ‚gebüpeenben
Behranfenhalten, Won den giftigen Tpieten wird
ehr Geſchteyes gemacher, als es —— ft,
mb ich merde nicht wider. die
yenm. ich fage, Bob ih Pe * ‚am ade
m Engeland find fie erottet. Das
Man re KH begreifen, sr dem wile
"Geyeaudan für "Bewandniß baden
J— warum man fell mit ſo unglaubs
ficher) Zurüffung, und einer "von
und an nicht ‚auftreiben . oder erlegen Tann,
bachte eim guter deutſcher mit einem Du⸗
Hunden wuͤrde bald ig werben. \
Beverley in kan. Hiftorie von Virginia fcbeeibt,
den guober Tretbum fep, wenn die Seute
enbildefen, daß man de —— 9, als mit
ber größten Gefahr vor vor
Be Harte durch die fen
N * —— it fiten m en, und inganz
Mord» America, ſo weit Ei angebanet bar
pen, fait außgerottet, Dazu wird diele jo wenig,
als irgend eine andere er, den Menſchen
von felbft angreifen ober wenn fe.Auß
I — bleidt. ©: Philofoph. ren. Vol.
I RKXXVII) n. 433. p. 323. das Sr
Zalm in den Schived, m. » —
* pa * u.
[223
*
. 648, IXM6h. Nichtigteit der Zweiſel
‚darüber befehweren, bie ı ihr Lebtage kein
iftige Schlange und feinen om er
. rn ne und hoͤchſtens von einem Flohe,/ eina
oder Weſpe geflochen ſeyn mögen,
en Snfecten ; Bögel und a in gun.d
fetdings den Früchten und ‚der Saat: Schaden
Aber wenn fie nicht wären, ſo wurde mandje
“ anberes Thier nicht leben „Können ;; melches |
Poren zu Nuge-fömmt, Wenn alle
" rg aufwüchfe, und —— in
Scheure und zum Verkauſe fäme: ſ wůrde d
Bauer:über bie allzuteiche Erndte und den
feilen Preis lagen, Wenn alle Blürhe an da
Baͤumen zur reifen Frucht gebiehe: fo würde fi
den Baum entfräften, und viel zu Flein und ud
brauchbar werden. Siehe, das Meberflüßigeil
nach göttlicher Worfehung , für die Mäuslein, Bd
gel, Würmer und Raupen gewachfen; es
fi die Menfchen ein zureichender Vorrath nad;
der Preis bleibt mäßig, und lohnet feinen Arba
ter; die Frucht wird nun größer und ſchmackbafta
Wenn Menfchen voraus fehen koͤnnten, und. I
Defteg verftünden, fa märden fie felbft auf man
hen Baum Raupen hinauf tragen, und
Mäufe und Big ins Sänd einlaben, dab fs
zen ben lelenit der Natur verzehren Hill
il
nen! jet in den ſchwediſchen
Zp. XIV. Ei 4. 54 ine arige Geſchichte
ee a ————
Eu: und Bicp, fo ſeyr m
gegen bie göttliche Vorſehung. 649
ft ihnen gut und heilſam, baß fie in beſtaͤndi⸗
Emfigkeit und Borficht erhalten werden, und
fie nicht mit allzumeniger Arbeit zu viel ſchaf
und gewinnen. So ſchaͤdlich es fuͤr uns ſeyn
de, wenn des Goldes und Silbers zu viel in
Welt wäre: fo viel Unordnung wuͤrde auch ent⸗
m, wenn aller Reichthum der Natur den
aſchen zu Nutzen kaͤme, und wenn der Land⸗
m mit eines Jahres Arbeit mehrer Jahre Vor⸗
gewinne. Die weiſeſte Borfehung hat diefes
n zum Gleichmaaße bringen koͤnnen, und gute
fchlechte Jahre fo unter einander zu mifchen
ußt, daß die Menfchen in fteter Arbeit unter«
en werben, aber baß es auch ben Sleißigen an
ohnung, und überhaupt allen an Nahrung
t gebricht. Darinn muͤſſen wir auch die milde
ung mit der Witterung bewundern, daß, wenn
Ss; einmal
Ban hätte namlich in Neuengfand, um fle auszu⸗
roten, auf jeben Maißdiebskopf eine Belohnung
geſetzt, und dieſes hatte auch die geſuchte Wirkung.
sethan. ber dagegen hatte fich im SI. 1749. im
— 2 eine Menge Grasraupen eingefunden,
pelche bes Heu des Jahres fo og Grunde gerichtet,
baf ffe vol Heu aus England bätten vers
ſchrieben —* muͤſſen. Da man nach der Ur⸗
che geforſcht, fo hätte man ſich erinnert, Daß die
—5 einen guten Theil des Sommers, ehe
Maiß reif wird, von dieſen Raupen lebten und
—* Vermehrung verhinderten. Folglich hatte
man ſichs gereuen laſſen, daß man durch Ausrors
— der Naißdiebe dieſes Ungeziefer vermehseg
650. L. Abh. Nichtigkeit der Zweifel
einmal das Ungeziefer von Heuſchrecken, Mäufer |
“und beraleichen,, einem ganzen Sande bie dufferfe
Merheerung zu drohen fcheint, daben alle menfhe ||
liche Vorſicht unzulanglid) ſeyn foürde, die kuͤnfti⸗
ge Brut aufs folgende Jahr auszurotten, bald
darauf eine foldye Witterung koͤmmt, welche alles
Geſchmeiß verjaget,, alle Brut erſticket, und, fo
zu reden, ausfeget. So fehen wir jährlich bey
in Inſecten in Gärten und Feldern, daß balb
Diefe, bald jene Art überband nimmt, bie herge
gen im nächften Jahre durd) eine andere Bitte:
‚zung unterdruͤckt, und in engere Schranken ge
bracht wird. \
$ 10
So fchr wir Menfchen aber wider den Scha⸗
den von andern Thieren durch die göttliche Vorſe
bung verwahret find: fo fehr möchte man ſich
wundern, wie eg der Güte des Schöpfers gefallen
mögen, unter den Thieren felbft eine ſolche natuͤr⸗
liche Ordnung zu fliften, Daß eins von dem an
bern feine Nahrung fuchen, und alfo das andere
verzehren muß. Warum find nicht alle Thiere un
ſchaͤdlich? Warum ift ihre Natur nicht fo beſchaf⸗
fen, daß fie ihre Mahrung von leblofen Dingen
fuchen ? Warum muß ein beftändiger Krieg , lau⸗
ter Morb und Blutvergießen unter ihnen feyn ?
Es fann feyn, daß diefes einigen Menfchen gar
feinen Anftoß giebt, Die gegen ihre. Mebengefchöpfe
gar zu unempfindlich, oder wohl graufam find:
aber vielleicht haben auch andere.ein gar zu zärtlis
ches Herz gegen die Thiere, fo ferne fie m |
elben
en ghtiße Borkhung. ss
—2* empfindende Wefen vorſtellen, und ſich
„Echmerz und Tod in Gedanken anmaßen.
e.müffen aber nicht das Herz und. deſſen anger
uumiene Neigung, fonbern die Vernunft; hiervon
mpeilen laſſen. ,
MWenn man ſich eine folche Ordnung verftellete,
* alle Thiere auf dem ganzen Erbboben von fait
w: leblefen Dingen ihre Dapeung haben follten: fo
eoffeabar, dab nicht der zehnte Theil von Leben⸗
bey uns fm. —*8 und daß fie doch alle,
—* erhet aus der Menge der:
den Inſecten, Voͤgein, Vierfüßigen, und in
unter den Fifchen. Denn entmebrrmüßr
— e fehlen; oder, wenn an deren Statt
Mexe Arten ſeyn ſollten, die ſich bloß mit Kraͤu⸗
eben ganzen Erdboden verwuͤſteten und kahl mache⸗
m, Gewiß & was jegt auf Diefen, Aeckern
Binmen und Stauden waͤchſt, dienet alles , theils
dahme he ode Thiere, Wögel und
yaifeeten: gu nähren, theils bie yen und ‚Seren
Ivönhte zu bedecken. Sollten —* auch. die Raub⸗
wi reißenden Thiere an gleiches Futter gewieſen
mn: follten die großen Raubroͤgel ben Tage ynd
on Mache auf unfere Saataͤcher, Kuͤchen ⸗ und
——“ ſo winde feine Erndee für und
ben ſowohl, wie jetzt, endlich ſterben muͤßten.
nr amd Wur eln behülfen, fo wuͤrde folgen, deiß
J
653 IX MG. Nichtigeit der Zweifel
und Sterben unter ben Thieren erfolgen. Die
-Menfchen würden aud) für fi) die größte Noch
aben, fich zu erhalten, wenn fie nicht nebft den
dgewächfen auch andere Thiere effen follten,
und wenn bie, welche fie eſſen, fich nicht zuvor von
andern Thieren genähret hätten. Und wie wuͤrden
vollends Die zahlreichen Schaaren Ber Fifche und
Inſeeten von dem wenigen Mooſe und Kraute,
* m Waſſer waͤchſt, unterhalten werden
nen ‘ |
fen feinen Elementen viel oͤder, und des größten
Theils feiner ‚Einwohner beraubt fenn mürde;
welches der Vollkommenheit der Welt und dem
Endzwecke der Schöpfung entgegen ift. Und den⸗
noch wuͤrde für die überbleibenden Thiere nichts ben
foicher Ordnung gewonnen. Denn fie müßten
Doch natürlicher Weife alle fterben, weil nach den
prdentlichen Gefegen ber ‘Bewegung eine folde
Maſchine eines organifchen Körpers, als die Thiere
Haben, nicht ewig beftehen kann; und fie würden
eines natürlichen Todes nun viel langfamer und
mershafter fterben, als wenn fie auf einmal von
ren Feinden hingeruͤckt und übermältige werben.
% ‚ aus bem natürlichen Tode würde noch ein
neues Ungemach für die Nachbleibenden entftehen,
wenn bie hin und wieder umgefallenen Aefer der
Jandthiere, und die herumtreiberiden tobten Fiſche,
Luft und Waffer mit ihrem Geftanfe und mit ihrer
Faͤulung anfterften, indem fie von feinem fleifch-
freffenden Thiere verzehret würden; woraus denn
noth⸗
Es iſt alfe offenbar, daß der Erdboden in al |
‚gegen die göttliche VBorfehung, 653.
ehmwenbig unter den Lebendigen Efel, Krankheit
id Peſt entftehen müßte t.
Es iſt alfo eine weife und gute Hrönung in .
r Matur, daß fi) manche Thiere von andern
ihren. Die Welt wird dadurch mit einer weis
ößeren Mannichfaltigkeit und Menge von Leben⸗
sen, und fodann mit allerhand Art von Luſt und.
zergnuͤgen erfuͤllet; welches fie Defto vollfommener
achet. Die Nahrung iſt nunmehro für alle zu⸗
ichender, da fie nicht bloß in dem Pflanzenreiche
efucher werden darf. Kine jede Ihierart wird,
remittelft dieſer Ordnung, in gemäßigten Schran=
m gehalten, daß bloß ihr Veberfluß beſchnitten
ird, und fie weder zu fehr zunehmen, noch auch
mtilget werben Bann. Den leidenden Thieren ges
hieht dadurch nicht mehr Böfes, als daß fie ſter⸗
en; welches ihnen doch nad) dem $aufe der Nature
ätte begegnen muͤſſen, und welches ihnen auf bie
(xt noch weit fchmerzhafter gewefen wäre, Gie
| genies
Herr Saffelquift bemerket in den ſchwediſchen Abhands
fungen Ch. XIll. p. 203. fgq. daß der Bergiulte,
nebit den Gegnern und wilden Hunden, in der Tuͤr⸗
. key, Aegypten, Natolien, u. f. w. fehr nöthige Thie⸗
re find, um die vielen Aeſer der umgeralenen
Pferde, Efel, Manlefel, Kameele u. f. w. zu vers
ehrenz zumal, da die Zurfen fo ſchweiniſch und
glos find, daß fie ſolche Aeſer nicht einſcharren.
(Er meunet auch p. 207. fd. daß daher vielleicht die
muſelmanniſche Barmbersigteit entftanden , da
fromme Leute in ihrem Zeftamente Sapitalia vermas
ben, dieſen Vögeln alle Morgen friſches Fleiſch
hinauszufuͤhren. |
644 IX Abh. Nichtigkeit der Zweifel
etwa in die Einne fälle, den Nutzen und bie
wendigfeit der Dinge leugnen, weil biefelbe ung
offenbar nicht find, Dieſes gleicht der Beſchwer.
- be jenes reihen Mannes, der in einer volkreichen
Stadt wohnen will, ba alles zu haben ift, und ale
mögliche Handthierungen find ; aber ba feiner von
den Einwohnern feine Ruhe und Bequemlichkeit
ſtoͤren fol. Er will eiferne und fupferne Gefäße
baben, aber das Geröfe der Schmiede kann e
nicht vertragen: er will allerley Eßwaaren vor der
Thüre faufen, aber das Geſchrey ber Nauren,
welche fie feil biethen, kann er nicht leiden“ bie
Fleiſchbank foll in der Näbe fom; Butter, He
ring, Stockfiſch, Klipfiſch, Zucker laͤßt er zwar
von feinen Nachbaren holen, aber den Gefianf,
Dampf und Schmaud), der damit verfnüpfer ilt,
verabfcheuet er : die Gaſſen follen rein ſeyn, aber
der fehmugige Dreckfeger foll vor feinen Augen den
Koth und Staub nicht ausfchren : die Kaufleute
und Kramer ſollen ihn mit allerhand Waaren vers
forgen, aber fie müffen feinen Wortheil von ihm
nehmen, Die Berrüger und Diebe muͤßten gar
ausgerottet fern, in Seuersgefahr müßte ihn nie
mand fegen, die Dachziegeln müßten nirgend ber.
unter wehen. u. ſ. w.
Es iſt ſchon ausfuͤhrlich gezeiget worden, daß
En: —
die Welt um der Lebendigen widen ihr Daſeyn har, |
und daß in diefer Maturferte Feine Luͤcke fern Fann,
fondern, wenn eins und anderes fenn foll, dab
aud) alles Möglicye in dem Zuſammenhange der
Dinge ſeyn muͤſſe, und daß diefes den Vollkom⸗
menheiten bes ˖ Schoͤpfers ſowohl, als der Welt,
gemäß
\
uam göttliche Werfehung. 645
ſw. —— Welt ſeyn will, der
—— won daß alle andere moͤglichen Din⸗
inere ihrer Wirklichkeit mit
WR "einigen wenigen Thieren, die u ehen,
"Wette eine ick ausmachen wollten, ift fo unver
‚ 8 unbillig. Alle die ung verachteten
— * Thiere gehoͤren mit zu den moͤgli⸗
Lebendigen; den wir ſehen, daß fie with
—— hen alfo mit zur Welt, als einem
h aller möglichen Sebendigen, und zu deren
Ein jedes derfelben will auch le⸗
* und hat Luſt von ſeinem Leben, ſowohl als
wie: Wenn num ihre Verbindung mit ung in di eis
rem , — einer großen Stadt, |
hen Schranken, einiges Un
mit ſich bringe 3 wie wollen wir uns mit
daß wir durch das Daſeyn p
denee T
ige Ungelogenfei
Wir Menſthen haben bey dieſer göttlichen Ord⸗
im Reiche der Thiere am allerwenigſten
Magen, indem wir ſelbſt eins von ben aflergefedfe
Thieren find, und alle übrigen Thiere leicht
„ vertreiben, uͤ
bermeiflern, fangen ab
— nicht umverftändig und Umdanfbar find, r
mäffen wir eine befondere und gürige Vorſehung
Boites fur ums erfennen, da er uns, bey bev
weht. und u an unfers Leibes, ge
wagfamıen Varſt nn Fe wre pet, al al
646 IX Abh. Nichtigkeit der Zweifel
Mittel zur Beherrfchung anderer Thiere zu fe IK
den, und Hände, womit wir die nörhigen Wat.
zeuge bereiten Fönnen. Wir gebrauchen ung bem
nach fo mancher Thiere zum pflügen, ziehen, ftas |
gen, reiten, jagen, mablen, drefchen, ſtreiten;
wir halten, fangen, fifchen und fchießen fie zu um
ferer Nahrung; wir bedienen ung ihrer Haare, Fe⸗
dern, Wolle, Selle und Seide zu unferer Kies
dung ; wir unterhalten fie zu unferm Zeitvertreibe
und Vergnügen; wir betrachten ihr Ausmendiges
und Inwendiges zu unferer Belehrung im Erfennt:
niffe der Natur und unfer ſelbſt, ja unſers gemein
fhaftlihen Schoͤpfers.
Was befonders die fchäblichen Thiere betrifft:
fo haben die Menfchen den Vortheil, daß fie ſich
zu aller $uft und Speife gemöhnen, und folglid)
den ganzen Erdboden befegen Fünnen; da Denn die
großen rcißenden Thiere weichen und verjagt, an⸗
dere gar ausgerottet werden. Die aflermeiften
berfelben haben einen natürlichen Scheu vor einem
Menſchen *, man Fann fie mit Gewehr erlegen,
oder
® Mr. Rauguer, Figure de la terre determinde par les
obfervations de Mr. Bouger et «de la Condamine,
Paris 1749. 4. p. XCV. Y ya dans le fleuve (Magda-
leine) des Caymans qui ons 38. à 20 pieds de lon-
guenr , qui n’atsaquens grere les bommes, que quand
ls ont, par guelque accident, deja mauge de Is
ebair burmaine: je les ai toujours vu fuir, lorsqw'ils
dtciens couches für le rivage et que je m’approcbeis.
Wölfe find, wie mehr andere reifende Tihiere, vor
den Menſchen ſcheu, und wagen lich nicht leicht an
fon, als wenn fie der Hunger im harten —*
| | aget.
ocwen Die odetiihe Berffung. Eu}
per auh:mit uſt und leihen Mitteln loe
t werden, und es iſt ein fehr feitener
—* ein Menſch das Ungiace hat, den 25
in die Klauen zu
Be anche Beweis De gürichen Wer! ng in
um Stürte, daß ſech feldhe Thiere nicht ſtark vers
Behranfenhalten, Won den giftigen Tpieten wird
——— gemachet, als iR —— tt,
Inb ich werde micht wider die Wahrheit reden,
ven füge, das fi Fade * am *
In Engeland find fie gar ausgerottet. Das
13 ich nicht begreifen, was ed mis dem wil⸗
Thiere im"Geveaudan für Bewanduiß baten
mmülfe, oder warum man fe mit ſo
ücher Zuruͤſtung, und einer "von
= —— nicht — „ober erlegen —
e eimguter Deut! er mit einen
dend Hunden wuͤrde bald a werben. “
| Deverley in feiner Hiftorle von Wirginia ſchreibe
Perg geober Jrrihum fey, ‚wenn die Leute
Fr eimbilderen, daß man da nicht anders, ald mit
ber größten Gefahr vor Schlangen, beſonders vor
* Rlapperfchlange, durch de Wälder reifen Eönnte.
—— iſt fu ‚und inganz
. ſwierica, jo weit Eı angebaues bar
| — faſt audgerottet, Dazu ur Di je fo wenig,
als irgend eine andere ) den Denfipen
von felort angreifen oder v „wenn ſie aut
unangetaftet bleidt. ©. ea Tranbe, Vol.
KXXVIN n, 433. p. 323. Eben —
Balm in * —— 8 ver. 39. — —2
—8
au * * — 7 hit,
.: Bi TAB: Richtiger Buaii .
daruͤber befehweren, bie wohl ihr —— —*
giftige Schlange und keinen Scorpion lebendig
ehen haben, und hoͤchſtens von einenn Flohe, 8
Die oder Mefpe geflochen ſeyn mögen, \
Die Infecten , Bögel und Mäuslein thun ‚ob
ferdings den Früchten und ber Saat Schaden,
Aber wenn fie nicht wären, ‚fo wuͤrde mandes
anderes Thier nicht leben. können, ‚welches denen
Menſchen zu Nuge kömmt. „ Wenn alle Saat um
' Ban aufwuͤchſe, und unvergehndet in bie
Scheure und zum Verkauſe Fäme: ſo ‚würde ber
Bauer.über die allzureiche Erndte und den wohle
feilen Preis Hagen, "Wenn alle Bluͤthe an ben
Baͤumen zur reifen Frucht gebiehe: fo würde fie
den Baum entfeäften, und viel zu Mein und um
a en ef ag
g
gel, Würmer und Raupen gewachſen; eg bleibt
für die Menfchen ein zureichender Vorrath nach;
der Preis bleibe mäßige. unb Jopnet frinen. Arbeis
ter; die Frucht wird nun größer und fhmadthafter,
Wenn Menfcpen voraus fehen koͤnnten, und ihr
Beſtes verſtanden, fa warden fie felbft auf man«
. Ken Baum Raupen hinauf tragen, unb
Mäufe und Voͤgel ins Sand einlaben, fi6 ih ·
en dan Veberfluß ber Dar unten Que
an
© SrPas Kine et in ben Rmebißben
Fra XIV, eineartige Geſchichte von.
—— darin, weiche I
. iuerben dem Maiß, old dem mügl
——— Beh, ie nah
ii,
H
gegen bie göttliche Vorſehung. 649
Es iſt ihnen gut und heilſam, daß ſie in beſtaͤndi⸗
ger Emſigkeit und Vorſicht erhalten werden, und
daß ſie nicht mit allzuweniger Arbeit zu viel ſchaf⸗
fen und gewinnen. So ſchaͤdlich es fuͤr uns ſeyn
würde, wenn des Goldes und Silbers zu viel in
der Welt wäre: fo viel Unordnung wuͤrde auch ents
fiehen, wenn aller Reichthun ber Matur ben
Menfchen zu Nugen kaͤme, und wenn ber Land⸗
mann mit eines jahres Arbeit mehrer Fahre Vor⸗
rat gewönne. Die meifefte Borfehung har diefes
allein zum Gleichmaaße bringen können, und gute
und fchlechte Jahre fo unter einander zu mifchen
gewußt, daß die Menfchen in fteter Arbeit unter
halten werben, aber daß es auch ben Fleißigen an
Belohnung, und überhaupt allen an Nahrung
nicht gebricht. Darinn müffen wir auch die milde
Fuͤgung mit der Witterung bewundern , daß, wenn
| Ss5 einmal
Man hätte namlich in Neuengland, um fie auszu⸗
rotten, auf jeden Maißdiebskopf eine Belohnung
geſetzt, und diefes hatte auch die gefuchte Wirkung
gethan. ber dagegen hatte fich im J. 1749. im
Sommer eine Menge Grasraupen eingefunden,
welche das Heu des Jahres fo Fr Grunde gerichtet,
dag Schiffe voll Heu aus England hätten ver;
ſchrieben werden müffen. Da man nach der Ur⸗
ache geforfcht, fo hätte man fich erinnert, daß die
aißdiebe einen guten Theil des Sommers, che
der Maiß reif wird, von diefen Raupen lebten und
beven Vermehrung verhinderten. Folglich hatte
man ſichs gereuen laffen, daß man durch Yusrors
tung der Maißdiebe dieſes Ungeziefer vermehret
650. IX-Abh. Richtigkeit der Zweifel
einmal das Ungeziefer von Heuſchrecken, Diäufen
"und dergleichen, einem ganzen Sande die aufferfte
Berheerung zu drohen fcheint, dabey alle menſch⸗
liche Vorſicht unzulänglich ſeyn wuͤrde, die kuͤnfti⸗
ge Brut aufs folgende Jahr auszurotten, bald
darauf eine foldye Wirterung koͤmmt, welche alles
Geſchmeiß verjaget, alle Brut erftidet, und, fo
‚gu reden, ausfeget. So fehen wir jährlich bey als
len Inſecten in Gärten und Feldern, daß balb
dieſe, bald jene Art überband nimmt, die herge
gen im nächften “jahre durch eine andere Witte
gung unterdrüdt, und in engere Schranken ge
bracht wird. h
$ 10.
So fchr wir Menfchen aber wider den Scha⸗
den von andern Thieren durch bie göttliche Vorſe⸗
bung vermahret find: fo fehr möchte man ſich
wundern, wie es der Güte des Schöpfers gefallen
mögen, unter den Thieren felbft einc folche natuͤr⸗
liche Ordnung zu fliften, daß eins von dem an
bern feine Nahrung fuchen, und alfo das andere
verzehren muß. Warum find nicht alle Thiere un«
ſchaͤdlich? Warum ift ihre Natur nicht fo beſchaf⸗
fen, daß fie ihre Mahrung von leblofen Dingen
fühen ? Warum muß ein beftändiger Krieg, lau
ter Mord und Blutvergiegen unter ihnen feyn ?
Es kann feyn, daß diefes einigen Menfchen gar
feinen Anftoß giebt, Die gegen ihre Mebengefchepfe
gar zu unempfindlid), oder wohl graufam find:
aber vielleicht haben auch andere.ein gar zu zärtlis
ches Herz gegen die Thiere, fo ferne fir en
elben
gegen die göttliche Vorſehung. 651
en als empfindende Wefen vorftellen, und fich
n Echmerz und Tod in Getanfen anmaßen.
r müffen aber nicht das Herz und deſſen ange»
nnene Meigung, fondern die Vernunft, hiervon
yeilen laffen. |
Wenn man ſich eine folche Orbnung vorftellete,
alle Thiere auf dem ganzen Erbboden von lau«
leblofen Dingen ihre Mahrung haben follten : fo
offenbar, daß nicht der zehnte Theil von Leben⸗
n bey uns ſeyn koͤnnte, und daß fie doch alle,
ı fomohl, wie jegt, endlich fterben müßten.
Serftere erhellet aus der Menge der Raubthiere,
ee den Inſecten, Voͤgeln, Vierfüßigen, und ins
yerheit unter den Fiſchen. Denn entweder müß«
diefe alle fehlen; oder, wenn an deren Statt
ere Arten ſeyn follten, die fi bloß mit Kräus
ı und Wurzeln behülfen, fo würde folgen, daß
yen ganzen Erdboden verwuͤſteten und kahl mache⸗
Gewiß, was jegt auf Wiefen, Aedern,
umen und Stauden wächlt, bienet alles, theils
nfchen, zahme und wilde Thiere, Vögel und
fecten zu nähren, fheils die Pflanzen und deren
ichte zu bedecken. Sollten nun auch die Raub»
reißenden Thiere an gleiches Futter gewieſen
ı: follten die großen Raubvoͤgel ben Tage und
Macht auf unfere Saatäder, Küchen» und
ıchtgärten fallen; fo mürde feine Erndte für ung
rbleiben, fo würden alle Pflanzen verzehret, oder
uigftens ihrer Blätter, Bluͤthen und Früchte
aubt werden, - und in einigen Jahren ganz ver.
en, mithin auch eine allgemeine Burgen
u u
652 IX Abh. Nichtigkeit der Zweifel
und Stechen unter ben Thieren erfolgen. Die
- Menfchen würden aud) file ſich die größte Noch
"Haben, ſich zu erhalten, wenn fie nicht nebft den
dgewächfen auch andere Thiere effen follten,
und wenn die, welche fie effen, ſich nicht zuvor von
‚andern Thieren genähret Härten. Und wie wuͤrden
vollends Die zahlreichen Schaaren ber Fifche und
Inſecten von dem wenigen Moofe und Kraute,
re waͤchſt, unterhalten werben
ESs iſt alfe offenbar, daß der Erdboden in al
Ien feinen Elementen viel dber, und des größten
Theils feiner Einmohner beraubt fern wuͤrdez
welches der Vollkommenheit der Welt und dem
Endzwecke der Schöpfung entgegen ift. Und ben
noch wuͤrde für die überbleibenden Thiere nichts by
ſolcher Ordnung gewonnen, Denn fie müßten :
doch natürlicher Weife alle fterben, weil nad) den
ordentlichen Gefegen der Bewegung eine folche
Maſchine eines organifchen Körpers, als die Thiere
haben, nicht ewig beftehen kann; und fie würden
eines natürlichen Todes nun viel langfamer und
mershafter fterben, als wenn fie auf einmal von
ER Feinden hingeruͤckt und überwältigt werden.
a, aus dem natürlichen Tode würde noch ein
neues Ungemach für die Nachbleibenden entftehen,
wenn die Hin und wieder umgefallenen Aefer der
Sandthiere, und die herumtreiberidven todten Fiſche,
£uft und Waſſer mit ihrem Geſtanke und mit ihrer
Faͤulung anſteckten, indem fie von feinem fleiſch⸗
freffenden Thitre verzehret würden; woraus denn
noth«
u gegen die göttliche Vorſehung. 653
ehwendig unter den Lebendigen Efel, Krankheit
d Peſt entftehen müßte t.
Es ift alfo eine weife und gute Ordnung in .
e Matur, daß fi manche Thiere von andern
ihren. Die Welt wird dadurch mit einer weis
ößeren Mannichfaleigfeit und Menge von Leben⸗
sen, und fodann mit allerhand Art von $uft und.
tergnügen erfüllet; welches fie defto vollfommener
achet. Die Nahrung ift nunmehro für alle zu⸗
ichender, da fie nicht bloß in dem Pflanzenreiche
fuchet werben darfe Eine jede Thierart wird,
mmittelft dieſer Ordnung, in gemäßigten Schran«
m gehalten, daß bloß ihr Meberfluß befchnitten
ird, und fie meber zu fehr zunehmen, noch auch
rrilget werben Bann. Den leidenden Thieren ges
hieht Dadurch nicht mehr Boͤſes, als daß fie ſter⸗
m; welches ihnen doch nad) dem Laufe der Natur
ätte begegnen müffen, und welches ihnen auf bie
[xt noch weis fehmerzhafter geweſen wäre, Sie
| genies
Herr Baſſelquiſt bemerket Inden ſchwediſchen Abhand⸗
lungen Sb. XIII. p. 203. ſqq. daß der Bergfalte,
nebſt den Gegnern und wilden Hunden, in der Tuͤr⸗
. Tey, Aegypten, Natolien, u. f. w. fehr nöthige Thie⸗
re find, um die vielen Aeſer der umgeralenen
Pferde, Eſel, Maulefel, Kameele u. f. w. zu vers
zehren; zumal, da die Tuͤrken fo ſchweiniſch und
forglos find, daß fie ſolche Aefer nicht einſcharren.
(Er meynet auch p. 207 fd. daß daher viellcicht die
mujelmannifebe Barmbersigteit entflanden , da
fromme Leute in ihrem Teſtamente Capitalia vermas
“ben, dieſen Vögeln alle Morgen friſches Fleiſch
binauszuführen.
654 IX Abh. Nichtigkeit der Zweifel |
genießen unterdeflen ihres Lebens, fo lange fie &
"haben, ohne alle *Beforgniß und Furcht des Zufimf
igen. Der bevorftehende Tod benimme-ihrer Zu
friedenheit nichts, weil fie durch feine Vorſtellung
, bes zußünftigen Endes ober ber Gefahr beunruhi
get werden; fie fterben, ohne zu wiſſen, baf fie.
fterben.. Ihr entfeelter Leichnam bleibe nicht zum
Geſtanke und Scheufale anderer liegen, fondern wird
bald aufs neue wieder befeelt, indem er alfobald
durch die Nahrung in die Gemeinfchaft des Lebens
tritt. Unterdeſſen verneuert und vervielfältiget ſich
eine jede Art der Sterblichen im beftimmten Ben
haͤltniſſe durch die Erzeugung neuer Gefchlechter,
und die Welt bleibt nicht allein fters gleich lebhaſt
an Thieren, fondern die edleren, nämlich die Wien,
ſchen, und die unſchaͤdlichen zahmen und wilden,
nehmen zu, und Die Welt wird nod) vollkommener,
als fie gemefen.
Man muß dabey die unendliche Worficht des
Scöpfers bewundern, der den Raubthieren nicht
mehr Sruchtbarkeit, Waffen, Stärfe, Liſt, ©e
fhmindigfeit und Fraß bengeleget, als zut Verzeh⸗
rung des Ueberfluſſes anderer Gefchlechter und der
Aeſer ihrer Todten nöthig war; hingegen aber Die
leivenden und unfchädlidyen, mo nicht mit Waffen
und Stärfe, dennoch mit fo viel Fruchtbarkeit,
Lift oder Geſchwindigkeit verfehen hat, daß allezeit
ſo viele der Gefahr entgehen, ale zum gebührenden
Berhältnijfe der Thiere unfer einander gehöret,
Keine Art wird demnach zu fehr verdränger, ver.
mindert oder gar ausgerottet, feine nimmt zum
Unsergange anderer überhand,
Diefes
|
gegen die göttliche Borfehung. 635
Diefes beweift eine Vorſehung, melche bie
zebenheiten, in ber Folge der Dinge, nicht
; unbeflimme, und insgemein überdacht, fone
t alle einzelne Falle aller Fünftigen Zeiten, nach
natürlichen Wirfungen, genau abgemogen und
chnet hat : wie viele und welche Thiere jeder
, an jedem Orte und zu jeder Zeit, nach dem
ebenen Maage ihrer Vermehrung, Krefte,
iffen, Liſt oder Geſchwindigkeit, in ber Wer
pfung der Dinge, ihren Seinden entfommen
den, bamit ein beftändiges Werhältniß unter
n bliebe. Wäre nicht jeber einzefner Kall in
ı allgemeinen vorausgefehen:: fo würde der bes
dere wirfliche Erfolg der "Begebenheiten einem
ıden Zufalle überlaffen fenn, und jo wäre das
ichgewicht in Dem Thierreiche längft gefiöıe
» aufgehoben, und manche Art würde zu volk⸗
h, manche zu gering geworben und vergangen
. $ ım
Gleichwie wir Menfchen nun eine befondere
rfehung des Schöpfers über ung erfennen muͤſ⸗
‚ daß er uns fo viele Vorzüge vor den Thieren
eftanden har, nicht aber verlangen koͤnnen, daß
Welt allein um unfernt willen feyn follte: fo wäre
ud) eine unbedachtfame Forderung, daß wir lau⸗
gute Tage in der Welt haben, und fonft feine
wfehung über ung erfennen wollten. Denn eine
he Welt und febensart, darinn dem Menfchen
yes Nidriges, fondern lauter Luft und Freude;
begeg«
656 LAbh. Nichtigkeit der Zweifel |
begegnete, wäre nicht allein unmöglich, ſonden
uns auch felbft nicht zufräglich.
Laſſet uns einmal eine. beffere Welt für ums,
| wenigftens in Gedanken, bauen, und fehen, eb
ſie fuͤr fih und mit unfeem Wohl beftehen- konne
Es foll ung darinn fein Blitz, Fein Sturm, fein
Erdbeben; Feine Ueberſchwemmuͤng treffen odet
ſchrecken. Nicht Hige, nicht Kälte, fol zu unfe
rer DBeläftigung zunehmen, fonbern allerwaͤrts
und allezeit fol angenehmes Wetter feyn, regnen
-und wehen, wenn und. wie wir es verlangen. Auf
der Erde finden fih nım feine Wuͤſten, Sand,
Mohr, Heyde, Felſen: die Berge laffen ſich her⸗
unter, Unfraut, Dornen und Difteln verſchwin⸗
den, der Boden wird überall eben und fruchtbar,
fo, daß er feine Einwohner mit wechfelnder Schön
heit anlachet. Man weis von feinem Miswachfe,
fondern alle Jahre bezahlen uns die Einfaat- und
Pflanzung mie dem reichften Wucher. Wenn mir
ja das Ungeziefer,, nebft ben giftigen und reiffenden
Thieren, dulden, fo wollen wir fie in eine große
Inſel verweiſen. Menfchen und Vieh müffen Leis
nen Fehl, oder ſchwache und ungeftalte Körperges
biren. Ueber Armuth, Schmerz und Kranfhei-
ten werden feine Klagen gefuͤhret, fondern was
nur irgend Sinne und Gemüth ergögen kann, bag
wird allenthalben in fteter Geſundheit, Luft und
Ueberfluſſe genoffen. Die Vorftellung des Todes
foll ung auch nicht quälen ı man fann nach eigenent
Gefallen entweder beftändig hier leben, oder fanft
einſchlafen. Ich weis nicht, ob ich auch die hefe
tigen
— -
gegen die göttliche Worfehung. 657
geibenfchaften und $after aus der Welt ver
m foll, und ſtatt deren lauter Tugend einfühe
benn vielleicht möchten, nach manches Sin«
ene eher, als dieſe, zur beiten Welt und zu den
nen Zeiten gehören.
Ullein, träumen wir denn nicht, wenn wir fo
n ? Nehmen wir nicht lauter widerfprechende
e für Möglidyfeiten an ? Die Erde fann ja
eben feyn, und doc mit fließenden ‘Bächen
Steömen gewaͤſſert werden: fie ann niche
en fruchtbaren Boden haben, und doch aller
wäuter, Pflanzen, Bäume und Früchte tra»
Sie fann nicht Leimen, Sand, Kreide,
‚ Kohlen, Salz, Steine, Kalt, Kieß,
zefel, Vitriol, Mineralien, Metalle, Ges
wunnen und Bäder hergeben, ohne daß fie aus
ebenen Theilen und Schichten zufanımen ges
en, und daß fich hie und da eine Gaͤhrung
Fntzündung äuffere, welche ein Erdbeben nach
ieht. Sie kann nicht mit einem $uftfreife
ben ſeyn, und boch Feine Ausdünftungen aufs
n laſſen, welche Blitz, Wind und: allerley
er verurfahen. Wollen wir vom Monde
‚ nebft Ebbe und Fluch, genießen, fo müffen
uch von feinem Drucke oder Anziehen Stürme
leberſtroͤmungen annehmen. Soll die Sonne
und untergehen, Frühling, Sommer unb
ft machen, und die Erde allentbalben wohnbar
wie fönnen wir einerlen Wärme und Better ver⸗
n? Wie foll; zu gleicher Zeit für die Wäfcherinn
Sonne fiheinen , und für den Landmann Re
allen? für das magere Sand ein feuchtes, für
Tt Dos
658 1X Abh. Nichtigkeit der Zweifel
Das fette ein trockenes Jahr werben? für dem auf
laufenden Schiffer ein Oſtwind, für den einfom
menben ein Weltwind wehen?
- Bir aber felbft Finnen ja nicht Menfchen, und
doch von Natur unfterblich Inn: einen organifchen
$eib zu unferm Werkzeuge brauchen, ohne daß e
den mechanifchen Geſetzen, dem Miswachſe, ber
Schwaͤche und Krankheit, dem Tode und der Ber
wefung unterworfen wäre: wir fönnen nicht zugleich
Menfchen- und Muͤckenaugen haben, die zugleich
ein Microfcoplum und ein Fernglas wären; nict
Dhren, die alles von Ferne, und doch ohne Ber
mwirrung böreten. Wie reunten fid) unfere zarken
Empfindungen und gefchlanfen Glieder mit eine
eifenharten Unempfindlichfeit gegen allen Schmer;
und alle Verlegung?
Gefegt aber, daß dergleichen Welt und $ebens.
art möglich wäre: würde dieſer Zuftand für uns
gut ſeyn? Ich zweifele daran ſehr. Man wünfchet
bie Erde fo fhön, daß fie vor Schönpeit unwohn⸗
bar feyn würde. Das beftändige angenehme Wet |
ter, ohne Blig, Sturm und Fluthen, wird £uft |.
und Waffer anſtecken, daß Feine lebendige Seele ',
bauren kann, und wird alle Pflanzen übertreiben |
und erftißen, daß feine Frucht oder Saar zur Rei
fe gebeyet. Die ebene Erdfläche wird ein artige ';
Moraft werden, weil man bie Berge, Selfen und |,
Gletſcher verwünfcht hat. Dem fruchtbaren Bo \
den wird es an faufenderley nöchigen Pflanzen und |
Bäumen, an Heyde, Torf, Kohlen, Sand, Lei⸗
men, Kreide, Kalf, Steinen und allen Minera N
lien gebrechen. Und wo will man endlich mic ale r
Leber '
ge die göttliche Vorſehung· 659
öerfiuffe bin, der die Menſchen träge, wolluͤfti
WW vichifch machet? Warum will man Dürftigs
Kunb Armuth verbannen, da fie Doch bas feſteſte
ſaich der menſchlichen Geſellſchaft fnüpfen, und
wie Re aller Unterfchied der Stände aufhören, kei⸗
* dem andern bienftbar ſeyn, feiner auf: Erfins
imngen und Künfte denfen, das iſt, alle arm und
un. würden. | Ä
> Steht finnfiche Luſt iſt der menfchlichen. Natur
it ſo wenig gemäß: ein räglicher Zucker hoͤret auf,
F. finde , und erwecket bald Efel und Uns
-We Börperlichen Nerven koͤnnen ben anhalten⸗
A Kihel nicht vertragen, und werden dadurch ge
Bee das Gemuͤth aber wird infonderheit das
XD erttfräftet, und in fauler Wolluft begraben,
Me ie jest Faum die guten Tage vertragen,
5 Regen mit dem Sonnenfcheine wechſelt:
de vi weniger wuͤrde uns eine lautere Heiterkeit
en! Müßiggang, Trägheit , Schmelgeren,
Felfpeit, Dummheit, Unmiffenpeit, Thorheit, Ue—
Pirat, Stolz, Zanf umd Unvertraͤglichkeit wir.
ie Die Jolgen eines foldhen Sebens fern. Arbeit,
Me, Widermärtigkeit, ſtaͤrken und ſchaͤrfen
gen. unfere Kräfte des Leibes und Gemuͤthes,
I halten ums von manchtr Ausſchweifung und
fern ab. Die Untuft, welche ſich in unfere
miſchet, erhoͤhet ſo gar ihre Eimpfin-
wie der Winter den Frühling, dag Gewit⸗
de den Sonnenſchein, ber Schatten die Farben,
ne Webetlang die Uebereinſtimmung ber Toͤne.
iſt fie auch eine zwat bittere, doch heilfame Ar⸗
, Die und zur Gefurfeit gereichet, und mfere
’ Tt ,.. Bau *
[4
afy
660 IX Mh. Richtigkeit der Zweifel
Begierben :mieber in Orbnung bringe. Wen
wir uns nur ſelbſt fein Böfes zuziehen, und weiſe
find, fo wirb bey allem Wechſel von Leid unb
Freude eine folche Mifchung bleiben, die uns das |
Leben niche allein erträglich, fondern auch angenehm
madhet.
$ ı2
Diejenigen, welche überhaupt dem menſchlichen
Leben ein überwiegendes Elend zufchreiben, fd
nen mir deſſen Werth nad) den Wünfchen eine
. übertriebenen oder weichlichen Wolluſt zu ſchaͤtzen |
welche immer in vollem Kigel der Sinne feyn mil,
und fobald derſelbe aufhöret, oder durch ein Eleines
Ungemach geftöret wird, ſchon heftig zu Flagenan
fängt. Sie fiheinen die fanfte Ruhe und Ergoͤ
gung nicht zu Fennen, welche von der Beichäffti
gung mit einer nüglichen Arbeit, von der Betrach⸗
tung der Natur, und der darinn offenbarten Weis
beit und Güte ihres Urhebers, von ber Einficht der
Wahrheiten, von Wise und Erfindung, von einer
weifen und Plugen Aufführung, und von der Zu⸗
friedenheit des Gewiſſens über die Erfüllung feiner
Pflicht entfteht. Sie fcheinen nichts von der Hoff: |
nung eines noch befferen Jebens in den Genuß des
gegenwärtigen einfließen zu laffen, und, ba ihnen
Diefes Leben, nach ihrer Natur, nicht volle Genüge
hun fann, daſſelbe gar zu verachten.
Man bezieht ſich gegentheils, wie mich dünfet,
mit Unrechte auf aller Menſchen Urcheil und Em»
pfindung, weil feiner fein voriges $eben noch ein»
mal anzufangen verlangen würde, wenn er eben
das
— — — — —
an \ 9 _- | 0
i die göttliche Vorſchung. 661
wen; —2* eu ausgeſtauben, von neuem
— — ——
r
kein Teils wird faͤlſchlich daraus
— und Erf Erfaßeung taſſen uns nicht an⸗
Pi denken, als daß die meiften Menfchen ihe
giges- Sehen. gern wieder anfangen würden, wenn
Abe als — vorſtelleten. Denn die Natur
ginem ‚jeden eine ſtarke Liebe zum toben einge:
6 ; -fo- Daß wohl einige beffen Erhaltung mis
je erfaufen würden, wenn es ihnen.
* Denn die meiſten Menſchen ihr Le⸗
gem wittelmaͤßigen und erträglichen Zu
md- geweſen ſind: was ſollte fie. meufchli«
Meiſe bewegen, ihr voriges Leben ſo ſehr zu
Dir froͤhlichen Jugendjahre und die vollen
des Alters — fi. ja viele wirklich
ie hre⸗ eingemiſchten Leidens
3 und ſelbſt diejenigen, denen
ganze menſchliche Leben ſo
betruͤbe vorkoͤmmt, würben es
Ted fie ia Ernfle eridfen
wie jener Holztraͤger in ber Fa⸗
ja, leider! viele, die fein zukuͤnf⸗
glauben, ober nicht daran gedenfen: .
die denn. niche alle, wenn fie
er halten, todt zu ſeyn, als zu leben? war«
vielmehr den Tob als bas allerer.
31
5:
a
E:
*
⸗ ze3. | We,
wärtiger Empfindung oder Erinnerui
wiſſen Leides und Verbruffes , in eine
wünfchung ihres Lebens ausbreden:
fich die ungeſtume Bewegung geleget ha
anderes Sinnes. Andere haben, ihr:
nad), nod) eine gute Zeit zu leben v
richten alsdenn, wenn fie Darauf fehen,
gen mehr auf das Zufünftige, und a
nung des Befferen. Denn wir ſuche
nad) unferer Natur, immer vollton
glücflicher zu werden; und in der Be
feicht zu begreifen, daß ein Menfch
Stufen nicht gern noch einmal fteig«
geht folhen wie den Reifenden, bie ı
ſchoͤnen Dre zu befuchen vor ſich haben
den bey der Begierde nicht gern um!
die vorigen Derter noch einmal durch
Aber daraus folge nicht , daß ihner
Keife misfallen habe. Diefes ift n
Huf, miße : fo iſt unter den Menſchen, wes
Beandes und welcher Umftände fie auch. fonft ſeyn
kein großer Unterſchled “ Geriuge und
De een un enden dee welfee Ka mic chen
vielem Wohlſchwacke, als. der: Reiche -unb
feine cheuren eferbiffen; fie freuen ſich
er site ja fo ſehr, als. ein König über
Biege mb eroberte $änder. Die. Gewohnheit.
ifchärfen und erhöhen eine geringe Laſt, meiche
Agoifchen fömmt. ' Was.ift Daran 1, ob fi
ft und ihr Vergnügen aus.-pr jen und
—— oder aus. ſchlecheen unts täglichen Din⸗
eis fehöpfen, wenn fie nur eben fo wiel £uft und
Bergnügen haben Adumen, als der: ?
FF Die Weisheit giebt ollein,, bey folcher Gleiche
ie der Menfchen, einen. Vorzug. Weil wir näme
ch nach unferer Natur, nicht anders, als durch
“ Tt4 riedrige
Sa ii eine markante, aber große. Wahrheit,
ung, und Bo
ee
nichrige Stufen, zu einer höheren Vollkommenheit
und Gfückfeligkeit fommen Fönnen: fo- verachtet
‚ and vergället ein. Weifer dası jegige,geben und feis
nen Stand nicht durch ebsrichte ze w
- Betrübniß und Ringe. Er weis, er
natürlichen Empfindung der buſt nicht —
an, als bie Groͤßten und Reichſten; er genießt
} alfe des gegenmärrigen Guten; und ftöret fich den
Genuß nicht mit neidifcher oder voreiliger Worfich
kung eines größeren — das er nicht beſit,
oder das andere befigen. Er verachtet ſelbſt die
ſinnlichen Ergoͤtzungen nicht; aber er weis fie, durch
klugen Gebrauch, unſchaͤdlicher, ſchmackhafter und
feiner zu machen zer bemuͤhet ſich jedoch vornehm«
lich die. Vollkommenheiten in andern Menfchen, in
der Natur, und in deren großem Urheber einzufer
ben, und darnach feinen Verſtand zum wahren
und Wahrheiten
ſes borbeiten,
Verdruſſe und Reue; es begluͤchet fein teben mit eis
wem höheren unb reineren Vergnügen, Das niedtis
gen Seelen unbefannt bleibt; es feget ihn über die
Bidrigen Zufälle feiner zerbrechlichen Natur, und
jet ihm, unter ſteter Verſicherung von **
nm und guͤtigſten Obhut des
fens, einen Vorſchmack von einer Ein! ae
zen Glückfeligkeic, dazu er beftimmet iſt.
533.
Ein Weiſer wird aber feine wunderthaͤtige
PR der. Welt von Gott erwarten ober
verlane
un =
u
s
gegen bie göttliche Borfehung. 665
rlangen: noch ſich daran ſtoßen, wenn es das
nfehen hat, daß auch die Frommen einigen wi⸗
igen Zufällen in der Verfnüpfung der Dinge un«
rworfen find; oder, daß die Lafterhaften nicht
eich auf der Stelle geftraft werden, fondern wohl
ir vor andern gluͤcklich zu fenn fcheinen. Er weis
rs erfte, wie oft man fich in folchen Begeben⸗
iten triegt, als ob es den Frommen fo häufig
el, und den Sottlofen wohl gehe; und in den fels
nen Sällen, wo es Wahrheit hat, erfennet er
ch, daß die Zulaffung folcher midrigen Begeben-
iten ber meifeften Borfehung gemäß fen, und von
rfelben zum Guten gelenket werde.
Wer die Menfchen und ihre Zufälfe genauer
nterfuchet, der wird finden, daß von der meiften
Jemüthsbefchaffenheit, Aufführung und Zuftande
dfch geurtheilet wird. Sie find. mehrentheils
itweder nicht fromm, ober felbft fchuld an ihrer
Bidermärtigfeit, oder auch in der That nicht un«
ücfelig.
Wenn wir feben, daß ein wunderlicher Heili⸗
er mit ſeinen Grillen, oder mit ſeinem unzeitigen
ifer anlaͤuft; daß ein unruhiger Kopf feine ver⸗
venntlich gerechte Sache, zu feinem Schaden, zu
eit treibt; dag mancher, ohne Fleiß, Vorſicht,
jefchicklichkeie und ordentliche Haushaltung, bloß
sie Bethen, $efen, Kirchengeben feine Nahrung
ergeblich ſuchet; daß ein anderer, bey feiner Ein«
le und Unwiſſenheit, ohne "Beförderung bleibt;
aß dort ein Eigenfinniger, Murrifcher , Zanffüche
ger viele Seinde hat; werben wir folchen Leuten
ine ächte Srömmigkeit und Tugend beylegen, und
Ä Its m
nd
666 IX Ah. Nichtigkeit der Zweifel
ihren Klagen Recht geben koͤnnen, daß fie unver⸗
ſchuldet leiden? | |
Die meiften Menfihen find blind gegen ihre
Fehler, und daher geneigt, ihre eigene Schuld von
fich ab, und auf andere, oder aufs Ungluͤck, auf
ein Schickſal, auf die Vorfehung zu waͤlzen; das
gegen aber fich fälfchlich alle Fähigkeit, Vollkom
menheit und Tugend, infonderheit Die Srömmigfekt,
jueignen. Allein, fie haben mehrentheils einen
igen Begriff von diefer großen Pflicht und dern
Belohnung. Denn fie bilden ſich ein, daß ent-
meber der äufferliche Gottesdienft, oder doch die
Verehrung Gottes, alles ausmache, was Gott
von ihnen fordert, und daß fie dadurch fehon an
fich allen Segen verdienten, fie möchten ſich übris
gens betragen, wie ſie wollten. Die göttliche Ord.
nung erheifchet eben auch die Pflichten gegen andere
Menfchen und gegen uns felbft; und zwar, mas
ums felbit berrifft, daß wir nicht allein unfern Wil⸗
Im, fondern aud) unfern Verftand und äufferlichen
Zuſtand beffern; daß mir vernünftig, meife, Elug,
vorfichtig werben, mas rechtfäyaffenes meifterlich
lernen, emfig und fleißig find, und uns andern
Menfchen nüße und gefällig machen. Wer diefes
verſaͤumet, oder auch das Gegentheil thut, der
kann nicht fagen, daß er fich der göttlichen Orb»
nung gemäß bezeige, und fo ferne Gott feinen Ge⸗
Be ‚, Furcht oder Dientt leifte. Was Wunder
es denn, daß ihr Betragen feine natürliche Fol.
gen hat ? ober wie kann man ſolche Begebenheiten
unter diejenigen zählen, welche einen Anftoß gegen
bie göttliche Worfehung geben? —
| oͤn⸗
>
— — nn iii — — — — — EEE ner. — en e nee nn nn
: gegen die göttliche Vorſehung. 667
Koͤnnen ſich aber die Menſchen nicht eben ſo⸗
| in dem Urtheile, daß einer laſterhaft und
08 fen, irren, als fie der Schein einer Froͤm⸗
Peit, oder ihre Eigenliebe, triegt? Es wäre
ünfchen, daß nur der Päbel alle diejenigen, welche
lichen Standes find, für Weltlichgejinnte,: alle
iften für boͤſe Chriften, alle Naturforfcher für
uraliften, alle Mathematifer für Acheiften, alle-
he und Vornehme für ungerecht und gottlos
e Allein, vielleicht find auch Klügere niche
ih von folhen Worurtheilen frey, und oft
het fich ein Neid, oder eine befondere Zwiſtig⸗
mit in dag fieblofe Urtheil ein. Geſetzt aber,
ı fann folche Leute, denen es wohl geht, nicht
ı unter die Frommen und QTugendhaften red)
: find fie darum alfobald gottlos und lafter-
zu nennen? Es giebt einen mittleren Zuftand
der ſittlichen Bollfommenheit und Unvollloms
heit. Manche Menfchen find nicht völlig gut,
auch nicht völlig böfe zu nennen ; und folche
ıen Doch viel natürliches Gutes und viele Ges
Plichfeit, Klugheit, Emfigfeit, Dienftferrigs
und dergleichen löbliche Eigenſchaften an ſich
m. Sollen fie darum alle nafürlidye Beloh⸗
g verlieren, weil fie nicht alle Tugenden, und
nders die höchfte, befigen ?_ ober kann man fie
Rechte zum Benfpiele der Gottloſen ftellen ? ober
n Bote, nach feiner weiſen Borfehung, eines
ee Kinder, dem es röthig thut, nicht mie
Hrfe ziehen, das andere mit ber Güte
en
Sen
erfält: yumal)
er es mennet mehr as abe ern u pen, m
„ bagegen bas ©ute, was er in feinem mittehmäi :
Buftande beflgt, nicht erkennet oder genießt, ungeöch«
tee ihm Die Worfehuhg: fo viel gegännet, Daßer könne
en fe und feine Urſache ——
ſelbſt das vermeynte , was dem
. Den begegnet, verbienet fo fine den Kamm
wicht, als es ihm entweder ben "Weg zum Gluͤcke
bahnet, oder als eine Bittere Arzeney heilfam und
ee daß er ſich nicht überhebe und aus ·
Wie mancher wäre nicht gluͤcklich ge⸗
Kae mern er nicht ungluͤcklich geweſen wäre?
Singegen begeuget ale Geſchichte, daß vielen Safter-
a
gegen die göttliche Vorſehung. 669
fie gegenbie geringſte Unluſt werben’; wie viel
druß ſich verborgener Weife auch in die Pallde
infchleiche, und wohl gar bis zu den Thronen
met ; mit welcher inneren Unruhe, Scham,
ıe und Furcht das boͤſe Zeugniß des Gewiſ⸗
: bie Safterhaften zuͤchtiget: fo wuͤrden wie.
n gewiß folche triegende Gluͤckſeligkeit nicht
gönnen. |
G 14.
Was aber vie Fälle betrifft, da den wirklich
chuldigen und Srommen etwas wahrhaftig "Bde
‚ den wirklich £afterhaften und Gertlofen etwas
whaftig Gutes begegnet : fo kann man dabey
ünftiger Weife feine wunderthätige und über
uͤrliche Vorſehung verlangen; fonbern hoͤchſtens
daraus ſchließen, daß beyde widrige Bege⸗
heiten zugelaſſen, weisllch zum Guten gelen⸗
und zu ſeiner Zeit nach Verdienſte vergolten
den.
Es giebt viele Menſchen, die ſich ſolchen Be⸗
f von der beſonderen Vorſehung machen : Gott
ßte, ſo oft die Unſchuldigen und Frommen in
Verknuͤpfung der Dinge mit einem Unfalle be⸗
het wuͤrden, denſelben außerordentlich von ih⸗
abkehren, und ihnen dagegen lauter Outes
derfahren laſſen: die Laſterhaften aber muͤßte
lles Gluͤckes berauben, und mit gegenwaͤrtiger
rafe belegen. Allein, eine ſolche Vorſehung
e beydes den Vollkommenheiten Gottes und
er Werke entgegen, und den Menſchen ſelbſt
t zutraͤglich. |
rar
eingefühtet werden. Denn man barf nicht geben»
Ben, daß etwas der Natur und dem Weſen eines
Dinges entgegen gefchehen Fönne, deſſen Mendes
rung fi) niche weiter erſtreckte, als auf den Meinen
Theil, worinn es gefchähe. Es hänge alles in
der Welt zufammen, ımd eine Weränderung muß
die andere, ja viele mehrere nad) ſich ziehen.
Wenn nun bie Kräfte und das Wefen der lebendi-
gen und feblofen Dinge die Mittel find,
fo viel Outes in der Welt geftiftet wird: fo folget
. auch, daß eine aufferorbentliche Weränderung in
ben Begebenheiten der Natur, die dem erfien
Ziverfe nicht gemäß ift, viel Gutes aufhebt
. Kr ya a0 ehrt —
ae St gfämdlr: Bde nen, de
. wie In einer bürgerlichen. Geſelſchaſt feine
i
&
|
gegen die göttliche Vorfefung, 671
me von den Gefegen, bey biefer oder jener ein.
einen Perfon, gefchehen kann, ofne daß es Fol⸗
gen nad) ſich zieht; und äftere Ausnahmen den
Sefegen felbft ihre Kraft benehmen, und die gan«
# Verfaflung des Staats umfehren.
Wie ? wenn denn nad) eben den Regeln , 100%
durch fo viele gefunde Körper gebildet werden, uns
ter etlichen hundert Geburten, zufälliger Weife,
ein Brefthafter, unter vielen taufenden eine Mis.
bervorfommen wollte; wenn ein unfhuldig
Kind durch Verwahrlofung feiner Wärterinn Scha-
den leiden, ober erdruct werden würde ; wenn ein
frommer Mann von einer herabfallenden Ziegel ges
quetfchet, von einem tolien Ochfen gejioßen, durch
eine Zeuersbrunft feiner Güter beraubet, von einem
inde vermunder, vom Blitze erfchlagen, von
der See verfchlungen werden möchte : follte denn
Gott alfobald in die Natur gewaltſam einbrechen,
die Regeln, wornach fo viele gefunde Körper ges
bildet werden, wodurch das Wachsthum und Le⸗
ben der Menfchen und Thiere befördert wird, wor»
nach fi) alle mechanifche Bewegung in der Welt
und ber freye Wille richtet, hemmen, ftören, aͤn ⸗
dern? Dadurch würde dag Wefen und die Natur
ber Dinge felbft aufgehoben, und für ein Uebel
Millionen geftiftet.
. $ı% \
Über, wenn es auch die Vollkommenheit Got.
tes und feiner Werke zuliege, daß Gott eine fo
‚wunberthätige Vorſehung über die Srommen und
Sottloſen äußerte ; fo würde es doch ——
vr Richtigen er
® Mtfommmenheit
eng förderlich on Tr —
u" | ige Vorfepung fen, ft
BR * en se ich : was würde
. Me Sache am fich ſeyn? Denn wie viele fchöpfen
tAcht aus folcher, falſchen Einbildung ein ungen
Wertraien zu ver göetichen auferstbentihen Hi
Our daß fie die natürlichen Mittel der
u , Klugheit, Brhutfamkeit, ja Pflicht |
I web Tugend in ren Sanblungen darüber verfäts
mai? Bey aller ihrer Nachießigkeit ——
tigkeit und verlaſſen ſie ſich dennoch
den goͤttlichen und Beyſtand; welches nichts
anders iſt, ‚als glauben, daß Bor TE
alle Augenblicke Wunder thun werde.
$eute fchließen auch wohl umgefehrt : es geht mir ,
befonders wohl, es gelingt mir dieß und das;
‚bat 28 Gott um meinentwillen aufferorbenelich ſo
gecen alſo muß ihm mein Wandel geſallen; da
doch aus Iren Handlungen ſelbſt nichts weniger zu
urtheilen ift, als daß fie den göttlichen Vorſchrif⸗
"ten gemäß leben follten. Man fann denn auch
leicht gedenken, wie unvernünftig und fieblos der⸗
gleichen Menfchen von andern urtheilen, wenn ih⸗
nen etwa widrige Begebenheiten zuſtoßen. Aus
eben der irrigen Vorſtellung von ber
Werfepung gehe es, Daß einige font nicht BR.
Menfcyen mit ihrem Gebethe, fo zu reden, din
Himmel zu ftürmen gebenfen, und Goct andere
Rathſchluͤſſe gläubigft abzwingen wollen, als feine
eig: Mei ftgefe Satz Da ie imee
ze Pflhe (egfälig gun, (und den’Erfag, ber
Hab
Dosen die gttiche Borfehung, 673
een Beta in geloffenem Vertrauen em⸗
Hieraus ſieht man ſchon, wenn eine ſolche
uderthaͤtige Vorſehung wirflich wäre, als ſich
che träumen laffen, daß fie nichts Outes unter
ı Menfchen fliften würde. Wenn mit ber
Immigfeit lauter gute Tage, Geſundheit, Wohl
ud, Ehre, Freundfchaft und Gluͤck, mit ber
Freie bergegen ftets Krankheit, "Armurh,
‚ Haß und alles Unglück vers
oftuhe: fo würten de, weiche fnfl'nod Mu
shaft werben möchten, aus allzugroßem Ders
men auf foldhe Vorfehung, ihre natürliche Faͤ⸗
keit, ſich vollfommen und gluͤcklich zu machen,
be. gebeaudien, ihee Pfliche beeflumen und über
sen, in ipren Dandlungen und Geberhe verwe⸗
n werben, menigftens die Tugend nicht ſowohl
ihres Inneren Werches, als um des äufferen
willen, lieben und üben, Dagegen würden
ʒwelche ein böfes Herz haben, zwar vielleicht Durch
echt einer gegenwärtigen aufferorbentlichen Stra-
ihrer Buͤberey abgeſchrecket; aber ihr Wille
würde nicht geändert ober gebeſſert,
wwern nur unter beftändiger Furcht gehalten.
wech beydes aber würde die aufrichtige willige
eigung zur Pflicht und Tugend, die innere
ollfommenpeit der Menfchen, und aller Unter
geilen Tugendhaften und Laſterhaften aufa
PD lockere Verbindung der äufferlichen Belafe.
ingen des Gluͤckes, und der: äufferlichen Strafen.
. Ungiides, mie Tugenden und Laſtern, ift Ben
j nn u X
vn
674 IX A6h. Nichtigkeit der Zweifel
nad) mweife und gut, bamit bie Menfchen ihre
Pflicht nicht knechtiſch thun, fondern Tugend als
Tugend, um ihres inneren Werthes willen, haupt
ſaͤchlich fieben, Lafter als Laſter, wegen ihrer inne
ren Häßlichfeit, vornehmlich haflen möchten. &s
iſt auch nicht zu befürchten, daß folche Verknüpfung
der Dinge, welche die Frommen vom Unglüde
nicht ganz frey machet, und den Gottloſen nicht alles
Gluͤck abfchneider , die Menfchen vom Guten ab.
ſchrecken, und zum Boͤſen reizen Pönne, Denn
weil das Ungluͤck, eben Darum, daß es nur ein Un
gluͤck ift, nicht für eine Folge, und Wirfung tugends
bafter Handlungen angefehen werden kann: fogiebt
es auch feinen Bewegungsgrund, die Tugend zu
meiden. Und weil das Gluͤck, eben Darum, daß
es ein bloßes Glück ift, nicht in der Gewalt des
Safterhaften fteht.: fo kann niemand denken, wenn
ich ein Schelm werde, fo müffen mir lauter Ges
winne in $otterien und gute Erbfchaften zufallen.
6 ı6.
Hieraus Ift genugfam zu erfennen, daß es auf
alle Weife der höchften Weishele und Guͤte gemäß
geweſen, die mwidrigen Begebenheiten des Gluͤckes
und Unglüdes in ber Bernüpfung der Dinge zuzu⸗
laſſen; in fo ferne durch deren aufferorbentfiche Aen⸗
derung unendlich mehr Böfes in die Natur und um
ter bie Menfchen felbft würde eingeführet werben.
Es erhellet alfo auch, daß diefes mit Gottes allges
meinen und befendern Vorſehung gar wohl beftehe,
und ihr gar nicht zur Saft gereiche.
u init ee N nV EEE "EN WANN VUN vr Vu — — -
Dr
gegen bie göttliche Vorſehung. 675
Der eigentliche Zweck Gottes iſt nicht, weder
n lebendigen Geſchoͤpfen uͤberhgupt Boſes wies
ihren zu laſſen, und beſonders die frommen
fehen unglücklich, die Gottloſen glücklich zu mas
‚ bie Tugend’ zu unterbrüdten, bie Safter zu reis
oder zu verflatten, daß es einer fo gut habe
der andere. Es ift aud) nidye mehr Boͤſes in
Welt zugelaffen, als was bie mefentlichen
ranfen endlicher Dinge in ber vorfichtigften
nüpfung unvermeidlich nach fich ziehen , und
weiches Zulaffung nur mehr Gutes gehindert,
» Böfes befördert feyn würde. Dagegen liege
Nervorbringung alter möglichen Lebendigen,
in’ der Webereinftimmung allee Einrichtung,
fe und Regeln mit dem Wohl der Lebendigen,
vahre Zweck des Schöpfers vor Augen: daß
el und: fo mancherley Vollkommenheit, Outes,
und Gluͤckſeligkeit in der Welt geſtiftet und ges
n werben foll, als nur moͤglich ift.
von Gott zur Wirklichkeit gebracht ift, gebe
be auf diefen Zweck. Der ganze Bau’ der
t, die Vertheilung der Materie in eine- Menge
w und finfterer Kugeln, die Bewegung ber
wilfchen Körper , die Abmechfelung von Tag
Macht, von Jahren und Jahreszeiten , die
michfaltigkeit der Erben und Erdgewaͤchſe, die
htbarfeit der Pflanzen und Thiere, die mecha»
en Kräfte und Regeln, die Bildung der thie⸗
en Körper und ihrer finnlichen Werkzeuge, die
be, Fertigkeiten und Künfte, welche ihren
len eingepflanze find: alles iſt gerade auf bie
alniung und. die. Suft. Der: Sebendigen gerki
Yır tm u u 3 tet,
I
‘
656 IR US. Nichtigken der Zumal
Des Menſchen Natur iſt beſonders genen
tei, olles iſt nicht allein untadelich, ſondern um
den ganzen Erdboden zu bewohnen, alle T
behfrrſchen, ace 7
reinſtimmung,
t, Weisheit, Kunſt, Geſelligkeit, M
ſchenliebe, Tugend, Sittlichkeit und Religion:
natuͤrlichen Regeln feines Verſtandes bringen
auf den Weg der Wahrheit; die natuͤrlichen?
geln feines Willens führe ihn zu nichts, als z
Guten und zur Gluͤckſeligkeit, und er hat ein ®
mögen und Verlangen, immer bis ins Unendli
vollkommener und glücklicher zu werden.
Nun ift es Des Menſchen Sache, fich befi
auch fo viel zu gebrauchen, aͤls es moͤglich iſt. 2
megungsgründe dazu hat der Schöpfer ſchon gem
in feine Seele geleget. Mit deni Erfenneniffe d
Wahrheit und Vollkommenheit, mit der Ausüben
von Pflicht und Tugend, hat er ein füßes Verga
gen, und eine innere Beruhigung und Zufriebe
beit, als eine eigenthümliche "Belohnung, verfnüpf
welche über alles geht, und ihm nimmer fiel
fchlägt. Ueberdem ift eine folche Verknüpfung i
der Natur und unter den Menfchen felbft gemache
. daß foldye Bemühungen, welche der göttlichen A
ſicht gemäg (oh, nämlich Erkenntniß, Weichei
: gegen bie göttliche Vorſehung. em
nſt, Bhäßigfeit, Fleiß, Treue, Siebe, Dienſt⸗
etigfeit, Brömmigkeit, u. 1. w. an fi f ſelbſt,
nomendig , angenehme Folgen und Wirkungen
w Gefmdpeit, Wohlſtande, Ehre, Sreundfchaft
ıben müffen, welche, wir ala Auffere Belohnungen
ter — anzuſehen haben, die uns die
Irfehung, nit Abfcht auf unfer Weftes, betim
“hat, und die felten ausbleiben.
koͤnnen alfo nicht anders denfen, als daß
sh GBlüds:unb Ungluͤcksfaͤlle, welche niche von
en e fondern yon Gottes allgemeis
-Berfnüpfung der Dinge entſtehen, wenn fie
eich wibrig fcheinen möchten , dennoch, nach eben
x weifen unb gätigen Vorſehung bes Schoͤpfers,
Be mit unferm Betragen, und zwar
ıunferm Woht, heben müffen, Denn es fan
dem Jaufe ber Natur nichts fo geringe feyn, das
lotg nicht vorher geſehen und beliebt hätte; und
kann nichts belieben, als was Gutes, ober auch
w zulaſſen, als aus guter Abſicht. Demnach
uß auch die Verfnüpfung ber Glücs. und Uns
uͤcksfaͤlle mit verſchiedener — Betragen
—— gr Unfiän. haben, und zum Mittel def
ben angewandt. feun, Und es folget umgefehrt,
6 alles Bute, was aus der Verknuͤpfung des
Mädes und Unglüdes mit verfchiedener Menfchen
emage ee, een fr, gi
u $ 17: |
Wir mögen uns demnach eines Thells nur
ne ſelber
agen, was für Wort , aug ben Gluͤcks und
j u. Unit
378 ¶ RaAbh. Nichtigkeit der Zweifel
Ungluͤcksfaͤllen wirklich entſtehen, ober entſtehen koͤn .
nen: fo werben wir Die Abſichten Gottes ijo ferne
ı “erreichen. Uebrigens aber müffen wir ums, wor
nehmlich in befondern Fällen ‚erinnern ‚. daß wir
Menfchen nicht vermögend find;,;den Zuſammen ·
hang jeder Begebenheit mit dem Mugen einzelner,
"ober mehrerer, oder gar aller. Menſchen einzufehen;
und wir haben dennoch nicht Urfache, anders zu den ·
fen, als daß fie nach weitem Mathe und ir
zum Beſten verhängt.oder zugelaſſen find,
wie müffen biefe Begebenheiten billig ſo — 2 —
als die Werfe der Natur, weil fie von: einem und
bemfelben Urheber, nach einerley Abſicht und Re
gein der Weisheit, entftanden find. Da fehret
uns nun Erfahrung und Vernunft in taufend Ber
ſpielen, daß die Theile der Thiere, Pflanzen, und
des ganzen Erdbodens, die Naturfräfte und Ge |
feße der Bewegung, die Einrichtung und Zufame |
menfügung der großen Weirkörper, bie ung
und ber Lauf der Veränderungen inder Welt, nid
umfonft fen, fondern alles feinen Mugen für bie
ebendigen habe. Wenn mir aber ben Gebrauch
" und Mugen eines Theiles der Pflanzen, und thieris
ſchen Körper, oder einer andern Sade und Ge
Khichte in der Natur nicht errathen koͤnnen: was
denken wir denn vernünftiger Weife? ſchließen wir,
daß die Sache deswegen gar feinen Nugen babe
weil wir ihn nicht wiſſen und einfehen? Nein, wir
fegen vielmehe zur Regel: in der Natur ift undge
ſchieht nichts umfonft; Fe bat feinen Nugen, ob
“wir ihn. gfeich nicht wiſſen. Dim gehen ia be
Süd. und: Ungluͤcksfalle auch natürlich zu, und p
gegen die göttliche Borfeung. - 679
Ind niche anders, als Begebenheiten der Natur
sfehen. Wir heißen fie nur Gluͤck und Unglüd,
en unferer Unmiffenheit, weil wir fie nicht vor«
ſehen, ober ihre Verknüpfung mit den Urſa⸗
und Abfichten wiffen. Vor Gott iſt aber nichts
ick ober Unglück, fonbern alles in feiner Bor
enheit fo gewiß, als die Sonnen md Mond»
erniſſen, Jahreszeiten und. Witterungen find,
ffen fie denn nicht-eben fo, wie diefe Begehen⸗
m, indem göttlichen Rathſchluſſe zureichenbi
vegungsgeunD, Abfiche, Regei und Natzen
Ich brauche nicht viel von ben Gluͤcks⸗und
üchsfälten zu fagen, da Sromme Gutes, und
tloſe Boͤſes eriffe: denn die geben ber Vorſe⸗
g gar feinen Anſtoß, ſondern beftätigen fie viele
t, ' Unterdeffen machen ſich diejenigen haupt⸗
lich dergleichen Fälle zu Muge, bie bas Gute
t als ein Ungefaͤhr, fondern als ein. Gnadenge⸗
ik ihres Schöpfers annehmen, bas fie zur
barkeit, Uebe und Gehorfam gegen ihn, zu
ver Gutthaͤtigkeit gegen andere Menfchen, und
. bebarrlichen Berfage der Tugend ermuntern «
- Die Unglüdsfälle hingegen machen fidy bie
ſtutze, welche fie für eine göttliche Züchtigung
Warnung anfehen, und. fi) ferthin feines
khten gemäßer zu leben entfchließen. Ä
So werben wir auch diejenigen Fälle feichtlich
der befondern Worfehung zufammen reimen,
ben das Ungluͤck den Frommen ein Mittel zum
de, das Gluͤck hingegen den Gottlofen zum
ereren Falle gebiehen ift. Denn wenn uns gleich
Uu 4 GWwon
v - .
... gs DEAN: Michtigfeit der Bineifek
wvidrig fiheinen , fo farm doch die Hofiöfung us
das Ende foldher Geſchichte, wenn wie es abfegen
Ein fremde⸗
wimmt an Yusgange, fo gar auf der Eichen
baͤhne, 8 igein. den mirftichen he
mit Freuben Theil, ‚wenn er Die Tugend
- belopnet,;uunb bie kefhen bennad) quiet geizeft fh
Was ;muß‘. es aber nicht für eine innere
":“ mugeßenng für denjenigen felbft ſeyn, der mitten
ia Ungluͤcke Pfliche und Gewiſſen ſtandhaft beob⸗
achtet, und fein Vertrauen zu der göttlichen Vor⸗
feh.ung nicht weggeworfen har; wenn endlich die
Bertänbigteit feiner Tugend defto teichlicher gefrd«
Ss 18
| Was fan aber das Boͤſe für Mugen haben;
fo fernees, ohne folgende Vergütung , Unſchuldigt
und Fromme triffe? Mich duͤnket, wer die Ben
fnüpfung in der Welt, und die Natur der Men⸗
fen, nur ein wenig mit Bedacht betrachtet hat;
der muß feicht einfehen Fönnen , daß das Boͤſe,
welches den Schranfen der Dinge anbängt, in der
VOrdnung und dem $aufe der Natur, allenthalben
zum Mittel des Outen angewandt ſey.
, So unzäplig verfchiedene Dinge, mit verfchle
denen Kräften und Bemühungen , müflen not
wendig einander alle Augenblick entgegen arbeiten.
Sie find aber in eine folche Verbindung aebradis
‚wie von einem geſchickten Baumeiſter die S
eines Omdibes aͤſanmen gefuͤget werben, *
N
N)
caen De göttliche Worfefung —E
wv jeden Steines Neigung zum Sturze und Falle
Feſtigkeit des Gewoͤlbes —* ganzen Gebaͤudes
chen hilft. Bemühen eines jeben Staͤub⸗
16, Tropfens umb Luftkuͤgelchens, ſich noch eis
ı und demfelben Punkte zu bewegen, und, feine
chbaren zu verbrängen , giebt ber. Erde ihre
ue-und Feſtigkeit, dem Waſſer feine Waffery
— der Luft ihren uns fo nüglichen Druck
Bemühungen der Planeten, auf
s zu fallen, und der Sonne, fie abzuhal.
‚ verurfachee und erhält ihre richtige ——
Ihrem ordentlichen Lauf. Das Toben der Eier
me in unferm sufrfecf, weiches —28
den verſchiedenen Ausduͤnſtungen entſtehen
ßte, gehe mit der folgenden fruchtbaren Witten _.
g ſchwanger. Die Vergaͤnglichkeit der organk
n Körper von Pflanzen und Thieren wird zur
migung und Erhaltung anderer angemandt,
is iſt feiner Natur nach verweslich und verberb-
„' aber in der ganzen Natur verdirbt nicht
Wir Menfihen find inshefenbere fo gearret,
' ums unfere Unvollkommenheit eing Stuſe pw
ülommenheit werden muß, die entweder Dem
gen menſchlichen Geſchlechte, oder einzelnen
fonen, erfprießlich ft. Wie kommen nadk,
e Waffen, Wiſſenſchaft unb Vermögen, uns zu
alten, auf Sie Zelt 4 aber eben Adler Mangel
d das Mittel der Gefelligkeie, Freie und
wng ber Vernunft. Erſt mußten die Min
n Noth und Kummer leiden, che fie zur Na |
ıg der Kuͤnſte und 1 feufheften cerweckt wer⸗
u5
682 IX Abh. Nichtigfeit.der Zweifel
ben konnten: erſt rohe und. wild. gegen einander
verfahren, ehe fie ſich ein: friedfertiges, fittfames
und bürgerliches geben beſſer gefallen ließen, Bar
barey, Aberglauben , Religionsverfolgung, Heren
procefje über Unſchuldige, und dergleichen, mußten
zuvor aufs hoͤchſte fleigen, ehe fie allen Fonnten
zum Abfcheue werben. Hätte fich nicht fo mancher,
zu feinem Schaden, in,die See und unter die Er
de gewaget, fo wären uns noch Schifffahre und
Handlung, Eifen und alle Reichthinmer der Erbe
verborgen. Noch müffen wir manche Abwege der
Jerthuͤmer durchwandern, ehe wir den rechten
Weg der Wahrheit finken : erft durch vice
Benfpiele der Unbehutfamfeit gewarnet merben,
ehe wir die Mittel der Vorſicht brauchen, erft
manchen Schaden erdulden, ehe wir den gewuͤnſch⸗
een Vortheil ziehen Finnen. Wenn wir überhaupt
alles Gute bedenfen, was jetzt in Wiffenfchaften,
Künften, Geſetzen, Policey, $andmwirthfchaft,
Handlung und DBequemlichfeit des $ebens, den
Menfchen zu ftatten koͤmmt: fo werden wir finden,
Daß es faft durchgehende eine Frucht ides vorherges
gangenen ‘Böfen fey. Und es ift Fein Zweifel, daß
noch viel Böfes unter uns waltet, welches noch
mit einem verborgenen allgemeinen Guten ſchwan⸗
ger geht.
Es merben zumeilen brefthafte Kinder, ja
Misgeburten erzeuger. Aber zu gefchweigen, daß
fie uns manches in der Zergliederungsfunft, und
von dem Gebrauche der Theile, entdeckt haben; fo
wuͤrden wir auch ohne fülche Fälle meynen, die ge:
funde Bildung Fönne nicht anders feyn. Nun ler
nen
⸗
[4
gegen die göttliche Vorſehung. 683
ı wir, daß auch Regeln möglich find, nach wel⸗
a lauter Misgeburten entftünden, daß die Na⸗
nichts : fehlechterdings nothwendiges fey, und
} wir unfere Gefundheit einem weifen Schoͤpfer
danken haben, der ung fo vollfommen gebildet.
fteht dahin, ob nicht die Menfchen einmal dar⸗
‚fernen. werben, ober lernen follen ; daß es bef-
wäre, folche Misgeburten ‚ die ſich nur ſelbſt
Qual und andern zum Scheuſale leben wuͤrden,
x zu erziehen, ſondern, nach obrigkeitlichem
heile, in der erften Kindheit , wenn fie noch von
felbft nicht wiflen, durch einen fanften Tod
ber einfchlafen zu laſfen. Manches Kind wird
ı feiner Amme oder eigenen Mutter im Schlafe
ruckt, von der Wärterinn vermahrlofer, oder
& unnöchigen Zmang ber Glieder verrenfet und -
get. Was Elagen wir aber die Vorſehung an,
' fie. bie Luft dem Menfchen zum $eben fo nöthig
scher, oder daß fie die forglofen Ammen unb
Ieter nicht übernatürlich erwecket, oder daß fie
Wachsthum bes $eibes nicht gegen ben unna«
ichen Zwang bewahrer ? !affet uns vielmehr
en, behutfamer und forgfältiger zu werben,
et uns ein Schhgmittel für die Kinder gegen die
hlaͤfrigkeit ihrer Säugerinnen erfinden, oder
mehr, was fchon erfunden iſt, einführen ımb
seiner machent. Laſſet uns ber Natur in ihrem
Se Florentiniſche Obrigkeit bat bey Strafe der
Verbannung gebothen, daß keine Amme oder Mut⸗
ser ihrem Kinde die Bruſt geben fol ee ne ‚ur
felbe nicht in einem Shut läge, welches Ne
En
. .
- 1}
84 X 5, Richtigkeit der Zuseife
Woqchethume feine unnörhige Pflege umd mp
Beffel anlegen, da wir offenbar fehen, daß
. Ständen und Voͤlkern die zarten $eiber >
ſten und gefundeften aufmachen, ben weichen
wenigſte Wertung und den menigflen 5
da
Die gie Vorſehung iſt zwar fo *
gen die Menſchen geweſen, daß ſie eine
VWerknupfung unter ihnen gemachet, wo ſelb
Vergehungen, — und Laſter dem g
‚ oder ber bürgerlichen Gefelifchafl
Vortheile gereichen müffen. Die bloße Eige
eines jeden Mitgliedes muß, wenn einer n
geringſte Vernunft dabey brauchet, «ben
Handlungen bervorbringen, melde er au«
Menfchenliebe und bürgerlicher Pflicht hätte
follenz; weil er wohl einjehen fann, daß e
Wohl durch Feine andere Mittel in der Gefel
zu befördern fühig fey, als durch „fie, ı
auch andere Menfchen Mugen haben. Seit
Safter, als Wolluft, Ueppigkeit, Eitelkeit,
ſchwendung, Geiz, Dieberey, m fr m. er
eutccio nennen. Dieſes be aus drey ode
Brettern, worinn dus Kind fo verwahrt liegt
es durch Betten nicht kann erſtickt werden
* ip ara ni Bruſt durch einen Aud
‚Man finder diefes A
gene ek una und abgebildet in dem I]
der ſchwediſchen Abhandlungen aus ber |
lehre, Hausbaltungskunit und Mechanik
und in den Philofophical Traniadtion, Vol, &
D. 443. P. 2506.
» "gegen die göttliche Vorſehung. 685
je Haiſte des menſchlichen Geſchlechtes; nicht fo
wre es Safter find, oder weil an fich eine bürger
che Geſeliſchaft ohne Safter niche beftehen könnte,
ud ·ohne diefelbe nicht noch beſſer daran ſeyn follte;
wibern weil Gott die Verknüpfung unser ben
Renſchen fo soeistich gemachet, daß felbft ihr un
giniges Betragen, wider ihren Dank und Willen,
enen Mebenmenfchen zum Guten gereichen muß.
er die Menfchen müßten auch, nach licher
felbft das Ihrige thun, und aus dem
lee oregeil yiehen lernen, fo weit e& in ihrer
Busch, das —* ſolche Verordnungen und
Mittel innen, wodurch, ohne ſolch Boͤſes, eben
arſelhe, und noch weit größerer Vortheil ermüchfe.
Be iſt auch faft kein Zweifel, daß durch weife Res
wien und Landesvaͤter . dergleichen ütmer mehr
wird veranftaltet werden, wodurch dem Muͤßiggan ⸗
je, ber Betteley und Dieberey, dem Betruge, der
Mberlichkeit und andern Saftern zeitiger gefteutet,
ine beſſere Erziehung und Sittlichfeit eingeführet,
ind bein Unterchanen, ohne fclavifchen Zwang und
Unterbruͤckung, mehrere Gelegenheit zum Wohl
dande gegeben werden möge. Denn unter allem,
was der Menfchen wahrer Gluͤckſeligkeit in der
Belt entgegen iſt, machet unfiteitig dasjenige den
Mergroͤßten Theil aus, was Aus der Menfchen eis
bener Thorheit entfteht, oder da ein Menſch dem
en ſchadet; weiches beydes der Vorſehung
ae zur Loft fallen kann.
$
Daber habe ich geiigt> wie Das Boſe, durch
neuid Vorſehung, zum Mittel des ——
a
—
nm |
. -
d
686 IX Ah. Nichtigkeit der Zweift
Buten angewandt werde. Nun will ich ner
wenigem zeigen, was einzelne Menfchen fell
dem Boͤſen, dag fie wider ihr Verſchulden
für Nugen haben, ober haben fönnen :. baf
jedoch überhaupt erinnern muß, daß das ei
gluͤck mehr diefen, das andere mehr jenen S
verfchaffe. Ä
- Der erfte Mugen äuffert fich im Verſtan
Menſchen. Unglüf , Noth, Armuth,
machen klug, weiſe, vorſichtig, erſinderiſch,
reich: wie hergegen das Gluͤck traͤge, unw
unverſtaͤndig, thoͤricht .
Der zweyte Nutzen betrifft den Willen.
bewahret vor Hochmuth, Stolz, Verachtun
derer, Ueppigkeit, Wolluſt, Faulheit und
ley Ausſchweifungen: und machet Dagegen a
ſam, ordentlich, maͤßig, geduldig, umgaͤr
demuͤthig, dienſtfertig, mitleidig.
Der dritte Nutzen zeiget ſich in der Zufri
heit des Gemuͤthes. Ungluͤck und Elend va
chen , daß wir das Gute im Leben, wenn es
geringe ift, deſto mehr ſchmecken und empft
aber gegen die midrigen Zufälle hart me
Dagegen das Glücd Gelegenheit giebt, daB $
fchen das viele Gute nur in unempfinblicher
‚wohnheit genießen, und gegen die geringfte U
defto zärtlicher werden. Es ſteht dahin, ob
che, zumal Safterhafte, den Ueberfluß fo ma
Gluͤcksguͤter, mit eben fo großem Vergnuͤgen
ungeftörter Zufriedenheit, genießen, als ein ‘
fer und Tugendhafter felbft von der $inderung
ms Schmergens und Elendes geruͤhret wirt,
‚gegen die göttliche Vorſehung. 687
an Kleinigkeiten zu ergoͤzen weis: ohne ber
teile zu gedenken, die ihm feine Weisheit,
end, fein gutes Gewiſſen und die Religion an
zewaͤhret. en |
Der vierte Bortheil beziehe fich auf bie menſch⸗
Geſellſchaft. Denn Leute, bie allerley ver⸗
rt haben, und durch manche Noth geübt find,
yen die beiten Bürger, weil fie nämlich arbeit»
‚ ordentlich, mäßig, gebuldig, verträglich,
uͤthig, mitleidig, bienftfertig geworden find.
dieſes find Tugenden, die nicht allein andern
Beyſpiele geben, und dem gemeinen Wefen
cießlich find, fondern die auch dem, welcher fie
ich har, Siebe, Mitleid, Gunſt, !ob und
fand verfchaffen, weil er ſich, felbft im Un⸗
fe, Elug, vernünftig und tugendhaft be
* |
Ich will fünftens noch mancherley anderen
ben des Ungluͤckes zuſammen faffen; daß es
jenbhafte von tafterhaften unterfcheidet; daß fie _
Belohnung der Tugend nicht im Aeufferlichen,
ern in ber Tugend felbft, in der Pflicht und
guten Gewiſſen fuchen ; daß fie deſto fleigiger an
t benfen, und ihr Vertrauen auf feine weile
ung fehärfen; daß fie ihre Gedanken und
nung defto eifriger auf ein befferes Leben rich⸗
deſto weniger furchtfam find vor dam Tobe,
) williger fterben. | " |
Ueberhaupt ift gewiß, daß es uns Menfchen,
riefem Zuftande, nicht erfprießlich ſeyn würde,
n wie lauter reines Glü und gute Tage hät
688 IX Abh. Nichtigkeit der Zweifel
gluͤcklich zu nennen find: fo find hergegen auch fehe
wenige Menfchen,, die in einem hohen Grabe, und
ohne ihre eigene Schuld und Verſehen, unglücklich
. wären. Der meiften Menfdyen Zuftand ift mit
telmaͤßig und gemifcht, und den muß man, was
das Vergnügen betrifft, nicht nach dem aͤuſſerl
dien Sıheine der Geburt, des Standes, Ranges,
Reichthumes u. ſ. w. ſchaͤtzen. Es iſt eine große
Wahrheit, die ſowohl zur Vertheidigung der goͤth
lichen Vorſehung, als zum Troſte der Niedrigen,
dienet, daß, fo ungleich die aͤuſſerlichen Gluͤckegi
ter ausgetheilet ſcheinen, dennoch die Luſt und bas
Vergnuͤgen allen und jeden am wohlfeilſten und in
ziemlich gleicher Maaße dargeborhen werde. Da
heißt es in Wahrheit, wie von dem Manna ter
Iſraeliten: der harte nichte Über, Der vie
geſainmlet hatte, und der nichts drunter,
der wenig gefammler batte; fondern eın
jeglicher harte geſammlet, ſo viel er für fich
effen tonnte. Die Weisheit allein giebt wahren
Geſchmack der Süßigfeit, und das Uebermaaß des
Vergnügens, das auch Die eingemifchten Bitterkei⸗
ten dämpfen Fann.
S 20.
Unterdeſſen will ich nicht leugnen, daß es ei⸗
nige feltene Fälle eines großen Ungluͤckes giebt, ba
ein Menfch, welchen es trifft, ein wenig zeitiger
denfen muß, was wir alle im Alter und gegen das
Ende des Lebens zu denfen erinnert werden, baf
wir nicht hauptfächlich für Diefes Leben gemacht
find. Denn wir mögen noch fo lange, uhr
J
—— —— nn nn nn — —
gegen die göttliche Vorſehung. 689
ſo gluͤcklich gelebet haben, fo finden wir doch, wenn
es vorben ift, daß es vorben, und einem bloßen
Traume ähnlic fey. Unfere Augen fehen natürlis
cher Weife vorwärts ins weitere, unfere Begier⸗
den erfireden ſich aufs Zufünftige, und biefes um
fo viel mehr, je weniger uns das Gegenmwärtige
befriedigee. Wenn alfo die Tage fommen, die eis
nem nicht gefallen, es fey wegen fehroächlichen
Alters, ober wegen eines empfindlichen Ungluͤcks:
fo fann doch die Hoffnung eines befferen und.
Dauerhafteren Lebens das gegenwärtige Seid ver
füßen. Hat uns nun die Borfehung dazu beitimmt,
und wird fie denen befonders, welche hier einen
ſchweren Stand gehabt, für ihre Geduld und
Treue Rechnung halten : fo haben mir in feinen,
auch den fhlimmften Zufällen über die Vorſehung
zu Magen, als Menfchen, die feine Hoffnung has
Im: fo wenig, als wir die Safterhaften in ihrem
Burgen Gluͤcke beneiben dürfen, da fie zu einer defto
größeren Strafe aufbehalten find.
Wenn ſich Menfchen ihre Unfterblichfeit aus
dem Sinne zu reden bemühen, fo zeigen fie ſchon
dadurch, daß fie fafterhaft find, und unnatuͤrlich
denfen. Denn wenn fie das böfe Gewiſſen nicht
mit künftiger Strafe bedrohete, fondern fie ſich
vielmehr nad ihrer Auffüßrung, eine unaufhörliche
Seligkeit verfprechen könnten : fo möchten fie ja
wünfchen, daß bie Seele unfterblidy wäre. Wenn
fie aber bebächten, daß das Verlangen nach einer
imaufhoͤrlichen Glücfeligfeit, ben einer Greatur,
welche Vernunft hat, und ſich vermöge derfelben
ihre zukünftige Dauer vorftellen fan, aus den
Er ge
+;
690 RAbh. Nichtigkeit der Zweifel gegen:c.
eingepflanzten Regeln bes Verftandes und Willens
nothwendig fließe : fo würden fie einfepen, dag
ſollh Verlangen nichts anders, als ben Zweck des
Urhebers unſerer Matur, vorftelle, und bendes
deſſen Vollkommenheiten, als unferın Wefen und
ganzen Bemühen gemäß ſey. Sind andere, wel⸗
che den Saftern und‘ der Einnlichfeit niche fo ſcla⸗
vifch dienen: fo wünfchen fie Doch wenigſtens von
dieſer Wahrheit überzeugt zu feyn, und fühlen in
fih) die Stimme der Natur, welche fie ihre Ve
gierden über das Ziel Diefes Lebens ins Unendliche
erftrecfen heißt: indem ihnen alle Ergöglichfeiten
ber Welt, und felbft die vernünftigften, fo oft fie
an ihr Ende gebenfen, nicht Genüge thun wollen,
fondern vielmehr bitter werben.
Es wird demnach meine Pflicht feyn, daß ich
diefe Wahrheit Flar und deutlich ermeife, melde
nicht allein unfer gegenwärtiges $eid verfüßer und
verfürzet, fondern auch alle unfere Gluͤckſeligkeit,
deren wir in biefem Leben zu genießen fähig find,
reiniget und erhoͤhet, alle Religion verfiegelt, und
ung auch im Tode getroft machet.
Die
m nn ee U ——4
RED
Die zehnte Abhandlung,
ın der Seefen Linfterblichkeit, und den:
Vortheilen der Religion,
gm
—* Hoffnung, daß unſere Seele, nach dleſem
Leben, zu einem unendlich dauerhafteren und
kſeligern Leben beſtimmt ſey, gruͤndet ſich
ptſaͤchlich auf die goͤttliche Abſicht in der Schoͤ
36, und auf feine beſondere Vorſehung über bie
nſchen. Wir koͤnnen zwar aus dem Weſen
zer Seele eine Möglichkeit begreifen, daß fie
n—ach dem leiblichen Tode fertdauren, und fich
uße ſeyn, folglich leben und glücfelig ſeyn koͤn⸗
aber die Abficht und Vorſehung unfers Schoͤ⸗
$ kann ıms allein Die feſte erficherung geben,
:foches auch wirklich gefchehen werde.
Die Schöpfung iſt überhaupt auf das Wohl
Sebendigen gerichtet. Zu welcher Art des Le⸗
8 und der Gluͤckſeligkeit nun jedes beſtimmet
das iſt aus deſſen beſonderer Natur und de⸗
Regeln zu erſehen, ſo ferne dieſelben von Gott
Mittel gebraucht worden, wodurch ſeine Ab⸗
ten zur Wirklichkeit kommen ſollen. Das all⸗
sehe Verlangen, glücklich zu werden, bas allen
endigen eingepräget ift, wird bey jedem, durch
e befonderen Naturfräfte unb deren Regeln, zu
em befonderen Ziele gerichtet und beſtimmet.
mn es alfo aus den Kräften und Regeln unfers
innbes und EM nee fie, wg se,
Fa
—— —
unendlich dauerhaften teben, und z
Gluͤckſeligkeit in demſelben beſtimm
zu ſtreben erwecket.
Die goͤttliche Vorſehung zeige
Menſchen beſonders guͤtig, da fie i
uͤbrigen Thieren, ſo mancherley ve
tzungen der Sinne, ſo angenehmen
Wahrheiten und Vollkommenheite
gen und Verlangen, immer vollfor
den, ja einen fernen Blick von
Weispeit, tiebe, Macht und Gluͤ
Schöpfers gegoͤnnet. Wenn wir a
nem bauerhafteren und befferen Lebe
ligern Genuffe diefer Vorzüge gela
würden fie alle, durch eine fo bald:
da wir uns noch auf der niedrigftei
wieder vereitelt. Die Menfcyen n
nur defto misvergnügter und ungluͤckſ
daß fie einen Bearitf und Reis von
.
‘
hr ‚und.den Vortheilen der Religion. 693
- Bo wenig dieſes mit den göttlichen Eigenſchaften,
zunb mit der geäufferten Liebe zu feinen vernünftigen
Geſchoͤpfen, übereinftimmen würde : fo gewiß fün«
wen wir hergegen von feiner gnädigen Borfehung
verfichert fegn, daß fie uns, durch. diefe Purze Vor⸗
‚bereitung , zu einem Pa Maafe der Volle
; Sammmenpelt und Gluͤckſeligkeit, — er unſere Na⸗
Ar faͤhig gemachet, führen werde
Dieſes iſt der kurze Abriß derjenigen Gründe,
weiche unfer natürliches Verlangen nad) einem dau⸗
„erbafteren und befferen Leben, mit zuverfichtlicher
une, beſtaͤrken, und unfen jeßiges Leben ver⸗
Laſſet uns dieſelben etwas umſtaͤndlicher
e⸗ iſt fürs erſte —* Ungereimtes, Wider
echendes und Unmoͤgliches, wovon wir uns eine
ſtellung machen; ſondern wir werben durch die
der Vernunft bazu gebracht, und die Sa⸗
„ce hat ihre innere und aͤuſſere Möglichkeit.
Mer fann leugnen, daß er, vermöge feiner
Mernunft, , voraus denken maſſe, und in der Vor⸗
—1J— des Zukuͤnftigen keine Grenzen kenne?
kann alſo leugnen, daß er einen Begriff von
ner künftigen weit längeren Dauer des. Sebens
‚ als worinn en fich jetzo eingefhloffen fieht ?
empfindet alfo ein jeber bey fich felbft, daß fich
"en weit längeres Leben, als das jegige, gedenken
‚afk. "un laͤßt ſich aber nichts gebenfen , als
vas möglich iſt. Demnach wird auch ein jeder
: —— ‚daß ein weit längeres geben an fich mög»
” &r3 Pics
_—
er Ka. Bon —EE EP
"_ $in jeber, vermoͤge feiner eigenen Erupfinbung
| en or, Vernunft, in Abficht auf fine Seele,
. möglich erkennen. Wäre bie Seele eine bloße Ber
ie des Körpers, odenein. mäterielles
deſſeiben: fo möchte man fagen, bei fie der
weſung bes $eibes unmöglich entgehen könnte, —
daß ein weiteres Leben nur ein leeres Hirngebicht
ſey . Aber die Seele iſt das Weſen in uns, we.
| a a Ki ae dadurch iſ fie fi
aufs
fo Bee var Bellen Ki — |
gedacht und gewollt hatz folglich, daß fie unter
verſchiedenen auf einander folgenden Beränderum
gen, als ein und daſſelbe Wefen fortgebauret babe,
upd mithin feine bloße VBefchaffenheit eines andern
- Dinges, fondern eine Subſtanz fen, die für ſich
beſteht. Wenn fie fid) aber als ein und baffelbe
fortdaurende Wefen fennet, hergegen fein einziges.
Staͤubchen ihres ganzen Körpers Fennet , ob es
| 200 eben daffelbe fen, worinn fie vormals empfun«
ben: fo unterfcheiber fie ſich, durch ihr inneres Be⸗
wußtſeyn, von allen Urftoffen ihres ganzen Körpers,
als ein befonderes, unförperliches, einfaches Wer
fen, welches, ben aller äufferen Weränderung des
Körpers, für fi ch unzertrennlich fortdauret. Sie
kann alfo, als eine einfache Subſtanz, weder durch
die Auflöfung, Faͤulung, Vermoderung oder Vers
wefung des zufammengefegten Koͤrpers in Fleinen
Theile zertheilet werden, noch natürlicher Weife in
fi) vergehen und zu Nichts werden, Und wenn -
ſie a em D Dit und ihre Verbindung oben
Be
und den Wortheilen der Neligion. 695
verlichen Theilen veraͤndert: ſo muß’ fie doch
h nad) dem Tode in der Welt bleiben, und im
| — tih ſeyn u
Die Unsergängligeit machet num zwar noch
a seben aus, und ift auch ben Ieblofen Clemens»
und einfachen Urſtoffen der Körper gemein, -
ein bie Seele unterſcheidet ſich auch von allen
ſteffen des Körpers, daß fie allein vermögend
RG alles innerlich und aͤuſſerlich bewußt zu fern.
nun alles Vermoͤgen und alle Kraft eigentlich"
Ben einfachen Dingen wohnet, und nicht erft
ch die Zufammenfegung entfteht : fo muß auch
| Vermögen, oder bie Kraft der Seefen, baburch
ihrer felbft und anderer Dinge auffer fi) des
—* eigentlich in der einzigen einfachen Seele
pie, und ihr wefentlich feyn ; ‚obgleich Die Aus⸗
ing in dem jeßigen Leben von bem \organifchen
rpee und befen Berfeugen abhängt. ie num
Urſtoffe der Körper, wenn fie aufgelöfet und
ı einander getrennet werden, Dennoch ihreinnere
aft Behaften, und auch wirklich wieder duffern, fo
b fie wieder mit anbern efementarifchen Urſtof⸗
verbunden werden: fo fieht man wohl, daß
h die Seele ihr wefentliches Vermögen, ‚oder:
e wefentliche Kraft fich bewußt zu fen, je
b dem Tode behalten müffe, ımb da
F Möglichkeit fen, daß fie folche Kraft iekfi
ſern, das iſt, daß ſie ferner leben koͤnne, wenn
Zuſtand darnach beſchaffen iſt.
Wenn ich nun zu den Gegnern der Unfterbfich-
"fagen wollte, daß fie mir bemeifen möchten,
fer ein fotsher Bund ummägi fi: mi
ONE yjoruurux "surTepuung en gu
gen die Menfen gevefen, daß
Verknuͤpfung unter ihnen gemachet
Vergehungen, Thorheiten und Laſt
Geſchlechte, oben der bürgerlichen E
Vortheile gereichen müflen. Diet
eines jeden Mitgliedes muß, wenn
geringfte Vernunft daben brauche
Handlungen hervorbringen, meld
Menfchenliebe und bürgerlicher Pfl
follenz weil er wohl einjehen fanı
Wohl durch Peine andere Mittel in
zu befördern fühig fen, als durch
auch andere Menfchen Nugen habe
Laſter, als Wolluft, Ueppigkeit,
ſchwendung, Geiz, Dieberey, u.
jo nennen. Dieſes beſteht auı
Sean, worinn dus Kind fo verr
: "gegen die göttliche Vorſehung. 685
Yälfte des menfihlichen Gefehlechtes ; nicht ſo
e es tafter find, oder weil an fich eine bürger
? Gefellfchaft ohne Laſter nicht beftehen könnte,
„ohne diefelbe nicht noch beffer Daran ſeyn follte;
yern weil Gott die Verfnüpfung unter ben
nfchen fo mweistich gemachet, daß felbft ihr un⸗
iiges Betragen, wider ihren Dank und Willen,
en Mebenmenfchen zum Guten gereichen muß.
ein, Die Mienfchen müßten auch, nach göttlicher
F feibft das Ihrige thun, und aus dem
ben lernen, fo weit es in ihrer
acht Pe * iſt, auf ſolche Verordnungen und
ittel ſinnen, wodurch, ohne ſolch Boͤſes, eben
ſelbe, und noch weit groͤßerer Vortheil erwuͤchſe.
iſt auch faſt fein Zweifel, daß durch. weiſe Res
ken und Landesvaͤter dergleichen immer mehr
d veranſtaltet werden, oburch dem Difiggan. .
‚ der Betteley und Dieberen, beim Betruge, der
verlichleit und andern $aftern ‚geitiger gefteuret,
e beſſere Erziehung und Sitelichfeit eingeführet,
d den Unterchanen, ohne fclavifchen Zwang und
terbrücdtung, mehrere Gelegenheit zum Wohle
nde gegeben werden möge. Denn unter allem,
s der Menfchen wahrer Gluͤckſeligkeit in der
elt entgegen iſt, machet unftreitig basjenige den
wgrößten Theil aus, was dus der Menfchen eis
er ee —2 va de ein Menſch dem
dern der Vorſehun
he zur Laſt fallen far 8
Dicher habe ih gepigt nie das BR, durch
like Woriehung, zum Mittel des den allgerarinen
—XR
ugnverſtaͤndig, thöriche.
686 IX up. Nehtceen de Buae
— ⏑⏑ Maim will ich noch 2
wenigem zeigen, was einzelne Menfchen ſelbſt von -
dem Boͤſen, dag fie wider ihr Berfihulden erift,
für Mugen haben, oder haben: koͤnnen: babey 14
jedoch überhaupt erinnern muß, daß das eine Un
Fan che dieſen, Das andere. mehr jenen Nugen
e,
Der erte Due äufe ic im Berfiande dei |
Menſchen. Ungluͤck, Moth, Armuth, Elech
machen klug, weiſe, vorfi tig, erfinderifch, kum
reich: wie hergegen das. Slack träge, unmiffen,
Der zweyte Mugen betrifft den Willen. Es
bewahret vor Hochmuth, Stolz, Verachtung an⸗
derer, Ueppigkeit, Wolluſt, Faulheit und allete
fen Ausſchweifungen: und machet dagegen arbeit:
ſam, ordentlich, maͤßig, geduldig, umgaͤnglich,
demuͤthig, dienſtfertig, mitleidig.
Der dritte Nutzen zeiget ſich in der Zufrieden·
heit des Gemuͤthes. Ungluͤck und Elend verurſa⸗
chen, daß wir das Gute im Leben, wenn es auch
geringe iſt, deſto mehr ſchmecken und empfinden,
aber gegen die widrigen Zufaͤlle hart werden.
Dagegen das Gluͤck Gelegenheit giebt, daß Men⸗
ſchen das viele Gute nur in unempfindlicher Ge⸗
wohnheit genießen, und gegen die geringſte Unluſt
deſto zaͤrtlicher werden. Es ſteht dahin, ob man⸗
che, zumal Laſterhafte, den Ueberfluß ſo mancher
Gluͤcksguͤter, mit eben ſo großem Vergnuͤgen und
ungeſtoͤrter Zufriedenheit, genießen, als ein Wei⸗
ſer und Tugendhafter ſelbſt von der Linderung ſei⸗
nes Schmerzens und Elendes geruͤhret wird, pi
Ä fi
gegen bie göttliche Borfehung. 687
an Kleinigfeiten zu ergoͤtzen weis: ohne ber
theile zu gebenfen, die ihm feine Weisheit,
end, fein gutes Gewiſſen und die Religion an
gewaͤhret.
Der vierte Vortheil bezieht ſich auf die menſch⸗
Geſellſchaft. Denn Leute, die allerley ver⸗
et haben, und durch manche Noth geuͤbt ſind,
den die beſten Buͤrger, weil ſie naͤmlich arbeit⸗
„ ordentlich, mäßig, geduldig, vertraͤglich,
uͤthig, mitleidig, dienſtfertig geworden ſind.
dieſes ſind Tugenden, die nicht allein andern
Beyſpiele geben, und dem gemeinen Weſen
rießlich find, fondern die auch dem, melcher fre
fich hat, Liebe, Mitleid, Gunft, Lob und
fand verfchaffen, weil er fich, felbft im Uns
fe, Flug, vernünftig und tugendhaft bes
t
Ich will fuͤnftens noch mancherley anderen
hen des Ungluͤckes zuſammen faſſen; daß es
jendhafte von Laſterhaften unterſcheidet; daß ſie
Belohnung der Tugend nicht im Aeuſſerlichen,
ern in der Tugend ſelbſt, in der Pflicht und
guten Gewiſſen fuchen ; daß fie defto fleißiger an
t benfen, und ihr Vertrauen auf feine weiſe
wung fehärfen ; daß fie ihre Gedanfen und
nung defto eifriger auf ein befferes Leben rich⸗
‚.befto weniger furchtfam find vor dem Tobe,
» williger fterben. |
Veberhaupt ift gewiß, daß es uns Menfchen,
Yiefem Zuftande, nicht erfprießlich feyn würde,
n wir lauter reines Glü und gute Tage häte
Wie aber gar wenige in einem hoben *
| vs
@8 Ix abh. Richtioßet der Bunefe
ld und ,
— ee neh Menſchen a
teimäßig und gemifht, und den muß man,
das Vergnügen betrifft, nicht nach dem dı
aut. Verteidigung der
. ‚ als zum Trofte der Nied
dienet, daß, fo ungleich bie lichen Gl
“ter jet fiheinen, die Luſt um
Vergnügen allen und jeden am wohlſeilſten u
ziemlich gleicher Maaße dargebothen werde.
heißt es in Wahrheit, wie von dem Mann
haette: der hatte nichte Über, der
gefainmiler hatte, und der nichte dru
der wenig gefammlet barte; fondern
jeglicher hatte geſammlet, ſo viel er für
Eonnte. Die Weisheit allein giebt nı
Geſchmack der Süßigkeit, und das Uebermaa|
Vergnuͤgens, das audy die eingemifchten ‘Bien
ten dämpfen fann.
5 20.
Unterdeſſen will ich nie leugnen, daß e
nige feltene Bälle eines großen Unglüctes giebt
ein Menſch, welchen es trifft, ein wenig zei
denfen muß, was wir alle im Alter und gegen
Ende des febens zu denfen erinnert werden,
wir nicht hauptfächlich für dieſes Seben gem
find. Dow wir mögen noch fo lange, und
N
*
.’
. :
gegen die gottliche Vorfehung. 689
zluͤcklich gelebee haben, fo finden wir doch, wenn
vorbey ift, daß es vorben, und einem bloßen
me ähnlich ſey. Unſere Augen feben natürli«
» Meife vorwärts ins weitere, unfere Begier⸗
erſtrecken ſich aufs Zufünftige, und diefes um
viel mehr, je weniger uns das Gegenmwärtige
jediget. Wenn alfo die Tage fommen, die ei»
3 nicht gefallen, es fey wegen fihmächlichen
ers, ober wegen eines empfindlichen Unglüds ;
‘ann doch die Hoffnung eines befferen und
erhafteren Lebens das gegenwärtige Leid ver-
en. Hat uns nun bie Vorſehung dazu beitimmt,
» wird fie denen befonders, welche hier einen
veren Stand gehabt, für ihre Geduld und
mie Rechnung halten : fo haben wir in feinen,
h den ſchlimmſten Zufällen über die Vorſehung
Magen, als Menfchen, die feine Hoffnung ha»
: fomwenig, als wir die Safterhaften in ihrem
gen Gluͤcke beneiden dürfen, da fie zu einer deſto
Beren Strafe aufbehalten find.
Wenn fid) Menfchen ihre Unfterblichfeit aus
3 Sinne zu reden bemühen, fo zeigen fie fchon
wech, daß fie lafterbaft find, und unnatürlich
fen. Denn wenn fie bas böfe Gewiffen nicht
* Fünftiger Strafe bebrohete, fondern ſie ſich
Imehr nad) ihrer Aufführung, eine unaufhörliche
figfeie verfprechen Eönnten : fo möchten fie ja
nfchen, daß die Seele unfterblicd) wäre. Wenn
aber bedächten, daß das Verlangen nach einer
wfhörlichen Gluͤckſeligkeit, ben einer Creatur,
lche Vernunft bat, und fi) vermöge derfelben
e äufünftige Dauer vorftellen kann, aus den
Er Woqꝛ⸗
690 INGE. Nichtigkeitbir Seife ge
gepflanzten Degeln bes —e erg
würden fie ein|
Verlangen nice anders, als den
unferer Natur, vorfielle, und &
Vollkommenheiten, als unferm Weſen
ganzen Bemühen gemäß fen. Sind andere,
den Saftern und-der Einnlichfeit nicht fo
- fe
gierden über das Ziel diefes Sins ins Unent
erfivedten Heißt : indem ihnen alle
der Welt, und felbft die vernünftigften, fd
an ihr Ende gebenfen, nicht Genuͤge thun mc
ſondern vielmehr bitter werben,
Es wird demnach meine Pflicht fen, da
diefe Wahrheit klar und deutlich erweife, w
nicht allein unfer gegenmärtiges $eid Verfüßer
verfürzet, fondern auch alle unfere Gluͤckſelig
deren wir in diefem Leben zu genießen fähig .
reiniget und erhoͤhet, alle Religion verfiegelt,
uns aud) im Tode getroſt machet.
RE 8 ‚69
Die zehnte Abhandlung.
der Seelen Unfterblichkeit, und den
Vortheilen der Religion.
gr
ie Hoffnung, daß unfere Seele, nach dieſem
eben, zu einem unendlich dauerhafteren und
ligern $eben beftimme fen, gründet ſich
tfächlich auf die göttliche Abfiche in der Schds
}, und auf feine befondere Vorſehung über die
ſchen. Wir können zwar aus dem Wefen
er Seele eine Möglichkeit begreifen, daß fie
slad) dem leiblichen Tode fortbauren, und ſich
Bt feyn, folglich leben und glücfelg feyn Eine
aber die "Abjicht und Vorſehung unfers Schde
kann uns allein bie fefte Werficherung geben,
dlches auch wirklich gefchehen werde.
Die Schöpfung ift überhaupt auf das Wohl
ebendigen gerichtet. Zu welcher Art des des
und der Gluͤckſeligkeit nun jedes beftimmer
das ift aus deſſen befonderer Natur und de⸗
Regeln zu erfehen, fo ferne diefelben von Gott
Mittel gebraucht worden, wodurch feine Ab-
n zur Wirklichkeit kommen follen. . Das all.
ine Verlangen, glüdlich zu werden, das allen
digen eingepräget ift, wird bey jedem, durch
befonderen Naturfräfte und deren Regeln, zu
nn befonderen Ziele gerichtet und beſtimmet.
n es alfo aus den Kräften und Regeln unfers
iandes und was Fra fliege, doß un
unendlich dauerhaften teben, und zu ı
Gluͤckſeligkeit in demſelben beſtimmt,
zu ſtreben erwecket.
Die goͤttliche Vorſehung zeiget ſ
Menſchen beſonders guͤtig, da fie ihn
uͤbrigen Thieren, ſo mancherley verni
gungen der Sinne, fo angenehmen Bi
Wahrheiten und Vollkommenheiten,
gen und Verlangen, immer vollkomn
den, ja einen fernen Blick von det
Weisheit, Liebe, Macht und Gluͤckſ
Schöpfers gegoͤnnet. Wenn wir abe
nem bauerhafteren und befferen Leben
ligern Genuffe diefer Vorzüge gelangı
würden fie alle, durch eine fo baldige
da wir ung noch auf der niebrigften (
wieder vereitelt. Die Menſchen wür
nur defto misvergnügter und unglückfeli,
daß fie einen Begriff und Reiz von ein
und den Vortheilen ber Religion. . 693
zo wenig dieſes mit ben goͤttlichen Eigenſchaften,
ah mit der geaͤuſſerten Liebe zu feinen vernünftigen
leſchoͤpfen, übereinftimmen würde : fo gewiß fön-
m wir bergegen von feiner gnädigen Borfehung
feyn, daß fie uns, durch. dieſe kurze Vor⸗
weitung , zu einem höheren Maaße der Wolle
ummenbeit und Gluͤckſeligkeit, dazu er unfere Na⸗
w fähig gemachet, führen werde. |
Diefes iſt der kurze Abriß derjenigen Gründe,
elche unfer natürliches Verlangen nach einem dau⸗
hafteren und befferen $eben, mit zuverfichtlicher
offnung', beftärfen, und unfer jegiges Leben ver-
Pen. Laſſet ums dieſelben etwas umftänblicher
achten, - |
i $ 2%
Es iſt fürs erfte nichts Ungereimtes, Wider»
kechendes und ‚Ulnmögliches, wovon wir ung eine
Joritellung machen ; fondern wir werben burd) die
legen der Vernunft dazu gebracht, und die Sa⸗
e hat ihre innere und äuffere Möglichkeit.
fann leugnen, daß er, vermöge feiner
zernunft, voraus denken müffe; und in der Vor⸗
eflung des Zufünftigen feine Orergen kenne?
Ber kann alſo leugnen, daß er einen Begriff von
wer Fünftigen weit längeren Dauer des. !ebens
abe, als worinn en ſich jeßo eingefchloffen fieht ?
hs empfindet alfo ein jeder ben fich ſelbſt, daß ſich
en weit längeres eben, als bas jegige, gedenken
iſſe. Nun laͤßt ſich aber nichts gedenken, als
as möglich iſt. Demnach wird auch ein jeder
En daß ein weit längeres geben an ſich mög»
&r3 u Fire
_—
. ey XAbh Bon dm als,
E ein jeb vermög m en ib —
| Fr e mis ** *
gefunden Vernunft, —e— —
moglich erkennen. —— eine bloße Ber
- fehaffenheit des Körpers, oberzin. —— — |
deſſelben: fo möchte man ſagen, deß F der
wveſung des Leibes unmöglich entgehen konuce, und:
daß; ein weiteres: feben wur —
ſcy. Aber die Seele iſt das 285 ung, wel⸗
des ſich bewußt iſt; und eben dadurch iſt fie fich
auch. aufs klaͤrſte bewußt, daß ſie fe eben diejenige.
fen, melde vor Zeiten Diefes und jenes "erpfunben,
|
gebacht und gewollt hatz folglich, daß fie uniee
. verfhiebeiien auf "einander folgenden Weränderims
gen, als ein und daſſelbe Weſen fortgebauret habe,
und mithin feine bloße VBefchaffenheit eines andern
. Dinges, fondern eine Subftanz fen, die für 14
befteht. Wenn fie fid) aber als ein und baffelbe
fortdaurende Wefen Penner, hergegen fein einziges
Stäubchen ihres ganzen Körpers kennet, ob es
voch eben daſſelbe fen, worinn fie vormals empfun⸗
ben: fg unterfcheider fie ſich, durch ihr inneres Be⸗
wußtfenn, von allen Urftoffen ihres ganzen Körpers,
als ein befonderes, unförperliches, einfaches Wer
fen, welches, bey aller aͤuſſeren Veraͤnderung des
Körpers, für ſich unzertrennlich fortbauret. Sie
kann alfo, als eine einfache Subſtanz, weder durch
bie Auflsfung, Faͤulung, Vermoderung oder Ver⸗
zes des zufammengefegten Körpers in klelnere
Theile zertheilet werden, noch natürlicher Weiſe in
fi) vergehen und zu Nichts werden. Und wenn
ſie gleich lheen Ort und ihre Verbindung mi den
| oͤrper⸗
BE
den Vortheilen der Religion. 695
n ‚Theifen verändert: fü muß fie doch
bem Tode in der Welt bleiben, und in
jänglich fern. | |
Unvergänglichfeit machet nun zwar noch
aus, und ift auch den leblofen Klemens»
Infachen Urſtoffen der Körper gemein.
Seele unterſcheidet ſich auch von allen
bes Körpers, daR fie allein vermögend
:$ innerlich und äufferlich bewußt zu ſeyn.
Mes Vermögen. und alle Kraft eigentlich"
fahen Dingen wohnet, und nicht erft
Zufammenfeßung entfteht : fü muß auch
zgen, oder bie Kraft der Seelen, dadurch
e felbft und anderer Dinge auffer ſich be⸗
igentlich in der einzigen einfachen Seele
nd ihr weſentlich feyn ; ‚obgleich Die Aus⸗
yem jegigen $eben von bem ‚organifchen
deſſen Werkzeugen abhängt. Wienun
e der Körper, wenn fie aufgelöfet und
er getrennet werden, Dennoch ihre innere
ften, und auch wirklich wieder äuffern, fo
eder mit andern elementarifchen Urſtof⸗
iden werden: fo ſieht man wohl, daß
Seele ihr mwefentliches Wermögen, „ober
Hiche Kraft fich bewußt zu feyn, nad)
Tode behalten müffe, und daher au)
ichfeie fey, daß fie folche Kraft wirklich
18 iſt, daß ſie ferner leben koͤnne, wenn
d darnach befchaffen ift.
ich nun zu den Gegnern der Unfterblich
wollte, daß fie mir bemweifen möchten,
fotsher Zuftand unmöglich ſey: fo wuͤr⸗
3r4 ua
696 XAbh. Bon der Seelen Unfterblichtet, |
den fie geriß die Achfeln zucken, und ihr Unvermd-
gen geftchen müffen. Barum follte der Schoͤpſer,
Da er der Seele einmal ein $eben und Bewußtſeyn
verliehen, diefe Kraft nicht auch ſtets mirfjam er⸗
halten koͤnnen? Wenn er jo mandjes leblojes Per-
peruum Mobile, ober fo viele immer bewegte Ma:
ſchinen, (in den Sternen und Planeten) erſchaſ⸗
fen: warum follte er nicht auch ein Perpetuum
Cogitins & Vivens, ein immer denfendes und le⸗
benves Weſen, haben fchaffen Finnen? Oder, fo
wir uns ja nur auf Die bloße Natur berufen wol⸗
len; wenn unfere Naturfünbiger mit Recht annch-
men, dag die Fleinften Urfioffe der Körper itets
in einer wirflichen ‘Bewegung find, obgleich dieſe
Bewegung im Ganzen nicht fichtbar iſt: mas
fönnte denn feyn, welches die innere ftete Veraͤn⸗
derung und Vorſtellung einer lebensfähigen Seele
unmöglicher machte, als die äufferliche ſtete Ver:
änderung des Ortes in beweglichen Theilen? Man
ift ja doc) geneigt, allen und jeden Urſtoffen der
. Materie ein inneres geben zuzuftehen : warum nid
auch der Seele cin ihrem Wefen gemäßes ?
$ 3.
Mie? wenn man aber auch mancherley Art
und Weiſe zeigen Fann, wodurch ein ſolcher Zu
fand der Seele nad) dem Tode möglich iſt, ſo wird
um fo viel weniger an deffen Möglichkeit zu zwei⸗
feln ſeyn. Laß immer die Seele in diefem Jeben
von bem Körper und beffen Werfzeugen abhängen:
fo iſt doch erſtlich eine Möglichkeit, daß ihre Kraft
nach mals daven unabhängig werde. MBie viele
Kräfte !
1a, .
pe — “ a
und den Vortheilen der Religion. 697
Kraͤfte find nicht, die zu ihrer Ausübung anfangs
eines Werfzeuges und Mittels nöthig haben , defe
fen fie hernach entbehren koͤnnen? Noch fieht die
Eeele, in ihrer niebrigen Stufe der Volllommen«
t, alles.in dem Spiegel des Körpers, und muß
ich mit blogen Erfcheinungen (Phenomenis) der
Dinge, die der Eindruck in die Sinne giebt, ber
beifen. Aber, wie fie ſich jegt Doch ihren Körper,
der ihr zum Spiegel dienet, unmittelbar, und
nad) allen Pleinften Theilen, vorftellet: fo ift auch
ein Zuftand der Seele möglih, da fie zu einem
unmittelbaren und anfchauenden Erfenntniffe an«
derer Dinge gelangen kann, und eines förperlis
chen Spiegels mehr bedarf.
Oder, foll ja die Kraft der Seele immer in
ihrer Ausübung abhängig bleiben: fo fann man
fich etwa gedenken, baß fie nad) dem Seben, wenn
es die Zahl ber reinen Geifter verfegt ift, alles
Gott fepe; wie Wislebrandye ſchon von dem
jetzigen Zuftande behaupten wollen. Oder, man
Bann fagen, daß fie nicht fo gänzlich von afler Mar
terie eneblößer werde, fondern einen eigenthümlichen
feineren Körper behalte, worinn fie fich alles vor⸗
ftellen werde; wie die Kirchenväter, fo gar von den
Engeln, gelehret, und in neuerer Zeit einige Welt
weiſen von der Seele gemurhmaßet haben. Man
"Bann fagen: wenn auch die Seele aller wefentli»
hen Verbindung mit der Materie entbloͤßet, in
Die ächerifchen Gegenden verfegt wuͤrde, daß fie fich
da ihrer felbft und der Dinge auffer fid), weit volle
kommener, als in dem jegigen Leibe, bewußt feyn
Es RS)
'd88 IX US$. Richie der Zunft
meil
emäßig und — und den muß man,
£
1
E
:
E35
8
5
:
V
I
&
H
3
7
inen, die Luft
Vergnügen allen und jeden am wohlfeilſten
ziemlich gleicher Maaße dargebothen werde. Da
heißt es in Wahrheit, wie von dem Wanna ter
aeliten: der hatte nichts Über, der viel
. gefainmiet hatte, und der nichte drunter,
der wenig gefammler batte; fondern em
licher hatte gefammler, P viel er für ſich
Kin Eonnte. Die Weispeit allein giebt mahren
Geſchmack der Süßigfeit, und das Uebermaaß des
Vergnuͤgens, das auch die eingemifchten Bitterkei⸗
ten dämpfen Pann.
Sm.
„Unterbeffen will ich nicht leugnen, daß es ch
ige feltene Fälle eines großen Ungluͤckes giebt, da
ein Menſch, welchen es trifft, ein wenig zeitige
denfen muß, was wir alle im Alter und gegen das
Ende des febens zu denken erinnert werden,
wir nicht hauptſaͤchlich für biefes Leben gemacht
md. Dom wir mögen noch fe und *
gegen die göttliche Vorſehung. 689
gluͤcklich gelebet haben, fo finden wir doch, wenn
5 vorbey ift, daß es vorben, und einem bloßen
raume ähnlich ſey. Unfere Augen fehen natürlie
jer Weife vorwärts ins weitere, unfere Begier-
m erſtrecken fi aufs Zufünftige, und diefes um
» viel mehr, je weniger uns bas Gegenwaͤrtige
efriediget. Wenn alfo die Tage fommen, bie eis
em nicht gefallen, es fey wegen fchmächlichen
ters, ober wegen eines empfindlichen Ungluͤcks:
fann doch die Hoffnung eines befferen und.
auerhafteren Lebens das gegenwärtige Leid ver-
igen. Hat uns nun die Vorfehung dazu beitimmt,
nd wird fie denen befonders, welche hier einen
hweren Stand gehabt, für ihre Geduld und
reue Rechnung halten : fo haben wir in feinen,
uch den ſchlimmſten Zufällen über die Vorſehung
ı lagen, als Menfchen, die keine Hoffnung ha«
m: ſo wenig, als wir die Laſterhaften in ihrem
arzen Gluͤcke beneiden dürfen, da fie zu einer defto
rößeren Strafe aufbehalten find.
Wenn fi) Menfchen ihre Unfterblichfeit aus
em Sinne zu reden bemühen, fo zeigen fie ſchon
adurch, daß fie lafterhaft find, und unnatürlich
enfen. Denn wenn fie das böfe Gewiſſen nicht
sit kuͤnftiger Strafe bedrohete, fondern ſie fich
ielmehr nad) ihrer Aufführung, eine unaufpörliche
Beligkeit verfprechen koͤnnten: fo möchten fie ja
vänfchen, daß die Seele unfterblidy wäre. Wenn
e aber bedächten, daß das Verlangen nach einer
naufhörlichen Glückfeligfeit, ben einer Ereatur,
yeiche Vernunft hat, und ſich vermöge derfelben
jre zufünftige Dauer vorftellen kann, aus den
Er ange
6go IX ASH. Nichtigkeit der Zweifel geg
‚eingepflanzeen Regeln bes Verſtandes und iX
wendig fließe : ſo würden fie einfehen,
Verlangen nichts anders, als ben
Ders. unferer Matur, vorftelle, und t
Vollkommenheiten, als unferm Weſe
ganzen Bemühen gemäß fen. Sind andere,
che den Laſtern und-der Sinnlichkeit niche fi
oifch dienen: fo wünfchen fie doch wenigfter
dieſer Wahrheit überzeugt zu ſeyn, und
fih. die Stimme der Natur, weiche fie
gierden über das Ziel biefes Lebens ins Liner
erſtrecken Heißt : indem ihnen alle Ergöglid
ber Welt, und felbft die vernünftigften, fo ı
an ihr Ende gebenfen, nicht Benüge thun n
fondern vielmehr bitter werben.
Es wird demnach meine Pflicht fen, d
diefe Wahrheit klar und deutlich erweife, ı
niche allein unfer gegenmärtiges $eid verfüße
verfürzet, fondern aud) alle unfere Gluͤckſel
deren wir in diefem $eben zu genießen fähig
reihiget und erhoͤhet, alle Religion verfiegelt
uns aud) im Tode getroft machet.
Dr "Eu |
Die zehnte Abhandlung,
don der Seelen Unſterblichkeit, und den
Vortheilen der Religion,
$m
Nie Hoffnung, daß unfere Seele nach dieſem |
$eben, zu einem unendlich bauerhafteren und
Beinen seben beftimme fen, gründet fich
auf die görtliche Abficht in der Schoͤ
, und auf feine Befondere Vorſehung über die
Bir Finnen zwar aus dem Welen
ir Eeele eine Moͤglichkeit begreifen, daß fie
uch nach dem leiblichen Tode fortbauren, und fich
wußt ſeyn, folglich leben und gluͤckſelig ſeyn koͤn⸗
ä -aber die Abficht und Vorſehung unſers Schoͤ⸗
kann ung allein die feſte Verſicherung geben,
Bits auch wirklich gefchehen werbe.
-Die Schöpfung ift überhaupt auf das Wohl
ne Lebendigen gerichtet. Zu welcher Art des Le⸗
ms und der Gluͤckſeligkeit nun jedes beflimmer
y, das iſt aus deffen befonderer Natur und de⸗
za Regeln zu erſehen, fo ferne diefelben von Gott
us Mittel gebraucht worden, wodurch feine Ab.
een zur Wirklichkeit kommen follen. Das alle
mneine Verlangen, glücklich zu werden, bas allen
benbigen —— iſt, wird bey jedem, durch
ine beſonderen Naturkraͤfte und deren Regeln, zu
inem befonderen Ziel gerichtet und beftimmet.
Berm es alfo aus den Kräften unb Regeln unfers
derſtandes und Wille fließt, daß wa
693 X Abh . nn
vor allen übrigen Thieren, niche
Ang von unſerer —*2 — ig Du
Slüdfeligfeie ſondern auch
langen weit über den — Genuß ci
gemiſchten Glüclfeligfeie dieſes Lebens bis Ins
Ketten min: fofind oir Menfchen aut
pi vermöge unferer Natur, Ar
dauerhaften Jeben, und zu einer
55 —— und darauf
Die göttliche riget ſch gegen M
Menfchen — een fie ipnen, vor ln
übrigen Thieren, fo mancherlep vernünftige Ergb
$ungen ber Sinne, fo ungenehmen Vorſchmack en
Wahrheiten und Bolllommenpeiten, ein Wermd
gen und Verlangen, immer volfommener zu wer
den, ja einen fernen Bli von der unendlichen
Weispeit, Siebe, Macht und Glüdfeligkeit ige
Schöpfers gegänhe, Wenn wir aber nicht in &
nem bauerhafteren und befferen Leben zu einem weh
ligern Genuffe diefer Vorzüge gelangen follten: ſa
würden fie alle, durch eine fo baldige Entziehung,
da wir uns noch auf der niebrigften Stufe ſehen
wieder vereitelt. Die Menfcyen würden dadurch
nur defto misvergnügter und unglückfeliger gemachet
daß fie einen Begriff und Reiz von einer weit vol,
kommenern und beftändigern Glüdfeligkeit erhak
ten hätten, deren fie nimmer gaben follten; zu
mal, wenn fie auch in diefem $eben, bey aller vers
nünftigen und reblichen Bemäpung nach Einficht,
„Tugend, Srömmigteie und Glücfeligfeit, unver
foniter in Nie wrigften Umftinte gefeht
: ‚nd. den Vortheilen der Keiigien, 693
Bo wenig dieſes mit den göttlichen Eigenſchaften,
nb mit der geäufferten Liebe zu feinen vernünftigen
‚ übereinftimmen würbe : fo gemiß fön«
m wir bergegen von feiner gnädigen Vorfehung
wfichert ſeyn, daß fie uns, durch. diefe kurze Vor-
Weltung , zu einem höheren Maaße der Wolle
anmenheit und Gluͤckſeligkeit, Dazu er unfere Na⸗
r fähig gemachet, führen werde, j
Diefes ift der kurze Abriß derjenigen Gründe,
eiche unfer natürliches Verlangen nad) einem dau⸗
hafteren und beſſeren Leben, mig zuverfichtlicher
An kan ung Gilden jegiges Leben ver-
ad et ums Diefelben etwas umftändlicher
Weachten,
| go
8 Es ift fürs erfte nichts Ungereimtes, Wiber-
hechendes und ‚Unmögliches, wovon wir ung eine
Joritellung machen; fondern wir werben durch die
legein ber Vernunft bazu gebracht, und die Sa⸗
ve hat ihre innere und aͤuſſere Möglichkeit.
Wer ann leugnen, daß er, vermöge feiner
zernunft, voraus benfen müffe, und in ber Bor
eflung des Zufünftigen feine Grenzen Penne?
Bee kann alfe leugnen, daß er einen Begriff von
mer künftigen weit längeren Dauer des. Lebens
abe, als worinn en fich jeßo eingefchloffen fieht ?
Ns empfindet alſo ein jeber bey fich felbft, daß ſich
In weil längeres eben, als das jegige, gedenken
ff, Nun laͤßt fich aber nichts gedenfen , als
as möglich if. Demnach wird auch ein jeder
ae daß ein weit längeres Leben an ſich mög»
Er: Die
_
J 6 XAbh. Mon der Seelen udſtereinhet
Dieſes aber, mas an ſich neglich iſt, muß
"ein jeder, vermoͤge feiner eigenen Empfindung
. sh kom, —5 — al un —
u ich erk Wäre die eine bloße Be⸗
| —— ma könnte, i
ung s unm
daß ein weiteres Leben nur ein leeres Yirngedice,
ſey. Aber die Seele ift das Weſen in uns,
ches ſich bewußt iſt; und eben dadurch iſt fie fich
auch. aufs klaͤrſte bewußt, daß fie eben diejenige
ſey, welche vor Zeiten diefes unb jenes ernpfunben,: -
‚gedacht und gewollt Gatz folglich, daß fie unter
verſchiedenen auf einander folgenden Veraͤnderun⸗
gen, als ein und daſſelbe Weſen fortgebauret habe,
und mithin Feine bloße Beſchaffenheit eines andern
- Dinges, fondern eine Subſtanz fen, die für ſich
beſteht. Wenn fie fid) aber als ein und baffelbe
fortdaurende Wefen ferner, hergegen kein einziges
Stäubchen ihres ganzen Körpers kennet, ob es
A}
voch eben daflelbe fey, worinn fie vormals empfun«
ben: fo unterfcheider fie fich, Durch ihr inneres Be⸗
.— wußtfenn, von allen Urftoffen ihres ganzen Körpers,
als ein befonderes, unförperliches, einfaches Wer
fen, welches, bey aller aͤuſſeren Veränderung des
Körpers, für ſich ungertrennlich fortdauret. Ge
kann alfo, als eine einfache Subſianz, weder durch
die Auflöfung, Faͤulung, Vermoderung oder Ver⸗
wefung des zufammengefegten Koͤrpers in klelnere
Theile zertheilet werden, noch natürlicher Weife in
ſich vergehen und zu Nichte werden. Und wenn
ſie ai Iren Ort und ihre Verbindung mit ben
von Vortheilen der Neligion. 695
v Theilen veraͤndert: ſd muß fie doch
——— und in _
Insergigihfit macht wu yuar ned
aus, und ift auch den lebloſen Elemen»
a Urſtoffen der Körper gemein, -
innerlich und uffertich bewu
des —— alle Pre —
chen Dingen wohnet, und nicht erſt
ufarnmenfegung enẽſteht fd muß auch
igen, ober bie Kraft ber Seelen, dadurch
felbft und anderer Dinge auffer ſich de
igentüch in der einzigen einfachen Seele
M ihr weſentlich feyn ; obgleich bie Muse
‚em jegigen $eben von bem \organifcher
» beffen Werlzeugen abhängt. Wie nun
: der Körper, wenn fie aufgelöfet und
er getrennet werben, dennoch ihreinnere
Iten, und auch wirklich wieder äuffern, fo
der mit andern efementarifchen
Br .— fo ſieht man wehl, ba
wefentliches Vermögen, ‚oder:
1. aft ſich bewußt zu feyn, noch
Tode behalten muͤſſe, und daher auch
chkeit fep, daß fie ſolche Kraft wirklich
sit, Din an koͤnne, wenn,
darnach beft
ich num zu den — der Butt
foolite, daß fie mir beweiſen möchten, .
fer Zur md: Pd
\
den fie gewiß die Achſeln zucken, und ihr Unvermd.
gen geftehen müffen. Warum follte ber Schäpfer,
da er der Seele einmal ein $eben und Bewußtſeyn
verliehen, diefe Kraft nicht auch ſtets wirkſam er»
‚Bolten fönnen? Wenn er fo manches leblofes Per-
petuum Mobile, oder fo viele immer bewegte Ma-
ſchinen, (in den &ternen und Planeten‘) erſchaf⸗
fen: warum follte er nicht auch ein Perpetnum
- Cogitans & Vivens, ein immer denfendes ‚und le
bendes Welen, haben ſchaffen koͤnnen? Ober, fo
wir uns. ja nur auf bie bloße Natur berufen wol⸗
Im; wenn unfere Naturfünbiger mir Recht anne
men, daß die Fleinften Urſtoffe ber Körper ftets
in einer wirflichen ‘Bewegung find, obgleich dieſe
Bewegung im Ganzen nicht fichebar iſt: mas
656 .KUbh. Wonder Seelen Unſterbuchteit,
VE "7 Tg
Pönnte denn ſeyn, welches die innere ſtete Beräan
berung und Vorftellung einer lebensfähigen Seele
unmöglicher machte, als die dufferliche ftete Ver
änderung des Ortes in beweglichen Theilen ?- Man
ift ja doch geneigt, allen und jeden Urftoffen der
, Materie ein inneres $eben zuzuftehen: warum nicht
auch der Seele ein ihrem Wefen gemäßes ?
$ 3.
Wie? wenn man aber auch mandherley Art
und Weiſe zeigen kann, wodurch ein folder Zus
ſtand der Seele nad) dem Tode möglich it, ſo wird
um fo viel weniger an deſſen Möglichkeit zu zwei
|
fein feyn. Laß immer die Seele in diefem Leben
von dem Körper und deſſen Werkzeugen abhängen:
fo ift doch erftlich eine Möglichkeit, daß ihre Kraft
nach mals daven unabhängig werde, —**
En
ı
und den Bortheilen der Religion. 697
Kräfte find nicht, die zu ihrer Ausübung anfangs
eines Werkzeuges und Mittels nöthig haben , defe
fen fie hernach entbehren Finnen? Noch fieht die
Eeele, in ihrer niedrigen Stufe ber Vollfommen-
t, alles.in dem Spiegel des Körpers, und muß
7 mit bloßen Erfcheinungen (Phenomenis) der
Dinge, die der Eindrud in die Siune giebt, be
helfen. Aber, wie fie ſich jegt doch ihren Körper,
der ihr zum Spiegel dienet, unmittelbar, und
‚ nach allen Eleinften Theilen, vorftellee: fo ift auch
ein Zuftand der Seele möglich, da fie zu einem
unmittelbaren und anfchauenden Erfenntniffe an-
derer Dinge gelangen kann, und feines förperlis
chen Spiegels mehr bedarf.
Oder, foll ja die Kraft der Seele immer in
ihrer Ausübung abhängig bleiben: fo fann man
fich etwa gedenfen, daß fie nach dem $eben, wenn
ie in die Zahl der reinen Geifter verſetzt ift, alles
Gott fehe; wie Malebranche ſchon von dem
jegigen Zuftande behaupten wollen. Ober, man
ann fagen, daß fie nicht fo gänzlich von aller Ma⸗
terie entblößer werde, fondern einen eigenthümlichen
feineren Körper behalte, worinn fie fich alles vor⸗
flellen werde ; mie Die Kirchenväter, fo gar von den
Engeln, gelehret, und in neuerer Zeit einige Welt.
weifen von der Seele gemurhmaßet haben. Man
ann fagen: wenn auch die Seele aller wefentli»
hen Verbindung mit der Materie entbloͤßet, in
die ärherifchen Gegenden verfegt würde, daß fıe fich
da ihrer felbft und der Dinge auffer ſich, weit voll.
kommener, als in dem jegigen $eibe, bemußt ſeyn
koͤnne.
Er 5 N
698 x Abh. Von der Seelen Unſterblichteit
Ich will einmal das Letztere, als das Matin
." Behfte, feßen; mich, als wern Ic Diefe Art umfers
„ "Pünftigen Lebens für bie wirkliche Gielte, fonbern
weii deren Möglichkeit am leichteften zu begreifen
"A. Die Seele, als eine einfache‘ undergangliche
Gubſtanz, bleibe in der Welt, wenn ſie ven den
A eine
nu mit lauter .
& — vo —* alsdenn ihr Zuſtand
, wenn fie ja zu Dewufrfen —85
$eben eines fernefen Spiegels Li
. "Id antmorte: Kemu in vr eferifen h
womit fie umgeben ift, als in einem weit helleren
Spiegel, ale Dinge, deren Veränderungen dadurch
„ an fie kommen, weit vollkommener, als in bem je
Kigen groben Körper fehen.
Wenn wir annehmen wollten, daß bie aͤtheri⸗
ſchen ober Sicherheilchen ſelbſt, auffer be der Kraft,
melche fie in einander und in die groben Körper
Auffern, aud) eine Ref hätten, ſich Die Veraͤnde.
rungen, melde an fie fommen, mit einer Ueber
legung vörzuftellen: fo wäre fein Zweifel, daß fie
ſich ihrer felbft, und anderer Dinge auffer ſich, noch
weit vollfommener, als unfere Seele jegt, bewußt
ſeyn würden. Demm es ift, fo viel wir wiffen,
nichts feiners in der Welt, das alle übrige Mater
rie fo leicht durchdringt, aller Dinge Beſchaffen⸗
heit fo genau bildet und ausdrucket, alle Verände
rungen fo bald annimmt, und durch die fehnellfte
Bewegung auf Millionen Meilen weit mittheilet,
als. ber Aether oder. das Sicht. Hätten alfo jede
Sufteßeildien vgl di eine innere Borftelungstraf
und den Vortheilen der Religion. 699
it einer Ueberlegung: fo würbe ein jedes eine
here Art von Seclen fern, da ihm von allen Or,
ı die Beſchaffenheit und Veränderung der Dinge,
ırch die benachbarten, aufs ſchleunigſte mitges
ellet würde, und folglich alle übrigen zum rein«
m Epiegel dieneten, worinn es einen fehr großen
heil der Welt mit deſſen Weränderungen fehr
utlich und gefchwind erfennen koͤnnte. Mas
äre denn Unmögliches in derjenigen Vorftellung,
ı wir dergleichen Zuftand auch von der abgefchie»
nen Eerle gedaͤchten? und mas brauchte fie denn
168 groben Körpers, oder der darinn erzeugten
bensgeifter zum Benugtfeyn ; da fie felbit Sicht
äre, und in lauter Sicht wohnete , worinn ihr al«
3 fichtbar wuͤrde?
Wir fpüren ſchon in dieſem $eben, daß bie
Seele an bie äufferlichen groben Werkzeuge der
ugen, Ohren und übrigen Gliedmaßen in ihrer
torftellung nicht gebunden ift; fondern, wenn in
m zarteſten Gehirne, von inneren Ürfachen, oder
m der Einbildungskraft, einerley Beränderuns
n, wie ſonſt von auffen, entſtehen, fo hat fie eben
e Vorftellung, als ob fle mit Augen fähe, mit
Ihren hörete. Es liegt alfo nichts daran, durch
elche Werkzeuge die Dinge in ber Welt und deren
Beränderungen, der Seele einen Eindruck geben ;
mug , wenn fie auf irgend eine Art, welche es
ich fen, klar und deutlid) an biefelbe fommen
innen: fo wird fie, nach ihrer weſentlichen Kraft,
les vorftellen, und ſich wenigftens eines Theils
er ganzen Vorftellung bewußt feyn koͤnnen.
Ku
fi
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3
ht,
Mi
kan
Ri
Fi
8
*
ER}
vr
„Muß ja Ton,
"Dem, der wur auf fich ſelbſt und feine eigene
pfinbung achten voll, fo kiar und überzeuglich
ais irgend eine Wahrheit ſeyn kann; wie ich
ſchon ausfüßrlich genug gegeiget habe. Ich
es alſo für unndehig, daß ich mich hier abermals
—
mit ſolchen Leuten einlaſſen ſollte, die nimmer in
ſich gehen wollen, ſondern ſich ftets-auffer ſich für
hen, und ſich dahero auch in dem koͤrperlichen thie⸗
riſchen Weſen felbft verlieren.
Die Hauptfrage ift num übrig, was mir Mer
ſchen aus der Vernunft für zunerläffigen Grund
. ben, zu glauben, daß unfere Seele audy ſich
nach dieſem Leben unſterblich ſeyn werde ? Dieſes
Sache
jedes Naturkraͤfte und deren Regeln mit feiner Art
bes Lebens, weicher es gewidmet iſt, übereinflin-
ma: u ſch auch aus unfern Nanzteife
—
BE Wu
und den Vortheilen der Religion. ° 701
und deren Regeln ſchließen, zu welcher Art bes Le⸗
bens uns der Schöpter beftinnmet abe. Es ift
aber vorhin mit mehreren gezeiget worden, daß nach
ber Abficht des Schöpfers alle mögliche Lebendige
haben ſeyn follen; und daß fo vielerley $ebenbige
möglich find, als Arten des Lebens und der Gluͤck⸗
feligfeit moͤglich waren ; folglich auch ein jedes
zu einer gemwiffen Art des Lebens und ber Gluͤck⸗
ſeligkeit beftimme ſey. Es ift gezeinet worden, daß
jebes beftimmte Art bes Lebens die Megel und, den
Grund in fic) halte, wornach ſich alles Abrige in
dem Körper und der Seele eines jeben richtet; und
daß diefes felbft bey den unvernünftigen Thieren
nad) der größten Weisheit und Güte zur Wirklich
feit gebracht fen, deren finnliche Werkzeuge ſowohl,
als Seelenfräfte, Triebe, Fertigkeiten und aner⸗
ſchaffene Künfte, mit jedes Lebensart vollfommen
übereinftimmen. Es ift folglich gezeiget worden,
baß alles regelmäßige Bemühen ber Maturfräfte
in den Lebendigen, infonderbeit, der Seelenfräfte,
gerade zu einem gemiffen Ziele führe, das nicht
triegen fann ; daß mithin eine folche Art dessebens und
ber Gluͤckſeligkeit, welche darinn allein Grund bat, jes
dem beſtimmt fen, und zur Erfüllung kommen müffe.
Nun ift unter allen möglichen Arten bes Lebens
auch diejenige möglich, da eine Seele von einem
finnlichen Leben zu einem vollfommenern, immer⸗
währenden, geiftlichen erhoben wird : und das res
gelmäßige Bemühen unferer Natur, infonderheit
der Seelenfräfte, fuͤhret gerade und allein zu dieſer
Art destebens, als feinem äufferften Ziele. Dem⸗
nach kann auch diefes Bemühen unferer —
—V
„02 X Abh. Bon der Seelen Unſterblichkei
kraͤſte nicht triegen, ſondern folche Art des Sehens
iſt diejenige, wozu wir von dem Schöpfer beſtim⸗
. met find, und welche zur Erfüllung fomıinen muß,
u £
Daß unter andern möglichen Arten bes Sehens
auch eine folche möglich fey, da eine Seele von di
nem unvollkommenern finnlichen $eben zu einem
vollkommenern, immermwährenden, geiftlichen er
hoben wird; ſolches ift furz zuvor aus ber
Befchaffenheit unferer eigenen Seele gegeiget wor»
den, Denn wenn fie, als eine einfache unverwes⸗
liche Subſtanz, ſich auch auffer dem groben Kr.
per bewußt fern und alfo leben kann: fo Fonnen
ihre geiftigen Kräfte ohne weitere Verdunkelung
und Verwirrung von finnlicher Vorftellung , und
ohne falfchen Reiz zu finnlicher Neigung, in deut:
lichem und reinem Erfenntniffe des inneren Wejens
der Dinge, in Einſicht der Mannichfaltigfeie und
Uebereinſtimmung der Natur, und der darinn
ausgedruckten Weisheit und Güte des Schöpfer,
in Siebe und Luſt zum Guten, in eigener Vollkom⸗
menheit, Zufriedenheit und Glückfeligkeit, beſtaͤn⸗
dig zunehmen, und dem unendlichen Geifte an
Vollkommenheit immer ähnlicher werden, ohne ihm
jemals gleich zu fommen. Wenn nun nad) göft«
lichen Abfichten, und nach den Regeln ber Weis
heit, afle mögliche Arten bes $ebens in der Welt
wirklich feyn muͤſſen: fo müffen auch folche Seelen
wirflich in der Welt feyn, die von unvelllomme
nern Stufen eines finnlichen Lebens immer zu höheren
Vollkommenheiten in einem geiftlichen Seben fteigen.
Wenn
und den Vortheilen der Religion. 703
Wenn wir 'aber auch an folhe allgemeine
zahrheit nicht gedenfen, und nur den Bemuͤhun⸗
n unferer höheren Naturfröfte nachgehen : fo
üffen wir erkennen, daß fie gerade und allein zu
‚fem Ziele führen, und auf feine andere Weiſe
ruhiget werden fönnen. Wir haben es über
‚pt mit allen Thieren und $ebendigen gemein,
ß wir von Natur alle tradıren glüclich zu leben,
Zelche Arc der Gluͤckſeligkeit aber unferer Natur
mäß fey, ober zu welcher uns der Urheber ber Natur
bildee und beftinnmer habe; das müffen unfere
fonderen Naturkräfte und deren Regeln weiſen.
ede Begierde, glücklich zu werden, richtet ſich
uhmendig nach den Echranfen der Vorftellung
8 Guten. Eo wenig als eine Begierde nad)
nem Öuten entftehen kann, davon man gar kei⸗
In Begriff hat : fo natürlich ift es auch dem Wil«
n, bas erfannte Gute wollen und verlangen,
jeget man nun Ecelen, die nur von einer gewife
n Art des Guten eine Borftellung haben, fo iſt
ich deren Verlangen und Bemuͤhen dadurch ein«
ſchraͤnkt; ihre Begierde kann nicht weiter gehen,
id fie find durch ihre Natur bloß zu der Art des
bens und der Gluͤckſeligkeit beſtimmt, welche aus
m Oenuffe folches vorgeftellten Guten entftehen
mn. Geget man aber andere Seelen, deren
Borftellung vom Guten anders ift, oder weiter
ht: fo muß auch ihre Begierde ein ander Ziel
wen, und weiter gehen; folglich find fie auch
irch ihre Natur zu einer anderen und höheren Art
ı8 Lebens und der Gluͤckſeligkeit beftimmt.
Diefen Unterſchied ſieht man aus der vorhin
eitlaͤuftiger angeftellten Vergleichung der Werr
B u
‘ glücklicher zu werden ; erhalten pres Leibes Nech⸗
durft, nad) eingepflanztem Triebe, genießen E
mit‘ £uft, und find zufrieden, bas höhere und
ünftige koͤmmt nicht in ihre Gedanken, und md
alfo auch ihre Begierden nicht rege, noch ihr
muͤth uneuhig ; der Tod ſelbſt en fh "
- flerben, Dre fie ſelbſt wiffen, daß ihr Leben
ein Ende
Fe9R
Der Menſch hingegen ift von Natur, durch
die vernünftige Vorftellung feiner felbft und ande
— ‚Dinge, & einem Vermögen und Berlangen
einer höheren, reineren und
WVollk ommenheit und Glũckſeligkeit, ee
— ann,
ne
’
und den Vorteilen der Religion. : 705
ıfe, die eine weſentliche Eigenfchaft aller. Mens
m iſt, daß ihre Gebanfen, durch Vergleichung
Gegenwaͤrtigen mit dem Vergangenen, auf
3 Zufünftige geführet werben, daß fie eine Vor⸗
lung von Zeit und Dauer befommen, daß fie
aus denfen, und wenn fie fich felbft und ihr fe» -
I der zufünftigen möglichen Dauer betrach«
baß ihre angeborene Begierde zum Leben ſich
beit, als ipre Vorſtelling der zukünftigen Zeit
t, das ift, bis ins Unendliche erfireden muß,
fliege natürlich und nothwendig aus der Were
ft, daß alle Menfchen ſich durch ipre allgeme
und abgefonderten Begriffe noch immer eine
e und reinere Vollkommenheit, Luſt und Olüc«
zkeit gedenken, als fie wirklich befigen, ober tn
iemm eben erhalten koͤnnen, und daß ihr Were
gen folglich mit diefer niedrigen unb gemifchten
ackſeligkeit nimmer völlig befriediger wird, fone
n ber Vorftellung des größeren möglichen Gu⸗
ohne Aufbören folge. Kurz, ber Menfchen
gierden müffen ſich, vermoͤge ihrer Verftandese
fte, nothwendig ins Unendliche, und über die
hranfen diefes kurzen und unvollfommenen $e
s auslaffen.
Man bemerfet daher, in Abficht auf ben aͤuſ⸗
ten Zweck, mencherlep wichtigen Unterſchied
ſchen den Tieren und uns. Die Tpiere find
ı Natur unvermögenb, vollfommener und gluͤck·
er gu werben, als fie in biefem $eben find und
den: wir aber werden felbft in diefem Leben
mer vollfommener ; doch nimmer fo volllommen
»apättic, als wir. ri kounten. Die Thie ·
w
106 X 0055. Von der Serien Dinfertt
Gaben Feine Worftellung von einer
= Sebens und der Gluͤckfeligkeit bis —*
in unferen Gedanken vergroͤßern.
find Bloß ſinnlich, und nur einer —X
: wir aber, ale vernünftige Menfchen
ig
gen kann ſich, mit aller DBemüpung, weder ’
finnlichen noch vernünftigen Luſt, während
Lebens, Genüge thun. Die Thiere bezaf
Natur ihre Schuld, ohne den herannahend
vorher zu Fennen ober zu fuͤrchten, noch
fernetes und befferes geben zu denfen, ober
\ zu münfchen; der Menfch allein weis zum v
daß er fterben muß, denket mit Furcht an fein
und kann nicht anders zufrieden fterben, alt
e auf ein beſſeres Leben hoffet.
§ 6.
Weil dieſes Sehnen der Menſchen nach
dauerhafteren und beſſeren Leben, als das
waͤrtige ift, aus den Kräften und Megeln
Verſtandes und Willens natuͤrlich entſpringt
dem Weſen unſerer Seele und deren Zäpigl
einer mehreren Vollkommenheit und Glück
gemäß ift : fo kann man es nich unter Die
türlicgen Grüien weh von Träume ber Me
u
: Aa ben Vorthellen der Seliglon. 707
ithnen. Bon dieſen laͤßt ſich allemal zeigen, daß
je ben Regeln unſers Verſtandes und Willens, fo,
neben Weſen und ber Natur ber Dinge, enfges
en faufen. Aber hat umfer Wille, vermoͤge ſei⸗
er Natur, eine Glückfeligkeit sum Ziele feines
Bunfes unb Bemipens, un fireter er fi na“
Ieticher Weiſe nach ben Schranfen ber vernünftie
em Borftelluimg von möglicher Voukommenheie
2 —— & fo muß ſich auch fein Verlan⸗
nach den Megeln
zeigen, daß fie
Eee nee
affene Str mit enbiken unb —2
Dingen zu vergnügen gedenken.
a“ Wir muͤſſen nothwendig daraus ſchließen,
wg: wir von dem Schöpfer zu ſolcher Art des Le⸗
ig und ber Gluͤckſeligkeit beftimmt find, wozu
M8:das Bemühen unferer Natur nach eingepflange
im Regeln führe. Es ift uns fo natürlich, vor⸗
ag. zu denfen, und uns unfern Fünftigen Zufland
haf. eine ungemeffene Sänge Bor uftelen, als es den.
ft, ſich bloß < an bas era
708 X Ash. Bon der Seelen Unſterblichkeit,
Gluͤckſeligkeit, mit dieſem Eurjen Leben und deſſen
niedrigen und oft vergaͤllten Luſt nicht begnuͤgen,
ſondern ein beſſeres und dauerhafteres wuͤnſchen,
als es den Thieren natuͤrlich iſt, daß ſie mit der
gegenwaͤrtigen Erſaͤttigung ihrer Nothdurft und
Triebe vollkommen zufrieden ſind, und weiter nichts
bebenfen noch verlangen. Wenn nun dieſes ganz
offenbar iſt, fo Ift unfer natürliches Verlangen nad)
einem befferen und bauerhafteren $eben auch eben
ſowohl ein. Reiz des Schöpfers zu unferer Des
im mang, als es bey den Thieren die blinden Trie
find, |
Kann man fich wohl vorftellen, daß den Leben⸗
digen ein Hunger nad) einer gewiſſen Speiſe na»
türlich fen, und daß doch die Speiſe nicht in der
Welt wäre, womit der Hunger könne erfärtiget und
das Leben erhalten werden ? daß ihnen ein Trieb
zur Gattung mit dem weiblichen Gefchlechte ben:
. wohne, und daß doch nichts, als männliche Thiere
wären, bie ihre Brunſt für fich nicht ftillen koͤnn⸗
ten? Kann man ſich einbilden, daß Voͤgel von Na
tur einen Drang befommen haben, gegen ben
Winter fid) einmürhig zu verfammien, und über
alle Wolfen in ein entferntes fand zu eilen, und
daß doch in der Gegend fein Land fen, mo fie ihr
seben fortfegen und unterhalten Eönnten? Kam
man ſich gedenken, dag Wafferinfecten, gegen das
Ende ihres dermaligen Zuftandes, ein Verlangen
- "nn ⸗ ⸗—
nach der Luft haben ſollten, und ſich aus dem Wafe .
ſer heraus begaͤben, wenn ſie nicht, nach ihrer Ver⸗
wandelung, in dieſem Elemente aufs neue leben
würden? Dein, We Stimme der Natur 7 |
n
„2b. den Wortfeilen der Melgion.. -
side, fie iſt ein Ruf und Winf — 7
bes beſtunmten Art des Lebens; ſie iſt ein Aus⸗
Bruck und zugleich ein Mittel der göttlichen Abſich⸗
—— ann
du e r,
ap gern md befferen Sehens, und zu einem
nach. demfelben , rege ge gemadet haben,
woaen es wicht eben Dasjenjge mise ‚ wozu er ung
leſcheden har? oo,
.. $ m
Abe Vorzüge, wel ung Menfihen bie
kin —* he zugeftanden Feat
„ſo würden fie. uns alle.ums
und ee umferer Qual gegeben fenn.
aber nichts * ber Natur umſouſt; nichts
IB beſonders den Lebendigen, ſelbſt den unebleren,
* —*
zw zu; Mn tn Beta ieh
zu ‚aber für.
— — und
weite Ausficht in die entfernten Zeiten ein J—
Blick, ——*
durch bie Hoffnung einer
1Bollfonmenpeit defto angenefmer madhet, unb
—— bie Farcht bes =
Des, leicht ü ——
a Bas nügte uns Wahrheit und Wiſſenſchaft
gu einer folchen Zufriedenheit, als wir wuͤnſchen,
ba wir bey jedem Eleinen Wachsthume in berfelben
nur defto mehr wahrnehmen, wie vieles mir nicht
willen, oder uns mit befto mehreren Zweifeln bes
anruhigen; menigftens unfere Begierde zu dem
moennichfaltign Erkenntniſſe der Dinge in be
Welt, und deren Gewißheit, in dieſem Leben nim⸗
ir ee fönnen? Iſt aber biefer ——
es erſte Haus, das wir bewohnen, bloß e
Schule, darinn wir die Anfangsgründe der Wiſſen⸗
—A faſſen, um darnach zu hoͤheren Dingen ge⸗
hret zu werden: ſo leget dieſes Erkenntniß den
Grund zu einer weiteren Einſicht, und wir koͤnnen
uns in dem geringen Vorſchmacke ber Wahrheiten
ie: die füße Vorftellung machen, wie wir beveinft
Reiche des Lichtes die ganze Natur und alle
ums noch verborgene göttliche Geheimniſſe mit ers
Ieachtetern Augen beſchauen werden.
x | _
und den Vortheilen der Religion, yır
Was haben wir in diefem Leben von unferer
Beisheit für Wortpeil zu unferer Glüdfeligkeit ?
Ne unvernünftigen Thiere werden durch einen
linden Trieb viel ſicherer zu biefem Zwecke gelei ·
5 ob fie fich gleich weder eine beutliche Abſicht
oefegen, noch die beften Mittel dazu überlegen.
Richts kann zu jedes Art des Lebens kluͤger ausge»
acht werben, als was fie durch angeborene Fer⸗
gkeit meifterlich verrichten. Dee Menfch hinges
en lernet erſt durch öftere Bergehungen, und durch
agegogmen Scheben, weiſe werden, wird es kaum
st bem ter, wird es unvollflommen , und. bes
Immt boch die zeitliche Gluͤckſeligkeit mit alter feis
er Weisheit nicht in feine Macht; hat aber eben
arum, weil er weife ift, viel Kummer, da’ er bie
cht, und an feiner eigenen Schwachheit, fo wie
u anderer Thorheit, Arglift und Bospeit vielfe-
jen Ekel und Verdruß empfindet. Iſt aber uns
r Ziel der Weisheit auf eine höhere Volllommen·
eit, dazu fein blinder Trieb führen Fann, auf ein
detliches Vergnügen, das aus Einficht ber Wahr»
eit, und aus Webereinftimmung der Handlungen
atſpringt, ja auf eine nähere Verbindung mit dem
llerweiſeſten Wefen gerichter: fo müffen wir eine
vol die erften Stufen betreten, und in unfern
ehr · und Probe» Jahren ducch Fehltritte immer
higer und gefegter werden; daß wir zur hohen
Schule der Weisheit gefchidt fen mögen, wo wir
nfer Gemuͤth mit reinerer Einficht, nady dem volle
smmenften Mufter ber Weisheit, bilden, und
In In unge ut moin Fun
„4
7i2. X 66. Von der Seelen Unfterblichteit
——
i um ung
Äireitig machen. Aber unfere Tuigendjüft erſtlich
reicht. Wenn all itliche Sluͤckſelig·
Re vonder Tagen fing, m fe *
WR auch feine fo genaue Verbindung zwifchen ber
Tugend und zeitlichen Gluͤckſeligkeit def niche ein
Augendhafter, durch Zufälle, ober felbft durch feine
,ungluͤcklich rweigſten
und den Vortheilen der Keligion. 713
men wir denjenigen für glücklich halten, det- für
$ Vaterland, der für den König, feine Befunde
€, feine Güter, ja felbft ſein eben aufopferte;
Wort und Zufage mit feinem offenbaren Scha-
i hielte; der Zölle und Abgaben mit Kraͤnkung
1e8 Sausftandes reblich entrichtete; der Den allges
inen Nugen feinem eigenen vorzöge; ber den
fegen mit Unluft und Mühe genauen Gehorfam-
tete; der ſich durch Zeugniß der Wahrheit ge-
peliche Feindſchaft zugöge? taufend anderer Fälle
geſchweigen. : Ein folcher würde ja in der Zeit
ner Dauer nicht das geringfte Bute, fondern lau»
Unluſt und Schaden, von feiner Tugend zu ges
wien haben. Würden alfo nicht die meiften
che Tugend für einen leeren Ton und triegliche
nbildung halten? Würden fie nicht eine kluge
genmügigfeit, an deren Stelle, zur Kegel ihrer
andlungen machen, und, jeder nad) feinem Tem-
rament, bloß finnliche &uft, Bequemlichkeit,
racht, Hoheit, Macht, Wohlftand und Reich⸗
ümer, durch erlaubte und unerlaubte Mittel, fur
m, wenn fie ſich nur daben vor Strafe und Scha«
n gefichert hielten? Allein, wenn ber Menfch
uptfächlih Seele ift, wenn fic) deren ſteigende
ollkommenheit bis in Die Ewigkeit erſtrecket / und
du hier der Grund geleger werden muß; wenn
x künftig erft die rechten Früchte unferer Bemüs -
mg von unferm Schöpfer zu gewarten haben: fo
es feine Thorheit, daß wir bie geringeren zeit»
ben DVortheile einer bauerhafteren und höheren
luͤckſeligkeit aufopfern. 5
9ys Bas
um ®
würde das Erfemmtniß von Cost weber uifere a
wen ein Vermögen gegeben, mit unfern
Bis zu ihm zu dringen; wozu häfte er ums allein
)
eine Fähigkeit verliehen, der Seele nach,
vollkommener zu werden; wozu häfte er uns allein
eine Vorſtellung des Zufünftigen; und ein Verlan⸗
gen nach einem unendlich gluͤcklichern Leben einge
praͤget; wenn er uns doch den Genuß alles deſſen
te verſagen wollen? Würden wir ein ſolches
fen als weiſe und guͤtig verehren koͤnnen, das
uns zu unſerer Qual ein Gutes erkennen ließe,
bas wie hiche erhalten koͤnnten oder fellten? Wuͤr⸗
den wir nicht Die Thiere in ihrer zufriedenen Un⸗
wiffenpeit von einem höheren Weſen und vollfons
. ich endlich von der \
ABdee 0s mie Dfem ben um und pe |
menern Zuftande, in ihrer gefättigten finnlichen '
Luft, und in ihrer vergnügten Niedrigkeit, vid
fückficher preifen?
. Wie koͤnnte uns auch ſolch Erkenntniß und
ſdiche Verehrung Gottes in dem gegenwärtigen fe
"Sen -äufferlich „glücklich machen, da Frömmigkeit
und Gtüd feine nothwendige Verbindung mit ein.
ander gaben, fonbern Softergafte und Goetloſe bey _
} ‘ ö . menſch⸗
d den Vorteilen der R Beige, 75.
Hei oft —— —
% ‚un ‚ ges
&, gefund und frößlid leben; bie
gegen, vielmals, eben darum, weil fie .
» göttlicher Voe ſchriſt richten, fatt der
efes lebens, lauter Verdruß und Jammer
ıe befommen? Wird denn das Betragen
u — die Seele zur Wanbiciten
he der Geiſter beftimmt iſt, wenn fie da
heren Zutriet zu dem unenbfichen Geifte
ird, und von bem nad) der
etragens in ber Welt wird angefehen wers
‚giebt die Religion einen vere
yeiff von Gott, feinen Bi
Hiche und Regierung über bie
et fie uns, dem großen Zwecke
—— —— em ———
niedrigern, gemiſchten
—
all
716 X Abh. Bon der Seelen Unfterblichkeit,
Gluaͤckſeligkeit eine höhere, reinere und ewige zu
boffen -
| 9 9
Welches von beyden haben wir denn aus um
‚fen Vorzuͤgen vor den Thieren, nach göttlicher
- WBolllommenpeit, Weisheit und Güte, zu, fchliefe
fen? Gefege, wir wären, wie die Thiere, bloß
fuͤr dieſes Leben gefchaffen; fo fämen doch Die Thie
ve in dieſem geben burd) niebrige Kräfte zu fo groß
fer Vollkommenheit, Zufriedengeit und Gluͤckfelig⸗
keit, als nad) ihrem Weſen möglich war: wie
bergegen erreichten mit viel höherem Vermoͤgen
nicht ben tauſendſten Theil der Vollkommenheit,
bie unſerer Natur gemäß iſt, und wozu wir faͤhig
find ; wir hätten Vorzüge, die uns zu Diefem finn-
fichen und zeitlichen Leben nur unnüße, ja von un
ferer Zufriedenheit mit einem foldyen geben, und
mithin an unferer ganzen Gluͤckſeligkeit nur hinder.
lich waͤren. So wuͤrde der Schoͤpfer bey allen und
jeden, auch den geringſten Thieren, Weisheit und
Guͤte, bey uns keines von beyden bewieſen ha⸗
ben, ſo ferne er theils uͤberfluͤßige, theils hinder⸗
liche Mittel der Gluͤckſeligkeit bey uns angewandt
tte.
ba Man ſtelle ſich vor, da ein großer Herr Kna⸗
‚ ben von befonderer Faͤhigkeit ausfuchte, und erzie
ben ließe : fie fiengen nach feiner Vorſchrift an,
Sprachen und Gefchichte alter und neuerer Zeiten
zu lernen, die Gründe ber Weltweisheit, Marge
matik und Naturlehre zu treiben, die ——
tagte
— m
Menfchen .
Ipigfeit, und mie dem Vorſchmacke an höheren
Iingen, zu nichts, als zu einem shierifchen teben,
fkimmet wären. $äßt fi num jene Erziehung
r fähigften Köpfe von eines vernünftigen und gü«
Megenten Verordnung nicht gedenfen : fo
m die Beftimmung ber Menfcen, bey in
ezäglichen Naturgaben, gu einem bloß thieri
ben, noch viel weniger von dem großen Schöpfer
dacht werden, ohne feiner Weisheit und Guͤte zu
zu treten. .. De
Wurden mir Gott nice auch befonders in
ar hauptſachlichſten Vorzuge der: Menfchen, weis
er das Erkenntniß len yeah betrifft, als um.
wenperjig und graufam darſtellen, weun wir;
$
5
———
*
ZUB Vthhh. Won der Cie iinliecuctat
läße im einen Begriff von feinem fopen Gtande
und feiner Gluͤckſeligkeit benbringen,
ſchlechten
giebt ſich der Fuͤrſt dem Rinde zu erfennen , und
Muß da
nicht das Kind natürlicher Weife ein Berlangen :
bekommen, ihn zu fehen, und fich Heffmmg —
ner hoͤheren Gluͤck fügfeligfeit madıen, als-
Gefäßrten fich machen Bönnen? Aber nein; es fd :
nimmer vor ihn kommen, es foll an der —
Herrlichkeit nicht den geringften Antheil haben, es
fon fein Lebenlang im Staube friechen. Kane
ein ſolch Vaterherz fern, das fich feinem Kinde
als Vater offenbaret, nur damit es ſich nicht vd»
terlich beweiſe, damit es fein Kind quäle 7 Unb
wenn es möglich waͤre, mas wuͤrde unbarmherzie
gers und gräufamere feyn innen?
Sepet ! bie
Thiere wiffen auch nicht, ae
erſchaffen hat ober ernäßret; fie haben
griff von dem Urheber ihres a er
Pfindung von feiner Güte,
Ken, u Out na (a ehr
en Wortheilen der Religion, 719
raus, allerley Sebenbigen, die ihn nicht
noch ihm danken finnen, mit *
er Natur gemäß, zu fättigen. |
ıber giebt er fich allein als umfer Preind Ä
mmen ; er offenbaret uns feine Vollkom⸗ |
in dem Spiegel feiner Natur, er hat
Bild und feine Aehnlichkeit —
Verlangen nach einem göttlichen Leben -
Wer kann fich ihn dabey fo unbarmher⸗
n, daß er diefe höhere Einficht;und
zu unferer Betruͤbniß und Qual bey
t habe ? Hätte er fich denn nur darum
| gegeben, damit er fid) uns auf ewig
nöchte ? Haͤtte er uns nur deswegen
er von ferne gezeiget, damit wir wüßten, -
s verfaget ſeyn folten ? Hätte‘ er unfere
zu einem befferen und bauerhafteren Ser
dem Ende erteget, damit. uns bie Ber .
an bemfelben auch das gegenwärtige te
Im möchte? Mein : wir haben gar zu.
ife von Gottes väterlichen tiebe und Guͤ⸗
as: er würde fic ums ganz gewiß nicht
ı gegeben haben, wenn mir nicht an fels-
rg Bütern einen näperen An⸗
$ ı
nüßten auch ber Gerectigfei Gottes zu
ı, wenn wie nicht glaubeten, daß er *
und fromme Menſchen, die in der ge⸗
m Verknuͤpfung der Dinge, aus Ver
—— gegen ihn, —*
end ansgeftanken, in
—
‚für ee res mie Befto. milbere
Br" ent nach Werdienft züchtigen würde. Dem es
3 Mr einmal getoiß , daß das Taturgefep Gottes
* Gef, Werke ——— —
das Gote, nach feiner Allwiſſenheit
S Sram Gmb m ae age Ar
„ ..©0
A j
u 28
demſelben
Abſicht ſeyn, daß die Sehorfamen und Unſchuldi.
gen in ihrer ganzen Dauer mit lauter Elend, die
Ungehorfamen mit Bohn belohnet werben
ſollten. Solche widrige Verfnüpfung des Böfen
mit guten Handlungen, und bes Guten mit böſen
Handlungen, koͤnnte feinen Bewegungsgrund zur
Qugend und Frömmigfeit, oder zur Ausübung
göttlicher Gebothe geben; fondern würde die Mens
ſchen notwendig dahin ns daß fü fe e fih u
Die göttliche Vorſchrift nicht kehreten. Sie ware
alfo wider die Regeln der Weisheit, weil fie ein
Mittel wäre, das dem göttlichen Zwecke und Wil
len entgegen liefe. Sie würde aber auch den Re
geln ber Siebe widerſprechen, meil fie vielmehr die
-Wirfungen des Hafles auf die Guten, und die
Wirkungen ber Siebe auf die Boͤſen wuͤrfe. Usb
daburch würde die göttliche Regierung über Die
Meufchen ganz verfeßet, unbilig und, ‚ ungerecht
Da
und dem Vortheilen der Religion. 721
"Da nun boch dergleichen widrige Begebenhei⸗
wirklich in diefem Leben niche felten eneftehen :
könnte Gottes Weisheit, Siebe und Gerechtigkeit
‚em die Menfchen, nicht gerettet werben, wenn
anderes $eben wäre, worinndiefe Disparmonie
‚gelöfet, und, als in dem legten Auftritte der
daubuͤhne, die gefränfte Unſchuld gefröner,
tobende Bospeit geftraft würde. Mer kann
ın von dem höchften Wefen, und von feiner
Mommenheit anders gedenfen, als daß er biefe
hickſale nur aus befondern Urfachen auf eine
9 Zeit zugelaffen und verhänger habe, gleichwie
das Gewitter auch über die gute Eaat, Son⸗
iſchein aud über das Unkraut ergehen läßt.
muß aber eine Zeit fommen, da das gute Bes
gen der Menfchen, gleic) als ein guter Samen,
to reichere Frucht und Aernte gemähret, und
Boͤſe, wie das Unkraut, erſticket und vertils
swird. Es miuß ein ander $eben erfolgen, da
durch manche Verfuchung bewährte Treue der
emmen fie zu ihrer rechten Bollfommenpeit, und
n vollen Genuffe ihrer Fruͤchte bringen, fobann
er auch von den Safterhaften, durch Die Folge
b Vergeltung ihrer Bosheit, unterfheiden
rd. . Alles unfer vorzügliches Wermögen gebeyet
diefem Leben noch zu feiner Reife, alles bereitet
nur zu einem Fünftigen vollfommenern Zuftane
: wie Fönnten mir denn hier ſchon die reifen
üchte unfers Bemuͤhens ärnten ?
$ ın
Es iſt nur ein fehr ſeichter Trofi,damit ein Atheiſt die
enfchen in folchem Falle gegen die Eiterhlichfeit auf-
- 33 Sy
Xdbh. Vonder Seelen Innpeett
ſucher: als ob bie Tapend ſich
dieſem $eben eine ———
Widerwaͤrtigkeiten gi |
gend if feht unvollkommen, und kann de
weiten auch nur jedes Einbildung und Eis
gemägen Handlungen finde. Wenn n
menfehliche Natur auch für leibliche Sehr
Krahfpeiten, Befdimpfung, Mangel der
durft, Beraubung der. Grenheit, Treulofigke
meynter Freunde, und taufend andere Unfäl
wir nicht in der Macht haben, empfindlich
giebt es einem Menfchen wider fo vielen Be
der die Seele von auffen beflürmen farm, n
oßnmächtiges Gegengewicht, daß er fich fel
feinen. Handlungen gefällt. Vieles kan
Menſch erleichtern und überwinden, wenn «
einen befferen Zuftand Hoffnung hat: aber n
felbſt, gegen bie Natur, biefe Hoffnung ver
dem ift es auch ben ben beften Tagen ſchreckl
gebenfen, daß er bald aufhören wird zu feye
ſchweige, wenn er auch in der kurzen Zeit.
Dauer nichts als Elend, Noth und Verdru
pfinden foll.
Wir Menſchen find viel zu unvollkon
Füroach, ahnt empfinbiih, «is dei
und den Vortheilen der Religion... 723
8 lebiglich an ung. felbft halten, und unfer Ver⸗
ügen, unfere $uft und Gluͤckſeligkeit allein in unferer
jenen Mache und unferm Willführ haben fünn«
. Hergegen fehen unfere Begriffe und Begier⸗
a viel zu weit und hoc) hinaus, als daß wir uns
e Natur mit der gegenwärtigen inneren und aͤuſ⸗
ven Unvolltommenpeit, oder mit einer fo furzen
D oft vergällten Luſt zufrieden ftellen könnten.
er allein kann ſich beruhigen, der im Erfenntniffe
ner Abhängigkeit von dem weijeſten und gütige "
m Regenten der ganzen Welt gelaffene Zuverfiche
f die Vorfehung ſchoͤpſet; der feines Schöpfers
iefchriften und Abfichten , fo viel in feinem Ver⸗
ift, treulich und emſig folger; und in dem
m Genuffe des gegenwärtigen Guten feine
ung nach einer fünftigen unendlich größeren und
iuerhafteren Vollkommenheit und Gluͤckſeligkeit,
s dem mahren Ziele feiner Beſtimmung,
$ 12.
„Wenn ein Atheiſt auch feinen andern Jrrthum
egte, als daß er fich alle Hoffnung eines ferneren
ebens abſchneidet, fo wäre der allein genug, ihn
ion in diefem Leben misvergnügt und unglüdlich
a machen, Er fann fich, nad) feinee Natur, das
eoorftehende Ende nicht aus dem Einne ſchlagen,
md die täglichen Sterbefälle anderer Menfchen,
ebſt feiner Gefellen, erinnern ihn fleißig daran.
Die eingepflanzte Siebe zum Leben machet ihm alfo
vom Tod zum ſchrecklichſten Bilde, das ihn allent«
jelben begleitet, und alle feine gegenmärtige we
332 — Kin.
723 X MG. Von der Seelen Hunfherbiichli
fiögret. - Je älter er wird, deſto ninsat
cheriche Borfelung u, nd än bleiben,
‚MWerzweifelung, übrig, Allein, wie mögen ihn a
nach allem feinen übrigen Denken und Thum,
ganzen. Leben betrachtet: fo finden wir Jauter |
ai , fein * zu er ‚und bergegen
figion, auch wegen des wichtigen Einfluffes
unfere zeitliche Gtüdfefigkeit,. hoch zu ſchatzen.
«Hat, und bräuchet ein Atheiſt einigen Werfios
Po iR nit mägl, daß er fih).mit irgend ein
Sehrgebäube der Atheifteren beruhigen Bdn
Denn, wie mag er doch in feinen unendlichen A
hen von ‚vergangenen Geburten und Veraͤnden
gen, die er nicht abfehen fann oder will, kla
che und Erkenntniß finden? Oder, welche Krı
iſt in der Welt und Natur, welche lebendige Thu
hervor bringen könne? Was enthält ein wuͤſt
Ungefähr für verftändfihen Grund der Dig
und mas für eine Kegel, daraus Ordnung und U
bereinftimmung zu erflären flünde? Wie far
ihm eine unbedingte Nothwendigkeit, die er v
aller Möglichkeit der Dinge, und alfo felbft v
ihrem Weſen willkuͤhrlich annimmt, zur Urſacheg
nug fern? oder warum ftellet er ſich das als ei
und fteibftändig vor, mas won Ewigkeit fein
Wirklichkeit nicht genoffen, und in Ewigkeit nid
‚genießen wird? Wie will er dasjenige, was in fe
ner eigenen Seele vorgeht, aus mechanifchen &ı
fegen der Materie begreiflich machen, oder was ihe
fein inneres Bewußtſeyn überzeuglich faget, ver
— Es fehlet ihm an aller derjenigen
ı Weine qeurläßige Einf va
und den Vortheileh der Religion. 725
ber Richtigkeit feiner Meynung geben fann: und
je wichtiger die Sache ift, welche er gegen das
allgemeine, auch der vernünftigften Leute, Urtheil
verwirft, befto zweifelhafter und unruhiger tappet
er in feinem finfteren Irrgarten herum.
_ Allein, mas muß auch nicht für Verwirrung,
Streit und Vorwurf in feinem Gemuͤthe entftehen,
wenn er hier wider chen diefelben Kegeln denket,
wornach er fonft aller übrigen Dinge Wahrheit
und Falſchheit beſtimmet? Wo wird er fonft in ſei⸗
nem Forſchen der Dinge zufrieden ſeyn, wenn man
ihn ins Unendliche verweiſt, die Antwort nur vere.
ſchiebt, und feine Frage nimmer auflöfet? Nun
will er doch den Urfprung der Geburten, in unende
Gichen Reihen der Vorfahren, das ift, in feinem
Urfprunge, in Nichts gefunden haben. Sonft
erfennet er alles für endfich, dem ſich nod) etwas in
feiner Art Hinzufügen laͤßt. Hier foll die Anzapl
ber vormals Lebenden unendlich ſeyn, ob fie gleich
täglich durch neue Geburten vermehret wird. -
Will er den Urfprung der Menfchen und Thiere
gelten laſſen, aber feine Zuflucht zu einem Unge
fähr nehmen: fo urtheilet er abermals wider ſich
felbft. Er verwirſt fonft leere Töne, und fordert
in den Urfachen natürlicher Begebenheiten, daß fie
völligen Grund in fih halten follen, woraus die
Wirkung verftändlich zu erklären iſt. Hier foll
ein bloßer Zufall , eine wilde Gährung in einem
todten untauglihen Schlamme, eine Urfache von
dem fünftlichen Baue der thierifchen Leiber, von ih⸗
tem Leben, von ber Empfindung, vom Verflande
Bı3 und
von au [uuyo wwe yon
than haben. Sie fol alt, uwerm
fruchtbar geworden feyn, da fie doc
danken ein ewiges, nothwendiges
Weſen ift.
Wie kann er aber fonft eine b
bigfeie der Dinge, ohne Wibderfpri
Er erfennet die förperliche Welt al
es ihr denn, vermöge deffen, einer!
ober nicht ift, ob fie fo, oder andı
ihr wirkliches Dafeyn , und ihre
ſchaffenheit, in ihrem eigenen Wef
Grund haben? Er kann nichts
Welt und Natur felbft finden, w
einftimmen Fönnte, und fie ift alfı
eigenen Vollfommenpeit fähig: wi
bas allervollfommenfte Wefen ſeyn
Beine lebloſe Mafchine gebenfen, n
einem Werfmeifter um ber Lebenl
voraebracht iſt: marum mid er ben
und den Vortheilen der Religion. 727
$ 1» -
Soll denn die liebe Natur fein Abgott werben:
wie will er ſich felbft antworten, wenn fievon Ewig ·
keit zu Ewigkeit arbeitet, da fie opne geben, Em» .
pfindung und Verftand ft? Warum müßte das
die erite, felbftändige Kraft ſeyn, die ewiglich für
fich felbft verborgen, und ein Nichts bliebe? Sind
de Kräfte und Wirkungen in einer fteten Reihe
von einander abhängig: wie foll denn enblich alles
von Nichts abhängen? Setzet die Wirfung und
Uebereinftiimmung in dem Laufe der Natur eine
gewiſſe Stellung der Dinge voraus, ehe fie dieſe
übereinftimmende Wirkung hervor bringen koͤn⸗
nen: muß denn nicht etwas vor der Natur ges
dacht werden, welches die Dinge mit ihrer Natur
geſchaffen, und jedem feinen Ort und feine Stelle
gar übereinftiimmenden Wirkung angewieſen ?
Wenn ein jedes Ding beweglich, und alfo fein Ort
veränderlid, und nicht notwendig ift: wie kann
denn die Nasurfraft und deren Uebereinftimmung,
die von dem Orte abhängt, nothwendig fern?
and warum Fönnte nicht eben diefe Natur, nad)
eben benfelben Regeln der Kräfte, in einer andern.
Ordnung und Verbindung, wider fich felbft wi
en? Wenn es Misgeburten giebt, die natürlich,
entfiehen: find denn nicht Regeln. der Kräfte, ober-
dine Verbindung ber Theile möglid), die das Ge⸗
il von wohlgeftalten Geburten hervorbringen
en? Wenn die mechanifchen Kegeln der Ber
wegungsfräfte in dem Wefen jedes Diuges oder
in dem Ganzen notwendigen Grund haͤtten: wo⸗
ber laͤßt ſich denn finz einzige geometriſch —
14
7ug°X Bst Von der Cai Anpacinpteit,
en, wo man "nicht etwas willtahrliches voraus
7 Wie wird doch ein Sarauf,
—— ee
—— Fan nk de fü, van
men übereinftias
"item Zmecfe oder Sen volfom
PA Arne
inyeber deffen Itſicht dahin sehe,
rg vollfommenfte- ebereinftimmung
mit Hg ’ } ber,
der von einem ee Theile der Natur find ben
dem Atheiften Berkand, Wiſſenſchaft, Weisheit:
FE es vollfomminfte Urbißd. in der wirklichen
wodurch er‘ klug geworden iſt, woraus er
— gelernet ‚ wovon er ben million » tauſend ·
ſten — Wige nicht erforſchen oder er-
geünden fann, foll ohne Berftand, Weisheit und
AÄbſicht ſeyn, was es ift. Er ſchließt eig | u
natürlichen Dingen aus dem Grunde der A
ficht und des Nugens', daß diefes oder jenes 8
daß es fo und nicht anders ſeyn müffe ; dennoch
leugnet er eben ben Grundſatz, woraus er alles
fehloffen, daß es Abfichten gebe, daß nichts in;
Natur umfonft fey. Er betrachtet die Werke der
Natur, nach ihrer Einrichtung, Ordnung, Kraft,
-Wirfung und Uebereinftimmung , nicht ohne Ver⸗
‚ gnügen und Bewunderung: dennoch fell Das, was
feinen Verftand fo fehr ergöger, und wernadher fe
nen Verſtand — ne allen Verſtand und
Zeſch smad fon, Cr Stan fie da
gr
und den Vortheilen der Religion. 729
bes Eünftlichen Bau, und fieht, daß darinn nicht
3 geringite, kein Rniöchlein, Feine Sehne, Aber,
-üfe, Haut, fein Mäuslein, fein Gefäß um⸗
ft fen ; er fpüret und genießt alle Augenblick
tı Mugen davon; und doch zweifelt er, ob das
ge zum Sehen, das Ohr zum Hören, "Mund,
agen und Gebärme zum Effen und Verbäuen
yilder find. Er erftaunet über ber unvernünftie
ı Thiere angeborene Sertigfeiten und Künfte,
inn fie, ohne eigene Erfindung, ohne Erfahrung
d Unterricht, aufs vollenfommenfte , zu ihrer
d ihres Befchlechtes Erhaltung, handeln. Was
iket er denn doch : woher koͤmmt dieſen folche
jeisheie? foll auc) Kunft, und deren Anwendung
n Nuben, nicht mehr aus Verſtand und Abſicht
ſſen
Sage ein jeder, ob ſich ein Menſch, der Ver⸗
nd brauchet, nach denen Regeln, die er fonft im
enfen zuni Grunde legte, Genuͤge thun, und feirt
emürh beruhigen kann, wenn er Gott und göft«
he Abfichren aufhebt; und ob er nicht vielmehr in
ufendfälti; gen Widerfpruch und Verwirrung ges
then, ja von jedes Dinges Betrachtung, wegen
ner Blindheit des Verſtandes, ober vielmehr
gen feiner Verſtockung, innerlich befchämt und
ſtraft werden müffe. Kann er fi) die Augen,
gen Flare, offenbare, und jedem einleuchtende
zahrheiten, mit dem lockeren Hirngefpinfte eines
mftlih ergrübelten Spftems , fo verfchließen,
ıB er nicht den Strahl bes göftlichen Lichtes zu
inem Schrecken und zu feiner Inneren Beunruhi⸗
ing oͤfters empfinden ſollte?
335 $ 1a
730 XAbh. Von ber Seelen Unferblichkeit,
6 1% Ä
Ich brauche es übrigens folchen Arheiften, bie
ſich bloß durch übertriebene Spitzfindigkeit im
Denfen verirret haben, nicht vorzubalten, daß fie
den natürlichen Meigungen und Begierden ber
menfchlichen Natur entgegen handeln. Sie mwiffen
es ſelbſt, fie fühlen ihre Abweichung von dem We⸗
ge der Gluͤckſeligkelt, fie beflagen ihren Zuftand,
ſie wuͤnſchen oft mit Wehmuth von benjenigen
Wahrheiten überführt zu fenn, welche ihnen eine
. Rufe der Seelen, die ihre Natur verlanget, von
ferne zeigen,
Alles vernünftige Vergnügen ber Menfchen
entfteht aus dem anfchauenden Erfenntniffe der
Vollkommenheit, fowohlin den Dingen auffer ung,
ols in ung felbft. Je mehr alfo einer Bollfom-
menheit in den Dingen auffer fich erfennet, und
in fich felbft hervorbringet und ficht , befto ver-
gnügter und glüclicher ift er. Hergegen, wer dies
fe Bollfommenheit nicht erkennet, fondern viel.
mehr lauter Unvollfommenbeiten auffer und in fi)
wahrzunehmen vermennet, der berauber fich nicht
allein vieles Bergnügens, fondern mache ſich auch
durch feine verfehrte Worftellung lauter verbrüßli-
che und betrübende Gedanken. Ein Arheift räumet
erſtlich das Urbild aller Vollkommenheit, die ewie
ge Quelle alles Lebens und Verftandes, aller "Weis
beit und Güte, aus feinen Gedanken weg, und
feet dafür eine ewig tobte Materie, die Feine in«
nere Vollkommenheit hat noch haben fann, die ihr
tes Dafenns felbft nimmer genießt, und Fe
Ns
. - undden Vortheilen der Religion. 737
blinden Notwendigkeit unterworfen iſt. Er mag
denn nun auch in der Welt und Natur betrachten,
was er will, fo bleibt ihm doch das Vergnuͤgende
durch feinen Wahn verborgen. Ich beziehe mich
auf deren Empfindung, welche jemals in ben Wer«
Een der Natur eine verftändige Ordnung, Ueber
einftimmung und Abficht bemerfet, und durch bie
daraus erfannte unendliche Kunft, Weisheit, Vor
fehung und Güte des Schöpfers, von füßer Bee
mwunberung, Hochachtung Ehrfurcht, Liebe und
Danfbarfeit gegen denjelben gerügret find. Die
werden ſich am lebhaftefien vorftellen kͤnnen, was
ſich ein Atheiſt für einen-großen Tpeil des menfche
lichen Vergnügens abfchneide, da es ihm nad) feis
nen Grundfägen unmoͤglich ift, die Dinge aus eis
nem folchen Gefichtspunfte zu betrachten. Und
wenn ihm ja wider feinen Willen ein Strahl ber
göttlichen Weisheit aus diefem Spiegel einleuchtet,
fo kann er ihn nicht anders, als zu feiner Berwir«
rung und Befchämung, empfinden. Gonft ſieht
ex in dieſem unermeßlichen Raume nichts, als ein
wildes Schidfal, das ohne Verftand und Abſicht
über eine todte Materie blindlings tyrannijiret,
Bw miſchet, bildet, zernichtet, wie es fälle.
‘a, er befleifiget fich, lauter Unordnung und Uns
vollfommenpeit in der Welt zu entdecken, und als
les als wuͤſte, verkehrt, haͤßlich und ſcheußlich
anzuſehen.
Er betrachtet ſich ſelbſt, gegen ſeine innere
Empfindung und ſein Bewußtſeyn, als einen bloßen
Klumpen Materie, und zernichtet ſein wahres Ich,
feine Seele, in feinen eigenen Gedanken. “
“ ehe.
DR EUR Bon Oocen neh,
ſieht ſich in beim hotptoeubigen Laufe der
ü eine Eurze Zeit belebt, um bald wieder ji
* gehen. Win andere ſich noch unterdeſſen
ullcher &uft zu . füchen, fo fpeifet er
‚mit trogenen und unmatürlichen Grillen,
3: Körper noch Gelft ermuntern,. fonbern vielmeße
. ‚bepde nieberfchlagen. Er empfindet feine freubige
» . Danfbarfeit gegen den Geber des Guten,
gettoſte Hoffnung auf das Zukuͤnftige, Feine Zu
- perfiche zw einer gnäbigen Obhut, feine safe
Ergebung in eine weile
Klagen über das Boͤſe, dl U Nihinkee ve bes
$ebens, und über das Schickſal, ift fein einziger
, „1 muß ; und fo fiee er fich durch den
fehnellen Strom der Zeit in den Abgrund einer
ewigen Vernichtung hineingeriffen,
. sh,
ind aber diejenigen beffer daran, welche, efne
. u Gott zu erfennen, und ohne vieles Nachden-
Een, Blindlings der finnlichen tuft nachjagen? ch
Sateniheda dafür. Indem fie fich des Gebrauchs ihrer
müchete 'äfte entäuffern, an Wahrheit, Wiſſen⸗
ſchaft und Einficht feinen Geſchmack haben, und
von feinem vernünftigen Vergnügen mwiffen : fo
re fie ihrer Natur entgegen, und berauben
des ebeiften Theiles der menfchlichen Gtückfes
dere ‚Ihe Verſtand ift eine Wüfteney voll grö-
\ A a und Dummheit, Zn Br
, fondern Scham, Ungewi
BErtd Unfug, Imgeine, Furcht ms
herouringen, Geibfk die finnliche a
—
1
und den Vortheilen der Religion. 733
wird von folchen Seuten durch. einen Verſtand,
Wig und Wohlitand erhöhet und gefchärfet, ſon⸗
dern es wird bloß ein grober Kigel mit ftumpfen
und betäubten Sinnen in ein Paar Gliedmaßen
empfunden. Weil fie auch den Zuder des Lebens
zur täglichen Koft und zur Sättigung gebrauchen:
fo hörerer eben darum auf, füß zu fhmeden, und
gederet zum Ekel. Sie genießen alfo in der That
auch der gröberen finnlichen Luſt in weit geringerer
Magaße, als diejenigen, welche fie feltener und
maßiger, zur. Nothdurft, und zur Erquidung von
möglicher Arbeit, gebrauchen, und zugleich mit
Verſtande, Wige und vernünftigem Gefpräche wuͤr⸗
zen. Weil fie hergegen Sclaven ihres Affects
find, und auf ihre Natur und ihren Wohlftand
mit übertriebener Ausfchweifung einftürmen: fa
ſchwaͤchen fie ihre Leibes · und Gemüchsfräfte vor
der Zeit, ziehen ſich die empfindlichften Schmerzen
und Krankheiten zu, erſchoͤpfen ihr Wermögen,
gerrütten ihr Hausweſen, fegen fich in Verachtung,
Haß und-Abfcheu aller ehrlichen Leute. Bald ver.
läßt fie die Wolluft ganz, und ihre Freude nimmt
ein Flägliches Ende,
SS 16.
Allein, von ſolchen unglüdfeligen Mittelthieren
xwiſchen Vieh und Menfchen brauchet es nicht weis
tee Vorftellung zu machen. Sehet mir aber einen
wigigen Atheiſten, der nicht allein die grobe Wol«
luſt, fondern auch alle übrige ſchandbare Safter und
Bosheit, mit Verachtung aller Religion und alles
Gewiſſens, als ben einzigen Weg zur. Geige
7 WEG: Von der Seelen Unſterdiichteit
‚te oörzafällen Bernähet iſt. "Me ſtteitet bicher,
RUN EEE
= -Matur iſt ewig; alles, mas entftanden iſt, iſt
durch ein Ungefähr entftanben; alles iſt Materie ;
der Menſch ift nichts, als eine bloße Eörperliche
Mafchine; Seele und Geiſt find nur lauter leere
nichtsbedeutende Töne; ein anderes Leben, als bie»
fes, ift nicht zu hoffen. Was folgert er aber dar ·
aus? Alſo enefteht alle Glücfeligkeit des Men.
ſchen von einer gefunden ımd ſtarken Leibesbeſchaf⸗
fenheit, und beſteht in. einer angenehmen finnlis
hen Empfindung; alfo muß ein jeder, der glüds
lich ſeyn will ,_ feinen angenehmen Empfindungen,
welche die Mafchine feines Körpers mit ſich bringt,
wachgehen, alles aber, was dazu nid;ts beyträgt,
ober benfelben Einhalt thut, für Blendwerk hal-
sen; alfo ift alles, woran einer nach, dem Tempe
ramente feiner Mafchine Luſt findet, es werde gut
ober böfe genannt, ein wahres wirkliches Mittel
. “zur Glůuͤckſeligkeit, und alles erlaubt. Siebe und
out iſt, nach des De Aura
Temperamente, ‚ver höchfte Gipfel der Glücfelige
Bern aber din anherer an andern Dingen
.
und den Bortheilen der Religion. 735
Vergnügen findet, fo laß ihn ohne Scheu deffen
fatt werden, und ſich darinn naͤhren. Vernunft
und Wiſſenſchaft quälen die Menfchen nur mehr⸗
mals ;. Recht, Tugend, Pflicht, Eprbarkeit,
Gewiſſen, find lauter Thorheiten und erbichtete
Dinge, die der Glücfeligkeit pinderlic) find, und
davon man höchftens nur den Schein um des Por
bels willen nöchig hat. Alfo kann aud ein Schem,
Dieb, Mörder, Säufer, Hurer, und blutgieri-
‚ger Tyrann, fo ferne ein jeder an folchen Thaten
Bergnügen findet, dadurch glücfelig werden, da»
ferne ſich nur ein jeder vor Schaden, ver Unter»
‘than vor ben Strafen, der Tyrann vor ber Kauft
eines herzhaften Patrioten in Acht nimmt. Die
andern Menfchen, die dadurch leiden, find zwar
zu beklagen : aber biefeMenfchen, bern Mafchine
von Natur fo befchaffen ift, koͤnnen doch nicht ans
ders handeln, noch anders glücdfelig werben.
> Diefes find feine Folgerungen, welche ich dem
Manne aufbürde, fondern fie find ganz deutlich in
feinen Schriften enthalten, und zum Tpeile noch
weit härter und ſchandbarer ausgedruft. Es find
aber auch Folgerungen, davon ich nicht abfeben
kann, wie fie irgend ein anderer Atheiſt von fei-
nem $ehrgebäube ablehnen will, da er in ben Grund»
fügen einig iſt. Das befte üt, daß fie fchon an
fi) felbft die volllommenſte Widerlegung der Arheis
fteren enthalten, und einem jeben, ber feine und
anderer Menfchen Gluͤckſeligkeit vernünftig fucher,
einen wahren Abfcheu vor der Duelle fo vieler
Bosheiten und Schandthaten beybringen. Wenn
la Mettrie, nachdem er den Menſchen erſt
"7 Dale
4. us
RR
m ———
ae "dem er birburch in fich ſchlagen und ces
er wis weit wir verfallen würden, went
wo m Religion. wäre, .
ur sr.
N Wie elen wäre das: ganze menfchlihe
ſchlecht und die bürgerliche Geſeilſchaft Daran, wenn
ein jeder biefen Lehren folgen wolle. Warum
follte denn ’einer feine füße Empfindung, ſeine Be⸗
quemlichfeit und Ruhe, feine Mittel, feine Ge
fundheit, fein Seben, als ein ehrlicher Mann, als
emann, Vater, Bürger, Kriegesmann, der
Frauen, ben Kindern, ben Mitbürgern, dem Koͤ—
nige, bem Baterlande aufopfern ? Tugend und
Gewiſſen, Ehre und Nachruhm, mären ja nur
leere Wörter in ‚feinen Gedanken : warum follte ee
denn dieſes einzige Leben, nach welchem nichts zu
en ift, für andere, und nicht für ſich anwenden ?
8 bielte einen Geld. und Ehrgeizigen zurück,
daß er nicht Treue und Bund braͤche, Recht und
Freundſchaft verlegte, durch Betrug und gift zu
Reichthuͤmern, durch Gift und Meuchelmord zu -
Erbfchaften, durch Verleumdung und $ügen zu
Würden, durch anderer Gut und Blut zur Hoheit
zu gelangen frachtete, wenn er darinn feine einzige
—28 —* uund ru nches ad
‚7 und den Vortheilen ber Religion 737
wolle ? Welcher: Freund und Bruder, welcher
Ehegatte, welcher Sohn, märe vor ben andern
- feiner Freyheit, Ehre, Gütet-und feines Lebens
ſicher, wenn er etwa dem Vortheile oder dem Wer»
mirgen des andern im Wege flünde? Wuͤrde der
Yang und die Strafe ber Geſetze etwas gegen fe
wohl unterrichtete Bosheit Helfen? Nein: Keiner
esürde fich felbft für fo einfäftig Halten, daß ernicht
dewas erfinden follee, dabey er feine Abſicht, heim ⸗
Ach, oder unter einem Scheine bes Rechten, aus
> führen koͤnnte. Selbſt Koͤnige und Reganten wuͤr ⸗
"Wen für ihre eigene Perſon durch nichts mehr ges
Mhäger feyn, wenn eine feine Arglift und ein füpner
Srevel, bey der Unterdruͤckung alles Gemiffens, er«
faubte Mittel der gefuchten Nachſolge im Reiche,
der Eroberung von Sändern, oder auch nur dee
Selhſtrache wären.
Wie koͤnnte denn die menfchliche Gefellfchaft,
sie koͤnnte der Arheift felbft, und ein jeder mit fel-
wer Gluckſeligkeit , bey ſolchen schrägen beftchen?
Sind es nicht Gedanfen, die gerade gegen aller
Menſchen Natur, und gegen ben allgemeinen
, der ung eingepflanzet ift, anlaufen? Eind
wir denn wohl dazu gemachet, Atheiften zu feyn,
und durch diefen Weg glücklich zu werben?
$ 18
"Allein, mir wollen einmal den Menfchen, aufe
für der Verbindung , für ſich felbft betrachten:
würde ihn des Is Mettrie Atheiſterey gluͤcklich
wachen? Ev ſelbſt werheilet,, daß Vernunft und
Ara" . ‚Wien
os X: Bon da Qrelea iaſierauchkeit
Ehoſchaſt Die Menſchm wat quer. And
es gerne, wenn fie foldhe Dieyungen up
Degen, wie le Denn die eff
w mit gefunder Wernunft und ächter Wifenfheft
nicht zufammen reimen. Ich nehme diefes für'eig
Geſtandniß an, daß er an Wahrpeit und: guide
licher Wiſſenſchaft keinen Geſchmack *2
und folglich alles des reineren En edleren
gens beraubt geweſen ſey, welches aus der
des Zufannmenhanges'der Dinge, “ aus dem Sa
brauche der ‚höheren Verſtandeskraͤfte entfpeiagg,
Ich nehme es für * Geftändniß von feiner eig⸗
‚nen Verroirrung und Gemüepsunruße,, fo oft @
feine —* und Bu über feine
Sehrfäge et. mußten ihm
w vertriehliche. Kofmelfterinnen twerben‘, 5 iha
innerlich —— und ihm ſtets feinen Unfug
iſt nicht möglich, daß ein Atheiſ
Po —2 Genüge thun, und ben inneren
-Widerfpruch feiner Meynung nicht empfinden
— ſollte;
ur Ka aan rer Di >
Autre confaquence de sont ia ti
le Sevoir, la Reifen font —— —
— es quelgue ai geclgus Jeis —— * ———
gu Pc —— de fen
voir dans la rt des borames gai fonvens Ismb !
ii
$
Hr
und den Vortheilen ber Religion. 739
Bike; gefchweige, wenn er ſich Kegeln bes Sehens
machet hat, welche aller natürlichen Ehrbarteit
tgegen laufen.
La Mettrie befleißiget ſich, lauter Unvollkom⸗
enheit und Unordnung in der Welt zu finden.
’a ijt dieſes und jenes umnüge, haͤßlich, —X
is eine follte fo, das andere nicht fo ſeyn oder ges
n. Selbſt feine Abgöttinn, die Natur, ift blind
id unverftändig, alt und Fraftlos, alles wird durch
ı wüftes Ungefähr regiert. Er felbft hat feine
seele, fondern iſt eine bloße zerbrechliche Mafchine,
eichwie die Thiere fü fü ind; und hat nad) biefem kurs
n $eben nichts weiter u hoffen. Wenn er alfo
ht allein alles auffer ſich, fondern auch fich ſelbſt
ichft unvollfommen mache: fo benimme er ſich
thwendig allen Grund zu einem Dauerhafteren
tergnügen, das unferer Natur gemäß iſt. Muß
nicht hergegen hoͤchſt misvergnüge werden, fo '
t er alles um ſich aus feinem verfehrten Geſichts⸗
mkte befchauer, daß es ihm in allen Theilen und
hegebenheiten wild, verwirrt, unnuͤtze, mangels
ift, boͤſe, ſcheuslich und gefährlich laſſen
r duͤnket ih in diefen wüften Raum der Welt
irch ein blindes Ungefähr ober Schieffal , ohne
ndzweck, hinein geworfen zu ſeyn, da er mit ſei⸗
= Schwäche tauſenderley Zufaͤllen bloß geſtellt iſt,
ihn keine obere Macht ſchuͤtzet, Fein guͤtiger
athſchluß zu einer gewuͤnſchten Gluͤckſeligkeit bes
Immet bat: ſich ſelbſt allein gelaſſen, mic ſich
lbſt und der Natur übel zufrieden, ohne Zuvern
cht und Hoffnung des Zufünftigen,
Ana a Dr
445 X Abh⸗ Von der Seelen Unſterblichkeit,
Dieiteſe betrübten und fürdhterlichen Gebanfen
: fcheter bey ſich und andern, Durch finnliche Luͤſte, fo
guet zu unterdrüden, als möglih iſt. Er muß
aber zuvor Vernunft und Gewiſſen, Recht und
Pflicht, Tugend und Ehrbarkeit, aus dem. Herzen
verbannen, und zum eitelen Wahne machen, Damit
. er die Leute überrebe, fie fönnen ohne Bedenken
‚alle und jede $aiter und Schandthaten begeben,
daran fie nach ihrem Temperamente ein Vergnaͤ⸗
gen finden. Er.mag wohl in ber That für ſich
fo böfes Herz gehabt haben, Diejenigen The
ten, welche andern Menfchen zum Machtheile gerei-
chen, zu billigen. Denn er war der Wolluſt ganz
ergeben. Aber zum Unglücdemollte er ein allgemeis
nes Schrgebäude der thätigen Acheifteren machen,
und da mußte er nothwendig allen Laſtern das Wort
reden. Sonſt äuilert er bin und wieder einen Abs
fcheu gegen die $after, welche andern Menfchen Leid
und Drangfal zufügen, und die bürgerliche Geſell—
fchaft elend machen. Er beflaget diejenigen, welche
von foichen böfen Leuten beliftigee werden. So
muß er ja aber in fid) felbjt den Unterſchied des
fittlichen Guten und Boͤſen gefühler Haben; ſo iſt
ja Recht und Tugend nicht ein leerer Ton. Wie
follte denn ein Menſch, der folche Laſter felbit an
fich hat, von der Empfindung feiner eigenen Un
vollfommenpeit frey bleiben, zumal wenn er die
fhlimmen Folgen davon erfährt? Hat la Mettrie
wohl glauben Fönnen, daß ein Liberius, ein Dos
mitianus, in ſich fo vergnügt und ruhig gemeien,
als ein Titus Veſpaſianus und Marcus Ans
toninus ? . |
-
Wh den Vortheilen der Defigion.; 741
Wenn er aber feinegellebte Wolluſt nicht anders
vertheibigen weis, als durch einen allgemeinen
, ber alle after, auch diejenigen, welcheipm
misfallen, gut heiße: fo wäberfpricht er fi,
und entſchuldiget ſich ſchlecht in feinen eigenen "Be:
banken. Es läßt auch, als wenn er an einem Orte:
j vonder Voͤllerey dieſes Affects etwas wieder nüd, teru
wäre *. ch babe zwar, fehreibt er,
vor Zeiten, alle ‚ welche die
Wolluſt in meine. Sinne ergoffen bare, wie⸗
dar aus meiner Jeder aber jene
fleßen laffen ; aber
ich mich von den Sallteichen dieſer
Girene los, und billige, vielleicht aus ——
- peramente, eine größere Maͤßigkeit
Fi daß Fünfcig nun die YIochdurft, ale
x
die wahre Wiurter dee Vergnügen, meine
Wolluft, reisen, und, ſo zu reden, den Bios
. Berkbiag zu meiner Luft angeben ſoll. Das
’
Yaa 3 war -
wu 126, Je pre pe fr en Ben
0
car, queigus j'aye autrefsis fait
—— — fe qu’elle auoitrepan-
dus dens mes (aus, me digageont anjonrd' bei des
gig d de la Sirene. je fonferis (per Iempiromens
.ötre) & plns de moderaten
peit- , ORDERT que.
* se Pire du Pleifir,, Fappels — a ya
wexprimer, P ma volnpid.
— ufirs des [ums fon Terticiomme op
eeurts, et trop peu fröguens pour conflituer un te
" eufhi permanent que la fest, re regardons les de
ö a (a Bonbeur, qui ne pewvent
ng a re —
a5 X 06; Won der. Seiten länfterüfälkeit,
ser ein kleiner Anfang, von: dent Wiehifihen wieder
m Menfchtichen zu fommen. Er geſteht gieich
rauf, daß die ſinnlichen Luͤſte, theem Weſen nach,
— kurz und felten wi: als daß fie einen
Bauerhaften Zuftand, wie" dh ——
ausmachen ſollten. Dermoch meynet er , wacc
" Wefelbe als ein Blitz der ——— re
ohne weichen die Sreube inte verflämmelt und
wwollkommen ſeyn würde. Wie fan er denn Dun
"Ye einzige Weoluft glücklich When, su
ne vergnügte Yugenbiltäfienfer
He. Gluͤckſeligkeit des Menſchen
Durch ein reineres, fanfteres und beftändigeres Licht
erheitert, und das milde Teuer der finnlichen Lüfte
Burd Vernunft und Pflicht gemäßiget werden;
* fonft wird uns die Wolluft zu einem zerfchmettern:
den Blitze, und inneren Brande, der unfere .
Kraft, Gefundheit, Ruhe, und fetbft das geben
. Hmmerlich verzehret.
Mich duͤnket, das aufrictige Bekenntniß eines
Mannes, der aus der finnlichen Wolluft fein einzi⸗
yes und höchftes Gut machte, bemeift fattfam,
daß fie nur ein flüchtiger und trieglicher Schimmer
ber Gluͤckſeligkeit fey, und der menfchlichen Natur
nicht Genuͤge thun koͤnne. Da fie aber, bey Un:
terdruͤckung der Vernunft, Religion und Sittlich⸗
keit, nothwendig, unnatuͤrlich, ausſchweifend und
gügellos wird: fo bezahlet fie die Furze und nieders
traͤchtige Freude mit vielen’ bitteren Schmerzen,
Krankheiten, Schande, Verachtung, Reue,
Furcht und frühen Tode. Wenn auch der wollü-
ſtige Atheiſt mitten in dem Genuffe des finnlichen
van nen Brteen a Bei 243
Bike bernd ni, fo iſt er doch, noch Feiner
Borftellung, daß mit. diefem $eben alles aus fe,
nicht anders anzufehen , als ein Mifferhäter , ber
geroiß weis, baß ihm das Leben unwieberruflich abe
fen. Denn ob ee ſchon auf einige une
te Tage ober Boden gut gefpeifet wird,
uud fenit erhalten kann, was ihm gelüftee: fo. ver⸗
bittert ihm Doch die Gewißheit feines peintichen Enz
des allen Genuß ber Luſt. Er mag ſich noch ſo
be bemühen, daß er bloß an die gegerwaͤrtige füße
Enwfindung denken, und deren noch recht froh
werden * fo ſchiebt ihm doch die Einbilbungs⸗
kraſt, ben aller angenehmen * her Sinne,
allezeit das graͤßliche Bild des Todes vr. Man
höre den la Mettrie ſelbſt ec, Ich
be es ſelbſt, ſaget er, da meine ganze
fopbie mir.nichte ee, ich den Tod
kicht ale die allertr
[6 oft ich Daran Denke, Das ich einmal nid
feyn werde. Diefes innere Gefühl der Gemuͤths⸗
we, Ka? bey aller feiner ——
04
Age des Syliemen,
I wowsie ma Ph * 555
‚mare canıme: Im fi {u mann, dom
vondreis dre efligeanie = #
kr nen
"ee gie je
——— — —
A wie Pr oc 513
euten vergaͤllet und. geftöhrer werde , welche
bie Hoffnung eines. ferneren Lebens —
Und mir iſt ein gleiches auch von einigen Grüblern
Be bekannt, daß ſie ſich nicht weniger mit
Gedanken der lichkeit vielmals quälen,
en überhaupt im ihrer ſtillen —— mancher ⸗
mruhige Vorſtellungen haben. Das tft bie
Er Be Folge eines Schrgebäubes,, re al
Religion a weil dieſe allein eine Verf
= derung geben kann, daß wir zut Unfterblichkeit
don. unferm Schöpfer beftinsmt find; gleichwie
fü ie überhaupt allein ber menfchlichen Matur nad -
‚den unfern Rräiten Genüge chut.
sg
Die Hau des enfäen fan le nach De
. PA mit andern Menfchen , teils für (ich
‘achtet werben. Auf beyde Weife aber bat bie
Religion eing gleiche Uebereinflinmung mit „er
und einen gleichen Einfluß in ihre Glͤck ſeligkeit.
zur Geſelligkeit, zur Erzi und zum Ge
bei der Vernunft u Eriung, zu leben, um
Menſchen, und menſchuch gluͤcklich zu werden. Di
* Nothdurft erheiſchet die Gefelligfeit der Ael⸗
tern, ohne deren Pflege, Warcuaz und Bepfanh
wir bald jämmerlih umkommen, ober für umfere
tebtage elend-feyn würden. Wenn num die Xeftern -
Feine Religion pätten, und bloß *8 nach·
diengen, ſo würde der — de Sin
[ j
ze Dam Vorthellen der Seligiem: 745
| "Wpbe fee ft; durch die ſoulichen Keiyangen der
Kuh, —— bie Empfindung ber groben
WBefihwerbe bay der
Kinder leicht und angenehm. Demnaqh ha⸗
a bie Kinder ſowohl ihr Leben, als ihre Bein
heit und Geſchicklichkeit, gusen Theils, der Reli.
en großen Einfluß.
GSerſellſchaft ohne Religion nicht beftehen nn wie
= bereits aben gezeiget ift, fo haben ſchon bie Kinder
An den een 2 Jahren die Beichre be Religion
andern Menſchen in der —** ‚u
e. &eßet num eine gerugfenie Anl. Kinder,
DR, nach. bes la Mettrie Geundfägen und Ent
‚ gu. einer Republuf etzogen find.
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hr
7
J „fe mei ie —— —
I"
1 x
jeder ſich allen — zum gemeinen
entziehen, und alles ohne die geringſte Einfe
kung thun kann, was der Wohlfahrt und
heit der Gefellſchaft und deren Mitbürger ent:
iſt: fo iſt niche möglich, daß fich ſolche Slieder, in
einer Geſellſchaft, zur Beförderung allgemeiner
Wohlfahrt und Sicherheit, und zum Beobachtung
bee Gerechtigkeit und Siebe gegen jeden, verbinden.
laffen. Cine foldye Republit muß alfo bald in ſich
ſelbſt zerfallen, und ein jeder wird für fich, weil er
wider die Natur dev Menfchheit ungefellig iſt,
hoͤchſt elend ſeyn. Wir findnicht geboren, Äthei⸗
ſten zu ſeyn.
"Segen wir hergegen Menſchen, in deren Be
müthern ein Erfenntniß Gottes und feiner Abſich⸗
een thätig und wirffam geworben ift: fo werden
fie auch das Naturgefeg und die Pflichten der Ge⸗
felligfeie zu ihrer Regel machen, niemanbauf irgend .
eine Art weder heimlich noch öffentlich beleidigen,
Rdem das Seinige aus Gewiſfen feiften, aller Ber
Ka
H
:
nnd ven Vorthellen ber Nehglou⸗ 747
06 man fie gleich durch Recht von ihnen nicht er»
kann, freywillig üben, und einen Theil ih
Arbeit Mühe und ihres Vermögens zumgemeinen
Bohl anwenden. darf in’ folcher Ges
Mic feine $uft fehlen, bie Das-gegenmärtige Sei
ben vergmige und fröhlich machet ; me fey nım bloß -
lich; oder mit Wige und Oeſchmacke gemürzet;
Am fie werde auch allein in ee ver dies
"tr, In Kunſten und Wiſſenſchaften gefucher. Ja,
“ Ai daß fo gar mehrere, felnere und fchär«
* finnliche Luſt und Ergögung genoſſen wird, wo
Religion unfere Begierben vor ——
Soap , und in Ordnung gebracht hat, wo man
f6lichfeiten fetene und zue Nochdurft
Erquickung brauche; woman ſich auf eineauf-
Bieten, Treue, Hebe, Ferundfehaft und Gefällig:
der Bekannten veriaſſen ann; wo man Er -
19, Geſpraͤch, Scherz, Witz, Umgang, durch
it, in Schranfeh
feger, und nicht weniger zum Nugen, als Veran.
‚gen richtet; wo man unter andern auch Diefes zum
Onftändigen Zeitoertreibe machet, daB man bie
Cinrichtung, Ordnung, Ehönpeit und Vollkom ·
inenheit der Natur, als Muſier der unendlichen
Weisheit, Kunft, Abſuht, Süte und Allmacht des
Cehöpfers betrachte.
Re $ a,
j Eewirb gar eine fo volffommere Geſellchaft,
* alle und — Aitlicher bie ar ne
Seingen, eben fo tor
> fpfeie mann, dan
@eeiben, und mehr auszubreiten, ob wir gleich wohl
wiſſen, baß mir fie nimmer zur Vollkommenheit
bringen , noch ganz allgemein machen werben.
Vielmeniger laffen wir uns in den Sinn fommen,
du denken, daß fie der menſchlichen Natur nicht
gemäß, ober entbehrlich und unnüge wären; und
daß die Menfchen beffer daran wären, wenn fie
Nichts von allen müßten und übten. So wärde es
auch ſehr thoͤricht ſeyn, zu glauben, ——— Religion
deswegen, weil fie nimmer bey allen in vollfom-
mene Uebung gebracht werden wird, ber bürgerli
chen Geſellſchaft unnötig, und dagegen Ungörte
sep urd Safter derfelben er! fprießlicher wären.
Die wenigen , welche eine ungeheuchelte Re⸗
ligion, nach Vernunft und Chriſtenthum, epätig
beweifen, machen uns fehon den Umgang und den
‚Handel in der menſchlichen Gefelfchaft zuverläßig,
vertraulich und nugbar, Und andere, welche doch
wenigſtens ſoviel Empfindung von der Religion
Mi beben, dal fe keine verfetliche Wocheiten begehen,
nund den Bortheiten der Wäigiön.- - 745
machen die Gefeflfchaft erträglich. Werde Fünnen
fie auch, by andermether @efäid! , anges
nehm und vergnügt machen. — ſehen in dieſem
ı teren Theile der Menſchen, was für güldene und
ſberne Zeiten im menfchlichen Geſchlechte ſeyn
würden, wenn es möglid) wäre, daſſelbe von allem
miartigen Schladen zu reinigen: und alle Regen⸗
ton, bie das Wohl ihrer Unterthanen, ja ihr dge
» 6: Bellen beberzigen, haben dahin zu fen, * |
eine wahre Religion mehr und. in ben Ges
- müthern ihrer Unterthauen fruchtbar, und dadurch
. Die Verbindung und Pflichten in der ganzen Ge⸗
fellſchaft immer umverbrüchlicher und helliger ges
u Benn einige, &after zuweilen ber menſchlichen
Geſellſchaft, in gewiſſer —— Vortheil brin⸗
; wen: fo gefchießt folches: nicht ;-fo-furme.fie Soften
find, fondern nur zufälligee Weiſe; oder vielmehr
durch die weiſeſte Worfehung des Schopfers, des
: die Verfnüpfung unter den Menſchen fo fefte ges
ſcchlungen, daß auch Diejenigen, welche ſich und ans
Bern zu fehaden bemüht find, dennoch ohne und
"wider ihren Willen etwas zum allgemehıen Be
- Ken beytragen muͤſſen. An ſich aber ſchadet ein
aſterhafter fi) und andern allezeit, ja weit mehr,
us er Vortheil bringen Pann. Es verhaͤlt ſich mit
— ften überhaupt nicht anders, wie mit einem,
Ber ſich durch unzüchtige Unmähigeit eine boͤſe
— 28 Handwerkern, ich will nicht fagen, den
Kuren; a verdienen lee ehfäpeendet.
|
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FE.
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Wenn wir aber das Verhaͤltniß der Religion
u eines jeben einzelnen Menfchen Beruhigung und
—E auſſer der Verbindung mit andern
Menſchen, betrachten: fo ergiebt ſich leicht, daß
unſern Naturkraͤften, nach deren Regeln und aͤuf⸗
per * allein durch die Religion Genuͤge
, und eine wahre, dauerhafte Zufrieden ·
heit angedeihen koͤnne. ' be
Ein Menſch kommt foauf die Welt, als wenn
. ner im tiefen Schlafe, ohne fein Wiſſen und
Willen, in ein Schiff gebracht wuͤrde, und ſich,
wenn er ertvachte, mitten in einer unbegränjten
- See befände. Wird ein ſolcher Menſch damit zu⸗
frieden ſeyn, daß er in dem Schiffe Effen und
Trinken, eine kleine Gefellfchaft, eine Spielfarte,
Bücher zum Seitvertreibe findet
ich ? wie bin Ich hieher kommen ? was foll ich hler
wachen? wo fol. ich Hin? bin ich auch in guten
3 ul me vraleset das „ Gitzueeruber?
| und den Vorthellen Dan Religlvn⸗ 73
Beni, ein Merſch müßte fein ganzes Leben der
räumen ober wertändeln , oder in einem ſteten
Rauſche —8 wenn er nicht fo viel ermadhte,
daß pr. chen dieſe — über fein ganzes m
- ud Schickſol in ber Welt, an ſich thaͤte. Und
„tom er fich darinn beruhigen, als durch de
* eng als ſich in unenblichen Reihen, ig
ahnen wuͤſten Ungefähr, in einer blinden Noth⸗
dar wi der leblofen Welt, oder Natur, ver⸗
. Kändlicher Grund der Dinge, und unſer ſelbſt,
fnben läßt; und fo unzufrieden, zweiipas un
78 ein Gemuͤth werben muß, das darauf
alles Denken, Verlangen und Hoffen bauen will
* ſehr thut es den —8* unſers Verſtandes unh
Genäüge, wenn wir ein lebendiges, umend⸗
weiſes, guͤtiges und mächtiges Weſen für bas
wfle, ewige. md felbftändige exkennen, das bie
we —— 3 Natur, mit ai mie!
ndigen , gu ihrem Wehl hervorgebr
und befonders uns Wenfchen , in gewiſſer Ord⸗
- ung, ju einem Immermäßrenden glüctfeligen Seen
met bat.
Es läßt ſich begreifen, daß ein lebendiges Kite
ſen felbftändig unb ewig fen; aber nicht, daß ein
folches das erfte wäre, welches von Ewigkeit feines
wicht fen, fo ober anders befchaffen fa. € & fin
met mit der ganzen Natur der Dinge überein, * |
& einen Anfang —— an * und um
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a de eſts U u
‚ein, warum auf unferm Exbboden,
fo viele wunderbare 1
und feblofen Dinge Ihe Daſeyn bekemmen
wie jede mögliche Art des Sebens bie Regel
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Sertigfeiten
endlich felbft, durch unfer vorzigliches
gr einer Vollkommenheit beſtimmt find, Die von
einem finnlichen und vergänglichen eben zu einem
geiftigen und immerwaͤhtenden fteigen foll.
$ a2.
In diefem großen Entwurfe des Zufamme
hanges aller Dinge, welchen uns ſchon bie bloße
dernanftige Religion darfteflet, ift lauter Uebereim
er die niche allein dem Gemüthe feine Dem⸗
. und Verwirrung zurüct läßt, fondern es fetbf:
n Ve und fein natäglichen
kr. Um
2 +: den Vortheilen der Ötefigion. 1753
Werlangen erfättiger. Wir haben darinn ein Urs
bi aller Vollfommenpeit, beffen Bereaceung ıh .
offegelt in entzüctende Bewunderung
Ehrfurcht und Siebe feget, Wir fangen —* u
verſtaͤndig und meife zu werden, fo ferne wir von
* Dem großen Verftande, su ns in dieſer Einriche
ag und Ordnung ber Welt offenbaret, und von
den edelſten Abfichten, die darinn aufs kluͤgſte aus ·
ſahret find, Einſicht befommen.- Unfere Wif .
fe von der Natur, und. deren Mannichfal-
tigkeit im Großen und Kleinen , von den allgemeis .
wen und befondern Gefegen ber Bewegung, von
dein Saufe der Sterne, von den Urſachen der Were
‚Änderungen am Bin der Luſt in auf dem
„Erdboden, von der Be Ereuang
I Mafrung Ind Wachstfume der und Pflan
‚ und was unfern Geift fonft.mit Erkenntniß
abet, alles dieſes iſt nichts, als ein ſchwacher
Abdruck derjenigen Weisheit umbrderer Regeln, die
Gott in feinem Werke der Schöpfung. wirklich auge
:, yeüber har. Slie iſt auch nur in fo ferne reizend
BR.) —5 — als wir die Vollkommenheit und Le
Eu immung der Dinge, und bie bequemſte Er⸗
3 des guͤtigſten —8 weichen der Schde
“ Pier seht, darinn, maberehmen. Damm finden
ie in der Erforſchung und Betrachtung der Dinge
eine unerfchöpfliche Auelle des reinften Wergnügens,
inimer neue. Wunder, Meiſterſtuͤcke, und Mufter
| Eines unendlichen Werftandes. Dann empfinden
‚we die Vorzüge unferer Seele, da wir Mi dem
‘Wine der fichtbaren Motur des unfichehes
l- Mn Befes ef Beth nr ee
re
754 XMG. Won der Serien 1inpirbiuhfeit,
Bann in einem Zufammenhange einfehen.
Dann fhuefen
wir bie Vortheile der Religion,
Er ; 0 in u pen fen Or
einem , nach ber ——
„Behebers, zu beurtheilen
— Kun une Berfand von Natur benik
hee iſt, den Grund, Die Uirfäche und ben Zufan»
menbang der Dinge Mar und Deutlich einzufehen,
und der Betrachtung ſolcher Gegenftände haupt
ſaͤchlich mit Luſt nachhänge , weiche am lehrreich⸗
fin, am wichtigften, am ſchoͤnſten find: fo thut
die Religion allein unferer Natur in diefem Bernd«
ben Genüge, weil fie uns die Vollkommenheit der
Dinge in ihrem rechten Zufammenpange zeiget.
Alles übrige Erkenntniß kann feinen Mugen und
feine Annehmlichfeie haben, fo ferne es ber Reli⸗
gion unterworfen und niche entgegen ift. Sonſt
iſt es entweder eine eitele Tändelep, bie dem Geiſte
nicht die rechte Nahrung, Grfättigung und Stärke
giebt; ober es beunrußiget und verwirret auch fo
gar, wenn es uns alles in der Welt als zufällig,
wüfte , zerruͤttet, unorbentlich und häßlich vers
ſtellet.
$ 23..
Wie verhält ſich aber die Reli
——— ——— |
ſeyn. Arten Data auec end aber Die Deliin |
Pi {
und den Bortheilen ver Belgien, 23
ousnehmend, theils , weil fie unſere Begierden in
Ordnung und ebereinftimmung bringet, welche
wnferer Natur gemäß ift: Fan And weil fie uns fo
viele und fo edle angenehme. 12
vet, als wir vernünftig — —ã*ãð& und
ige Empfindungen Überwiege u
8 ſage erſtlich, daß uns bie Religion zu
den ftellet, indem fie unfere Begierden in jr
Dednung und, Uebereinftimmung beinget, bie unfe
- ver Natur gernäß iſt. Ein Menſch hat natdrlicher
‚, Weife zu vielen und mancherley Dingen —
ſo ferne fie feine Vollkommenheit des Leiber
Geeele, und bes aͤuſſerlichen Zuſtanhes zu Bien
» feheinen, und folglich luſt ber Sinne oder des Ge⸗
Y muͤthes verfprechen. Er kennet aber in feinen Bes
gierden feine Schranken, ſondern fein Verlangen
gebht immer weiter, und erfiredet ſich ins Unendle
i de. Es kann alſo nichts unfere natürlichen Bes
ge erfüllen und zufrieden flellen, als was einen
sthum der wahren Vollkommenheit und bau
* “grhaften Luſt ins Unendliche — * äufferfien Ziele
Dan in Ordnung bringt. Diefes aber kann ein
xirkſames Erkenntniß Gottes und feiner Abfichten,
- er die Religion, allein bey uns ausrichten.
An fich läße ſich nichts vellfonımeners geden⸗
. len, als ein Wefen, das ein felbftändiges, ewiges
* t; ee der ann! und:
üchen imdgliche U ebereinfimmung , bas
} 1a un —
re 956%
756 Kong, Von der ei
Bft daft; eine, draus de uninih
Sie fner genen Bufrenpek und Oücfhe
- Sei, allen möglichen gebenbigen aufee fh fo wel
8 a Saft mg len geneige iR,
ü8 eines jeden Weſen in fung de
Dinge leidet; eine Dede, Durch welche van
mißliche Welt, it ber Ordnung und
keit der lebendigen Gefchöpfe, feinen großen Zweck
ſtets mit eigener Luſt bewirkt fieße: diefer Begriff
an fic) erfüllet alles, was wir großes und herrliches
denken fönnen; er reijet uns zue Bewunderung,
Hochachtung, Ehrfurcht und Siebe; er wird dur)
die aufmerffame Beerachtung der ſichtbaren Werke
In der Natur, und der darinn offenbarten Weisheit
und Güte, lebhaft , überführend- und wirk ſam;
er bildet unſern Verſtand und Willen zu einer
ähnlichen Volllk ommenhelt, ſo weit es unfere Natur
leidet, daß wir nunmehr von einem fo großen Un
bilde erfüllet und eingenommen, an nichts, was
unedel, unfläthig und bospafe iſt, Sefhmat und
Belieben finden, und uns auch zu ben Menfchen,
in deren Eigenfchaften ſich das Göttliche ausdru⸗
det, am liebſten halten.
Wenn wir aber die Abſicht der goͤttlichen
Schoͤpfung beſonders auf ung ziehen, daß er uns
nur Gtäcfeligfeit, und zwar zu einer ſolchen be
k flimmt hohe, Te von ter y kurzen m.
x
und ben Vortheilen der Religion. 757
miſchten zu einer reineren, höheren und ins Unend»
ſiche wachfenden fteigen fol: fo kann ja wohl nichts
- anferm Wuͤnſchen und Verlangen, in allem feinen
„ Mmfange, völliger Bemüge thun, nichts uns ftäre
„Per betoegen, in die göftliche Abſicht und Ordnung
* yitreten, und alle unfere Neigungen nach dieſem
.. großen Zwecke zu richten. Wir fehen und empfins
den an ung felbft, daß der weifefte und gütigfte
„Schöpfer dieſe Abfıhe in unferee Natur - ausge
druckt habe; fo, daß wir ung ſelbſt zuwider und
@ehäffig ſeyn müßte, wenn mir von ſoicher Abſicht
"Ind Vorfehrift abwichen. Unfere Seele wird ſelbſt
‚Such ihre Näturfräfte, und, durch die Regeln,
! wornach fie beftimmer find, aufden Weg der Wapr-
heit und Vollkommenheit gebracht. Unfere Beach
"tung der Gegenftände folget natürlicher Weiſe dem
+: Märften Eindruce „ und locket uns dadurch zur
Wißbegierde, zum Sichte und Exfenntniffe. Unfere
Reflexion und Vernunft machet ſich fehon in der
adheit von dem Beachteten allgemeine und deut
e Begriffe, forſchet bald darauf nach Urſachen
und zureichenden Grunde, kann wiſſentlich nichts
Widerfprechendes gebenfen , und muß. das Ein»
ſtimmige bejahen. Wir haben von Natur an Ord-
“mung, Uebereinftimmung und eoltommenbei,
ſowohl auffer, als in ung, Luſt. Selbſt das ein-
ſtimmige Betragen ber Denfchen, nach dem Na-
Surgefege, nach Pflicht und Tugend, reizet uns
. zum Woßlgefallen, zur Hochachtung zur Siebe,
zur Nachahmung. Wir Pönnen von Natur nichts
‘anders wollen, als fo ferne wir es gut halten,
Fichte verabfipenm, af ferne wir es böfe halten;
3,
ww
738 KG nd Eisen past
wir wählen imter vielen Guten das beſte, unte
Boͤſen bas geringſte; "und wir koͤnnen
Begierde zum Guten, zur Vollkommenheit,
* Luſt und Gluͤckſeligkeit feine Schranken ſethen.
Je mehr wir nun in’ dieſen eingepflanzten
3 unſerer Nakur bie weiſeſte und lich
reichſte Abſicht des Schoͤpfers auf unſere Güde
gkeit, und deren in. bie Ewigkeit teichenden Wache
um, einſehen: deſto williger werden woir in folche
Ordnung treten, die alle unſerr Begierden zur Ex
füllung Öringet; wir werben uns darinn, ſelbſt dur
bie Erfahrımg der baben gefpürten Gemürperuße
und Zufriebenheit, befeftigen, und uns einer gud
digen Obhut des Schöpfers, deſſen Vorfchrift wir
aufrichtig gefolget find, zuverfichtlich getröften, Ya
foicher Bemärhsverfaffung brauchet uns auch feine °
fürchterliche Vorftellung feiner Macht und Straß
gerechtigfeit zu einem Gehorſame zu zwingen, noch
von Ausfchweifungen abzufchredten, meil wir bie gött
haben, Abſicht von feibft zu unferer eigenen gemecha
$ 24%
$eute, welche ſich die Religion, und ein Leben,
das darnach eingerichtet ift, als was Gezwungenes,
Trauriges, und von- aller Luſt Entfernetes vorſteb
len, die muͤſſen davon ſowohl, als von ihrer eige⸗
nen Natur und Gluͤckſeligkeit, —— ganz
irrige Begriffe haben , oder in ihren Neigungen
ſchon ſehr verdorben ſeyn. Wenn wir uns auch
nur in dem gegenwaͤrtigen Leben betrachten, fo ge
nießen wir darinn von der Religion fo viele und fe
. ange.
' . .
und den Vorthellen er Belgien. "759g
angenehme Empfindungen, daimit-Peine falfche und
aus ſchweiſende Luſt zu —e iſt.
Verbietet uns etwa die Religion ben Wohl.
ſchmock an Eſſen und Trinken? Gar niches fone
ringen.
Unterſaget fie uns Bequemlichkeit und: Wobhl⸗
Fond in Kleidung, Behauſung und MWebienten?
Keinesweges. Sie machet es wohl gar zur Pflicht
ben denen, beren Seibes-und dufferlicher Zuſtand
foldyes erfordert, vier fewatnet uns dor Weich⸗
pa welche die Fe —* Gemuͤ⸗
ſchwaͤchet, vor Vermögen
sefchänfet, vor Pracht über unfern Stand, ber, ftatt
‚Bremfäafe , nur Reid mb. Gele
?
a:
in \
gen Jrbei ale je Begierden der Weolhuft nee
ae para m nun Daran Die werben, eine glüc;
dene md Yoce Da Eheyatım m un Di Bande
—— Kb haben. ,
u: 6% © Zirder
A
95 PR
Geſpraͤche durch Vernunft und Vertraulichkeit wuͤr⸗
zen, den Wig im Scherzen, mit Wahrheit, Wohle
ftande und Liebe mildern kann: der genießt in dee
That weit mehreres, edleres und reineres Bergnüs
gen, als der fich mit dieſem Zucker täglich, undbi
zum Ekel oder Schaden, nähren mill.
Geſetzt, Temperament und Gelegenheit mache
ten es jemand angenehm, Mittel zu ſammlen, ober
Ehrezu erwerben: fo-unterbrüctet die Religion auch
biefes nicht. Sie wird aber Dem Gelde ein zehn⸗
mal größeres Vergnügen Denlegen, wenn fie deffen
tiebhabern die Vergnüglichfeit, ein guet Gewiſſen,
Billigkeit, Menfchenliebe und guten Namen bey
der Ermerbung anpreift; wenn fie das Herz von
der Angft und Sorgeder Bewahrung befreyer, und
das Ermworbene auch zur Mothburft, zur Bequem
lichkeit, zur Ergögung, zum Wohlftande, ja *
Midehätigkeie zu gebrauchen Iehret. Eben bie
Religion wird Die Ehrliebenden weit gerußiger und
äufriedener machen , wenn fie ihnen den ‚rechtes
1
und den Vortheilen der Religion. 761
Begriff einer wahren Ehre beybringet; daß ſie nicht
auf Tand, Blendwerk, oder Schandthaten, ſon⸗
dern auf wirkliche Vollkommenheit und loͤbliche
Handlungen gebauet, und von vernuͤnftigen und
tugendhaften Leuten gegeben werden koͤnne. Denn
bey ſolcher Ehre iſt innerer und aͤuſſerer zuverlaͤßi⸗
ger Grund des Wohlgefallens an ſich ſelbſt, und
das Vergnügen baher defto größer.
6 27
Wenn demnach die Religion ung feine Art des
finnlihen Vergnuͤgens benimmt, ſondern daffelbe
unſchaͤdlich machet, und dennoch vermehret, ſchaͤrfet
und erhoͤhet: ſo thut ſie dieſem Theile unſerer na⸗
tuͤrlichen Begierden weit beſſere Genuͤge, als irgend
ein Laſter thun kann. Wie Vielmehr muß fie das
Wergnügen des Gemuͤthes befördern und, vollfom-
mener machen?
Ich will nicht wiederholen, was es der See⸗
fe für Beruhigung gebe, wenn wir den zureichen«
den Örund aller Dinge und unfers eigenen Seyns
in einem ewigen, weiſen, gütigen und mächtigen
Weſen finden ; wie rührend und reisend die Bes
trachtung feiner unendlichen Vollkommenheiten,
ſowohl in ſich ſelbſt, als in den ſichtbaren Werfen
ber Natur, dem Gemüthe fey; welche Zufriedene
heit feine große Abfiche auf das Wohl aller Leben⸗
digen, und befonbers auf unfere vorzügliche Gluͤck⸗
feligfeit gebe; wie angenehm es fey, ben Zuſam⸗
menbang aller Theile der Natur in dieſem äuffer-
fien Zwecke einzufeben. Ich will nur diefes ev.
wähnen, daß alle übrigen Künfte, Wiſſenſchaften
Bbb 5vwd
76 Bi Von Dr rien ira
und Uebungen des Verſtandes imb Pan die
edlerer Seelen liebſter Zeitvertreib zu ſeyn pflegen,
nicht allein mit der Religion beſtehen komen, fo
«dern audh von derſelben gefördert, 1 um nn
f Fugen geleitet werden. Aberglauben umb Ungee⸗
Ba — ek
\ um, als eltern, wovon fie erzeuget
‚Aber, wie bie eigen von dem
Matur, der Sprachen, Gefchichte und Bene:
en Sit: befommen hat: fo ſuchet fie auch da
mehr und nieße aufjuflären, zu erweitern und
auszubreiten; infenderheit aber A
in den allergrößten Wahrheiten zu —*
Dadurch wird das, was fonft eine eitele Taͤndeley
der Muße, oder ein fchnddes Werkzeug der Ge
toinnfucht und bes Hochmuthes war, zur ftärfenden
Nahrung des Geiftes; Darinn der höhere Geſchmad
ſeine volle Saͤttigung findet.
Wem muß es nicht befonbers gefallen, wenn
er die Vorzüge feiner eigenen Natur, und die his
ki Beftimmung feines Endzweckes erfennet,
iefes fehen wir aber nicht anders ein, als ver⸗
mittelſt der Religion. Wenn der Arpeifte ſich
ſelbſt nicht beſſer achtet, als ein Thier, eine Pflan-
ze, eine Maſchine, und feine Seele für ein Niches,
oder hoͤchſtens für ein Hirnmark hält, das aus
dem Mifte , Kothe und Dünger feinen Urfprung
mmen; wenn er fein ganzes AU, zum voraus,
Batd wiederum In Koth verwandelt fiee: fo made
we ſich ohne Zweifel durch feinen Wahn niederges
Klagen, nieberträchtig und misvergnuͤgt.
die Religien lache uns den Adel unfere Guck,
ar
— — — — — —
und Den Boriheilen der Religlon. 763
6 in Ihr ausgedruckte Bild der Gottheit, nebft
w weiten Grenzen unferer bevorftehenden. Volle
mmenheit und Dauer, fehen, weldyes ja ber ver
Inftigften Eigenliebe nicht anders als hoͤchſt an«
nehm ſeyn kann, und bag Gemuͤth zu edleren Abe
hten und Bemühungen ermuntert,, bie ben Vor⸗
hmack größerer Güter geben.
- Was auch ein Menfch, nach feinen Limftäns
m in der Welt, für Gefchäffte, Amt und Pfliche
n hat, die wird er, vermöge der Religion, ges
oft und freudig verrichten, weil ew verfichert iſt,
28 biefes fein Beruf und Stand ſey, welchen ihm
in Schöpfer angewiefen; unb weil er von feinem
hewiffen bas gute Zeugniß hat, daß er das Geh
ige nach Vermoͤgen aufrichtig thue. Andern,
elche unordentliche Begierden haben, wird Pflicht
nd Tugend zur Saft: und was fie ja aͤuſſerlich Das
pm üben, das thun fie aus Furcht, ungerne, und
le innerem Widerwillen; meil Herz ımb Nei⸗
ung mo anders hinhängen. Go haben fie nicht
nmal von ihren gusen Handlungen Wergnügen,
dern find wie Die Schielenden, weiche ihre Au
m mit Gewalt wohin drehen, dahin fie Doch niche
hen. Hingegen ift es eine innere Belohnung ber
römmigteit, daß ein Menſch willig, gerne, und
ie Luſt thut, was ihm obliegt; daß er bie Suͤſ⸗
gkeit eines ordentlichen Wandels empfindet, und,
dem er Dadurch fein eigen Beſtes bemwirfet, zugleich
je Freude hat, daß er auf foldhe Art, dem vol
smmenften Weſen zu gefallen, verfichere iſt.
Reſes iſt eine —— , wie der wohlgearteten
finder, die nice allein an ihrem ſelbſt
764 X M66; Von der Seelen Unſterblichteit,
haben, und dadurch verſtaͤndiger und weifst wer⸗
ben, ſondern auch Darüber froͤhlich find, daß fehler
burch ihrer Aeltern Liebe gewinnen.
+ Die äufferen Belohnungen bes Fleißes
SGSeſchicklichkeit, Ehrlichkeit und Treue bien eh
ten aus. Das Wachsthum bes Wohlitandes, bie
Blüche der Familie, die Siebe, Ehre und Achtung
bey andern Menfchen , haben. eine natürliche und
giemlich nochiwenbige Verkrüpfung ‚mit der Tus
gend und Froͤmmigkeit. Und je weniger in einer
folchen Seele Hochmuth, Eigenſinn. Neid, 2 Seh
Born, Läfterung, Zwietracht, Feindſchaft mb
. che wohnen kam: je mehr fie mie guter Meigung,
‚ Menfchenliebe, Demuth, Dienftfertigfeie, Mit
leid und Mitfreude erfüllee iſt: befto aufrichtigere
Sreundfchaft gewinnt fie bey vernünftigen und ge
fitteren Menfchen, deſto glücffeliger lebet fie in der
bürgerlichen Geſellſchaft. Denn der Menfch ift
zur Siebe gebohren; und wer die von Herzen gegen
andere übet, von andern genießt, und ſich, fo vie
möglich, vor unruhigen Affecten und dufferen Feind»
feligfeiten hütet, der handele feiner Natur gemäß.
Die Begebenheiten bes Glücks und -Unglüds
find. zwar auch in des Froͤmmſten Mache nicht;
und fü ferne ſcheint der Fromme wenig oder nichts
vor dem Gottlofen voraus zu haben. Aber diefe
Begebenheiten verhalten fich zu unferer Zufrieden
heit fo, wie das Gemuͤth iſt, welches ihnen unter«
werfen iſt. Nun frage ich einen jeden: wer bat
mehr Vergnuͤgen von dem zeitlichen Gluͤcke, der,
welcher es für einen blinden Zufall hält, und doch
damit feine unendlichen Vegierben ſtillen will ? oder
der,
und den Vortheilen der Neligion. : 765
r, welcher es als ein aufferordentlih Gnabenge-
enk des hoͤchſten Weſens annimmt, und mit ale
n Zuftande und Gluͤcke, was ihm zu Theile wird,
frieden ift? Ich frage: wer kann fich in die wie
igen Umftände am beften finden: der, welcher
a farales Muß zum Teofte im Unglüce annimmt,
id doch auffer diefem $eben weiter nichts zu hoffen
1? ober der, welcher eine woeife und gütige Vor⸗
bung in den Begebenheiten der Welt erfenner,
mad) uns jegt auch das Böfe zum Guten ge»
wen muß, und die uns zu einer glückfeligen Eiwig-
it vorbereitet? Ich frage: Wer ift wegen der
ıfünftigen Fälle unbeforgter: der, welcher fich
ilden Wellen und Stuͤrmen, ohne Ruder und
Steuermann, übergeben hat; eder der, welcher ſich
ner weifen, gütigen und mächtigen Hand zuver«
chtlich überlaffen ? "
Wenn wir endlich von Kindesbeinen an fchon
nfern gewiffen Tod in anderer täglichen Hintritte
or Augen haben, aber die Art und Zeit, in Un-
ewißheit, ſtuͤndlich erwarten müffen: fo iſt ja wohl
eine andere Weltweisheit Fräftig genug , dieſer
roßen Veränderung mit unverwandten Yugen ent«
egen zu fehen, als die Religion. Denn wer feine
technung nicht weiter geftellet hat, als dieſes te
en reichet, dem muß fie nothwendig die allerfuͤrch⸗
erlichfte duͤnken, weil fein ganzes Seyn damit ein
Ende nehmen foll: dem muß fie alle gegenwärtige
uft verleiden, weil eine betruͤbte Worftellung des
ewiß bevorfichenden Voͤſen das gegenwärtige
Bute nicht empfinden ‚läßt ; dem muß fie das
‚ange Leben als eitel, nichtswuͤrdig und elend ab»
" when,
. wel. Genuͤge.
7 re =
366 08. don on Senf.
mahlen, weil urifere Natur. mie fo kurzer, wie.
: gemiſchter Freude
nicht erſattiget wit.
Religion allein machet uns, durch die Verfihe
u der Ünſterblichteit / iw ſer ganzes Sehen in ollm
Der Das gehe Bergndaen Bar Di groie Si
(2 ge
noch Buflandes; fie von
gegempärtige duch Die pufünftige
; fie den Tod, dis
eine. neue Geburtsftunde zum vollfoınmenern
Sen nah nr Ir gemäßen @tätfegfeie, af
Regi⸗
3
#6040699#690%:9:05090999004%49%
Regiſter.
A
bhaͤngigkeit des Orts der Dinge verweiſet uns auf
eine unendliche Macht und deren Einfluß in die
Erhaltung der Welt. 5990 693
Abbaͤngigkeit der Seele vom Leibe, wie ſie zu begrei⸗
fen. 479,484: und wie fie mit dem einfachen We⸗
fen der Seele beſtehe. 484 :491.
Abſicht. Erklärung davon. 200.216
Abſicht der Schöpfung geht auf das Wohl der Leber
digen. 214-210 iſt der Schluifel, die Vollkommen⸗
heiten Bottesrinfwärtd zu erkennen. 217:219 und
der Mittelpuntt, worinn beyde Wege ded Erkennt»
niffed Gottes zuſammen treffen. 219.221 läßt uns
die Vollfommenpeiten der Welt einſehen. 208. 269.
304:3C @
— Beweis der Abſichten ded Schöpfers in ber Natur,
aus der Leblofigkeit der körperlichen Welt. 133:158.
167:173. 192:195. 222. 223 Wie weit der gemeine
Beweis aus der Ordnung, Uebereinſtimmung und
Nugen der Dinge gelte. 221:223. 234237
Abſichten in dee Natur werden von einigen geleugnet
und verachtet. 223.224 die jedoch feinen Wider:
fpruch mit dem Weſen und der Natur einer Förper:
lichen Welt zeigen können. 224. 225 und fich ſelbſt
widerlegen, wenn fie ein Vergnügen bed Verſtandes
in der Betrachtung der Natur finden. 225. 226
wenn fie fich wegen der Naturkunde weiſe duͤnken.
226. 227 wenn fie Vollkommenheiten in der Welt
fehen. 228. und wenn fie fonft vielmal® in den na»
turlichen Dingen aus der Abſicht und Nutzen ſchlieſ⸗
fen. 228:230 . “ .
Abſichten in der Natur. Einwuͤrfe ded Hru. M. das
gegen. 230:238 beantwortet. 2385248. 252- 208
Ä | X
ans
—— —
J 5 Ren —e 250. *.
imBeit
en
Alle. — 57 an Sn von eine mai
jet werben.
Amelie. © ober es Eimine, je meißen da
Kuͤ —— he nicht weiter
— find 520.
Analogie, Schluͤſſe ade nafogie gründen ſich auſ
die Abſicht. 229. 230
—* wie nüße fie ben u fev. 625:628
ſatz derfelben die Weit!
ab —— —SeS ewig fy. 1.2
— ob fie gaftern führe. 7133-737 \
Verſtand brauchen, können ihrem Ber: _
flande durch fein Lehrgebaͤude "Senüge thun, wei
fle ohne guveichenden Grumd, und wider ihre eigen
Biegeln, barı darnach fie fonft benfen, urteilen. 724:
auch ihr Bollen umd Win —
— — da fie lauter Unvoltommenpeit auffer
1 (en, —— me an Dat
n
tige 9 a icht beffer. daran. .
u ee ber
ſel ei s je
ee Todd dobunc, —
—— und — A Anal bey alleriey Art der
%
Regiften,
».
Baſtarte von verſchiedener Art Thiere, ob fie fruchtbar
HR au ders Was von den Berfüchen derfelben
u ten ii
—— in Europa fi find faſt alle aus Aſien und
ta,
Beachtung ET oiltüpetice, geiget den Unterfcbieb
der Seele vom Leibe. 466:468
BSeohefniß im Leiblichen , und Mangel angebornen
Künfte, bat die Menfihen zum Gehrauche der Yen
nunft,, Ertenntniß und Bel getrieben. 225,536
und ift eine Mutter ale kommenheit ve alenz
fiven. 625.626.
Begierden der eben natürlicher Weiſe ind
Unendliche. 560-566 me in biefem Leben ohne
Religion nicht ia werben. 571:574
Bergfalke, nebft den Geyern und wilden Hunden ſiud
nötige Thiere. 653 Anmerk.
Berge, was fie nügen, und ob fie einmal ganz abneh⸗
men werden. 621-623
Beſſerung dee —— im Sittlichen, wie ſie mög:
lich fey. 561:
Pu — angetan] — * Landthiere. 360,369 ber Waſ⸗
Fee 369-374
Bewußtſeyn ann nur einem fortbausenden Wefen,
oder einer Subfteu;, zukommen, und fchließt allemas
—* gmeruns des vorigen Zuſtandes in ſich
Sn ne ihre DVerrichtung, one an einen weiſen
Schöpfer J gedenken, Blog mechanifch zu erklaͤren
fiv. 348: 358
* Bildung dee Samen in Tpieren und Pflanzen Kine
nicht Ion einer dbnliner Spree 89 nem che
arung ahnlicher Theile, ,
ben gete g etlichen Einfluß in die Erhaltung dev Welt.
ieh, wunderbare Vortpflanzung derſelben. 86
Ge. win
Resiſte.
in dee dl wid aud
—
Ne ee rn |
„rn Bern, di ein gutes und ein HAfeE, annehmen.
x
— wober eö entftehe, amd warum es der göttlichen
febung nicht falle. 609:6:
em Sinn En 6 don Dar
I ie
fen ber —X ae
— et 09074
— Baden ie irten ats Win nach Europ
gebracht 66
€.
Eometen, ob einer die Erde serftöret habe oder jerfid«
ren werde, 72=
75
— ihre Bervegung ift aufalle Fälle genau En
in — großen See
en von A ra bat den Lauf des Mercurs nicht ge
Eyloide, 6 biefer Linie beweget ſich das Liche in un:
Term Dumfikreife. 290. 297
D.
¶ Deutſchland vordem ſehr walbicht, oͤde und wenig be
völtert. —
muthmaßliche Stift af auf
Dunſtkreis
denſelben fi — —* an ——— — 182. Anm
Mepnungen von benfelben. a «186
Wigenpimteen.LBottes, —
* * Bin
Begifer.
»nften Bottes, wie fie ruͤckwaͤrts aus der Weit,
‚eren Befchaffenpeit zu erkennen. 217219
e —* müffen auch in Körpern angenommen
n. 489 daher kann auch die Seele, als
— leſen, mit einem Körper verbunden
484,491
der gönlichen Mache in die Erhaltung der
‚Siehe Erbaltung .
sehöret zu dem Begriffe der Vollkommenheit.
142
be Beaft dee Gonne und ne. 177179 °
dung, Unterſchied ber aͤ und inneren
n Unterfchied von Leib und Geele. 463,
:e pflegen wir den Dingen_auffer ung
'egen; woher es Eömmt? 150 Die Vollkom⸗
‚iten, welche wir an fich Ieblofen Dingen ⸗
ind nicht in ihnen, ſondern kommen auf die gei⸗
Eumpfinbune unferer Seele an. 150153.
achen. Glehe Abficheen. ö
en iſt vorzeiten viel wuͤſter und umbervohnter
m 2 und mo lange nicht fo bevölkert,
ſeyn Tann. 50:5
n Zigur, mie ſie gefchloffen worden. 288290
Yäce — zciget von großen vormaligen
Iberungen. .
1 — oͤftere Verwůſtungen durch Zeus
fer. 69:77
niche unfer aller Mutter. 85. 130. vr 6°
ng der Chiere aller Arten in einem —
:, ein Beweis der goͤttlichen Vorfepung. 584⸗
ıng der Welt durch göttliche Macht, erwieſen
ng ei nn ah Nas 91:09
tungen jendii in 2 =
fie u übernatürlicden Wirkungen ober uns
in unterfcheiden fev. 588: 590 J
niß dee Menſchen wird Durch Ihre natürliche
fi, und durch den Mangel angebohrntk.
eriveckt. 535. 536 Ba
ca 7000
Beier.
“ Armögung der der Thiere aus roher Materie, durch ci
i ⸗
ee ne, Tann oh 83 En ichten
——— ———— 5 Anmerkung.
"Raraps, —— hr walbig, wi ——
⸗ J and Men und
bat (oR alt Banefricne Arie
theilß von bein Phönkieen zu Welle,
—— rg
9.
heuen in der Haut bed Rhurceros 256.258 in dem
- Yanzer ded Armadill. 259
Sirfterne find vermuthlichmit Planeten um eben. 175.
176 find elecwifibe Mafchinen, und en Ein -
onen —* 1179 eis
Fiſche, Sortpflanzung derfelben; von einem Verſache
‚ mit denfelben 422-424 Die Befruchtung ihrer Ey
er in Wutterleibe i no unbewiefen. 424
— die Blafe derfelben ift au das einzige e Mittel ber
Bewegung der Fiſche
— wie und woburch das Ereigen und Sinken derſelben
zu erklaͤren ſep. 369,372
omme, ob es ihnen ufig übel, und den Gott
— wohl gehe? 664; de Ind w wie das mie be
Vorſehung zu veimen? 669-674
Gain, in den älteften Zeiten noch wenig bevoͤlkert.
Piel welche an dem Vergnügen bed Verſtandes
Lintheii haben. 554. 555
Samtıh, —I ‚feines Zuſtandes in den Körper.
| ’ Geſchich
me ©
\ der Sor⸗ Igen
58:63: durch den Wacsıhum Künfte. 63,8
Beben —e——— Ban, ’ *
.. n ſen 3
Bf dr Bewegung In, ke Wahrheiten,
bie fich geometrifch beweiſen Kaffen men
allemal eine Bebi sung voraus. 202. 203. 240°
242 üielen alle au * Wohl der Lebendigen. 204°
206 ſich nach der Regel der kuͤrzeſten Mit
2. _td. 290298
Wefen der Gipeefamteie su. 1 hand da Be:
gel der 35 ittel ? 292-294 0b ef
keinen —D feun® Gottes und feiner Dit
2 Weit mid Güte abgebe? 263-268
: leihen der Menſchen In ber Gli een u.
ame des fcheinenden großen Inte: 3:
Elhds und Alle, ob fie verkehrt
— ide an Ina ne tr Ba
—A mit, —— — und dem Wohl
J 4,
smart des a ob fie überhaupt von dem
Elende uͤberwogen werde
— eine reine bienet und Denfehen der Welt nicht.
655:660
— Slheligerie des Lebens iſt faft bey allen Denfchen
eich, chtet bed fiheinenben Unterfbier
en
Anperänderlihe: ng —8— 29. em. „307. 208 einzig.
210. 211 vollfemmen. 211. unf rperlich, 1ebendig,
FH mit Beftant und a, Willen begabt. 212
— Erklärung. at mie
eo; *
ER er ã KR
—D
————
— he and Ps nf dad Wohlder
Far ie Bel von Eimigelt habe Rhaffen Bancı.
163.1
— 1b deren Rugengrieigt 311,323 al ine Are
den berflben. — a — und if
nöthig. 337:330
en weis iu. 330. 331 ſind. avch
aicht-genug|
‚ Ten, Racıaı Medung. 338 nice
aus Be Ertlarung der —* 2.
Bee
Kegiper.
einen Baneid der Veichen ab Bine des Eihönfenk;
a eng. Korys, der Bahrmg.
375:385 ber die der Deut,
J
fir
}
Kr
B4
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F ‚er
237
ES
Al
—
*
Arten — übermgend Aend wi
52:7
Art des Lebend;- —
ad El —— es uͤbrige ric⸗
BR find in: der törperlichen Welt an ſich nicht
wefentiich eingefchloffen. 135. 136 auch durch Feine
Kraft der Natur urfprünglich entſtanden. 82=127.
ı find aber in der Abſicht des Schoͤpfers der
rund, warum er die Melt hervorgebracht. 167°
187. 192:195 und warum bie Natur durch dieſe
Regeln beflimmet morden. 202:205
— alle mögliche find wirklich in der Welt. 303-310
Keblofe Dinge haben keine innere Vollkommenheit.
134. 135. 141:158 noch einen Grund ihres Dafeyad
. und ihrer Befchaffenheit. 158.159
Leere der Wefen, vacuum formarum. 304. 305 Sie
be Stätigkeit.
Kicyt, deifen Bewegung durch den Dunſtkreis in ei⸗
ner Cycloide. 290. 291
Lucretius tadelt die Natur mit Umverſtand. 620:631
Be Die fi nice iſt den Menſchen von Bott ge
görmt Dirt wird ihnen aber, wegen ange
iofeit 2 Untviffenheit, fo leichte nicht
zu erhalten tr den Thieren. 534:536 thut allein
* — Ba — — 75 und iſt nicht
er einziges und aͤuſſerſtes Ziel, 537 —
iſt an ſich weit ſchlechter, a 0 Mr
F Gemuͤths. 549:555
1
Eufl
w [} -
Regiſtet.
Zufl. Wird durch den Gebrauch der Vernunft nicht
allein mannichfaltiger gemacht, fondern auch auf eis
ne unſchaͤdliche Weife gefcbärfer und erhöhet. 546,
549 ö
— mird ſelbſt von der Religion nicht" erſticket, fondern
in Ordnung gebracht und vermehret. 754:758
— alle mögliche Arten und Stufen der Luft werben
in der Welt von allen möglichen Arten der Lebendi⸗
‚gen wirklich. genoffen. 637.639 .
a.
Mangel’ und Beduͤrfniß hat die Menfchen zum Ges
brauche der Vernunft, Erfenntniß und Fleiße getrie⸗
ben. 535. 536 und dadurch zu aller Vollfommen-
beit gebracht. 625:631
— einer mehreren Volltonmenheit iſt allen einges
ſchraͤnkten Dingen mwefentlic. 612.614
Mannichfaltigteit der Dinge kann mit ber Ueberein⸗
ſtimmung und allgemeinen Aehnlichkeit zuſammen fte:
ben. 242. 243 .
Mafebine bat, als leblos, Feine innere, fondern bloß
aͤuſſere Volfommenheit. 133. 134. 141 kann ohne
einen Nugen für Lebendige nicht einmal gedacht wer⸗
den. 168:173 "
Mienfchliche Befchlecht hat einen Anfang gehabt. 5:9
unendliche Reihen voriger Geburten laſſen fich nicht
denten. 19:25 alle Völker haben fich einen Anfang
bepgelegt , wenn fie ſich auch noch fo alt gemachet.
26:33 iſt vorzeiten nicht fo volkreich Igewefen. au⸗
58 Giehe Mutterſprachen, Koͤnfte, Wälder.
— iſt zur Demebnung Imb zur Beherrſchumg des gans
zen Erdbodens von Naturgemachet. 56.57
Menſchen und Thiere koͤnnen nicht natuͤrlich aus dem
Schlamm, durch Wärme und durch eine ungefähre
Sahrung entflanben feyn. 83-129 - ,
Eis Mans
| Bommenbeit. $ 1
—— Sriche ir Ya werden. 431. 438%
56
Bir der Menfchen nicht ei ſey. 511. 512. *
Iſren ——. Be! erft als "cm
Vieh. 494-498 und le einige vor⸗
Holle Bneirgnben or den Fhieren bey.
501. 502
menſchen koͤnnen ihre Degierben nicht fo ——* als
die Thiere, durch ſinnliche Luft allein, —5
ge fireben alfo nach Wahrheit ed er Bol
mmenbheit. sg. 5 können auch —* —
ner werden. und gehen darinn mit ihrem
Verlangen ing Unenbliche . eben daſ.
— —*
un ukuͤnftige vo ie Thie⸗
re wegen des Zuk inte eng ———
un ——
au Hoffnung —— c6Exʒ⸗
zes
Resifter.
Menktcn Hancn nicht lauter gute Tage vertragen,
55
— Natur der Den aͤuſſert fich bed
Bake auf a ent Are . bey den Thieren.
21. 508:771
mi eo Pop einfache find beffer, ald zuſammengeſetzte.
— beweiſen die Zufalligkeit der Natur.
innereß , welches Hr. B. zur Bildung ber
ann in den Thieren erdacht. 598. 599
Möglichkeit, innere und duffere.- 1172119
= muß nicht mit der Wahrftbeinlichkeit vermenget
werben. 233:249
Min, 3 Aehnlichkeit deſſelben mit unſerer Erbe. 182.
——— Serbien, von bem Urfprunge der Völker iſt
m nen id mu men ‚ und beweifen bi
"eng bes Ahenfpen von wenigen 1 See
.
Vabrungstriebe der Thiere, und deſſen verbieten
Arten. 375:398
Hatar, was eigentlich darunter. u verfleben, wenn
oo "Qualitas occulta oder idolum werben 0.
1
ie t ihre
iſt nich in dc ame 109203 Ihe
laſſen ſich nicht geometriſch 201,303. 240:
ihr A
uns
kraft organiſche Thiere durch ein Ungefähr erzeugen
ann. 83.129
J VNaxtox
Resiſter.
Naiur, ob fe jeht altund unfruchtbar In Erzeugung ber
Thiere er fey. 1100112
— ber Grund aller ihrer Regeln ober: Gefege liegt in
der Abſicht auf dad Wohl ber Lebendigen 201:203
und fo find Natur und Weſen der Dinge Mitte
= göttlicher Abfichten. 567 fie wirket durch bie. fürs
aelten Wege, und thut nichts umſonſt. 290-295
ie Tadler verrathen nur ihren eigenen Unverſtand.
619639 ‚imb bie Alten, welche mentem per rerum
_ naturam intentam angenommen, find weit erir
cher, als die, welche alled aus unverſtaͤndigen Krä
berleiten. 113. 114. 137 \
Vlatseleber. Ob die Betrachtungen ber Abfichten a |
‚ber Natur ihr Binderlich find. —— ob Re m
. . Ihrem Erfenntniffe etwas deytragen. 282,295 if
ohne Einficht der Abdichten nicht erftändlich genug
295:299
Natur Des Menſchen, mas darunter zu verſtehen
sı6. 517 Siehe menſchen Thiere.
Natuͤrlich, was es heiße 518 was ein natuͤrlicher
Zuſtand des Menfchen ſey. 519
Nerven ſind das einzige empfindliche im Koͤrper. 433
entſpringen aus dem Gehirne an verſchiedenen Or⸗
ten; daher die Seele nicht in den Nerven, ſondern
im Gebirne ſelbſt ihren Sitz haben muß. 477. 478
Anmerk.
Nothwendigkeit, unbedingte, koͤmmt der Welt nicht
zu. 191:195 noch auch der Natur. 195. 196.
199:203
— tie vor dem efken, was fich von einem Dinge ge
benfen laßt, das iſt, vor deſſen Möglichkeit und
Weſen, M demfelben angenommen wird, und alfo in
dem Wefen keinen Grund bat, iſt erbichtet. 192
—— z Dinge, ob er eine ao (ht m? 243. 244
Ordi
Regiſter.
©
rdnung. Die beffänbige im Laufe der Natur bes
weiſt eine göttliche Vorberfehung. 579.587
her eined jeden Dinges hängt von ben benachbarten
ab, und diefe Abhangigkeit der Natur weift und auf
die göttliche Erhaltung der Welt. 590-593
pP.
narung ber Thiere. 409-427 se
Ipyfib hänge mit der Matheſi und Metapbpfit zufams
. 204,206. 297:300. Giehe ——
laneten von Lebendigen bewohnet. 185-187. 306,370
find vermuthlich auch um die Zirfterne. 175.
17 ö
formation in ben Samen der Thiere und Pflan⸗
gen, verworfen. 596. 597-
x
Raubtbiere, ihre Kunſt, den Raub zu fangen. 388°
397 dienen, das Gfeichgewicht unter den. Thieren
zu erhalten. 397,399 - .
Recht dee Natur, das allgemeine, welches auch bie
Thiere angeht. 533 ö
Reden, fol dem Menſchen nicht natürlich feyn, nach
dem Gyftem de6 . obgleich die Werkzeuge dazu
da find 515 MWiderlegung. 519-522
Reflerion, ſpricht R. feinen ur ſpruͤnglichen Menſchen
Ab. 497° die von der Reflexivn abitammenden Er⸗
finbungen follen die Urſachen alled Elendes feyn,
494°5
Religion, allgemeine Erklärung. ı SHauptfag derer,
‚bie eine Religion haben. 1. 2 9
= warum ſich einer darum zu bekuͤmmern bat. 750.
75% A eine Dauptfge der menfpligen FR
B Ku beit,
| Regiper,
benbeit: 371.574 r Enfiuß in die zu
— Befoebent eines icben. 750 Ir 79
Alien, Wat nf Bean in Ding. iu
= ap echößet fi. Arie do ni, fuben ve
—— te nm a |
s.
Samen Eyer aller Thiere, wenn ſie auch von Ewig⸗
keit wären, ob fie zureichten, den Urſprung der Thies
ve gu erklären? 127:129
— ihre Bildung. Siehe Bildung.
Schlafende Thiere. 379-383
Schöpfang der Welt, aus Nichts, machet unfere Un-
wi enbeit unbegreiflich. 160 161 iſt aber nicht
widerfprechend. 162 iſt nicht aus einer Nothwen⸗
Digteit Gottes geſchehen. 214. 215 fondern in Ab:
ficht auf dad Wohl der Lebendigen. 21.5217 Eonnte
nach den Regeln der Weisheit und Güte wegen ber
Unvollkommenheit, bie eingefchränften Dingen aw
klebet, nicht unterlaffen werben. 614-618
— 06 nicht eine Schöpfung von Ewigkeit möglich
_ fey? 1635167
Schranken , weſentliche ber Dinge,, enthalten
rund der Unuollfommenbeit und —* si
14
Sat ar Dan
Sek,
' Regiſter.
Seele. Erklaͤrung. 445. 446 iſt eine 446.
447 tann feine —E ae ſeyn.
447.459 .
Seele, ift in jedem Menſchen nur eine. 450:452. 457.
458_ ohne, wo jween Körper an einander gewach⸗
fen find. 452:457
iſt von allen koͤrverlichen Theilen unterſchieben und
einfach. 458-468 Schulbeweiſe davon. . 469
ef des la M. 470-479 u
— Abhängigkeit ihrer geifligen Verrichtungen von dem
organiſchen Körper. 471:475
— Abhängigkeit der Geele vom Körper, HR wie des
Auges vom Spiegel, dad darinn alles flieht. 479:
482 hindert alfo nicht, daß fie nicht davon unters
ſchieden ſeyn follte. 482:484 \
— mie fie, ald ein einfach Wefen, mit dem Körper
vereint fepn könne. 484:490
— Unfterblichkeit derfelben gründet ſich auf die goͤtt⸗
liche Abſicht der Schöpfung und Vorfehung. 691:
693 Möglichkeit derfelben. 693609 bie Wirks
Sichfeit berubet auf unferer Veftimmung, welche aus
unſern Naturfräften erbellet, weil diefelbe nach ihs
sen Regeln zu einer Vorftelung und zum Verlan⸗
. gen eined dauerhafteren und. beiferen Lebens noth⸗
wendig führen. 700-708 weil fonft alle menfhliche
Borzige eitel wären, und und nur unglüdli
macbeten. 7.0: 716 welges der Weißpeit, Güte
und Gerechtigkeit des Schoͤpfers entgegen iſt.
716:721
Sonne und andere Bipfterue baben eine electriſche
Kraft, und find wohnbar. 177:179 ,
@panien, in den älteften Zeiten landwaͤrts wenig ber
dölkert. 142:44 .
—S Geſetz derſelben oder das Geſch der
leinſten Handlung in der Natur, was davon zu
. halten. 232. 233 Anmert. ”
Spin:
. Begifter,
Bpinnengewebe, ob es laͤppiſch few, darinn die Weit:
beit des: Schoͤpfers gu betrachten. 255. 256.
394397
indsa nimmt in der Erklärung von der Subſtam
CA von Gort don Seimlih An, was cı denne
follte, 187,198 irn =
Sprachen ſtammen von mi tterſprachen, und
J
Staͤdte ibre Wenigkeit in den alten Zeiten beweiff bie
Wenigkeit der Menſchen, 41. 42.43. 44.48.53
Sıärigkeit. Grundſatz oder Regel der Grätigkeit,
(kex ne —— a und *
285⸗288 weiſt, alle moͤgliche Lebendige
din ber Welt find. 304:310 * ’
Subſtanʒ, nach dem Spinoja. Eiche Spinosa.
, a wirkliche. Welt: widerfpricht feiner Erklärung, 4
189: 191
c
Cadler der Schöpfung und Vorſebung verrathen ii
ren Underftand, 619-633. 605:608 - ”
Chiere. Siehe Lebendige. Menſchen.
— Vielheit und Mannichfaltigkeit Ihrer Arten. 3195
322 alle Arten ſcheinen auf dem Erdboben ick
u feyh, welche hier möglich find. 306-310.
— ihre Triebe. Giehe Inſtinct.
— ihre beſtaͤndige Erhaltung in allen Arten, und
Giesen einander, it ein Beweis *
goͤctlichen Vorfehung. 584:587
— verächtliche und fehädliche, warum fie in ber Leit
“ find. 634:650 warum fich viele auf Unkoſten ans
berer erhalten. — werden vergeblich zum
—E gegen bie göttliche Vorſehung gebrauden
2602 “ .
Regiſter.
Tbiere haben die —— 2) dag
“ Fi Keidun, , Daf ige 0 unften Pa iR
um dar 3 2) Ni fem —— ihrer
ieden A
ur — des Sue —R —2
nt ent des
— —— Seine Ho — En en
hinein Ic In Eamen unb In Den fe ber Ypie
uud Planen, wie bie mieiften Beobachter und bies
fliden abbilden, und mas fie von ihrem Leben und
Körper eumerten. 91:6 was einige mit di man
eihaften Mi
an Denen wahr
Bi wollen, iſt üngı ‚et ung 0
jelden. Fin " 1% — Sr 5
100:I en; weile
00: 2. a En —X
Pr Zina den u alle Luſt des Lebens. 742:
Trampelthiere, —— vVaarung derſelben 418
Triebe. Giehe Inſtinct
d_der men Natur gemäßer,
— s63. a — as
= würden ohne n, und Hoffnung der Unſterb⸗
ua, nicht ei machen. 712. 713. 7210
u
inſti in dem We ieh
Bao an ta niche nögli Ienmakdfe an ie
ia mit der Wannichfaltigleit beſtehen. 242
Odd Ueber⸗
\ Reginter: | | .
F —— — In dem Baue der’ Ri
ve, 0 Dee de ee
Suchäliche Peimen Jirchtienten |
| Er woher en —
| 2 ib de 1
“ Erbichtung, 3 sotrkliche
ie 1 14717 Be
773 was 2*
——
AUngefaͤbr kann keine Or
duung und Uebereinſtim⸗
im Mannichfaltigen hervorbringen, keine or⸗
— Thiere erzeugen. 1125127. 235. 23%
— Weet ſich nach Re eln, die den Regeln der Ord⸗
nung und Uebereinſtimmung gerade entgegen ſind
no 127
Ungelebrre find au zu versnhnftigen chungen des
—ES 5525554
—**8* Siehe ae Dips
— wird eines
F eb durg bie Hoffnung beſſeren kedent ge;
Binordnung und Unvollkommenheit,
5 —* zu finden * ————
umericweeit eine der Zufriedenheit.
. 513. 574. 688. 690 * ont .
Hnmoolltommenbeis und Boͤſes, mo entſtehe,
d warum es der ame nicht —— Tale
East wird oft irrig mi Unverfiaub ans
Dj
Regifter.
‚was in ber 6 i
Be j Wat gut iſt. 618-633 Sie⸗
— der menſchlichen Natur, ein Mittel ihrer vorzüglis
den ‚Dolltommenpeit, 543: 545 Siehe Bedörfnif.
Urſtoffen der Materie, ob fie ein Lehen ®ı
—A———
V.
"Dezgobgen den Yerflanden Ta niche entflehen als
aus Einficht des Verſtandes, der ſich in Dingen zeis
get. 225. 226 .
— bat viele Vorzüge vor der fiänikhen Luft. 5904⸗
555
— muß mit der Volltommenpeit bed Willens vers
Enüpfe fepn. 559. 560 ö
Vergnägen des Willens an äufferer und eigener Voll⸗
kommenheit. 5552559
Vernunft, u deren Gebrauche wird ber Nenſch durch
leibliche Bebürfniß, und durch.den Mangel anges
borner Künfte getrieben. 535. 536 "
— machet, daß wir vorans denken, oder uns das
gufünftige vorftellen, und dadurch zur Weisheit
ugend und Religion geleitet werden..541:543
Voͤgel, ameritanifche, Maißbiebe genannt, eine artige
iſtorie von denfelben. 648. 649
Voͤlter, die alten wollten aus der Erbe entfproffen
feyn. 26 weiche. und warum fie ſch alt gedichtet.
27:31 keines jedoch hat fich für ewig gehalten
32.33 _
von ihrem erſten Hefprunge Binnen die griechifthen
Geſchicht ſchrei der nichts willen. 34:39
Dos a Volltoms
26 deflıe. 197 ‘
J Dinge zu; 248-150 ° die ‚äuffere verſdin
* SEE
nicht feine Abſſcht
ke 227: 228 2
Volltommenbeis der Welt muß and den Abfichten ber
au werben, 268-270 Feine kann größer, fepn,
darinn alle Arten % 2 der. Eufl nah
luͤckſeligkeit —8 nd fo, daß ale En
1%: der törpertichen Melt. Damit. übereinftim: |
" m Der Sebenigen eine mehrere, ei Die een i
Sirmten leiten, wre den ehe fm
Vorfebung, wird anf OptteR Eigenfibaften ermichn,
2 8 a ch Dropachrungen befdrigt,
EEE mie_fle 3 ne 602, 603 deren n
— _befondere, mie fie
Einfluß in die —X und Berahi der
Menſchen. BE ii om
Te “in. w Mur nn 66
Regiſter.
die Vorſcbung, wegen des
vRgre a entftehen Gerfhiehenen
Serehümern. 605608
Walder in alten Seiten, bemeifen die Menigkeit der
Einwohner des Erdbodend, 41:58 \ ie
Wandernde Tbiere. 385:388
Waſſer, ob zu viel auf dem Erdboden fen. 623.625 -
Webekunſt dee Thiere. 398:405 Giehe —
Weisheit/ ohne Hoffnung der Unſterbiichkeit, würde
ung nicht glüclich machen, 711. 712
Welt ift der Abgott der Atheiſten 1. 2
- ann das erſte Wefen nice feyn: 1) weil Men-
ſchen und Thiere ihren Urſprung von Feiner Welt:
kraft haben, ER} 131:133 aucbindem Weſen der
Förperlichen Belt an fich nicht mit eingeſchloſſen
find. 135. 136 2) weil fie, als leblos Beine innere
Vollkominenbeit, und alfo feinen Grund_ ihrer
‚Wirklichkeit und Beſchaffenbeit in fich ſelbſt bat.
HE Hehe gige Gubftang, vie ſe Gpinoja ettd-
vet. daß fie feines andern Begriffs nöchig hatte.
189-191
- nie feblecbterdingd nothwendig. 1g1:295
— if eine Maſchine. 140. 141 und fo ferne ohne
Urheber und Abſicht auf bie Zebenbigen nicht zu ges
ba einen Anfang arhebt. 159: 160 iR. auf
— bat einen Anfang gehabt. 159: 1 ai
Nichts heruorgebracht. 160: 162 Einpirfe, da
gegen aufgelöft. 162.165 ifk jedoch nicht aug inne:
rer Nothwendigleit yon Bott gebracht. 214:
215 don wem ide der Name einer großen Cut
beugeleget werde 245,
— iſt um ber Lebendigen willen gefchaffen. 167%
18ı. 215. 216 und folglich eing Wohnung aller
möglichen Lehendigen. 298=300. — eine
BR 245 ſolche ift die alleryoll
e. 305310
DR we
mit einander.
nicht glüi —
— haben eine Verbindung
Woiluſt macher die Menfchen fig. 7412744
under find von dem ordentlichen Einfufe ‚örtlicher
Macht in die Erhaltung der Welt zu unterſcheiden
587.59 3 \
Zufriedenheit Bann ohne Religion, ohne Ueberführung |
von der Vorfehung Gottes, und von der Ünſterd⸗
lichteit der Seele, nicht erhalten werden. 5712574
Zulaſſung des Böfen über die Frormmen, und des Gu⸗
gen über die Goftlofen, befteht mit göttlicher Vorſe⸗
bung FH dem Beſten der Menfchen. 669:674
77: |
Beck der auf Mangel ber Sink hegränbe W
ifel, angel gegrunl
pat gegen Mare und Deutliche Einfiht Feine Era,
—
Beine von vofbiän Yet Sin Eike 20
—
_
Errata.
52. p. 2. ſollte fich anfangen:
Diefe Lente geftehen denn doch alle in ihrem Haupt⸗
fage, daß eine körperliche Welt auffer ung wirklich
da fey; und laſſen alfo den Sinnen und der klareũ
Erfahrung ihre Gewißheit. Sie geftehen auch,
daß ein felbftändiges, norhivendiges, ewiges Weſeũ
fen; und legen dadurch eine fichere Wahrheit zum
Grunde, worauf man weiter bauen fann. Denn
wenn man ıc.
P- 18. Note, lin. 9. Tontenelle, lied Sontenelle.
P- 32. Note, kin. 9. veridar, lieb yaridas,
= 0-0 — 10 75 lied ro.
P- 44. Note, lin. 1. xüpus, ließ xuous.
— Note 36. Pochart, lied Bochart.
P- 45. Note'38. lin. penult. ftenti, ließ fenti.
P- 46. Note 38. lin. 1. Romains, ließ des Romains.
P- 48. Note 44. lin. 3. medion, lied wedia,
p- 52. lin. 10. hingegen, ließ hingen.
p. 87. Note, lin. 9. Orten, ließ Arten.
p- 88. lin. 11. dieſelbe, lied die Saamenthiere.
p- 194. lin. 8. vom Ende, Poblot, lied Joblot.
p- 125. lin. ır. welchen, ließ welche. Bu
p- 135. $ 2. lin. ro. für ſich, lied für fich, ohne Abs
ficht betrachtet,
P-136. lin. 12. Veränderungen, lied Veränderungen
der Förperlichen Welt.
p- 139. lin. 9. von unten, vervielfältiget, lied verviels
fältiget wird, und
145. lin. 14. nach, lied noch.
178. Note, lin. 12. zuerft dele.
. 179. Note, lin. 4. Raenſtrow, lied Rackſtrow.
— — lin. 9. dem, ließ denn.
184. Note, lin. 11. von unten, Strugf, lie8StruyP,
185. lin.g. von unten, Strugks, lied Struyks.
. 257. Note, lin. 4 von unten, taurorum, lied zaur
rum becatombas.
. 288. Note, lin. 3. von unten, Ratte, lied arte.
pP: 371
‚>>
„u.
1
p- 371. lin. 8. Kajus, lied Rajue,
p- 402. $ 24. lin. 6, von unten, andern, lies andern
Blättern. .
p- 439. lin. 15. Luft, lied Luft.
P. 441. lin. 6. oder, lied aber.
p. 495. lin. 4. von aller, lied vor aller.
p- 540. lin. 7. vom Ende, Klugheit, lied Klugheit,
Kunſt,
p. 566: $ 17. lin. 6. welche, lies fo.
p- 568. lin. 13. von unten, ihrem, lied feinem,
p. 570. lin. 10. zerriflen, lies geriffen.
p- 573. lin. 1. dieſe, lies viele,
pP. 607. lin. 4, von unten, fo gut, ließ zu gut,
p. o21. An 10. mit, lied mir von.
. 625. Note, lin. 4. von unten, Quam, lies Quom,
? — ftorent, ließ forent. Wam, 2
p. 631. fin. 13. einträglich, lies erträglich. |
p. 647. Note T, lin. 6. Der, lied Die,
p- 653. Note F, lin. 3. Gegnern, lies Beyern. s
p. 661. lin. 18. Dir, lied Die.
— fin. 19. des Alters, lied des männlichen Au |
tere. ’
p. 716. $ 9. lin. 13. ja von, lied jaan, |
mb. von. Cost ſchon ‚beimli
folte. 187191
Speitben, (feunmen- von ; j
na 2 Feneifaen Hefprung ber fen. 3800
..:.1@edöre, ihre Wenigkeit in den alten Seiten
; : Benigkeit der Menfiben, 41. 42.43.44
Srhiigteit, Grundſatz oder Mi
v. (Lex —8 ——
5⸗268weiſt
Aline Weit find. "304: 310° 2
Subflanz, nach dem Spinoza. Giche Spinoya. b
; Die wirkliche Welt. widerfpricht feiner Erklärung
189: 191
’
* in der. rffähurg)
Spinoꝛa nimmt —*8
T ·
Tadler dee Schöpfung und Vorſebung verrathen
ren ne Perg *
‚Chiere. Siehe Lebendige. Menſchen.
— Vielheit und Meannichfaltigkeit ihrer Arten. arg:
322 alle Arten ſcheinen auf dem Erdboden wirklich |
zu ſeyn, welche bier möglich find. 306-310
— ipre Triebe. Giehe Inſtinct. 1
— ihre beftandige Erhaltung in allen Arten, und the.
. Gleichgewicht unter einander , iſt ein Beweis bee
göttlichen Vorfehung. 584:587
— verächtliche und fenäbliche, warum fie in der Weit
find. 634:650 warum fich viele auf Unkoſten aus
berer baten. 6507055 werben vergeblich zug
ö Ghaourfe gegen die göttliie Vorfepung gebraucbet,
3 3 B .
— J Toime
. Regiſter.
biere haben: bie Zene Don ek dor Menfchen: 2) daß
i ven. ee —— m Ber Er u— *
3* 2 igung
finnlichen Euft voll find. 537:540
* u Hi des auch, ganj —*
en von keinem en bed
Pi —— Hmm He —
5 en * a den Gäften ber Spiere
d Pannen, wie bie mein Beobachter und dies
in ib , und was fie von ihrem Beden und
Körper anmerten. 91:96 nad einige mit —— man⸗
tet Ritroſtopio an de
nfelben
n nolen, if Unger, Ei Bug de 1a de
felben. x " fie fin!
B, und
100-1 k eine fähre ent ber vol voll
“ —* — — Eee on
7 Zue den u alle Luſt des Lebens. Y4as
2,20
” Teampelibiere, wunderbare Paarting berfelben 418
Teiebe. Siehe Inftinc.
- Cugenden find der menſchlichen Natur gemäßer, Fr
die ‚Safter. 562. 563. Anmerf.
— wuͤrden ohne Religion, und Hoffnung der 1
—* ale lich machen. 2 nf
u
Nebere inſti in dem Mannichfaltig
—— nicht gli felgen
Ian mit ber Vannichfaltigleit beſtehen. 242⸗
Odd Ne ber ·
"Kein
ii ben Bi der” un u
1 ger. gehe Aber
* Neiben Dahl feinen Dercienhen Beat,
Eee ver. Fe. entfauden. 22.13
er ——— |
3 en Ye en —
7 Fr ram rue
* ng en rs
kann Fein dnung unb
Ungıf —2 ——— Re meh Eeine ors
ga Thiere erzeugen. 1125127. 235. 23%
— "richtet Mb nach Re eln, bie den Regeln ber. Ord⸗
nung und Uehereinffimmung gerade entgegen find.
"1235127
bere f find auch zu verminftigen Uebungen bei
des geſchickt. 5525 554
—*8*8* Siehe Boͤſes
— wird durch die Hoffnung eines beſſeren Beben? ge;
mildert. 698⸗690
Unordnung und Unvollkommenheit,
De Dt zu finden ** —————
Anſterblichkeit Zufriedenheit.
. 573. 574. O8. no a
Unvolltommenbeit und Boͤſes, woraus ed entſtehe,
d warum es der Vorfehung akt gu Baft fall.
Cost kwird oft irrig and niit Anverflanb aus
n
— — ——— — —
*—*
== dreverien eine Metappofibe, Yo:
Bra fer. r mas ds
Funter — ori nen dee Begri —
det in unſern
ſchen 227. 228
Volltommenbeit der. Weit muß and ben Abſichten her
urtheilet werden, 268270 Feine Tann ſeyn
u barinn alle Arten des gehend „ En)
lücfeligteit vereint find, fo, DaB alle Au
vichrung der Körpern Melt bemit
* SET ine mehrere, ald bie nefentikben
we ber Lebendigen, eine, ıne ie
u {eiden, tüche jedem wur Rhablich feym
inficht und Bergnägen davon, bat auf der Erde
fein der end. —— md far allein ſelbſt
ee Sl des ohne Vollkor merkt EB,
de andes, ol nei
—8* 3
ang, wird ar and Cette Eigenfdaften erwieſen.
eg " und durch — —— 77
en ne verhen don, deren
"einfug in bie —æe und —X der
Menſchen. Er 603606. dia
on —S Wr. vu velangen 664
Vors
Regifter.
eifel die Vorſchung, wegen des
Ve ee a " F verſchiedenen
— (er
lder in alten Zeiten, 2 enefen die Den Ai de
—e des —5 — 41:58 \ if
Wandernde Thiete. 385:388
Marken, a0 ob zu viel af dem Srhboben, n gs
kunſt der Thiere. 398:40° Spinne
— ohne —ã — —* t, würde
ung nicht glücklich machen. 714. 712
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" fäen und Thiere ihren Urfprung von Feiner Welt⸗
kraft haben, FR: 1315133 auch in dem Welen ber
forperlichen Welt an ſich nicht mis eingeſchloſſen
find. 135. 136 2) weil fie, als leblos, Feine innere
Vollkominenbeit, und alfo feinen Grund. ihrer
a rau und Befchaffenheit in fich ſelbſt der,
HR Yeite fee Gubfang, wie ge Spinne er
vet, daß fie Feines — Begriffs noͤthig —
ı
nie feblechterbingd notbwendig 191.295
— ift eine Maſchine. 140. 141 und fo ferne ohne
Urheber und Abſicht auf die Vebendigen nicht zu ges
denken. 168-173. 295:
- a einen Anfang gehabt. “ —* aus
jebracht. 160: a wuͤrfe da⸗
es —ã Ba iſt jedoch var aug innes
ger Nothwendigkeit yon Bote hervorgebracht. 2
215 von wem ihr der Mame einer arofen "Sue
beugeleget merbe 245
— ift um der Sehendigen willen geſchaffen. 167
18ı, 215. 216 und folglich eine Wohnung aller
möglichen Lehendigen. 298300. 303:310 eine
ee Stadt Botted, 245 ſoiche ift die allervoll⸗
ke. ef. 25310 O3 FOR
Wiſſenſchaften (ind nichts, ald ein en des Ber
Or der ſich im der wirklichen Natur Jeiget,
226. 227
— haben eine Verbindung mit einander. 204. 205
Wolluft macher die Menſchen nicht glückfelig. 741-744
under find von dem ordentlichen Einfluffe nöttlicher
Macht in die u der Welt zu unterſcheider
BE
ie Bann ohne En ion, ohne Ueberfübeung
von der Borfehung So, ne von der Unfterds
lichkeit der St nicht erhalten werben. Te
Bulaffang des Boͤſen über die Frommen
ten über ie Sottlofen, be mit —— Dorfes
buns und dem Beſten der Menfiben. 669:674
a, Bram. Siehe
Grund ſaͤtʒe.
l, der Mangel der Einſi⸗ rn ibet
—— are und Beurliche Einfie) t — *
Ber won vice A Sie Er
|
Errata. :
82. p. 2. follte fih anfangen: J
Dieſe Lente geſtehen denn doch alle in ihrem Haupt⸗
fage, daß eine koͤrperliche Welt auſſer ung wirklich
da fen; und laſſen alfo den Sinnen und der klaren
Erfahrung ihre Gewißheit. Sie geftehen auch,
daß ein felbftändiges, nothwendiges, ewiges Weſeu
fen; und legen dadurch eine fichere rheit zum
Grunde, worauf man weiter bauen kann. Denn
wenn man x,
p- 18. Note, Iin.9. Tontenelle, lied Sontenelle.
P- 32. Note, kin. 9. verides, lieb yaridan.
= — — 10 v0, ließ ro.
P- 44. Note, lin. 1. xüpas, ließ xepas.
— Note 36. Pochart, lied Bocbart.
P- 45. Note 38. lin. penult. ftenti, lied fensi.
P- 46. Note 38. lin. x. Romains, lie® des Romains.
P- 48. Rote 44. lin. 3. wedin, lied wıdia,
p- 52. lin. 10. hingegen, ließ hingen.
p- 87. Note, lin. 9. Orten, lied Arten.
p- 88. lin. 11. diefelbe, lie die Saamenthiere.
pP: 104. lin. 8. vom Ende, Poblot, lied Joblot.
p- 125. lin. 11. welchen, lies weiche. 35
P- 135. $ 2. lin. 10. für ſich, lies für ſich, ohne Abs
ficht betrachtet,
p- 136. lin. 12. Veränderungen, lied Veränderungen
der Pörperlichen Welt.
p- 139. lin. 9. von unten, vervielfältiget, lied verviels
fältiget wird, und
p- 145. lin. 14. nach, lied noch.
p- 17 te, lin. ı2. zuerft dele,
p- 179. Note, lin. 4. Raenſtrow, lied Rackſtrow.
— — lin. 9. dem, lied denn.
p. 184. Note, lin. 11. von unten, Strugf, liesStruyk.
p.185. lin.g. von unten, Strugks, lied Struyks.
pP. 257. Note, lin. 4 von unten, taurorum, ließ zauro-
rum becatembas.
p. 288. Note, lin. 3. von unten, ſtatte, ließ arte.
p- 371.
- P..5704 lin. 10. zerriffen, lies geriſſen.
22-625. Ritt, I 6. von naten, Qeam, lied Quom,
BET ER Keane
p- 573, fin, r. diefe, ließ wiele.
P: 607. lin. 4, von unten, fo gut, ließ zu gut,
P- 621. lin. 10. mit, ließ mit von.
a —E lieg erträglich.
I LA 13, I
DE. Note 1 lin. 66 Der, le Die
p- 653. Note }, lin. 3. Gegnern, lies Geyern.
p- 661. lin. 18. Dir, lieg Die.
— fin. 19, des Alters, lied des männlichen Au
ters.
®: 716, $ 9. fin. 13. ja von, lied ja an.